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herausgekommen ist. lind Dilettantismus ist nur in der Auch die beiden übrigen Stücke des Bandes sind nicht Lirik crträglid), dort mitunter sogar erfreulich): im Drama gute Dramen, aber sie gehören dem höhern Dilettantismus an aber wäre es auch dem Genie nicht gestattet, dilettantisch und beweijen, daß Carmen Silva auch dann cine Dichterin zu arbeiten, denn der Dilettant arbeitet wesentlich zu jeinem bleibt, wenn sic versucht für die Bühne zu schreiben. eigenen Vergnügen, der Dramatiker aber darf nicht einen „Tämmerung" ist eigentlich weniger ein Drama als ein Augenblick an sich selber denfen, wenn er Erfolg haben will. Irrtum. Es ist klar, daß diese Ballade in Dialogform um Will man die Anwendung des Wortes Dilettant in einem

nichts mehr dramatisch ist, als Schillers „Silage der Ceres" weiteren Sinne gestatten, in dem Sinne, in welchem auch

oder ähnliche Gedichte. Zu der verlassenen Gattin eines KreuzCarmen Silva gewiß nichts gegen solche Bezeichnung etwas

fahrers kommt dessen morgenländische Beliebte, und die beiden einzuwenden hätte, so war auch unser größter Dichter cin

Frauen tauschen ihre (Bedanken über den geliebten Toten aus. bischen Dilettant. Ter reife Goethe hatte vielleicht ein tiefereá Taujdhandel mag das sein, aber dramatische Handlung nicht. Kunstverständnis als irgend ein Dichter vor und gar nach ihm:

Es ist nichts weiter als ein ausführlicher Botenbericht. Ebenso der schaffende Dichter aber, bis etwa zu dem Alter, in welchem

gut fönnte die Erzählung des schwedischen Hauptmanns im ungefähr Naffael und Mozart starben und in welchem Goethe

„Wallenstein“ z11 cinem jelbständigen Einafter umgewandelt sein Genietum begrub, der schaffende Goethe war naiv wie ein

werden: die Sentimentalität ist beim Berichterstatter und bei Dilettant und konnte darum als Lyriker llnerhörtes empfinden

der Zuhörerin ohnedies schon genügend vorhanden. Und trotz und sagen und konnte wieder als Dramatiker einzelne Szenen

alledem schwebt über diejer einaftigen Ballade Doch echte fast zusammenhanglos wie zwanglose lyyrische Gedichte neben

dichterische Stimmung. Nicht das historische Nolorit ist echt: einander setzen.

im Gegenteil, Carmen Silva verlegt ihre historischen (Bestalten

am liebsten in ein Märchenland und pußt sie dort nur mit Wer nun aber keine solche Urkraft ist wie Goethe, jollte

etwas Theaterkostüm heraus. Aber imbefümmert um historische wissen, daß nur strengste Selbstzucht denjenigen zu einem er

und menschliche Wahrheit geht doch Poesie durch das Ganze: träglichen Dramatiker machen kann, der von Hause aus eigentlich Pocjie berührt mit den Spigen ihrer Füße dic Grashalme keiner ist. Sowie es auf hundert psuschende Maler kaum zehn

des Thals, jo hätte man vor hundert Jahren von Carmen pfuschende Bildhauer geben wird, aus dem einzigen Grunde

Sylva jagen fönnen. nicht, weil das Bildwert rund ist und von keiner Seite aus

Weitaus das beste Werf der tleinen Sammlung ist das mit Flausen täuschen kann, weil der Dilettantismus sich also

dreiaftigi Drama ,,Marivara“. Es soll nach einer rumänischen auf den ersten Blick verraten müßte, so ist der schriftstellernde Sage gedichtet sein und in einer halben Märchenwelt fühlt dic Dilettant im Drama am schlimmsten daran, weil jede Bestalt Dichterin jich woler. Freilich zerjchlägt die Somposition ganz der Gattung gemäß Leben verlangen darf und ihren Schöpfer keck die ersten Forderungen des Tramas. Shakespeare und der anklagt, wenn feine Schauspielkunst ihr Leben einzuflößen

inzuflösen Dilettantismus dürfen es wagen, uns eine Schauspielerin zuerst vermag.

als junges Mädd;en und noch an demselben Abend als Mutter Die großen Genies wie Goethe und andernteils die be- crwachsener Söhne 311 zeigen. wußten Reformatoren der Bühne, wie etwa Hebbel und Otto

uch sonst nimmt es die Dichterin mit der Einheit der Ludwig durd brechen die festen (Bejebe der Bühne. Die andern Zeit nicht sehr genau. lind mit den anderen ernsteren Einunterwerfen sich und heimsen Lob dafür ein. Denn nur die heiten noch weniger. llnd doch

heiten noch weniger. lind doch - wenn man ,Marioara" in Naivität eines Hocthe oder das freie Märtyrertum cines

guter Stimmung ;ll Ende gelesen hat, verläßt man eine gut Reformators fann es crtragen, daß das Publifun Achtung vor

litterarische (Wejcllichaft, in welcher ein feiner Senner ru den alten Gejeßen verlangt, welche das Publikum für seine mänischer Voltspoesie und cine tief empfindende vornehme eigenen Geseße hält. Die anderen Schriftsteller, die nicht be

deutsche Frau abwechjelnd das Wort geführt haben. Und man wußte oder unbewußte Reformatoren sind, werden von der

bedauert, dass diese Fülle schöner lyrischer Szenen nicht mit Not des Lebens, und wäre es auch nur von der Not des festerer Hand, incinetwegen selbst mit der Band eines TheaterSchriftstellerlebens, aus dem schönen Traum des höheren

handwerkers zusammengebunden sind. Man würde, wenn die Dilettantismus hera.lêgerüttelt, aus dem Dichtertraum, cin nötige Nunst darauf gejeßt wäre, nicht so oft das Gefühl haben: Dramatiker könne für il suo diletto, zu seiner eigenen Lust, Schade, daß so gute Poesie hier zii nichts mehr als zu einem schaffen und wirken. lind das; Carmen Sylva Sic Not des Dpernteät verivant ist. Schriftstellerlcbens nicht kennen gelernt hat, das mag dazu bei.

Daß das arme Menschenherz nicht auf einen einzigen getragen haben, jie in cinem gefährlichen Zustande bald des

Streich fällt, daß es sich langjam zit Tode ringt, das ist be höhern, bald des niedern Dilettantismus zu erhalten.

fanntlich ein ("tück für die lyriiche Poesie. Bei großen Dichtern

fann ons Herz in zwanzig und mehr Vogen gebrochen werden : Von den Stücken des vorliegenden Bandes sind darum

aber ,stückweise" sollte es nicht brechen. Alle Blut und aller einige nicht ganz ernst zu nehmen und es wäre ebenso leicht Schmerz des Lebens, der in Gedichten zu Worte kommen tann, wie lustig, die Dichterin ein wenig zu persijiliren. Der Sdwant | sei verbannt, wenn der Dichter mit solchen Einaftern die „Herrn Daniels Witwen“ wäre vielleicht sogar bühnenwirkjam, Bühne erobern will. aber der glücklichste Erfolg bei einem Sonntagspublikum würde dem Ruhm der Dichterin nicht gerade zuträglich sein. Der Einakter „Am Verfalltag“ spielt mit einem tragischen Sionflikt, der an Heuses ,Ehrenschulden" crinnert; aber ich zweifle nicht daran, daß der Schluß des aufgeregten Dramas ein kritisches Publikum in eine sehr ungewollt fröhliche Stimmung verscken würde. Auch die Gräuel des Trauerspiels ,,Ullranda“ und die Familienrätsel von ,, Loïje" wären für die Bühne nur schwer zu gewinnen, und gewonnen wohl ein sicherer Verlust.

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Litterarische Neuigkeiten.

Dem Schauspiel „Außerhalb der Gesellschaft“ von Arthur Zapp geht cine Einleitung voran, überschrieben: „An die sritif“. Der Vers jajjer teilt uns darin mit

, daß er join Schauspiel nicht in der Abficht druđen ließ, „um die Zahl der unglückseligen Buchdramen zu

vermehren, jondern im an die Kritik dic frage zu richten: Ist das Kauffmann, Friedrich: Deutsche Mythologic. 107 S. Stutt: Schauspic! „quierhalb der Gesellschaft“ cin bühnengerechtes Stück gart. 1890. G. f. Göschen.

und verdient es die öffentliche Aufführung oder nicht?“ VeranDas Büchlein bietet eine interessante Lektüre nid)t blos, jondern lassung zu diesem Schritt gab dem Verfajier die Ablehnung seines aud) die schävenswerte Frucht tüdhtiger Studien; jo ist es namentlich Schauspiels jcitens dreier berliner Direttoren, die allerdings dem der gebildeten Jugend 311 empfehlen, aber auch allen denjenigen, ! Stiid ihr Lob nich: vorenthielten, fidi jedod nicht zur Aufführung welche an der Hand eines fundigen führers durd) die vielfach ver: derielben entid)ließen konnten. Herr 3app denkt aber auch: idhlungenen Jorgänge pangermanisdier Mythologie geführt sein wollen. Seltjam ist es nur, daß der Verfasser unter „einen Hauptquellen

Wir wollen weniger erhoben

jein.“ das Büchlein von Petersen „lleber den Gottesdienst und den Götter:

lind fleißiger – aufgeführt glauben des Nordens während der Heidenzeit" anführt. Das er ! Wir können ihn durchaus nicht llnrecht geben und müssen auf seine die Phantasieen des Herrn Bugge, wenn auch nur teilweise, billigt, Frage: jít das Schauspiel „Qußerhalb der Gciellschaft“"ein bühneniit zi1 bedauern.

geredles Stüc und verdient es die öffentliche Ausführung? mit Die Einleitung „Der lIntergang des germaniichen Heidentumis“ eineni „lauten, vernehmlichen ja" antworten. Es sind in den letzten ijt gewant und mit Verständnis geschrieben; cinige fatholikenfeindliche Jahren viele jdlcd)tere und nicht so sehr viele beijere Schauspiele Wendungen hätte er jich und den Lejern ersparen dürfen. jjt es über die Bretter gegangen, und che man uns mit mittelmäßigen übrigens" sein Ernst, wenn er drei Mal au ciner Seite „arrianijd" Werfen ausländischer Autoren überhäuft

, sollte man sich endlich entdireibt? Der Mann wird doch uniers Wissens "10=20$ oder '10109 schließen, auch unsere einheimischen dramatischen Sdriftsteller mehr geschrieben? Der Schlußjaj, daj; auch bei den Germanen die zu Worte fonmen zu lassen. Das vorliegende Werk hat Ansprud) Religion nichts anderes gewesen jei, als der in jafraler Form zu darauf, aufgeführt zu werden ; ob es einen unbedingten Erfolg Tage tretende patriotismus, ist sehr schwer verständlich und höciít : davontragen wird, ist eine andere frage. Der inhalt ist fola anrechtbar.

gender: gedwig, die angetraute Gattin des Geheimen KommissionsDer Abichnitt „Die Götier“ behandelt sein Thema klar und rats Bender, ist dieie Ehe aus praftischen Gründen eingegangen. fuapp. Die Wanen dürften aber nicht finnischen, sondern alt Weil der Egoismus bezw. das Schuldenconto) meines Bruders littauijchen oder slavischen Ulriprungs jein. Ilnter den „feindlichen es so verlangte, mußte ich mich (aus Behorjam gegen die Eltern) und freundlichen Bewalien“ sind die Riejen ungenau charakterijirt. : an den Meiitbietenden verkuppeln lajien.“ Aber dieies 3 ujammen: ihre Doppelnatur ist leicht erklärlich: die Gestalten der urweijen leben mit dem unsympathischen, ungeliebten Manne konvenirt ihr lrgötter sind mit denen der Kicjen, der Vertreter der rohen Natur auf die Dauer nicht. Ihr „Ehrgefühl“ empört sich und da „das Frütte, in Eins verichmolzen worden; bei den späteren Teufeln iit Nedit auf Liebe" in ihr erwacht, löit sie die Ehe mit Bender, indem ja dasjelbe der Fall.

fie cințad, jein Haus verläßzi, zu ihren geliebten Freund dem Doktor im Ferneren wird nun die eigentliche Mythologie in knappen Eidbach fluiditei, dem sie sich zu cigen giebt, mit limgehung des

energischen Zügen entworien; wir tennen kaum ein Buch, das Standesamts. Das (Viciühl der Ehebruchs empfindet ië bei dieser anj io furzem Raume io tüchtiges leistet. jn einer neuen Auflage i Sandlungsweise nicht. fönnte der Verjasser wol hic und da cinen oder den andern unnützen nationalistischen Ausdrud weglaijen. Wenn er anführt, das; ein

Dedwig: Weißt du, daj ich gar nicht das Bewußtsein habe, Serr . laftan (jedenfalls derselbe, den man als professor der

gegen Sejev und Sitte ju handeln, gleichsam aufer: Theologie an die Berliner liniversität berujen hat) „die riot oder

halb der Gesellschaft zu stehen?“ ebenjoivol das Allgemeine, welches in der Not am viiteriten erlebi Tod) die idylle voll frieden und Glück an der Seite des an: wird, nämlich das Gefühl des Mensdien von der linsicherheit seines gebeteten freundes wird rauh zerstört durch die Angriffe und išeindLebens und der Güter, die er hochhält“, als Motiv der Religion feligteiten der Menichen. Dottor Ejdibach ist es ieiner Stellung als hinstellt

, jo mag das für die freie Gemeinde ausreichen. Aber io iit abgeordneter schuldig, in Berlin zu leben. Sein Anjehen in der es auch begreitlich, wenn jid) ipäter der jonderbare Ausdrud findet: Gesellschaft jowic vedwigs Nuf leiden natürlich durch das Ver: „Der Zauber ist für den heidnischen (Bermanen dasjelbe, was für hältnis ihres Bertehrs. Hedwig ist bereit, Alles zu crdulden, nur den Christen das Bebet“; und darum heifzi es and am Schlusse dem geliebten Manne muiz jeder Angriji eripart bleiben; und io Der große, unbekannte (Gott, dem die heidnischen Athener einen jicht jie įdhließlich kein anderes Mittel, ihn vor Temütigungen, deren Aliar errichtet, ist bereits [?] in das Bewußtsein der heidnischen llrheberin zu ieint sie jich jelbii beichuldigi, zu bewahren, als sic) Nordländer getreten, sein Weltregiment iit in den Weisjagungen der mit einem Vevolver, der zu diejem zweď cuvas gar 311 absichtlid nordischen Zäuberin angekündigt“. Die Lehre von den neuen Welten auf die Bühne gebracht wird, zu erschießen. Dieier Schluß ist ist nicht jảngeren llriprungs, wie der Verraijer meint; der (Wout. vielleicht theatralisch wirtjam, aber keine erschöpfende, beiriedigende der an drei Stellen der jo älteren Edda erwähnt wird, der wahre, : löjung des Konfliktes, sondern lediglich ein Senallefickt. "Nb: geoñenbarte Gott ist nicht derjenige, den nadı Derrn . Bugge erst geichen von drei überflüisigen und erwas abgeschmackten Scenen die christlichen Priester importiri haben, jondern ein verschleierter, it., 5. und 9. des 3. Aftes), zeichnet jich das Schauipiel durch eine aber niod) wol empiundener Begriff aus urältester Vergangenheit. geschidte „Macie“, durch einen intercijanien Vorwuri und durdi go

L. frentag. wante, geistreiche Spradie aus, und es wäre zu bedauern, wenn es

: dem Verrajier intjächlich nicht gelingen sollte, jein Wert auf einer berliner Bühne zur Pufführung zu bringen.

f. Wassilij ywanowitsch Nemirowitich Tautichenfo, vinter den

Mulinien. Roman. Bebersetzt von Aleris Markow. Berlin.

Verlag von Vichard Wilhelmi. 1891.

in der Vorrede zu vorliegendem Tioman gicbt uns der Ueberieber eine Biographie des Vertajiers mit dem langen Namen und teilt uns mit, daß seine Dichtungen in Nufland in ganz kurzer

X zeit mehrere Auflagen erlebten und zu den bedeutendsten Werfen ! der russischen Litteratur zählen. Da in Tcuisdiland bisher nur eine i kleine Novelle befannt geworden, „weldic jofort die Aufmerksamkeit der weitesten Streijc auf jich lenfte," hat Herr Marťow es unternommen, uns „Hinter den Hulijien“ ins Deutsche zu überjejen und glaubt, daß dieser größere Roman auch den Beifall de: Bublifums finden wird. ich fürchte, Herr Narrow täuscht sich in dicier A11nahme und wird mit der liebericbung ciner langweiligen Theater

Qus berjehen ist in der leßteu Nummer des „Magazins" als intrigue, die sich an einer ungenannten rujjiiden Bühne abspielt, die Verfajier des Artikels „Weimars klajiische Theaterzeit“ Lothar Aufmerkjamfeit der weiteiten Streise wieder von verrn Wasilij Schmidt anstatt Arthur (noldichmidt angegeben. wanowitsch Nemirowitidi-Dantichenfo ablenfeii.

F.

Anläflich der siritik umjers Fl -diorrespondenten von Julius Hart: „Sump“ inacht uns øerr (Georg Zimmermann, der Regisseur der „Icutichen Bühne“, darauf aufmerkjam, dajz ihn für dic Nidt

ausmerzung der Weitjdhweifigkeiten des genannten Dramas kein Vors Arthur Zapp, außerhalb der Bejellidait. Schauipici in wuri trente, da er ein ganzes Drittel des Stüces gestrichen, an

4 ufzügen. Berlin. Richard Eckstein Vadi. Hammer 11. weiterer êtreidung indeijón vom Verfasser verhindert worden sei. Jiunge). 1891.

Die Red.

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Verantwortlid):

Dr. (Surt (grottewiß, Berlin.

Verlag von 8. & P. Pehma 11 11, Berlin W., Körnerstr. 2.

Gedrudt bei N. Gensch, Berlin SW,

für Sifferatur.

von

1832 begründet

Verlag

pon Herausgegeben von Fritz Hauthner und Otto Neumann-Hofer.

F. & p. Lebinann. Joseph Lehmann.

Redaktion: 2Berlin W., Körner-Straße 2. Erídeint jeden Sonnabend. — Preis 4 Mart vierteljährlim. Bestellungen werden von jeder Buchhandlung, jedem Postamt (lir. 3589 der Postzeitungsliste), sowie vom Verlage des „Magazins“ entgegengenommen. Anzeigen 40 Pig. die dreigespaltenc Petitzeile.

a Dreig der Einzelnummer: 40 Pig. &

60. Jahrgang.

Berlin, den 10. Mai 1891.

lir. 20.

Huljait: Marie v. Ebner-Eschenbach: Margarete. Otto Vicmanu boier: Die NCUCI (Wocthe funde in Weimar. Prof. Rol de Mont: Das neue antwerpener Vucun. --- Hiftor Wahlc: (Gregorovius.

Curt (Grottewi 13: Das Grundidcal der neuen Ethik. Villiers de l'jale Ndam: Die Töchter Miltonls.

Fritz Maithner: Wrne (Garborgs Bei Mama. Vittcrariide vinigkeiten: Dr. Weinrich Kuduro „Sittlichteit und (liejundheit in der Mutif", N. (Sedans ,,Egbert", imams' „Naturgemäße Entwidling des Menschen und Wethes Faust“, besprochen von 1. 2.; 0110 Noras und w. Chocles ...cidnudo (bicicbichicit“, bejprodhen von E. Höber; Wißmams „weite Durchquering Afrifa:“, veiprochen von (rar Yfcil.

Auszugsweijer llachdruck sämmtlicher Artikel, außer den novelliituíchen und dramatischen, unter genauer Quellenangabe gestattet.

Liubciugter Pacisdrucli lvird ali virund der vejetze und Vertrage veriolgt.

Margarete.

zweiflung lag. jhre ; jüge waren verzerrt, dilf ihren halb

geöffneten Lippen idien ein flac 311 schweben . Von .marie 1. Evner Eichenbaili.

Robert hvarf cinci furzen Blick au nic ind beidhleunigte

jeine Schritte. Dic fleine Wand, die auf cincin Arme Fortießung.)

lag, zittorie, der ruiiga Mund, der eben jo lieblid ge

iprodhen, öffnete jich crit wider, als sie 311 Janic ange Un einem milden, itillen Märziage ramen Robert und Prisfa vom Spaziergange zurück; jie gingen Wrm in

langt waren, zu den sorten: Arm, liebevoll zeigte er jid) zu ihr:

,,Nenn du dicies cib? „War die Wanderung nicht zi1 weit? bist du nicht

,,Ca ijt Margarete," morete oberi. müde geworden?"

„, mein Sout!" riei rofa aus. Ihr Nuid 101, „Nicht im geringsten!" erwiderie sie. „Ju Vohburg

und jie jieht mich ... die llnglückselige!" gedenfe ich noch ganz andere Ausflüge 311 internehmen,

guir selben Zeit ging Steinau in der Straße vor

Er war oben bevor ihr mich einsperrt auf lange Zeit. Wann reijci Piargareicis Ponum auf und nieder. wir ab? ich jehue mich nach Vohburg - du faunit dir gewejen und batio die Minge allein und in Surga über nicht vorfielleit, wie schr! ... und wenn ich denke, wer

da; langa 11:0leiben inrer Werrin getroffen. „Sugar, dort das Licht der Welt zum ersten Mal erbliden joll, in

wenn jie auf den Friedhof hinausgeht," meinte sic te, dem lieben, alten trauten Neste ... da überläuft miche

,,fommt die jonjt im Mittag zurüdf" vor Schreden und Wonne ..."

Viadidem Cteinau ciuc tundi lang oben immer „Vor Schrecken?"

gewartet hatte, ging er binab und diib uun, nach allen ,,Stann man solche Freude erlchen --- berleben?" Seiten nusjpabend, um das Haus herum. Er ipoiteto ,,Es giebt Beispiele - ."

dabei weidlid) über sich jelbst und über die lingeduld, dic Sie lachte es war ctwas in ihrem Lachen, das in ihm prickelte. Es irgerie ihn, sich aestcher jul munten, , an den Gesang der Lerche mahnte, an das Hüpfen der daß er sich jetzt vollkommen glücklich fühlen würde, wenn flaren Welle über schimmerndes Gestein.

er jie muur erbliden fönnte, wenn er sic mur dei leges Er legte seine Wand auf die ihre und sah ihr ins kommen jähe. Gesicht glücerfült, zärtlich – chrfurchtsvoll

„Warten Sie auj mid)?" fragte plöblich ihre Sting Plößlich zucfte sie zusammen und preßte sich er dicht hinter ihm; er wante sich und sal fic daļichen init bleichend an ihn.

ganz verstörter Miene, sie war totenbleich. Mit dem Rücken an das Haus gelehnt, an dem sie „Was ist Ihnen begegnet?“ rief cr. eben vorbeifamen, stand ein Weib und starrte die beiden ,,Harten Sie auf mich?" wiederholte Margarete. mit großen Augen an, in denen eine Welt von Ver „Ja, ja!"

Daun fommen Sie.“

,,Wenn id) Shnen llurecht tue, jo beweisen Sie's... Sie trat in das Haus und eilte die Treppe hinan, | Kommen Sie, Margarete, kommen Sie zit mir. Es ist er folgte langsamer. Als er ihr in die Stube nachfam, ein Wahusinn von Ihnen, diesen Mann 311 lieben, denn stand fie neben dem Bette, auf das fie Hut and Mantille niemals wird er 3hr Gefühl erwidern. Trachten Sie geworfen hatte, und war damit beschäftigt, ihre Handschuhe | damit fertig 311 werden und statt Ihr Herz an einen hastig aufzufnöpfen.

Menschen 311 hängen, der es nicht 311 schäßen weiß. „Ilf!" jeufzle Steinar imd warf sich auf einen schenken Sie es einem, der nach diesem Besitze lechzt- und Sessel, „pflegen Sie Ihre vier Treppen steis in diejem brennt. Derjenige, den ich meine, war sein ganzes Leben Tempo zii nehmen?"

hindurch vernünftig, vedächtig, ein Aušbund von Klugheit. Margarete trat vor den Spiegel, der vorgeneigt am

Nim jehen Sie! er ist bereit, jede Torheit 311 begehen, um Pfeiler zivischen den Fenstern hing, und jah hinein.

Jhnen ziim Siege über die Ihrige zii verhelfein.“ ,,Es ist wahr“ sagte sie – „man kann vor mir er

Er schlang den Arm um sie und sah mit blizenden schrecken.“

Augen zu ihr empor. Ein wildes Lächeln verzog ihre Lippen; sie begann Wilst du hier in unserer kleinen großen Stadt durch

Was willst du? Befiehl ich bin dein Kuecht. vor dem Spiegel auf- 11110 abzuschreiten iind warf von Zeit 311 Zeit einen Blick auf ihr Ebenbild.

Glanz und Pracht alle Frauen überstrahlen und alle Steinau folgte jeder ihrer Bewegungen mit slillein Männer durch deine Schönheit entzücfen; Feste geben oder Entzüden. Wann gesiel fic ihm beijer, in den Augen Feste durch deine Gegenwart verherrlichen? Willst dit blicken der Ruhe, oder in denen der Veidenschaft?

hier der Mittelpunkt aller Bewunderung, aller Mißgunst,

alles Neides jein?... Willst du fort – über die Berge? „Ich bin jetzt“, sprach sie, „diesem Grafen Vohburg

übers Meer? Willst du dich überzeugen, ob die Sonne begegnet; er führte seine Frant an Arme. Sic ist nicht schön."

der Tropen heißer brennt als das Feuer, das in deinem

Sherzen lodert, oder willst du tanzen auf dem Opernball ,,Schön? Nein aber bezaubernd. Eine anmutige in Paris? ... Die Welt ist schön, du femst sie nicht, sie kleine Frau, verständig, gut, janit, jelbiilos ..."

steht dir offen - ich rate dir: Tritt ein!" Margarete idrie auf: „Selbstlos? Was heißt das

„Mit Ihnen?" fragte sie. jelbstlos? Das muß ein erbärmlich schwaches Selbst sein,

,,Mit mir! Hand in Hand mit mir! Sd will dein von dem man im Stande ist, ļich los 311 machen!“ „Es kommt darauf an – vielleicht auch ein starkes führer jein, folge mir getrost

, du jollit es nicht bereuen, Selbst, das aber ein stärkerer Wille interwarf... Viela

jollit nicht darbeit, nicht klagen über Mangel an Freuden. leicht ein stolzes Selbit, das aber demütig geworden iii

, schönste! Geliebtejie! Was die Zukunft bringt, weiß ich durch die Liebe 311 ..."

nicht, aber meine Gegempart ist dein --- und mein Ehr

geiz ... Nun, vielleicht crgreift er mich einmal wieder „Liebe!" fiel sie ihm heitig ins Wort. „Liebe, Liebe!

man mij nichts verschwören jetzt bin ich seiner Herr Was erzählten Sie mir denn jüngii von weiligen, die

geworden und werfc ihn dir z11 füßen." Mr an den wimmel denken und irdijche Seligkeit ver:

Sie legte beide kände auf seine Schultern und senkte dimähen? Diese Mensdien lieben und sind glücflict in

nachdenklich den Kopf: ihrer menschlichen Liebe ... Dieser Mann betet ja joinc Frail an und ist glücklich ... D“, brach fie plötzlich aus,

,, Co viel Macht habe ich?" jagte fic. „wie kann man glüdlich icin, wenn man ein Menschen die es giebt

. llebe jic ans, diejc Macht, jo lange du sie , Tie Macht, Seligkeit zu verschenfen

die höchste, leben auf dem Gewisien hat!"

hasi. Jeder Tag, mein sind, ist ein Dieb in deinem ,,Erlauben Sie mir!" rich Steinaut „mit Siciem

Neidim." Menichenleben - das ist Ihre Fire Idee! Warum rechnen

Margarete lauschte, aber nicht mehr seinen Worten, Sic dem guten Vohburg,“ er lächelte wegwerfend, „als | sic laujchtë dem slanje einer Stimme, die sich im VorSchuld an, was ein iinglücklicher Zufall war, und warum

gemache erhoben hatte, die ihren Namen nannte, iind jetzt gerade ihm? warium nicht mir, der nichen ihm im

lauter den Cicinaus. Wagen jais, warum nicht dem Kutcher, der die Pferde

Wören Sie! ..." lenfte, warium nidhi...“

Hochalmend, pochenden wierzens, vrat sie einige Edritte „Das Menschenleben“, sprach sic dumpf, schloß dic zurück und wandte in tiefer Verwirrung den Blick von der Augen und glitt langsam mit der Hand über ihr (lic Tür ab, die sich in dem Augenblicke öffnete, im Robert sicht -- „das er auf dem Gewifien hat, ist nicht das des cinzulassen. armcı Kindes.“

Dieser ging auf Steinar 311. Steinau blickte jie fest und boshaft an, Eifersucht und „Tit hast befohlen“, sprach er erregi, „jeden Bejid) Grimm fämpften in seiner Brust.

abzinweisen.“ ,,Margarete, er famn wirklich nichts dafür, daß Sie Steinau streichelte langjam und behaglich scinen Bart sich in ihn vernarrt haben“, sprach er giftig und nach und antwortete mit unendlichem Spotte: drücklich.

„Erstens — habe ich hier nichts zu befehlen, zweitens: Sie stieß cinen Schrii ser ut aus: „Ich?"

dil bist

bist immer willkommen. Nicht wahr, Fräulein

Margarete, Sie gestatten inir, es in Ihrem Namen 311 Nicht nur meiden!" sprach sic, über und über erversichern: er ist immer willkommen, der Herr Por- gliihend. Wir femneni 11113 nicht inchr. Stellen Sie mund, der Herr Mentor ... besonders, wenn er wie aber auch Ihre Voltaten cin. Ich bedarf Ihrer in Zuijekt man sieht's ihm an eine Vorlesung in

in funft nicht, ich werde jo reich seili, ali ich sein will." petto hat, die sogleich abgehalten werden soll, machen ,,llud jo schlecht, als ich ein fain!" brach er aus. Sie sich darauf gefaßt... Sie wird gewiß sehr lehrreich) „Sagen Sie es doch! es schwebt Ihnen ja auf der Zunge, sein. Wie leid tut es mir, sie nicht mit anhöreit 311 Sie lieben cs damit 311 drohen." fönnen! Aber eine Verabredung Geschäfte - ,,Nur 311 drohen?" Er erhob sich, griff nach seinem Hute und verlic „2, ich halte Sie für sehr fähig, Jhre Drohung 31 mit gleichgiltiger Miene das Zimmer, nachdem er sich erfüllen" vor Margarete tief und förmlich verneigt und Niobert 311: ,, Wahrhaftig?!. , genidt hatte.

„llid - es wird mir leid til, aber ich fam sie Die Beiden standen einander lange schweigend gegen nicht daran hindern.“ über. Sie schienen dieses Mal die Rollen gewechielt 31 Sie stieß ein langgedehnutes, ipöttiiches: ,,Co?" hervor. habent. Sie war ruhig; in ihm vollzog sich ein dwerer ,,Es wird huc lcid tun? das isi freilich schlimm, Kampf; er rang nach Herrschaft über den Zorn, der ihn aber auch id) muß gestehen id fans nicht hindern. bewegte, und sich steigerte bei jedem Blick, den er auf sic Jch fam nicht, um Ihnen ein vorübergehendes Leid 311 warf.

eriparen, das Dasein einer Eingemauerten fiilireit. Ich Margarete erhob die geienkien alugen nidit; endlict)

fam dices ode, freudloie Leben nicht ertragen, damit ihr begann fie zögernd und leije:

(Glüd, das einzig ind imermerlich ist, and nid)t durch ,,Sie kommen also doch noch einmal zit mir..." den leijejten Vorwurf getrübt weide."

„lim Sie zu fragen ---" brad) er aus: „was führte Erwartungsvoll blidic jie ibili all ind inchte auf Sie heute in die Nähe meines Nauje?"

jeinem Gesichte die Spuren des Eindruids 311 leien, den „Ist es verboten“, entgegnete jie, mit einer gewisie ihre Worte hervorgebracht. aber nicht zornig, wie sie Schadenfreude an seiner Heftigfcit, „hrem Hause vor halb gehofft und halb gerirditet, nur verächilich blickte er bei zu gehen? ... Wenn Sie mir dort zurällig begeg

au jie nieder, ud crnviderte: nieten..."

„Wie Sie wollen." Er fiel ihr ins Wort: „Es war fein zufälliges Be

Damit stand er auf und ichritt dem P119gang 311. gegnen! Jd) weiß, Sie haben nach mir gefragt, auf mich

„Walt!" ricf fic: „Walt! mir noch eine Frage.“ gewartet, und ich ..."

fortjebung folgt.) Margarete erhob abwehrend die Hände: „Genug genug - es soll nicht mehr geschehen ..."

Halb und halb entrañet durch ihre linerivaric , süg jamfeit rief er: „Cu cic! Wir wollen einander aus dem Wege gehen.“

Sie hatte den Nadei ein wenig geneigt, det Hals vorgestreckt und jah) Robert über den tijd himeg starr

Die neuen Goetbefunde in Weimar. und durchbohrend an: ,,21h - darum handelt sich's?...

Hon Aus dem Wege soll ich Ihnen? Ich bin shuen unbequem

Dito ...cuman boler. schicben Sie mich fort. Warum nicht? Sie haben ja feine Verpflichtung gegen mid)."

Tas waren reicht umd ichöne Pregungen, welche die „Wenigstens feine, auf welche sich Nicchte gründen vom 1. bis zum 11. Mai währendoscowoche in Weimar laffen.“

bot, imvergcīlich jedem, der diran mit Derz und Einnen „llud Sie haben ich dennoch meiner angenommen, teilgenommen. Es in ein nicht zu entratielndes (sieheim

nis, der Titt, den die Bergangenheit über die Gegenwart io eifrig ind unablässig? ... 96119 lauter (vroßmut alio,

breitet. Darin liegt alles, was bijtoriches werden beiji, lauter (Güte... Freilich) hat sie mid clend gemacht, shro und im Grunde aid alle Civilijation. Dem das ert: (bütc ...“

vollste aller Sesituung, ihre Ecele, der Stamm, woraus Er biß sich auf die Lippen und schwieg, während jie die Neite und zweige in ihrer fürsilicben tracht entmit immer schneidenderem Vorwurf sprach:

sprießen, ist die Tradition. Ein Ort, cin Giamm, cin

Land ohne Scidride ijt barbarijch, mit einer ruhmreichen „Wissen Sie, was Sie getan habeul --- Sio Haben Vergangenheit dagegen eine Stätic

, an der die scultur mir dic Augen geöffnet und vergessen, daß mein Heil in zähe' fiebt, eine Biätte, die selbst durch Jahrhunderte meiner Blindheit lag. Was ich' ich denn mit meinen langen llnglücfs schwer der civiliatoriichen Patina beraubt jehenden Augen?... I hätten Sie sich doc) nie um mich werden kann. Eine große Vergangenheit adell, und in bekümmeri, nie den Fuß hierher gesetzt!"

den Enfeln lebt unbewußt ein ungejdvriebenes ind iin

paragraphirtes „Noblesse oblige", welches jenen Duft Robert wußte ihr nichts anderes 311 crwidern als:

erzeugt, der die Menschen ianfter ind schöner 311 machen Nun ich bin zum letzten Mal da. Von heut' an scheint und den liebevollen Bejdhaner wie „Ahnung höherer werd' ich sie meiden meiden Sie mich."

Puisi“ berührt.

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