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kehr mit ihnen gepflogen. Und Nikolai Irtenjem führt uns ein Kuß, den Sjonitschka, das anmutige Töchterchen der auch in sein Unterrichtszimmer, wo der biedre empfindsame Walachina im Pfänderspiel halb verstohlen Sergej Iwin giebt. deutsche Bürgerssohn des Bakels waltet, in das Arbeits Der Tod der Großmutter klärt ihm immer mehr das Verhält= zimmer, wo Papa seine Geschäfte erledigt, in das Gastzimmer, i nis der Menschen zu einander auf. Er erkennt, daß der Eigenwo die Hausgenossen zur Mahlzeit um den Tisch herumsißen, nuß unsere Empfindungen regiert und der Genuß. Er wagt in die Bodenkammer wo die bösen Kinder Grischa bei seinen zu prüfen und zu urteilen, wo er bisher ohne nachzudenken sich tollen Verzückungen belauschen. Wir dürfen zuhören, wie Mauer gebeugt hat; fclbst die Handlungen des Vaters erscheinen ihm den beiden Knaben Siktirt und wie sie fröhlich spielen, wie nicht mehr bedingungslos gut und schön. Wolodias und seiner Groß und Klein, Männlein und Weiblein sich an der Jagd Freunde Tun fordert sogar oft seine Mißbilligung heraus, nur ergößt und wie sie nach dem lustigen Tage heinfahren und einer von ihnen gewinnt sein Herz, Fürst Nechliudow. Sein reiten. Dieses Kindesleben in dem engen Landhaus ist wie Wesen ist Irtenjews Art verwant. Er philosophirt gern mit das vieler Kinder: ebenso reich an kleinen Freuden, ebenso dem klugen „Diplomaten“, (wie Nikolaj im Scherz von Wolodjas voll von tiefen Eindrücken für alle Zukunft, ebenso anmutend Freunden genannt wird) und versucht sich gern an den Proin seiner Harmlosigkeit.

blemen der sittlichen Vervollkominnung des Einzelwesens und der Die erste Veränderung der äußeren Umstände wie des Gesammtheit. Durch diesen Freund erkennt Irtenjew sich selbst, inneren Menschen vollzieht sich mit der Uebersiedlung nach er macht sich seine Lebensanschauungen zu eigen und reift durch Moskau. Fern von der milden Güte der Mutter, in weniger diesen Gewinn vom Knaben zum Jüngling. engen Umgange mit dem Vater, der in der spielfrohen Stadt Nechljudows fittlicher Einfluß führt zu dem Beginn eines heitere Gesellschaft aufsucht, unter dem Auge der patriarchalisch neuen Lebens. Alle alten Sünden abstreifen, und von nun tyrannischen, vornehm-zurückhaltenden Großmutter, und in der an nur dem Vervollkommnungsideal leben! Das erste soll Erziehung des neuangenommenen Gouverneurs, des Franzosen durch die Beichte erreicht werden, das zweite höhere durch die St-Jérôme, ward allmälig das Kind zum Anaben. Der Ilm- Anlegung der „Lebensregeln“. Und bewirkte auch die Beicht nur gangskreis der Großmutter bietet seiner nie müden Beobachtung vorübergehend eine gehobene Stimmung, und werden auch die neue Persönlichkeiten, neue Verkehrsformen, neue Beztehungen von „Lebensregeln“, die nicht mehr so einfach erscheinen, da man Mensch zu Menschen dar. Die Fürstin Kornakow und ihr lieb- sie zu Papier bringen will, wie sie sich dem weitstrebenden liches Töchterchen, Fürst Iwan Iwanowitsch, die Iwins Besserungsdrange zeigten – so veredelt sich Irtenjews Wesen der Geburtstag der Großmutter, der Kinderball, der Umgang doch durch das bloße Wollen. Die glücklich bestandenen Aufmit anderen Knaben, besonders aber die feine Scheidewand, nahmeprüfungen in die Universität sind schon die Folge der die sich kaum merklich und doch so deutlich zivischen den Sinaben ernsteren Anschauung und gewissenhaften Arbeit. Die Verund Mädchen aufbaut, wecken eine neue Welt von Gedanken und gnügungen der jungen Leute, in deren Kreis Nikolaj nun als Gefühlen in ihm. Die Anschauungen des Kindes sind wie von Gleichberechtigter eintritt, erweitern wiederum seinen Gesichtseinem plößlichen Sturm verweht und alles, Welt und Menschen, krets. Sein Eramenglück wird durch einen lustigen Schinais zeigen ein anderes Gesicht, als ob, sie ihn „plöblich eine andere gefeiert und im leichten Rausch läßt sich Jrtenjew eine Benoch unbekannte Seite zugekehrt hätten.“ (Nr. III.) Und leidigung gefallen, die ein händelsüchtiger Lump thm zufügt. vollends weicht das Wesen des Kindes dem bewußtvolleren Der Verkehr in der Gesellschaft, die Höflichkeitsvisiten, LiebesLeben des Knaben, da der grausame Erlöser Tod in den tändelelen und tiefere Neigungen, der Eintritt einer jungen teuren Kreis hineingreift, der dem Kinde die Welt war. Die hübschen, gefallsüchtigen Stiefmutter in die Familie, der lmMutter, die ganz Liebe, Hingebung, Frömmigkeit war, stirbt, gang mit den Studenten bei fröhlichen Gelagen und Vorund die treue Pflegerin ihrer ersten Lebensjahre, die dienende bereitungen zur Uebergangsprüfung sind überreich an EinFreundin der Frau und ihrer Angehörigen, die treue Schaffnerin drücken, die der grübelndende Geist des Jünglings auf seine des Landhauses von Petrowstoje, Natalia Sjawischna folgt ihr. Weise verarbeitet. Er ist seinen „Lebensregeln" nicht mit ganzer An zwei Gräbern trauert Nikolaj Irtenjew. zum ersten Mal Strenge treu geblieben. Als er nun bei dem zweiten Eramen hat er das Werk des Todes mit eigenen Augen gesehen, zum durchfällt, packt ihn die Heue mit unnachsichtiger Selbstquälerei. ersten Mal hat er in Natalia Sjawischna ein Menschenwesen Er greift wieder zu seinen „Lebensregeln", um die Arbeit von erkannt, dessen ganzes Leben ,weise, selbstlose Liebe und Auf neuem zu beginnen, in diesem Augenblick der/ Einkehr fest opferung gewesen". Und er richtet schon Fragen an den Himmel: überzeugt, daß er in Zukunft nie etwas böses tun, nic eine Minute ,,Hat mich die Vorsehung nur darum mit diesen beiden Wesen müßig verbringen, nie seinen Lebensregeln untreu werden würde. verewigt, um mich dieselben ewig betrauern zu lassen?“

Von welcher Bedeutung dieser moralische Aufschwung für Mit diesem Seufzer, welcher den ersten Zweifel enthält, Nikolaj Irtenjews weitere Entwickelung war, das sollte (wie schließt Nikolaj Irtenjew die Erzählung aus seinen Kinderjahren. schon oben gesagt) „in der folgenden, glücklicheren Hälfte des

Er tritt in das Knabenalter. Immer deutlicher treten die Jünglingsalters" erzählt werden – die nie geschrieben wurde Zweifel vor seine Seele und immer klarer werden die neuen Die Form dieser Erstlingsdichtung konnte wohl dazu verAnschauungen, die bisher nur, wie Ahnung, in ihm geschlummert. leiten, in den Schicksalen Nikolaj Irtenjews die Wiedergabe Er begreift, daß es auch außer ihm und seiner Umgebung noch eine eigener Erlebnisse zu sehen. So lange man den Lebensgang Welt giebt, und daß diese Welt Unterschiede von Arm und Reich, Tolstojs nicht kannte war das möglich. Da wir wissen, daß von Hoch und Niedrig kennt. Und wie diese Vorstellungen er als Kind Vater und Mutter in dem zarten Alter verlor, mit einer schärferen Deutlichkeit in ihm aufleben, so erwachen das kaum Erinnerungen hinterläßt, vielweniger 31 Urteilen auch andre, ganz neue, die er selbst ahnend nicht empfunden befähigt, daß seine ersten Fahre in Moskau und Nasan in der hat. Daß es dem Mann zum Weibe hindrängt, sagt ihm eine Obhut von Tanten verflossen – müssen wir in den Eltern Regung des Neides gegen den wenig älteren Bruder Wolodja, und der Großmutter Gebilde dichterischer Gestaltung anerder schon den Mut hat, dem Hausmädchen Mascha fich fühn kennen, an welchen die freischaffende Phantasie gleichen Anteil mit zu nähern, und die verwante Empfindung der Elfersucht crweckt der Beobachtung in der näheren und weiteren Ilmgebung anspricht.

Wie Tolstoj im allgemeinen zu Werke ging, kann man lose Ausspinnen phantastischer Zukunftsbilder.. Er fieht fich annähernd aus der Erzählung von den beiden Hauslehrern als General und Steger, als Ehegatte, als Greis, als Erfinder, erschließen. In Leo Tolstojs Hause waren in Wirklichkeit als Entdecker – als Weltbeglücker. ein Deutscher und ein Franzose um die Erziehung der Knaben Für keine philosophische Richtung begeistert sich der junge bemüht und zwar, wie auch in Irtenjews Selbstschilderung Denker so wie für den Skeptizismus, der ihn „zu einer Zeit in der Reihenfolge, daß der Franzose als zweiter in die Familie einem Zustande nahe brachte, der an Wahnsinn grenzte.“ Ich kanı. Leo Tolstojs Lehrer hießen: Theodor Iwanowitsch hatte die Vorstellung, daß außer mir niemand und nichts in Röffel und Prosper St. Thomas - Irtenjews Erzieher sind der ganzen Welt vorhanden ist, daß die Dinge nicht Dinge, Karl Iwanowitsch Mauer und St. Jérôme. Die Personen sondern Vorstellungen sind, die nur dann in die Erscheinung der Dichtung sind also offenbar mit den Erinnerungen des treten, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf sie richte, und daß Lebens im unmittelbaren Zusammenhange, gleichzeitig aber auch diese Vorstellungen sofort schwinden, wenn ich aufhöre, fie. zu (da den „Lebensstufen“ die Aufgabe einer Autobiographie ganz denken .... Es gab Stunden, wo ich unter dem Einflusse und gar fern war) von der Wirklichkeit unabhängig. Anders dieser „fiven Idee“ zu einem solchen Grad geistiger Verwirrung ergänzt der Dichter an anderer Stelle die Lücken des Selbst= kam, daß ich mich bisweilen schnell nach der entgegengeseßten erlebten. Da er seinen Vater nicht kannte, bediente er sich Seite umsah, in der Hoffnung, dort, wo ich nicht war, von eines anderen älteren Herrn aus seinem Umgangskreise gewisser- einem Nichts (néant) überrascht zu werden maßen als Modell: des Großvaters seiner zukünftigen Gattin Diese Neigung zu philosophischen Betrachtungen nennt mütterlicherseits, und die Mimi der Siindheit ist das Abbild Nikolai seinen Hauptfehler, der thn noch viel schlimmes im der Gouvernante in dem Hause des Großvaters, also der Er Leben zufügen sollte. zieherin der Mutter seiner (Battin.

Er glaubt unerschütterlich an ein Sittlichkeitsideal und Die Linie genauer zu bestimmen, welche Erfindung von foltert sich selbst, wenn er sich nicht auf dem geraden. Wege Erfahrung trennt, ist bei den „Lebensstufen" schwieriger noch, zu seiner Verwirklichung betrifft, durch eine erbarmungslose als bei anderen Dichtungen. Im Grunde ist alle Dichtung nur Aufrichtigkeit. Er fennt die rücksichtsvolle Halbheit nicht, die Wiedergabe empfangener Eindrücke in einer selbstgewählten Be- zwischen Denken und Tun vermittelt. Sobald er etwas als leuchtung, und wer sich im Roman die Aufgabe stellt, das wahr erfennt, strebt er aus aller Kraft, es im Leben zu beWerden cincs Menschen bis zu einem gewissen Zeitpunkt dar tätigen. Er beobachtet, er beurteilt alles. Er hat mehr Liebe zustellen, wird die Einzelzüge dieses Bildes nirgends anders und Nachsicht für die Eigenschaften und Handlungen anderer, herleiten können, als aus der Schazkammer des Selbsterfahrenen, als für die eigenen. In dem jugendlichen Sinn regen sich so sehr auch das Gesamtbild von allem entfernt ist, was ihm schon die gewaltigen Menschheitsfragen der Gleichheit und der auf dem eigenen Lebenswege begegnet ist.

Frauenerziehung Darf man aber demnach die Lebensstufen in Bezug auf Sein Sittlichkeitsideal besteht in der Ueberzeugung, daß das Tatsächliche von Nikolaj Jrtenjervs Schicksalen als Dich(Jüngl. I.) die Bestimmung des Menschen das Streben nach tung in den erläuterten Sinne bezeichnen, so sind sie doch in fittlicher Vervollkommnung ist, daß die Vervollkommnung in einer Hinsicht als Selbstschilderung aufzufassen: in der Aus- leicht, erreichbar, ewig sei.“ Die Verwirklichung dieses Ideals malung aller seclischen Zustände und der Zergliederung des stellt sich ihm fit eigener Weise dar. Er hält sich von dem geistigen Werdeganges eines höher angelegten Einzelwesens. Mädchenzimmer fern, er will seine Augen nicht auf die Frauen Das Seelenleben aber ist die Hauptsache in den „Lebensstufen“. richten. „In drei Jahren, wenn ich der Bevormundung entMenschen und Ereignisse sind nur da, um in ein bestimmtes wachsen bin, heirate ich unbedingt.“ Er träunit beVerhältnis zu dem Scelenleben des werdenden Menschen zu ständig von dem Weibe; noch dem siebzigjährigen, zahnlosen treten, um ihrer Wirkungen und Nachwirkungen willen. Darum Greise wird liebevoll eine entzückende Marie das Alter verbedurfte der Dichter auch derjenigen Personen und Geschehnisse, klären. In Frtenjer's Unterhaltungen mit Nechljudow hat dic cines jeden Menschen erste Lebensjahre beeinflussen, und das Glück immer dieselbe Gestalt: Ehe, Landleben, undarim mußte er, was das eigene Leben ihn nicht bot, aus ausgesepte Arbeit an der Selbstvervollkommnung. Und so beden andrer herübernehmen.

schäftigen ihn auch die Arten der Liebe und die niederDic angeborenen Anlagen und Neigungen Frtenjevs aber schmetternde Beobachtung, wie zwischen Eheleuten der stille sind die des Dichters und thre Ausbildung zum Charakter läßt Haß“ fich entwickelt, jener unterdrückte Widerwille zu in dem Kinde, dem Sinaben und Jüngling mit überraschender dem Gegenstande der Neigung, „der sich in dem unbewußten Deutlichkeit die Züge des Mannes, ja des Greises Tolstoj Streben ausdrückt, diesem Gegenstand alle möglichen kleinen erkennen.

Unannehmlichkeiten zuzufügen.“ Die Grundlage in dem Wesen des Helden der „Lebens Der eigene Vater und die Stiefmutter sind der Gegenstufen" - wir fönnen dabei immer mit gleichem Recht an stand dieses Menschenstudiums. Ilnd cbenso die Schwester und Tolstoj wie an Jrtenjew denken – ist ein nimimernüdes Grü

ist ein nimmermüdes Grü- ihre Freundin. „Ich versuchte in diesem Sommer vor Langebeln. Jede Erscheinung der Außenwelt erregt sein Mitgefühl, weile manchmal mich Ljubotschka und Natjenka zu nähern und jede Phase seines Innenlebens fordert seine Prüfung heraus; mich mit ihnen zu unterhalten, aber jedesmal stieß ich bet er durchdenkt sie bis zu der lezten Ursache und sucht ihren ihnen auf einen solchen Mangel an der Fähigkeit zum logischen Zusammenhang mit einer allgemeinen Weltordning. In der Denken, und auf eine solche Unkenntnis der einfachsten, geWerkstatt dieses Geistes folgt eine Frage aus der andern, und wöhnlichsten Dinge, wie z. B. was das Geld set, was man der natürliche Wissenstricb, früher erwacht als bei Menschen an der Universität lernt, was der Krieg sei und dergleichen, von Alltagsprägung, artet in dem Kopfe des Sinaben in eine und auf eine solche Gleichgiltigkeit gegen die Erläuterung aller nahezu frankhafte Sucht aus, die Grenzen unserer Erkenntnis dieser Dinge, daß diese Versuche meine schlechte Meinung von zu überfliegen und den geheimnisvollen Zusammenhang alles ihnen nur noch bestärkten.“ Diese ganze geistige Arbeit vollzieht Seins 311 ergründen. Irtenjews größter Genuß ist das ab= sich innerlich und wagt sich nicht nach außen. Denn Nikolai gezogene Denken und seine unüberwindliche Neigung das enda | ist schüchtern und linkisch, von derben unschönen Gesichtszügen.

Nur Nechljudow darf in das lebhafte Getriebe dieser Gedanken- giebt, verschoben, und sind sie wahr vergrößert, so werden sie arbeit hineinblicken. Den anderen Genossen bleibt Irtenjew ganz und gar unwahr, denn sie haben einen unwahren Umfern. Hier stößt ihn das planlose, ungezügelte ihres Lebens fang erhalten, das allgemeine Maß des Lebens ist derab, dort scheut er sich, durch seine Wohlhabenheit zu fränken. schoben, ihre Bezichungen zu den andern Dingen, und dieses

Der vierundzwanzigjährige Dichter hat dem Lebensanschlag | Maß bildet die wirkliche Wahrheit.“ Nikolaj Irtenjers gewiß aus seiner fortgeschritteneren Entwicklung So scharfsinnig die Bemerkung Afsakows auch ist, so bemanches mitgeteilt, imd in diesem Alter ist ein Interschied von stechend auf den ersten Blick – richtig ist sie nicht. Zustände vier Jahren ein bedeutender – aber in der Hauptsache ist das der menschlichen Psyche können überhaupt nicht mit einem Seelenleben des Heranwachsenden, reifenden Menschen mit einer ein für alleinal geltenden Maßstabe gemessen werden. Und Senntnis der Psyche erfaßt, die in keinem Werke der Kunst der Dichter behält dem Süritiker gegenüber Recht. Denn was ihres Gleichen hat und mit einer Sicherheit der Darstellung an den einen spurlos - vorübergeht, kann des andern ganzes wiedergegeben, der auf den Wege von den Phantasie-Geschauten Wesen umgestalten, und so ist nichts wesentlich oder unwesentlich bis zur Fiyirung auch nicht der kleinste Zug verloren geht. Die an sich. Es erhält seine Bedeutung erst durch seine Wirkungen. Menschen, die Tolstoj vorführt, stehen leibhaftig vor seinem geistigen Die Technik, die wir hier näher zu kennzeichnen versucht Auge; er bannt sie ohne Zutat fest. Wie der Natur selbst ist haben, und die Seelenanatomie der Lebensstufen sind Tolstoi's ihm nichts an ihnen bedeutungslos. Er weiß dem scheinbar (e volles Eigentum, wenn auch die russische Litteratur Verwandtes ringfügigen den Platz in dem Ganzen anzuweisen, der jede Nota zur Zeit ihrer Entstehung besaß. Besonders verglich die Siritik wendigkeit auch dem weniger scharfsichtigen Auge dartut. der fünfziger Jahre das Erstlingswerk des jungen Dichters Jedes Fältchen des Herzens durchdringt er mit seinem Falken- gern mit Lermontow's Helden unserer Zeit und Gontscharow's auge, jede Regung eines Fortschritts in dem körperlichen und blomor. Aber beide Dichter haben uur verwantes, nicht geistigem Sein und ihrem wunderbaren Zusammenhange liegt ähnliches geschaffen. Lermontow's Sunst ist auf die getreue vor ihm offenbar. Er ist der größte Anatom der Seele. Wiedergabe erkünstelter (Hefühle gerichtet, Bontscharow's Jronie

Tie anatomische Seele – auch in den späteren Werken verurteilt die tatenlose Schwäche und läßt die zielbewußte Tulstojs die stärtste Seite seines Talents überzeugt in | Lebensflugheit über sic triumphiren; Tolstoi will nichts anderes, diesem Erstlingswert schon davon, daß eine große selbständige als das wahre, ungeheuchelte Empfinden dem ererbten Fühlen Tichtertraft es geschaffen hat.

und Denken gegenüber stellen. Wahrheit! – und koste jic das Und diese Kraft steht unter der Zucht eines überlegenen Leben des Einzelnen, der Menschheit! Kunstverstandes. Ju den „Lebensstufen“ – in der „Vindheit“ und dem „linabenalter“ in höherem Maaße als in den „Jünglingsjahren“ herrscht eine so ebenmäßige Anordnung der einzelnen, scheinbar für sich behandelten Teile, wie einem festgefügten Bau, desion Einzelheiten, wie Stirnseite, Türmchen, Fenster, Zierrat, jedes für sich dem Schönheitssinn Freude gewähren, und dessen Ganzes den gleichen genußreichen

Kunst, Wahrheit, volt.
Anblick gewährt.
In der Ausgabe der „Lebensstufen" lag zugleich der An-

Von Richard Dehmel. trieb zu einer Kunsttechnik, die dem Tolstojíchen Genius ent Prolog, gesprochen zur Eröffnung der freien Voitsbühne". sprach und mit geringenein oder größerem Vorteil auch die Werte der späteren Schaffenszeit beherrscht. Tolstoi bemüht Weitauf das Fenster – saß ich, ins Gewühl

Es war im Mai; ein Mittag weich und schwül sich nicht durch Worte eine Stimmung wiederzugeben, sondern Der feuchten Dächer starrend, die gleich Schollen durch Handlungen. Er schildert die ganze Neihe von Handlungen, Von Silberfelsen, fern im blauen ecr winzige und winzigste, die auf die Gemüthsverfassung zurück- Des Himmels drüben, aus der Brandung schwollen

Der Stadt tiefunten im mich her. schließen lassen. Das Bild der Wirflich feit wird dadurch

Am Horizonte hing vom blasien Kranz äußerst scharf. Denn im Leben verhält es sich ebenso. Tie Des Duftes, wie ein Band aus Frühlingsglanz, Stimmung, die innerlichen Vorgänge entziehen sich dem fremden Sanft um der Siegesgöttin goldne Blieder Puge, und nur wie die Menschen sich gebärden, wie sie sprechen In langer Bahn das weiße Licht hernieder; und handeln, läßt uns auf ihre Seelenstimmung schließen.

Zu flattern chiens im lauen Wind.

Die Sonne blickte müde wie ein Kind, Diese Technik führt vielleicht hie und da zu einer pein Die Lüfte seufzten wie im Traum lischen Sileinlichkeit - wie schon Aksakow (Nusstaja Bejida 1851 1.) Da klirrend rührte sich der erzne Saum feinfühlend bemerkt hat. Aber auch nur ganz ausnahing

Am Fuß der Göttin und ich staunte lauschte

Mir schiens, daß fernher cine Štimine rauschte wcise. Wir fönnen dem scharfsinnigen Beurteiler nicht bei

Hel flirrend schossen um die Spitze pflichten in der Allgemeinheit, in der er diesen Tadel aus Des Säulenfuaufes singende Blige: spricht. „Tolstoj's Analyse“ – sagt er - „bemerkt oft Die Göttin schüttelte den Siegesípeer. Kleinigkeiten, die feine Aufmerksamkeit verdienen, die wic Doch plötzlich - fausend flog hinab die Wehr, leichte Wolken spurlos über die Seele hingleiten; die Zur Erde wallte auf den Strahlenstufen

Das hohe Weib, und hohl wie Glockentöne Analyse, die sic beobachtet und festhält, giebt ihnen eine Aus ehernem Munde hört ich laut fie rufen: größere Bedeutung, als sie in der Wirtlichkeit haben, und da „Genug des eitlen Rulmes! liommt, ihr Söhne, durch werden sie unwahr. Die Analyse wird in diesem Falle Ihr Töchter all des Volkes, tommet her! zum Mikroskop. Mitrosfopische Erscheinungen giebt es in der Ich will euch fünden eine neue Mär Seele, aber wenn man sie in Mikroskop vergrößert und so Genug von Mampf und Haß! Aus mildern Sphären.

Hin werf ich Helm und Waffen in den Staub, läßt, alles übrige aber in seiner natürlichen Beschaffenheit bleibt, Vom Baum des Friedens pflückt' ich schimmernd Laub so wird das Maß ihrer Beziehungen zu allem, was sie um Mit reinern Glanz das Haupt mir zu verklären,

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Die Frucht der Schönheit bring ich auf die Erde,
Die Kunst, die Seligkeit der Ewigkeiten;
Vergessen sollt ihr Mühjal und Beschwerde,
Auf stiller Flut ins Meer der Freude gleiten!
Ein trüber Rausch nur ist des Daseins Not,
Ein Wahn der Schmerz, cin Augenblick der Tod:
Entzückt ob allem Erdendunste schwebent,
Daš ist die Wahrheit, das ist das Leben!“
Da stand fie funkelnd in der Sonne – winfte,
Hoch in der Rechten, weithin gleißend blinkte
Die goldne Frucht. Und jauchzend ihr entgegen
Aus allen Toren brausende Scharen quollen,
Auf allen Straßen Jubelgrüße schollen, –
In jedem Aug cin Glanz, als hätt' ein Regen
Von Glück geweckt die Blüten jeder Scele.
Mit keucht' ich vorn im Schwarm. Aus heißer Kehle
Durströchelnd, niederstürzt ich in den Sand,
Umklammerte des Weibeš Prachtgewand:
Gieb!" fleht' ich ächzend. – Sieb uns, gieb uns!" ächzten
Die Abertausende, die mit mir lechzten.
Doch dumpf und hohl die Glockenstimme tönte
Herab zu uns, wie Grabeston sie dröhnte:
Nicht dürft ihr nah'n mit irdischer Begier,
Im Abglanz nur begreift die Schönheit ihr!"
Und scheu verstummten alle; auf dem Volke
Lag schwer das Wort gleich fahler Nebelwolfe.
Auf einmal aber – leije, hetfer, bang
Ein Angstgeflüster durch die Stille klang:
„Sic log uns wir verschmachten -- wch, fic log!"
Ünd, wie die Windsbraut durch den Forst, so flog
Es durch die Scharen, laut und lauter schwellend:
Sie log, log, log ins," – toll und toller gellend,
Wutschreiend, jammerwild, und Flüche schalten,
lind Fäuste griffen drohend nach den Falten
Des prunkenden Kleides, und ein Schreck ein (raun:
Die tobenden Reihen starrten wie erdrückt,
Ein Bild des Stolzes hatte sie berückt:

stand ein Vild der Chni acht, dürr und braun !
Ein Schauer zuckte durch den Ricsenleib,
Es war, als schrumpfte Zoll um Zoll das Weib,
Matt knickte nieder Haupt und Arm,
Die blanke Frucht fiel prasselnd in den Schwarm,
Zu Moderqualm zerstob fie im Bedränge,
3u Flittertand der Schale Goldgepränge;
Und vom Gesicht des Weibes sah ich flattern
Die glatte Haut, wie abgeschürfte Blattern,
Aus blöden Augen glomm ein trüber Schein
Wie schaler Bodenrest aus Iceren Bechern,
Die dünnen Lippen fuifften welt sich ein,
Ilnd aus dem Zahngelücke froch es blechern:
„Ach ja ach je die Kunst wird alt so jachte!
Ihr habt schon hiecht! Na, seid man stia! Ich dachte:
Ihr könnt noch glauben an die ewige Jugend!
Na laßt man, Ninder! Scht: ich bin ja ehrlich!
Und ist das schwache Rückgrat auch beschwerlich:
Man macht dann eben aus der Not 'ne Tugend !
Ja – alles Dajein ist ein morscher Plunder,
Der Geist verpufft sich selbst wie mürber Zunder,
Der Mitmensch kommt und schluckt den schlimmen Rauch
Und friegt davon das Grinnen in den Bauch;
Ein Nunststück ist es, sich davor zu hüten!
Drum wil ich euch als Gegengift dic Blüten
Aus dicjem Pestbeet säuberlich seziren,
Ein schwaches Auge liebt das Mikroskop,
Doch nicht das Sonnenfernglas zu regieren,
Und Unfraut wächst ja massenhaft – Gottlob!
Die Decke von der Fäulnis aufzuheben:
Das ist die Wahrheit, das ist das Leben!"
Und wieder lautlos, in bellonimnen Träumen
Ein Nicken rings - und dünne Seufzer wehten,
Wie Herbstlaub ricjelt von den blasien Bäumen;
Dann – jah ich manchen grinsend näher treten.
Da schiens als wüchse wieder hoch die Alte,
Und prahlender die dürre Stimme hallte:
„Am Schönheitswahnsinn mögen Narren flauben,
peut braucht man blos der Wissenschaft z11 glauben!

Und da ihr reif seid alles zu verstehen,
Sollt ihr die Kunst in ganzer Nacktheit sehn!"
Und mit den Spinnenfingern trallte
Ins schlotternde Prunkgewand die Alte,
Schon blinzten durch des Kleides Spalten
Des greisen Leibes schlaffe Falten:
Da — wie ein Frühlingsdonner schwoll es an -
Ein Efelschrei zerriß den dumpfen Bann,
lind wie die Brandung von der morschen Klippe
Zurück ins freie Meergewoge schäumt,
Šo stürmten, flohen scham- und zorngebäumt
Hinweg die Scharen von dem Angstgerippe -
Ümrante mich die tolle Flut, doch jauchzend lachte
Erlöst aus voller Brust ich und – erwachte.
Weitauf das Fenster, saß ich. Ins Gewühl
Der lauten Straße sanft das Mailicht fiel.
Tief unten, aus dem dunkeln Schattenloch
Des Hofes drüben, schien zum Glanz zu steigen
Ein blühender Kirschbaum, rein als hinge noch
Das Morgenrot in seinen schimmernden Zweigen.
Und wo er über die graue Mauer nickte,
Stand blaß ein Straßenkind und gab
Von seinem Brote einer Armen ab,
Die kranken Fußes lächelnd weiterkrückte;
Das Brot war trocken, das Stück war klein,
Das Händchen schmupig, doch des Auges Leuchten
So rein wie über ihm der Sonnenschein,
Der ringsher um die schwarzen, frühlingsfeuchten
Dächer der gährenden Stadt, als wärens Bräute,
Weißseidene Schleier wob und Perlen streute.
Am Horizonte glimmte in den Dünsten
Schwach, wie ein Jrrlicht schwimmt in Sumpfgespinsten,
Dic plumpe Göttin jeßt. Doch näher, an der Ecke
Dicht unter mir, floß hell der weiche Glanz
Um cine andre Säule; bunt Geflecke,
Grell, ein zerhackter Regenbogenfranz
In lustigem Farbenwirbel, prangte dran ;
lind auf dem Pflaster drängte Mann an Mann;
Sie lauschten; Einer las, gebückt und schief,
Ein roteá Blatt, das zur Versammlung rief.
Verbißner Grinm aus knochigen Mienen sprach,
Auf furchigen Stirnen dick die Sorge lag;
Ilnd als der Daufen auseinanderwich,
Ilnd als sie sich die russigen Hände drückten
Ilnd fargen Gruß die starren Köpfe nickten,
Da, ja da fühlte man: es schlich
Manch schlimmer Wunsch aus haßgepreßzter Schle;
Doch aus den Blicken zudte im Sonnenstrahl
So sprüht der Funke aus dem harten Stahl
Hell die Begeisterung der wilden Seele.
lind wie der Schein dort oben das rauhe Land,
Die schlafenden Seime rings der rohen Erde:
So, Einer lautern Hoffnung voll, umwand
In Eins sie Alle diese Lichtgeberde.
lind in mir rief und jang cs: „Sonnenflamme,
Wir alle sind von deinem goldnen Stamme!
In jeder Brust von dir ein Funke glüht,
Der angefacht empor zur Lohe blüht!
Stein Wahn ist diese wogende Straft, kein Traum:
Kein dunstig Hirngespinst – fein schillernder Schaum!
Wie du aus Licht und Dunkel Farben wirfst,
Im Schooß der Nacht die Sat des Tages birgst,
Wie in der dumpfen Schlacke, dir entflossen,
Dein Flammenblut du in die Welt gegossen,
Das aus dem kalten Staube der Gestalt
Vor Sonnenheimweh heiße Worte laut:
So in den Schatten der Vergangenheiten
Die Blut der lichten Schnsucht dieser Zeiten
Am Blut der Zeit, am Volke, zu beleben
Das ist die Kunst, die Wahrheit - das wirkt Leben!"

Da

Die Kröte und die Rose.

teuern des Robinson, von den Geschichten wilder Völker und

Piraten ermüdet ivar, ließ er sein Buch auf der Bant offen Eine russische Erzählung von Wsewolod Garsch int. liegen und ging tiefer in den Garten hinein. Jeder Busch war

ihm vertraut, er kannte jeden Strauch. Er kauerte sich vor Es war einmal eine Rose und eine Ströte.

einer mächtigen Königskerze nieder, umstanden von weißen, Der Strauch, auf welchem die Rose blühte, stand in einem rauhhaarigen Blättern, die dreimal höher waren als er, ind kleinen, halbrunden Vorgärtchen vor einem hölzernen Hause. betrachtete ein ganzes Volf von Ameisen, das auf der Suche Seit langer Zeit schon war der Garten verlassen; das Unkraut nach Blattläusen den Stengel in die Höhe kroch; er beobachtete, wucherte frei und üppig auf den Blumenbeeten und in den mit welcher Geschicklichkeit cine Ameise die kleinen Kollen von Gängen empor, die niemand mehr reinigte und mit Ries be dem Rücken der Blattläuse nahm und die reinen Tröpfchen streute. Das Holzgitter, das aus viereckigen Stäben, die einst süßer Flüssigkeit sammelte, die am Ende der Rollen herausmals grün angestrichen gewesen waren, bestand, war entfärbt, fickerten; er bemerkte, mit welcher Gile und mit welcher Sorg teilweise zerbrochen und verfallen. Die Straßenjungen hatten falt die Käfer ihre Kugeln hinter sich schleppten, man weiß einzelne Stäbe herausgerissen, um damit Soldat zu spielen, und nicht, wohin? Er sah der Spinne zii

, die, nachdem sie ihr auch die Muschits hatten welche genommen, um sich gegen die Neß ausgespannt, den Fliegen auflauerte, und der Eidechse, die Hunde zu verteidigen. Das Wachstum jedoch hatte durch diesen ihr kleines Maul der Sonne entgegen öffnete und in ihrem Verfall nicht gelitten. Der Hopfen und die weißblütige Flachs Stral crglänzte mit den Schuppen ihres grünen Panzers. seide bedeckten die Reste des Zaunes mit lieblichem Laubwerk, Eines Abends sah er zum erstenmale einen lebenden Igel. Er aus dem blaßgrüne wilde Erbsen büschelweise herabhingen, hie konnte vor Freude kaum an sich halten und hätte beinahe in und da untermischt mit hellblauen Blüten. Špipzige Distein, die Hände geklatscht. Aber die Furcht, das kleine spipige Tier so hoch, daß man sie fast Bäume hätte nennen mögen, ent zu erschrecen, hielt ihn davon zurück

. Er hielt seinen Atem sprosten dem feuchten und fruchtbaren Boden des Gärtchens an, öffnete weit seine vor Freitde glänzenden Augen und jah und bildeten ein weites schattiges Dickicht. Die gelben Königs zu, wie das Tier mit seinem Schweineschnäuzchen schnupperte kerzen streckten ihre mit Blüten besäten Stiele über die Disteln und zwischen den Wurzeln des Rosenstrauchs nach Würmern hinweg; die Brennnesseln beseßten eine ganze Ede des Gartens, suchte, die es mit seinen kleinen, runden, bärenähnlichen Taßen und, so gefahrdrohend sie aussahen, so mußte man doch von in gar zu drolliger Weise auflas. weitem das tiefdunkle Grün bewundern, von dem sich die blassen „Wassia, mein Liebling, komm' herein, es beginnt feucht Farben der Rose abhoben.

zu werden," rief jezt seine Schwester mit lauter Stimme. An einem schönen Maimorgen hatte sie ihren Kelch geöffnet. Der kleine Igel erschrat bei diesem Ruf und rollte sich, Der Morgentau, der in der Luft schwebte, hatte auf ihren Kopf und Pfoten unter die Stacheln zurückziehend, zu einer Blumenblättern ein paar kleine, klare und reine Tränentröpfchen Kugel zusammen. Der Kinabe berührte leise die Stacheln: das zurücgelassen. Die Blume schien zu weinen. Aber alles um Tier rollte sich noch enger zu Hauf und iind begann wie eine sie herum war jo flar, so fonnig im Glanze des Morgens, an kleine Dampfmaschine dumpf und hastig zu schnauben. Allmädem sie zum erstenmale den blauen Himmel sah, den erfrischen lich befreundete er sich mit dem Igel. Er war so schwächlich, den Hauch und den Stral der glänzenden Sonne fühlte, der so friedlich, so ruhig, daß man hätte glauben mögen, die kleinen mit rosigem Lichte ihre feinen, dünnen Blumenblätter durch Tiere wüßten es, so schnell gewöhnten sie sich an ihn. Als drang; in dem Bärtchen war alles so friedlich und ruhig, daß, aber erst der Igel die Milch geschmeckt hatte, die ihm der wenn sie wirklich hätte weinen können, sie es nicht vor Summer, Eigentümer des (Bartens in einer kleinen lintertasse brachte, da sondern vor Freude und Glück getan hätte. Sie konnte nicht stieg die Freude des Kindes auf ihren Höhepunkt. sprechen, aber, wenn sie ihr kleines Köpfchen beugte, konnte sie

In diesem Frühling konnte der Kinabe jedoch nicht in den einen feinen und frischen Duft verbreiten: und das waren ihre Garten hinab. Wenn seine Schwester wie ehemals neben ihm Worte, ihre Tränen, ihre Bitten. Zu ihren Füßen saß zwischen den Wurzeln des Strauches jab, co war das nicht draußen am Fenster, sondern drinnen,

am Bett. Sie las mit lauter Stimme ein Buch, aber nicht eine alte dicke Ströte, die die ganze Nacht hindurch auf Würmerund Müdenfang ausgewesen war und sich nun, beim Erwachen nicht mehr von den weißen Kissen erheben konnte. Er wäre

mehr für sich, sondern für ihn, der seinen abgezehrten Kopf der Morgenröte, ein schattiges und feuchtes Pläßchen zur Ruhe

auch kaum im stande gewesen, das kleinjte Buch in seinen ausgesucht hatte. Sie saß da mit geschlossenen, von einer zitternden Händen zu halten, und seine Augen ermüdeten schnell Nidhaut bedeckten Augen; ihre schmutzig-grauen, zähen und vom Lesen. Sein Zweifel, der wird nicht mehr in seinen geFlebrigen Seiten waren aufgeblasen; sie atmete leise. "Eins ihrer

liebten Garten gehen. Beine hatte sie vorn liegen lassen, zu faul, es an den Bauch ,,Mascha!" "murmelte er plößlich zu seiner Schwester. heranzuziehen. Weder der Morgen, noch die Sonne erfreuten

„Was denn, mein Liebling?" sie; sie war vollgepfropft, sie ruhte. Als aber das langsam

Ist es schön im Garten? Haben sich die Nosen schon hinsterbende Lüftchen den Duft der Hose nicht mehr davontrug, entfaltet?" atmete sie ihn ein; sie empfand wohl eine Art von Segung,

Die Schwester beugte sich über thi, streichelte seine einaber sie war z11 faul, um nachzusehen, woher ihr dieser Duft kam.

gefallenen Wangen und trocknete eine Träne in ihren Augen. Schon seit langer Zeit hatte kein menschlicher Fuß den „Ja, mein Liebling, es ist sehr schön draußen, und die Garten betreten, in dem die Rose wuchs und die Ströte faulienzte. Rosen blühen schon. Montag werden wir zusammen hinausEin kleiner Knabe, der bei schönem Wetter den Tag über vor gehen. Der Arzt wird es dir erlauben.“ dem Fenster zubrachte, war zum letenmale im vergangenen Das Kind antwortete nichts. Es seufzte tief auf. Die Jahre dagewesen, im Herbst, gerade als die Kröte zum lieber Schwester begann wieder zu lesen. wintern in cinen Grundstein des Hauses kroch. Ein junges Genug. Ich bin müde; ich will schlafen." Mädchen, seine Schwester, saß damais am Fenster, las in einem Die Schwester legte ihm die Kissen und die weiße BettBuche oder stickte sind betrachtete von Zeit zu Zeit ihren Bruder. Dieser war ein kleiner Junge von sieben Jahren, mit einem Er kehrte sich mühsam zur Wand und schwieg. großen Kopf und großen Augen auf einem schwächlichen Körper. Die Sonne gliserte durch das Fenster, bas ziim Garten Er liebte seinen Garten sehr, den man wohl sein nennen konnte, hinausjah und warf ihre goldenen Stralen auf das Bett, denn niemand sonst fam an diesen verlassenen Ort. Wenn er in dem der kleine Körper ruhie. Sie leuchtete von den Nissen dort war, seşte er sich gegenüber dem Hause auf eine alte und der Tecke wider und vergoldete die kurzen Haare und Bank, gerade in die Sonne. Die Bank stand in einer trocknen den mageren Hals des Kindes. sandigen Allee, der einzigen, die in gutem Zustande war, weil Die Wojewußte nicht von allebem. Sic wuchs und man sie passiren mußte, wenn man die Läden schließen wollte. entfaltete sich. Ant folgenden Tage mußte sie völlig aufgeblüht Ilnd hier las er das Buch, das er sich mitgebracht hatte. sein, am dritten aber mußte sie schon welken und sich entblättern.

„Wassia! soll ich dir deinen Ball zuwerfen?' Das ist Und das ist das ganze Leben der Rose. Aber in dieser so lustig.“

kurzen Lebenszeit sollte sie sehr viele Schrecken und sehr vielen „Nein, Mascha, ich lese lieber mein Buch."

Verdruß erfahren. Er blieb lange siken und las. Wenn er von den Aben Die Ströte hatte sie bemerkt. Als sie die Blume zum

decke zurecht.

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