Billeder på siden
PDF
ePub

Goethes Werke.

Eilfter Band.

Stuttgart.

Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung.

1866.

258.614-B

FID.

[ocr errors][ocr errors][merged small]

In den Jahren 1806 bis 1808 erschien die Sammlung von Goethes Werken in zwölf Bänden, die nach gewissen inneren Beziehungen geordnet, das Neueste neben dem Frühesten, ohne Rüdsicht auf die Entstehungszeit, vor die Augen des Lesers brachten und in diesen wenigen Bänden die Ausbeute eines fast fechzigjährigen Lebens und mehr als dreißigjährigen schriftstellerischen Wirkens aufstellten. In dieser Anordnung, die auch später streng festgehalten wurde, um alles in einer gewissen gleichmäßigen Berechtigung, nicht als Lebensspuren eines werdenden Individuums, sondern als Leistungen eines Gewordenen, eines fertig in fich abgeschlossenen Menschen erscheinen zu lassen, mochte das eigene Werk dem Ordner wie ein Räthsel für das Publikum, das hinter dem Werk auch den Wirkenden zu erkennen strebt, erscheinen. Die Erwägung dieses Umstandes veranlaßte ihn, die Wünsche des Publikums fich zu vergegenwärtigen. Er fand, daß man einer Nachhülfe zum Verständniß seiner Schriften bedürfe, burch welche die besonderen Veranlassungen, die äußeren bestimmten Gegenstände, wie die inneren entschiedenen Bildungsstufen kenntlich gemacht würden. Eine solche Nachhülfe ließ sich nur geben, wenn die einzelnen Dichtwerke in chronologischer Folge nachgewiesen und von den Lebens- und Gemüthszuständen, die den Stoff dazu hergegeben, so wie von den Beispielen, welche auf den Dichter eingewirkt, Rechenschaft abgelegt und die zwischen den einzelnen Schriften fühlbaren Lüden durch Drittheilungen über Werte, die zurüdgelegt worden, oder Entwürfe, die nicht zur Ausführung gelangten, möglichst ausgefült wurden. Das Ganze konnte aber nur dann erst ein rechtes Bild des Dichters, wie er sich entwidelt und seine damalige Stufe erreicht hatte, den Beschauenden darbieten, wenn es seine engere beschränktere Welt auf dem großen Hintergrunde seines Jahrhunderts darstellte. Zu einer folchen Arbeit fühlte Goethe sich um so mehr aufgelegt, da der Rücblic aus der Zeit wechselnder, welterschütternder Begebenheiten in die Jahre der eignen stets fortschreitenden Selbstentwicklung ihm die Errungenschaften und auch die großen Wirkungen, die ihm gegönnt waren, erst wieder recht zu eigen geben mußte. Er hatte in reichen Papieren, Tagebüchern, Correspondenzen und Actenbündeln, selbst in der Erinnerung

« ForrigeFortsæt »