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Litteraturgesch., Leipz. 1889, p. 542. Spartianus, Helius 5, 9 (1 p. 31, 15 Peter) idem Martialem, epigrammaticum poetam, Vergilium suum dixisse. C. Weyman, Martial und Alcimus Avitus (Rhein. Mus. 42 (1887) p. 637). Eine Sammlung von Nachahmungen gibt auch M. Haupt, Opusc. 3, Leipz. 1876, p. 501; Keil, Gramm. lat. 7 p. 608. Eine Zusammenstellung der Nachahmer Martials in Bezug auf die neuen Wörter gibt Stephani, De Mart. verborum novatore, p. 84. Vgl. auch den vorigen Passus. Ueber die verhältnismässig seltene Erwähnung des Martial in alten Bibliothekskatalogen vgl. Manitius, Rhein. Mus. 47 (1892) Ergänzungsh. p. 63; über das Fortleben des Martial im Mittelalter vgl. denselben, Beitr. zur Gesch. röm. Dichter im Mittelalter (Philol. 49 (1890) p. 560), der auch Belege für die Nachahmung im Altertum gibt, ebenso Friedländer, Ausg. Einl. p. 67. Vgl. ferner Gabotto, Appunti sulla fortuna di alcuni autori Romani nel medio evo 4. Marziale (Biblioteca delle scuole Italiane 3 (1891) Nr. 13 p. 36). Ueber den Beinamen Martials „Coquus* im Mittelalter vgl. Schneide win, Ausg., Grimma 1842 p. 21 und 683; Manitius, Beitr p. 562 Anm. 1.

Ueberlieferung. Da Martial ein vielgelesener Schriftsteller war, sind viele Handschriften von ihm erhalten. Sie zerfallen in drei Familien. Die erste Familie wird gebildet aus dem Vossianus 86 s. IX mit 272 Epigr.), dem Thuaneus der Pariser Bibliothek 8071 s. IX (mit 846 Epigr.), dem Vindobonensis 277 s. X (mit 14 Epigr.); aus derselben Quelle stammte auch eine von Bongars verglichene Handschrift, deren Varianten er am Rand eines Exemplars des Colinaeus (1539 in der Berner Bibliothek) notiert hat (Friedländer, Ausg. 1 p. 76). Die zweite Familie beruht auf der Recension des Torquatus Gennadius (401 n. Chr.); vgl. Friedländer, Ausg. 1 p. 69. Ihre Glieder sind der verschollene Codex Gruters, der Palatinus Vaticanus 1696 s. XV, aus einer alten Vorlage genau abgeschrieben, der Arondellianus 136 im brit. Mus. s. XV. Die dritte Familie wird am besten repräsentiert durch den Edinburgensis s. X, den Puteanus s. X, den mit ihm aufs innigste zusammenhängenden Eporadiensis s. XI und durch den Vossianus 56 s. XI XII. Ueber einzelne Handschriften: Deiter, Zum cod. Voss. 86 des Martial (Fleckeis. Jahrb. 121 (1880) p. 184); Friedländer, De cod. Mart. T (Ind. lect. hib., Königsberg 1879); zum cod. Eporadiensis (und Vindob. 3 s. XV) vgl. G. Goetz und G. Löwe, Leipz. Stud. 1 (1878) p. 363. Ueber das Florilegium des Monacensis 6292 (Frisingensis 92) vgl. Hosius, Rhein. Mus. 46 (1891) p. 297.

Ausg. Um die Kritik Martials machten sich die drei Niederländer Hadrianus Junius (1559 und 1566), Janus Gruterus, Frankf. 1602 und Petrus Scriverius sehr verdient. Die Ausg. des Scriverius (besonders die von 1621 in Leyden) sind für unsern Dichter epochemachend; die von Schrevelius, Amsterdam 1661 und 1670, sind wichtig durch die beigegebenen Anmerkungen J. F. Gronovs. Die neuere Zeit hat hervorgebracht die Ausg. von Schneidewin (eine mit kritischem Apparat, Grimma 1842, dann eine Textausg., Leipz. 1853), die mit deutschem Commentar versehene Friedländers in zwei Bänden, Leipz. 1886, und die von W. Gilbert, Leipz. 1886 (die Vorrede enthält Bemerkungen zur Orthographie; vgl. denselben auch in Friedländers Ausg. 1 p. 108), verbesserte 2. Aufl. 1896. Als Vorarbeiten zu seiner Ausg. liess Friedländer erscheinen: De nonnullis locis corruptis in Mart. epigr., Ind. lect. Königsberg 1867; Observ. de Mart. epigr. part. I. II, Ind. lect. Königsberg 1877/78 und 1878; Recensio loc. in Mart. epigr. libris corruptorum, Königsberg 1878; Epimetrum de locis corruptis in Mart. epigr., Ind. lect. ebenda 1878. Vgl. zu Friedländers Ausg. auch die Bemerkungen zu einzelnen Stellen von O. Crusius, Rhein. Mus. 44 (1889) p. 455; 47 (1892) p. 71. Zu der Ausg. von W. Gilbert vgl. denselben: Zum 1. B. Martials (Philol. 41 (1882) p. 359); Ad Mart. quaest. crit., Dresden 1883; Fleckeis. Jahrb. 127 (1883) p. 643; Rhein. Mus. 39 (1884) p. 511; 40 (1885) p. 210; Zur Erklärung von Mart. Epigr. (Fleckeis. Jahrb. 135 (1887) p. 143). Mart. select. epigr. ed. with introd., notes and append. by Stephenson, London2 1888; Extracts from Martial by Sellar and Ramsay, Edinburgh 1884.

Uebers. Mart. in einem Ausz. lat. und deutsch, aus den poet. Uebers. verschied. Verf. gesammelt von K. W. Ramler, 5 T., Leipz. 1787-1791; Anhänge zum 1. T., ebenda 1793; Nachlese, Berl. 1794; von A. Berg, in den Versm. des Orig., Stuttgart 1865 (Hoffmann); vgl. dazu Renn, Einige Bem. zur Uebers. von Mart. Buch der Schauspiele (Commentat. Wölfflin., Leipz. 1891, p. 57).

Andere Epigrammendichter sind:

1. L. Verginius Rufus, wahrscheinlich aus Mailand stammend (vgl. Mommsen, Hermes 6 (1872) p. 127), Cos. im J. 63 n. Chr. und Legat von Germania superior (vgl. Plut. Galba 6, Dio Cass. 63, 24), schlug die ihm nach der Besiegung des Vindex angetragene Kaiserwürde ab; zum zweitenmal wurde ihm dieselbe angetragen nach dem Tode Neros; er trat aber für Galba ein. Das Consulat bekleidete er zum zweitenmal 69. Auch nach dem Tode Othos wünschte man, ihn auf dem Throne zu sehen. Zum drittenmal war er

Cos. im J. 97 unter Nerva, und starb im gleichen Jahre im 83. Lebensjahr; vgl. Plin. epist. 2, 1, 4; Klebs, Rhein. Mus. 44 (1889) p. 275. Plinius (epist. 5, 3, 5) zählt ihn unter den Liebesdichtern auf und führt (6, 10, 4 und 9, 19, 1) folgendes Epigramm an, das Verginius auf sein Grabmal geschrieben wissen wollte: Hic situs est Rufus, pulso qui Vindice quondam | imperium adseruit non sibi sed patriae. Mommsen in der Pliniusausg. von H. Keil p. 428; Prosopogr. imp. Rom. 3 p. 403 Nr. 284; L. Paul, L. Verginius Rufus (Rhein. Mus. 54 (1899) p. 602).

2. Cn. Octavius Titinius Capito. Von ihm, der unter mehreren Kaisern das Amt ab epistulis und andere Ehrenstellen bekleidete (vgl. Prosopogr. imp. Rom. 2 p. 429 Nr. 41), sagt Plinius epist. 1, 17, 3 clarissimi cuiusque vitam egregiis carminibus exornat. Ueber ihn als Historiker vgl. unten § 441, 5.

Ueber Brutianus vgl. Martial. 4, 23, 4 und über Cerrinius denselben 8, 18, 1.

17. Die Dichterin Sulpicia und andere Dichter.

416. Die Liebeslieder der Sulpicia und das ihr untergeschobene Gedicht. Martial spricht in zwei Gedichten (10, 35 und 10, 38) in enthusiastischer Weise von einer Sulpicia, der Gattin des Calenus; in dem ersten feiert er sie als Dichterin:1)

Dass Sulpicia lesen alle Mädchen,

Die nur eines Geliebten Gunst sich wünschen;
Dass Sulpicia lesen alle Männer,

Die nur einer Gemahlin Gunst sich wünschen.
Nicht der Kolcherin Wüten ist ihr Thema,
Nicht des grimmen Thyestes Mahl erzählt sie;
Und nicht glaubt sie an Scylla, nicht an Byblis:
Nein, sie lehret die keusche fromme Liebe,
Scherzhaft Thuen und Spiel, und süsse Wonne.
Willst der Dichterin Wert du recht bestimmen,
Sage, dass keine wie sie so los' gewesen,
Sage, dass keine wie sie so rein gewesen.

Der Epigrammatiker wagt es, sie sogar mit der Sappho zu vergleichen, und preist ihre treue Anhänglichkeit an Calenus. Dies ist auch der Gegenstand des zweiten Gedichts, das an Calenus gerichtet ist und ihm zu seiner fünfzehnjährigen Verbindung mit der Sulpicia in warmen Worten gratuliert. Die zwei der Sulpicia beigelegten Trimeter sind obscöner Natur. Ausserdem tragen noch 70 Hexameter den Namen der Dichterin; in denselben entschuldigt sie sich der Muse gegenüber zuerst, dass sie jetzt eine andere Dichtungsart mit einem anderen Versmass pflege; dann richtet sie die Frage an Calliope, was denn der Göttervater vorhabe, ob Rom wieder in Unkultur zurücksinken solle. Durch kriegerische Tüchtigkeit sei Rom emporgekommen und habe sich die Welt unterjocht, dann aber habe es sich dem Studium der Weisheit hingegeben und sei bei den Griechen in die Schule gegangen; jetzt würden die Philosophen aus Rom hinweggejagt. Die Muse tröstet die Klagende, die zuletzt noch bittet, ihren Calenus in Schutz zu nehmen, indem sie des Tyrannen Untergang weissagt. Das Gedicht ist abgeschmackt und kann schon wegen gewisser auf spätere Zeiten 2) hindeutenden sprachlichen Eigen

1) omnes Sulpiciam legant puellae, | uni quae cupiunt viro placere; | omnes Sulpiciam legant mariti, | uni qui cupiunt placere nuptae. Non haec Colchidos asserit furorem, diri prandia nec refert Thyestae; ¦ Scyllam, Byblida nec fuisse credit: | sed castos docet et probos amores, | lusus, deli

cias facetiasque. | Cuius carmina qui bene aestimarit, nullam dixerit esse nequiorem, | nullam dixerit esse sanctiorem.

2) So wird Vs. 52 captivus gebraucht, wozu Buecheler bemerkt: ut nunc Itali locuntur, cattivo, ut Galli, chétive." Vgl. jedoch z. B. Apul. met. 1, 6.

tümlichkeiten nicht von der Sulpicia sein; es gehört einer sehr späten Zeit an.

Zeugnisse über die Liebeslieder der Sulpicia. Martial. 10, 35, 13 Tales Egeriae iocos fuisse | Udo crediderim Numae sub antro. | Hac condiscipula (Sulpicia) vel hac magistra | esses doctior et pudica, Sappho: | sed tecum pariter simulque visam durus Sulpiciam Phaon amaret. | Frustra: namque ea nec Tonantis uxor, | nec Bacchi, nec Apollinis puella | erepto sibi viveret Caleno. Apollin. Sid. carm. 9, 261 (p. 303 Mohr) quod Sulpiciae iocus Thaliae | scripsit blandiloquum suo Caleno; Auson., Cento nupt. 4 (p. 146 Schenkl) meminerint. prurire opusculum Sulpiciae, frontem caperare; Fulgentius mitol. lib. 1 (p. 4 Helm) Sulpicillae procacitas; ebenda (p. 13) Sulpicillae Ausonianae loquacitas; vgl. M. Hertz, Miscellen (Fleckeis. Jahrb. 109 (1874) p. 573); schol. Valla zu Juv. 6, 537 unde ait Sulpicia: si me cadurcis dissolutis fasciis | nudam Caleno concubantem proferat (Bährens, Fragm. poet. Rom. p. 370). Wenn auf das untergeschobene Gedicht der Sulpicia (Vs. 4) Verlass ist, müsste man annehmen, dass Sulpicia auch Hendekasyllaben und Hinkjamben geschrieben.

Das der Sulpicia untergeschobene Gedicht. Ueber die Zeit der Abfassung des Gedichts, das gegen die Ueberlieferung willkürlich satira genannt wird, gehen die Ansichten auseinander. Bährens (De Sulpiciae quae vocatur satira, Jena 1873, p. 42) sagt: ,ego sic statuo, poematium nostrum non multo post Ausonii tempus compositum esse a tirone quodam, qui lectis Sulpiciae opusculis summum eius in maritum amorem depingere et ipse cupiens egregiam in Domitiani de philosophis abigendis edicto ansam nactus sibi videretur." Boot, De Sulpiciae quae fertur satira, Amsterdam 1868 (aus den Abhandlungen der Niederl. Akad.) dagegen hielt das Gedicht für ein Erzeugnis des 15. Jahrh. Allein dem widerspricht, dass das Gedicht 1493 nach dem Zeugnis des Raphael Volaterranus im Kloster Bobbio in einem Codex aufgefunden wurde (comment. urb. lib. 4, Rom 1506, fol. LVI): hic (in Bobbio) anno 1493 huiuscemodi libri reperti sunt. Rutilius Namatianus (vgl. H. Schenkl, Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 24 (1898) p. 400). Heroicum Sulpici carmen LXX. Buecheler (in der von ihm besorgten 3. Aufl. p. XIV), der wie Boot das Gedicht dem Altertum abspricht (verbis examinatis sententiisque ac nominibus mihi persuasi [Sulpiciae quae fertur saturam] compositam esse ab aliquo Caecio incondite balbeque iocato), meint daher, dass das Gedicht, welches in dem codex Bobiensis gefunden wurde, nicht mit dem unsrigen identisch sei. Der codex Bobiensis ist nämlich verschollen und unsere Quellen für das Gedicht sind die editio Veneta des J. 1498, wo es im Inhaltsverzeichnis heisst: Sulpitiae carmina LXX (es sind 70 Verse) quae fuit Domitiani temporibus, nuper (per) Georgi Merulae opera in lucem edita und in der Ueberschrift: Sulpitiae carmina, quae fuit Domitiani temporibus, nuper a Georgio Merula Alexandrino cum aliis opusculis reperta, und die editio Parmensis von Ausonius des Th. Ugoletus, 1499. In der Ueberschrift heisst es weiter: queritur de statu reip. et temporibus Domitiani. Die Ueberlieferung ist in der editio Veneta besser als in der editio Parmensis, vgl. Piccolomini, Rivista di filol. 2 (1874) p. 574. Alles erwogen, erscheint die Ansicht Boots und Buechelers nicht haltbar und werden wir das Gedicht noch dem späteren Altertum zuschreiben müssen. Ellis, On Sulpiciae satira (Journ. of philol. 5 (1874) p. 265); vgl. auch Academy 1 (1869) p. 87; Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 3 p. 286; Eskuche, Rhein. Mus. 45 (1890) p. 388.

Ausg. von Wernsdorf, Poet. lat. min. 3 p. 83; von Bährens in der oben citierten Abhandlung p. 37-40 (vgl. dazu Teuffel, Jenaer Litt.Ztg. 1874, Sp. 223); in den Poet. lat. min. 5 p. 93; von Peiper in der Ausg. des Ausonius, p. 413; von O. Jahn-Buecheler in der Ausg. des Persius, Juvenal, Leipz.3 1893, p. 239. Ueber ältere Ausg. vgl. O. Jahn 1. c. p. XI.

Der Satirendichter Turnus. Schol. Vall. zu Juv. sat. 1, 20 ut Probus exponit, Turnum dicit Scaevi Memoris tragici poetae fratrem. Turnus hic libertini generis ad honores ambitione provectus est, potens in aula Vespasianorum Titi et Domitiani; Martial. 11, 10 contulit ad saturas ingentia pectora Turnus: | cur non ad Memoris carmina? Frater erat; 7, 97, 7 (über Caesius Sabinus) nam me diligit ille proximumque | Turni nobilibus leget libellis; Rutil. Namat. 1, 603 (über Lucillus, den Vater des Decius Acinatius) huius vulnificis satura ludente Camenis | nec Turnus potior nec Juvenalis erit; unter einer Schar von Dichtern wird er aufgezählt bei Apollin. Sid. carm. 9, 266 (p. 303 Mohr); Lydus de magistr. 1, 41 Τούρνος δὲ καὶ Ἰουβενάλιος καὶ Πετρώνιος αὐτόθεν ταῖς λοιδορίαις ἐπεξελθόντες tòv σatvoixòr vóμov naqέtowσav. Erhalten sind uns in den Juvenalscholien zu 1, 71 von Turnus zwei Hexameter auf die Giftmischerin Lucusta, die unter Nero lebte; sie sind leider fehlerhaft überliefert; wir geben dieselben nach Buecheler (Pers., Juv., Sulp. sat., Berl.3 1893, p. 243) inde ait Turnus in satura: ex quo Caesareas suboles Lucusta cecidit | horrendi curas avertere nata Neronis. L. Müller, Der Dichter Turnus (Rhein. Mus. 25 (1870) p. 436);

Bährens, Fragm. poet. Rom. p. 371. Dem Turnus ist von Wernsdorf (Poet. lat. min. 3 p. LIX; p. 77) das Fragment einer Satire beigelegt; allein dasselbe ist ein Falsifikat; der französische Dichter Balzac hatte sich ein Spiel der Phantasie erlaubt, indem er Verse, die er selbst verfertigt hatte, als einem alten Codex entnommen hinstellte (Entretiens 4, 4). Diese Verse wurden erweitert und verändert in der Gesamtausg. der Werke (3 (1650) p. 194) unter die Gedichte Balzacs eingereiht. Quicherat, Mélanges de philol., Paris 1879, p. 259. Lyrische Dichter sind:

Vestricius Spurinna. Ueber ihn handelt Plinius in dem Brief 3, 1, der in das J. 101 oder 102 n. Chr. fällt, vgl. § 447. Da Plinius ihn als 77jährigen Greis schildert, wird er etwa 25 n. Chr. geboren sein. Im Krieg des J. 69 war er Parteigänger des Otho; vgl. Tacit. hist. 2, 11; 18; 23; 36; Plut. Otho 5-7; er bekleidete verschiedene Beamtenstellungen, Plin. epist. 3, 1, 11; 2, 7, 1 (aus d. J. 97-100) here a senatu Vestricio Spurinnae principe auctore triumphalis statua decreta est Nam Spurinna Bructerum regem vi et armis induxit in regnum ostentatoque bello ferocissimam gentem ... terrore perdomuit. Et hoc quidem virtutis praemium, illud solacium doloris accepit, quod filio eius Cottio, quem amisit absens, habitus est honor statuae. Ueber das Jahr des Triumphes vgl. Mommsen, Hermes 3 (1869) p. 39. Ueber seine Consulate vgl. Mommsen 1. c. p. 40 Anm. 2; Asbach, Rhein. Mus. 36 (1881) p. 43; Jahrb. des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande H. 72 (1882) p. 20; Klebs, Rhein. Mus. 44 (1889) p. 274 Anm. 1. Plinius richtete an ihn und seine Gattin Cottia den Brief 3, 10, an ihn allein 5, 17; über ihn vgl. auch noch die Briefe 1, 5, 8; 4, 27, 5. Vgl. Prosopogr. imp. Rom. 3 p. 409 Nr. 308. Ueber seine poetischen Spielereien sagt Plinius 3, 1, 7 se cubiculo ac stilo reddit. Scribit enim, et quidem utraque lingua, lyrica doctissime: mira illis dulcedo, mira suavitas, mira hilaritas, cuius gratiam cumulat sanctitas scribentis. Von ihm veröffentlichte Casp. Barth (Venatici et bucolici latini, Hannover 1613, p. 158; Advers. 14, 5) vier Gedichte in horazischen Metren aus einem Merseburger Codex mit der Aufschrift: Incipit Vesprucius Spurinna de contemptu seculi. Ad Martium. Trotz der Verteidigung der Gedichte durch Axt, Vestr. Spur. lyricae reliquiae recogn., in Germanicum convertit, Frankfurt 1840 (Wetzlarer Progr.) und Bährens sind die Gedichte als Fälschungen Barths anzusehen, vgl. F. W. Otto, Ueber die Echtheit der lyrischen Ueberreste des Vestr. Spur. (Zeitschr. für die Altertumswissensch. 1842 p. 845) und Lersch, ebenda p. 873. Abgedruckt sind die Gedichte bei Riese, Anthol. lat. 2 p. 336; Bährens, Poet. lat. min. 5 p. 408.

Varro. Martial (5, 30) feiert ihn als Tragiker, Lyriker und Elegiker. Nach Friedländer (Darst. aus der Sittengesch. Roms 35 p. 449) könnte er identisch mit „P. Tullius Varro (Henzen 6497), Konsul in der Zeit des Traian sein".

P. Manilius Vopiscus. Stat. silv. 1 praef. Manilius (so Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. Roms 36 p. 485, statt: Manlius) Vopiscus, vir eruditissimus et qui praecipue vindicat a situ litteras iam paene fugientes, solet ultro quoque nomine meo gloriari villam Tiburtinam suam descriptam a nobis uno die (= silv. 1, 3). 1, 3, 1 heisst er facundus; aus 1, 3, 99 erhellt, dass er auf dem Gebiete der Lyrik, Epik, Satire und poetischen Epistel thätig war. Vgl. Vollmer, Stat. silv. p. 265; Prosopogr. imp. Rom. 2 p. 328 Nr. 107. Voconius Victor schrieb Liebesgedichte (doctos .... libellos) auf seinen Thestylos; vgl. Martial. 7, 29; 8, 63.

Unicus, dessen Bruder auch dichterisch thätig war; vgl. Martial. 12, 44.

C. Passennus Paullus Propertius Blaesus. Plin. epist. 6, 15 (nach Mommsen aus dem J. 107) § 1 Passennus Paullus, splendidus eques Romanus et in primis eruditus, scribit elegos. Gentilicium hoc illi: est enim municeps Properti atque etiam inter maiores suos Propertium numerat; 9, 22, 1 magna me sollicitudine adfecit Passeni Paulli valitudo.... in litteris veteres aemulatur, exprimit, reddit, Propertium in primis (vgl. 2. T. 1. Hälfte § 290), a quo genus ducit, vera soboles, eoque simillima illi, in quo ille praecipuus. Si elegos eius in manum sumpseris, leges opus tersum, molle, iucundum, et plane in Propertii domo scriptum. Nuper ad lyrica deflexit, in quibus ita Horatium, ut in illis illum alterum effingit. Putes, si quid in studiis cognatio valet, et huius propinquum. Magna varietas, magna mobilitas. Amat ut qui verissime, dolet ut qui inpatientissime, laudat ut qui benignissime, ludit ut qui facetissime, omnia denique tamquam singula absolvit. In einer in Asisium gefundenen Inschrift (M. Haupt, Opusc. 1, Leipz. 1875, p. 283) lesen wir: C. Passenno C. F. Serg. Paullo Propertio Blaeso; aus der Inschrift ergibt sich mit Sicherheit der Name Passennus, für welchen die Pliniushandschriften geben Pussennius oder Pussenius oder Passienus. Prosopogr. imp. Rom. 3 p. 14 Nr. 105.

Sentius Augurinus. Plin. epist. 4, 27 audivi recitantem Sentium Augurinum cum summa mea voluptate, immo etiam admiratione. Poematia appellat. Multa tenuiter, multa sublimiter, multa venuste, multa tenere, multa dulciter, multa cum bile. Aliquot annis puto nihil generis eiusdem absolutius scriptum Die mitgeteilten Verse beginnen:

canto carmina versibus minutis, | his olim quibus et meus Catullus | et Calvus veteresque

166 Die Komödiendichter Catullus, M. Pomponius u. Vergilius Romanus. (§ 417.)

Sed quid ad me? | unus Plinius est mihi priores. Weiter berichtet Plinius, dass der iuvenis vivit cum Spurinna, vivit cum Antonino, quorum alteri adfinis, utrique contubernalis est. 9, 8 schreibt Plinius an Augurinus: omnia scripta tua pulcherrima existimo, maxime tamen illa de nobis. Der Dichter ist vielleicht identisch mit Q. Gellius Sentius Augurinus, Prokonsul unter Hadrian (CIL 3, 586); vgl. Prosopogr. imp. Rom. 2 p. 115 Nr. 80. (Irrig Borghesi, Oeuvres 6 p. 299.) Bährens, Fragm. poet. Rom. p. 371.

Hieran reihen wir noch die Dichter, deren Dichtungsart nicht näher bestimmbar ist. So erscheinen bei Martial als Dichter: Faustinus, 1, 25; vgl. z. St. Friedländer; der im J. 97 ermordete Kämmerer des Domitian, Parthenius, 9, 49, 3 (vates); vgl. Friedländer zu 4, 45; Rufus, 12, 52, wo derselbe auch als Redner gerühmt wird; L. Stertinius Avitus, cos. 92; vgl. 9 praef.; Friedländer zu 1, 16, 2. Wohl fingiert ist Atticus 2, 7, (3 carmina bella facis, | componis belle mimos, epigrammata belle). Ueber Julius Rufus vgl. Friedländer zu Martial. 10, 99. Bei Statius erscheint Novius Vindex silv. 4, 6; vgl. auch Martial. 9, 43 und 44 und Vollmer, Stat. silv. p. 473.

18. Die Komödien dichter Catullus, M. Pomponius Bassulus und Vergilius Romanus.

417. Verschiedene Versuche auf dem Gebiet der Komödie. Auch an vereinzelten Bestrebungen auf dem Feld der Komödie fehlt es nicht in unserer Epoche. Zur Zeit Caligulas schrieb ein Catullus Mimen, einen Laureolus und ein Phasma. Der Laureolus, der nach der Hauptfigur des Stückes, einem ans Kreuz geschlagenen Räuberhauptmann, benannt wurde, kam am Todestage Caligulas zur Aufführung; es war ein blutiger Mimus. In dem Phasma, einer Gespenstergeschichte, gab es vielen Lärm.1) In einer Inschrift aus Aeclanum stellt sich uns ein Komödiendichter des Namens M. Pomponius Bassulus, der in seiner Heimat die höchste Würde, das Duumvirat, erreicht hatte, mit 15 Senaren vor, 2) in denen er im Anfang sagt, er habe, um nicht wie das Vieh seine Musse hinzubringen, einige feine Stücke Menanders übersetzt und auch einige Komödien selbst gedichtet, von Kummer und körperlichen Leiden gequält, habe er sich Ruhe durch den Tod verschafft." Pomponius ist also in doppelter Weise thätig, er übersetzt menandrische Stücke, verfasst aber auch eigene Komödien. Allem Anschein nach gehören diese dichterischen Arbeiten des Pomponius der Zeit Traians oder Hadrians an. Einen zweiten Komödien

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dichter der traianischen Zeit lehrt uns der jüngere Plinius kennen, den Vergilius Romanus. Wie Pomponius schrieb er Stücke nach Art Menanders und anderer Dichter der neuen Komödie, auch Mimiamben verfasste er. Später versuchte er sich in einer alten Komödie mit satirischer Tendenz; dieser Versuch ist ausserordentlich merkwürdig, weil er ganz einzig in der römischen Litteratur dasteht. Wie viel an dem Lobe des Plinius wahr ist, lässt sich nicht entscheiden.

Der Mimograph Catullus. Martial. 5, 30 facundi scaena Catulli. Ob 12, 83, 4 unter den duo Catulli auch unser Mimograph einbegriffen ist, lässt sich nicht ausmachen, ebenso ob die verdorbene Stelle Comment. Bern zu Lucan 1 Vs. 544 p. 36 Us. sed hoc

1) Es sei hier auch eines Mimographen Aesopus gedacht; vgl. Ammian. Marcell. 30, 4, 21 iudices patiuntur interdum doctos ex Philistionis (Hieronym. (2 p. 147 Schöne) zum J. 2023 7 n. Chr.) aut Aesopi cavillationibus, quam ex Aristidis illius Justi vel Catonis disciplina productos. Wenn die Paare, die einander gegenübergestellt werden, gleichartig sind, wird Aesopus wie Cato

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als Lateiner zu betrachten sein.

2) CIL 9, 1164 ne more pecoris otio transfungere[r, | Menandri paucas vorti scitas fabulas et ipsus etiam sedulo finxi novas. | Id quale qualest chartis ma[n]datum diu. | Verum vexatus animi cu[r]is [a]nxiis, | non nullis etiam corporis doloribus, utrumque ut esset taed[iosum ultra modum, | optatam mortem sum pot[itus.

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