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uns an zu mißtrauen, glaubte, wir hätten schlimmere Nachrichten, wollten’s ihr verheh: len, und das ging an Einem fort.

Verazio. Haben Sie damals nichts an ihr verspürt?

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Friedrich Wenn ich sagen soll, so glaube ich, daß ihr Wahnsinn schon damals seinen Anfang genommen hat; aber wer uns terscheidet ihn von der tiefen Melancholie, in der. fie vergraben war ? Denn nad) bem Schrecken, den der unglückliche Brief machte, da sie einige Tage wie in einem hißigen Fieber Tag, schien sie wenig verändert; nur war fast gar nichts aus ihr zu bringen ; ihre Blicke wurden scheu und unsicher; fie cien jeders mann, den sie sah, zu fürchten oder nicht zu bemerken. Sie verlangte Trauerkleider, und wenn wir sie mit der Ungewißheit tröstent wollten, nahm sie sich's gar nicht an, bemäch: tigte sich alles was sie an uns von schwarzem

Taffet und Bändern kriegen konnte, und bes hing sich dainit

i Baron. Macht mir den Kopf nicht warm mit eurer Erzählung! Genug so ist's, Kere Doctor! Sie wollte mich nicht wieder erten: nen, sie floh mich wie ein Gespenst, alle Hülfe war vergebens. Und ich werde mir ewig Vor: würfe machen, daß ich sie, auch nur auf kurze Zeit, der unmenschlichen Behandlung eines Marktschreyers überließ, der sich bey mir ans zustreichen gewußt hatte. Er tritt zuriid.

Friedrich Es ist wahr, sie gerieth darüber in Wuth, flüchtete in den Wald, und versteckte sich daselbst. Man machte verge: bens gütliche Versuche, fie heraus zu bringen, und der Baron besteht darauf, er leide teine Gewalt mehr gegen fie. Man hat ihr heim. lich eine Hütte zurechte gemacht, worin sie sich bey Tage verbirgt, und wohin ihr ein Kams mermädchen, das einzige Geschöpf, dem fie

traut, wenige einfache Speisen heimlich schaf: fen darf. So leben wir in trauriger Hoffs nung einen Tag nach dem andern hin. Unsere Familie, die in einem ewigen freudigen Leben von Tanz, Gesang, Festen und Ergebungen schwebte, streicht an einander weg wie Ge: spenster, und es wäre tein Wunder, wenn: man selbst den Verstand verlöre.

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1. Berazio. Aus allem, was Sie mit ças gen, kann ich noch Hoffnung schöpfen.

Graf Altenstein fømmt und tritt mit dem Baron zu ihnen.

Graf Altenstein. Hören Sie, Doctor! Man erzählt mir unten wunderbare Sachen; . was sagen Sie dazu? Lila hat ihrem Rams

mermädchen, der einzigen,' zu der ihr Ver: trauen auch bey ihrem Wahnsinn geblieben ift, unter dem Siegel der größten Verschwies genheit versichert, daß sie wohl wisie, woran fie reg: es rey ihr offenbaret worden, ihr :

Sternthal Ferj nicht tobt, sondern werde nur von feindseligen Geistern gefangen gehalten, die auch ihr nach der Freyheit strebten, des: wegen sie unertannt und heimlich herumwans dern müsie, bis sie Gelegenheit und Mittel fände, ihn zu befreyen.

Baron. Defto schlimmer! Sie hat Net: ten nod eine weitläufige Geschichte von Zau:

" berern, Feen, Ogern und Dämonen erzählt, und was sie alles auszustehen habe, bis sie mich wieder erlangen könne.

Berazio. Ist die Nette weit?

Graf Altenstein. Sie ist hier im Hause.

eragio. Dieß bestätigt in mir einen Gedanten, den ich schon lang’ in mir herum: werfe. Wollen Sie einen Vorschlag anhö: ren?

Baron. Unhören wohl.

1. Verazio. Es ist hier nicht von Euren noch von Quacfalbereven die Rede. Wenn wir Phantasie durch Phantasie curiren könn: ten, so hätten wir ein Meisterstück gemacht.

Baron. Wodurch wir sie aus dem Wahnsinn in Raserey werfen könnten.

So laß ihn doch

Graf Altenftein. ausreden.

Verazio. Mufit , Tanz und Bergnüs gen sind wie das Element, darin Shre Fami: lie bisher gelebt hat. Glauben Sie denn, daß die todte Stille, in der Sie versunken find, Shnen und der Kranken Vortheil bringe? Zerstreuung ist wie eine golone Wolfe, die den Menschen, wär' es anch - nur auf turze Zeit, seinem Elend entrückt; und Sie alle, wenn Sie die gewohnter Freuden wieder genießen, werden seyn wie Menschen, die in einer vater: ländischen Luft sich von Mühseligteit und Krantheit auf einmal wieder erhohlen.

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