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und ehe nicht eine ähnliche Entwickelung bei uns in diesen einen Ausnahmefall gepredigt wurde, da ließ sich Deutschland Plaß greift, wird ein erheblicher Teil der das sonst so heuchlerische Publifuum hinreißen und rief segensreichen Wirkungen der freien Advokatur unerfüllt den Dichter jubelnd hervor. Ich will später darauf zurück bleiben, wird sich ein Verhältnis der Gleichberechtigung kommen, wie sich Fuldas Evangelium der freien Liebe zit und Gleichachtung vor Gericht nicht entwickelni.

den Forderungen des Radikalismus stellt; vorläufig aber Daß der Verteidiger' der Disziplin des Ge- verlangt die nengewonnene Technik Fuldas einige Berichtes unterworfen ist, welches ihn unter Ilmständen merkungen. mit einer Ordnungsstrafe wegen llngebühr belegen kann, Vor allem muß die fühne Klugheit hervorgehoben der Staatsanwalt aber nicht, ist eine Anomalie, die Nie- werden, mit welcher der elegante Satirifer uns in kleinbürgermand rechtfertigen kann. Im Gerichtssaal muß der Vor- liche Gesellschaft führt. Wir sind es seit vielen Jahren fißende der Herr im Hause sein. Wer die Ruhe des Hauses gemöhnt, daß die inlitterarische Posse im Şause von Gestört, muß seiner Disziplin interworfen sein, gleichviel, werbsleuten und kleinen Beamten spielt, während sich welcher Stellung der Ruhestörer angehört

. Der jeßige litterarische Ansprüche nur im Palais oder in der ArZustand ermöglicht es dem Staatsanwalt, in ingebühr beiterwohnung zum Worte melden. Die Welt, in der licher Weise dem Verteidiger gegenüberzutreten, ohne daß man sich langweilt, war die Welt des Dramatifers. Wenn das Gericht ihn in Strafe nehmen kann. Wenn aber Ibsen kleinere Leute zu den Helden seiner Stücke gemacht der Verteidiger zur Abwehr von den gleichen Waffen Ge hat, jo lag das an den kleineren Verhältnissen seiner brauch machen will, so läuft er Gefahr, wegen lligebühr Heimat. Die norwegischen Landstädte haben kein Faubourg bestraft 311 werden.

Saint-Germain und nicht einmal ein Berliner Tiergartenviertel. Dieje gejeßliche Schlechterstellung der Verteidigung in Wenn nun aber Ludwig Fulda ims Weinhändler, Hotels allen Stadieni des Strafverfahrens, verbunden mit der besiker und einen Oberpostsekretär a. D. als Vertreter der tatsächlichen llebermacht des Anklägeramts, ist geeignet, Mannestyrannei vorführt, so hat er siese soziale Schicht gerade die besten Elemente der Advokatur von der Ber mit Bedacht gewählt. Jil Arbeiterfreijen ist die Fraueiileidigungstätigkeit eher abzuschrecen, als 311 derjelben frage mit der Lohufrage so eng verquickt und ist die hinzuziehen. llud doch handelt es sich hier um die freie Liebe oder wenigstens die Gemeinschaft vor der Ehe wichtigsten Interessen des Volkes und des Einzelnen, um eine so häufige Erscheinung, daß Fiilda nichts damit an viel wichtigere Juteressen, als im Zivilprozeß, wo nur zufangen vermochte. In den Kreisen, wo viel Geld verVermögensverhältnisse in Frage stehen. Die Gesetzgebung dient wird, sei es durch Verkauf oder durch Kauf von und die Kraris sollten gleichmäßig dafür sorgen, daß Getreide -- man spricht in dem einen Falle von (Seburts, demi Verteidiger diejenige Stellung einigeräumt werde, | aristokratie, in demi aniderli voli Geldaristokratie — ist die welche der Wichtigkeit seines Amtes entspricht. Nur auf Frau wiederum nicht im Wortsinne die Sklavin des diejem Wege wird auch das Verteidigeramt dazu beitragen Mannes. Man fönnte sie eher die Herrin nemen. lind fönnen, daß wirklicheś, wahres, nicht nur formales wenn auch da in der leßten Tiefe des Weibes Schicksal Recht durch unser Strafverfahren geschaffen werde. befla wert ist, so wird es doch von den Männern,

welche Getreide verkaufen, zu höflich behandelt uud dort, wo man (Setreide fauft, durch Luris zil sehr verdorbent, als daß typische Verhältnisje sich ergeben fönnen. Bei den Kleinbürgern aber liegt der Fall wirklich oft so, wie Fulda ih:i uns zeigt; ich glaube mir nicht, daß er gerade jo ausgeht.

Der Oberpostsekretär a. D. Solb ind seine Frait Theater.

waren vor nieun Jahren überglücklich, als sie ihre Fein Von

erzogene Tochter Eugenie an den Weinhändler Waldeck

verheiratet hatten. Wir sehen im ersten Afte dieses Heim: Fritz autljer.

Eugenie wagt fein lantes Wort, bedient ihren Mam wie

eine Magd und wird von ihm noch mehr seelisch mißDeutches Theater: Die Sflavin. Schauspiel in handelt. Stumm hat sie das neun Jahre ertragen. Es 4 Aufzügen.

ist darin nicht abzujehen, warum es erst vier Tage später, Ludwig Fulda ist eine der erfreulichsten Erscheinungen in zweiten Afte, zur Katastrophe kommt. Vielleicht hat unter den deutschen Schriftstellern der Gegenwart; man Eugenie inzwischen John Stuart Mills Buch „Die Hörigfönnte ihn fast superlativisch den sympathijdsten nieunen. keit der Frau“ gelejen. Sie benützt einen zufälligen Anlaß, Ilnd wenn die Sympathie von Kollegen sonst häufig den im 311 tin, was sie längst tin mußte; fie läuft ihrem guten Dilettanten zufällt, deren Können und Wollen gleich Manne davon. schwach ist, so hat Fiilda sich einen jo seltenen (Grad von Der dritte Aft schildert den unerträglichen Zustand achtungsvoller Liebe gerade dadurch erworben, daß sein dieser armen Person. Sie hat bei ihren Eltern Zuflucht starkes Wollen mit seinem starfen Stönnen Hand in Hand gefunden, aber der Vater will sie mit Gewalt zit ihrem geht. Ilnzufrieden mit sich selbst, aber ohne Spur von Manne zurück jagen und auch die gute Mutter denift inimer der Misanthropie, die er ans Molière jo schön übersetzt, mur an die sogenannte praftische Seite. Alle Freunde imd ungenügsam und doch wolwollend, so ist Ludwig Fulda Vefannten raten zu der Niederträchtigkeit, die sie Ause von eleganten Plaudereien zıım geistreichen Lustipiel, von jöhnung nennen. Nur er, der Baumeister, Wittwer, Vater da zur sozialen Komödie aufgestiegent, und auch von dem eines reizenden Theaterfindes von fünfzehn Jahren, hält Erfolg des Verlorenen Paradieses" nicht befriedigt, läßt jie aufrecht, denn er liebt sie. Ilnd sie liebt ihn. Aber er ein durch und durch ernstes Šdauspiel darauf folgen, sie ziehen ihr Geständnis dem schwächsten Aftschluß 311 das ein weiterer litterarischer Fortschritt ist, wenn der Er Liebe beide wieder zurücf, und ich habe die Phrase nicht folg auch ein wenig zurückblieb.

Die Sklavin“ hat in i ganz deutlich verstanden, mit der Eugenie das begründet. ihren ersten drei Afien ein unsicheres Publikum bald be- Im vierten Akte ist sie aufs Neußerste gebracht. Von allent lustigt, bald ergriffen, aber nicht immer festgehalten im Seiten gepeinigt, erfährt sie, daß daš (šeseß sie nur mit Banne der Dichtung; erst als zum Schluß des vierten Einwilligung des Gatten frei giebt Sie will ins Wasser Aktes die freie Liebe flipp und klar, wenn auch nur für gehen. Da kommt der Baumeister und beschwört sie

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leidenschaftlich, gegen das Gesetz, illegitim, frei zu werden, der Not den Bund der freien Liebe heiligt und feiert, und ihm anzuigehören. In einem Duett von fiacferndem wird wol jedem Leser imvergessen sein. Fener entschließen sich die Liebenden zur freien Liebe, und

Doch alle Vergleichungen, sowol die mit Bebel als der Backsijd giebt seinen Segen dazii.

die mit Heyie wärei ein llnrecht gegen Fulda, der selbst Ich hoffe mit diejer Juhaltsangabe schon die Schwächen ein Mann ist. Nur im abzugrenzen, wo sein neues Ideal des Stüdes angedeutet zit haben. Wie der erste und der

sich mit der radikalen Richtung in Kunst und Leben beziveite Aft ohne Not getrennt sind, jo ist vom dritten ziim rührt, jei noc) furz, was freilich sehr nahe liegt, an Ibsens vierten Akt eine sehr gefährliche Notbrücke geschlagen Nora erimiert. Dazu fommt nod) mandes Theatralische, vor allem das

Die These 3bjens ist viel subtiler und darum viel allerliebste Theaterfind. Auch die Frauen des Weinhändlers strittiger, aber sie ist jo" allgemein wie das Trinkwasser und des Hotelbesitzers sind dadurch etwas theatralijch

und wie Eheleute. Niora erfährt, daß sie und ihr Mann worden, daß sie aus ihrem Milieu herausfallen. Sie

über die Welt verschieden denfen, grindjäßlich verschieden. reden beide wie Theaterfranien aus Berlin W. Dafür hat Ludwig Fulda an dem Weinhändler (Herr Nissen schlags, vollkommen in feinem Rechte; er hat seine Frau

Der Mann ist, nach der Auffassung auch des guten Mittela ind an dem D berpostsekretär (Herr Engels) gezeigt, was

wie eine Puppe behandelt imd wird nur einmal erregt, da er kann und was er dazlı gelernt hat; zum Dank dafür haben die beiden Darsteller auch Meisterleistungen geboten.

die Fran in ihrer Weltunfenntnis seinen ehrlichen Namen

in den Prozeß um eine Wechselfälschung hineinziehen will. Dieser Weinhändler, der von seiner eigenen Gemeinheit

Da die Gefahr vorüber ist, glaubt er mit seiner Verzeihung jogar keine Ahnung hat, der seine Frau noch 311 lieben glaubt,

die Sache beigelegt. Nein, schreit die bisherige Puppe; weil er auf ihre verborgenen Schönheiten citel ist, wie auf

ich will kein geborgtes Dasein, ich will geistige Gemeinjchaft seinen neuen Anzug, der all seinien geschäftlichen Schmutz

mit meinem Mann. llud da ich zufällig dahinter gefür jeine ehrliche Pflicht und seinen häuslichen Egoismus

kommen bin, daß ich einem fremden Manne Stinder geboren für Gemütlichkeit hält, ist eine vollendete Figur. lind

habe, jo verlasje ich Mann und Kinder. llnd sie jdmeißt and der L berposisefretär a. D., der vierzig Jahre dem

die Tür hinter sich zu. Staate trei gedient hat und inentwegt ein Ejel geblieben ist, fönnte sich getrost bei Ibsen sehen lassen. Fulda

Wir überreizten Nervenmenschen haben der nervöjen mußte seiner wißigen Begabung gewiß einen Hemmschuh

Nora Niecht gegeben oder sie doch verstanden; das Publikum anlegen, um dieje Menschen jo objektiv darstellen zit fönnen. hat Nora bis heute nicht verstanden. Ein Merkmal, daß diese Rücksidiislosigkeit noch nicht ganz Var bei Jujen der Gegensatz der beiden Beschlechter er jelbji ist, daß jeine neuere Komittechnik noch Ideal ist, dadurch auf die einfachste Formel gebracht, daß der Mann zeigt sich in einem gewisien Mangel an Fülle der Ensemble nad der landläufigen Moral nicht das leiseste lInrecht izenen. Er unterdrücft die vortrefflichen Witze, die ihm gegen Nora beging, so ist der Mann bei Fulda nidit gewiß eingefallen sind, ist aber 110d) nicht reich genug, um einmal als Typus der rohen (Gewöhnlichkeit aufz1tfie durch immcfort trömendes Leben 311 crieben. Bei fajjen.

fassen. Daß er seine Frau zur Dienstmagd herunteralloseni ist die „, Sllavini“ in fünstlerischer Hinsicht cine zwingt und sie überdies im aufhörlich anschnauzt, wie sich wertvolle Arbeit, in geistiger cine mutige Tat. Dur da fein besseres Dienstmädchen anschnauzen läßt, das möchte gegesi allöchte ich bei Dichter ini Echip niekmeli, daß er noch hingehen. Denn die Dienstbotennaturen unter den sich mit diesem Stücke etwa in den Dienst der radikalen ilm- Frauen sind garnicht selten, und Fulda hat die Stim. jiürzler gestellt habe. Vom ,,Velorenen paradieje“ hatte mung des Spanješ mit wenigen Strichen gut gezeichnet. ich den Eindruck, daß es von der sozialdemofratischen Be Daß dicfer Weinhändler aber seine hübsche Frau aus wegung mehr äußerlich beeinflußt war. Die ,,Sflavin“ hat Geschäftsrücksichten streicheln und fürjen lajien will, das von der Zeitbewegung einen jo oberflädilidhen Einduich nicht geht weit über das hinauš, was gerade in kleinbürgerlichen erhalten. Wie das Schauspiel gleich 311 Anfang an die über Streisen für anständig gehalten wird. Der , Mami“ ist bei zwanzig Jahre alte Schrift Mills" anknüpfi, jo ist die Jojen cin gutmütiger und feiner Herr, deijen Tyrannei Tendenz Flılda: trotz allem Feuer der lebten Szene doch

mur für überreizte" Crgane erkennbar ist; bei Fulda ist eine gut bürgerliche. Seitdem hat Bebel die freie Liebe der „Mam“ ein roher und gemeiner Patron, der cigentlich vom Standpunft des vierten Standes crnjihaft gepredigt, längst von den besjeren Hausfreunden hätie geohrfeigt werden dimit jericını verfülirerischel Basi gerent die Pfaffleit und müssen. Die Frani läuft also nicht anis Prinzip fort, der Sicherheit des Autodidacten, die vielleicht einen Teil was der Fehler Jbjens ist, jonderit jie verläßt einen der Kraft der Sozialdemokratei ausmachen. Por den pöbelhaften verjoffenen stert, über welchen sie mir ihrem lltopien Bebekš steht der erfalıranie Vianu zi1111_mindesteni

Vater 3. B.) die Wahrheit 31 jagen brauchte, au von skeptisch da, der Forderung Fuldas wird jeder beipflichten, aller Welt Recht 311 befommen. Dem Dichter hat offens der nicht geradezii cin Wucher ijt. Dein, wie man in bar vorgeschwebt, daß er gerade durch die Zeichnung eines Desterreich die gesetzliche Einführung der Civilehe durchgebildeten Menschen dem allgemeinen Typus näher die sogenannte Notzivilehe scheinbar überflüssig gemacht

fommen würde. Der einhändler ist wie gesagt ganz hat, so ist die ideale Forderung Fildas durchaus nicht vorzüglid) gelungen und die Szene, wie er halbberanjcht freie Liebe, jondern mir eine im Votialle, was allerdings plößlich immschlägt imd gegen die mißhandelte Frau zärisid ohne Zwang nicht gut in ein Wort fajien läßt. Derin lich 311 werden beginnt, ist ganz wundervoll; da aber freie Liebe aus Not flingt nicht ganz gut. llnd diese anis Nora - Empfindungen in einem ganz anderen Milieu nahmsweise freie Liebe hat Fulda wahrhaftig nicht von wurzeln, so ist auch für Eugenie die wesentlich andere Bildungsden Jungen" gelernt, weder von den litterarischen 11och iphäre notwendig, und das Thema verschiebt sich, ohne daß von den juzialistischen. Die gesamte litterarische Erscheinung

der Dichter es gewollt hat, in ein anderes: die Ehe eines Paul Henjes, den die Nachgeborenen zım alten (Serümpei Rüpels mit einer zart empfindenden Frau. Ilnd das ist werfen wollen, blos weil er vornehm ist fchon der ja doch nicht der allgemeine Typus. Name Paul Heyse Ichrt seit dreißig Jahren die „freie Liebe Fulda hat viel getan, um das Publifum mit dem im Notfall." Selbst die Allerjüngjien müssten sich zufrieden. Entschluß seiner Eugenie auszujöhnen. Das Prinzip stellen, wenn sie zusammenzählen wollten, wie oft wol in Nora verläßt auch die Kinder, denn ein Prinzip hat Heyses Novellen frei geliebt ipind; und das Stapitel aus feine Liebe. Eugenie hat ihr sind verloren und fo fehlt seinien gewonnenei „Paradicje“, wo Janjen. im Zwange das große Bindemittel geborstener Ehen. Nun aber kontint

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Milost pan.

etwas Merkwürdiges dazut. Nora hat auf der Welt feine nun Didier heiraten. Das „Hindernis" also scheint nicht die anLiebesbeziehung, sie ist ganz imd gar Prinzip. Eugenie gebliche geistige Belastung, sondern nur der böse Vormund und die liebt ihren Baumeister und will ihre Lebensaufgabe darin Inmündigkeit der Braut gewesen zu sein. Die hier in den Hauptfinden, sein Kind 311 erziehen, wozli, nebenbei bemerkt, zügen geschilderte Handlung macht eine weitere Kritik wohl überflüssig. gar feine freie Liebe nötig wäre, und der entgleiste Schluß Daß das Stück daneben manch hübschen kleinen Zug aufweist, ist ja des dritten Aftes läßt Engenie jogar eine Schuld darüber

bei Daudet selbstverständlich aber auch im Einzelnen fehlt jedes empfinden, daß sie den Baumeister ein wenig liebt. irgendwie poetische Moment Die Ueberseßung von Ferdinand

Da jollte das Publikum doch nach alleit seinen Groß ist weniger gut, als man erwarten durfte der genannte offiziellen Grundjätzen die unverliebté Norá höher achten, Feuilletonist spricht hier oft ganz papiernes oder schlechtes Deutsch. als die liebebedürftige Eugenie, welche aus der ersten

Bh. St. Ehe mur heraustritt, um einen neuen Bund einzugehen. Das aber gerade hat dem Publikum an dem Schlusje am besten gefallent

, weit mehr als die Stühnheit des Bekenntnifies. Die geehrten Zuschauer fragen am Sdílusje ciljes anregenden Theaterabends garnicht mehr viel nad den Mitteln, die Haus und Grete zusammenführen. Macht was ihr wollt, wenn ihr euch nur friegt! Bravo! Bravo, liebe Eugenie! Zieh du nur zu deinem Baumeister und laß die Leute reden! Gott, wir sind alle feine Heiligen! Das mit der freien Liebe ist ja nur eine Drohung. Ihr

Schauspiel in einem Aufzug. habt ganz recht. Der Weinhändler wird nachgeben und

Von zehn Monate nach der Scheidung wird die Hochzeit sein. Aber Kinder, nur cins noch ... wir bitten ench, so wenig

E r 11 st Hoś mi e r. Skandal wie möglich

(Schluß.) Su stellt sich das Publikum zu einem edlen Dichtungswerk, das bei allen großen Schwächen doch im ganzen bedeutend ist. Der Dichier aber ist nur für jein Stück Stoneberg (für sich). Interessante Komödie. Gut verantwortlich zit machen, nicht für das Pitblifum. gespielt. Nur ihre Augen – id) darf nicht hineinschauent.

Sonst fange ich an, ihr 311 glauben ...

Katia. Es ist umgeschickt von meine Mind, Thuen

sagen solche Worte. Aber bin ich so große Traner. Mit verschwindend wenigen Uusnahmen straucheln die Roman

Stoneberg. llud in solchen Fällen tut es deit dichter, sobald sie die Bühne betreten. Weit größer aber als bei Damen wol, sid) auszusprechen. Bitte, sprechen Sie mir unseren Romanciers ist der Unterschied zwischen epischer und drama weiter. Einem Freund gegenüber tischer Leistung bei Alphonse Daudet, nicht etwa, weil er ein

Ratna qehr rasd). Sie nicht find Freund von mir. schlechterer Dramatiker wäre, als die Mehrzahl unserer Homandichter das ginge ja gar nicht – sondern weil er eben ein größerer Er

Stoneberg. Warum nicht? zähler ist als sie Niemals aber ist der Didier Daudet so schwer Kalija. Meiß nicht so deutlid). llnd Sie femmen wiederzuerfennen gewesen, wie in seinem Schauspiel ,,Das Hinders gar nicht mich. nis“, mit dem uns jetzt das Rejidenztheater bekannt gemacht hat. Stoneberg. Sie kennen mich auch nicht. Die ursprüngliche Meldung, dieses Schauspiel jolle ein Kampfstück

Katia. Dja. sein gegen Ibsens „Gespenster“, war nur eine unkluge Reklame Daudet selbst bestreitet, damit gegen Ibsen protestiren zu wollen, er

Stoneberg. So? hat nur ein Drama schreiben wollen „vrai, honnête, humain et

Statyja. Sie haben gewejen arın in Deutschland und rassurant Aber leider ist es das nicht geworden. Vor allem ist haben verdient viel Geld in Amerifa. Nun Sie haben es unwahr und dann, was ja für den Bühnenerfolg viel schlimmer

genacht Ihre Namen bis in die Hälfte amerikanisch. ist, langweilig. Der junge Didier ist verlobt, der Vormund seiner

Stone-berg. Ihre deittiche Name ist Steinberg Das ist Braut hebt die Verlobung auf, weil Didiers Vater im Irrsinn gestorben ist und Didier dadurch erblich belastet jei. Aber Didiers

nicht gefallen mir. Würde ich nie richmen eine andere Mutter weist nach, daß ihr Gatte zufällig irgendwo am Senegal den

Niam' als die von meiner Vaterland. Sonnenstich bekommen habe, daß daher sein Irrsinn stamme und

. Mehr haben Sie mir nicht vorziiDidier, als das schreckliche Ereignis über den Vater hereinbrach, be

werfen? reits zwei Jahre alt war. Der Vormund aber läßt das nicht gelten,

Nata. Doch. Es ist mehr noch. Aber fann man denn er will sein reiches Mündel selbst heiraten Natürlich regt die unangenehme Affaire den armen Didier sehr auf, die Mutter fürchtet

, nicht sagen es. daß die Erregung der geistigen Gesundheit des Sohnes gefährlich Stoneberg. Sagen Sies nur. Meinen Dhren werden könnte, und nun läßt Daudet die Mutter nach einem Mittel wirds nicht weher tun es zu hören, als Ihren Lippen es greifen, das alles ist nur nicht „vrai, honnête, humain et rassu auszusprechen. Die Schellenkappe haben Sie mir vorhin rapt. Sie will ihm sein Selbstvertrauen wiedergeben, indem sie

schon aufgefeßt. Ich nehms Ihnen nicht übel, wenn Sie ihm vorspielen will, ihr Gatte sei nicht sein Vater, sie habe sich mit dem verehrten Lehre" Didiers vergangen ... Man erkennt den

mir auch noch die Pritsche in die Hand geben. feinfühligen Poeten, den Meister psychologischer Zeichnung in dieser Katyja. An die Ilebelnehmen die Ilebelnehmen Brutalität nicht mehr wieder auf der Bühne wird die Brutalität ist mir gleich. Werd' id) Shnen sagen ganze Wahrheit. etwas gemildert durch die unfreiwillige Stomit. Der mütterliche Plan 311 Jhre Herz ist geblieben noch eine kleine Stück von kommt zum Glück nicht zur Ausführung Didier, ein sehr vernünitiger junger Mann, hat sich von berühmten Aerzten seine geistige deutsche Wald und so klare Blum'. Doch über sie stehen Gesundheit bestätigen lassen. lind seine Braut? Nun sie ist eben,

amerifanische Verstand, der ist so klug und haben eine gerade zum Beginn des legten Attes großjährig geworden und kann große Sac mit Geid. llnd über Wald und Blume imt

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Verstand und Sack mit Geld ist gebreitet eine lange , hingelegt Geige. Vater hatte keine Beutel mit Geld. War Teppich von Höflichkeit und ganz seiner Benehmen Seit böhmische Musifante, wo ziehen hinauf, hinunter an große ich bin hier vier Wochen habe ich gesehen Sie vieler Abend Fluß Moldaut. Hatte junges Weib mit Augen von Nacht in großer Gesellschaft. Haben Sie nie gemacht eine Fehler und kleine Füß'. War nachgelaufen arme böhmische und haben nie gesagt besserrs Wort als andre feine Herrn. Musikante und geworden seine Weib ohne Ring an Finger

Stoneberg. Wissen Sie denn, Fräulein Stanyet, und ohne Segen in Kirche. Ohrie Segen! Auf Landdaß Ihre Worte eine große Schmeichelei für mich sind? | straße war geboren kleine Katya, auf Landstraße junge Sie haben mich ja beobachtet, als ob ich Ihnen inter

Weib war tot. eljant wäre.

Stoneberg (ist ein wenig näher gerüdt, beobachtet Satya Statha. Hat man gesagt zu mir, Sie sind gewesen mit wachsender Teilnahme). lind dann? arm als kleine Junge. Sie sind gegangen ganz mit sich Katia. Dann hat Vater getragen fleine Mädchen allein über Meer und haben gemacht Arbeit soviel und auf der Rüden durch ganze Land. Waren Leute viel so gut, bis Sie waren reiche Mann, vor dem Leute haben mitleidig, weil er war immer so traurig und hatte nur Achtung. So hab ich gehabt Aufmerfen für Sie — weil lieb fleine Satya. Hab' ich gelernt eher Singen wie ich war auch arm.

Gehen. lind spielen auf Geige. Hat so geweint Vater Stoneberg. Sie waren arm? Davon hab ich

Davon hab' ich als erstemal spielte ich ohne Helfen: Kde domov muj nichts gehört. Aber jonderbare Dinge von Ihrer Herkunft.

Stoneberg. Was heißt das? Eine sehr romantische junge Dame erflärte mir mit großer

Statiya Das ist schönste böhmische Volkslied und Vestimmtheit. Sie stammen von echt indischen Zigeunern heißen: Wo ist meiner Heimat? Hab' ich es gesungen oft ab. Der französische (esantschafts-Attache äußerte sich mit

mit so heißer (Befühl und habe gehabt in Heimat so große liebenswürdigem Lächeln dahin, er hielte Sie für die Weh. Hab' ich gefürchtet mich, wenn fam weiße, stille Tochter eines ungarischen Magnaten; ein Dritter

Schnee. War viel falte Nacht und haben wir gehabt oft Natija. Haben llurecht alle. Wahrheit weiß nur

keine Bett zu schlafen. Aber bei Häuser, wo wird gemacht eine Mend). Ich.

bunte Glas, liegt große Berg von Asche. Wird gefahren Stoneberg. Wollen Sie auch mir ein Geheimnis

aus Defen für Glas und ist warm, Haben wir uns ges daraus machen?

wühlt in warme Asche und geschlafen. Nach eine Nacht Statta. Ja.

ist Vater geschlafen sehr lange. Hab' ich genommen Geige, Stoneberg (erregt). Was haben Sie für einen gespielt: Kde domov muj! Vater haben geschlafen weiter. Grund? Müssen Sie sich vielleicht der Wahrheit schämen? Hab' ich gewußt, er war tot. Leute haben gesagt, Ajdhe Satija (schweigt.

war z11 heiß, haben gehabt in sich böse Dampf, arme Stoneberg. Reden Sie, ich bitte, reden Sie. Vater ist erstickt. Arme, arme Vater. Ratia Habe ich keine Grund 311 schämen mich,

Stoneberg. Armes Kind. aber (srund Wahrheit nicht 311 jagen. Sage ich ihr jetzt, Satya. Hab' ich wollen springen hinein in Grab in schreiben Sie morgen großer Artikel in Zeitung über 311 meine Vater. Aber Leute haben gehalten mich. Hab' Leben vont satija Stannef.

ich geschrieen wie wilde Tier und gebissen mit Zähnen vor Stoneberg. ich werde schweigert. Meine Ehren- meine Jammer. Ist gekommen alte Herr vou Haus mit wort.

buintes Glas, haben gejagt, er will geben viel Geld, weil Natija. Ehrenvort? Habe ich gehört schon oft ist geschehen mir so große llnglück auf seiner Eigentum. geben. Ehrenvort und damn – macht die Bewegung des

Haben mich schon gehört spielen Beige feine Arbeiter. Entzweibrechens) mitten entzwei. Nein. ist nichts | Haben gesagt zii alte Herr, er joll schicken mich in Praha*) Ehrenwort.

und geben 311 gute Lehrer von Geige. Haben er getan. Stoneberg. Sie mögen an manchen Menschen War ich noch so kleine Kind von sechs Jahre, haben er solche Erfahrungen gemacht haben. Ich halte denjenigen, mich lassen bringen in Praha durch eine von seine der sein Wort bricht, für einen Schurfeu, dem mr eins Arbeiter.

Arbeiter. Eine junge Mensch mit guter Gesicht. Haben übrig bleibt: sich eine Singel durch den sèopf 311 jagen. mich gebracht 311 seine Mutter. Alte Frau mit Sdniee Nochma's: mein Ehremort.

auf Haar. Alte Frau war gut mit traurige Kind. Habent Katia sieht ihn eine Weile stumm an'. Sehen wol, jept geführt 311 berühmte Lehrer von Beige. Hab' ich nicht haben wieder gerausdit deutsche Wald in Ihre Herz. wollen spielen vor. Þabe wollen spielen nie wieder. Alle Haben Sie gehört, was macht Böhme, wenn wird ger Rede von alte Frau und berühmte Mam waren feiner boren ein Kind?

Hilfe. Ist geschehen eine Wunder. In Zimmer neben Stoneberg. Vieint.

haben gespielt eine Hand einer Melodie. ... oh .... bin Katna. Rechts von Kind legt man (beige, links | ich gefallen auf Kinie, habe gebeten berühmte Mann, mir von Kind Beutel mit Geld. Greift sind nach Geige, geben Lehre, daß ich könnte spielen eine Mal in meiner wird es Musifant. Greift Rind nach Geld, wird es Dieb. Lebeit solcher Melodie. War Beethoven.

Stoneberg. Es war schon flüger von Ihnen, nach Stoneberg. Was ist das für eine Melodie? der Geige zli greifen.

Ratia. Habe ich müssen tun. Hat man mir nur *) Brag.

Katya. Dpus 90, zweite Saß. Nicht für Geige, Stoneberg. Nein. nur für der Klavier. Aber war meiner Sehnsucht von Aatya. Damit Sie haben nicht liebe für mich. dieser Tag zu spielen ihn auf Geige. Wollte ich spielen Nur Leidenschaft. jeder Melodie von Beethoven auf Geige. Habe ich immer

Stoneberg. Ich habe die wahre Liebe für Sie. gehabt Zorn, daß er haben gedichtet so vieler Melodie für Nehmen Sie die Amati als Brautgeschenk. Werden Slavier. Ist eine tote Justrument Aber glaube ich Sie mein Weib. meine Erzählen gehen lange, 311 lange, werden haben

Ratia. Ah die Almati Langeweile.

Stoneberg (leisc). Werden Sie mein Weib. Stoneberg. Nein. Ich möchte Ihnen zuhören

Katta. Nein. Lieb' ich Sie nicht. tanjend und eine Nacht

Stoneberg. Sie haben Vertrauen zit mir. Sie Satya. Ist nicht mehr zu sagen vieles. Habe ich werdens lernen mir gut sein. gespielt Beige ganze Tag und halbe Nacht. Nicht getan Natya. Lernt man nicht. andres, nicht gelernt andres. Haben keine Mensch mich

Stoneberg. Ich liebe Sie jo unendlich erzogen. Als ich fam in große Welt war böje Gesellschaft. Naina. Glauben Sie - aber ist nicht Wahrheit. War ich oft in Gefahr, 311 tu nicht gute Sache. Aber Haben mir jetzt gejagt viel Worte init schöner Klang, nicht war dann in meine Ohr eine Sitternt von Melodie von eine mal meiner Nam', weil steht meiner Nam' nicht Beethoven und ich habe nicht getan llurecht. Ist meine in

Er haben mir nur gejagt meiner Nam', Glauben, daß ich fann nicht mehr spielen Beethoven, haben geschrieen meiner Nam im Tod wenn ich tuie Sünde. Habe ich oft nicht rechte Benehmen,

Stoneberg. Wer? wer? weiß ich wol gut. Aber hab' ich in Herz Rechtes, weil

Nata (eintönig. War arme Junge. Sohn von alte ich bete zit große Genius. Er ist meine Heiland. Frall, wo ich labent gewohnt in praha. Haberi mich

Stoneberg. llnd dieser Seiland hat Sie bewahrt - jehr geliebt. llnd ich – war ich jung und war er schöne in jeder Versuchung?

Bursch, wär' ich vielleicht gelaufen mit ihm betteln auf Ratia. Ja. Denn hab' ich gelernt bewahren mich Landstraße ohne Ring an Finger und ohne Segen in selbst. Sehen hier (zieht die Kette ein wenig empor. Am Ende Kirche. Aber der gnädige verr habent er verlangt derielben ist cin kleiner Dolch bețejtigt), kleine spiße Ding. Trag' große Dpfer und hab' ich gegeben ihm. Habe gejagt nein ich seit lange Jahre. 3st Gefühl von Sicherheit.

von Sicherheit. 311 ariner Junge.

31 armer Junge. Bin gefahren hinaus in Welt und er Habe ich geglaubt heute Abend Sie haben böje Sim. haben geworfen sich vor der Pferde und geschrien meiner Wäre nicht geblieben mit Ihnen ohne fleine Messer. Aber Nam’: Katya, Matija! – Oh er haben geliebt mich recht. habe ich gehabt Inrecht. Sche wol, Sie sind nicht böje Stoneberg. Aber begreifen Sie denn nicht, daß Ciu.

die Natur cines jeden Menschen sich anders äußert? Stoneberg (ruhig, aber mit tiefer, innerer Bewegung) Katha. Ist nur cine Liebe Liebe immer gleich. Sie irren sich, Fräulein Stanyef. Ich habe sehr böjen Stoneberg. Id mags glauben, das jener Ihnen Sinn gehabt. Ich wollte Ihnen feineswegs die Amati seine Liebe anders gestanden hat. Ich glaubs nict, daß geben

er Sie mehr geliebt hat als ich. Id mache Sie 311 Satna. Die Amati? Nicht die Amati? Dwie meinem Weib. Ich trete mit meinem Namen, mit meiner fönnen jagen Sie jo harte Wort. Will ich Ihnen geben, Ehre für das Weib ein. Das ist nicht wenig vor der was Sie verlangen, will ich Ihnen geben Alles, was ich Welt, denn die Welt fennt Sie nicht, wie ich. llnd den: werde verdienen nod) in viele Jahre, will ich lieber hungern, noch bin ich bereit, Sie auf meinen Armen wie eine aber geben Sie mir der Amati, geben Sie mir!

Königin durchs Leben zu tragen, Allen ziim Tro3. Stoneberg. Ich werde sie Ihnen geben.

Aber

Natia (Leiie, für sich. Jst Wahrheit, was er jagen. lassen Sie mich jetzt reden. Ich werde es schlechter machen Sehr Wahrheit. Aber würde er nicht sagen mir, wenn als Sie, wenn ich auch die rechten Worte habe. Sie er liebte mich). haben den rechten Ton. Der geht in die Seele. Tief Stoneberg. (Blauben Sie mir nun? hinein. Ich wußte nicht mehr, daß ich eine Seele habe. Matia. Glaube ich), daß Sie würden haben wahre Durch Sie, durch Ihr Wejen, durch Ihr .... ja, lehen Liebe, wenn müßten leiden eine große, große Weh um Sie, ich weiß wirklich nicht weiter --- ich liebe Sie. mich. 3e3t - nein.

Katija (iteht langiam auf, die Augen starr auf ihn geheftet). Stoneberg (wendet sich von ihr). (Bute Nacht.

Stoneberg (leidenschaftlich werdend). Ich will vor Katya (geht cin paar Schritte, wendet sich zögernd um). ihnen nicht mehr lügen. Ich liebe Sie – seit diejer Ilind der Amnati darf ich nicht nehmen ihr mit? Stunde. Aber ich verlangte niach Shien, leidenschaftlich Stoneberg. Nein. ehilos, schon viele Nächte. Ich hatte mir eine Begierde: Matija (steht, mit sich fämpiend, an der Türe). Der mati Sie 311 füssen. Jetzt habe ich mir einen Wunsch: vor o der Amati — Kehrt uni). Bitte, jchauen Sie mir in Ihnen 311 knieen.

Gesicht. Þabe ich Ihnen gesagt, daß ich nicht liebe Sic. Statia. Ihre Worte flingen gut, aber kann ich nicht Wollen Sie meiner democh? geben (Hlaubent. Lasjen mich gehen mit Amati imd geben Stoneberg. Ich will, ich will! Denn ich weiß, mir Hand als gute Freund.

daß Sie mich liebeit uverden.

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