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Das Magazin

e für Iitteratur.

:

VOIT

1832 begründet

Verlag

von Herausgegeben von Friß Mauthner und Otto Ieumann - Hofer. Joseph Ichmann.

f. & p. Lehmann. Redaktion: Berlin W. Winterfeldstraße 8. &rsheint jeden Sonnabend. – Preis 4 Mark vierteljährlich. Beftellungen werden von jeder Budhandlung, jedem Postamt (Nr. 3589 der Postzeitungsliste), sowie vom Verlage des „Magazins" entgegengenommen. Anzeigen 40 Pig. die dreigespaltene Petitzeile.

- Preis der Einzelnummer: 40 Pig. ?

60. Jahrgang.

Berlin, den 17. Januar 1891.

Yr. 3.

Inhalt: Ludwig Fulda: Epilog zur Mufführung von (Grillparzers , Traim ein Leberr“ am 15. Januar 1891 im Lessing-Theater. Adam Müller-Guttenbrunn: Erinnerungen an (Brillparzer. Friß Mauthner: Festrede, gehalten bei der Grillparzer-Feier der Litterarischen Gesellschaft 311 Berlin am 15. Januar 1891. Theater iud Musik: Gerhart Hauptmanns ,,Einsane Menschen“, besprochen von Fritz Manthuer.

llnüciuigter Jaacljdrucli wird auf Grund der Gesetze und Verträge verjolgt.

Des reichlichen Materials wegen, das wir in dieser Nummer zum hundertsteu (Heburtstage (Grillpar z e ri vereinigen, wird der fünfte Akt von Herm a iti Suderman 11 ó Drama „S od 0 ms Einder und die Fortsekung der Lebeu serinnerungen von Ludwig Bietid erst in der nächsten Nummer gebracht werden.

311

Epilog

Die (Gedanken, die Gestalten,
Die aus großem reinem Sinn

Mit (Gewalten sich cutfalten
..Der Traum cin Keben".

Über alle verzen hiu.
Voit

(Der Scjang bricht ab: dic Farfentöne flingen fort und Iudwig Fulda.

schwellen immer mächtiger an. Allmälig, den folgenden (ur feier von Grillparjers hundertstem Geburtstag,

Versen entsprechend, verwandelt sich die Scene wie am Edilu 15. Januar 1891,

des crsten Aufzugs. Die Wand des ģintergrundes öffnet gejproden im Lessing-Theater von Jorer Rai113.)

jich: Wolfen verhüllen die Aussicht und heben sich langjam.

Man sieht endlich wicder die Gegend des zweiten Aufzuges: (Der Epilog schließt sich unmittelbar an die wandlung des Stückes an und nimmt auf sie Bezug. -- Die Varfen

nur der Hintergrund mit Bergstrom und Brücke hat sich in töne klingen fort; wieder hört man den Gefang des Derwijdes, cine heitere Landschaft verwandelt

. In deren Mitte, umrahmt

von Blumen und Büschen, erhebt sich die Büste Franz wie am Schluß des ersten Aufzugs; wieder spricht Rustan

(\rillparzers: auf den Stufen des Postamentes ist die Muse die Worte nach:)

gelagert, ihre Blicke zu dem Bild emporgeivant, deit goldenen Rustan.

Lorbeerfranz in ihrer Rechten.)
„Schatteu sind des Lebens Güter,
Schatten seiner Freuden Schar,

Rusta n.
Schatten Worte, Wünsche, Taten,

Horch! Der Harfeutöne Wogen
Die Gedanken nur sind wahr.“

Kommen feierlich gezogen;

Wie sie schwellen, wie sie halleu!
Täuscht mich wiederim cin Traum?
Wolfeu schweben, Schleier wallen,
Uud es weitet sich der Raum,
Und die Ferne wild zur Nähe.
jst es Blendwerk, was ich sehe?
ist es wieder jene Stätte,
Wo sich miues Ruhmes Bahn
Trügerisch mir aufgetan?
Mirza, Massud, rette, rette!
Nein, scht her! Das ist sie nicht!
Nicht der Strom ichr, nicht die Brücke!
lud mein wirrer Traum vom Glücke
Ward verflärt im Sonnenlicht.
Wo ich stürmte jugendwild,
Um zit frevelu, um zit büfen,
Ragt ein hehres Menschenbild.
Seine ernsten Blicke grüßen,
Uud es schmiegt sich ihm zu Füßen
Eine Göttin stolz und mild,
Und der Kranz in ihrer Rechten
Soll das Veldeuhaupt umflechten,
Das geheiligt hat ihr Ruf,
Soll die hohe Stirne frönen,
Die sich gab dein Dienst des Schönen,
Deren Traum aus Leben schuf,
Seinen Töchterui, seinen Söhnen.

Die mit ihrer weichen Hand,
Wartend, ob dein Herz ihr bliebe,
Jhrem Helden Kränze wand;
So entsagtest du dem (lücke,
Das dich hielt in träger Ruth',
Stürmtest auf der schwanken Brücke
Deinen hohen (Sötternt zu.
Doch du fühltest dich crmatten
jit der Geistesfürsten Schatten,
Dic, gewaltiger als du,
Fremder Dichtkuust bunte Schlange

Töteten mit sichrem Streich
llud in heimischem Gesauge
Sich geteilt das Königreich;
Staudest jag vor ihren Troue,
Fühltest iuwert dich der Krone,
Lauschtest an Tes Tempels Stufen,
Db dich nicht zum Eintritt lade
Deiner (Göttin späte Gnade,
Icines Volkes Jubelrufen.
Doch fein Echo flang zurück,
Bis dir sank des Lebeus Leichte,
Bis dir wertlos ward der Preis,
Bis der fampfesmüde (Greis
Schrend suchte nach dem Glück,
Das dem Jüngling nichtig deuchte.
Als der Tag schon fast verglommen
Deinem Schaffen, deinem Mühn,
Sahst du cinsam und beklommen
Durch dein Fenster stralend kommen
Deines Traumes Morgenglihu.
Deine Soune war cutbraunt;
Doch dich frente nicht ihr Scheinen;
Þieltest uur die weiche band,
Der du fämpfend dich cutwant,
Abschieduehmend in der deinen.

(Die varje verstuunmt. Er wendet jich zu dem Bilde.)

ja, auch du warst jung und warm
Und dem fühusten Traum ergeben,
Als mit fraftgestähltem Arm
Du dich stürztest in das Leben;
jui der Jugend heißen Tagen
Fühltest du dic Pulse schlagen
Uud vertrautest deinem Steru,
Wolltest fämpfen, wolltest wagen,
Uud kein Ziel war dir zu fern.
Du cutwichest aus der Euge,
Drin dic dumpf bescheidnie Menge
Sich verriegelt vor der Tat,
Und init tausend Hellen Glodeu
Hörtest du den Ruhm dich locken
Auf der Ehrsucht Schwindelpfad.
Fliehend in der Träume Land,
So entjagtest du der Licbe,

Doch erlöst von ird’scher Fessel
Stieg dein Geist zu jenen Großen,
Die dich nimmermehr verstoßen
Von dem golduen Fürsteusessel,
Die zum Gruß entgegeneilten,
Als du ciutratst scheu und bleich,
Die das tausendjähr’ge Reich
Stolz und freudig mit dir teilten:
Denn du wuchsest ihnen gleich.

Und dein Volk, das lange schwieg,

genroß. Auch brachte baš Burgtheater zwölf Stücke von ihm

zur Aufführung. Dieje Tatjach alleiit reicht vielleicht hin, Jauchzet Dank und jubelt Sieg

dem Freunde Grillparzerá cine gerilje Boscutung zu verDeines Siampfes heil'ger Beute;

Iciheit. Da die erste Bühne Denijchlaitos niemals, 11118 am

lepten zur Zeit Laubes, ein Tumineplat des Dilciantišinis Deiner Dichtung Soune stieg;

war, jo fam jein Sichterisches Nömen midt jo gering Hoch im Mittag steht sie heute.

gewesen sein, daß man wenige Jahre nach jeinen Tode

nicht mchr von ihm sprechen Sürfte; wenn sies aber der Wer vou solcher Tränme Macht

Fall gewesen wäre, dam bliebe dicier Didier crit redit cine Ward durchleuchtet und entfacht,

gesellschaftliche Erscheinung des Wiener simitlebens, von der

mant reden mußte. Dem ist unr ein Traum die Bahre,

Otto Krechtler zählie erst 10 Jahre, als man 1929 in

Vintz sein erstes Drama anffiihrte. Die dauer der Romantif Ist ein Tag wie hundert Jahre,

crfüllten seine junge Dichterscele, und die Echidjalsiragödien Hundert Jahr wie eine Nacht.

der Houwald, Müllner und Werner hatten auch ihm den

stopf verdreht. Sein Jugendwirf hics ,,Die blutige pode“, (Währenddessen ist das Dichterbild von immer helleren

und der Sport der Rezenjeuten schlug abrzehnte lang

capital gegen den Dichter aus dieser Jugendsinde, deren (Blanze iibergosjen worden.)

Titel allein schon die Parodie herausforderte. Bon diciem

crjien Schritt auf die Bühne führte ein weiter, cutiagungsSel'ge Soune dieses Helden,

voller seg bis 311 den Pforteit des Burgtheaters, die Fid) Die dem reinsten Licht entstammt,

ihin erst 1912 erschlojien, also nach 13 Jahren. Wuch war

Das Gustspiel ,„, Dic Waifen der Liebe"), das man endlich Wirst den Enferu flammend melden,

von ihm anahin, ichon seit dreizehntes Bühneuwert, sem Was du ius ius Herz geflammt

jedes Jahr zeitigte cinjolches, iud fein ganzes Pcbait spiegel

sich in folgenden Zahlenverhältnijen ab: tvölf Stücke ichriebo Breit' es aus mit deinen Stralen,

rechtler, bevor sich das Burgtheater ihm cridhloß: zwölf

brachte diele Bühne von 18 12 bis 1567, U zivölf oder Senki cs tief in jede Brust:

mehr brachte sie nicht mehr zur Pführung. Der Dichter Höchstes Meuscheulos hienieden

war geislig frih gealtert. criberlebte icin Talentium

mehr als zwei Jahrzehnte ud erfuhr Seränfmgen und Ist dem Genius beschieden

Zurückschungen die Fille rechtler gehörte 311 jenten funchtllud der heil geu Schöpferlust.

baren Dichtern, die im interesic ihres Nuhines nicht früh genug sterben fönnent

, md er hatte es versäumt, 311 jtcrberi. (Wieder zum Bilde gewendet.)

als ein Name noch genault mnd gefannt war. llls or 1881 tarb, periochte ihit iclbit icin Tod nidi mchr mir das

deuuide Theater lebendig 311 iltade. Dir war Größe nicht gefährlich,

Otto Kredytler war 181:3 311 (Ginsfirden in OberösterDir der Ruhm kein leeres Spiel;

reich geboren imd er jollte Priciter werden. Aber er tat,

was so viele vor und nad ihun goan, die der Did)tfust Was er nahm, war nicht'ger Schatten,

ergeben waren, er jpang als vleriter mis per sutte 11110 Was er gab, es war so viel:

widmete sich der Litteratur. Si trieb ihn nach Wien. vier

gewam er alsbald in Grillparzer cine inermüdliden för Þat die Schwingen dir gegeben,

Screr und Freud, imd diejos Perhältnis zu den großen Körperlos dahinzuschweben

Dichter drückte dem Leben des kleiner fortau jein bleibendes

(Sepräge auf. Wrechiler war zeitlebens biegiam wie Wachs Über Raum und über Zeit:

and join Talent ser 9lnempiindung war so groß, dai ir Deine Träume wurden Leben

umbervuszt cin vollitändiger Abflatid) von Grillparzer wurde.

Alls der junge sandidat der Theologic jich bei GrillUnd dein Leben Ewigkeit.

parzer, der ihon cinige (Gedichte und Stücke von ihm gicient hatte, vorstellte, fragte ihn sicser: „Was ein's Denu?" Predtler war mit wallenden Locfen, il einen malerischen Mantel gehüllt und mit einem breitfrämpigem deutschen Out bedeckt, nach Wien gefomitent: unterm rm hielt er das

Varusfript cines Bandes lyrijder Didungen, im Daupte Erinnerungen an Grillparzer.

trug er hundert dramatische Entwürfe, und in einer Tasche

flimperten etwa dreißig Silberzwanziger, die jeine Mutter Nach Mitteilungen von Otto Prediler.

ihn beim Abschied eingehändigt, trojden ihr fajt das Herz

Darüber brad), daß er nicht geistlid) werden wollte. llund jetzt Von

stand er, der Dichter, vor dem Dichter, und dieser fragte ibi: Adam Müller-Guttenbrunn (Wien).

„Was joins deun?"

Er war jpradlos. (Grillparzer benutzte dieses Pers

itummen seines Masleå und hielt ihm cine Predigt. „Lieber 1.

Freund," sagte er, id) habe die hufrau und Dito Brechtler, der vielleicht zu früh jo ganz per Cappho geschrieben und bin ein kleiner Beamter. Cic geliene deutsch - öster reichisde Poet, îtand in den vierziger, haben die „blutige Locke“ zur Yufführung gebracht und fünfziger und sechsziger Jahren im Mittelpunkte des litterarisdier wollen davon leben? Warum nicht gar! Schiller war und gesellschaftlichen Lebens in Wien, und er wurde zweimal Professor, Goethe Minister und Saphir schreibt für die als möglicher Burgtheater-Direktor genannt: Che Laube sein Vänerleiche Theaterzeitung Sicitiken. Sie müssen entweder Amt antrat, im Jahre 1849, und achtzehn Jahre später, als profejjor, Minister oder Fritifer werden. Docr nod besser Laube dieses Amt niederlegte. Darin prägt sich zweifelhaft Sie treten in unserem Vmt als Diurnist cin. Dam eine gewisse Dauerhaftigkeit des Ansehens aus, das Prechtler ' Sidhten's halt, wie ich das and getan hab'."

1

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Nach dieser föstlichen Ansprache reichte (Grillparzer Sem parzer zwei Menjdenleben hindurch übte, und die hinreichte, jungen Mame die gand und gab ihm praktische Ratschläge, einen Dichter seines Ranges in Bergeijenheit geraten zu lajjen, wie er cs anzufangen hätte, Beamter 311 werden.

auch fie suchte Prechtler nachzuahmen, als er älter wurde. lind Preditler wurde Beamter. Er hatte in dieser lind auch den Dichterstolz Grillparzers wahrte er sich. Dder Laufbahn so großes (lück, daß er in zwanzig Jahren (brill: liegt nicht der ganze Stolz eines Sängers von Gottes Guaden parzer cin holte, und als der große Dichter in den Ruhestand in den folgenden Worten des jonst jo bescheidenen Prechtler: trat, wurde Prechtler jein Nachfolger in der Stelle cines

„Gabst du dein Vestes, laß es sich nicht füminern, Reichs-Archip-Direktors im Finanzministerium. Als am Ende

Wenn dir die Gegenwart den Dank versagt: der sechziger Jahre Prechtler selbst in den Nuthestand trat,

Des Ruhmes Fridt erspricßt nicht ichnell im Raume, übersicdelte er nach Oberöjterreid), und jeine letzten Stücke

Im Stillen reift jie an der Zeiten Baume." tamen nur noch auf der Linzer Bühne zur Aufführung, die auch sein erstes Drama zur Darstellung gebracht hatte.

Man müßte diesen Trostspruch als prächtig bezeidhnen, IInd in Linz trat ich dem alten Manne näher. Wie er als eine Offenbarung, wenn Prechtler ihn nicht an sich selbst

, zu Grillparzer, so war ich als junger Mensch 311 ihın ge jondern an (Grillparzer gerichtet hätte, denn an diesem erfüllte fommen, um auch ich hatte dichterische Schmerzen. Prechtler jid das stolze Wort glänzend. Die Gegenwart gehört ja fragte mich nicht: „Pas jein's denn?" aber er erzählte mir, fast immer der Mittelmäßigkeit: dem (Wroßen aber gehört die wie Grillparzer ihn einst empfangent. Daraufhin fonnte ich Zukunft. Quch den zweifelhaften Liberalismus jeines großen ihm die beruhigende Versicherung geben, daß id) wohlbe Vorbildes ahmte Prechtler nad). Sein revolutionärer Sinn, jallter Eleve der Linzer Telegraphenidirektion sei und jährlich den die Polizei in seinem Beinrich 11." gewittert hatte, 300 Fl. Einfommen habe. Erst als er dies vernommen hatte, reichte nie weiter als jein ästhetischer. Das war die Grenze, lobte er icine poetischen Arbeiten.

die auch Grillparzer in jenen Tagen des allgemeinen Völferan dicie crste Begegnung knüpfte sich ein mehrjähriger i frühlings von der gährenden Mitwelt trennte. So lange die Verkehr, über den id) ein Tagebuch führte. In diesem ist Revolution sich geistig austobte, so lange sie schön war, alles niedergelegt, was Frechtler mir über seinen lligang gingen diese Koeten init: als es aber anfing imgemütlid) mit Grillparzer, Laube und Hebbel erzählte.

311 werden, als es gar nach Builver roch, da flüdtete der

große Dichter nach Baden bei Wien, schrieb dort sein beII.

rühintes edicht an Nadetky ind idmiedete im Stillen giftige Wenn man die Namen Prechtler und (Brillparzer neben Epigramme gegen Metternich und andere Madythaber; der einander vennt, muß man vor allem auf die rührende Be kleinere Poct aber trat in die Reihe der Musgleidsapostel scheidenheit Ctto Prechtlers, auf die tiefe Demut hinweisen, i nd ließ sich in jene Abordnung wählen, die nad Jinsbruck mit der er Brillparzer gegenüberstand. !!ud die lettere war cilte, um den von seiner llingebung entführten siaijer feine Poje, jie jaß dem Manne tief im verzen. lInter den Ferdinand 311 bitten, nach Wien zurückzukehren. zahlreichen (Gedichten, die sich in Prechilers Nachlas „An Die (cichidhte dieser vorwiegend litterarischen Abordnung Brillparzer" vorfinden, ist das folgende das bezeichnendjte: ist meines Wijiens noch nicht geschrieben worden und doch ist (11 (Brillparzer:

jie wert, erzählt 311 werden. Auch Friedrich Hebbel ind Mild angeglüht vom Somen-Widerscheine,

Saphir gehörten dieser Abordmmg an, und Hebbel warf ich Zicht froh der Mond durd) nächtlich-blane Ferne:

zum Sprecher derselben auf. Wer Hebbels gewaltige, aber Er träumt, 311 hersden über alle Sterne,

ganz abjtrafte Suada fameund an den verschüchterten Vohl triufen von des (Bottes Stralemwcine.

,gütigen“ Naijer Ferdinand dachte, der durfte von dem Ein

drucke, den dieser Sprecher crziclen würde, nichts gutes erCo milde angeglüht von Strale Deines Lichtes, : warteit. Die Mitglieder der Abordnung lehnten sich jedoch Wähi' id), erleuchtet, jelber auch zu glänzen:

vergeblich auf gegen Hebbels Forderung, cr ließ jidh nicht Was id) geahnt, Dein Wort will s mild ergänzen,

davon abbringen: er, der bedeutendste Dichter und Reducr Du blühit -.- ich bred) dic Frucht mir des edichtes.

unter ihnen, mr er durfte sprechen. Man war icon cinige Doch wie der Mond, wehmütig (fommt die Frühe),

Tage in jnnsbruck und wurde zur Audienz noc, inmer uidit blegt den Lichtfranz, einem Höhern eigent,

zugelassen. Es mußten erit Erkundigungen eingezogen werden Tieffühlend, daß er in der Sterne Reigen

über die Besimmungen und bjichten dieser Litteratenbande Nichi durch sich selbst mir durch die Some glühe:

aus Wien, bei welcher Tid auch der furchtbare Dichter von

„Weinrid) IV." befand .. einer Dichtung, die dem verhasten So fam ich mich an Deinem Geiste leben:

Reichstag in Wicii als Festvorstellung dargeboten wurde. šiihl ich beschämt mich und zugleid) erhoben!

Endlich fam aber dod) der Tag des Empfanges für die Al was ich iduf, auf einmal ist zerstoben

Wbgejanten aus Wien. Der Naijer stand in der Mitte des Ein Vettler schwelg ich froh in Deinen Schäßen.

Taales, mit dem Rücken an einen Tisch gelehnt und seine Darin licgt mehr als Bescheidenheit und Selbstver

ganze einflußreid)c limgebung war zugegen. leugning, có ist eine vollständige Selbstpreisgebung gegen

Ter siaijer hatte noch nicht Zeit gefunden, das Wort über dem höheren (ciste.

an die Eingetretenen zu richten, als Friedrich Hebbel auch Eit anderes (Bedidit an (Grillparzer fängt an:

schon vortrat und mit cinein gewaltigen (Bestus und Donneruder

Stimme begam: „Eure Majestät!" llud finger in ,,Du warst mir von allen Mendent,

hochtrabenditen Style und in der aufgeregtesten Weise zu Denen ich im Leben genaht,

reden an und fam dabei unbewußt dem Kaijer immer näher. Der cdelite, reinste, livandelbarste:

Die limgebung desselben wurde unruhig und die Reputation Vor allen Dichtern, die lebent,

gerict in die peinlichste Verlegenheit: aber was war 311 tim? Der größte, der tiefste, der wahrste:

Man fonte vebbel doch nicht an den Frackichößert fasien Dein bleibend Wohlwollen mir

imd halten! Der Naijer, der den hochtrabenden Worten Das höchste (But!

vebbels nidit gefolgt 311 jein schiens, inochte den aufgeregten Nach diejem Zeugnisse von Wrechtler jelbst wird man es Mamut, der ihm imicr näher rückte, wol für einen verkappten verstehen, wenn ich sage, daß dieser Dichter fein inneres amb Revolutionär gehalten haben, denn als Hebbel seine Stimme jein äußeres Leben halb bewußt, halb umbewußt nach jeinem plöblid) inchr als bisher erhob, verließ er plötzlich mit einem großen Vorbilde modelte. Freilich erging es ihm dabei wie Tai jeinen Standpunkt und flüchtete sich hinter den Tijd); allen Nachahinern einer bestimmten Einzelart: er cignete sid) dort stand er zitternd und jah starr auf den Sprecher, der blos die Mängel des Vorbildes an, denn dessen Vorzüge jid) durchaus nicht stören ließ. Da reichte die Erzherzogin waren innachahinlid). Die bicheu vor der Welt, wie sie (Brill Sophic dem Naiser den Arm und verließ mit ihm den Saal.

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Das machte allem ein Ende und die Abordnung aus Wien Dieje Antwort ist wol etwas dunfel, aber sie ist nicht zog mit langen Gesichterit von dannen.

inverständlich. (Grillparzer will offenbar sagen, daß Musik Hebbel mußte sich auf dem Heimwege nach Wien viel und Dichtkunst im Grunde zwei so verjchiedene Kunstbittere Worte sagen lassen, und er ertrug jeden Vorivurf gattungen sind, daß sich aus zwei Hälften, von denen die geduldig, denn er war zerknirscht von der Wirkung, die sein eine Wort, die andere Ton ist, nichts Ganzes gestalten lasse; Rednertalent, auf das er sich so viel zu gute tat, in Innsbruck ; entweder du bist ein ganzer Dichter oder ein ganzer Musiker, ausgeübt hatte. Daß die Deputation dennoch mit einem ' beides kannst du nicht ganz sein; bist du aber beides halb, guten Bescheide Innsbruck verlassen konnte, verdankte sie der jo bist du eben kein Ganzes. Shakespeare ist für Grillparzer überlegenen Selugheit der Erzherzogin Sophie, die den das Ganze; über den „Dear“ hinaus giebt es für ihu féin unglücklichen Abgefanten zum Abschied nod tröstliche Worte , menschliches Maß, der Dichter erreicht damit die Grenzen sagen ließ und das Benehmen des Staisers auf ein linwohl- unserer Empfänglichkeit, und ein gleich großer Musiker, der sein zurückführte.

auf den , Lear“ aud) noch eine Tonschöpfung von solch furchtIII.

barer Gewalt, wie sie der Dichtung inneivohnt, aufbanen Ich habe bereits erzählt, daß Prechiler der Amts fönnte, würde uns unfähig finder, diese ungeheuerliche nachfolger Grillparzers wurde. Als er bei Sdreibtisch des Doppelwirfung itod) als eine künstlerische 311 empfinden. Dichters übernahm, sagte dieser zu ihm: „Sie werden viel Auch auf Heinrich Laube, dem der Dichter viel Dank leicht manche Krißelei von mir da und dort vorfinden. Es schuldete für die Neubelebung jeiner jämtlichen Stücke, fand taugt alles nichts!" und Prechtler fand sehr vieles. man in Brillparzers Nachlaß ein Epigramm, das allgemein Meistens waren es Epigramme. Auf Schreibunterlagen, auf befannt geworden ist. Es lautet: unscheinbaren Papierschnitzeln, selbst auf Akten fanden sich

,,Daube

- incint Paladin. manchmal recht bösartige Veric vor. Der erste Aussprid),

Schon tot, wieder lebendig geworden der uns hier interessirt, bezieht sich auf des Dichters Per

Durch did), meint tollfühner Sohn hältnis zii seiner Amtsstellung. Aus einer Screibunterlage

cu nimi den (Vrillparzer-Erden, von steifem gelben Papier ichnitt Prechtler folgende Zeilen,

Sonst hast dui gar nichts davon.“ die mit ,,März 55" überschrieben sind:

Prechtler aber fand in (Orillparzers Amtsschreibtiid) nod) „, vier sit id unter Fascifeln dicht,

zwei andere Epigramme auf Laube. Aus diesen crsieht man, Ihr glaubt, verdrossen und cinjam

was man ja bei einiger Sennis (Orillparzers empfinden Und dod) vielleicht Das glaubt ihr nidi: muß, daß die feuiche Diditerjeele 311 Dein praftich-derben Mit den ewigen Böttern gerneinsam."

Marschall-Vorwärts des dentjchen Theaters fein rechtes Ber Auf einem Aftenstück, dessen Inhalt Prachtler jidh leider hältnis finden konnte. „Troji au Q." ist das eine betitelt: nicht gemerkt hat, standen unter dem Schlagwort: „Moderne

„Das pandwerf hajt dui verstanden yumanität“ die Verse:

Du aber die Poesie?
Sonst war das Gericht, gerecht und klar,

Das gilt in den deutschen Landen
Des Frevels weltlicher Rächer:

Veit mehr wohl noch) als die
Doch heutzutage verlangt es gar

lind das zweite lautet:
Noch Achtung vor dem Verbrecher."
Man wird aus diesen vier Zeilen umschwer Grillparzers

Er ist kein böjer Mensch, wie ich glaube, Meinung über unser modernes Gerichtsverfahren herauslejen

Obwol ihn sie Welt jo verschreit. könnent. Er kam eben aus einen andern Jahrhundert 311

s ist cbeit der grimme – vagen, uns herüber und dies prägt fich in vielen jeiner 211

Plumaßend wol, doch geidheit." schauungen aus.

lluter den vielen Sprüchen und Gedankensplittern, die Unter den zahlreichen, aufgefundenen Epigrammen, von

Prechtler fand und inir mitteilte, will ich hier vorläufig mir denen einige Prechtler, die anderen ich schon veröffentlichte, noch ein Wort anführen. Wie es sich später herausstellte, interessiren heute wohl auch die über Richard Wagner.

chrich Grillparzer diejen Nusiprud) in ein Gremplar feines Grillparzer war ein überaus feinfühliger Musifer. Er betete

dramatischen Märdens , Der Traun ein Leben“ als Wide Mozart an, er verkehrte mit Beethoven und ließ sid) herbci,

inung für Laroche, der bekanntlich unter Goethe alo junger einen Operntert („Melusine“) für diejen 311 schreiben, der in

Schauspieler in Weimar wirkte. Êr heißt: des nie vertont wurde; and für Schubert empfand er die wärmste Liebe und die Grabichrift Schuberts ist ein Werf

„Ji Weimar war die Sumst ein Leben: Grillparzers. Zu Wagner aber wußte er sich in fein Ver

Ji Wien ist sie ein Traun!" hältnis zu sekeit. Ein mit „R. W.“ überschriebenes Epigramım,

Als Heinrich Laube durch mich vom Daseint dicjes 2118= das Prechtler fand, lautete:

ipruches Nenntnis crhielt, jagte er furz und bündig: „Das Was denken Sie, fragt mid) der Meister,

(Gegenteil ist wahr!" llid jo ist es nol auch. Das von meiner Zufunftsmusik?

Wort ist nicht für Wien, es ist blos für Grillparzer fennNun — fämen wie Mozart noch Geister,

zeichnend.

IV.
Das wäre der Zufunft Musif."
Zwei andere Vierzeiler behandeln denselben (Wegenstand

Ein von den österreichischen Dichtern viel und mannigs in überraschender Wcije. Der erste ist überschrieben:

fac behandeltes Thema, ihr Verhältnis zu Norddeutschland, „R. W.-Tendenz“ und lautet:

beschäftigte and Grillparzer bekanntlich sehr oft, und man

hörte ihn flageit: „Sie haben mid) nie verstanden -- und Dent wortgewordenen Beistesblick

verstehen mich heute noch nicht!" Sit diesen Klagen aber Zu sätt'gen mit gleidjem Tone

steckte ein Stachel, der sich gegen ihn selbst kehrte, und er Das ist die Zukunft der wahren Musik,

wußte dies sehr wohl, den er empfand es klar, was ihm Ist aller Künste Krone.“

fehlte. Dafür wußte Predytler cinige merkwürdige Belege, Damit sind die Grundjäße Wagners in knapper Form Worte des Dichters, die sowohl seine österreichischen als seine ausgedrückt. Der Dichter fügt daran eine

norddeutschen Verehrer im höchsten Grade überraschen werden, Antwort:

und auf Sie ich später zurückkomme. Könnt einer der „Lear“ vertonen

Auch rechtler glaubte sich über die Zurückfeging, die Aus Shakespeares Worten heraus:

er von den Norddeutschen, aber von den Norddeutschen in Ein Stral zugleich von zwei Sonnen,

i Wien erfuhr, beklagen zu müssen, und Laube, der nordDen hielte kein Sterblicher aus.“

Deutsche Burgtheaterdirektor, hatte manches Sträußchen mit

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