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effectis ad similitudinem oris sui et feminae, prout quamque diligeret. Inter cetera cantavit Canacen parturientem, Orestem matricidam, Oedipodem excaecatum, Herculem insanum; 46 observatum fuerat, novissimam fabulam cantasse eum publice Oedipodem exulem atque in hoc desisse versu: Θανεῖν μ' άνωγε σύγγαμος, μήτηρ, πατήρ; 24 in tragico quodam actu. Dio Cass. 61, 20 ἐκιθαρῴδησέ τε Αττιν τινὰ ἡ Βάκχας ὁ Αὔγουστος; Suet. Nero 21 Niobam se cantaturum. pronuntiavit; Vitell. 11 Neroniana cantica. Philostratus vita Apoll. 4, 39 ᾄδων τὰ τοῦ Νέρωνος μέλη .... ἐπῆγε μέλη τὰ μὲν ἐξ Ορεστείας, τὰ δὲ ἐξ ̓Αντιγόνης, τὰ δ' ὁπόθεν γοῦν τῶν τραγῳδουμένων αὐτῷ, καὶ ᾠδὰς ἔκαμπτεν, ὁπόσας Νέρων ἐλύγιζέ τε καὶ κακῶς ἔστρεφεν; vgl. 5, 7. Ribbeck 1. c. 3 p. 44; Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. Roms, 2, Leipz. 1889, p. 449.

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Reden und Briefe Neros. Tacit. annal. 14, 55 quod meditatae orationi tuae statim occurram, id primum tui muneris habeo, qui me non tantum praevisa, sed subita expedire docuisti; anders ebenda 13, 3 quamquam oratio (beim Tode des Claudius; vgl. Suet. Nero 9) a Seneca composita multum cultus praeferret, ut fuit illi viro ingenium amoenum et temporis eius auribus accommodatum. Adnotabant seniores primum ex iis, qui rerum potiti essent, Neronem alienae facundiae eguisse. Dio Cass. 61, 3 avayvovs ὅσα ὁ Σενέκας ἐγεγράφει, ὑπέσχετο αὐτοῖς ὅσα ὁ Κλαύδιος ἐδεδώκει. Τοσαῦτα δὲ καὶ πρὸς τὴν βουλήν, πρὸς τοῦ Σενέκου καὶ αὐτὰ γραφέντα, ἀνέγνω. Suet. Nero 7 patri gratias in senatu egit. Apud eundem consulem pro Bononiensibus Latine, pro Rhodiis atque Iliensibus Graece verba fecit; Tacit. annal. 12, 58 causa Iliensium suscepta Romanum Troia demissum et Juliae stirpis auctorem Aeneam aliaque haud procul fabulis vetera facunde executus, perpetrat, ut Ilienses omni publico munere solverentur. Eodem oratore Bononiensi coloniae igni haustae subventum centies sestertii largitione; reddita Rhodiis libertas, adempta saepe aut firmata, prout bellis externis meruerant aut domi seditione deliquerant; tributumque Apamensibus terrae motu convulsis in quinquennium remissum; Suet. Nero 24 provinciam universam (Achaiam) libertate donavit, simulque iudices civitate Romana et pecunia grandi. Quae beneficia e medio stadio Isthmiorum die sua ipse voce pronuntiavit; eine auf diese Freilassung bezügliche Inschrift wurde 1888 in Karditza, dem duos 'Axqapia in Böotien von M. Holleaux aufgefunden und erläutert, Discours de Néron prononcé à Corinthe pour rendre aux Grecs la liberté (Bull. de corresp. hellén. 12 (1888) p. 511); vgl. dazu C. M. Francken, Mnemos. 17 (1889) p. 363; mitgeteilt ist sie von Dittenberger CIGr. Septentr. I 2713 und erläutert in dessen Sylloge Leipz.2 1898 Nr. 376. Tacit. annal. 13, 11 crebris orationibus (für Plautius Lateranus), quas Seneca testificando, quam honesta praeciperet, vel iactandi ingenii voce principis vulgabat; Suet. Nero 46 cum ex oratione eius, qua in Vindicem perorabat, recitaretur ..; 47 inventus est in scrinio eius hac de re (über den Abfall der Soldaten) sermo formatus. Tacit. annal. 14, 11 Seneca adverso rumore erat, quod oratione tali (Neros beim Tode der Agrippina an den Senat gerichtet) confessionem scripsisset; vgl. Quintil. 8, 5, 18. Tacit. annal. 16, 6 laudavit ipse apud rostra formam eius (seiner Gattin Poppaea). H. Meyer, Orat. Rom. fragm., Zürich 1842, p. 588. Einen griechischen Brief Neros an die Rhodier teilt mit Hiller v. Gärtringen, Mitt. des archaeol. Inst., Athen. Abt. 20 (1895) p. 387; vgl. auch Dittenberger Sylloge2 Nr. 372.

361. Die Flavier (69-96). Der dumpfe Schrecken, welchen die Grausamkeit Neros in seinen letzten Regierungsjahren über alle Schichten der Bevölkerung verbreitet hatte, hörte auf, als die Flavier zur höchsten Macht gelangten. Vespasian (69-79) und sein Sohn Titus (79-81) regierten mit Milde. Obwohl beide zunächst tapfere Soldaten waren, so erscheinen sie doch nicht von höherer Bildung entblöst. Vespasian konnte sich ganz geläufig griechisch ausdrücken,1) auch wird seine natürliche Beredsamkeit gepriesen, 2) an Titus rühmt der ältere Plinius in dem ungemein interessanten Widmungsbrief sein oratorisches und sein poetisches Talent. Vespasian hinterliess Denkwürdigkeiten, Titus verfasste im Jahre 76 ein Gedicht über einen Kometen. Bei beiden überwogen jedoch die praktischen Interessen in der Weise, dass eine tiefgehende Neigung für die Litteratur

1) Tacit. hist. 2, 80 concurrentes (Antiochenses).... adloquitur, satis decorus etiam Graeca facundia omniumque, quae diceret atque ageret, arte quadam ostentator.

2) Aur. Vict. Caes. 9, 1 facundiae haud

egens promendis quae senserat. Ein Citat aus einer Rede im CIL 14, 3608. Doch liess er sich gern in seinen amtlichen schriftlichen Arbeiten von seinem Sohn Titus unterstützen; vgl. Suet. Tit. 6.

bei ihnen nicht anzunehmen ist. Aber in äusseren Dingen zeigte sich das Wohlwollen des neuen Regiments. Vespasian war freigebig gegen Dichter und Künstler; er liess die beim Brand des Kapitols untergegangenen 3000 Erztafeln nach Kopien, die überall aufgesucht wurden, wieder herstellen; er widmete den scenischen Aufführungen seine Aufmerksamkeit; er führte endlich die Staatsbesoldung für lateinische und griechische Rhetoren ein und schuf damit das öffentliche Lehramt. Wenn wir nun von einer Verfolgung der Philosophen und Astrologen, die unter Vespasian statt hatte, lesen, so kann das auf den ersten Blick befremdlich erscheinen. Allein bei dieser Massregel wirkten nicht litterarische, sondern politische Rücksichten ein. Die Philosophen gefielen sich unter dem Deckmantel ihrer Wissenschaft in einer oppositionellen politischen Haltung. Eine solche konnte nicht geduldet werden; Vespasian musste daher gegen den Stoiker Helvidius Priscus strafend vorgehen. Mucianus drängte aber auf eine radikale Remedur und setzte es durch, dass die Philosophen sämtlich mit Ausnahme des C. Musonius Rufus verbannt wurden, doch verriet auch hier Vespasian seine Gutmütigkeit. Als der Cyniker Demetrius in seiner Feindseligkeit hartnäckig verharrte, liess ihm der Kaiser sagen, Demetrius thue zwar alles, um seinen Untergang herbeizuführen, allein einen bellenden Hund wolle er nicht töten.1)

Von dem milden Regiment der beiden ersten Flavier sticht ungeheuer ab die Regierung des dritten, des Domitian (81-96). Als Prinz hatte er eine Neigung zur Dichtkunst zur Schau getragen. Die zeitgenössischen schmeichelnden Schriftsteller machen grosses Aufheben von diesen poetischen Fähigkeiten Domitians. Quintilian meint, den Göttern wäre es nicht genug gewesen, dass Domitian der grösste Dichter sei, sie hätten ihm daher auch noch die Sorge für den Erdkreis übertragen. Valerius Flaccus 2) weist auf ihn als den berufenen Sänger der Thaten des Titus hin. Silius Italicus) stellt ihn über Orpheus; Martial1) preist ihn als den Herrn der neun Musen. Der zuletzt genannte Dichter nennt uns auch ein domitianisches Gedicht, die Erzählung von dem im Dezember 69 stattgefundenen Kampf ums Kapitol. Zum Thron gelangt liess er alle litterarische Beschäftigung beiseite, er las weder historische Schriften noch Gedichte; das einzige Werk, das er in die Hand nahm, waren die Regierungsjournale des Kaisers Tiberius. 5) Auch die Ausbildung seines Stils vernachlässigte er vollständig und bediente sich für seine Briefe und Erlasse fremder Kräfte. Diese Gleichgiltigkeit ist um so merkwürdiger, als er einige Einrichtungen im Interesse der Litteratur schuf. Er stellte die durch Brand zerstörten Bibliotheken wieder her; überall liess er Exemplare aufsuchen, ja er schickte sogar Leute nach Alexandrien, damit sie dort Bücher abschrieben und emendierten. Wie Nero, so stiftete auch

1) So verhielt er sich auch kühl gegen die Flugschriften; Dio Cass. 66, 11 xai yao ἔσκωπτε δημοτικῶς καὶ ἀντεσκώπτετο ἡδέως· εἴ τέ τινα γράμματα, οἷα εἴωθεν ανώνυμα ἐς τοὺς αὐτοκράτορας, προπηλακισμὸν αὐτῷ φέροντα ἐξετέθη ποτέ, αντεξετίθει τὰ πρόσω φορα μηδὲν ταραττόμενος.

2) Argon. 1, 10.

3) Pun. 3, 620. 4) 5, 6.

5) Wahrscheinlich ist daher die Angabe Martials, dass seine Gedichte non dedignatur bis terque revolvere Caesar (6, 64, 15), nichts als eine Lobhudelei.

Domitian einen Wettkampf, den berühmten Agon Capitolinus (86), der bis in die spätesten Zeiten des Altertums sich erhielt; derselbe bestand aus drei Abteilungen, einer musischen, einer equestrischen und einer gymnischen. Zu diesem Agon, der alle vier Jahre abgehalten wurde, drängten sich aus weitester Entfernung Bewerber. Daneben feierte er jährlich das Fest der Quinquatren der Minerva auf seiner albanischen Villa; damit wurden scenische Aufführungen verbunden und Wettkämpfe von Dichtern und Rednern; es ist dies der Agon Albanus, der mit dem Tode des Domitian wieder aufhörte. Allein diese glänzenden Schaustellungen wurden in Schatten gestellt durch die grausamen Verfolgungen, welchen die Schriftsteller ausgesetzt waren. Zweimal wurden die Astrologen und Philosophen durch Edikt aus der Stadt vertrieben (89 und 93 n. Chr.). Doch kann man hier wie bei Vespasian zur Entschuldigung sagen, dass Rücksichten der Politik dabei im Spiele waren;1) allein die Autoren berichten uns auch Fälle, in denen der nichtigste Vorwand genügte, um einen Schriftsteller dem Tode zu überliefern und seine Schriften zu vernichten. Tacitus schildert mit Flammenschrift im Eingang des Agricola jene unselige Zeit.

Vespasians Denkwürdigkeiten. Josephi vita 65 (p. 342 Niese) év Tois Ovεσлασιανοῦ τοῦ αὐτοκράτορος ὑπομνήμασιν οὕτω γέγραπται; p. 358 (Niese) τοῖς Καίσαρος ὑπομνήμασιν ἐναντίαν πεποίησαι τὴν γραφήν. Von diesen υπομνήματα berichtet uns nur Josephus, der dieselben als absolut zuverlässig hinstellt und es seinem Gegner Justus von Tiberias zum Vorwurf macht, dass er dieselben nicht benutzte. Ob sich die vлoμvýμara bloss auf den jüdischen Krieg erstreckten oder weiter, lässt sich schwer bestimmen, da wie gesagt, das Werk uns nur durch Josephus bekannt ist. Verfasst wurde es von Vespasian in der zweiten Hälfte seiner Regierung; vgl. A. Gutschmid, Kl. Schriften hsg. von Fr. Rühl, 4, Leipz. 1893, p. 346. H. Peter, Hist. Rom. fragm. p. 306; Die geschichtl. Litt. über die röm. Kaiserzeit, 1, Leipz. 1897, p. 374.

Verhältnis Vespasians zur Litteratur. Suet. Vespas. 17 ingenia et artes vel maxime fovit. .... (18) praestantes poetas, nec non et artifices, Coae Veneris, item Colossi refectorem insigni congiario magnaque mercede donavit; 8 aerearum tabularum tria milia, quae simul conflagraverant, restituenda suscepit, undique investigatis exemplaribus: instrumentum imperii pulcherrimum ac vetustissimum, quo continebantur paene ab exordio urbis senatus consulta, plebi scita de societate et foedere ac privilegio cuicumque concessis; Tacit. hist. 4, 40 tum sorte ducti, per quos redderentur bello rapta, quique aera legum vetustate delapsa noscerent figerentque et fastos adulatione temporum foedatos exonerarent modumque publicis inpensis facerent; Suet. Vespas. 19 ludis, per quos scaena Marcelliani theatri restituta dedicabatur, vetera quoque acroamata revocaverat. Apellari tragoedo quadringenta, Terpno Diodoroque citharoedis ducena, nonnullis centena, quibus minimum quadragena sestertia super plurimas coronas aureas dedit; 18 primus e fisco Latinis Graecisque rhetoribus annua centena constituit; wahrscheinlich wurde nicht gleich für sämtliche Rhetoren die Staatsbesoldung eingeführt, sondern für einzelne, so dass die Privatanstalten noch daneben bestanden; vgl. H. Peter, Die geschichtl. Litt. 1 p. 41; Richter, Das Verhältnis des Kaisers Vespasianus zur Litteratur, Plauen 1866; Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 3 p. 170.

Vertreibung der Philosophen und Astrologen durch Vespasian. Dio Cass. 66, 13 (z. J. 71) ὡς δ ̓ οὖν καὶ ἄλλοι πολλοὶ ἐκ τῶν στωικῶν καλουμένων λόγων προαχθέντες, μεθ' ων καὶ Δημήτριος ὁ κυνικός, συχνὰ καὶ οὐκ ἐπιτήδεια τοῖς παροῦσι δημοσίᾳ, τῷ τῆς φιλοσοφίας προσχήματι καταχρώμενοι, διελέγοντο, κακ τούτου καὶ ὑποδιέφθειρόν τινας, ἔπεισεν ὁ Μουκιανὸς τὸν Ουεσπασιανὸν πάντας τοὺς τοιούτους ἐκ τῆς πόλεως ἐκβαλεῖν Καὶ πάντας αὐτίκα τοὺς φιλοσόφους ὁ Ουεσπασιανός, πλὴν τοῦ Μουσωνίου, ἐκ τῆς Ῥώμης ἐξέβαλε, τὸν δὲ δὴ Δημήτριον καὶ τὸν Ὁστίλιον καὶ ἐς νήσους κατέκλεισε. Καὶ ὁ μὲν Ἑστί λιος, εἰ καὶ τὰ μάλιστα μὴ ἐπαύσατο περὶ τῆς φυγῆς ἀκούσας, ἔτυχε γὰρ διαλεγόμενός τινι, ἀλλὰ καὶ πολλῷ πλείω κατὰ τῆς μοναρχίας κατέδραμεν, ὅμως παραχρῆμα μετέστη· τῷ δὲ

1) Auch die Massregel, die er als Censor gegen die Schmähschriften in Anwendung brachte (Suet. Domit. 8 scripta famosa vulgoque edita, quibus primores viri ac feminae |

notabantur, abolevit, non sine auctorum ignominia; vgl. Friedländer zu Martial epigr. 1 praef.), hat zunächst nichts mit der Litteratur zu thun.

Δημητρίῳ μηδ' ὡς ὑπείκοντι ἐκέλευσεν ὁ Οὐεσπασιανὸς λεχθῆναι ὅτι σὺ μὲν πάντα ποιεῖς ἵνα σε ἀποκτείνω, ἐγὼ δὲ κύνα ὑλακτοῦντα οὐ φονεύω. 66, 9 τούς τε ἀστρολόγους ἐκ τῆς Ῥώμης ἐξώρισε, καίτοι πᾶσι τοῖς ἀρίστοις αὐτῶν χρώμενος.

Verhältnis des Titus zur Litteratur. Plin. n. h. praef. 5 fulgurat in nullo umquam verius dicta vis eloquentiae, tribunicia potestas facundiae. Quanto tu ore patris laudes tonas! quanto fratris famas! quantus in poetica es! 11 te quidem in excelsissimo generis humani fastigio positum, summa eloquentia, summa eruditione praeditum.

n. h.

2, 89 ocissimo significatu haec fuit, de qua quinto consulatu suo Titus imperator Caesar praeclaro carmine perscripsit; vgl. Ribbeck 1. c. 3 p. 170.

Die Dichtkunst des Domitian. Suet. Domit. 2 simulavit et ipse mire modestiam, in primisque poeticae studium, tam insuetum antea sibi quam postea spretum et abiectum. Tacit. hist. 4, 86 Domitianus .... studium litterarum et amorem carminum simulans. Quintil. 10, 1, 91 Germanicum Augustum ab institutis studiis deflexit cura terrarum, parumque dis visum est esse eum maximum poetarum. Quid tamen his ipsis eius operibus, in quae donato imperio iuvenis secesserat, sublimius, doctius, omnibus denique numeris praestantius? quis enim caneret bella melius quam qui sic gerit? Vielleicht meint Quintilian eine Darstellung des jüdischen Kriegs, auf welche auch Valerius Flaccus (Argon. 1, 12; vgl. die Anm. von P. Langen) hinweist. Martial. 5, 5, 7 ad Capitolini caelestia (kaiserliche) carmina belli | grande cothurnati pone Maronis opus. Ribbeck 1. c. 3 p. 170.

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Domitians prosaische Schrift. Suet. Domit. 18 quamvis libello, quem de cura capillorum ad amicum edidit, haec etiam, simul illum seque consolans, inseruerit. Vielleicht war diese Schrift Quelle für Plinius n. h. 33, der den Domitian im Quellenverzeichnis zu diesem Buche anführt. Uebertrieben wird sein, was Suet. 1. c. berichtet: calvitio ita offendebatur, ut in contumeliam suam traheret, si cui alii ioco vel iurgio obiectaretur.

Verhältnis Domitians zur Litteratur. Suet. Domit. 20 liberalia studia imperii initio neglexit, quamquam bibliothecas incendio absumptas impensissime reparare curasset, exemplaribus undique petitis, missisque Alexandream qui describerent emendarentque. Numquam tamen aut historiae carminibusve noscendis operam ullam aut stilo vel necessario dedit. Praeter commentarios et acta Tiberi Caesaris nihil lectitabat; epistolas (vgl. Plin. epist. ad Traian. 58) orationesque et edicta alieno formabat ingenio. 10 discipulum Paridis pantomimi impuberem adhuc et cum maxime aegrum, quod arte formaque non absimilis magistro videbatur, occidit; item Hermogenem Tarsensem propter quasdam in historia figuras, librariis etiam, qui eam descripserant, cruci fixis ... interemit .... Mettium Pompusianum, quod habere imperatoriam genesim vulgo ferebatur, et quod depictum orbem terrae in membrana contionesque regum ac ducum ex Tito Livio circumferret, quodque servis nomina Magonis et Hannibalis indidisset. Junium Rusticum, quod Paeti Thraseae et Helridi Prisci laudes edidisset appellassetque eos sanctissimos viros; cuius criminis occasione philosophos omnes urbe Italiaque summovit. Hieronym. z. J. 2105 89 n. Chr. (cod. Amandinus: zu 2104 = 88 n. Chr.) Domitianus mathematicos et philosophos Romanos urbe pepulit; z. J. 2111 95 n. Chr. (Mommsen, Hermes 3 (1869) p. 84 bestimmt das J. 93 als das richtige) Domitianus rursum philosophos et mathematicos Roma per edictum extrudit. Tacit. Agric. 2 legimus, cum Aruleno Rustico Paetus Thrasea, Herennio Senecioni Priscus Helvidius laudati essent, capitale fuisse, neque in ipsos modo auctores sed in libros quoque eorum saevitum, delegato triumviris ministerio ut monumenta clarissimorum ingeniorum in comitio ac foro urerentur expulsis insuper sapientiae professoribus .. sicut vetus aetas vidit quid ultimum in libertate esset, ita nos quid in servitute, adempto per inquisitiones etiam loquendi audiendique commercio. Ribbeck 1. c. 3 p. 171.

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Der Agon Capitolinus und Albanus. Suet. Domit. 4 instituit et quinquennale certamen Capitolino Jovi triplex, musicum equestre gymnicum, et aliquanto plurium quam nunc est coronarum. Certabant enim et prosa oratione Graece Latineque, ac praeter citharoedos chorocitharistae quoque et psilocitharistae; in stadio vero cursu etiam virgines Celebrabat et in Albano quot annis Quinquatria Minervae, cui collegium instituerat, ex quo sorte ducti magisterio fungerentur ederentque eximias venationes et scenicos ludos, superque oratorum ac poetarum certamina. Wir können mehrere Dichter verzeichnen, welche in dem kapitolinischen Agon aufgetreten sind; so redet Martial (4, 54, 1) den Collinus mit den Worten an: o cui Tarpeias licuit contingere quercus et meritas prima cingere fronde comas, wo prima fronde doch wohl zeitlich zu fassen ist und also auf den ersten Agon, das J. 86, hinweist. Eine Grabinschrift macht uns mit einem Knaben Q. Sulpicius Maximus bekannt, der, nachdem er aus dem Wettkampf in der griechischen Poesie im J. 94 mit Ehren (cum honore) hervorgegangen war, im Alter von 122 Jahren starb; die in diesem Wettkampf improvisierten 43 griechischen Hexameter liessen seine Eltern auf sein Grabdenkmal setzen; vgl. Kaibel, Epigr. Gr. nr. 618; wir haben auch noch zwei griechische Epigramme auf den Verstorbenen; Visconti, Il sepolcro del fanciullo Q. Sulpicio Massimo, Rom 1871; Henzen, Bollet. archeol. 1871, p. 98; H. Sauppe, Gött. gel. Anz. 1871, p. 1036;

Eitner, Q. Sulpicius Maximus, Görlitz 1884. Mit einem zweiten Wunderknaben macht uns eine andere Inschrift (CIL 9, 286) bekannt; es ist L. Valerius L. f. Pudens aus Histonium, der lustro sexto, also wohl 106, in der lateinischen Poesie den Eichenkranz erhielt; vgl. Prosopogr. imp. Rom. 3 p. 376 nr. 123; nicht auf diesen Dichter bezüglich ist: Nardu[s] poeta pudens CIL 10, 1284. Auch der Tragödiendichter Scaevus Memor, Bruder des Satirendichters Turnus, muss in einem der drei ersten Agonen gesiegt haben; vgl. Martial. 11, 9. Ohne Erfolg beteiligten sich an dem Agon der Dichter Statius (vgl. § 406) und P. Annius Florus (vgl. 3. T. § 541). Von den Rednern wurde Palfurius Sura gekrönt; Suet. Domit. 13. Morcelli, Sull' agone Capitolino pubblicato da Labus, Mailand2 1816; Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. Roms, 2, Leipz. 1889, p. 481 und 630; 3, Leipz." 1890, p. 426. Auch Auszeichnungen im agon Albanus sind uns überliefert; so berichtet uns Martial. 9, 23, dass Carus, wohl derselbe, an den der Epigrammatiker 9, 54 richtete und wahrscheinlich auch der Gatte der Norbana (7, 74), den goldenen Olivenkranz in diesem Agon erhielt; der Dichter Statius wurde hier gekrönt; vgl. silv. 5, 28; 4, 2, 65; 5, 3, 227; vgl. § 406. — Ueber die beiden Agone handelt Lafaye, De poetarum et oratorum certaminibus apud veteres, Paris 1883, p. 62. — Teuffel-Schwabe, Gesch. der röm. Litt., Leipz. 1890, § 319, 3 erinnert auch an den CIL 9, 1663 genannten poeta Latinus coronatus C. Concordius Syriacus equ. R. qui invenit orchestopalen, der möglicherweise in einem dieser Agone gekrönt wurde.

362. Nerva (96-98) und Traian (98-117). Die Regierung dieser beiden trefflichen Kaiser liess das freie Wort, das solange geknechtet war, wieder an das Tageslicht. Alles atmete auf und freute sich der glücklichen Gegenwart. Die Schriftsteller nahmen wieder den Griffel in die Hand;1) das erste, was sich vor ihre Seele drängte, war die Erinneruug an das vergangene Leid. Auch Nerva, der aus einer juristischen Familie stammte,2) und Traian waren in ihrer Art gebildete Männer; bei Martial lesen wir, dass Nerva in den Gedichten Neros als die Zierde seiner Zeit gefeiert wurde. Traians noch vorhandene Antworten auf die Anfragen des jüngeren Plinius zeigen den Kaiser als einen Meister des bündigen und klaren Geschäftsstils (vgl. § 448).3) Er hatte auch die dacischen Kriege1) beschrieben; der Verlust dieses Werkes ist ein ungeheurer. Doch lagen seiner nüchternen Natur die Angelegenheiten der Litteratur ferne. Hier nahm er gern die Beihilfe des einsichtigen Licinius Sura an. In seinem Panegyricus rühmt der jüngere Flinius des Kaisers Fürsorge für die Bildung der Jugend und seine Aufmerksamkeit gegen die Lehrer der Rhetorik. Besonders zeichnete Traian den liebenswürdigen griechischen Redner Dio Chrysostomus aus.5) Auch die Gründung der Bibliotheca Ulpia ist sein Werk. Allein das Hauptverdienst, das er sich um die Litteratur erwarb, liegt darin, dass er sie einfach gewähren liess; denn auch die höchste fürstliche Gunst hat in der Litteratur ihre Schattenseiten.

Nerva als Dichter. Martial. 8, 70, 7 sed tamen hunc (Nervam) nostri scit temporis esse Tibullum, | carmina qui docti nota Neronis habet; vgl. auch 9, 26. Auch Plinius (epist. 5, 3, 5) nennt ihn unter den Dichtern scherzhafter Kleinigkeiten.

Traians Geschichte der dacischen Kriege. Priscian, Gramm. lat. 2 p. 205, 6 Traianus in I Dacicorum: inde Berzobim, deinde Aizi processimus (aus dem J. 101 n. Chr.); das Werk umfasste also mehr als ein Buch; H. Franck (e), Zur Gesch. Traians, Quedlinb. u. Leipz. 1840, p. 105; H. Peter, Hist. Rom. fragm. p. 324.

1) Vgl. die Schilderung des dichterischen Schaffens durch Plin. epist. 1, 31, 1.

2) Sein Vater war Jurist, vgl. Pompon. dig. 1, 2, 2, 52; ebenso sein Grossvater, vgl. Tacit. annal. 6, 26; 4, 58; Frontin. de aquis 102. Ein Edikt des Nerva und eine epistola bei Plin. epist. ad Traian. 58.

vor. Ueber einen trümmerhaft erhaltenen Brief Traians vgl. Henzen, Acta fratrum arvalium quae supersunt, Berl. 1874, p. CXLIII.

4) Die Reliefs der Traianssäule hsg. u. hist. erkl. von Cichorius, Berl. 1896; E. Petersen. Traians dakische Kriege nach dem Säulenrelief erzählt, Leipz. 1899.

5) J. Burckhardt, Neues schweiz. Mus.

3) Irgend ein Grund, die Redaktion der Briefe einem andern zuzuschreiben, liegt nicht | 4 (1864) p. 97.

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