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lichkeit auch die Gegner der Direktion anerkennen – die Schau Ditofar konnte an so und so vielen Abenden und Nachmittagen spieler hatten viel zu lernen, es fanden täglich lang dauernde vor vollen päusern gespielt werden. Proben statt. Das Gesamtresultat ist allerdings ein sehr Das Vurgtheater hatte „Tie Maus" nach zweijähriger geringes.' Das Burgtheater wird als neverivorbenen Besig in i Archivhaft entlassen. Das Volkstheater beeilte sich die Unterdie nächste Saison" mit hinübernehmen: Das verlorene standaloje aufzunehmen. Zum Erstaunen aller Welt, die sich Paradies“ von Fulda, das bei der ersten Vorstellung sehr bei allem Wolwollen jagen mußte,' taš das Voltstheater für gefallen hat und heute nach fünfzehn bis zwanzig Wieder- ' dieses echt französische Plauderstück weder Schauspieler noch ein holungen noch immer gefällt, und eine glanzvolle Neu: Publikum besite. Wie llurecht hatte alle Welt: ,,Die Maus" einstudirung von „König Ottokars (5lück und Ende". Das wurde im Voltstheater ziim Sassastück, eine Rangerhöhung, zu ist alles. Die anderen Gaben hatten sich nicht lange des be welcher sie că in Deutschland nirgends bringen konnte. glückenden, lebenspend.nden Lampenlichts zu erfreuen. Es waren Um einer verwantichaftlichen Pflicht zu genügen, läßt die dies: „Das Fräulein von Scuderi“, „Die Lame in Schwarz". Leitung dieser Bühne in der zweiten Hälfte Dai cinen nelien Lustspiel in vier Akten von Wittmann und Herzl, in Deutsch-Schwank in Scene gehen: „Ein Abenteuer“, von Leo Gerhard. land noch unbekannt, daher eines kurzen Steckbriefs bedürftig: ! Sie scheint von dem Stück wol nicht sehr viel gehalten zu haben, Charakter: Deutsches „Lustiviel“ mit den bekannten Jerungen, da sie es bereits seit Beginn des Unternehmens besigt und es Verwechslungen, Deißverständnisjen nach dem Rezept von Moser noch nicht gebracht hatte. und Schönthan, aber Moser und Schönthan verlassen von ihrem lind dieses Stück gefällt, erzielt einen wirklichen Lacherfolg. Humor, ihrer lustigen Laune, ihrem Situationswij, verlassen Das der Verwantenliebe dargebrachte pfer fann möglichervon eigenen und fremden Einfallen, von Labic;e und den weise noch ein gutes Geschäft werden. fliegenden Blättern. Dann „Juliette" von Feuillet, ,, Die kleine Da das Glück blind zii wählen pflegt und in seinen BeMama“ von Meilhac, zwei Einafterabende einer in diesen stimmungen durch teinerlei lästige zur Einseitigkeit führende Blättern bereits besprochen), ein zweiter bestehend aus: „Der Vorurteile behindert wird, jo hat sich das hepertoire dieser King des Poli)frates“ von Teweles, einer in ihrer Art impo: Bühne sehr bunt gestaltet. Man findet da friedlich nebennirenden Harmlosigkeit, „Der Mann vom Wehlerstein“ von einander: Josen und Kojen, Anzengruber und Redwij, Siegmund Schlesinger, einer vorsintsluilichen Geschmacklosigteit, Pailleron im Nesiroi), Dumas und Francis Stahl, Voß und und Hopfens reizenden „Herenfang“, der leider höheren Ein- Mar Bisjon.

Mar Bisson. -- Aber unvorsichtig und waghalsig ist das Glück flüsjer, der Prüderie ciniger Logeninhaberinnen, zum pfer fiel. doch nicht; der Ehrgeiz, Pfadfinder oder Talententdecker zu sein, Endlich „Meister Manole“ von Carmen Sylva, cin Drama, lockt es nicht. Darum bringt das Volfstheater in den meisten welches die Einmauerung einer lebenden Person als neues Fällen und mit Vorliebe Werke, die bereits an anderen Orten draniatisches Motiv verwvertet. Einige Sîritiker wollen in dem : mit mehr oder weniger Ehren bestanden haben. Su jahen wir Trama „poetische Schönheiten der Sprache“ entdeckt haben in dieser Saison neben ,,Gespenster" id',, Nildente"! Tilli“,

wenn man einem Mädchen gar fiine Keize zuerkennen tam, lje“, „Der Schatten", familie Moulinard“, Das vierte rühmt man wenigstens jein „jhönes Haar" oder im äußersten Bebot" (Der größte Erfolg der Saijon!), „Die Miaus“, „Am Falle sein ,,Gemüt“, cin Lob, welches gleichwertig zu sein scheint Tage deš (Bericht:", „In eiserner Zeit" (Spielhagens Drama, mit den „poetischen Schönheiten der Sprache“. Der Zuhörer für das sich selbst das (Glück des Volkstheaters als zu schwach kann auch dieje nicht entdecken: er findet nur ausgeprägten Sinn erwies), .. Das ziveite (Gesicht“, ,,Der selige Toupinel“, „Berfür theatralisch wirtjame Situationen, die aber nicht wirken 'nardo Montilla“, 1. j. w. i1. . w. Wirkliche Erstaufführungen können, weil sie nid)t einmal in der primitivsten Weise vor waren: das reislustjpiel „Der Ring des Ofterdingen", dem bereitet sind, im llebrigen eine an das Puppentheater ge. der Beifall der Preisrichter auch noch heute tren geblieben ist, mahnende Nindlichfeit. Bei einer Woltätigteitsvorstellung wurde nachdent es von Publifum und Presie unverblümt abgclehnt das Drama von der kleinen rumänischen Kolonie mit geräusch wurde, ,,Ter Flüchtling" (in diesen Blättern schon besprochen), vollem Beifall begrüßt, im Burgtheater wurde es energisch ab- ,,Schuldig“ von Richard Voß (in Berlin bereits nach Verdienst gelehnt.

gewürdigt) und ., Sophie Dorothea", ein geschichtliches SchauNechnet man noch vier oder fünf neil einstudirte ganz alte

spiel, von kräftiger Hand in deutlichster Beije „anonym“ einLustipicle wic: ,,Der lebte Bric", ,,Biedermänner", ilmfchr"

gereicht. Eine unfreiwillige und langweilige Prodie aller u. 1. w. und einen (Grillparzer Cytlus, der jechs Wochen dauerte Königsmart-Tramen, die aber das muß konstatirt werden und überdies die Eigentümlichkeit aufivies, weder jämtliche Werte

unterstüßt durch eine nicht eben disfrete Reflame und durch zu bringen, noch irgend eine, ingend einen Plan verabredende

die Mitwirkung einer mit iheimlicher Geschwindigkeit zum Reihenfolge einzuhalten, so ist alles verzeichnet, was die Saijon; Liebling ernannten Schauspielerin (Fräulein Sandroct) mehr an Freud und Leid geboten. Aus dem Gebotenen crjehen jll

als ein Dutzendmal vor gutbojuchten Hänjern gegeben wurde. wollen, welcher litterarischen Scule der Tirefror angehört, wie

Für den Rest der Saison sind uns überdies noch drei Novi sein Geschmack geartet ist, dürfte wol vergebliches Bemühen join. ! täten versprochen, die unzweifelhaft auch ihr dankbares Publia Seine Freunde und Verteidiger behaupten, daß er ein Anhänger

fum finden werden. Denn dantbar sind diesem Theater eigent der neuen Richtung sci; wie sie es damit vereinen wollen, das lich alle. Auch diejenigen, die manches zul tadeln haben, die cr als erste Tat cin Stückchen, ,,Miß Colibri", brachte, in welchem

mit der Wahl der tücte nicht immer einverstanden jind, welche der Realismus mit den üblichen Schlagworten als Schmut: i die Darstellung nicht immer auf der Höhe finden. Dieje sino und Schandlitteratur bezeichnet wird, daß er sich bceilte Paul duch dankbar für die Veweging, die von diesem Theater ansLindaus: „Die Sonne" zu erwerben, ein Stück, das sich di.

geht und sich dem träge gewordenen Burgtheater mitteilt, für reft gegen Jbsen wendet, das ist ihre Sache.

die Anregung, die es liefert, für die guten Dienste, die es lluser zweites Schauspielhaus, das Deutsche Vollstheater, lichen litterarischen Leben Wiens leistet.

viclleicht ohne es zu wollen umd zu wissen --- dem jo fümmer hat eine rege unermüdliche Tätigkeit entfaltet, die nur von der Inermüdlichkeit seines (Wlüds übertroffen wurde. Das (Blück ist der eigentliche Führer dieses Theaters: es cisept Programm, System, Absicht, Beschmack, Ilrteil, Wollen, Routine, alles was sonst zur Leitung einer Bühne erforderlich sein mag. lInter seiner Herrschaft wird Blech 311 klingendem Gold, aus weg Leo Tolstoį und die moderne Kultur. geworfenen Steinen läßt es Ecksteine erstchen, der mit Sicherheit vorauszusehende Verlust wandelt sich in reichen Gewinn,

Von 3. B.: man nuuste anstandshalber dic (Grillparzer-Feier mit

įrt Grottewitz. machen. Man wählte dafür „Nönig Cttokars (Glück und Ende". Warum gerade dicjes schwierigite Stück? Das ist nicht leicht i zu erraten. Wahrscheinlich weil das Perjonal zu flein, zu

Es wird uns oft von alten Fürsten des Mittelalters lückenhaft , zu wenig geschult für derlei Aufgaben ist

, weil' kein erzählt, die nach einem flotten Leben in Saus und Branis Ausstattungsmaterial vorhanden, weil das Burgtheater gleich plößlich still und nachdenklich wurden, ihr früheres Treiben zeitig dasselbe Stück in bester Besetzung, in prächtigster Sce: bereuten und dafür in einem Kloster Buße taten. Das nirung ipiclen wollte. llind das Experiment gelang. Nönig ist keineswegs eine vereinzelte Tatsache,' es steckt darin

ein großes psychophysisches und moralgeschichtliches Geset. | Bejonders die Nrengerjonate, dieses Ertrem von asketiSo lange der Magen noch gut verdaut, der Appetit rege, scher Anschauungsweise, wird uns dadurch verständlicher. der Schlaf gesund und überhaupt alle Lebensenergie Was der Dichter in jener Erzählung als Forderung hinfrisch und jugendlich ist, denkt gewiß keiner daran, daß | stellt, das nimmt er in dem Viachwort zur Sireußersonate cscine Sündejci, täglich etwas mehr als die vorge zum weitaus größten Teile zurücf. lliid während er in schriebene Luantität Eiweiß, Fett und Stärfemcht zit dem Lutipiel ,,Die Früchte der Bildung" und im 0111 : jich 311 nehmen, und feiner wird auch als etwas Nicht hange des joeben von Auguit Scholz überieten Werfos seinjollendes annehmen, in jugendlichem Nraftüber ,,Dic Bedeutung der Winjenichaft imd sunst“ (Dresden, chäumen zu tanzení, zil springen und Juchhe zu rufen. Vierjon) Bildung und Wijienjchaft in Bausch und Bogen Aber da giebts Leute, die fünstlich sich zum Erien an verdammi, erklärt er auf der fünfzigsten Seite der iebregen, wenn sie jatt sind, die arbeiten, wenn sie verdanien teren Abhandlung, daß er gar nicht daran denke, die foüten, und nicht arbeiten, wenn der Körper die Straft wisienschaft und sunji 311 verwerfen, jonderit daß er zur Arbeit aufgespeichert hat. Eine Zeit lang läßt sich alles, was er vorbringe, nur im Namen deñen jage, was der Leib diese und ähnliche Erperimente gefallen, aber die wahre intenschaft und die wahre sunt“ ist. dann kommt ein Alter, ist dem die Folgen einer unge Dicjes Haschen nach Ertremen, dicios springhafte sunden und ausschweifenden Lebensart schadenfroh über Denken darafterijirt uni Tolstoj schr wcjentlid). Ilid den Arglosen hereinbrechen. llnd wenn dann die Per dicje Eigenichaft mag demselbeit als Agitator imter dauung eine Linal, der Schlaf cine Iluruhe und das Bauern und anderen Laien sehr 311gute kommen, für seine Rücgrat eine Folter geworden ist, dann fängt der Tätigkeit als tshilujoph) ist sie" jedenfalls sehr schädlich. Mensch an, sein bisheriges Leben zu verwünschen und als Sas Nichticinjollende, das Ilimoralische anzuichen. in ein (Semijd von altchrijtlichem Asketentunud

Denn Lev Tolstoj ist philojoph). Seine Philosophie Dabei begegnet ihm ein verhängnisvoller Trugichluß. modernem Rouicauismus. Der Itripring und die IIr' Anstatt dic ungernden Ausschweifungen der Jugendlit iache der modernen Asfeje ist icon oben gefennzeichnet und Lebensfreude anzuflagen, verdammt er überhaupt worden, indcricut wenn ich Tolitoj einen Asicien name, alle Jugendlust und Lebensfreude, und er umtericheidet io triït dieie Benennung umur injoweit 311, als sie sich dann nicht mehr: gesunden und frankhaften Lebensgenut, mit dem Namen Rouiicatiit vereinen lässt. Denn colitoj sondern er fennt mir noch die beiden llunterscheidingen: Lebensgenuß und Asfeie. Weil der Lebensgemu (im insoweit Asfet, als er Toujicauijt ist.

iit nur injoweit Nouveauit, als er Asfet ist und nur Falle der llebertreibung) im Alter zum physischen und

Es war 3111 eit des gonfer Whilosophen eine Epoche, infolgedessen ziim moralischen Schmerz wurde, jo war

Da der Gegenjatz davon, die Asteje, das (inte, das Erstrebene: die der uieren in manchen Stücken ähnlich war.

gab es eine Sciellschaft, die, auf altverbriefte Privilegien werte, das Seinjollende.

pochend, an die niemand mehr glaubte, ein arbeitslojes So geht die Verherrlichung der Askeje meistens aus

Leben in Luuruserzcrien und betäubender Vergnügungs einem physischen Schinerz hervor, dem inan dann eine

jucht führte und imuner mehr in Fäulnis und Rerjiunft moralische Deutung interlegte. Auf größere Majien wirft jedoch im Ganzen eine heit verlam. Da gab es eine suur, die in Niaffinement

veraricted 311 hohlem Flinterwerf verflachte. Da solche Verlästerung der geiunden Lebensfrait nicht lange eint. Indeijen, es giebt Zeiten, in denen infolge 1ozialer sultur erfannen, und sivuicau war derjenige, der dieic

traten Männer auf, welche dicie Ausartung der damaligen Zustände weite Gesellichaftsichichten von den lebeln einer krankhaften llcberkultur ergriffen werden. Jil jolchen

Nullur al cifrigiten durch Schrift und Beispiel befämpfte. Zeiten -.- und die Gegewari ijt eine solche -- findet ein

Aber ihm begegnete derjelbe logische Fehler, der

heitere clifinder im Illier zur Uskeie trieb. Seil die Prediger der Asfcje cinen fruchibarcii Buden. Das ist denn auch die Ilrsache, weshalb Leo Jolitoja jie ingeid umd huht war, darum bifämpfte er mit

siuliuir, die er vorfand, der Menichheit ichädlich, weil Streuberjonate, die von allen gejimden Menichen verladt

der Einjeitigfeit, die allen Venerern cigen ist, überhaupt wird, auf die verfommenien und greijenhaften Fin de

alle Niillur. siècle-Menschen unserer Großstädie cinen jo erichüttern

Der (siegeniat von silliiur war ihm die

Natur, und Natur war das Loungswort, das er ausgab den Eindruck gemacht hat.

und das einen Widerhall fand in dem ganzen zivilijirten Tolstoj als Krediger der Asfeje fand in umjerer

Europa. Zeit eine begeistertere Olujiahme als Tolstoj, der Dichter von Anna Starcnina.

Dicie Naturschwärmerei war der Schujichtschrei llud doch ist gerade Leo Tolstoj ein tipisches Bei

ciner durch ingejimde sultur verdorbenen Menschheit. spiel für die Entstehung asfetischer Lebensanjchauungen.

Man bedachte damals nicht, daß der jogenannte Natur Mit dem Schuldbewußtjein, mit den er überall fofetiirt, zustand nichts weiter ist als vorgeschichtliche Roheit und

Barbarci. Ilid man wujte nicht, daß die Nutur die gesteht er, daß er mehr wie irgend ein anderer Menici die Freuden und Zeritreuungen der Reichen genoijen. natürliche Entwidlung der Menschheit, gewijfermajen Da plötzlich, im fünfundfünfzigjien Lebensjahre, als die die Natur der Menschheitsentwidtung ist," und dai'cs Kraft zum Genuß nicht mehr vorhanden war, als sich daher nicht darauf anfommt, cine Viichtsuur 31 jchafien, wol' die Folgen des bisherigen Lebens an ihm zeigten, sondern antatt der jeweiligen menschheitsschädlichen wurde der Graf Leo Tolstoj zum Asfeten.

Kultur cine solche siuliui, welche die Menschenfamilie Raphael Löwenfeld,' der" dem Dichter im August | fördert und hebt. vorigen Jahres auf dein (Bute Jasnaja Poljana cinien Damals, wo man von Höherentwicklung aus niedrigen Besuch abftattete, erzählt in joinem kleinen, joebent er Formen, von feinerdifferenzirung grobgearteter Ör schienenen Vuche Gespräche über und mit Tolstoj ganismen noch nichts wußte, mar jene Naturschwärmerei, (Berlin, 1891, R. Wilhelmi)“, wic sprunghaft gewöhnlich ! jener wat gegen sultur und Zivilisation erflärlich. Jetzt das Denken bei den Nusjen sei und wic bejahrte Männer hat derselbe feine Berechtigung mehr. Beige man jcbt noch oft ihre sittlichen Anschauungen von (Grund aus die Schäden, welche unserer Siltur anhaften, mit inneränderten und ein neues Leben begännen.

biltlicher Strenge, zeige man vor allem die Heilmittel Diese russische Eigentümlichkeit macht uns die Hand der Zeit

, schaffe man die Werte ciner neuen gesunden lungsweise imd Denfart Tolstojs noc) leichter begreiflich). I sultur, aber fomme man nicht mehr mit den unwissen:

schaftlichen Phrasen von Rückkehr zur Natur, Bauern feindlichen Mönchswesen jener ersten christlichen Zeit hertum ii. 1. w.

vor. Es bedurfte einer Spanne von vielen Jahrhunderten, Wenn nun Tolstoj, der Rousseau des nieunzehnten che man in der Renaiijance die Wissenschaft und Kunst Jahrhunderts, mit seinen Lehren soviel Beifall findet, so der Antike sich nicu errang und an ihrer Brust Straft sog liegt das einfach daran, daß man Jrrtümer des vorigen 311 frisdem, Geit und Leib harmonisch bildendem Leben. Jahrhunderts noch nicht völlig überwunden hat.

Würde diejer licht- und glanzfeindliche Geist Tolstojs Dazu kommt, daß Tolstoj cine gewijsc philojopische liegen, dann fäme cine jener mittelalterlichen Zeit ähnia Vejchränktheit zeigt, die nie über das gewöhnliche Maßliche Epoche des Mönchfums und der finsternis, und des Laienverstandes hinausgeht umd dieiem darum ichr ipätere Jahrhunderte würden Mühe haben, die lichte angenchm und plausibel erscheint. Tolstoj beruit jich Höhe moderner Wisenschaft wieder zu erklimmen. auf die Perumft, den gejunden Menschenverstand und Damit will ich nicht jagen, das unsere Wissenschaft, das (Gewisjen. Bei den Leuten vom gejunden Menschen Sumt und injere ganze Bildung immer auf der richtigen verstand, die in ihrer Dummheit über alles herfallen, Bahu jeien. Aber meiner Aujicht nach fann es sich nicht was sie nicht verstehen, genießen aber Vernunft, gejunder mehr um die Frage handeln, ob der Bert, den wir unst Menschenverstand und (vewvilien großes Anichent. und Wirienichaft beilegent, cin zu hoher oder zit niedriger Die (bien halten nämlich alles, was mit ihrer gewöhn | jei. Sondern darauf kommt es an, zu zeigen, in welchen lichen Hausvernunft nicht übereinstimmt, unvernünftig kunften Wijjenschaft und Kunst eine schädliche Richtung und jeden, dessen Gewissen der Niederschlag anderer, einschlägt und welchen Weg sie wandeln miß, un der wenn vielleicht auch neuci, höherer sittlichen Grundsäße Menschheit förderlich zu sein. Aber gerade auf diejen iit, gewissenlos.

unft geht Tolstoj nicht ein, vielleicht deshalb, weil er Aehnlich ergeht es aud) Tolstoj. Ju seiner Infennt.

jich hier sehr wenig sider fühlt. Schiebt er doch dem nis venerer Philofophen, befangen in den Vorstellungen Darwinismus dic Behauptung unter (Die Bedeutung der des vorigen Jahrhunderts, weiß er nicht, dass der gesunde Kunst und Wijjenjchaft

, S. "15), daß durch den Zufall Menschenverstand, die Vernunft, das Gewinien, an das

in unabiehbar langer Zeit aus irgend einem beliebigen (!) er jo oft appellirt, nichts anderes ist als iein Verstand, Dinge irgend ein anderes beliebiges (!) Ding entstehen

fönne. lind wenn er in dem Lusiipiel „Die Früchte der jeine Anschauungsweiie, jeine sittlichen Ideale. Es it nun richtig, daß seine Anschauungen noch ichr verbreitet Vildung“ nichts weiter veripotten famu 'als ein paar Ana sind und daher kommt ja auch der Erfolg, den diejelben hänger des ipiritistischen Aberglaubens, jo habe ich von habent allein für jemanden, der dieje Anichauungen der philosophischen Schlagfertigkeit, mit der er den Kampf nicht teilt, haben dieie Berufungen auf den gejunden gegen die inoderne Minenichaft und scunst führt, gerade Menichenverstand, Vernunft und Gewissen, auf die drei

feine große Adhiang. Ein solcher Stampf fann mit ErDinge, welche eben erst von jenen Anschauungen ab: Folg nur dami geführt werden, wenn man zeigt, wie hängen und mit ihnen unauflöslich verbunden sind, nicht | biblijcher Grundlage beruht, also auf alten Idealen, deren

unsere Bildung noch zum großen Teile auf antiker und die geringste Beweisfraft.

Hohlheit oder llnzulänglichkeit man jezt erkannt hat, und Damit aber verlieren Tolitojs Behauptungen über dan; je dafür auf neuen, auf naturwijienichaftlichem Boden haupt ihre sichere Grundlage. Denn das Gewisien und

ruhenden Prinzipien und Idealen errichtet werden muß. die Verstandsrichtung des russischen Denkers sind die: jenigen eines alichristlich gesimien Rousseauisten. Hat

Wenn nun Tolstoj gegen moderne stunst und Wissenman die Jrrtümer der Asfcje und des Noujeantus

schaft fämpft, jo tut er dies seiner Passion zu Liebe, ein crfait, jo liegt einem auch das Verfehrte Tolstojicher

Bauernleven 311 führen. Da er möchte, daß jeder Mensch Lehren klar vor plugen.

jich seine Nahrung, Wohnung und sileiding jelbst be:

schaffte, so muß er natürlich alles möglichst zii verbannen Tolstoj hält die jebige Zivilijation, sumi und Sien

suchen, was über den Horizont des täglichen Bedürfnisjes schaft für vollkommen mutlos und jogar schädlich). Sein hinausgeht. Wenn man ihm aber entgegenhält, daß bei Jdeal ist ein Bauernleben, bei welchem jeder einzelne ciner solchen Lebensweije cine llumajja von Zeit nulos felbst für jeine Nahrung, Nicidiing, Wohnung und der vergendet wird, die bei einer geschidten Arbeitsteilung gleichen sorgt. Vum will er zwar Wirenjchaft und somit gcipart würde, jo verweiit er auf das Bewijien, das vernicht ganz entbehren, aber dicjelbe joll ir joweit ge

bicte, dass sich ein Miend, von dem andern bedienen lasje, stattet jein, als ihr ingen ohne weiteres crsichtlich ijt.

wie das bei der Arbeitsteilung stets der Fall sei. Dabei Tas geistige Erzeugnis joll, wie er sagt, allen Menschen, bedenft er, um hier Toljtojs (Gewissen ganz außer Be:: deren (slück der jünger der Wijienschaft und Numst im tracht 311 larjen, natürlich nicht, daß diese Dienstleistungen Auge hat, begreiflich sein. Dieje Forderung ist io abstrus, doch gegenicitig ind und daß ein Gelehrter, der geistige daß sie nur die blindciten Anhänger Tolstojs Ernit nehmen (Güter produzirt, doch ebenjo der Menschheit dient, wic fönnent. Wenn der jüdische Rabbi Jejus, der doch gewiß ein Bauer, der Born produzirt. Aber es ist wieder der: das (Glück aller Menschen im Auge hatte, hätte darauf selbe Trugichluß, derius bei Tolstoj wie bei vielen warten wollen, das icine Philosophie allen Menichen Denfern der Gegenwart begegnet: weil die Arbeitsteilung, begreiflich wäre, dann hätie crimir getroli mit jeinen die jest besteht, vielfach noch auf veralteten Prinzipien zwölf Schülern cine Fijdihandlung gründen können. Als beruht, darum cifert er überhaupt gegen die Arbeitsüb nicht so oft große wissenschafiliche und künstlerische teilung. Es handelt sich also auch hier nicht um die Errungenichaften im Anfange verschmäht und angefeindet Frage: Arbeitsteilung oder Vaucrnleben? Vielinchr muß worden wären!

man fragen: Allie Arbeitsteilung oder neue Arbeitsteilung? Tolstoj will alles verbanncit, was nicht jofort praf lind hier stimme ich den mit Tolstoj darin überein, tijchen Nutzen bringt: Es ist dies eine Kurzsichtigfcit

, daß die Verteilung der Arbeit, das jebige Verhältnis von eine Engherzigkeit, die cinem Zeloten der crsien jahr: Neid) und Arm, cin jehr ungesundes ist

. Wenn Tolstoj hunderte iscrer Zeitrechnung alle Chre gemacht hätte. aber als Heilmittel Askese and naturziiständliches DorfMas os bedeutet, Nunst und Wilienschaft nur injoweit leben vorschlägt, so ist das nichts als eine altchristlichzit fultiviren, als sie dem nächsten Bedürfnis entiprechen, roujicanistische Phantasie, die im Anfang unserer Zeitdas geht gerade aus dicjem finsteren, graujament, lebeis rechnung als ctivas moraliich (Bebotenes angesehen und

im vorigen Jahrhundert mit poetischem Glanz umwoben des Lesers, sie geht mit dem Dichter durch dick und dünn, und wurde, eine Phantasie, an der nach unserent modernen

vor seinem Lehnstuhl baut sich in lichten Farben und in WolkenEmpfinden nichts flebt als der Duft finsteren Mönchhöhe das herrlichste Volkstheater, das in Wirflichkeit nie leben tums und antidiluvianischer Barbarei.

wird, nicht in Berlin und nicht in Wien, das unsterbliche Kaimund-Theater, ein Weihnachtsmärchen für alle Tage des Jahres. llnd trifft Raimund auf die richtigen Zuhörer, die zur geeigneten Zeit die Augen zi1 schließen wissen, um alle Herrlichkeiten zu sehen, ju schenkt er, was selbst größere Künstler

unter den Dichtern fast niemals zu vergeben haben: Glück. Serdinand Raimund. *)

Ich glaube nicht, daß zuim vollen Verständnis Kaimunds Von

die österreichische Mundart gehört. Noch weit leichter, als der

Süddeutsche sich bei einigem guten Willen in Fritz Reuter Fritz J12 autljner.

zurechtlesen fan, lernt der Norddeutsche den wiener Dialekt

verstehen und lieben. Was auch der Grund sein mag: die Unsere Journalistit hat, wie ihr Name besagt, jo viel mit

ältere Kultur der Donaustadt, das künstlerische Blut der Süddem Tag zu tun, daß sie auch ein Tagescreignis braucht, um deutschen, welche auch im Norden das Theater beherrschen, jich bedeutender Männer der Vergangenheit 311 erinnern. Man oder gar die philologischen Geheimnisse diejer älteren Litteraturfindet sich mit den alten Grüßen bei thren Jubiläen ab und sprache, - es giebt kaum einen gebildeten Deutschen, der Raimund glaubt sich dann weiter nicht um sie befümmern zu müssen. nicht verstehen fönnte, und der nicht ganz freiwillig, wenn auch

Wenn Ferdinand Raimund z. B. seinen hundertjährigen noch jo falsch, ein paar wiener Nedensarten nachsprechen würde. Gedenktag hat, jo bieten fast jämtliche deutsche Zeitschriften Tert

Das höhere Alter der Nultur hat aber zur Folge gehabt, und Bilder zu seiner Würdigung, die Leser sagen cines Morgens, daß da eine feste Tradition vorhanden war, an welche das Genie etwa am 1. Juni 1890: „Ach, ist der gerade vor hundert anknüpfen konnte. Im Norden mußte sich jeder plattdeutsche Fahren geboren worden!" Und damit ist's gut. Denn morgen

Dichter, wie wir's neuerdings aus Klaus Broths Lebens sind wieder fünfzig oder hundert oder fünfhundert Jahre nach erinnerungen erfahren haben, seine eigene Technik und seine irgend etwas verflossen, und der freundliche Leser wundert sich eigene Orthographie sogar zurecht machen. In Wien lebte dic wieder, daß es gerade so lange her ist. Von dieser Art der Lokalposje eigentlich immerfort. In Wien und ganz Siid: Huldigung haben die Nachlebenden gewöhnlich sehr wenig; kaum

deutschland ist der Sanswurst glücklicherweise nicht vollständig daß der Festgeber, derjenige der den Artikel schreibt, Zeit ge

verbrannt, sondern nur lelse angebraten worden, und von der funden hat, sich in die Eigenart des großen Toten zu vertiefen.

vertiefen. alten Siunst führt ein gerader Weg über Raimund und Nestroi) llnd der große Tote hat nun schon garnichts davon.

zu Anzengruber. A13 Fritz Neuter für die Bühne schreiben Wer nun berufsmäßig aktuelle Aufsäge zur Feier von

wollte, mußte er, ob er wollte oder nicht, an die ältesten interJubiläen schreibt, hat natürlich am allorwenigsten Zeit, den

nationalen Poslenfabrikate anknüpfen. Stoff zu studiren. Man denfe einmal, daß Herr Stohut alle die berühmten Leute studirt haben sollte, zu deren Gedenktagen dieser Ilmstand freilich kein Blück für den Dichter.

Bei der unglücklichen zwiespältigen Natur Haimunds wurde

Der er nicht nur Auffäße geschrieben, sondern auch Blütenlesen uud

Nomifer, der sich dyließlich selbst den Tod gab, war auch als andere Bücher herausgegeben hat. Das geht über Menschen

Poet ein schwermütiger Mann. Er hat es nicht erlebt, daß fräfte. Als Ferdinand Raimunds Jubiläum gefeiert wurde, nahm

alle berufenen Litteraturhistoriker seinen Humor für voll nahmen, ich mir vor, das ganze Jahr den Studium seiner jämtlichen

er jah sich nur als einen Spaßmacher des Pöbels geschätzt und dramatischen Werke

, seiner acht Zaubermärchen, zu widmen strebte mit all seiner Leidenschaftlichkeit aus dieser Stellung Und ich habe in einem Jahr litterarischer Arbeit dem unglück:

heraus. Er, der der göttlichste Hanswurst der wiener Posse

und von dessen Hanswurst - Einfällen viele unsterblich lichen Dichter dankbar zu sein gelernt. Wenn ich im stande wäre, meinen Lejern die geistigen Genüsse 311 schildern, welche

bleiben werden, wollte gerade dieses bessere Selbst, den Hans

wurst in fich verbrennen. Das ganze merkwürdige Zauberich diesem eigensinnigen Studium verdanke, nicht einer würde darauf verzichten wollen, ein jeder würde sich die drei hand

spiel: „Die gefesselte Phantasie" ist getragen von dieser Sehn

fucht des Possendichters nach Jamben und Ritterstiefeln. Wahnlichen Bände anschaffen und wissen, daß in ihnen wie von

sinnig deint ihm das Streben sich als Posjendichter auszuzeichnen. gütiger Fecnhand alle Zauber der Poesic cingeschlossen sind,

So muß man es lefen, um den Montolog des Narren in diesem daß Raimund mit seinen Worten den blasirten und müdcu Lose

Stücke menschlich zu verstehen. menschen in cin Kind zurückverwandeln fann, daß Naimund rühren und zu ergreifen vermag, nicht mchr wie ein Dichter,

,,So muß jogar cin Narr auf seiner Höhe zittern. sondern wic die inverschuldeten Leiden cines weinenden Seindes,

undankbare Welt! Da glaubt so mancher oft, cr wär allein und daß er uns dann wieder durch seine Späße zum herzlichsten,

der Narr im Hause, da fommt ein anderer her ind sticht thu übermütigsten Gelächter stimmen kann. Schon das Lesen, und

wieder aus: und dieser Andre wird von einem andern andern vielleicht gerade das Lejen erzeugt diese Wirkung. Die meisten

dann verdrängt, und so zerstreiten sich die armen Narren ums Stüde Raimunds würden nur durch eine gründliche Umformung traurige Narrentum. Ein jeder möcht der größere sein, und dem Theatergeschmack anzupassen sein. Denn die Phantasie jeder narrt sich selbst

. Deitle Narretci, o närrische Eitelkeit! des Theaterbesuchers ist gefesselt ; frei aber waltet die Phantasic | Ich wollt, ich hätte bares Geld, dann macht 'n Narr'n wer

will !" *) Dramatische Werke. Nach den Originals und Theater-Manu:

Noch findlicher vielleicht äußert sich diese immer wiederstripten herausgegeben von Dr. Carl (Glossy und Dr. August Sauer. kehrende Stimmung Raimunds, wenn er in demselben Stüc Zweite durchgesehene Auflage. 3 Bände. (Wien 1891. Verlag von ; die gefesselte Phantasie bei nichts Höherem schwören lassen Karl Konegen).

kanit, als bei dem Haupte Schillers, wo sie so lange gewohnt

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hat. Ein Stück Philosophie der deutschen Litteraturgeschichte, welt einen einheitlichen Stil 311 geben. Unbewußt näherte er liegt in diesem unfruchtbaren Drange ganzer deutscher Jahr sich dicsem Ziel. Der ,,Verschwender“ ist vielleicht gerade darum zehnte, fich fünsilich zu den Höhen des Schillerschen Idealismus so populär geworden, weil in diesem Drama die Allegorieen, zu erheben. Naimund, dessen unversiegbarer Humor den Größen die ihren Namen und ihre Sprüche aus den Kulissen herausdes 18. Jahrhunderts nicht gegeben sein konnte, Raimund, der trugen, gegen das Menschliche zurüctreten. Leider weiß das mit Shakespearescher Nraft fortentwickelt hat, was in Jean Paul ! bewußte Schaffen Raimunds nichts von solcher Einheit in an neuen Keimen lag, Raimund, der in seine Werfe wie zufällig seiner Kunst. Während alle feine Kräfte dahin strebten, Götter die reinsten Perlen natürlicher Dichtkunst verstreut hat, dessen und Feen auf den schönsten Stellen der Erde zu vereinigen humoristtich naturalistische Szenen in der Nöhlerhütte (Alpen und sie mit drolligen und guten Menschen einen Sommernachtsfönig und Menschenfeind) und in der Tischlerwerkstatt (Ver traum träumen oder ein Wintermärchen erleben zu lassen, reizt schwender) alles auch an Wahrheit übertreffen, was der beste ihn seine Theorie an, sich von der Erde, die er kannte, zu unNaturalismus der Gegenwart bisher geleistet hat, Raimund, bekannten Höhen zu erheben und mit den Ueberirdischen in der in diesen föstlichen Auftritten betrunkene Männer, fcifende einer verstiegenen Sprache zu sprechen. Er wollte 'Schiller Weiber, ganze Rudel von schlecht crzogenen Kindern und sogar überschillern. Haustiere auftreten läßt, ohne den humoristischen Faden zu Schon in seiner Diktion äußert sich, wenn er ein schönes verlieren, Raimund schnt sich nach den Wirkungen Schillers. Hochdeutsch schreiben will, die Unwahrheit dieses Strebens. In Dieser Ehrgeiz hat ihm sein Leben vergällt und hat an jeinen

viel geringerem Maße fann man auch bei Friß Reuter und Werfen verderbt, was zu verderben war.

bei Anzengruber beobachten, dass die Kraft erlahmt, wenn sie Die Ausgabe von Glossy und Sanier hat es durch eine nicht mehr im Dialekt sprechen. Der Grund scheint mir eindankenswerte Vergleichung der Originalhandschriften außer fach genug zu sein. Es hat der Mensch nur eine Muttersprache, Zweifel gestellt, daß Kainuund darnach strebtc, seine Stücke und nur in dieser kann er dichten, kann er sein innerstes Geimmer „gebildeter" zu machen. Und jelbst in der ersten Fassung fühlmittheilen. Verje drechseln fann ein Deutscher auch in spielt die Bildung eine unsäglich traurige Rolle. Ich will anderen Sprachen, aber das ist ja wol nicht dichten. Wer nun natürlich nicht davon sprechen, daß der Hausdichter des Leopold

seine Mundart liebt, für den ist schon die Schriftsprache das städter Theaters die drolligsten Schniger machte in seinem Be fremde Idiom, an dem er nach Belieben herumdrechselt. Bei streben, imponirende Fremdwörter zu gebrauchen und die griechische Reuter und Anzengruber ist der Gegensatz beider Töne Mythologie nach Schillers Beispiel zu plündern; ich will cs nid)t jo groß wie bei Raimund, vielleicht darum, weil Reuter auch nicht bedauern, daß Naimmd nicht nur häufiger als gut

und Anzengruber das Buchdeutsche gewöhnlich nur zum trockenen war pathetische Verse schrieb, sondern selbst die Poesie, so oft Bericht oder zur Chwrakteristik von kalten Städtern brauchten, er gebildet sein wollte, in Jamben auflöjte, denn selbst der höchstens wie Anzengruber zatr Charaftcristit des guten studirten vornehme Vers ist ihm mitunter überraschend gelungen. Das Pfarrers, aljo auch da als realistisches Motiv. Raimund aber Traurige ist nur, daß er in völliger Unkenntnis einer Nraft verfällt in sein allzu poetisches Hochdeutsch leider auch dann, alle bewußte Gedankenarbeit auf das wante, was er nicht wenn er den lieberirdischen seine heiligsten Gefühle in den konnte. Ilm das ganz zu empfinden, muß man sich erinnern, Mund legen will. Er spricht hochdeutsch, jo oft ihn der Humor daß Kaimund der Dichter dreier Lieder ist, die vollfommene verläßt und ihn die cigcnc Rührung überwältigt; und wenn Wolfslieder geworden sind. Man überlege cinnal, daß es

cr hochdeutich spricht, verläßt ihn umgekehrt der Humor. imter den größten deutschen Pyritern mrzivci gicbt, die sich So hat aud) dicsos Benie seine eng gezogenen Grenzen ciner gleichen Tat rühmen tönnen. lind wer weiß, ob die gehabt: und wir können uns seiner nicht ohne eine Beimischung volkstümlichen Lieder Goethes und Heines alle in so hohem von Traner freuen. Aber diese Hilage kann erst zu Worte Grade Volkslieder geworden jind, ihren Dichter so völlig über kommen, wenn die drei Bände gelesen sind, und ein Rückblick die Dichtung vergessen gemacht haben, wie: „Brüderlein fein“, über sein Leben und Schaffen gefordert wird. Während das „So leb' denn wol du stilles Haus", und „Da streiten sich die einzelne Zaubermärchen uns fesselt, vergessen wir nicht nur die Leut' herum“. Drei Volkslieder! Es klingt so bescheiden. Grenzen jelnes (cistes, sondern alle Schranken der Wirklichkeit. Ilnd doch, welch' einen Reichtum muß der Mann besessen haben,

So freuen wir uns, den ganzen Kaimund so hübsch beidem das gelungen ist.

sammen zu haben. Er gehört in jede gute Hausbibliothek neben Tag unglückliche Mißverständnis kam daher, das Kaimund die schöne Gejautausgabe von Anzengruber, und wenn die sich, wie die meisten ungebildeten Menschen, von der Bildung Werfe Nestroys in der neuen Ausgabe erst weiter fortgeschritten cine falsche Vorstellung machte. Gewöhnlich nennt man Bildungsein werden, dann wird man im Zujammenhang ermessen können, cinen unklaren Mischmasch von denjenigen Neuntnissen, welche welche Bedeutung dic echte Wiener Posse in der deutschen nach der Mode der Zeit in den höheren Schulen gelernt Litteraturgeschichte dieses Jahrhunderts verdient. werden. Bei den Griechen wäre ungebildet gewesen, wer nicht Musik machen und turnen konnte, dagegen war bekanntlich dic lateinische Sprache nicht obligatorisch; bei den Römern gehörte Griechisch schon zur Bildung, dafür aber auch etwas Jurisprudenz, und heute gilt für gebildet, wer mit dem Ragout umzugehen versteht, das uns in den Gymnasien vorgejeßt wird. Wie so vielen dichtenden Jünglingen unserer Tage schien dem großen Raimund die Poetit oft wichtiger als die Pociie. Raimund war geist- ! reich wie nur Einer, er war cin jo philosophisch beanlagter Kopf, daß in seinen Allegoricen oft profunder Tiefsinn überrascht. Und seine Bildung hätte darin bestehen müssen, ohne Rücksicht auf Griechen und Römer seiner deutschen Märchen

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