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unberücksichtigt, so dass wir über den Bestand der Scholien noch keine vollständige Uebersicht erhalten; auch in der Bearbeitung des vorliegenden Materials zeigen sich noch viele Mängel; vgl. das harte aber sachkundige Urteil von Wilamowitz, Hermes 34 (1899) p. 600. - Schottky, De pretio Lactantiani commentarii in Stat. Theb., et de nomine, philosophia et aetate commentar., Breslau 1846 (jetzt nicht mehr genügend); R. Unger, Electa e Lactantii in Stat. Theb. commentariis (B. 1) ad codicum fidem recognitis, Friedland 1864; Birt, Rhein. Mus. 34 (1879) p. 557; Buecheler, Coniectanea (Rhein. Mus. 54 (1899) p. 7).

Ueber die metrischen Argumente vgl. Opitz, De argum. metr. lat. arte et origine (Leipz. Stud. 6 (1883) p. 306).

Uebers. der Thebais von Imhof, Leipz. 1885 und 89; auch sachliche und kritische Erläuterungen sind beigegeben.

Litteratur zur Thebais. Sailer, Stazio e la sua Tebaide, Studio crit., con un saggio di versione, Venedig 1886; Miedel, De anachronismo qui est in P. Pap. Statii Theb. et Achill., Passau 1892; Glaesener, Les caractères dans la Thébaide de Stace (Musée Belge 3 (1899) p. 97); vgl. auch Helm, De P. Papin. Stat. Thebaide, Berl. 1892, p. 171.

409. Die Achilleis. Der Dichter will seinen Helden Achilles nach allen Seiten hin schildern, und kündet dies gleich im Eingang seines Gedichts an.1) Die Erzählung beginnt mit der Abfahrt des Paris und der Helena von der spartanischen Küste. Als die Mutter des Achilles, Thetis, des Schiffs gewahr wird, stellen sich ihrem Geiste die Gräuel des Krieges dar, welche die Folge dieser Fahrt sein würden. Sie ist fest entschlossen, diesen ihren geliebten Achilles zu entziehen. Als sie bei Neptun mit ihrem Gesuch, das verhängnisvolle Schiff dem Untergang zu weihen, kein Gehör findet, kommt ihr der Gedanke, den Sohn auf andere Weise zu schützen. Sie begibt sich daher zu Chiron, dem Erzieher des Achilles, um den letzteren abzuholen; sie will ihn verbergen. Als ein sicherer Versteck erscheint ihr der Hof des Königs Lykomedes auf der Insel Skyros. Und zwar soll dort Achilles als Mädchen verkleidet im Kreise der Töchter des Lykomedes verweilen. Auf dem Wege dahin nimmt sie die Metamorphose vor; als Mädchen tritt sonach Achilles ins Haus des Lykomedes ein. Nachdem Achilles auf diese Weise geborgen ist, wendet der Dichter unsere Blicke auf die furchtbaren Zurüstungen zu dem Feldzug gegen Troia. Alles war aus Griechenland herbeigeströmt, nur Achilles fehlte. Niemand wollte aber denselben missen. Protesilaus fordert daher Kalchas auf, den Aufenthaltsort Achills zu offenbaren. Der Seher weist auf Lykomedes und auf die weibliche Hülle des Aeaciden hin. Diomedes und Ulixes machen sich auf den Weg, um den Vermissten herbeizuholen. Mittlerweile hat sich auch in Skyros ein Ereignis zugetragen. Eine der Töchter des Lykomedes, Deidamia, hat die Liebe des Achilles erregt; es entspinnt sich zwischen beiden ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen bleibt. Die Frucht ihrer Liebe ist Pyrrhus. Jetzt sehen wir die beiden griechischen Helden in Skyros landen. Sie begeben sich zu Lykomedes; aus verschiedenen Anzeichen glaubt Ulixes in der Mädchenschar den Achilles zu erkennen. Um ihn aber völlig zu entlarven, greift er zu einer List. Er lässt durch Diomedes verschiedene Geschenke für die Mädchen herbeischaffen; darunter befanden sich auch Wehr und Waffen. Während die Königstöchter die dem weiblichen Wesen entsprechenden Geschenke sich aussuchen, wird Achilles in auffallender Weise durch die

1) Vs. 4 quamquam acta viri multum inclita cantu | Maconio, sed plura vacant: nos ire per omnem | (sic amor est) heroa

velis Scyroque latentem | Dulichia proferre tuba nec in Hectore tracto | sistere, sed tota iuvenem deducere Troia.

Waffen gefesselt. Da naht sich Ulixes und eröffnet dem jungen Helden, dass er erkannt sei. In seine Worte fällt der von ihm angeordnete Schlachtruf mit der Trompete. Jetzt kann sich Achilles nicht mehr zurückhalten; während die Mädchen bestürzt fliehen, greift er zu den Waffen, der Kampfesheld steht vor unseren Augen, die Jungfrau ist verschwunden. Entschlossen mit in den Krieg gegen Troia zu ziehen, gesteht Achilles dem Lykomedes seine Beziehungen zu Deidamia und erhält Verzeihung. Es kommt die Stunde der Trennung, schwer für die junge Frau, welche die in die Ferne Ziehenden mit ihren Blicken verfolgt. Ulixes tröstet Achilles und erzählt ihm die Veranlassung des Kriegs. Dann erkundigt sich Diomedes nach dem bisherigen Leben und Treiben des Achilles. Mit einer Schilderung desselben durch den jungen Helden schliesst das Epos, wie man sieht unvollendet. Das Epyllion ist zwar breit angelegt, aber doch im ganzen anmutig.

Abfassungszeit. Die Achilleis wurde begonnen im J. 95; Statius erwähnt sie silv. 4, 7, 23 primis meus ecce metis | haeret Achilles; 4, 4, 88 wird von dem Erfolg seiner Thebais gesprochen und dann fortgefahren (93): nunc vacuos crines alio subit infula nexu: | Troia quidem magnusque mihi temptatur Achilles; dieses Stück fällt unbestritten in den Sommer des J. 95. In 5, 2, 163 ist von einer bevorstehenden Recitation der Achilleis die Rede; 5, 5, 36 gedenkt der Dichter der begonnenen Achilleis. Die Nichtvollendung erklärt sich durch den wohl bald nach dem Beginn des Epos eingetretenen Tod des Statius.

Ueberlieferung. Die Handschriften zerfallen in zwei Klassen. Zu der besseren gehören der Puteanus oder Parisinus 8051 s. X (über dessen Superiorität vgl. Wilamowitz, De tribus carm. lat., Ind. schol. Gött. 1893/94, p. 9); Parisinus 10317 (Suppl. 1670) s. X/XI (vgl. Kohlmann, Philol. 33 (1874) p. 130); Gudianus 54 s. X/XI; der Bruxellensis 5338 s. XI, den Vollmer nach brieflicher Mitteilung besonders hervorhebt. In diesen vier Handschriften endet durch ausdrückliche Bezeichnung oder durch leeren Raum das erste Buch mit lib. II 286 der Vulgarzählung, welche sich in geringeren Handschriften findet; das erste Buch umfasst also in diesen vier Handschriften 960 Verse, während es in der Vulgarzählung mit Vs. 674 schliesst. Diese Bucheinteilung der vier Handschriften war auch den Grammatikern Priscian (Gramm. lat. 2 p. 342, 5) und Eutyches (Gramm. lat. 5 p. 475, 13) bekannt; vgl. O. Müller, Ausg. der Thebais p. XIII; Kohlmann, Philol. 34 (1876) p. 475; Statiusausg. vol. 2 fasc. 1 praef. p. XI. Neben dieser doppelten Bucheinteilung findet sich noch eine dritte, nur durch ganz schlechte Handschriften vertretene in fünf Bücher. Von den geringeren Handschriften erachtet Kohlmann als die beste den Gudianus 52 s. XIV; über andere Handschriften dieser Familie vgl. K. Schenkl, De Stat. Achill. cod. Etonensi (s. XI) in den Wiener Stud. 4 (1882) p. 96; H. Mayer, Ueber eine Berliner Handschr. der Achill. des Statius (Philol. 51 (1892) p. 381); Die Glossen in der Berl. Statiushandschr. (ebenda 53 (1894) p. 194). Kohlmann, Die Pariser Handschriften der Achilleis des Statius (Philol. 34 (1876) p. 474); über italienische Handschriften und eine Pariser Exzerptenhandschr. vgl. Wotke, Handschr. Beitr. zu Statius (Zeitschr. für österr. Gymn. 42 (1891) p. 200).

Die Scholien der Achilleis sind unbedeutend; publiziert sind solche von A. Mai, Spicileg. rom. IX, Rom 1843, Appendix 2 p. VI; Dommerich, Ad P. Pap. Stat. Achilleida ex membranis bibl. suae anecdota, Wolfenbüttel 1758 (vgl. dazu Kohlmann, Statiusausg. vol. 2 fasc. 1 praef. p. XII); Kohlmann, Achill. 1. 1 Vs. 1-396, specimen novae Achill. Stat. edit., Emden 1877. Die im liber Tiliobrogae und im Monacensis 19 482 stehenden Scholien publizierte Jahnke, Lactant. Plac. qui dic. commentarios in Statii Theb. et comment. in Achilleida rec., Leipz. 1898, p. 485.

Ueber die metrischen Argumente vgl. Opitz, Leipz. Stud. 6 (1883) p. 307. 410. Die Stoffe der Silvae.1) Das erste Buch ist dem L. Arruntius Stella aus Patavium gewidmet, an den auch Martial verschiedene Gedichte gerichtet. Derselbe war ebenfalls Dichter und hatte seine Geliebte, die schöne und reiche Violentilla, unter dem Namen „Asteris" besungen. Auf die Vermählung des Stella und der Violentilla dichtete Statius das Epithalamium; in demselben erscheint die Venus auf Betreiben Amors bei

1) Die einzelnen Gedichte tragen Ueberschriften, die aber zum Teil fremden Ur

sprung verraten, vgl. Vollmer, Stat. Silv. p. 207.

der Violentilla, um sie für Stella zu erwärmen. Dieses Gedicht steht an der zweiten Stelle; die erste gebührt dem Kaiser, denn „a Jove principium", wie der Dichter selbst sagt; das Eingangsgedicht beschreibt die Reiterstatue Domitians. Auch das Schlussgedicht geht wieder auf den Juppiter auf Erden. Domitian hatte an einem 1. Dezember dem Volke ein Fest gegeben, zur Vorfeier der Saturnalien. Es wird geschildert, wie Geschenke verteilt werden, wie ein Mahl ausgerichtet wird, an dem der Kaiser selbst teilnimmt, wie endlich abends eine prachtvolle Beleuchtung stattfindet, welche die Nacht zum Tage macht. Von den übrigen Gedichten enthalten zwei Schilderungen glänzender Bauwerke, das eine (3) die Beschreibung des zweiteiligen Palastes, welchen sich Manilius Vopiscus bei Tibur am Anio erbaut hatte, das andere die Beschreibung des Bades, das sich Claudius Etruscus angelegt hatte (5); das dritte (4) endlich ist ein Dankgedicht auf die Genesung des erkrankten Stadtpräfekten Rutilius Gallicus.1) Auch hier wird derselbe Kunstgriff wie im Epithalamium, die Heranziehung der göttlichen Macht, in Anwendung gebracht.

Das zweite Buch hat Statius dem durch seine elegante Lebensführung berühmten Atedius Melior zugeeignet; derselbe bildet auch den Mittelpunkt des Buchs; denn drei Stücke beziehen sich auf ihn; er erhielt ein Trostgedicht auf den Tod seines Lieblings, des dreizehnjährigen Glaucias (1), dann ein Klagelied auf seinen verstorbenen sprechenden Papagei (4), endlich ein Gedicht auf einen Baum, der den See seines Landgutes beschattete (3) in Form einer ätiologischen Sage. Ausserdem enthält diese zweite Sammlung noch ein Trostgedicht für Flavius Ursus beim Verlust seines Lieblings Philetos (6), die Beschreibung der Villa des reichen Puteolaners Pollius Felix bei Sorrento (2), endlich die Feier des Geburtstages des Dichters Lucan für dessen Witwe (7). Mit dem Hof hat nur ein Stück Berührung. Als der gezähmte Löwe des Domitian durch ein anderes wildes Tier getötet wurde, sprach auch Statius sein dichterisches Beileid aus (5).

Demselben Pollius Felix, dessen Villa im zweiten Buch beschrieben wurde, gehört die dritte Silvensammlung. Das erste Gedicht knüpft naturgemäss an Pollius Felix an und beschreibt den glänzenden Tempel des Hercules, den der reiche Mann bei Sorrento errichtet hatte. Das zweite Stück ist ein Geleitgedicht für den ins Feldlager nach Syrien ziehenden Maecius 2) Celer. Es folgt eine Consolatio für den uns aus dem ersten Buch bekannten Claudius Etruscus bei dem Tode seines Vaters, der in Smyrna gebürtig, sich von der niedrigsten Lebenslage bis zum Vorsteher des kaiserlichen Rechnungsamtes emporgeschwungen hatte. Das vierte Stück führt den Titel „die Haare des Flavius Earinus". Dieser Eunuche war Mundschenk Domitians, sein erstes abgeschnittenes Haar hatte er mit einem Spiegel dem Tempel des Aesculap zu Pergamon geweiht; auf seine Bitte hin feiert Statius dieses Ereignis in dichterischer Form. Im Schlussgedicht der Sammlung wendet sich Statius an seine Gemahlin und

1) Ueber denselben vgl. Friedländer, Darst. aus der Sittengesch. Roms 36 p. 479; O. Hirschfeld, Wien. Stud. 3 (1881) p. 268.

2) Dies ist nach den Arvalakten die richtige Schreibung, nicht Metius.

sucht sie zu bestimmen, Rom zu verlassen und mit ihm nach Neapel zu ziehen.

Das vierte Buch ist für Vitorius Marcellus 1) bestimmt und wurde nach des Dichters Übersiedelung nach Neapel herausgegeben; er ist derselbe, dem Quintilian seine rhetorische Unterweisung gewidmet hatte, ein berühmter Sachwalter. Allein die Sammlung wird nicht mit dem Gedicht an ihn eröffnet, in dem Statius den Freund auffordert, sich Ruhe zu gönnen, denn die Kraft werde durch eine rechtzeitige Ruhepause gehoben.2) Dieses nimmt erst die vierte Stelle ein. Den Vortritt hat hier wiederum der Kaiser, den die drei ersten Stücke verherrlichen; im ersten erhalten wir einen Panegyricus zum 17. Konsulat Domitians, im zweiten eine Danksagung an den Kaiser für eine ihm gewordene Einladung zum Mahle, im dritten endlich die Beschreibung der neuen via Domitiana, welche Cumae mit Rom verband. Auch zwei Oden hat uns der Dichter in dem Buch gespendet; die eine (5) enthält das Lob des Septimius Severus, der sowohl als Redner, wie als Dichter thätig war; die zweite (7) fragt an, wann der in Dalmatien eine militärische Stellung bekleidende Vibius Maximus zurückkehre, da ohne ihn des Dichters Muse erlahme; zugleich gedenkt Statius dankbar der Anregung, die er für seine Thebais von Vibius Maximus empfangen. Zum Schluss gratuliert er dem Freunde zur Geburt eines Sohnes und weiss hierbei auch des Adressaten historisches Werk zu preisen. Es sind noch drei Gedichte übrig: eines (6) schildert ein Kunstwerk, den Hercules des Lysippos, den Statius bei Novius Vindex gesehen; das zweite (8) ist eine an Julius Menekrates, den Schwiegersohn des Pollius Felix, gerichtete Gratulation zur Geburt eines dritten Kindes. Das letzte (9) ist ein Scherz; der Dichter hatte zu den Saturnalien an Plotius Grypus ein fein gebundenes Büchlein geschickt und als Gegengeschenk ein von Motten zerfressenes Buch, die , oscitationes Bruti (s. § 139,3) senis" enthaltend, empfangen. Darüber stellt sich der Dichter erzürnt und fragt an, ob denn Grypus gar nichts auftreiben konnte, was sich als Geschenk eignete.

Das fünfte Buch beginnt mit einem des Schlusses ermangelnden Brief an den kaiserlichen Sekretär Abascantus, der die Überreichung eines Epicedion auf die vor zwei Jahren gestorbene Gemahlin des mächtigen Mannes motiviert. Von einer Widmung des Buchs in einer Praefatio ist dagegen keine Rede. Es is daher eine sehr wahrscheinliche Vermutung, dass das Buch nicht von dem Dichter herausgegeben, sondern erst aus seinem Nachlass zusammengestellt wurde.3) Ausser dem Epicedion auf die Gemahlin des Abascantus enthält das Buch noch ein solches auf des Dichters Vater (3) und eines auf seinen Pflegesohn (5). Das an zweiter

1) Dies ist nach Nohl (Hermes 12 (1877) p. 518) die richtige Schreibung, nicht Victorius.

2) 4, 4, 33 .... vires instigat alitque | tempestiva quies, maior post otia virtus!

3) Die Unvollständigkeit des letzten Gedichts (5) ist aber höchst wahrscheinlich auf einen Defekt der Ueberlieferung zurückzu

führen, wenngleich das Zeugnis des Angelus Politianus jetzt nach der Erforschung des Matritensis nicht mehr in Betracht kommen kann. Vgl. über die Frage Nohl, Quaest. Stat., Berl. 1871, p. 42; Lundstroem, Quaest. Papin., Upsala 1893, p. 34 Anm. 1; Vollmer, Stat. silv. p. 3 Anm. 7 und Klotz, Ausg. p. LXXVI.

Stelle stehende Gedicht wendet sich an Vettius Crispinus, der im Alter von 16 Jahren das Legationstribunat erhalten hatte und die Salierwürde bekleidete; er war bei den Recitationen des Dichters eine tüchtige Beihilfe. Endlich ist in das Buch noch aufgenommen ein schönes Gedicht des erkrankten Statius an den Schlaf (4).

Die Chronologie der Silvae hat zwei Fragen zu lösen: 1) wann die einzelnen Silvae gedichtet wurden (vgl. die letzte zusammenfassende Uebersicht bei Vollmer, Ausg. p. 4); 2) wann die einzelnen Bücher herausgegeben wurden. Für uns genügt es, wenn hier lediglich die Anfangs- und Endpunkte festgestellt werden. Das älteste Gedicht der Sammlung steht im letzten Buch (3), es ist das Epicedion auf Statius' Vater; es wurde drei Monate nach dessen Tod gedichtet, der bald nach 79 eintrat (5, 3, 205), und auf dieses Epicedion spielt Statius wahrscheinlich 3, 3, 39 an. Aber das Gedicht erfuhr später eine Umarbeitung (Nohl, Quaest. Stat. p. 21; Kerckhoff, Duae quaest. Pap., p. 22; Klotz, Curae Stat., p. 62; F. Leo, Plaut. Forsch., Berl. 1895, p. 41), denn die Verse 225 fg. setzen den Sieg des Dichters im albanischen Agon und seine Niederlage im capitolinischen voraus; da das letzte Ereignis mit grosser Wahrscheinlichkeit ins J. 94 zu setzen ist (vgl. oben § 406), muss die Umarbeitung nach dieser Zeit erfolgt sein. Dieses Gedicht ist also erst aus dem Nachlass veröffentlicht worden. Unwahrscheinlich ist die Hypothese Vollmers (p. 9 Anm. 10; p. 526), dass die Zeitangabe des Autors für die Abfassung des Gedichts auf einer Fiktion beruhe. Die übrigen Stücke fallen, soweit wir sehen können, nicht vor 89. Keines der Stücke führt uns in die Zeit nach Domitians Tod; sie reichen etwa bis 95. Sonach haben wir anzunehmen, dass alle Silvae (abgesehen von dem Epicedion auf seinen Vater) der Zeit von 89 bis 95 angehören; Statius war schon ein reiferer Mann, als er sie schrieb, denn er sagt (4, 4, 69): nos vergimur in senium; vgl. 5, 2, 158. Was die Herausgabe der Silvae anlangt, so kann das erste Buch nicht vor Ende 91 oder Anfang 92 ediert sein, da die Vorrede dieses Buchs den Tod des Rutilius Gallicus voraussetzt. Das 4. Buch ist Sommer 95 ediert worden; es ist dem Marcellus gewidmet und demselben zugleich mit einer Begleitepistel (4, 4) überreicht worden; da in dieser Epistel die via Domitiana als fertig erscheint und ferner auf den Sommer hingewiesen wird, ergibt sich mit Notwendigkeit, dass das 4. Buch im Sommer 95 dem Publikum übergeben wurde. Die Herausgabe der drei ersten Bücher muss sonach zwischen 92 und 95 liegen. Vielleicht erfolgte ihre Edition so, dass das 1. Buch im J. 92, das 2. im J. 93 und das 3. im J. 94 ediert wurde. Dass das 2. Buch vor dem 3. ausgegeben war, folgt aus 3 praef. securus itaque tertius hic silvarum nostrarum liber ad te mittitur. Habuerat quidem et secundus te testem, sed hic habet auctorem Vollmer (p. 12) stellt die Ansicht auf, dass die drei Bücher zusammen redigiert (p. 12) und in kurzen Zwischenräumen in der Zeit von 93-94 herausgegeben wurden (p. 13); er legt, abgesehen von der Anordnung der Gedichte, besonders darauf Gewicht, dass in den Vorreden zu den drei ersten Büchern der Dichter gewissermassen um Entschuldigung für seine leichte Dichtungsart bitte, während er im 4. Buche einen selbstbewussteren Ton anschlage. Doch dieses Moment ist nicht durchschlagend, da der selbstbewusste Ton durch Abwehr eines Angriffs auf die Silvae hervorgerufen ist. Die letzte Sammlung wurde, wie wir annahmen, nicht durch den Dichter selbst publiziert, sie wird in dem Jahre 96 erschienen sein. Also erblickten die fünf Bücher der Silvae wahrscheinlich in der Zeit von 92-96 das Licht der Oeffentlichkeit. Friedländer, De temporibus libr. Martial. Domitiano imp. editorum et silv. Statii, Königsberg 1862; Darst. aus der Sittengesch. Roms 36 p. 475; Nohl, Quaest. Stat., Berl. 1871, p. 5; Kerckhoff, Duae quaest. Papin., Berl. 1884, p. 6.

Freunde und Gönner des Statius. Friedländer, De personis nonnullis a Statio commemoratis, Ind. lect. Königsberg 1870/71; Darst. aus der Sittengesch. Roms 3o p. 444 und 479; De C. Rutilio Gallico, Ind. lect. Königsberg 1880; Ruediger, Quibuscum viris fuerit Statio usus consuetudo familiaritas, Marb. 1887; Nohl, Zwei Freunde des Statius (Hermes 12 (1877) p. 517); Mommsen, Vitorius Marcellus (Hermes 13 (1878) p. 428); O. Hirschfeld, Wien. Stud. 3 (1881) p. 268 (nähere Bestimmung einiger Persönlichkeiten der Silvae); Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 3 p. 212.

Der Dichter L. Arruntius Stella stammte aus Padua, wofür ein ausdrückliches Zeugnis bei Martial. 1, 61, 3 vorliegt; unrichtig hat man aus Stat. silv. 1, 2, 260 auf Neapel als Heimat des Stella geschlossen, denn diese Worte beziehen sich auf die Gemahlin; vgl. Rasi p. 29. Cos. suff. war er wahrscheinlich gegen Ende des J. 101; vgl. CIL 6, 1492; Wilmanns, Exempla inscript. lat. 2 nr. 2853; Stobbe, Philol. 26 (1867) p. 77; 27 (1868) p. 631; Mommsen, Hermes 3 (1869) p. 123; Asbach, Jahrb. des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande H. 72 (1882) p. 5 und 29; Friedländer, Einl. zu Martial. p. 66. Weiterhin war er Quindecimvir; vgl. Stat. silv. 1, 2, 176. Stella leitete die dakischen Triumphfestspiele im J. 89; vgl. Stat. silv. 1, 2, 179; Vollmer, Stat. silv. z. St. und Einl. p. 51

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