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Justus Lipsius, der in seinen Naturanlagen viel Verwandtschaft mit dem Römer zeigte; leider starb er über der Arbeit. Nach ihm hat sich einen geachteten Namen in der Senecakritik J. Fr. Gronov erworben.1) kaltete alsdann das Interesse für Seneca, und es fehlte lange Zeit an einer den modernen Anforderungen entsprechenden Ausgabe. Erst in unseren Tagen haben der treffliche Haase, der ausgezeichnete dänische Philologe Gertz und Meister Buecheler den Senecastudien einen neuen Aufschwung gegeben. Eine allen Anforderungen genügende kritische Ausgabe ist in Angriff genommen.

Neuere Urteile über Seneca. B. G. Niebuhr, Vorträge über röm. Gesch. hsg. von Isler, 3 p. 185: Seneca ist ein sehr geistreicher Mann, und das ist am Ende immer die Hauptsache; sein Einfluss ist für die Litteratur ein höchst wohlthätiger gewesen, ich sage es um so mehr, je weniger ich ihn leiden kann: das Urteil des Dio Cassius über ihn enthält viel Wahres und Richtiges, ist aber übertrieben und allzugehässig. Er hat in seinem pretiösen und sentimentalen Stil eine merkwürdige Aehnlichkeit mit einer französischen Schule, die man auf Rousseau und Buffon zurückführen kann, die in ihren Fehlern ganz unausstehlich sein würde, wenn sie nicht von so überaus geistreichen Männern ausginge: Seneca ist an Höhe des Geistes keineswegs mit einem von beiden zu vergleichen.* Mommsen, Röm. Gesch. 5 p. 69: Senecas Sohn, der Minister Neros und der Modephilosoph der Epoche, und sein Enkel, der Poet der Gesinnungsopposition gegen den Principat, Lucanus haben eine litterarisch ebenso zweifelhafte wie geschichtlich unbestreitbare Bedeutung, die doch auch in gewissem Sinn Spanien zugerechnet werden darf." Macaulay (Leben und Briefe Lord Macaulay's hsg. von Trevelyan, aus dem Engl. von Böttger 1, Jena 1876, p. 452): Was den Sohn (Seneca) betrifft, so kann ich ihn nicht ausstehen. Sein Stil macht auf mich ungefähr denselben Eindruck wie der Gibbon's. Aber das affectierte Wesen ist bei Lucius Seneca sogar noch viel weiter getrieben als bei Gibbon. Seine Werke sind aus lauter Mottos zusammengesetzt. Es kommt kaum ein Satz vor, den man nicht citieren könnte; aber ihn in einem Strich weg zu lesen, ist gerade so, wie wenn man nichts als Sardellensauce zu Mittag speisen wollte." E. Zeller, Die Philosophie der Griechen 3. T.3 1. Abt. p. 718: Wie Seneca in seinem Leben von dem Einfluss seiner Stellung und von den Fehlern einer Zeit, zu deren besten Männern er trotzdem gehört, sich nicht frei genug hielt, um seinen Charakter ohne Schwankungen und Widersprüche durchzuführen, so war er auch als Philosoph den eklektischen Neigungen seines Volks und seines Zeitalters nicht so fremd, dass wir von ihm eine ausnahmslose Folgerichtigkeit der Ansichten erwarten dürfen; nimmt man vollends hinzu, wie leicht ihn das Streben nach rednerischer Wirkung zu Uebertreibungen nach der einen oder der anderen Seite hin verleitet, so begreift es sich, dass er auch bei solchen Fragen, über die er in der Hauptsache mit sich im reinen ist, doch in seinen Aeusserungen sich nicht immer gleich bleibt." Andere Urteile sind gesammelt von Norden, Die antike Kunstprosa 1, Leipz. 1898, p. 313 Anm. 1. 472. Rückblick auf die prosaische Schriftstellerei Senecas. Beurteilung. Nachdem wir die verschiedenen prosaischen Werke Senecas charakterisiert haben, wird es nützlich sein, eine Uebersicht der zeitlich bestimmbaren) zu geben. Die Einschnitte sind das Exil und der secessus. Sonach erhalten wir folgende Gruppen:

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A. Vor dem Exil (vor 41):

Die Monographie über das Erdbeben.
Die Schriften über Indien und Aegypten.
Die consolatio ad Marciam.
De ira.

1) Auch R. Bentley hat sich mit Seneca beschäftigt; vgl. die Mitteilungen von Hedicke, Studia Bentleiana II, Freienwalde 1899.

2) Die nichterhaltenen haben wir nur teilweise berücksichtigt, die poetischen hier ausgeschlossen. Die Zeit der Tragödien (oben § 368 p. 39) ist sehr schwer mit Sicherheit zu be

stimmen. Soviel lässt sich aber sagen, dass auch diese Produkte sich nicht auf einen bestimmten Lebensabschnitt Senecas beschränken. Die Apocolocyntosis ist unmittelbar nach dem Tod des Claudius (54) verfasst. Die Epigramme, welche das schreckliche Corsica schildern (oben § 379 p. 58), stammen natürlich aus dem Exil.

B. Im Exil (41-49):

Consolatio ad Helviam.

Consolatio ad Polybium.

C. Nach dem Exil (nach 49):

a) Vor dem secessus (vor 62):

De brevitate vitae.

De clementia.

De constantia sapientis.

De tranquillitate animi.
De vita beata.

De beneficiis (vielleicht).

P) Nach dem secessus (nach 62):

De otio.

Naturales quaestiones.

De providentia.

Epistulae morales.

Wenn wir auf die prosaischen Schriften Senecas, die erhaltenen wie die verlorenen, zurückblicken, so sehen wir, dass sich dieselben fast ausschliesslich der Philosophie zugewendet haben. Aber auch die Philosophie wird nicht in ihrem ganzen Umfang behandelt, mit ganz entschiedener Vorliebe bewegt sich Seneca auf dem Gebiet der Ethik. Selbst in die naturwissenschaftlichen Bücher ist Moralisches oft genug eingewoben worden. Diese Hervorkehrung der praktischen Seite der Philosophie ist, wie wir in der Einleitung gezeigt haben, durch die ganze Richtung der Zeit bestimmt, welche für das Handeln Direktiven haben wollte. Diese Tendenz der Zeit teilt Seneca vollständig, und hält mit der Verurteilung der wissenschaftlichen Bestrebungen, aus denen sich kein Gewinn für unser praktisches Leben ergibt, nicht zurück; er lächelt über die Antiquare und Kuriositätenjäger, die Zeit und Mühe an unnütze Studien verschwenden (de brevit. vit. 13), er tadelt selbst die ernsthaften Geschichtschreiber, welche sich mit dem, was geschehen ist, statt mit dem, was geschehen soll, abgeben (nat. quaest. 3 praef.), er will nichts wissen von den Silbenstechereien und syllogistischen Spitzfindigkeiten der Philosophen (epist. 88, 42). Auch die philosophische Arbeit, welche ihren Schwerpunkt in dem Aufbau des Ganzen hat, ist unserem Autor gleichgültig. Mit dieser Geringschätzung des Systematischen steht der Eklektizismus in Zusammenhang, dem er entschieden huldigt.1) Die Lehren, die er vertritt, sind die der Stoa. Allein die Schroffheit und die Schärfe dieses Systems sind wesentlich gemildert. Man gewinnt aus seinen Darlegungen den Eindruck, dass er sich mit der menschlichen Schwachheit abfinden will.2) Der stoische Weise ist ein Idealbild, glücklich derjenige, welcher von sich sagen kann, dass er diesem Idealbild näher kommt, dass er von Tag zu Tag besser wird. Der eklektische Zug ist auch in der Stellung, welche er zu den beiden Hauptproblemen der Philosophie nimmt, deutlich erkennbar. Wir meinen die Frage nach dem Verhältnis der Seele zu dem Körper, und die Frage nach dem Verhältnis der Welt zu Gott. Dort lag

magnorum virorum iudicio credo, aliquid et meo vindico.

1) epist. 2, 5 soleo et in aliena castra transire, non tamquam transfuga, sed tamquam explorator; 45, 4 non me cuiquam 2) E. Zeller, Die Philos. der Griech. emancipavi, nullius nomen fero. Multum 3. T.3 1. Abt. p. 717.

als Problem vor die Körperlichkeit der Seele und doch wieder ihre Gegensätzlichkeit zum Leibe,1) hier die Identität Gottes mit der Welt und doch wieder die Ausserweltlichkeit desselben in seinem Wirken als Vorsehung.) In diesen beiden Kardinalfragen gewinnt bei ihm der Dualismus das Uebergewicht. In Anlehnung an platonische Anschauungen stellt er den Leib in starken Gegensatz zur Seele, indem er in dem Leibe ein Hemmnis für das Walten der Seele erblickt. Selbst in die Seele überträgt er seine dualistischen Anschauungen, da er einen vernünftigen und einen unvernünftigen Teil derselben unterscheidet. Indem er ferner die Gottheit gern als die allwaltende Vorsehung sich denkt, nähert er sich dualistischen christlichen Anschauungen. Ein solches Schwanken in den Hauptproblemen beweist, dass ihm die Theorie nicht in erster Linie stand. Sein einziges Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie der Mensch sein Leben glücklich gestalten könne. Er findet, dass nur derjenige dies erreichen wird, der von den äusseren Wechselfällen des Lebens sich unabhängig erhält und den Schwerpunkt in sich selbst hat. Diese innere Festigkeit, die Tugend muss natürlich erworben werden, sie wird nicht ohne steten Kampf mit unseren Neigungen und Affekten gewonnen. Die Philosophie gibt uns die hierzu notwendige Anleitung, sie lehrt uns, unser besseres Selbst zu pflegen.

Gemäss dieser Stellung Senecas zur Philosophie musste sich auch seine Schriftstellerei gestalten; sie brauchte keinen grossen Wert auf strenge Deduktion der Gedanken zu legen, sie konnte in freier zwangloser Weise die Lehren entwickeln, die Hauptsache war, auf den Willen des Lesers zu wirken und denselben zu einem bestimmten Handeln anzuregen. Dazu bedurfte es der eindringlichen Rede. Die rhetorischen Mittel sind stark ausgenutzt worden, manche Partien, wie die Schilderung des Weltuntergangs (nat. quaest.), können geradezu als rhetorische Schaustücke angesehen werden. Auch für die Lebendigkeit der Darstellung sorgt der Schriftsteller, indem er gern den Fortgang der Untersuchung an die Einwürfe eines fingierten Gegners knüpft und so seiner Betrachtung einen dialogischen Charakter verleiht. Durch Einstreuung von Beispielen und durch farbenreiche Bilder aus dem Leben der Gegenwart steuert er der Ermüdung. Freilich ganz kann dieselbe nicht beseitigt werden. Die fortwährenden Ermahnungen und moralischen Predigten verlieren zuletzt ihren Reiz, zumal manches aus dem Leben des Autors nicht recht mit seinen Lehren harmonieren will. Auch folgen wir mitunter nur schwer dem Autor, da er die streng logische Gliederung sehr in den Hintergrund treten lässt und daher ein leitender Faden oft nur schwer aufzufinden ist.3) Trotzdem zieht uns manches zu dem Philosophen hin. Er ist ein geistreicher Kopf, der überallhin seine Geistesblitze leuchten lässt. Auch ist ihm Hoheit der Gesinnung und aufgeklärte Denkungsart eigentümlich. Wenn er das Walten Gottes und die Gleichheit der Menschen erörtert,

1) Zeller p. 707.

2) Zeller p. 702.

3) Es war daher ein sehr glücklicher Gedanke Haase's, die Lektüre dadurch zu

erleichtern, dass er die den Fortschritt der Untersuchung begründenden Stellen in gesperrter Schrift drucken liess.

glauben wir mitunter die Stimme eines Christen zu vernehmen. Originell ist auch sein Stil. Derselbe ist so stark ausgeprägt, dass es leicht ist, sofort ein Schriftstück Senecas zu erkennen. Seine Darstellungsweise stellt sich in scharfen Gegensatz zu der ciceronischen, indem sie die Periodologie absichtlich beiseite setzt. Sie liebt die Sätze ohne Verbindung aneinander zu reihen; man hat mit Recht von einem zerschnittenen Stil gesprochen. Fast jeder Satz ist zugespitzt und erhält durch Antithese, einen gesuchten Ausdruck oder eine eigentümliche Verbindung etwas Manieriertes. Oft ist es ein Spiel mit den Gedanken, in dem sich der Philosoph ergeht. Es ist eine stark gewürzte Kost, welche uns vorgesetzt wird, die Sehnsucht nach einfacher, gesunder Nahrung überkommt uns daher nicht selten bei der Lektüre seiner Schriften.

Allgemeine Schriften über Seneca. M. Baumgarten, L. Ann. Sen. und das Christent. in der tief gesunkenen antiken Weltzeit, Nachgelass. Werk, Rostock 1895; F. Böhm, Sen. und sein Wert auch für unsere Zeit, Berl. 1856; Volkmann, Seneca, eine literar.-pädagog. Skizze (Magers Pädagog. Revue 18 (1857) p. 259); Fiegl, De Sen. paedagogo, Bozen 1886; Heikel, Sen. Charakter und polit. Thät., aus seinen Schr. beleuchtet, Helsingfors 1886 (Acta societatis scient. Fennicae tom. 16); Dirichlet, Der Philos. Seneca als Quelle für die Beurteil. der ersten röm. Kaiser, Königsberg 1890; Asbach, Seneca als Reichsverweser und Theoretiker des Prinzipats (Röm. Kaisert. und Verf. bis auf Traian, Köln 1896, p. 26); L. Friedländer, Der Philosoph Seneca (Hist. Zeitschr. begr. von Sybel, 85 (1900) p. 193); K. F. H. Marx, Uebersichtl. Anordn. der die Medicin betr. Aussprüche des Philos. Sen. (Abh. der Gött. Ges. der Wissensch. phys. Kl. 22 (1877) p. 3).

Die Philosophie Senecas. a) Darstellungen in grösserem Rahmen. Martha, Les moralistes sous l'empire romain, Paris 1865, p. 20; Boissier, La religion romaine d'Auguste aux Antonins 2, Paris3 1884, p. 17; Morlais, Études philos. et relig. sur les écrivains lat., Paris 1896, chap. VII La doctrine religieuse de Sénèque; E. Zeller, Die Philos. der Griechen, 3. T. 1. Abt., Leipz.3 1880, p. 693; H. Schiller, Gesch. des röm. Kaiserr. unter Nero, Berl. 1872, p. 591; 626. ) Spezialdarstellungen. E. Werner, De Sen. philosophia, Breslau 1825; G. Herzog, De Sen. philosophia, Bernb. 1828; B. ten Brink, De Sen. eiusque in philosophiam meritis, Groningen 1829; Holzherr, Der Philos. Seneca, Rastatt 1858, 59; Brolén, De philosophia Sen., Upsala 1880; Corsi, Lo stoicismo romano considerato particolarmente in Sen., Prato 1884; O. Weissenfels, De Sen. Epicureo, Berl. 1886; W. Ribbeck, Sen., der Philosoph, und sein Verh. zu Epikur, Plato und dem Christentum, Hannover 1887; Doergens, Sen. disciplinae moralis cum Antoniniana contentio et comparatio, Leipz. 1857; Siedler, Die relig.-sittl. Weltanschauung des Philos. Sen., Fraustadt 1863; De Sen. philosophia morali, Fraustadt 1877; Fr. Becker, Die sittl. Grundanschauungen Senecas, Köln 1893; Baarts, Sen. de deo, Marienwerder 1848; Fickert, Sen. de nat. deor., Breslau 1857; Burgmann, Sen. Theol. in ihrem Verh. zum Stoicismus und zum Christent., Jen. Diss. 1872; H. Wunder, Sen. quid de dis senserit exponitur, Grimma 1879; Lévy-Bruhl, Quid de deo Sen. senserit, Paris 1884; W. Bernhardt, Die Anschauung des Sen. vom Universum, dargest. nach den nat. quaest. dess., Festschr. Wittenberg 1861, p. 15; Wetzstein, Sen. quid. de nat. hum. censuerit, Leipz. Diss. 1881; Binde, Sen. quid senserit de rer. nat. ac de vita hum., Glogau 1883.

Der Stil Senecas. Rosengren, De elocutione Sen., Upsala 1849, 50. Böhmer, Oels 1840, Opitz, Naumb. 1871 und Rauschning, Königsberg 1876 handeln De latinitate Senecae. Hoppe, Ueber die Sprache des Philos. Sen., Lauban 1873, 77; über die „quaesita artificiosaque neglegentia" Senecas vgl. A. Uhl, Quaest. crit. in Sen. dial., Strassb. 1899, p. 31; Heinr. Weber, De Sen. philos. dicendi genere Bioneo, Marb. 1895; vgl. dagegen Pohlenz, Berl. philol. Wochenschr. 1897 Sp. 1064. Ueber den Einfluss der Rhetorschule auf Senecas Diktion vgl. Morawski, De serm. script. lat. aet. quae dic. argent. observ. (Eos 2 (1895) p. 8); Gercke, Senecastudien (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 22 (1896) p. 133); Norden, Die antike Kunstprosa 1, Leipz. 1898, p. 306; 941. Wichtig für die Beurteilung des Stils ist auch der 114. Brief Senecas; vgl. Norden 1 p. 281.

Gesamtausg. der prosaischen Schriften Senecas. Von den älteren Ausg. verzeichnen wir die von Erasmus, Basel 1515 und 1529; Muretus, Rom 1585; ad mss. Palat. rec. J. Gruter, Heidelberg 1593. Epochemachend wirkte J. Lipsius für Seneca; von ihm erschienen zwei Ausg. Antwerpen 1605 und 1615; da Lipsius 1606 starb, wurden die Anmerkungen nur bis zum Anf. der nat. quaest. geführt. Auf meist verlorenen französischen und deutschen Handschriften beruht die Ausg. von Dalechamp (Dalecampius), welche von

Th. de Iuges 1627 ediert wurde. Wir schliessen daran die Sammelausg., Leyden 1649 (cum notis J. Fr. Gronovii) und die grössere Sammelausg. cum notis J. Fr. Gronovii et aliorum, Amsterdam 1672. Von den neueren Ausg. sind zu erwähnen Ruhkopf, Leipz. 1797-1811 (Materialsammlung); Fickert, Leipz. 1842-1845 (unmethodischer, unzuverlässiger Apparat); F. Haase, Leipz. 1852 f. (ausgezeichnet durch scharfsinnige Kritik). Die Teubneriana Haases wurde in neuerer Zeit derart umgearbeitet, dass derselben ein kritischer Apparat unter dem Texte beigegeben wurde; bisher sind erschienen: vol. fasc. 2: De benef.; de clem. ed. C. Hosius 1900; vol. 3 ad Lucil. epist. moral. ed. O. Hense, 1898 (besonders wertvoll durch die Beiträge Buechelers). Die Stelle einer Ausg. vertreten die berühmten Castigationes des Spaniers Fernandus Pincianus (Fernando Nunnez aus Pincia in Valladolid), Venedig 1536, weil sie auf handschriftlichem Material ruhen; vgl. O. Rossbach, Berl. philol. Wochenschr. 1899 Sp. 614.

Uebers. von J. M. Moser, A. Pauly und A. Haakh, Stuttg. (Metzler) 1828–51. A. Schmidt, Mitt. aus deutschen Handschr. der grossherzogl. Hofbibl. zu Darmstadt. T. 1: Dietr. von Plieningen, Seneca-Uebersetzung (Zeitschr. für deutsche Philol. 28 (1895) p. 17). Auszüge aus Seneca. Pensées de Sénèque par Beumelle pour servir à l'éducation de la jeunesse, Gotha 1754; Betzinger, Seneca-Album, Weltfrohes und Weltfreies aus Sen. philos. Schr. Nebst einem Anh.: Sen. und das Christentum, Freib. i. Br. 1899.

) Die Fachgelehrten.

a) Die Encyclopädisten.

A. Cornelius Celsus.

473. Die Encyclopädie des Celsus. Die Vorliebe der Römer für encyclopädische Gelehrsamkeit ist bekannt. Ihrem praktischen Sinne sagte die mehrere Wissenszweige zusammenfassende und sich demgemäss aufs Notwendige beschränkende Schriftstellerei in hohem Grade zu. Schon im Beginn der römischen Litteratur stossen wir auf ein solches Werk des alten Cato (§ 66). Dann hatte Varro die Encyclopädie der artes liberales begründet (§ 188). Die Regierungszeit des Tiberius spendete endlich die Encyclopädie des Celsus. Das Werk führt in der handschriftlichen Ueberlieferung den Titel „Artes"; von demselben hat sich aber nur die Partie erhalten, in welcher die Medizin abgehandelt wird. Das erste Buch der Medizin ist zugleich das sechste der Artes; sonach gingen fünf Bücher voraus; diese erörterten die Landwirtschaft, denn Celsus citiert sie in der Medizin (5, 28, 16 p. 219, 30) und knüpft deutlich in den Eingangsworten die Medizin an die Agrikultur an.1) Auch ist uns anderweitig bezeugt, dass wirklich die landwirtschaftliche Schrift des Celsus aus fünf Büchern bestand. Ausser der Landwirtschaft wurde auch das Kriegswesen, die Beredsamkeit und die Philosophie durchgenommen. Schlussfolgerungen aus Quintilian endlich führen auch noch auf eine Behandlung des bürgerlichen Rechts. Sonach bestand die Encyclopädie aus sechs Teilen, die wahrscheinlich also angeordnet waren: 1. Landwirtschaft, 2. Medizin, 3. Kriegswesen, 4. Rhetorik, 5. Philosophie, 6. Jurisprudenz. Diese einzelnen Teile werden successive erschienen sein, allein wie das Vorhandene erkennen lässt, wurden sie schon von dem Autor zu einer Einheit verknüpft.

Aus der Inhaltsangabe erhellt, dass die Disziplinen zu einem Ganzen vereinigt waren, welche für den gebildeten Römer unbedingt notwendig waren. Eine Ausnahme macht nur die Medizin; ihre Aufnahme in den Kreis der encyclopädisch behandelten Disziplinen befremdet sehr, denn die Ausübung der Heilkunde lag fast ganz in den Händen von Griechen

1) ut alimenta sanis corporibus agricultura, sic sanitatem aegris medicina promittit.

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