Billeder på siden
PDF
ePub

1

Wir fönnen sie nur bellagen dafür, daß sie ju dumin ge: „Die Schubladen." wesen sind, sich den Magen zu verderben, um über imsre „Der Tisch.“ Nüchternheit lachen zu können! Jedem das Seine! Das sind Mit leiser Stimnic Menschen, die nichts Angenehmercs und Liebercs zu tun wissen, „Nein Papier! Welch eine Feder! .... Sie hat nur als ihren Brüdern das Brod stehlen -- m zit hohnlachen, noc) cine Spike! . wenn sie diese aus Mangel an Nahrungemitteln abmagern „Mein Vater, wir sind hier! Wir suchen dir zu folgen, sehen. — Sie vergessen dabei nur eines: daß es ebenso lächerlich aber dit sprichst zu rasch, wir fönnen so rasch nicht schreiben. ist, an verdorbenem Magen 311 sterben wie ani Hunger ... an Das, was du sagst, flingt diesmal wirklich jehr gut, das mus der Dickleibigkeit wie an der Magerfeit ... und daßi jie cinst ich sagen . . Wenn du noch einmal anfangen wolltest, ohne sterben werden, ohne zu lachen, ebenso wie auch wir.

Sich) so fortreisen 311 lassen, und langsam sprächest . vielleicht ...."

Nach ciner langen Pause und einem ticfen Schauder, „Meine Tochter, ich bitte dich, ich flche sich an ... Ins; mich nicht mehr von anderen Dingen sprechen, alá von

jagte Milton jeufzend und mit leiser Stimme: Gehorche mir! Ich bin dein Vater! Sien, sich mich hier zil

„Ah! nun ists zu spät, ich hab' es vergessen.“ deinen Füßen!"

„Mein Vater! Welche lieberspanntheit! Ist das ver: nünftig, was dit jetzt tust? Wenn man ctwas derartiges von dir sieht, wie kann man dann noch glauben, daß du dich deines vollen Versiandes crfreust, der doch nötig ist, um jo lesbare Sachen diktiren zil fönnen, wie in jener Zeit, da dui noch felber schriebst? ... (Glaub' es mir! Es ist im Interesse deineš eigenen Ruhmes, wenn wir dich anfiehen, dich auf sein Lager z11 begeben, im zlı ruhen.“ „h grausames Kind! Soi... doch, ici, nein, ich

Arne Garborgs „Bei Mama“.*) will niemanden verfluchen . nicht einmal die, welche .

Von Wisse, daß dus der Hauch) (Bottes ist! D Säuseln von

Fritz mantlier. (Sottes Cdem! O Elend göttlicher Demit! Auf den guten Willen dieser Frauenzimmer angewiesen zit fein, auf daß man Vei der levien hoiu-Feier in Berlin fonnte man in in meinen Versen das Säusclıl von (Bottes Odem verspüre! . bedeutender Entfernung vom Dichter der Hedda Gabler Sieh (Kreis ivic dein Wert

cineni Nam bemerfci, nad Seijen Namen und Staud fast Die Mädchen waren nicht inuner rebellid jil den jäh. jedermann fragte: „Arne Garborg, norwegischer Schriftjornigen Grcijc

steller.“ Arne Garborg fällt nicht durch Sdjönheit auf, Tastend and tappend in der Tunnelheit crreichte er dic

bewahre, and nicht eben durch Eleganz; wer es aber einiLehne eines Sejjels, nahe dem Tisch, ji tzte sich, stügte icin

mal geichcii, famu das charakteristische Gericht nicht wieder

vergessen. Ja slädtischer Kleidung ein Bauer, der des Haupt in die Hände, und schloß die Augen.

Lebens wöhen und Ticien geistig übersicht und doch immer llund plönlich hörte man seine Stimme, lungian

cin Bauer bleiben will. Nein größerer Gegenjat ist deuifund feierlich .... Er sagte:

bar, als der zwischen (arborg iind seinem berühmten alten ,,Sei gegrüßt, beiligo: Licht, critgeborenc Tochter des Landsmann Jusen. Beiäße jbsen nicht seine prachylvolle Himmels.

Stirn mit dem fast imbolijcbeit weißen Waarschopf, cr lind in tam ein hymnus, wie er jeit (Benerationen würde mit icinen ganzen cien umd Benchmen dei Ginnicht erhört war.

druck eines fleinstädtischen Whilisters madıcı, der vielleicht

-- wie die naturalistisch geichilderten Gewerbetreibende bei Es war cin Ausbruch von Bildern und (Gestalten. Durch)

Soethe .. in jinem Laden zur Freude des Beobachters die dic (icdanfen sich wie lanunende Pliße jinbildlich dar

„mit der Vrille auf der Viaje beim Stümpfchen Licht ein stellten, - und die Stimme, der späten Siachtsunde nicht Crück nach den ander auf die Saage legt und ab- und achtend, crflang ticf, vibrirend, melodijch)! Ein Engel schien zuschnitt, bis die Näuferin ihr (Sewicht haile." Man iraut seine Begeisterung z11 überwachen, denn es war fast, als höre i husen auf sein Sleutfcre's hin cher 311, daß er das Modell, man das Hauschen von Flügeln in den heiligen Worten, als daß er der Schöpfer von Miniaturzeichnungen seiļi welche er sprach: „llud die Spitzen der Bäume von Eden er

fönnte. 11110 wirklich sind die Züge, die mani realistisch glänzten in den Strahlen verlorener Morgenröten, und der

311 nennen gewohnt ist, bei ihm gewöhnlich durch ewige Morgengcjang Evaš, bietend an den crsien Cuelien, vor dem

Simbolik leidt inä llevermenichliche vergrößert. crnsten tapjeren dam, welcher schweigend buldigte, und die

Prnje (varborg at dagegen feinen 311g vom kleinbläulichen Nejlere von der Schlange, die sich in den verbotenen lädter, vom Städter überhaupt. Wie ein Führer in einem

vienen nordijden Bauernfrieg' jicht er aus und sieht er Baum ringelte, und der Eindruck dieser cisten Versucherin des

drein. Auflagelitteratur ist natürlid) auch sein Streben; Menjchengeschlechts - o! alles das jang und klang förmlich

aber er hat die Gebrechen der Zeit nicht zuersi aus Büchern in der verflärten Darstellung des alten Schers

feuncı gelernt wie imiere theoretischen Beisimislen; er Bei diesen Silängen, deren Bauch icheinbar überirdisch war, scheint heute noch täglich die alte Erde mit seiner Pflugerschienen die drei Frauen in ihren Nachtgewänderii, in der ichaar aufreiszen 311 fönnen. Man begreift, daß der Anordnung des ersten unterbrochenen Schlafes, an der Türe skandinavisde Sturm und Drang, der sich jept gegen jojen des Saales, wo in der Einjamfcit und von den großen Schatten richtet, anders auftreten muß, als der deutsche" von vor umringt, der Scher von himmlischen Dingen sprac. Tic cinc

hundert Jahren, der gegen die französischen Formmeister hielt cine Lampe, welche sie mit ihren Händen gegen den Puft

*) Deutich von Marie erzield. Berlin, Berlag ven zug schüßte, ind iic lauschten seinen Worteit.

C. Fischer, 1891.)

tobte. Damals, bei uns, waren Þasiorenjöhne die Treiber; brav ind edel blcibeir läßt; nicht jo lilienweiß freilich, heute, in Norwegen, sind es Batternjöhne. Der gewöhn wie die Heldin eines englischen Gouvernantenromanies jein liche Baner hat nur einen zit geringer Wortschatz, um seine müßte, aber immerhin unschuldig genug für einen sfandiBeobachtringen wiedergeben zu kömien; was alles in seinem navischen Koman diejes letzten Jahrzchnits vom 19. JahrHorizonte er aber sicht, das verräth 311 injerm Stanen hundert. Garborg ist sich dieses Gegensatzes zum (Geder Bauer, dem die Zunge gelöst ist, der merkwürdige spensterdichter bewusst Ein fluger Mann jagi einmal Arne Garborg.

zım Serauskopf Faum: „dergleichen paisirt jeden Tag; So ist das aber wieder nicht gemeint, als ob arborg das einzig Merkwürdige an der Geschichte sind eigentlich ohne jede Bücherweisheit ans Wert gegangen wäre. Das Sie jelbst ... Nadh allen möglichen Theorien hätten Sie ist ja heutzutage leider nicht mehr möglich Insofern ist nämlich dem Teufel in die sčlanen fallen sollen. Schlechte es nur besser geworden, als die Weltverbesserer ihre alla Erbschaft, schlechte Erziehung, beides ... wie, zitin Henker, gemeinen Ideen nicht mehraus abstraften Philojophenschöpfen, geht es 311, dass Sie nach Ällem, was ich merken kann, sondern vielmehr aus den Forschungen fenntnisreicher ein sehr braves Mädchen geworden sind?". iind im Tatsachen bemühter Naturforscher und National Der Dichter würde sich über jeine eigene Schöpfung öfonomen. Arne Garborg insbesondere ist offenbar vielleicht weniger wundern, wenn er sich klar darüber nationalökonomisch gebildet; und es ist fein Zufall, daß wäre, daß es ihm auf etwas ganz Andres anfamn, als dem er John Stuart Mills alte Schrift über die Hörigkeit Nationalófonomen und deni" Primatiker. Dieje beiden der Frau“ in seinem Roman Bei Mama“ einige Male sind einander nämlich darin ülmlid), daß sie beide mur mit anführt. Es trifft sich gut, daß Mills grundlegendes Tatjachen, unit (Sejchehnissen, mit Handlungen rechnien Büchlein über Frauenemanzipation eben in neuer Auflage fönnen. Mit den inneren Seelenfämpfen, welche der Epifer erschienen ist*); man kann deii eleganten Logiser jo bequem uns jo hübich erzählen darf, weiß weder der Gelehrte, noch mit dem rauhen Dichter vergleichen.

der Regisseur viel anzufangen. Solche Gefühle sind zit John Stuart Mill war cin Agitator. llnd wie alle fein für das grobe Sieb des Statujifers, wie für die solche schlechten Menschen, Agitatoren und Satirifer und groten Sinne des Theaterpublikums. llnd Garborg hat chrliche Buißprediger, welche die Farben nicht schwarz sich gar die fast 311 intime Aufgabe gestellt, das jernelle genug auftragen können, war auch Mill cin wahres Kind Problem, das ja die ganze gegenwärtige Litteraturin seinem Glauben an die unverlierbare (Güte der Menichen- beweging in Standinavien beherrscht, da z1i löjen, wo es natur und in jeinem Vertrauen auf die Zukunft der am 11nzugänglichsten cridheint, ein Mädchen 311 schilderii, Humanität. Er jchilderte das Weib als eine entwürdigte das mit aller Neugier imd allen Sinnen, inmitten einer Sklavin, aber er jah sie im Geist schon als die eberte gefährlichen Ilmgebung, naiv und brav vierundzwanzig bürtige und wohl auch auf Händen getragene (sienojin Jahre alt wird, gegen das Schickjal fämpft, imd endlich des Mannes, er sah die Gesellschaft 311 den schönen Zeiten müde gehetzt von innern und äußern Trangialen, um den des Mutterrechts zurücffchren, da die Erzeugeriil" des Preis ciner italienischen Reise, die brave" (waitin eines Bienenstocks and joine Stönigin war und die neujdhlichen fleinen alten Beamten wird, den sie jeit vielen Jahren ir Drohnen zur üblichen Jahreszeit vor die Tür geießt den „Tod von Lübec“ genannt hat. wurden.

Ich glaube nicht, das Arne (Garborg die bewußte Garborgs Roman lieji lich stellenveije wie ein Erempel Abjicht hatte, bei dieiem Seelengemälde die Früderic 311 311 den Lehrjäßcu des Philosophen. Aber er wäre fein ichonen. Vidi cher glaube ich, das die indirefie DarDichter, wenn es dabei sein Bewenden hätte. Arnie (arborg stellungsweise von jelbst all311 verleßende Einzelheiten alisist ein ganzer Dichter. Sir scheit allmählid) das Silicjal idilor Sic wir den ganzen Lebensfreis mit den ugen eines Mendi vor ims ich ausleben, und da dicics der fleinen Jami jeneit, in cauch ihre eigenen verbotenen Schidial ein typisches i!l, lo ist „Bei Mama“ eill gutes Sediukeni. llnd du das siind idljamvoll ist, so wird auch Buch. Ein nützliches obendrein.

die Edam der früden mir ilißerst jelten verleßt. llid Gut, und das soll in diesem Falle cinmal wirklich dod jagt (arborg mit jeltener samt alles, worauf is so viel heißen wie ichön“, ist das Buch durch jeinen automn. Viamentlich das idvierige Napitel, das ins Kunstwert. Wir ichen das ganze ciuiclide Familien! Fami) mit ihren beiden (Scipictiment zeigt, wie sie sich leben der meldin jo lebendig vor ims, als ob es auf der auf dem Wenboden verleden 1110 einander Dienstboten: Bühne vor uns stände; dabei sind die Stimsmittel oder geichidhten zulüijiern, ist ein fleine: Meisterwerf geworden. jo fcin, dass wir alles immer mir mit den ugen des ,,Bei Vama" il natürlid) auch ein wenig Tendenzheranwachsenden Sirausfopfes izan erbiiden. Ohne dai romani; ohne Tendenz 311 schreiben wäre ja gar nicht der Dichter 311 cinem Tagebuche icine Zuilucit nähnie', mehr modern. (9113 juni Schluje des Buches erfährt crircitert sich beim Lejor die Erfeninis des Lebenso mitjan), liuß all sic fleinen Seelenbcíchwerden, welche sic der Entwickeliing des Sindes. Penn wir anfangs sur wie ein heimliches Scandal quälteul, nicht ein Zeichen crfahren haben, das; Vater mo Mutter getrennt leben und cionderer Sit'lechtigkeit waren, daß es anderen Mädchen daß Fauni) „bei Pana“ Dumnger leidei, jo tie sich all nicht anders ging. . llnd der ritmet lie ani. ,,Dic ürgste inäblich der ganze abgrund vor uns auf, den die Ehe frage ihres Lebens war nu gelöst.“ dicícr beiden Eltern verdeďte. llnd noch höher steigen wir ich fürdic, rue (varborg hat mit diesem Buche Sic mit der geldin. Nachdem wir den Vater áls cinei viöliichen ärgite frago dos frauenlebeiis doch noch nicht gelöst. Trunkenbold, die Mutter als eine recht leichtfertige, genuja jonu innrt Mill wird mit seinen praftiichen Fragen jachtige Gans feunen gelernt habeii, giebt es cinen Augen immer wieder auflopfen und das, was dent Epifcr am blicf, in welchem wir init der Todter alles versichen und meisten intercisirt, zit den imponderabilien rechnen, imm alles verzeihen und diese Eltern als recht gute, jabuvade, welche iid ein rechter Dispenschaftler nicht z11 befümmern arme, geplagte Menschenfinder crfonnen lernen.

Sir aber lernen. Dabei, dar ein Menschenleben Recht in (Segenjas 311 Zbicu jcht (Barborg, men weder vom Statistifor noch vom Dichter vollitändig geer die Heldin, die Tochter dieser Elern, im Lebensfampic schaut werden fam. Ceren wir zufrieden, wenn sie

cinander zur Not ergänzen. *) Die şörigkeit der Frau. von john Stuart Mill

. 91115 dem Englischen übersczt von jenni Dirid). Tritto ulage. (Berlin. Verlay von E. Berggold. 1991.)

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

Litterarische Neuigkeiten.

Otto Mora und H. Thoele: veidnische Bejdidien. Novellen

aus dein gutertuni. Leipzig, W. Friedrich.

Die hier dargebotenen zwölf „heidnijden Geschichten“ verdienen Dr. Þeinrich Pudor: Sintlichkeit und Gciundheit in der

die Bezeichnung Novellen nidht. Es sind kleine Erzählungen, Musit. Dresden-N., Verlag von Oscar Tamm. 1891.

Skizzen, Sitionbilder, die Episoden aus dem Leben bekannter und

unbekannter Persönlichkeiten des römischen und griechischen Alters Pudor behauptet in seinem Schristdien, daß die heutige Mujit tums behandeln. Wie es bei allen ähnlichen Erzählungen ist, jo vollfommen krank jei: „Die Zeit Wagners war frant. Deshalb auch hier: vor der Dichtung tritt die Wahrheit mehr oder weniger war er krank. Deshalb war seine Musik frank.“ Man müsse zu zurück. Dod) sind die dargeitelten Charafteré glaubhaft und interesjant,

Johann Sebastian Bach zurückkehren. „Die Badhiche Musik ist ge und der Stofi, der bald tragisd), bald humoristijd ist, entbehrt nie sund. Bach freut sich am Leben. Bach ist Blumé und Blüte des Feifelnden. Vor allem aber sind die Erzählungen und das der deutschen Volksseele“. „Bach ist drunten im lieblich:n Tale, wo ist meiner Meinung nach das beste an dem Buch in einem sehr munter die Bächlein fließen, wo Wiesen grünen, wo Blumen blühen.“ ! flotten, frischen iind gewanten Stil geschrieben, der sich jeder Situation Vernünftig sei schon, von Wagner zu Þizet überzugehen, wie Nietzsche anzupajjen weiß und nic den Leser ermüdet. Freilich muß man getan, oder zu Mascagni. „Mascagni kommt von Bizet her. Seine noch einige Schwächen mit in den Kauf nehmen. So wird z. B. in Musik ist gesund. Auch sie läuft auf zarten Füßen.“ Sie ist nicht zu vielen Erzählungen über den Interjdied zweier philojophischer nervös. Sie hastet udht, sie hustet nicht. Sie pestet nicht, sie pustet Nidhtungen, besonders der stoischen und der epikuräischen, gejprodien, nicht. Sie isi liebenswürdig, jie „jdhwißt“ nicht. Aber am besten i und das noch dazu meistens in ziemlich oberflächlider Weise; oder, jei es, den Berg ganz hinunterzulaufen bis z1 Badı. Das Schrift in anderen Erzählungen, 311 oft von dem Gegenjat des alten (Götterchen wäre ganz verniinftig, wenn es vernünftiger geschrieben wäre. glaubens und des Christenglaubens. Auch artet der flotte Er

A. D.

zählungston manchmal Ž. B. in der Schilderung des Perifles
und jeiner Zeitgenossen in dem Sittenbild „Jeunesse dorée"
in einen etwas Serben Bierhumor aus, jodaß man kaum weiß, ob
die Geschichten ernst gemeint sind oder ob sie eine Satire oder
Parodie auf das Leben und Treiben der Alten sein sollen. išmmer-

hin ist das Buch in seiner gefälligen Anspruchslosigkeit eine Lektüre, A. Gedan: Egbert. Schauspiel in fünf Aufzügen. Bajel, Benno

die manche Leser finden und fesseln wird.

Vöber. diwabë. 1891. Ein unmögliches Stück in unmöglicher Sprache! An einigen Stellen glaubt man eine schlechte Prosa-liebersetzung eines französischen Stückes überwundenster Zeiten vor sich zu haben: „Es ist mein Herz, welches spricht!“ Die im Stüde behandelten Themata werden in langweiligster Antithesendialektik von allen Seiten beleuchtet und die Wiszmann: Meine zweite Durchqiuerung Afrifas. 1891. einzelnen Betrachtungen, z. B.: über die freie Liebe, den verschiedenen Personen nach einem nicht ganz durchsichtigen Verteilungsplane zu=

In dem vorliegenden Bande schildert H. v. Wißmann in knappster

Der gewiesen. Denn, von Charakterzeichnung keine Spur! Die Personen

Weise seine Arbeiten während der Jahre 1886 und 1887. Des Stückes lieben und hassen, verloben sich und verzichten, glauben

Nönig von Belgien ließ Wißmann die freie Wahl, entweder an der und zweifeln, wie sie fommen und gehen, nach der augenblidlichen Verwaltung der Kongostaaten sich zu beteiligen, oder jeine angefangene Laune des Autors. Man wird an das Boss-Puzzle-Spiel crinnert.

Forschung zu vollenden. Wißmann wählte das leştere, da er dann Der Autor ichiebt die Personen wie die Steinchen hin und her, um

fein cigener Herr sein konnte, während er in anderen Falle dem sie zum Pasjen zil bringen, aber er hat das Geheimnis nicht gelöst

General-Gouverneur der Kongostaaten unterstellt wurde. und muß zuletzt doch einen Stein herausnehmen. Dieser Stein ist

Bezeichnend ist, das schon während jeines Aufenthalts in Egbert. Daher der Name des Stücs.

A. D.

Madeira v. Wißmann sich an den damaligen Kronprinzen, nachmaligen Kaiser Friedrich, mit der Bitte wante, in dem deutschen Nolonialgebiet angestellt zu werden. Da sein Gesud) fein Gehör fand, begab er sich auf Reisen in den Kongostaat, wo er bald mit seinen ihm sehr befreundeten Gefährten Stabšarzt Wolf, - derselbe ist jeither in Togo während der lörung seiner ihn gestellten Äur

gabe vom Leben zum Tode abberufen worden Zusammentrai. ♡umanus: Die naturgemäße Entwid lung des Menichen

Mit Genugtuung jicht Wißmann, daß Wolf eine florirende Station und Goethes Faust. Eine neue Würdigung der Faust:

angelegt hat, und mit seinem Freunde begiebt er sich zu den Baschilange, dichtung. Leipzig, 1. G. Findel, 1891.

weidie" Wißmann jubelnd empfangen. Mit Vergnügen liest man

den Teil der Erzählung, in welchem Wißmann die von ihm unter Der Autor behauptet, dass die menschliche Eniwidlung fidh diesem Wölferstamme eingeführten Verwaltungsmaßregeln schildert. nach dem Schema: Hingabe, Verinnerung und Bericiblichung voll Weiteres Pordringen in dem Lande der Baluba wird durch ziehe. Die Hingabe dhaift den zu verarbeitenden Stoff, die Ver Munitionsmangel und das feindliche Verhalien der Eingeborenen innerung zieht die Duintessenz aus dem Stone, die Verleiblichung verhindert, und Wißmann fchrt nad jeiner Station Luluaburg ist ein Formen des im Lebensprozes Gewonnenen, zuerst nach) innen, zurück. Nach längerem Aufenthalt aui diejer, wird Vißmann durdi dann nach außen. Der Autor behauptet, daß Goethe den Fauit die Anfuunit des Dolmetsdiers (Germano mit Warenvorräten in den jechsmal dicíen dreigeteilten Entwidlungsgang durchmachen laijo. Stand geseyt, jeine längit geplante große Neije ostwärts anzutreten. Der Autor behauptei und führt mit icincii Vehauptungen ein iehr Während dieier lernt Wiszmann den Sklavenhandel der Araber in seiner schönes, reich mit ornamentalem Beiwert perichenes ( bäude auf. ganzen Scheußlidikcit tennen, bejonders da er bei längerem Aufenthalie Nur schade! or rechnet bei jeinen Beweisen zu starf auf die gutmütige inter den letzteren Gelegenheit hatte, deren Treiben und Tuin aus Folgiamfcit ieiner Lejer. Pon großer Widrigkeit ist ihm bas Citat nächster Nähe zu beobachten. jedenjaus ist es diese Pcriode seiner von den zwei Scelen:

Tieiien, in welcher Wißmann die tiefe Abneigung gegen das Araber

tum faßte, gegen welches er, wie er jelbit jagt, später berufen wurde, Die cine hält in derber Liebesluit

den tötlichen Sclag zu jühren. Tror der großen Eile, mit welcher Cidh an die Welt mit klammernden Drganen

das Buch gejchrieben ist, giebi es dod cine" wolgeordnete llebersicht hier rigt der Autor in silammern hinzu: Verstand

über die Ärbeiten Wißmanns und dürite einen großen Leserkreis Die andre hebt gewaltiam sich vom Tuit

mit lebhaftem Interesje erfüllen.

: zu den Gefilden hoher Ahnen hier jteht in Klammern: Gefühl. Wenn aber der Leier num dent Berstand die derbe Liebesluit nicht zugeftchen wil, wozu er alles Recht hat: dann fracht cine Mittelsäule, auf welcher daš (ve wölbe ruht. lind das frachtnud noch hier und dort, so daß man das Vertrauen 311 dem ganzen ichönen Bau verlieren mulz.

2. D.

i !

[ocr errors][merged small][merged small][merged small]

- für Sitteratur. *

1832 begründet

Verlag
don
Sserausgegeben von Fritz vauthner und Otto Neuman-Hofer.

von Josepb Lehmann.

5. & p. Lehmann. Redaktion: 2Berlin W., Körner Straße 2. Brioeint įeden Sonnabend. – Preis 4 Mart vierteljährliq. Bestellungen werden von jeder Buchhandlung, jedem Postamt (11r. 3589 der Postzeitungsliste), sowie vom Verlage des „Magazins“ entgegengenommen. Anzeigen 40 Pfg. die dreigespaltene Petitzeile.

a Preis der Einzelnummer: 40 Pig. 3o

60. Jahrgang.

Berlin, den 23. Mai išgi.

Nr. 21.

Puljalt: Marie v. Ebner-Eschenbach: Margarete. Dr. Albrecht Och ü 130: Die internationale Kunstausstellung. II. -- Rudolph (enec: Shafeipcares dramatijche serfc. - Curi (brottewis: Das Journal der Goncourt. Maurice N. v. tern: (Wedichte. fritz Mauthier: Das Treier Danfmal für wandı, Mozart und Beethoven. Muitatili: Der Banjir. E. Nosmer: Erblindend. Viticrarische Chronik

Auszugsweiser llachdruck fänımtlicher Artikel, außer den novellistischen und dramatischen, unter genauer Quellenangabe gestattet.

Linbefugter pacidrucli wird auf Grund der Gesetze und Verträge verfolgt.

Margarete.

jehe, wie die Sachen stehen. Sie werden mich jetzt ver

lajien und aufatmen und mich vergessen. Ich bin nur Von

wie ein Schatten an Ihnen vorbeigeglitten Ich! marie v. Enner-Efdje ubaci.

mit dieien Höllenqualen in der Brust uur -- wie ein lýortịctung.)

Schatten!..."

„Sie könnten jich nichts besjeres wünschen!" entRobert blieb stehen, und sie sprach:

gegnete er mit kalter, mit gewollter Craniamkeit, „Ich möchte wissen, ob ich Ihnen nur ein Mial Margarete jand nod) immer neben dem Tiscti, auf etwas anderes gewesen bin, als ein verförpertes llnglück, dem ihre Werfzeuge lagan. lliter dicien befand sich ein an dem Ihre Barmherzigkeit sich 311 übent verlangte?... scharf geidliffenes Metierchen. Das ergriff lie iind behielt Cb ich 3hneit einen Augenblick etwas durch mich jelbit es in der Hand. gewesen bin -- etwas, das nur ich Ihun iein fomte

„Der Meinung bin ich nicht!" lachte sie mit überich, Margarete!"

mütigen wohne. ,,Die meine ijt: Sleichviel wie Sie ,,Nein!" wollte er ihr antwortent, abgestoßen durdo an mich denken - an mich denfen jollen Sie!" die Entschiedenheit, mit der sie einen persönlichen Anprud)

Robert ziicfte die liseli und schritt auf die Tür 211. auf ihn erhob. Aber noch hielt er an sich, imterdrüdte im jelben Augenblick vernahm er einen Schrei und fühlte das Wort und - crscraf, als sie selbst es aussprach:

zugleidh cinen stechenden Schmerz an seinem Nalje. ,,Viein ... Nein also!" „Sie brauchen nichts mehr zil sagen“, fuhr sie nach die Sinnlosc" 311 Boden, die siatt zurücfzuiweichen nach

,,Sdlange! ..." rief er, wandte sich in und schlcuderie furzer Pause in flammender Erregung fort. „Sie brauchen den Mund nicht zu öffnen, denn Ihre Augen idreien!... ihrer tollen Tat, ihre Arme um ihn geworfen und

Lautlos

ihre Lippen auf seine Wunde gepreßt hatte. Ich bin 3hnen nichts gewesen - nichts ... Sie haben mir mit vollen Händen gegeben, aber was war das? ! winden, das sie frampfhaft umflammert hielt. Nad)

stürzte sie nieder. Robert iuchte ihr das Meijer zit entwas half mir das? ... Was giebt man denn, wenn man

kurzem Ringen drückte sie es ihm plötzlich selbst in nichts giebt von seinem Selbst?“

| die Hand. „Sie sind toll!" rief er, und der ganze Widerwille, den der Ausbruch einer Leidenschaft, die er nicht teilte, in

,,Stoß zu! ich will sterben! Viach ein Ende!" ihm entfesselte, fam in dem Ton dieser Worte und in „Besorgen Sie das selbst!“ war seine Antwort. der unsäglich wegwerfenden Geberde ziim Vorschein, mit Er warf das Mesjer neben sie hin, 30g sein Tuch der er sie begleitete.

aus der Tasche und suchte damit das an seinem Hals „Toll? o nein!... ganz bei Verstand, ganz klar. Ich : herabrinnende Blut zu stillen.

[ocr errors]
[ocr errors]

Margarete blickte 311 ihm empor, und der Ausdruck mit wilder Grazie über dem Haupte erhobenenen Armen. der Verzweiflung in ihrem Gesicht wid, dem einer pein Ein majestätisches Bild der Verzweiflung niani famn lichen Angst.

fich nicht satt sehen. Freilich – mit mir wollen Sie ja ,,Es ist nichts ein Riß in der Haut“ sagte sie,

leider nicht fofettiren." bemüht, sich selbst z11 beruhigen, „ich habe Ihnen nichts

Margarete gab feine Antwort, aber sie richtete sich Sieh mir, ich möchte dir weh tun und fann es langsam auf und begann ihre Haare in Ordnung 311 nicht ich möchte dich hassen und muß dich lieben.“ bringen. Sie schleppte sich auf ihren Knieen zu ihm, faltete die

Steinau ließ sie nicht aus den Augen. Hände und begann von neuem.

„Der Heilige hat Sie aljo verworfen. Wäre das „Herr! id) habe mein Kind durch Sie verloren und

nicht der richtige Moment, um ein Bündnis mit dem UnSie durch mich nur einige Tropfen Blutes ... bin id heiligen zu schließen? Wir würden uns verstehen, Sie,

und id). nicht großmütig, wenn ich sage: Mujere Rechnung ist

Wir haben dasselbe Schicfjal. Wir lieben und getilgt? ...“

werden nicht wieder geliebt.“ Ihre Stimme wurde immer weicher und flehender:

„Vergleichen Sie sich doch nicht mit mir!" rief ,,Mehr als getilgt --- ich steh' in Shrer Schuld, ich bereite,

Margarete.

„llud warum nicht? Sie verschwenden die schönsten ich will büßen ... Legen Sie mir eine Buße auf die ichwerste!... Wie kann ich Ihre Verzeihung erringen? Gefühle an einen, der gegen Ihren Zauber gefcit ist, ich

verschmachte vor Schnjucht nad Jhuen, der ich nicht mehr Was Sie gebieten, werde ich tun: in die Schule gehen

bin als der erste beste. „Id verschmachte," wiederholte er und lernent – in die Kirche gchen iind betent -- imm

init bitterer Selbstverhöhnum. ,,Alles, was ich noch (Glück für Sie, im Kraft für mich ... Verlajjen Sie mich

übrig habe an Vernunft, schwebt über dem Abgrund meiner mr nicht ganz! fommen Sie uurinenchmal 311 mir --

Leidenschaft, sieht ihrem Toben 311 und muß beschämt gewenn auch noch jo selten – wenn auch nur in Wochen,

stehen: Tie ist echt und umüberwindlich. Es gicbt nur in Monaten cin cinziges armes Mal, in einem verlorenen

ein Mittel, sie vielleicht los 311 werden: Man muß fich Augenblick ... Tun Sie das, und ich werde wieder an dic

ihr auf Brade und llugnade ergeben." (Hüte glauben, an die Barmherzigkeit ... Werden Sie

Margarete lachte: Das gilt für Sie. - lind ich?" kommen manchmal fommen, Jerr?" Sie beugte sich

„Sie sind ein Weib und mögen juchen sich zu benoch tiefer, ihre Stirn berührte beinahe die Erde -- aber

kämpfen. Ein rechtes Weib tut das nie umsonst,“ diese lliterwürfigkeit rührte ihn nicht, sie reizte ihn, imd

Steinau stand auf und trat zu ihr: „Statt sich der ohne zögern ifrad) er:

Verzweiflung 311 überlassen -- was doch gar zu schmeichelNie wieder!"

haft für ihn wäre – überlassen Sie sich meiner FühDie Regung des Mitleids, in welche die Mitleids.

ring. Wir sind leidensgefährten, daraus kann eine werte bettelte, er hatte sie nicht. Das war ja der Bann,

gute Naincradidaft werden. der auf ihm rithte

Gehen wir denn als gute . Os gab сinen Mangel in jeinem

Kameraden ein Stück Weges durd, das Leben. Ich suche Reichtum, eine Grenze für eine (üte, imd jen jeits der:

Heilung, Sie suchen Vergessen, wir fönnen cins durch das jelben Härte und Ilnerbittlichkeit.

andere finden, was uns 110t tut." lind so war es denn ein incrbiuiliches „Nein“, sao

„Vergessen wäre gut,“ sprach Margarete. ,,Werden cr dem Scibe zurich, das sich weinend zi1 seinen Füßen

Sie mich vergesien lehren? trauen Sie sichs zıı?" wand, und das Abichiedswort, mit dem er sie verließ,

,,Mir – und der Welt," erwiderte er ind streckte ihr ein Sdnvur, ihre Schweile nie wieder zit übersdireiten. Ein Schrei rajender silage gellte ihm nach. Margarete | finfen ließ.

seine Hand entgegen, in die Margarete langsam die ihre warf sich jammernd auf die Stelle des Bodens nieder, die eine Spur von seinem Blute trug. So fand sie nach einer Stunde der zurückkehrende

VII. Cicinan.

Mit Ilmvillen betrachtete cr fic, dic fich bei seinem Graf Steinau schien die ganze Stadt zur Vertrauten Eintreten nicht regte und sprach:

des Stückes machen 311 wollen, das er mit Margaretens „Nun Margarete, wollen Sie sich nicht erheben aus Gunst errungen hatte. Dic bisher völlig unbekannte Ihrem Jammer? Sie wollen nicht?

Schönheit wurde als jeine Geliebte zum Gegenstand der Aber gestatten Sie mir, Ihnen Ihre Lage wenigstens allgemeinen Aufmerksamkeit. Man sprach viel von ihr etwas bequemer zu machen.“

in der Gesellschaft, sie feierte die größten Triumphe, fie Er holte ein stisjen herbei und schob es ihr uinter fam in die Mode. Es gab Leute, die ihr eine glänzende den Kopf. Dann jetzte er sid, ruhig ihr gegenüber. Zukunft prophezeiten. Sie wird ein Dußend Grand

„So. Jeßt wird gewartet, bis es Ihnen genehm sein Seigneurs ruiniren und den dreizehnten heiraten, hieß es. dürfte, Notiz von meiner Gegenwart zit nehmen. Endlich alle jungen Herren waren in fie verliebt, und die alten werden Sie jich doch herbeilasjen aufzustehen. Sie find waren es noch mehr. Sogar die Tamen, besonders die freilich ganz prächtig in dicjer theatralijden Stellung, mit cleganten und gefeierten, bewunderten von weiten die dicicu rollenden Augen, diesem aufgelösten Haar, diejen i „berühmte" Margarete, die außer ihrer föniglichen

[ocr errors]

Auch gut.

« ForrigeFortsæt »