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e für Sitteratur. *

1832 begründet

Verlag
von
Herausgegeben von Fritz Nautljner und Otto Neumann-Hofer.

von Joseph Lehmann.

F. & P. Lehmann. Redaktion: 2:3erlin W., Körner : Straße 2. Erscheint įeden Sonnabend. — Preis 4 Mart vierteljährlich. Bestellungen werden von jeder Buchhandlung, jedem Postamt (1tr. 3589 der Postzeitungsliste), sowie vom Verlage des „Magazins“ entgegengenommen. Anzeigen 40 Pig. die dreigespaltene Petitzeile.

☆ Preis der Einzeluummer: 40 Pig. ko

60. Jahrgang.

Berlin, den 28. März is9i.

Ilr. 13.

Dr.

Qutjast: Marie v. Ebner-Eschenbach: Margarete. Franz Seivacs: Zolas L'argent. -Reimann: Bülow als Erzicher. -- Dermann Gudermant: „Erzellen; enfel". -- Adalbert Svoboda: Die internationale Ausstellung in Stuttgart. - Nach jüngsten Dwern, der höhere Zustand, nach Gerhart Hauptmann. – Theater von Frit Mauthier: Erncsto Rojji; Richard II. -- Littcrariiche Chronif. Litterariiche Neuigkeiten: F. Holländers „Jejus und Judas“ und L. Bergs , Scruelles Problem", vejprochen von C. (1).; C. Arnos „zu spät“, besprochen von F.; A. (G. v. Suttners „Siinder des sanfäsiis“, besprochen von A. Leist.

Auszugsweiser Nachdruck sämmtlicher Artikel, außer den novellistischen und dramatischen, unter genauer Quellenangabe gestattet.

ülmücfugter olacijdrucli wird aui Grund der Gesetze und Verträge verfolgt.

Margarete.

| wieder, aber seine Händchen legten sich in Roberts Band: Von

„Bleib' bei mir“, murmelte er und verfiel wieder in einen marie v. Egner: Esdjcabad.

dumpfen Schlummer.

Mit einer Mischung von Rührung ind ilmvillen 30g Margarete schob leise und vorsichtig den Vorhang des Margarete die Hände des Kindes aus der Roberts3. Bettes zurüc. Robert fühlte, ohne sie anzusehen, daß ihre

„Lasjen Sie ihn schlafen“, sagte sie, „Sie regen ihn Augen lauernd auf seinem Gesichte rühten und daß fie lauf. Der Doktor will ... der Doftor verspricht ihn herangstvoll den Eindruck beobachtete, den der Anblick deš i zaustellen und bald“, fügte sie abbrechend hinzu. Kranfen auf ihn hervorbringen würde. Er bemühte sich !

Warum haben Sie die Hilfe des Arztes verschmäht, vergebens, das Entsetzen zit verbergen, das ihn ergriff, den ich Ihnen sante?“ fragte Nobert. als er die Veränderung jah, die mit dem Stinde „Hilfe“, wiederholte sie, „hätte ich nicht verschmäht. vorgegangen war. Eine grünliche Bläsje bedeckte das Aber der hätte nicht geholfen, das ist ein Gelehrter, ein schmalgewordene Gesicht, die halb geschlosjenen Lider ließen großer Herr, das ist fein Arzt für iins. Doktor Weiler nur das Weiße der Augen sehen, die Pupillen waren hat mich vor ihm gewarnt. Ja, erperimentiren hätte er aufwärts gedreht. Die Arme zucten von Zeit zu Zeit gewollt, eine Operation madjen auf Leben und Tod; geframpfhaft auf dem Kiffen, und die Fingerchen bewegten | lingt sie, denkt er, ist's gut, mißlingt sie – auch gut fich hastig und zitternd, als ob sie nach einem unsicht was liegt an dem Kind ciner armen Näherin? Onein! baren Gegenstande haschten.

für soldie Hilfe danke ich!" Roberts und Margaretens Blicke begegneten cinander,

Woher kommt, bei so viel Argwohn, Ihr Vertrauen und der seine war so voll Vestürzung, daß sie zusammen auf Doktor Weiler?" fithr und, als gälte es eine Gefahr abzuwenden, den Arm

„ch, dem liegt alles daran, das Kind gesund zu über das Kind ausstreckte.

machen ... der weiß - der ist --" Sie stockte. Verwirrt ,,Was denken Sie? Was bilden Sie sich ein?“ ricf

und wie mit Purpur übergossen, senkte sie die Augen und sie „es geht ja besser!“

starrte finster 311 Boden. Bei diesen laut gesprochenen Worten regte fich der

Die Glocke wurde gezogeit. „Da ist er!" rief Knabe, warf sich im Bette hin und her, öffnete die Augen, i Margarete und eilte nach der Eingangstür, um zu öffnen. fah Robert groß an, und ein Lächeln flog über seine Züge, Draußen ließ die laute Stimme des Doftors sich verals dieser sich zu ihm niederbeugie

. Mit unsäglicher Zärt- , nehmen: „Guten Morgen, Schönste! Herrliches Weib! lichkeit streichelte er ihm die Wangen und lallte unter

Wie geht es heute? Besser? Nun, ob ich es nicht gesagt brochen und faum hörbar:

habe? ... Werde ich endlich das Ziel meiner Wünsche ..." „Wo hast du deine schöne Ilniform? ... Die schönen Er war Margareten, die rasch wieder in das Ziumer schlimmer Pferde?" seine schweren Augenlider sanfen | zurückkehrte, auf dem Fuß folgend, eingetretent, erblickte

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Ivar.

Robert und hielt erst betroffen inne, suchte aber bald seine | Herr Graf. Es war ein verzweifelter Fall, ich habe Verlegenheit hinter einem Schwall von Worten zu ver gerungen, so lang ich konnte, muß aber endlich gestehen bergen:

ich gebe die Hoffnung auf menschliche Hilfe vermag Welche lleberraschung ... Sie Herr Graf? ist es hier nichts mehr ..." möglich? wirklich Sie – Ach ja fommen sich er Margarete stöhnte: „D, das sagt er jetzt, der Schurfe!“ kundigen ... Sehr, sehr schönt - wirklich edel..."

„Was jekt? .. ich wi Bte es schon lange ...“ Er Darauf mußten Sie doch gefaßt sein“, interbrach knöpfte mit hastiger Entschlossenheit seinen lleberrod 311ihu Robert ungeduldig, „bei der schrecklichen Berechtiging, sammen:

sammen: „Wer wird sich derart beschimpfen lassen?... die ich habe, Anteil an Ihrem Patienten zit nehmen. Ich nicht, Herr Graf!" Erlauben Sie mir die Frage,“ interbrach) er eine neute

Damit schritt er dein plusgang entgegen. Flut von Schmeicheleien, die dem Munde des beredten Margarete warf sich ihm in den Weg. Arztes entströmte ,,warium veridimähen Sie den Rat ,,Bleib!" rief sie, stürzte vor ihm nieder und um und die Beihilfe Doktor Sellers? Sind Sie Ihrer Sache faßte seine siniee. „Du sollst haben was du verlangst fo sicher?"

hörst du? — nicht erst, wenn das Kind gesund sein wird ,,Ich weiß, was ich zu tun habe," sprach Weiler und

heute wann du willst! Was dit willst ... warf sich in die Brust. „Niemand kann für den Seranfen | Ich bin dein! Verlaß uns nicht gieb das find

nicht auf!" mehr tun, als ich."

Weiler juichte sie zurück 311 stoßen, sie imklammerte „lind Sie geben das bestimmte Versprechen, ihn her

ihn mir fester. ziistellen?"

Robert aber hielt sich nicht länger: „Elender Wicht. „Das bestimmte Versprechen, wer jagt das? Sie

Hinaus mit Ihnen! – fort!" herrschte er dem Doktor scherzen, Herr (Graf?"

mit einer gebieterischen (Heberde zit. Wol! wol!" rief Margarete, die mit atemloser Spannung dem Gejpräche der beiden Männer gefolgt blieb er sichen und raffte sich zu leidlicher Haltung 311

Pfeilgeichwind ichuß Weiler zur Tür. Dort angelangt, „Sie haben es versprochen Bei allem, was Ihnen heilig und teuer ist, versprochen!“

sammen. Er zupfte an seinen Manschetten; jeine frechen „Nun ja – wie man eben ... vorausgejekt, daß nichts Augen richteten sich mit höhniichem Ausdruck auf Robert llnerwartetes cintrifit, feine plöbliche Veränderung

und Margarete: „Schöne Wilde“, sprach er, schon auf der Davon war nie die Riede, dergleichen haben die Schwelle stehend: Ich überlasje Sie Ihrem neuen Beniemals befürchtet

schützer.“ -- warum jeßt auf einmal ... Doktor!

Margarete streďte die Arme gegen Robert aus. „D halten Sie mir Wort ..." Sie näherte sich ihin drohend, er zuckte die Achseln Retten Sie das sind!"

Herr! retten Sie! helfen Sie!... Sie sind mirs schuldig! und ging an ihr vorüber zu dem Bette, legte die band

Plötzlich verflärte ein Freudenstrahl ihr Gesicht, fie auf die Stirn des Sèinoes, griff nach seinem Huilse und

drückte die flache Hand an die Stirn, wie durchzuckt von sagte endlich nach langem Besimen: „Es ist eine Ver

einem erlöjendent (Bedanken: ,,Menschliche Hilfe verniag schlimmerung eingetreten.“

hier nichts mchr? ... Aber Gott ist da! ich hoffe auf „Das glaube ich nicht!“ rief Margarete - „ls ist Bott... Er wird ein Einsehen haben ... Sie schlug heute, wie es gestern gewesen ist, als Sie so zufrieden mit sich auf die Brust und rief im Tone der Betenierung: ihm waren - es hat sich seitdem nichts verändert!"

„Ich glaube an Hott!... Was wissen Sie davon? nur ein Arzt vermag das zu beurteilen.“

V. Margarete rang nach Fassung. „Verschlimmerung aljo --" jagte sie - ,,aber das geht vorüber, nicht wahr? Hofrat Seller saß gemütlich beim Frühstück zwischen Was muss geschehen, damit es rasch vorüber gehe? Reden seinem affen und seinem Hapagci, als Robert aufgeregt Sie? aber jo reden Sie doch! was soll geschehen? Mensch)!“ | herein stürzte und noch einmal die Hilfe des berühmten schrie fie plötzlich auf und crgriřf den Toftur am Arme Arztes für seinen Schützling anrief. Der alte Herr ließ gestern bürgtest dit mir für sein Leben!"

ihn nicht ausreden. Er suchte sich von ihr loszitmachen „Sie sehen „Zu wem soll ich?" rief er voll Entrüstung und fuhr felbst Herr (Graf ob es möglich ist, ihr reinen Wein mit beiden sänden in die weißen Haarbüschel, die ihm einzuichenken —“

wie Flämmchen von den Schläfen standen.

„Žit der So leise er Robert diese Worte zuigeflüstert hatte, Megäre? ... Wissen Sie, daß sie mid) hinausgeworfeit Margarete verstand sie doch.

hat; schmetternd! eklatant!.... Es wäre eine Ehr- und „Was heißt das?“ fragte sie, „hast du mich betrogen Charakterlosigkeit und die größte Gemeinheit ... Mir das Lügner? ... Ilm den Lohn war's ihm zu tun, den er zitzutrauen! ... Ich hätte Sie für gescheiter gehalten!" sich ausbedingen hat, der ..."

Er wurde jo derb, daß ihm zuletzt, um seine Heftig. Weiler war abwediselnd rotund blasz geworden. feit gut zu machen, nichts anderes übrig blieb, als eilends Jeßt fiel er ihr heftig ins Wort: ,,Stil! was -- Lohn... in den Wagen 311 steigent ind „in allen Blödsinns Was bildet sie sich ein? – sie ist verrückt, Herr Major. Namen zu der Megäre“ zu fahren.

Am Abend erschien er bei Robert. Dieser cilte ihm Zola jelbst befeuit, daß ihm das Gebiet des Geldes entgegen:

und der Geldwirtschaft ein völlig fremdes gewejen jei; er ,,Nun, Doktor, waren Sie dort?"

habe sich in eine neue Welt einleben misjen. Mögert

auch Sic crsten Vorstudien etwas weiter zurückliegen, jeden„Bis jeßt.“

falls ist sichergestellt, daß Zola genau ein Jahr vor dem „O Bester! so hoffen Sie ..

Erscheinen des Romană, in den ersten Tagen des März „Nichts. Der Junge erlebt den Morgen nicht. Schad' 1890, ,, im Begriffe jiand, sich über L'Argent herzuimachen. itin ihn, es ist ein liebes Rind. Gehen Sie hin und ver

Er hatte Sconferenzen mit Fachmännerit, machte zahlreiche hüten Sie, daß die Mutter irgend eine Narrheit begehe. | Male die parijer Börje, stets mit Notizbuch und Bleistift

neite Bekanntschaften und betrat am 17. April zum erstent Sie scheint mir sehr aufgelegt dazit.“

bewaffuet. Auch mit der einjdlägigeri Litteratur machte Der Hofrat nahm Abschied, und Robert wollte sich sich zola cingehend vertraut. Seine Vorarbeiten umfassen noch in das Vorzimmer begeben, um dort eine Botschaft in neuerer Zeit ungefähr jechshundert geschriebene Seiten, für seine Frau zu hinterlassen, bei der eine kleine Damen gegen etwa zehn in früheren jahreit. An der „wijjentgesellschaft versammelt war. Als er den Speisсjaal durch

schaftlichen Veihode" des großen Romanzier ist daher

autch nicht der leijeste Zweifel gestattet. schritt, fam Priska, die ihn vom Salon aus erblickt hatte,

Ant 10. Juni 1890 wurde die erste Zeile des für den auf ihr zuigeeilt.

Druck bestimmten Nomans gejdhrieben. Einent Donat „Wohin?" fragte sie munter und unbefangen, „schleicht ipäter stand das erste Napitel (im Druck vierundvierzig man so aus dem Hause, ohne sich vorher bei seiner Berrin

Sciten, genai! ein Zehitel des (anzen) auf dem Papier.

Der Hest von elf Jiapiteln jollte bis zum Ende des Jahres zil mnelden?"

heruntergearbeitet werden. Sideß zeigteit sid) so große „Ich wollte dir eben sagen lassen, dit niögest mich Sdhwierigkeiten, es waren so ,,jebliche Mühent" zit ubernicht erwarten, ich komme vielleicht spät nach Mause,“ er sicher, daß sich die Arbeit verzögerte md crji Ende Januar widerte er, und füßte sie zärtlich auf die Stirn.

abgeschlossen werden fonnte. Der Dichter flagt darüber, Sie hatte die Arme um seinen Hals gejdhlungen und

dai in Folge seines angejtrengien Arbeitens gelegentlid) sah ihm in die Augen. ,,Dit bist befümmert – was fehlt

sein Blick getrübt worden jet.

Ich wurde dieje Datei und Zahlen hier nicht mitdir?"

geteilt haben, wenn nid)t zwijden ihnen eine Geschide In wenigen Worten, mit möglichster Schonung, jagte geschrieben jiände, die es sich wohl verlohnte, mit den er ihr die ganze Wahrheit.

Plugen des Pinhologeit zu lesen. Wir jchen vor uns Priska schwieg einen Augenblick bestürzt, und rief

cinen jdwibenden Mann, der Berge von Bücherit und dann: ,,Ich gehe mit dir !"

Dokumenten in sich ausgehauft hat und der mit dem

cijernen Pflichigefühl des gedrillien Beamten jeden Tag Was fällt dir ein?“ entgegnete er. „Dit bleibst zit

jein Kensum abadfert. Er hat wenig oder gar kein perjöllHause, bei deinen Gästen.“ Noch einmal füßte er sie und liches Verhaltnis zit jeinem Stoff. Er bearbeitet ihn, weil eilte hinweg.

er dies sid) vorgenommen hat, weil er gerade diejen ihm (sortietung folgt.)

fremdeit und widerstrebeidet Stoff ergreifen und bewältigen will, nicht weil er jelbit ergriffen im überwältigt ist. Was für den Roman von vornherein feitjieht, ist lediglich das Nein-Sachlide: das Geld. Das Dienjdhliche, die mit dicjem Sachlichen verknupfte Sayicjalsfeite, muß sich jpäter einstellen und so oder jo anwad)jen. Es

findet sich unter den bereits eingeführten familieitZolas L’Argent.

mitgliederit der Rougon-Macquart ein Diann, der jich) zim

Trager eines Geldromans eignet, Arijtide Nuigon, der Besprochen von Franz Servacs.

Held von „La Curée", der sich selbst den Namen Jaccard

gegeben hat. Für dicjen Saccard findet sich dann die Eine Juhaltsskizze von Zolas Börsenroman haben Geschichte eines großen Bankhaujes, das in den legten die Lejer des „Magazin" bereits vor mehreren Wochen Jahren des dritten Naiserreichs zit einem ebenjo raden durch Adolphe Landerejje erhalten. Ich bin daher in der Aufidiwung wie Zujammenjturz gekommen war. Zola glücklichen Lage, das einfad) Tatjächliche als bekannt vor interrichtet sid) über Gluck im Ende dieses Geschaftsausjebent zit dürfen und gleich in die Frage nach der haujes aufs Genaueste und jiudirt zur Ergänzung auch Wertschäßung des neuen Zola-Bandes eintreten zu können. noch einige andere Börsenkrache, die ich in neuester Zeit Ilm der ästhetischen Erörterung eine sichere linterlage 311 creignet haben. Viermit verbindet er alsdann jeune pergeben, fajje ich kurz das Wichtigste zusammen, was J. van jönlidien, rein ad hoc gemadter Beobadytingen. Dit Santen-Rolff in der „Freieii Bühne“ über die Ent seinem stets auf das Allgemeine iud Gattungsmapige gestehungsgeschichte des Romans mitgeteilt hat.

richteten Blick gelingt es ihm rajd), einige wejentlide In dein ursprünglichen Plan für die listoire Typen der Börjeinvelt herauszufinden, auf dic er dann naturelle et sociale, die Zola in seinen Rongon-Macquart gelejene oder gehörte Schickjale überträgt und die er über zu geben beabsichtigte, war ein besonderer Börjenroman seinen Roman nad) Raum- und Zweckvedurjnijjen verteilt. itoch nicht vorgesehen. Doch streifte Zola die Frage nach So schwillt ihm der Stoff unter den panden an und der sozialen Bedeutung des Geldes bereits in den zweiten krystallijirt sich

) weilschichtig um einen festen, unverrucRoman seines Cyclus, La Curée, und im Anschluß daran baren Mittelpunkt. Aber noch immer sehit das Wichtigjie, entwickelte sich die Einsicht, daß diesem wichtigen Faktor das ganz bejonders Menschliche, das, was einen Tioman des modernen Lebens eine eigene Betrachtung zil widinen von einem Bejchiditswerf interscheidet, und was gerade sei. Während der Schlußarbeiten an La bête humaine | die Franzosen von allen Völfern der Erde am wenigsten wurde der Entschluß fest, daß jetzt der Geldroman zu vermissen mögen: nod) nie fehlt „ein Blättlein Lieve“. folgen habe.

Schließlich aber muß auch das sich finden, und es fand

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fich, zur vollen Zufriedenhrit des Dichters, wenn auch auseinanderführt, wie es einen großen Teil der Presse „Ist es mir doch verzweifelt beherrscht und teils durch die Presje

, teils durch eigene schwer geworden, cin Weib da hinein zit bringen“, idreibt Macht, in Wechselwirfung mit dem (Gang der ganzen Zola an seinen deutiden Eckermann. Tie an mehr als politischen Ereignifie sicht, das ist überall mit Händen zu zivanzig Nomanen erworbenie Noutine des zweiundiünfzig-greifen. Die eigentlichen (Bildmänner treteii uns in jährigen Meisters trug aber den Sicg davon, und die Repräsentanten aller Scicllichaftsflasien entgegen, der Majdine fumptionirte wieder mit der für den gewijiena | jüdiiche finanzfönig, der materiell zerrüttete auf Geldhaften Arbeiter wünschenswerten Regelmäßigkeit

. Das

spefulation angewiesene (Hcburtsadel, der industrielle Weib mußte in seiner Doppelbeziehung 3111 Vam und Glücksritter, das Deer der Wechselagenten und Börjenzium Geld gefaßt werden, und es boten sich auch hier mafler, die mitspekulirende Dienerschaft der großen Herren, verschiedene Typen, je nach (Gesellschaftskajie und nach Art die schmierigen Wucherjuden und nicht zitlejzt einige Verder Leidenschaft. So war der alles beigumieni, iud in treter des weiblichent (Geschlechts, eine von Spielwut weniger als einem Jahre ist das große Werf, von der fieber haft erregte und völlig dentoralisirte Baronin und ersten bis zur leien Zeile und eingerechnet jeine weit eine verfettete, gemütsleere Proletarierin, die entwertete ausholender Studien, vollbracht worden „Ein ehrliches Papiere auffauft und wieder an den Mann zu bringen und jaures Stück Arbeit!“ darf der Dichter jagen, indem sicht. Nie stets bei Zola, herrscht ein beständiges er sich den Scheiß von der Stirne trocnet. "Die Wuie Gehen und Nomen dicier crjonen, ohne daß fie iuteraber, als echtes Frauenzimmer, läcelt dazu und denkt: einander und zur Jaupthandling (wenn von ciner solchen „, Ward je in dieier Laun'cin Deib gewonnen?" llud die Niede iein fin) in festem uiammenhange stchen. Es vielleicht fügt sie, 11och weit verídimitter, huzu: ,,Dil jollit find Tupen, die der cijrige Beobachter fich notirt hat, und mich habent Doch nicht lan1 behalieni

die er in seinem Gemälde anbringen wollte. Zweimal So ist denn Zolas nenesier Noman, mehr noch als gelingt es ihm jedod), die ganze Schaar diejer Personent jeine voralisgegangenen Brüder letzter Zeit, vor allem das zujanımenziidrängen: Das erste Mal, in ziemlich äußerWerf einer erstaunlichen Mache, und an dicier Tatsache licher Weise

, im Anfangskapitel, wo Saccard sich um die ändert auch der lImstand nichts, dati derjenige, der dieses Börje herumtreibt ind bald hier, bald da ein paar Worte Wert gemacht“ hat, chemialo cin ganzer Trditer war und oder Blicke wechielt; das zweite Mal gegen Schluß, als selbst jetzt inmitten eines ruheloien fabrifbetriebes noch rich der großze strach vollzicht, und wo ein erregtes Gegenvereinzelte dichtcriide Blide bat In sürze mag betont einanderarbeiten der beiden Harteien, ciner internationalwerden, daj; der Roman sich Zug für zug mit jeiner jüdischen und einer Franzöjich-ultramontanen, in wechselEntjichimgsgeschichte deďı.

vollen Ringfampf statifindet. so wenig der Einzelic Im Brennpunkte des (vanzen sieht nicht Menich, etwa beseelt ist, jo jarf beịcelt ist hier die Masje; sie ist von Caccard, jondern cine Cache, das Geld. Saccard ist nur der feinsien Sensibilität, die auf jeden Druck oder Gegentinsoweit von Intercije, als an ihm und in ihm das Geld druck jofort reagirt, und die sich solange in einem lebendig wird. Er ist der perionifizirte Golddurīt. Alle nervöjen Vibriren befindet, bis der entscheidende Ilmschlag seine Energien und begehrungen münden in dieier einen eintritt und dam die bisherigen Sieger mit sich zieht in Leidenichajt. Co vielfad) der Charafter auch ichillert, cr wanihalliamom Niedersturz. überwindet doch niemals dicie cinicitige Starre, and in Das Wörienleben tritt alio für jeden Stemer, und all jeiner Befreundlichkeit und Nolocalität bietet er nicht inchr 110ch für den Nichtfenner, mit vollster (Segenhänddas Mindeste von eigenartigem pichologichen Reiz. Er lichkeit all: Bolas Roman hervor. Freilich muß man ist ein ganz imzusammengeiciztes Weien, gleidiam ein dafür auch viele umständliche Beichreibungen und langgrober ubehancier Blocf ohne Individitalität. Ja, er weilige Erörterungen in den Nauf uchnien. Mit der ijt weniger ein lebendes Wejen, als das (Beld, wie denn freude des Mannes, der etwas uitbefaites crst frijd) Zola von jeher es veritauden hat, das Tote lebendig, ud gelernt hat, framt Bola jeine Fachfenntnisse aus und hält leider auch zuweilen das Lebendige tot 311 machen. Das 11119 3. V. cincii längeren Vortrag über den lliterschied (Seld, als die beurscheide Macht im rozialen Leben, das von ftien und bligationen oder läßt einen Sozialisten in Millionen metallener Münzen durch Millionen von begeisterte Ercerpte aus Marr rezitiren. Doch fennt Zola Händen geht, crícheint Zola wie eine fürchterliche (Gottheit, mancherlei mitmittelchen, um die Eintönigkeit zu hebent die auf gefüllten Säden front. Von dieier (Bottheit geht und die Trivialität vergeijen 311 machen, insbesondere Segenipeadendes und Fluchwürdigos gleichermaßen aus, drei: Die intithese, die wiperbel und die Symbolif. Alle woriber Zola jeiner Lieblingsfigur, Fran Saroline, lange drei hat er nach und nach in ein bewußtes System verReflerionen in den Mund legt. jm Romane selbst tritt arbeitet, das er der si'omposition seiner Romane als die schlimme Seite weit mehr hervor als die gute; uirgends Schablone 311 (Grunde legt. aber äußert das (Oute jich rein. Wenn 3. B. cine steina Am erträglichiten ist die Antitheie, weil sie das reiche Herzogin ihre dreihundert Millionen den Werken wärmste und fünsilerischste Mittel ist und weil sich in ihr der Barmherzigkeit widmet, so läßt Zola fie das in ciner die meiste natürliche Erfindungsfrait zeigt. Zola aber jo törichten Weije tun, daß jie ihreingeheuren Mittel verwendet fic im libermaß und mit gar 311 durchsichtiger innerhalb zehn Jahren verschleudert. Die schlimmen

Die schlimmen Absicht. Ich gebe einige Beispiele. Da ist zunächst ein Folgen dagegen treten uneingejdhränft zu Tage. Sittliche durch innigite" Liebe verbundenes Brüderpaar, namens Berkommenheit und tiefites materielles Elend, bürgerliche Buich, Juden, die in einer Wansardemvohnung eine lluehre und leiblicher Tod sind schließlich die Folgen ichmusige Wirtichart führen. Der Eine ist crbarmingss einer ausgedehnten (Beldwirtschaft

. Je glänzender die luser Blutsauger, voll von lauernder Tücke und Bosheit, Aussichten, desto sicherer und niederichmetternder ist die der andere sozialistischer Schwärmer, der in seiner Kranken Enttäuichung, Quant tout marche trop bien, c'est que tube sich ein goldenes Zeitalter ausgleichender Gerechtigtout va craquer.

keit ausmalt. 311 diejem in sich bereits kontrastirten Die stinst

, welche Zola darauf verivant hat, das Brüderpaar steht ein anderes in sich kontrastirtes BrüderGeld auf seinen vielen verschlungenen Wegen durch das paar in denkbar schärfster Antithese. Dies sind die beiden, moderne Leben 311 begleiten, zeigt die nach dieser Richtung einander völlig fremden Söhne Saccards. Der aus noch völlig unverminderte straft des Dichters. Wie das Geld | legitimer Ehe" ist ein verzärteltes, weibisches Bürschchen überall ins familienleben hineingreift, Menschen zl1= und voll des fieinlichsten Egoismus, der auf sein Boudoir aind

sein Badezimmer, auf seine Schlafröcke und Parfüms in der er zit einein legendarischen Wesen erbleicht. Es einzig Wert legt in dieser Welt. Der andere dagegen heißt daselbst: Il était réellement (!) grandi, soulevé ist ein Banfert, dem Vater unbekannt, unter Proletariern d'un tel triomphe, que toute sa petite personne se aufgewachsen, früh verwildert umd in Schmutz verfommen; gonflait, s'allongait

, devenait énorme. (Gerade wie er soll gerettet werden, zeigt sich anfangs als Duckmäuser Nana beim Wettremen im Bois du Boulogne, so sieht and explodirt dann in einer Tat bestialischer Rohheit

. Saccard bei der Weltausstellung des Jahres 1867 „das Natürlich hat Zola dafür gesorgt, daß die beiden Milieus besiegte Paris erniedrigt 311 jeinen Füßen liegent. dicht hintereinander geschildert werden, jo daß der Gegen- ist also uverkennbar, daß diese Art symbolischer Steigerung saß aufs Schärfste hervortritt

. Noch ein drittes Beispiel. bei Zola völlig z1ir Schablone erstarrt ist, und damit entAls Saccard auf der Höhe seines Ruthmes teht, da behrt sie jeglichen fünstlerischen Wertes. kauft er sich eine Dame der höchsten Aristokratie, die sich Es ist nach all diesem Gesagten meine ernste lleberden Kaiser für hunderttausend Francs hingegeben hat, zengung, daß Zola, mag er für Frankreich sein was er und bezahlt sie mit zweihunderttausend Francs für eine will', jedenfalls für unsere junge aufstrebende deutsche Nacht; kurz darauf bewirbt er sich angeblich um die Litteratur nicht länger als Fühier angciehen werden kann. Gunst

" einer kleinen, blonder Frau, die sich von aller Welt Gegenüber dem Wenigen, was wir auch jetzt noch von lieben läßt, aber für Geld nicht zit haben ist, weil sie nur ihm lernen fönnen, nimmt das Vicle, wodurch cr direkt dem Triebe ihres Herzens folgt. Ein andermal werden schädlich und hemmend wirken kann, einen gar zu breiten zwei Frauen folgendermaßen kontrastirt: Eine 30fe hat Naum ein. Vor allem ist Zola ein viel zu unbedeutender, ihre Herrin an den betrogenen Liebhaber verraten. Es viel 311 wenig wahrhaftiger Pinchologe, ein gar zii tief kommt 311 einer Ertapping in tlagranti

, und da steht in infruchtbare Schwarzícherci geratenier Melandjolifer, denn die Dienerin wohlangezogen md forrekt, ihrer völlig ein zii schwerfälliger, umsiändlicher, pedantischer Berichtniackten und hierdurch 31m gewöhnlichen Menschenfinde erstatter ind , Wifienschaftler", als daß er nicht von der herabgejufenen Gebieterin gegenüber ind lächelt hoch überall auf "Judividualismus, Fortichritt und friiche mütig auf sie hernieder im Bewußtsein jener égalité des freudige Beweglichkeit ausgehenden deutschen Litteratur durch duchesses et des rachères, quand elles n'ont plus de cine chinesische Mauer geschieden sein sollte. chemise. Hier wird der Konirast inachträglich durch eine starfe Einheit zusammengehalten und dadurch doppelt wirfjam gemacht. Diese Art des Sontrastirens geht bis in Kleinigkeiten hinein und ist oft recht gesucht. So darf 3. B. der hundertfache Millionär Gundermann sich mir von Milch nähren, und die blühend schöne und volljaftige Frau Karoline hat seit ihrem sechsundzivanzigsten Lebensjahre schneeweiße Haare. Zuweilen verbindet sich mit dergleichen Antithesen das Simbolische. Alsdann cnisteht die Wirkung eines widerlichen technischen Sinisis. Nach

Bülow als Erzieher. dem Saccard wegen seiner betrügerischen Treibereien ins Zuchthans gesperrt ist, werden zwei Kinder eingeführt, die

Von für ihn als ihren Woltäter beten imd vom lieben Gott

Dr. Heinriclj icimaim. reiche Belohnung für ihn erflehen. Bejonders aufdringa lich ist der symbolische Nebenziig, als, nach glücklicher (Gründung der Aktienbank, jene Frau, die mit entwerteten Papieren handelt, wie ein prophetischer llnglücksrabe bei Mit der unverwüsilichen, cwigbleibendent C-mollSaccard eintritt.

Simphonie Beethovens jdlo Bülow Sie Reihe jeiner diese Bekannt ist Zulas Neigung zu libertreibungen. Er jährigen philharmonijeben Stonzerte ab. Darf man Anfang muß immer alles ins llngeheure steigern und jetzt sich ind Ende einer Stonzertjaijon nach dem Anfang und badiirch in unlöslichen Widerspruch zur Bescheidenheit der Ende der vornehmsten und über alles andere weit hinNatur, wird geradezit ziim Antinaturalisten. Zudem hat ausragenden mujifalijchen Darbietungen bestimmen, jo die poetische Macht dieser Hyperbeln mit der Zeit starf wäre mit dem lepicii, gewaltigen (-olur-Accord jener nachgelassen und ist immer mehr aufs Verblüffen berechnet. Symphonic der Konzert-Dinter 1890 91 formell erledigt. In Nana, als General-Dirne ind personifizirung des was ctwa noch in Alusjicht ist, die üblichen Kajjions- und ganzen verderbten Frankreich, steckt noch eine gewisie Frühjahrskonzerte, das ist mehr oder weniger Episode Größe der dichterischen Stonzeption. Ju L'Argent streift

Ju L'Argent streift und Nachipiel. Es bewegt sich dies alles ja aud) 311die Rolle der Bauque universelle (bezeichnenderweise meist, mit einigen Ausnahmen, in dem glatten Fahrmeist furz l'Universelle genannt) gelegentlich aus Lächer: wasser der geselligen Nonvenienz und berliner Alltäglichkeit. liche. Silberntinen am Starmel folleit ausgebeutet und Ziehen wir nun, wie ein guter Haushaltuingåvorein Straßennetz durch Sileinasien gelegt werden. Daran stand am Ablauf jedes Luartals, die Bilanz der diesknüpfen sich die tollsten Kulturphantasien an. Erschließungjährigen Winterkonzerte Bülows; fragen wir, welchen des gesamten Orient, libertragung des Papsttums nach fünstlerischen Erfolg dieselben gehabt? Wie ind in welchem Jerusalem, Niederwerfung des Judentums (Saccard isi Sinne haben jie den Beschmack des Bliblikums iin fanatischer Alntisemit), und man bezeichnet sogar das weitesten Sime gefördert? Die Antwort auf dieje Frage lluiternehmen als nouvelle Croisade. Nicht minder sucht würde selbstredend zunächst die sionzertdirektion Wolff Zola den Eindruck zu erweden, als vb ganz Paris Tag geben, indem sie ins cinfach eine „quittirte Rechnung“ in und Nacht nur von der Universelle träume, und die Gestalt eincr,,gedrängtenllebersicht" dersionzert-Programme Herrsdaft über Paris ist daher das Ziel, das Saccard vorlegt und den ästhetischen Teil der Fragebeantwortung bewußtermaßen anstrebt. 'Er ist le poète du million, der ihren Konzertbuch-Redakteur überläßt: aber ich bin feiit verfügt über eine glühende Beredtsamkeit, die ein Geld Freund von „gedrängten llebersichten“, in welcher Form gejchäft zum Dichtermärchen umgestaltet“. Als er aber nun sie auch präsentirt werden mögen, noch viel weitiger von gar wirklich die ersehnte Höhe erreicht hat, da wird er solchen Konzert-Butch-Ertrakten – ich halte mich an den von einer Pellę bengalisch-symbolischen Lichtes überflutet, ' Geist, der diirch Bülowş Taktstof in alien zehn Konzerten

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