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ritu vulgo) et de sacris Aegyptiorum (unnötig Teuffel-Schwabe: Aegypti; vgl. Tacit. annal. 4, 33). Weyman (Deutsche Zeitschr. für Geschichtswissensch. hsg. von Quidde 11 (1894) p. 152) weist auf Lucan. 10, 176 f. hin, wo der ägyptische Priester Achoreus von Caesar zur Schilderung seines Heimatlandes aufgefordert wird, und erblickt in den Versen eine Anspielung auf die Schrift Senecas über Aegypten; nach den Andeutungen in den Versen vermutet er als Titel derselben de primordiis (origine?), situ, moribus et sacris Aegyptiorum". Unrichtig erachtet Glöckner (Rhein. Mus. 33 (1878) p. 156) die Schrift als einen Teil der Abhandlung de superstitione.

c) Moralphilosophische Schriften.

7. Moralis philosophiae libri. Sen. epist. 106, 2 scis me moralem philosophiam velle complecti et omnes ad eam pertinentes quaestiones explicare; 108, 1 libros, quos cum maxime ordino continentes totam moralem philosophiae partem; 109, 17 persolvi id, quod exegeras, quamquam in ordine rerum erat, quas moralis philosophiae voluminibus complectimur. Lactant. div. inst. 1, 16, 10 Seneca in libris moralis philosophiae; vgl. 6, 17, 28; 2, 2, 14 Seneca in libris moralibus. Vgl. noch oben § 454. Hilgenfeld (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 17 (1890) p. 673) stellt die Behauptung auf, dass diese moralis philosophiae libri noch vorhanden seien und zwar in den Büchern 14-20 der epistulae morales. Allein diese Ansicht ist nicht richtig; dagegen spricht schon, dass Lactantius durchweg libri citiert, nicht epistulae. Wenn weiterhin Hilgenfeld die von Lactantius citierten Stellen, welche sich nicht in unseren epistulae morales finden, den verlorenen Büchern der Briefe zuweisen will, so wäre dies ein merkwürdiger Zufall, aber doch immerhin zu erklären, wenn sich alle Stellen auf eine Materie erstrecken würden; allein die Stelle 6, 17, 28 mit dem ausdrücklichen Citat libri moralis philosophiae hat einen anderen Charakter als die übrigen Fragmente und kann nicht in dem Abschnitt gestanden haben, in dem diese sich befanden. Die Fragmente sind herausgegeben von Haase 3 p. 419. F. Osann, De L. Ann. Sen. scriptis quibusdam deperditis, Giessen 1846, 47, 48.

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8. De officiis. Diom. (Gramm. lat. 1 p. 366, 14) Seneca de officiis. Ueber das Verhältnis dieser und der folgenden Schrift zu der formula honestae vitae vgl. unten § 470.

9. Exhortationes. Lactant. div. inst. 1, 7, 13 quod Seneca, homo acutus, in Exhortationibus vidit. Lactantius hat die Schrift in seinen Divinae institutiones benutzt. Hartlich, De exhortationum a Graecis Romanisque scriptarum historia et indole (Leipz. Stud. 11 (1888) p. 305).

10. De immatura morte. Lactant. div. inst. 3, 12, 11 in eo libro, quem de immatura morte conscripsit; vgl. noch 1, 5, 26; 5, 13, 20.

11. De superstitione. Diom. (Gramm. lat. 1 p. 379, 19) apud Senecam in dialogo de superstitione; Augustin. de civ. dei 6, 10 in eo libro, quem contra superstitiones condidit. Von der Schrift erhalten wir eine Vorstellung durch die Auszüge, welche Augustin in seiner Schrift de civ. dei 6, 10 und 11 gibt. Agahd, M. Ter. Varronis antiqu. rer. div. lib. 1, 14, 15, 16 (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 24 (1898) p. 35).

12. De matrimonio. Hieronym. adv. Jovinian. 1, 49 (2 p. 318 Vall.) scripserunt Aristoteles et Plutarchus et noster Seneca de matrimonio libros, ex quibus et superiora nonnulla sunt, et ista quae subicimus. Ferner wird bei Hieronymus 1, 47 (2 p. 313b Vall.) ein aureolus Theophrasti liber de nuptiis angeführt. Felix Bock, Aristoteles, Theophrastus, Seneca de matrimonio, Accedit scriptoris Christiani liber nuptialis (Leipz. Stud. 19 (1898) H. 1 p. 7) sucht in seiner scharfsinnigen Dissertation nachzuweisen, dass ausser Plutarchs yauxà пaqayyéλuara Hieronymus die Schrift eines Christen, wahrscheinlich Tertullians ad amicum philosophum de angustiis nuptiarum (vgl. § 701, 8), benutzt habe, in der wieder Senecas Abhandlung de matrimonio ausgeschrieben war; Seneca hat aber den Aristoteles frei, den Theophrast wörtlich herangezogen (p. 50).

13. Quomodo amicitia continenda sit. Dies stellt als urkundlichen Titel fest Studemund, L. Ann. Sen. librorum quomodo amicitia continenda sit etc. (Breslauer philol. Abh. 2. Bd. 3. H. p. V). Reste dieser Schrift mit der bereits (oben Nr. 3) besprochenen De vita patris haben sich in dem genannten Palimpsest erhalten und sind herausgegeben von Niebuhr, Cic. orat. pro M. Fonteio et pro C. Rabirio fragm. ed., Rom 1820, p. 99, und nach neuer Lesung von Studemund p. XXVI. Eine Schrift Senecas de vera amicitia wird aus dem 13. Jahrh. in Canterbury verzeichnet; vgl. Manitius, Rhein. Mus. 47 (1892) Ergänzungsh. p. 47.

Ueber de fortuitis und de remediis fortuitorum vgl. unten p. 318.

d) Physikalische Schriften.

14. De motu terrarum. nat. quaest. 6, 4, 2 quamvis aliquando de motu terrarum volumen ediderim iuvenis; aus dem Worte iuvenis muss man folgern, dass die Schrift unter Tiberius oder Caligula verfasst wurde. Jonas, De ordine librorum L. Ann. Sen. philosophi, Berl. 1870, p. 23.

15. De lapidum natura wird erschlossen aus Plin. n. h. Index zu lib. 36.

16. De piscium natura wird erschlossen aus Plin. n. h. Index zu lib. 9 und aus 9, 167; Jonas (p. 60) deutet die Möglichkeit an, dass diese und die vorhergehende Schrift aus Senecas naturales quaestiones und zwar ,ex amissis tertiae partis libris" genommen seien; doch vgl. Gercke, Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 22 (1896) p. 105; 130.

17. De forma mundi. Cassiodor de artib. ac disciplinis liberal. litt. cap. 7 (de astronomia) vol. 2 p. 559b Garet: librum Seneca consentanea philosophis disputatione formavit, cui titulus est: „de forma mundi“, quem vobis item relinquimus relegendum. Schultess (De L. Ann. Sen. quaest. nat. et epist., Bonn 1872, p. 24) hält diese Schrift für einen verlorenen Teil der naturales quaestiones; zu dieser Ansicht neigt sich auch Gundermann, Fleckeis. Jahrb. 141 (1890) p. 353; doch vgl. Gercke 1. c.

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469. Seneca im Altertum. Ueber Seneca wurden schon im Altertum neben den Stimmen des Lobes auch Stimmen des Tadels laut. Dass auf alles Thun des hochstehenden Staatsmannes sich scharfe Blicke richteten, ist leicht begreiflich. Der grosse Reichtum des Philosophen war dem Neide ausgesetzt und gab Anlass, boshafte Vergleiche zwischen Lehre und Leben Senecas zu ziehen. Aus Tacitus wie aus Dio Cassius tönen uns diese Anklagen entgegen. Auch als litterarische Persönlichkeit fand Seneca seine Bewunderer und seine Tadler. 1) Das geistreiche Wesen des Mannes und sein glitzernder Stil musste auf viele eine grosse Anziehungskraft ausüben. Einsichtigere dagegen fühlten den krankhaften Zug in der neuen Richtung. Schon der tolle, aber als Redner nicht ganz unfähige Caligula (§ 358) wollte von dem manirierten Stile Senecas nichts wissen; mit einem glücklichen Bilde nannte er ihn Sand ohne Kalk". Anders urteilte das junge Rom; das las mit Entzücken den geistreichen Schriftsteller und freute sich an den fein geschliffenen Sentenzen. Als Quintilian es unternahm, durch Zurückgehen auf ältere Muster, besonders auf Cicero, den lateinischen Stil zu regenerieren, stand seinen Bestrebungen diese Vorliebe der Jugend für den Modeschriftsteller Seneca sehr entgegen. In seinem Lehrkursus der Rhetorik musste er Stellung zu ihm nehmen und ein Urteil über ihn abgeben, das heute noch unser höchstes Interesse erregt. Da die öffentliche Meinung stark auf Seite Senecas stand, war für den Rhetor Vorsicht und Behutsamkeit notwendig; er verkennt durchaus nicht die Vorzüge des philosophischen Autors und wagt nur mit einer gewissen Schüchternheit seine Schwächen, vornehmlich seinen zerschnittenen Stil, zu tadeln. Am meisten liegt ihm am Herzen, Seneca als Musterschriftsteller, soweit als möglich, zu eliminieren. Und in der That ist es richtig, dass man, um Seneca zu kopieren, vor allem seinen Geist haben muss, und dass ohne diesen die Nachahmung nur Missgeburten zu Tage fördert. Wie weit die Reaktion Quintilians Erfolg hatte, lässt sich nicht mehr genau feststellen. Neue Gegner erstanden aber dem Philosophen bald in den Archaisten, welche sich um den abgeschmackten Fronto scharten. Diese Leute, denen ein altes Wort oder eine alte Redeblume über alles ging, die nach seltenen Ausdrücken auslugten, liessen Seneca bei Seite liegen; denn die Worte, die sie suchten, fanden sie nicht, und an den blendenden Gedanken nahmen sie kein Interesse. Fronto selbst fiel scharf über Seneca her. Noch deutlicher vernehmen wir die Stimme der Opposition aus Gellius; sie spaltet sich in zwei Richtungen: in dem

1) Von den Tragödien, die bereits oben (§ 368 f.) behandelt, sehen wir hier ab.

verdammenden Urteil der Form stimmen beide überein, nur möchte die mildere Richtung den sachlichen Gehalt und die moralische Ausbeute, die in den Schriften Senecas liege, nicht verkennen, wenngleich auch sie schmerzlich vermisst, dass die Gefälligkeit und Würde des Altertums ihnen abgehe. Bei einer solchen Gestaltung der öffentlichen Meinung nimmt es uns nicht wunder, wenn der Schüler Frontos, M. Aurelius, in seinem bekannten Buch den Seneca nirgends erwähnt. Seneca war nahe daran, dem Reich der Vergessenheit anheimzufallen, wenn nicht das Christentum ihn unter seine Fittiche genommen hätte. Den Christen war der Philosoph ungemein sympathisch; sie fanden bei ihm Sätze, die wie christliche klangen, und wir begreifen es, wenn die Kirchenväter, wie z. B. Tertullian und Lactantius, ihn besonders gern und rühmend anführen.1) Diese Berührung der Lehren Senecas mit dem Christentum hat wohl im vierten Jahrhundert einen Mann auf den Gedanken gebracht, einen Briefwechsel zwischen Seneca und Paulus zu fingieren und herauszugeben. Ihn mochte dabei der Gedanke leiten, dass, wenn ein so erleuchteter Geist, wie Seneca, sich mit den christlichen Ideen befreunden könne, auch andere Leute der vornehmen Welt sich durch die barbarische Form der christlichen Schriften2) nicht abhalten lassen würden, Fühlung mit dem Christentum zu gewinnen. Dem Hieronymus lagen diese Produkte bereits vor, Tertullian und Lactantius dagegen kannten sie noch nicht. Die Briefe, vierzehn an der Zahl, sind einfältig und abgeschmackt, und so merkwürdig es ist, dass die Neigung nicht ersterben will, den Briefwechsel zu retten, an ihrer Unechtheit wird kein Verständiger zweifeln. Doch der Fälscher (vgl. p. 319) hat, ohne es zu ahnen, in seinem Falsifikat der Wissenschaft einen grossen Dienst gethan, denn nichts dürfte auf die Erhaltung der Schriften Senecas so tief eingewirkt haben, als dieser Briefwechsel.

Ueber das Fortleben Senecas im Altertum vgl. M. Zimmermann, De Tacito Senecae philosophi imitatore (Breslauer philol. Abh. 5. Bd., 1889, H. 1); vieles ist hier sehr problematisch; vgl. Gercke, Senecastudien (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 22 (1896) p. 104). Ueber die Beziehungen zwischen Seneca und Juvenal vgl. Ribbeck, Der echte und der unechte Juvenal, Berl. 1865, p. 19; Gercke, Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 22 (1896) p. 103; F. Bock, Aristoteles, Theophrastus, Seneca de matrimonio (Leipz. Stud. 19 (1899) p. 46). Quintilians Urteil über Seneca. Quintil. 10, 1, 125 ex industria Senecam in omni genere eloquentiae distuli propter vulgatam falso de me opinionem, qua damnare eum et invisum quoque habere sum creditus. Quod accidit mihi, dum corruptum et omnibus vitiis fractum dicendi genus revocare ad severiora iudicia contendo: tum autem solus hic fere in manibus adulescentium fuit. Quem non equidem omnino conabar excutere, sed potioribus praeferri non sinebam, quos ille non destiterat incessere, cum diversi sibi conscius generis placere se in dicendo posse iis, quibus illi placerent, diffideret. Amabant autem eum magis quam imitabantur tantumque ab eo defluebant, quantum ille ab antiquis descenderat. Foret enim optandum, pares ac saltem proximos illi viro fieri. Sed placebat propter sola vitia et ad ea se quisque dirigebat effingenda quae poterat: deinde cum se iactaret eodem modo dicere, Senecam infamabat. Cuius et multae alioqui et magnae virtutes fuerunt, ingenium facile et copiosum, plurimum studii, multa rerum cognitio, in qua tamen aliquando ab his, quibus inquirenda quaedam mandabat, deceptus est. Es folgt das oben § 452 Ausgeschriebene;

1) Von besonderem Interesse ist das Gedicht Anthol. lat. nr. 666 Riese: Honorii contra epistolas Senecae, weil hier Seneca in Gegensatz zum Christentum gestellt wird. Der neubekehrte Honorius wendet sich von dem Studium Senecas ab, um sich ganz dem Einfluss seines geistlichen Lehrers hinzugeben.

Vgl. über das Gedicht Ziehen, Hermes 32 (1897) p. 490; Plasberg, Rhein. Mus. 54 (1899) p. 144.

2) Charakteristisch sind die Aeusserungen Ps.Senecas in epist. 7 vellem, cum res eximias proferas, ut maiestati earum cultus sermonis non desit; vgl. epist. 13.

dann fährt der Autor fort (129): multae in eo claraeque sententiae, multa etiam morum gratia legenda, sed in eloquendo corrupta pleraque atque eo perniciosissima, quod abundant dulcibus vitiis. Velles eum suo ingenio dixisse, alieno iudicio: nam si ille quaedam (so Halm statt simile quam; Wölfflin, Hermes 25 (1890) p. 326 si obliqua; vgl. über die Stelle auch Gercke p. 137 und Peterson, Ausg. des 10. Buchs, p. 207) contempsisset, si parum ** (recta ergänzt Wölfflin) non concupisset, si non omnia sua amasset, si rerum pondera minutissimis sententiis non fregisset, consensu potius eruditorum quam puerorum amore comprobaretur. Verum sic quoque iam robustis et severiore genere satis firmatis legendus vel ideo, quod exercere potest, utcumque iudicium. Multa enim, ut dixi, probanda in eo, multa etiam admiranda sunt, eligere modo curae sit, quod utinam ipse fecisset: digna enim fuit illa natura, quae meliora vellet: quod voluit effecit; vgl. auch 12, 10, 11, wo die copia Senecae als charakteristisch hervorgehoben wird. Rocheblave,

De M. Fabio Quintiliano L. Ann. Sen. iudice, Paris 1890; Quintil. lib. decimus ed. by Peterson, Oxford 1891, praef. p. XXIV; Gercke p. 136.

Andere Urteile über Seneca. Suet. Calig. 53 peroraturus stricturum se lucubrationis suae telum minabatur; lenius comtiusque scribendi genus adeo contemnens, ut Senecam tum maxime placentem commissiones meras componere et harenam esse sine calce diceret; Colum. 3, 3, 3 Seneca, vir excellentis ingenii atque doctrinae; Plin. n. h. 14, 51 Annaeo Seneca, principe tum eruditorum ac potentia, quae postremo nimia ruit super ipsum, minime utique miratore inanium; Martial. 7, 45, 1 facundi Senecae; vgl. 1, 61, 7. Tacit. annal. 13, 3 fuit illi viro ingenium amoenum et temporis eius auribus accommodatum; in der Anklagerede des Suillius (13, 42) wird dem Seneca vorgeworfen: simul studiis inertibus et iuvenum imperitiae suetum livere iis, qui vividam et incorruptam eloquentiam tuendis civibus exercerent; s. auch oben § 452 Nero und Seneca; Fronto p. 155 N. eloquentiam .... Senecae mollibus et febriculosis prunuleis insitam subvertendam censeo radicitus .... Neque ignoro copiosum sententiis et redundantem hominem esse: verum sententias eius tolutares video nusquam quadripedo concito cursu tenere, nusquam pugnare, nusquam maiestatem studere; p. 157 eandem sententiam milliens alio atque alio amictu indutam referunt; p. 158 quid ego verborum sordes et illuvies? Quid verba modulate collocata et effeminate fluentia? Vgl. Gercke p. 144. Gellius 12, 2, 1 De Annaeo Seneca partim existimant ut de scriptore minime utili, cuius libros adtingere nullum pretium operae sit, quod oratio eius vulgaris videatur et protrita, res atque sententiae aut inepto inanique impetu sint, aut levi et causidicali argutia, eruditio autem vernacula et plebeia nihilque ex veterum scriptis habens neque gratiae neque dignitatis. Alii vero elegantiae quidem in verbis parum esse non infitias eunt, sed et rerum, quas dicat, scientiam doctrinamque ei non deesse dicunt et in vitiis morum obiurgandis severitatem gravitatemque non invenustam. Die Urteile Senecas über Cicero, Ennius und Vergil werden von Gellius bekämpft. Vgl. zur Stelle Gercke p. 142. Dio Cass. 59, 19 ὁ Σενέκας ὁ ̓Ανναῖος <δ> Λούκιος, ὁ πάντας μὲν τοὺς καθ' ἑαυτὸν Ῥωμαίους πολλοὺς δὲ καὶ ἄλλους σοφίᾳ ὑπεράρας; 61, 10 καὶ ἐν ἄλλοις πάντα τὰ ἐναντιώτατα οἷς ἐφιλοσόφει ποιῶν ἠλέγχθη. Καὶ γὰρ τυραννίδος κατηγορῶν τυραννοδιδάσκαλος ἐγίνετο, καὶ τῶν συνόντων τοῖς δυνάσταις κατατρέχων οὐκ ἀφίστατο τοῦ παλατίου .... Τοῖς τε πλουσίοις ἐγκαλῶν οὐσίαν ἑπτακισχιλίων καὶ πεντακοσίων μυριάδων ἐκτήσατο, καὶ τὰς πολυτελείας τῶν ἄλλων αἰτιώμενος πεντακοσίους τρίποδας . . εἶχε καὶ ἐπ' αὐτῶν εἱστία. Ταῦτα δηλοῖ τάς τε ἀσελγείας, ἃς πράττων γάμον τε ἐπιφανέστατον ἔγημε καὶ μειρακίοις ἐξώροις ἔχαιρε, καὶ τοῦτο καὶ τὸν Νέρωνα ποιεῖν ἐδίδαξε. Auch aus Tacit. annal. 14, 52 ersehen wir, dass der Reichtum Senecas gehässige Beurteiler fand. In der Anklagerede des Suillius (annal. 13, 42) hiess es: qua sapientia, quibus philosophorum praeceptis intra quadriennium regiae amicitiae ter milies sestertium paravisset? Romae testamenta et orbos velut indagine eius capi, Italiam et provincias immenso faenore hauriri. Ueber Senecas überseeischen Besitz vgl. Gercke p. 302. Vgl. die ruhige Abwägung bei E. Zeller, Die Philosophie der Griechen, 3. T.3 1. Abt. p. 718 Anm. 2, und M. Joël, Blicke in die Religionsgesch., 2. Abt., Breslau 1883, p. 100.

Der sog. Briefwechsel zwischen Seneca und Paulus. Die Kirchenväter schätzten Seneca hoch, weil sie Lehren bei ihm fanden, die mit dem Christentum verwandt waren; so spricht, um nur je einen Beleg zu geben, Tertullian (de anima 20) von Seneca saepe noster, d. h. von dem mit uns oft übereinstimmenden; und Lactantius (inst. div. 4, 24) sagt von ihm: potuit esse verus dei cultor, si quis illi monstrasset; aber diese Stellen zeigen uns zugleich, dass beide Autoren von einem Briefwechsel zwischen Seneca und Paulus nichts wussten. Dieser tritt erst bei Hieronymus auf, der (de vir. ill. 12) schreibt: Lucius Annaeus Seneca Cordubensis .... continentissimae vitae fuit; quem non ponerem in catalogo sanctorum [iustorum], nisi me illae epistulae provocarent, quae leguntur a plurimis Pauli ad Senecam aut [et] Senecae ad Paulum. Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, dass dem Hieronymus andere Briefe vorlagen, als die uns erhaltenen. Augustin. epist. 153, 14 (ad Maced.) merito ait Seneca, qui temporibus apostolorum fuit, cuius etiam quae

dam ad Paulum apostolum leguntur epistolae. Die Abhängigkeit der Augustinstelle von Hieronymus ist dargelegt von A. Harnack, Theol. Litt.Ztg. 1881 nr. 19 Sp. 447 und Zahn 2 p. 612 f. Ueber das Fortleben dieser Briefe vgl. Harnack, Gesch. der altchristl. Litt. bis Euseb., 1. T., Leipz. 1893, p. 764. Von den zahlreichen meist jüngeren Handschriften sind die ältesten der jetzt verbrannte Argentoratensis C VI 5 und der Ambrosianus C 90. Eine nicht gelöste Streitfrage ist, ob die Briefe aus dem Griechischen übersetzt sind; Zahn, der die Entstehung des Briefwechsels in das 4. Jahrh. setzt, verneint die Frage, Harnack ist geneigt, sie zu bejahen.

Ausg. Abgedruckt bei Haase 3 p. 476; neue Recension von Fr. Kraus, Der Briefwechsel Pauli mit Seneca, Ein Beitr. zur Apokr. Litt. (Theol. Quartalschr. 49, Tübingen 1867, p. 609); E. Westerburg p. 41.

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Litteratur. Fleury, St. Paul et Sénèque, 2 Bde., Paris 1853 (unkritisch); F. Chr. Baur, Seneca und Paulus, das Verh. des Stoic. zum Christent. nach den Schriften Senecas (Hilgenfelds Zeitschr. für wiss. Theol. 1 (1858) p. 161 und 441 Baurs Abh. zur Gesch. der alt. Philos. und ihr. Verh. zum Christent. hsg. von Zeller, Leipz. 1876, p. 377); C. Wachsmuth, Rhein. Mus. 16 (1861) p. 301; Lightfoot, St. Pauls epistle to the Philippians, London 1868, p. 260; Aubertin, Sénèque et St. Paul, Étude sur les rapports supposés entre ce philos. et l'apôtre, Paris 1869; E. Westerburg, Der Ursprung der Sage, dass Seneca Christ gewesen sei, Berl. 1881 (vgl. dazu Harnack, Theol. Litt.Ztg. 1881 Nr. 19 Sp. 444); Kreyher, Seneca und seine Beziehungen zum Urchristent., Berl. 1887; Zahn, Gesch. des neutestamentl. Kanons 2, Erlangen und Leipz. 1890, p. 612; Boissier, La religion romaine d'Auguste aux Antonins, 2, Paris3 1884, p. 46: chap. 5 Sénèque et Saint Paul; Tissot, St. Paul et Sénèque (Le chrétien evangélique 35 (1892) nr. 7); Baumgarten, L. Ann. Seneca und das Christent. in der tief gesunkenen antiken Weltzeit, Rostock 1895, p. 25; Morlais, Études philos. et relig. sur les écrivains lat., Paris 1896, chap. 8 Le christianisme de Sénèque; Bräutigam, Sen. und das Christent. (Ethische Kultur 1896 p. 90); Codara, Seneca filos. e S. Paolo (Rivista ital. di filos. 12 (1898) nr. 2, 5 und 6); Betzinger, Seneca-Album, Freib. i. Br. 1899, p. 197.

470. Fortsetzung. Mit der Vervielfältigung der Schriften Senecas stand das eifrige Studium derselben im Einklang. Gewisse Schriften waren Fundgruben für die Kirchenväter, und wir gewinnen die Grundzüge mancher verloren gegangenen aus den kirchlichen Schriftstellern.1) Selbst noch im Ausgang des Altertums tritt uns der mächtige Einfluss Senecas auf das Geistesleben entgegen. Martin von Bracara (gest. 580) schrieb einen Traktat Ueber den Zorn", der sich im Aufbau und in den einzelnen Gedanken ganz an Senecas gleichnamige Schrift anlehnte. Im Geiste Senecas ist auch eine zweite Schrift gehalten, die an den König Miro gerichtet ist, und im Mittelalter eine grosse Verbreitung erlangt hat, wir meinen die „formula vitae honestae", welche auf natürlicher philosophischer Grundlage für Laien das System der vier Kardinaltugenden, der prudentia, magnanimitas, continentia und iustitia, erörtert. Allein es ist fraglich, ob diese Schrift dem Martin von Bracara angehört, da sie im grossen Ganzen auch als erster Teil des Traktats de verborum copia erscheint, der bereits in dem falschen Briefwechsel zwischen Paulus und Seneca erwähnt ist. Auf einer niedereren Stufe der Schriftstellerei stehen die Excerpte, welche aus Senecas Werken gemacht wurden. Sie tragen einen verschiedenen Charakter, je nachdem sie den Zweck verfolgen, ein grösseres Werk in eine Epitome zu bringen oder die in den Werken Senecas leuchtenden Lichtstrahlen in Florilegien zu sammeln. Ist uns das Werk, von dem eine Epitome veranstaltet wurde, selbst erhalten, so hat der Auszug für uns nur den Wert einer Handschrift; dies ist der Fall bei den Excerpten aus den Büchern Ueber die

1) Vgl. § 468. Ueber Seneca bei Minucius Felix vgl. § 656; hinzuzufügen ist Carlier, Minucius Felix et Sénèque (Le musée Belge 1 (1897) p. 258). Ueber Novatian (de

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cib. Iud. 6 (Patrol. lat. 3, 962 B) und Seneca (epist. 122, 6) vgl. Weyman, Novatian und Seneca über den Frühtrunk (Philol. 52 (1894) p. 728).

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