Billeder på siden
PDF
ePub

-

lagerung und den Fall Capuas vor, streift dann kurz den Tod der beiden Scipionen Publius und Cneius in Spanien und erzählt weiterhin die Totenschau, die Scipio, dem späteren Africanus, in Cumae zu teil wird. Im vierzehnten Buch ist der Schauplatz der Handlung Sicilien, Marcellus erobert Syrakus, das sich durch die genialen Apparate des Archimedes lange gehalten. In Spanien fährt das fünfzehnte Buch fort beschreitet P. Scipio seine Ruhmeslaufbahn und erobert Neukarthago. Hasdrubal wendet sich nach Italien, um sich mit seinem Bruder zu vereinigen. Allein der Konsul Claudius Nero marschiert, ohne dass es Hannibal merkt, zu seinem Kollegen Livius Salinator, beide schlagen Hasdrubal am Metaurus. Das sechzehnte Buch ist fast ganz Scipios Thaten im spanischen Krieg gewidmet; eine Episode sind die zu Ehren der gefallenen Scipionen veranstalteten Leichenspiele. Das siebzehnte Buch führt die Entscheidung, die Schlacht bei Zama, herbei.

Abfassungszeit des Gedichts. Aus Martial. 4, 14 (ausgeschrieben § 403) geht hervor, dass der Plan des Werkes schon im J. 88 (vgl. § 414) fertig stand. Aus 7, 63 müssen wir schliessen, dass damals, als dieses Epigramm geschrieben wurde, Teile der Punica bereits vorlagen, denn der Dichter spricht von legis; das Buch 7 der Epigramme des Martial fällt aber Ende 92. Weiter ist zu beachten, dass die Stelle Pun. 3, 607, welche sich auf Domitian bezieht, nicht vor 92 geschrieben sein kann. Allein das Buch 14 weist am Schluss auf die Regierungszeit Nervas (686 At, ni cura viri, qui nunc dedit otia mundo, effrenum arceret populandi cuncta furorem, | nudassent avidae terrasque fretumque rapinae). Da aber nicht anzunehmen ist, dass die folgenden Bücher in zwei Jahren abgefasst wurden, wird der Schluss des ganzen Werks in die Zeit Traians fallen (Schinkel, Quaest. Sil., Haller Diss. 1883, p. 2; Buchwald, Quaest. Sil., Breslau. Diss. 1886, der auch die Beziehungen des Statius zu Silius untersucht; Cartault, Est-il possible de fixer exactement la date de la composition des Puniques de Sil. Ital.?, Revue de philol. 11 (1887) p. 11). Als Quintilian sein zehntes Buch der inst. orat. schrieb, scheint er das Epos nicht gekannt zu haben, da er es nicht erwähnt; Statius ahmt im vierten Buch seiner Silvae, welches im J. 95 ediert wurde (§ 410), eine Stelle des Silius nach: silv. 4, 7, 14 Dalmatae montes, ubi Dite viso | pallidus fossor redit erutoque concolor auro? Pun. 1, 233 et redit infelix effosso concolor auro. Die drei letzten Bücher tragen vielfache Spuren des Unfertigen an sich, so dass man vermuten muss, der Dichter sei nicht mehr zu einer Schlussredaktion gelangt. Vgl. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 3 p. 206.

=

405. Charakteristik. Lucanus griff in die jüngstvergangene Zeit, als er sich den Stoff für sein Epos suchte; glücklicher verfuhr Silius, indem er in eine weit zurückliegende Vergangenheit hinaufstieg und eine Glanzepoche der römischen Geschichte, welche zugleich als ein leuchtendes Gegenbild der verdorbenen Gegenwart gegenüberstand, nämlich den zweiten punischen Krieg, zum Thema seines Gedichts erkor.1) Dieser bedeutsame Ringkampf zweier Völker um die Weltherrschaft gehörte sicherlich zum römischen Sagenschatz; ein dichterisches Talent konnte wirklich hier Gold aus dem Schacht emporheben. Allein dies war nur möglich, wenn in einer von dichterischer Phantasie umwobenen Episode, wie z. B. in der Geschichte der Sophonisbe, ein Spiegel der ganzen Zeit mit ihren auf- und abwogenden Kämpfen vorgehalten wurde. Doch für eine solche Aufgabe war Silius nicht geeignet; die schöpferische Dichterkraft war ihm völlig versagt; es blieb ihm daher nichts anderes übrig, als dem Laufe der Geschichte geradlinig zu folgen. Ausgedehnte Quellenstudien waren bei einem

1) Ueber die Motive zur Wahl dieses Themas vgl. die Vermutungen Schinkels, Quaest. Sil., Haller Diss. 1883, p. 9.

solchen Stoffe nicht erforderlich, Livius hatte eine meisterhafte Darstellung dieser Epoche gegeben, die wohl Gemeingut geworden war. Diesen konnte er sich zum Führer nehmen; da er aber Dichter, nicht Historiker sein wollte, durfte er sich auch die eine oder die andere Änderung an der Überlieferung erlauben. Aber die Hauptaufgabe des Dichters blieb, dem Ganzen ein poetisches Kolorit zu geben, dazu diente die durch Vergil traditionell gewordene epische Maschinerie. Die Götterwelt1) musste in den Krieg hereingezogen werden. Juno steht auf Seite Hannibals, Venus auf Seite der Römer. Diese Göttinnen greifen in die Handlungen ein, besonders thätig ist Juno; sie entflammt Hannibals Hass gegen Rom und ruft dadurch den zweiten punischen Krieg hervor (1, 55), sie bleibt von der Stunde der Entscheidung an sein treuer Schutzgeist, sie feuert ihn zu neuen Thaten an, indem sie die Gestalt des Seegottes Trasimenus annimmt (4, 727), sie sendet die Nymphe Anna Perenna, seinen Mut aufzurichten (8, 28), sie warnt ihn durch Somnus nach der Schlacht bei Cannae vor dem verwegenen Plan, nach Rom aufzubrechen (10, 349), späterhin, als er vor der Hauptstadt stand, bestimmt sie ihn auf Juppiters Ersuchen, vom Sturm abzulassen und abzuziehen (12, 691); bei Zama in der Entscheidungsschlacht entzieht sie ihren Schützling dem Scipio, indem sie ihm Gaukelbilder gegenüberstellt (17, 523); bei Cannae entführt sie den Karthager in einer Wolke (9, 484); auch im zehnten Buch (83) nimmt sie eine Entführung in der Schlacht vor. Nicht so sehr tritt Venus hervor, allein auch sie ist nicht unthätig. Als Hannibal die Alpen überschritt, fleht sie Juppiter um Erbarmen für die Römer an (3, 557); sie erwirkt von Vulkan, dass er die aus ihren Ufern heraustretende Trebia vertrocknet (4, 675), sie wirkt mächtig auf die Entscheidung des Krieges insofern ein, als sie Hannibal durch die Lockungen der Freude in Capua festhält und auf diese Weise einen verweichlichenden Zug ins karthagische Heer bringt (11, 387). Auch der Göttervater begleitet fortwährend das kriegerische Drama mit seinen Ratschlüssen und macht sich zum Vollstrecker des ewigen Schicksals. An der denkwürdigen Schlacht bei Cannae beteiligen sich die Götter in gegenseitigem Kampf, Mars hilft Scipio, Minerva dem Punier (9, 439). Allein diese Götterwelt lässt uns kalt, blutlose Schemen werden uns vorgeführt. Auch die übrige epische Maschinerie vermag uns nicht in das lichte Reich der Poesie zu tragen, sie ist überdies eine Anleihe, die zunächst bei dem Meister Vergil, hier und da direkt bei dem Vater der Poesie, Homer selbst, dem er im Gedichte seine ausdrückliche Huldigung darbringt (13, 778), gemacht wurde. Wie Vergil hat er seine Leichenspiele (16, 289), seine Unterweltscene (13, 395), seine Schildbeschreibung (2, 395), seine Völkerkataloge (3, 222 u. 8, 358), seine Heldenjungfrau (2, 56); wie Vergil durch die Erzählung des Aeneas bei der Dido eine Episode gewinnt, so Silius durch die Schilderung der Thaten des Regulus (6. B.); wie Vergil, so sucht auch der Nachahmer die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander zu verbinden. Juppiter enthüllt der Venus die Zukunft Roms (3, 570); dadurch findet der Dichter

1) Schinkel p. 23: De deorum ministeriis Punicorum carmini insertis.

die erwünschte Gelegenheit, auch dem herrschenden Geschlecht seine servile Huldigung vor die Füsse zu legen.1)

Also weder in dem Stoff noch in der Komposition leuchtet uns der dichterische Funken entgegen; Silius ist kein produktiver Geist, er ist lediglich ein fleissiger Arbeiter. Die Rhetorschule hatte ihn die Kunst der Beschreibung und die Kunst der Rede gelehrt; für beide Gattungen bot ihm sein Stoff reichen Anlass, die Schlachtbeschreibungen nehmen einen breiten Raum im Gedicht ein, aber auch Reden werden mitunter eingestreut. Freilich die Gebrechen der Zeit, die Übertreibung, das Hervorsuchen des Wunderbaren und die Hingabe an Einzelheiten, das Pathos findet man auch bei Silius. Der Dichter hatte ferner in der Philosophie sich umgesehen und zu der Stoa feste Stellung genommen; 2) er konnte daher auch die Früchte seiner Gelehrsamkeit seinem Werke zu gute kommen lassen, und er hat dies gethan; er lässt seinen Scipio am Scheideweg wie einst Hercules stehen; die Voluptas und die Virtus streiten sich um den Helden, der natürlich sich der Virtus in die Arme wirft (15, 20). Manchmal wirkt das Hereinziehen dieser gelehrten Reminiscenzen störend. Nachdem Hannibal die Sehenswürdigkeiten des Herculestempels in Gades betrachtet hatte, wandte er seine Aufmerksamkeit der Naturerscheinung der Ebbe und Flut zu (3, 46). Als die Kriegsoperationen nach dem Abmarsch aus Capua sich in die Länge zogen, fand Hannibal Zeit, sich über verschiedene Merkwürdigkeiten der Gegend, über den Lucrinersee, über den See Avernus, über den Vesuv zu unterrichten (12, 110). Endlich konnte der Dichter noch seinem Patriotismus, seiner Bewunderung der alten Zeiten, die ihm einmal den spitzen Ausruf entlockte,3)

So das einstige Rom; und wollte dich später das Schicksal
Führen zum Sittenverfall, dann solltest du bleiben, Karthago.

den richtigen Ausdruck leihen. Aber eines konnte er nicht, weil er es nicht hatte, er konnte nicht dem Leser den Zauber süsser Poesie gewähren.

Quellen und Vorbilder des Silius Italicus. a) Ueber seine Quellen und sein Verhältnis zu den Originalen handeln Cosack, Quaest. Sil., Halle 1844; Wezel, De Sil. Ital. cum fontibus tum exemplis, Leipz. 1873 (vgl. dazu Blass, Fleckeis. Jahrb. 109 (1874) p. 471). Dass Livius benutzt werden musste, ist von vornherein klar. Den Versuch Heynachers (Ueber die Quellen des Sil. Ital., Ilfeld 1874; Ueber die Stellung des Sil. Ital. unter den Quellen zum zweiten pun. Kriege, Ilfeld 1877), nicht Livius, sondern einen alten Annalisten wie Fabius Pictor als Quelle der Punica festzustellen, haben mit Recht zurückgewiesen Schlichteisen, De fide hist. Silii, Königsberg 1881; Kerer, Ueber die Abhängigkeit des Sil. Ital. von Livius, Bozen 1880/1; L. Bauer, Das Verhältn. der Pun. des C. Sil. Ital. zur 3. Dek. des Livius (Acta semin. Erlang. 3 (1884) p. 103), eine Neubearbeitung eines in den Blättern für das bayer. Gymnasialschulw. 17 (1881) p. 145 und 201 erschienen Aufsatzes; van Veen, Quaest. Sil., Leyden 1884; A. Arendt, Syrakus im zweiten pun. Kriege, 1. T. Quellenkritik, Königsberg 1899, p. 106. Der eine oder der andere Autor mag von Silius noch eingesehen worden sein, vgl. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 3 p. 194; derselbe p. 201/2 über den Anschluss an Ovids Fasten (3, 523) in 8, 39 f.; über die

1) Von Domitian z. B. heisst es (3, 607): | at tu transcendes, Germanice, facta tuorum, iam puer auricomo praeformidate Batavo. Nec te terruerint Tarpei culminis ignes, sacrilegas inter flammas serrabere terris. Nam te longa manent nostri consortia mundi u. s. w.

2) Buecheler, Rhein. Mus. 35 (1880) p. 390; Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 3 p. 204.

3) 10, 657 haec tum Roma fuit; post te cui vertere mores | si stabat fatis, potius, Carthago, maneres.

Benutzung des Sallust vgl. K. J. Neumann, Hermes 32 (1897) p. 313. Die grösste Zahl der Abweichungen von Livius hat in der poetischen Freiheit ihre Wurzel. ) Die Vorbilder. Am meisten tritt Vergil hervor; vgl. Pun. 8, 593 Mantua, Musarum domus atque ad sidera cantu | evecta Aonio et Smyrnaeis aemula plectris; Groesst, Quatenus Silius Italicus a Vergilio pendere videatur, Halle 1887; Cholevius, Epitheta ornantia, quibus utitur Vergilius, cum iis comparata, quibus posteriores epici Latini, maxime quidem Silius, carmina sua distinxerunt, Königsberg 1865; Schinkel, Quaest. Sil., Haller Diss. 1883, cap. 3 De Siliano dicendi genere quaest. (Unterschiede zwischen Silius und Vergil). Ueber die Vorbilder des Silius vgl. noch A. Zingerle, Zu späteren lat. Dichtern, H. 2, Innsbruck 1879, p. 16; 21 und 24 f.; Ganzenmüller, Beitr. zur Ciris (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 20 (1894) p. 653).

Zur Komposition. Brandstäter, De Pun. carminis epici a Sil. Ital. cond. cum argumento tum stilo atque ornatu poetico, Witten 1877; Barchfeld, De comparationum usu apud Sil. Ital., Gött. 1880; J. Franke, De Sil. Ital. Pun. tropis, Münster 1889; De Sil. Ital. Pun. figuris (Festschr. zur 43. Philol.Vers., Bonn 1895, p. 21).

Zur Beurteilung des Dichters. Martial. 4, 14 Sili, Castalidum decus sororum, qui periuria barbari furoris Ingenti premis ore perfidosque | astus Hannibalis levesque Poenos | magnis cedere cogis Africanis; 7, 63 perpetui numquam moritura volumina Sili, | qui legis et Latia carmina digna toga; Kortüm, Ueber das gleichartige und abweichende Element der span.-röm. Dichterschule in der 2. Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr. oder Beitr. zur Charakteristik des C. Sil. Ital., Lucan., Martial. (Geschichtl. Forsch. hsg. von ReichlinMeldegg, Leipz. 1863, p. 209). Sehr dienlich ist eine Reihe von Aufsätzen des Italieners Occioni, die jetzt bequem vereinigt sind in dessen Scritti di letteratura latina, Rom 1891, p. 29-175 (siehe besonders Pregi e difetti p. 86, l'arte in Sil. Ital. p. 141); kurzgefasste Charakteristik des Dichters bei demselben, Storia della letteratura latina, Rom2 1890, p. 234. Ribbeck, Gesch. der röm. Dicht. 3 p. 191.

Fortleben des Silius Italicus. Citiert wird er allein von Apollinaris Sidonius 6, 260 (p. 303 Mohr). Ueber die fragliche Benutzung des Silius Italicus durch Vibius Sequester vgl. H. Blass, Rhein. Mus. 31 (1876) p. 133. Im Mittelalter wollen sich keine Spuren des Dichters auffinden lassen; was hier Harster (Ualtheri Spirensis vita et passio Sancti Christophori martyris, Speyer 1878; Vitae sanctorum metricae IX, Leipz. 1887) und Rossberg (Thiofridi Epternacensis vita Willibrordi metrica, Leipz. 1883) zu finden glaubten, erweist sich als trügerisch; vgl. Occioni, Scritti di letteratura latina p. 185. Petrarca kannte, als er sein Gedicht Africa schrieb (über welches Occioni 1. c. p. 114 handelt), die Punica nicht.

Ueberlieferung. Silius Italicus wurde nicht viel gelesen. Im Mittelalter kam er ganz in Vergessenheit. Das Konzil von Konstanz wurde wie für andere Schriftsteller, so auch für Silius heilbringend. Im Jahre 1416 oder 1417 fand Poggio oder sein Begleiter Barthol. di Montepulciano in St. Gallen eine Handschrift des Dichters. Von diesem Codex wurde eine Abschrift mit nach Italien genommen, die, wie das Original, verloren ging; aus ihr stammen alle unsere vorhandenen Handschriften und die älteren Ausgaben. Da trat gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine neue alte Handschrift (s. IX) des Silius in der Dombibliothek von Köln zu Tage, sie war aber am Schlusse verstümmelt, denn sie reichte nur bis 16, 556. Leider ging auch diese Handschrift verloren; doch haben sich die wichtigsten Lesarten durch Angaben des L. Carrio (Emendationum et observ. 1. II, Antwerpen 1576; Paris 1583) und F. Modius (Novantiquae lect., Frankfurt 1584) erhalten. Die Recensio des Silius hat daher zunächst zwei Aufgaben zu lösen: 1) Rekonstruktion des Coloniensis aus den mitgeteilten Lesarten; das Verfahren ist ziemlich schwierig; eine methodische Anweisung gibt H. Blass, Die Textesquellen etc. p. 189; vgl. ausserdem G. Thilo. Fleckeis. Jahrb. 143 (1891) p. 596; 2) Rekonstruktion des Sangallensis aus den von ihm stammenden Apographa; zur Rekonstruktion desselben erachtet H. Blass vier Handschriften für notwendig: Laurentianus plut. 37, 16 (L); cod. bibl. Aedilium Florentinae ecclesiae 196 (F); cod. Oxoniensis colleg. Regin. 314 (0); Vatic. 1652 (V). Von diesen vier Handschriften gehen LF auf eine Quelle und ebenso O V auf eine zurück; in der ersten Gruppe fliesst die Ueberlieferung reiner als in der zweiten; von den Handschriften der ersten Gruppe ist die beste L. Diese Blass'sche Klassifizierung der Handschriften wurde von Thilo (1. c. p. 589) in einigen Punkten bekämpft; allein seine Hypothese ist kompliziert und unwahrscheinlich; vgl. was gegen dieselbe L. Bauer, Handschr. und krit. exeg. Erörterungen zu den Punica des Sil. Ital., Augsb. 1893, vorgebracht hat. Zur Feststellung des Archetypus ist dann die Wertschätzung der beiden Quellen vorzunehmen, der Coloniensis scheint treuer zu sein als der Sangallensis. Die Geschichte der Ueberlieferung hat nach Thilo (Quaest. Sil. crit., Halle 1858), der das Studium der Handschriften des Silius inauguriert hatte, mit rühmenswertem Eifer verfolgt H. Blass, Die Textesquellen des Sil. Ital. (Fleckeis. Jahrb. Supplementbd. 8 (1875) p. 159). Vgl. Manitius, Philol. aus alten Bibliothekskatal. (Rhein. Mus.

47 (1892) Ergänzungsh. p. 60). Was an kritischem Material seit Blass hinzukam, ist so gut wie wertlos. Ueber eine Handschrift des Museum der Propaganda in Rom s. XIII, die 3, 531-17, 2 enthält, vgl. Wartenberg, Fleckeis. Jahrb. 135 (1887) p. 431 (stark interpolierte Handschr.); eine Handschrift aus der Bibliothek des Matthias Corvinus s. XV behandelt L. Bauer, Zu den Textesquellen des Sil. Ital. (Fleckeis. Jahrb. 139 (1889) p. 796); sie gehört zur zweiten Gruppe der St. Gallener Familie. Von dem sehr verdorbenen cod. Casanatensis D II, 2 s. XV teilte Occioni in seiner Ausg. mit ital. Uebersetzung der Punica, 2. Aufl., die wichtigsten Lesarten mit.

Ausg. Von den älteren sind zu verzeichnen die von D. Heinsius, Leyden 1600 (Crepundia Siliana, Cambridge 1646); Dausqueius, Paris 1618; Cellarius, Leipz. 1695; von Drakenborch mit Zugaben von anderen Autoren, Utrecht 1717; illustr. Ernesti, Leipz. 1791, 92; illustr. Ruperti, Gött. 1795, 98; cum perpetuis comment. Lemaire, Paris 1823. Auf Grundlage der Blass'schen Vorarbeiten und des von ihm gesammelten Apparats ruht die Ausg. von L. Bauer, vol. 1, Leipz. 1890, vol. 2, 1892, mit ausgewählten kritischen Noten; vgl. dazu denselben, Fleckeis. Jahrb. 137 (1888) p. 203; Blätter für das bayer. Gymnasialschulw. 27 (1899) p. 190.

Uebers. von Bothe, Stuttg. 1855-57 (Metzler); von einem Ungenannten, Braunschw. 1866 (1869). Poet. italienische Uebers. von Occioni, Turin 1889, mit beigefügtem lat. Texte und mit Anmerkungen.

15. P. Papinius Statius1) und andere Epiker.

406. Biographisches. Statius' Heimat ist Neapel, wo sein Vater, der aus Velia (silv. 5, 3, 126) stammte, als Lehrer und Dichter thätig war. Dessen Schule, in der die griechischen Dichter in erstaunlicher Anzahl behandelt wurden (silv. 5, 3, 148), war stark besucht, selbst Knaben aus lucanischen und apulischen Städten eilten herbei. Als Dichter hatte der Vater in vielen Wettkämpfen, selbst in Griechenland, den Siegespreis davongetragen (silv. 5, 3, 141). Der Brand des Kapitols im Bürgerkrieg des Jahres 69 war von ihm dichterisch gestaltet worden, auch hatte er noch ein Gedicht über den bekannten Ausbruch des Vesuv (79 n. Chr.) geplant, allein der Tod liess ihn nicht zur Ausführung desselben kommen (silv. 5, 3, 205). Unter den Augen des Vaters betrieb auch der Sohn die Dichtkunst; für seine Thebais wurde ihm von dessen Seite fördernde Anregung zu Teil (silv. 5, 3, 233). Der Vater hatte die Freude, noch den Sieg des Sohnes bei dem Wettkampf an den Augustalien) in Neapel zu erleben.3) Nach dessen Tod (etwa 80)4) errang dieser noch einen Sieg bei dem von Domitian eingerichteten albanischen5) Wettkampf und zwar durch einen Panegyricus auf die germanischen und dacischen Feldzüge Domitians. 6) Dagegen glückte es dem Dichter nicht, bei dem kapitolinischen Agon") den Siegespreis zu gewinnen. Diese Niederlage schmerzte ihn tief, und

[blocks in formation]

5) Friedländer 1. c. p. 428.

6) silv. 3, 5, 28; 4, 5, 22; 4, 2, 65; 5, 3, 227. Dass nicht an drei Siege zu denken und statt ter 3, 5, 28 mit Politian tu zu lesen, ist mit unumstösslichen Beweisen von Kerckhoff p. 28 dargethan worden; vgl. jetzt auch Vollmer p. 19 Anm. 10 und p. 430. Das Gedicht, das sich wohl auf die Ereignisse des J. 89 bezieht, ist nicht zu identifizieren mit dem Epos de bello Germanico; vgl. Vollmer p. 14 Anm. 3.

7) Friedländer 1. c. p. 426; der erste Sieger in diesem Agon war Collinus (Martial. 4, 54).

« ForrigeFortsæt »