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über“, seinen Diener, denselben herbeizitholen. Die Fralt Ein Freudenstrahl leuchtete aus den Augen Mars trocknete ihre sehnigen, von Seifenschaum triefenden Hände i garetens. Sie eilte zit dem Kleinen zurück, umfing ihn an der Schürze und sprach: „Geben sie ihn her, den von neuem mit unaussprechlicher Zärtlichkeit, flüsterte ihm Bubert, ich trag' ihn schon hinauf.“

in den süßesten Schmeicheltönen 311, nannte ihn ihr Glück, Robert wehrte ihre derbe Berührung von dem Kinde, ihr Lebent, ihr Ein und Alles. ab und hieß sie vorausgehen, um ihm den Weg 311 zeigen. Als aber Robert sich dem Bette näherte, erivachte ihr

„Wer sind die Eltern dieses Kindes ?" fragte er, als Zorn wieder. man im dritten Geschoß angelangt war, und er hörte, daß „Was wollen Sie noch hier, aufgeputzt wie Sie sind ?" es noch eine Treppe zit steigert galt.

fragte sie voll Haß und Hohi. „Fort mit Ihnen, 311 Es hat nur eine Mutter, die Sticerin, dic Mar- | Shresgleichen, die Sie bewundernt. Das Elend bewundert gareta."

Euch nicht – das verachtet Euch und Euren Firlefanz .. „Ist die Frau sehr arın ?"

Fort!" Sie streckte den Arm gebielerisch gegen ihit aus: „Wie's kommt, wenn sie arbeitet, ist fie reich). Was „Fort! sag ich, hören Sie nicht?" könnt sich die verdienen! Aber diese Leut.. Hierher „Ich werde,“ antwortete er, im Stampfe zwischen Entbitt' ich. Bitte nicht zu fallen. Hierher Ener Snaden." | rüstung und Mitleid, ,, ich werde den Arzt erwarten; ich

Sie hatten die leßte Treppenstufe erreicht und traten will seinen Ausspruch höreni.“ in einen schmalen, mit Ziegeli gepflasterten Gang. Ein „Den Arzt? — Sie haben einen Arzt rufen lassen... Fenster über der am Ende desselben angebrachten Tür | ah, wie vorsichtig! Einen Arzt, der sagen wird: Dem versah den Raum mit spärlichem Licht. Die Bauš- Siind fehlt nichts Sie haben ihm nichts getan ... besorgerin zog den Glockenstrang. Alsbald näherten sich Narr! Narr ... Glauben Sie, dass ich mein Recht judheit Schritte der Tür, und eine tiefe wollautende Frautensiimme möcht'? ich, eine Arme gegen einen Reichen? Slauben fragte: „Wer ist's ?"

Sie, dass ich nicht weiß, wie es zingeht in der Welt?“ Nun wer? – die Theres."

Sie näherte sich ihm, ihre Lippert bebten, iind er „Geduld, ich bin noch nicht angezogent,“ lautete die fühlte ihren heißen Atem auf seinem Gesichte: „Wenn Antivort.

dem sind etwas geschicht, dann hol' ich mir mein Recht „Alles Eins! nur aufmachent. (Geschwind!“

damn gnad' Ihnen (Sott!" Jetzt ward geöffnet. Auf der Schwelle stand ein „Jesus, Maria!" rief Frau Theresind wich dabei junges, blühendes Weib. Ein hochroter Rock umwallte zurück bis an die Wand, „was reden Sie denn, Margaret?“ ihre prächtige Gestalt, die bis 3111 (Gürtel mit einem Die nur angelehnte Tür wurde jetzt rasch geöffnet, Hemde bekleidet war. Die schwarzen Haare, die sie eben uud der herbeigeholte Arzt betrat die Stube. 311 strählen beschäftigt gewesen, hingen zur Hälfte aufgelöst ,, Toftor Weiler," sprach) er, sich gegen Robert verüber die Schultern und die nackten Arme hinab. Als ihr eigend „, früher Militärarzt, Herr Major. Weiß; alles, flüchtiger Blick den Mann streifte, der hinter Frau Therese | der Tiener hat mir schon alles erzählt. Das also ist der stand, trat sie umvillig zurück: „Wen bringen Sie da? patient!“ Was fällt Ihnen ein?" rief sie ... Aber nun gewahrte Er schob Margarete zíır Seite, die Mienie gemacht sie ihren leblosen Knaben. Mit einem gräßlichen Schrei hatte, ihm den Weg 311 vertreten, und begann das sind streckte fic die Arine nach ihm aus, erfaßte ihn, drückte sorgsam und gesdhickt zu untersuchen: ,,Den Orm einfad) ihn an sich und eilte, ihu stürmisch herzeud ind füssend, ausgereift; den werden wir gleich in Ordnung gebracht durch die kleine Küche in das Wohngemach.

haben. Die kleinen Nontusionell am Körper und an der Dort legte sie ihn auf das Bett, warf sich über ihn, Beinen sind nichts. Aber

Beinen sind nichts. Aber - der slopf ... Sind Sie glitt mit ihren Lippen über seine Stirn, seine Augent, die Mutter?" fragte er imd warf aus den langgeschlißten heftete sie auf seinen Mund und jammerte: „(Scorg! wasserblanen Augen einen Blick auf Margarete, der ihr Georg! was ist dir geschehen? ... lieberfahren!“ stieß das Blut in die Wangen trieb. Sie schien sich der llifie plößlich hervor und wante fich. Wie eine Tigerin ordiung ihres 2111311gs plötzlich bewußt 311 werden, holte stürzte sie auf Robert los; packte ihn an der Brust, rüttelte ein Tuch herbei und warf es über ihre Schultern. ihn ind rief:

Der Doktor hatte sich geseßt, frenzte die kurzen Beine ,,Sie haben mir ihn überfahren, und jest ist cr tot!" und fuhr fort, seinen fadblonden Schnurrbart streichelnd:

,Ja – also der Stopf ... Was den siopf betrifft – der sich : „Ruhig,“ sprach er, „cs ist ein llnglücf, imd niemand Junge war besinnungslos, er ist’S noch halb ... Wir fann dafür."

müssen abwarten – vorläufig läßt sich nichts sagen ...“ Sie auch nicht, der ihn überfahren hat?... lleber Robert bezeichnete die Stunde, 311_welcher er nach: fahren!! Warum fahren Sie!... Müssen dod, andere mittags zi1 treffen sein würde und den Arzt bitte, ihm 311 Fuße gehen!“

Nachricht von dem kleinen Stranken zu bringen. „Margaret, seien Sie gescheit!" rief Frau Theres, „Mit Vergnügen! ich werde die Ehre haben —" ant„der Bub' erholt sich, schauen Sie her _"

wortete der Doftor zerstreut, er fenfte die Stimme und, Das Kind stöhnte, schlug langsam die Augen auf und: 311 Margareten hinüber blinzelnd, flüsterte er: „Welch „Mutter, Mutter," sagte es leise und klagend.

ein Weib! nicht wahr?"

Robert ergriff ihre Hände und hielt die Wütende von „sa

Dicje Bemierkung blieb umbeantwortet. Robert hatte mun stellt er sich auf die Seite der Seinen und fämpft gegen sich zur Tür gewendet, empfahl Frau Theresen, die ihm die fanatischen Eiferer, die ihm Vaterland und Heimatshaus das Geleite gab, iiod) rasch und dringend, für das Siind entrisjen haben aber der christliche Gedanke in ihm bleibt und dessen Mutter Sorge zu tragen, stellte ihr die (eld

wach und lebendig, und im vergcblichen Bemühen, auch seine mittel dazu in reichlichen Maße zur Verfügung und eilte

Landsleute dem christlichen Glauben zuzuführen, ohne ihre

Freiheit in Netten 311 binden, geht er zu Grunde. Das echt die Treppe hinab.

(Fortschung folgt.)

Tragische dieses konflikts ist mit so viel Kraft im Eigenart behandelt worden, dass das Drama, denn auch eine schöne und edle Sprache nachzurühmen ist, wohl verdient hätte, der Bühne crhalten zu werden. Anders ist es mit dem Drama „Licht und Schatten“, das religiös-politische Fragen behandelt, das aber durch die Peinlichteit des Stoffcs abstößt und auch rein litterarisch ohne erheblichere Bedeutung ist. Wichert hatte sich ver

führen lassen, cine wahre Begebenheit zu dramatisiren, weil ihr Ernst Widert.

psychologisches Interesse ihn anlockte; er hatte aber verfannt, 3311 seinem sechszigsten (Seburtstage (11. März 1991).

daß das Problem sich für die Bühne durchaus nicht eignete.

Im Sommer 1860 сrhielt Wichert, nach kurzem AufentVon

halte in Berlin und Memel, cine Anstellung als zweiter Richter Fedor von obeititz.

in dem littauischen Marktflecken Þrökuls. Kurz vorher hatte

er sich verheiratet, - in dem idyllich gelegenen fittauischen Anno 1831, ant 11. März, wurde dem Aficior Wichert

Städtchen loderte zum erstenmale die Flanıme auf seinem beim Oberlandesgericht 311 Insterburg ein kräftiger Junge ge

eigenen Herde. Ta er in Pröfuls dienstlich nicht allzu sehr buren, der in der Taufe den Rufnament Ernst crhielt. Ein fcinsinniges und liebenswürdiges Elternpaar überwachte jeine beschäftigt war und es einen gejelligen Verkehr am Ortc kaum

gab, jo widmete sich Wichert in der Zeit dieser behaglichen Erzichung und wehrte den ersten schöngeistigen Neigungen des

Verbannung mit voller Hraft seinem dichterischen Wirken. Ju Heranwachsenden nicht, die fid) in mancherlet kleinen (Gelegenta

Pröfuls entstand sein erster Kontan ,,!us anständiger Familie", heitsarbeiten poctischer und dramatischer Art fundgaben, während

und hier auch nahm er die ersten Eindrücke und Anregungen Ernst Wichert noch das Gymnasium zu Königsberg besuchte,

für jene „Littauijden Geschichten" in sich auf, die seinen Ruf wohin sein Vater in der Zwischenzeit verscht worden war.

als Novellist begründen halfen. Nachdem er im Derbst 1850 sein Abiturientencramen bestanden hatte, ließ er sich auf der Königsberger Ilniversität in der

1863 fehrte er nach Rönigsberg zurück, dem er treu blieb, philosophischen Fakultät cinschreiben, vertauschte das Studium

bis er 1887 an das Kammergericht in Berlin versetzt wurde. der Geschichte, dem er sich ursprünglich widmen wollte, indosjen Tie litterarische Tätigfeit, die er während seines fönigssehr bald mit dem der Rechtswissenschaft.

berger Aufenthalts entwickelte, war cine ungemein fruchtbare. Bei allem Eifer, mit dem er sich für die ersten Staats 186) öffncten sich ihm dic Hjorten des berliner Schauspielcrantina vorbereitete, und bei aller Fröhlichteit, mit der sich haujos zum ersten Male. Ein lustiger kleiner Einakter „Ihr der junge Student seinen Sollegen anschlos, behielt er doch Taufschein“, der im vorigen Jahre dem Repertoir von neuem noch genügend freie Zeit übrig, auch jeinen poetischen Neigungen

cinverleibt wurde, fand freundlichste Aufnahule. Uus seinen weiterlebent zit können. Allerdings schrieb er fein erstes Drama juristischen Erfahrungen heraus járieb er das Schauspiel „ Johann Hufs" für den Papierkorb, und auch die diesem folgen Mit Wind und Wasser“, dessen Stofi er auch für die Novelle den dramatischen Versuche erwiesen sich nicht als lebensträftig ,,Das Bauernrecht" benutte, und das mit Carl Orwert in genug, das Schreibpult des jungen Dichter: verlassen zu fönnen. der Hauptrolle in Berlin, Nönigsberg und an verschiedenen Erst im März 1858 gelang es Wichert, sich die Bühne zu er anderen Bühnen einen vollen Erfolg crrang. Tas Stück hat obern. Sein fünfaftiges vaterländisches Schauspicl „linser in der Buchausgabe einen tragischen Abschluß, - den einzig General Morl“, das als Buch im Deckerschen Verlage 311 Berlin richtigen,

richtigen, – das Theaterpublikum von damals stand aber noch erschienen war, crrang auf der Bühne des sönigsberger Stadt ganz im Bamne der Sonvention, and so mußte der Dichter theaters, die damals der Direktor Woltersdorff leitete, cinen sich denn bequemen, für die Bühie den Driginaltert in einen vollen Erfolg. Die Sèritik rühmte die glücklich charakteristische „versöhnlichen“ Schluß umzuarbeiten. Auffassung der historischen Gestalten Steins und Works, in Zur selben Zeit entstand die Idee für das vaterländische denen der Verfajjer das von höheren Anschauungen getragene Schauspiel „Der große Surfürst und der Schöppenmeister“, (Genie des großen Diplomaten und das bei aller Siernhaftigkeit das denselben Stoff aus der (Weschichte Alt-Preußens behandelt, duch inimer stark cinseitige Preußentum dos royalistischen Sol den Wichert späterhin in seinem umfangreichen Romane „Der daten zu verkörperu versucht hatte.

große Kurfürst in Preußen“ bearbeitet hat. Wie Wichert selbst Theatralisch weniger wirtjam crwiesen sich die zwei Jahre erzählt, hatte er sich ursprünglich mit Eifer auf die Seite des später im Buchhandel erscheinenden Trauerspiele Wichertă, schroii seinen Rechtsstandpunkt wahrenden Hieronymus Rohde „Der Withing von Samland“ und „Licht und Schatten“. Im gestellt. Bei der wiederholten Turcharbeitung des Dramas „Withing von Samland" schildert er den Sampf des deutschen aber gewann die Gestalt des Siurfürsten immer mehr, und Drdens gegen die heidnischen Samländer. Der Sohn cincs schließlich standen die beiden Männer sich unbeugsam gegen. altpreußischen Stammesfürsten ist als Nind von einem Mönche über, beide im Recht, aber der Fürst im höheren; Rohde dem Elternhause cntrissen und im christlichen Glauben auf konnte nur die Persönlichkeit retten. Die Kriegszeit bon erzogen worden. Ohne seine Abstammung zu ahnen, fämpft Sechsundsechszig gab Veranlassung zu dem unterhaltenden er gegen sein Volt, wird gefangen genommen und soll am | Soldatenstücke „In Feindes Land“, dem die viel gegebenen Opfersteine verbluten. Seine Mutter erkennt ihn wieder, and i Einakter „Hinter dem Rücken“ und „Als Verlobte empfehlen

sich" folgten. Im nächsten Jahre vegann Wichert das fünf- ; Melancholic des Meerlandes, die Bürgerstädte an seiner Küste, aktige Lustspiel „Der Narr des Glücks“ (bekanntlich nennt sich die grünen Halden Masurens und die stillen Seen Littauens Romeo 10), das in der von Dingelstedt für das wiener Burg und den cigengearteten, frorrigen Menschenschlag, der all diese theater ausgeschriebenen Lustspiel-Konkurrenz der dritten Preis Landschaften bewohnt. Und wie charakteristisch versteht er diese errang (den ersten erhielt Schaufferts „Schach dem König“, Menschen zu schildern, in denen Haß und Liebe darum nicht den zweiten „Ueber den Parteicn“ von Müller von Königs- grimmer in ewigem Sampfe liegen, weil sie nicht immer das winter). Das Stück gefiel in Wien indessen nicht, wurde vom rasche Wort auf der Lippe tragen, sondern stillere ind verNutor umgearbeitet und gelangte nunmehr am Hamburger schlossenere Naturen sind, ähnlich den Bewohnern Norwegens! Thalia-Theater, sowie kurze Zeit nachher auch in Berlin mit Speziell Wicherts littauische Geschichten sind so reife Schöpfungen, glänzendem Erfolge zur Aufführung.

daß sie allein genügt haben würden, dem Namen des Verfassers Die soziale Bewegung unserer Tage behandelte Wichert einen ehrenvollen Play in der Litteratur zu sichern. Wichert ist in dem Schauspiel „Die Fabrik zu Niederbronn“, das er nach

der Erste gewesen, der Littauen der Poesie erschlossen hat, und seinem Roman „Die Arbeiter“ arbeitete. In den Kriegsjahren scinc dort spielenden Erzählungen beweisen, welch herrliche von 1870/71 schuf er die Gelegenheitsstücke „Das eiserne freuz" dichterische Motive in jenen entiegenen Landstrichen für den zi1 und Einer vom York'schen Storps", sowie das Lustspiel | finden sind, der da fucht. „Biegen oder brechen“, und ferner den „Schritt vom Wege“,

Einen nicht weniger hervorragenden Platz nehmen Wicherts das am meisten aufgeführte Wichert'sche Lustspiel, das anfäng: große historische Romane ein. · Schon 1861 begann Wichert lich von Herrn v. Hülsen abgelehnt worden war, nach dem

mit seinem Freunde Dr. Hudolf Steicke, Bibliothekar in Königskönigsberger Premièren-Erfolge abermals eingereicht wurde

berg, die „Altpreußische Monatsschrift“ herauszugeben, die zahlund bis heute im Repertoir des berliner Schauspielhauses ge

reiche Abhandlingen aus seiner Feder enthielt, 11. a. auch eine blieben ist. Ihm reihte sich in den nächsten Jahren in rascher | historisch-politische Studie über die preußischen Stände. Qus Folge an: die Lustspiele ,,Die Niealisten“, „Bekenntnisse einer diesen Studien heraus wuchsen neben den Novellen „Von der armen Seele", ,,Der Freund des Fürsten“ und „Der Sekretär",

deutschen Nordostmart" 11. A. die umfangreichen Romano sowie das Schauspiel „Eine Frau für die Welt“ und das ge

.Deinrich von Plauen", ,, Der große Kurfürst in Preußen“ und schichtliche Drama „Moriy von Sachsen". Das Voltsstück

,,Tilemann vom Wege", Romane, in denen der Verfasser , Peter Munt“, mit völlig freier Fabel auf das bekannte

die bedeutsamsten Epochen aus der Geschichte seiner engeren Hauff'sche Märchen vom kalten Herzen gestüşt, konnte sich Ścimat mit einer Reihe von frei erfundenen Lebensschicksalen ebenso wie das Lustspiel ,,Die talentvolle Tochter“, nicht auf

in glanzvollen Schilderingen so zu verbinden gewußt hat, daß der Bühne behaupten.

sie ein organisches Ganze bildeni, ohne daß auf der einen Seite,

der historischen und auf der anderen, der poetischen Wahrheit Wicherts Begabung für das große Drama, das seine Abbruch getan worden ist. Es sind historische Romane, die Stoffe in der Geschichte oder in den weltbewegenden Fragen

diese (Battung der Erzählungsart wieder einmal zu Ehren der Zeit sucht, hat sich in manchem seiner Trauerspiele, am meisten wohl im „Withing von Samland“ und in „Mit Wind

bringen fonnten. Daß ein fritischer Blick auf diese Erzeugnisse

der Wichertschen Muje dieselbe nicht völlig frei von kleinen und Wasser“, schlagend bekundet; seiner innersten Natur nach aber entspricht die Schilderung des Alltagslebens mit ihren

Mängeln finden würde, weiß der Verfasser bei seiner Aufrichtigkeit,

Selbstkenntnis imd Ehrlichfeit am Besten. kleinen und großen Wirrnissen, die Bchandlung gesellschaftlicher

Wichert gehört zu den Mitbegründern der „Genossenschaft Si'onflikte, die Darstellung bürgerlicher Wirklichkeit, die er in

dcuticher Autoreit und Componisten" und den Verein Berliner seinen Lustspielen nach der behaglich humoristischen Seite hin

Prosje" jeit seiner Verjetung in die Reichshauptstadt als erster oft so vortrefflich auszunäßen verstand, mehr als das Pathos

Vorsigender an. Dicen beiden großen Vereinigungen hat er der großen Tragödie. Seine entschiedensten Erfolge hat er

in seiner aufopferungsvollen und hingebenden art jo viel gedenn auch mit jenen Schau- und Lustspielen erzielt, in denen das Urelement seiner Persönlichkeit: eine mit liebenswürdigstem nügt, daß es llnrecht wäre, an seinem Ehrentage nicht auch

dieser Tatsache Erwähnung zu tun, die seiner menschenfreimd: Humor verbundene Humanität, die stets in milder Versöhn.

lichen, imucr hilfsbereiten und namentlich für die Interessen lichkeit ausklingt, zur Geltung kommen konnte.

seiner schriftstellerischen Berufsgenossen immermüdlich tätigen Höher denn als Dramatiker steht Wichert mir und wohl Wesenheit ein bleibendes Denkmal sept. quch den meisten, die ihn schätzen und lieben gelernt habent, als Novellist und Romanschriftsteller. Im Jahre 1868 erschien sein erster, schon erwähnter Koman, die Geschichte eines verlorenen Menschenlebens: ,Aus anständiger Familie". In dieser Erzählung dokumentiren sich bereits alle die Vorzüge, die seinen schönwissenschaftlichen Arbeiten hauptsächlich ihre Anerkennung,

Gedichte*) Verbreitung und Beliebtheit erworben haben: ein sehr scharfer, in nüchternen juristischen Leben noch mehr geklärtec Blick für

X + 110 10 1j. die sozialen Schwingungen unserer Zeit und eine gewisje Snappheit in der Darstellungsweise, die, ohne der poetischen

Lrider! Durchleuchtung zu entbehren, allen novellistischen Erzeugnisien

Die Welt ist heute verteufelt praftisch, des Verfassers den Stempel ferniger Eigenart aufdrückt.

Verteufelt prastisch mit Mann und Daus, In erster Linie sind von Wicherts Novellen seit 1868 lind jelbst die neun Musen scheut didaktisch sind mehr als ein halbes hundert Bände aus seiner Feder er

Nic englische (ouwernanten ants! ( dienen – jene Erzählungen anzuführen, die in seiner Heimat,

*) Diese bisher unveröffentlichten Gedichte sollen neben einer in Altpreußen, spielen. Er fennt seine Heimat von Grund aus

Ncile anderer dení „Vuch der Zeit" cinverleibt werden, von dem der und liebt sie mit allen Fibern seiner Seele, liebt die poetische ! Verfasser cine Neuausgabe zu veranstalten gedentt. Die Ned.

von

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Ein Sud bellt.
Still!!
Clill!!!

Dit?
Pul??
All), doimo sand! Sic fali, ivic fall,
llud deine Augen: gebrochen! gebrochen

Viein! Vicin!! Dil Darrit cö nicht schii,
Tai dic Lippen inir 3110fcii,
llud autch die Tränen nicht,
Die ich findijd) um dich vergicije

Til armnes Weib!

Quio nachts? Nachis nur noch wagit dit dich, Schüchtcrii, alis deinem Surg? 91119 deinem Sarg? lim dich auf 33chen 311 mir z11 schleichen?

ich stand schon seit Langem vor Schlüters Neiterbild des großen Surfürsten und vermochte fein Alige davon abziuvenidei.

Es war cin falter Tag, Regen lag in der Luft, und der Wind bezeigte cinc boshafte Lust

, mir den Hut vom Niopic 311 rciszeni. Dazu um mich das umaufhör: liche (Sciöie schwerfällig über die Brücfc feuchender Last: wagen; der jummende Toppelstrom geschäftig vorwärtsdrängender Menschen; gelegentlich ein Baffer, dem (s nicht gefiel, daß ich bewegingslos auf meinem Blaze verharrte und das Standbild betrachtete. llnd doch in mir die hellsie freudigjte Sammlung, cin seliges Nichtgewahrwerden all des großstädtisch - kleinlichen Trubels, cin Einleben und Hincimachsen in die Seele des Heldenhaften Fürsien und des genialen Bildners.

Der Mam und das Roß: welche Wucht, welche (Größe! Wie ganz aus Irdischem hervorgewachsen und über Irdisches hinausgewachsen! Poll cdel gezähmten Feuers das Pferd, über mächtigem Brustkasten das gewaltige Haupt, und um die weitgeöffneten Nüstern das aristokratische Epiclcmpfindjaisier Nerven! Da ist nichts verloren gegangen von der ingestümen Naturfraft wild-tropiger ahneu, aber da ist alles verfeinert durch Klugheit und Zucht und adliges Rassegefühl. Mit stolzer Eclaiicntheit erhebt es scinei vuf, unbekümmert um die gefesselten Männer, die von den Sockelfanten mit zügellvíem Staunen aufwärts blicfen. Es weiß: es trägt den edelsten Neiter. Darum ist es so stolz und so sider. Der Nurfürst aber, fest im Sattel' sipend, wendet jein Feldherrnhaupt zum Schlossc hinüber und läßt seinen Adlerblick über die Stadt schweifen, dic ihre künftige (Größe ihm 311 danken hat. Auch seine Scele" ist fest und unbeweglich, wenn sie auch ehenals heiß und stürmisch war. So wie er sich bezwingen hat, so hat er Tausende bezwingen, und mit eisernem Griff hält er in der aus

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gestre&ten Rechten den Feldherrnstab, der ihm wie feinem : Wenn der alte Herr solches aber zu meinem weidlichen Zweiten gebührt. Denn alles an dicsem Mame jagt, : Ergößen getan hätte, würde ich mir mit intertänigster das Größte wie das Sileinste: „Ich bin ein Befehlender; ; Ehrfurcht die (hnade ausbitteit, jein Noß am Zaime aber es ist eine Lust, mir zu gehorchen .".

fajicu iind ein Stückchen weiter ins neue Berlin hineina Nur schwer riß ich mich los von diesem Bilde ver: geleiten 311 dürfen.

geleiten zu dürfen. Es würde mancherlei für ihn 311 gangencr und doch lebendiger Heldengröße. Aber ich i jehen geben, Erfreuliches und Aergerliches, Spaßhaftos ivar foeben zum dritten Male injanft in die Seite ge und Ernsthaftes. Da er aber nun so fest auf seinem stoßen und zum noch öfteren Male ingeschickt auf den Platze verharrt, so muß ich mich schon damit begnügen, Fiiß getreten worden. Id) mußte einschen lernen, daß ihn als injichtbaren (Scist in meiner Nähe 311 wissen, mir die im Daseinskampfe' schnaubend hirundherrennende und ich werde mir gestatten, des öfteren das Wort an Bevölkerung ein so selbstsüchtiges Schwelgen in fünst ihn zli richten. lerischem Genusfc inmöglich länger gestatten fömme; daß Als ich den Lusigartcu betrat und zu meiner Rechten ich vielmehr verpflichtet sei, durch cilfertiges (Behen und die schmutzige alte Domfirche erblickte, hätte ich mich cisten sorgenvollen (Gesichtsausdruf ineine Zugehörigkeit beinahe umgedreht, anis Furcht, daß mein unsichtbarer 311 irgend einer Hantirung zu beweisen. Dem gröblich

) | Begleiter jählings Reißaus nehmen möchte

. Ich fröstete an mich ergangenen (Bebote folgend, wagte ich nur cinci ihil aber damit, daß das alte (crümpel ficher noch im futrzen Blick der Majestät des" königlichen Schlosses 311- Laufe des nächsten Jahrhunderts vom Erdboden vera zutwerfeni, und trollte mich dann, nicht ohne cine 2111 schwinden würde, und daß danı ----, Aber hier brach wandlung von Mismut, dem Ilfer entlang nach der ich ab und murmelte etwas in meinen Bart, und zu Naiser Wilhelm-Brücke 311. Da bot jich mir demi bald (Stück war der alic Nurfürīt jo ticf in pictätvolle Beein gänzlich verschiedenartiger Anblid, und meine dunkel trachtung des Schloßbaues versunfen, daß er mich gar grollende Lppositionslust wider die kompafte Majorität nicht fragte, was ich ihm focben verschwiegen hätte. ließ mic), lineingedenk der empfangenen Rippenstöße und Ich machte seine furfürstliche Gnadeni' nun auf den Fußtritté, abermals stehen bleiben, im das Ding da vor gegenüberliegenden Museumsban und das davor befindliche inir 311 beaugenscheinigen.

Reiterdenkmal Friedrich Wilhelus III. aufmerfiam, uud Berlin oder Beting? Das war die Frage, die sich ar jah sich alles höchst crnithaft an. Dann aber ladite mir aufdrängte. Schen doch dicje Brüden-Obelisken mit or plöblich wie mir cin seliger Geist lachen kann, der ihrem starrciiden Waffenschmuck und ihreit an plump por: bereits umieren Herrgott hat lachen höreit, mud fragte, ragenden Henkelit wic sürbisie hängenden Laternen juist was denn das für ein verrücftes (Sliedmaßengewimmel gerade so aus wie dic chinesischen Pavillon Türnichen, da hinten an der Wand zwischen den Säulen wäre

. Ich deren fofette Ilmrißliniert wir auf Tectabletten zll be jagte ihm: „Das sind allegorische Fresfen.“ Er fragte: wundern Gelegenheit habeii. llid jeti ragcit vier solcher Was jollen fie dein bedeuten?" Ich crividerte: ,,Der geschnörfelter Îluwesent in unserem allermodernsten Berlin Water hat jeiii (cheimnis mit sich ins (Grab genommen.“ dreist in die Luft und recfen sich mit satten Blebejerstolz | „Man solls übertünchen,“ bemerfte er barich und erkunim Weihcschatten des föniglichen Schlojies. (Glaub's digte sich dam leutjelig nach den sonstigen Schicksalen gerne, daß es ihnen da wol ist, und daß fic jich ricjg des Museums. Jch durfte antworten, daß cinsichtreiche vornehm dünfen, die garstigen Bauernflötze mit ihrer Männer an der Leitung ständen und in ungewöhnlich affektirten, fremdländischen (Geziertheit

. Dan möchte sic | kurzem Zeitraume die Sammlungen 311 hohem Nuhme wegwünschen, wenn sie nicht bezeichnend wären für den in gebracht hätten. in Berlinu,“ Führ ich fort, „hat man Berlin herrschenden lligeschmack und dadurch gleichsam für das Alte und Historische überhaupt einen schr cut311 historischen Dofumenten anwüchsen. Darf man doch wicfelien Simt, während man sich dem Neuen gegenüber hierznilande nicht einmal gegen die jest an den Lützow- ifcptisch verhält. Dic (Scistesarijofratic glaubt hinderi play übertragene Berfulesbrücfc etwas jagen -- der alte mal cher an deil Nuitwert cincs beliebigen Bildes alis Schadow inöchte is vielleicht im Jenseits 110ch frumm der Schule des alten Rubenis als an das Erzeugnis nehmen! Dafür muß mani jetzt tagtäglich den wader cines modernen Malers, der sich erfrecht, cigene Wege mit seiner Scule auf allerhand (Gevich lysprügeluiden 311 gehen.“ „Haben auch verflucht viel gekonnt, dic Derfules in der ganzen Kracht seiner weichlich gedinjenen alten sicris," interbrach mich mein unsichtbarer Begleiter, Musfelit austauen, und vielleicht giebt es noch Leute, „aber die neuen Sicris müjien gleichfalls vormärts welche glauben, daß derartiges zum Frommen der all- | kommen." Man hat ihnen auch," fuhr ich fort, ,,eine gemeiner Volfsbildung und fünstlerischen Erbauung auf: Art Sanktuarium cingerichtet, die jogenannte Nationalgerichtet sei. Freilich giebt es jo itaive edelsinnige (He: (Galerie, aber die meisten werden alt ind gran, bis sie inüter auch nur in der Stadt des trocenen Versandes. da hincin fommen, und dann sind es in der Niegel

Indeß, ich befand mich mit dicjen (Gedanken nicht irgendwelche Spätlinge ihrer su, dic man aufnimmt, auf der Herfules-Brücke, sondern auf der Saiser Wilhelm : 110 denten daher die rechte jugendliche Frische fehlt. Brücke, und da mir die Gelegenheit geboten war, blickte Es ist zwar jelten, daß man ganz Schlechtes kauft, doch ich von dort noch einmal nach dem Surfürsten-Deufmal noch seltener fauft man ganz (untes. Es liegt aber hinüber. Die Sonne war hervorgebrochen, und das daran, daß die (scheimräte 311 viel und die siünstler 31 Reiterstandbild blitzte gleich dem Wasser, das sich in wenig bei den Neuanschaffungen zu sagen haben. Zwar dunklem Strome inter ihm hervorwälzte. Dahinter

Dahinter werden sie anstandshalber gefragt, aber da giebt is so ragten die festimgsartigen Mühlémwerfe mit ihren Zinnen allerhand Reservefonds imd Stiftungen, und mit denen und ihrem Curin und gabent mit ihren gelblichyrauen kann man immer wieder nach (sutdünken und Willkür Sandsteincu für den schwarzen, leuchtenden Reitersmann verfahren. So fommt schließlich mancherlei in die einen hellen, friegerisch gestimmten Wintergrund ab. Sammlung hinein, wovon die fünstlerische Scommission Schade, daß er nidit ein wenig herübertraben kann, der durchaus nichts hat wissen wollen.“ ,,Muß geändert alte Surfürst dahinten! Ich möchte ihn so gerne in werdent," brunnte der Sturfürst. „Bitte, stellen Sie den altbrandenbirgischen Zorn geraten schen über das niet: Alutrag," crividerte ich fühi. modische berliiter Chinesentin, und wer weiß, ob danı Dic Schloßzbrücke überschritten wir schnell, imd ich nicht der bunte Plunderfram über das Brückengeländer bemerkte, wie mein Begleiter die marmornen Heldenhinüber in die höhnisch aufsprißende Sprce purzelte. I jünglinge und Viktoriei mit müßiger Neugierde bfs.

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