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gegangen war, belehrt uns ausführlich der erste unter | solche Leuchte entzöge? Wieviel Verwünschungen würden dem Titel: „Die Leidensgeschichte“ ihn vorangesetzte diefem Ehebund nachgesandt werden, welcher Schaden Brief Albälards an einen unbekannten Freund.

würde der Kirche daraus erwachsen, wie viel Tränen In der Fülle seines jungen Ruhmes, in der Blüte würde die Wissenschaft darüber vergießen.“ Lieber will männlicher Jugendkraft und Jugendschöne kommt Abä- sie

sie seine „Buhlerin“ fein. In ihrer gelehrten Weise lard 1117 zum zweiten Mal nach Paris. Und hier nun weist sie ihn darauf hin, wie die Kirchenpäter vor der fällt er den Lockungen des Fleisches“ anheim. „Ich. Ehe warnen und belegt es mit vielen Zitaten. Sie hält der bis jeßt die strengste Enthaltsamkeit geübt hatte, be- ihm vor, wieviele Unannehmlichkeiten ein bürgerlicher gani unin meinen Leidenichaften die Zügel schießen zu Ehestand für ihn, den Gelehrten, im Gefolge haben lasjen" (,frena libidini coepi laxare, qui antea vixeram würde. Einzig und allein der freien Liebe molile fie continentissime“, wie es in dem alten Urtert heißt.) jeinen Besitz verdanken, nicht dem Zwang des ehelichen

Sein lebhaftes Temperament, ,,das Erliteil seines Bandes.“ Aber troß allen Vorstellungen, ja Tränen, heimatlichen Bodens und des Blutes, das in feinen vermag das hochherzige, selbstloje Geidöpf ihn nicht von Avern rollt“ er ist der Sohn eines Kriegsmannes ieinem Entschluß abzubringen. Er geht mit ihr nach und der Bruder von Soldaten - reißt ihn in den

reißt ihn in den Paris zurück und vermält sich dort mit ihr. Nach der Strudel der Freuden und der Leiden weltlicher Minne. Verinälung trennen sie sich, da ihre Ehe geheim gehalten

Ex lebte in Paris eine Jungfrau, namiens Heloise, werden muß, wenn er nicht, bei den damaligen Zeiten, die Nichte eines Stanonikus Fulbert, der ihr zlı Liebe all die Unannehmlichkeiten für seinen Stand und seine alles tat, um an ihrer wissenschaftlichen Ausbildung Lehrtätigkeit haben soll, auf die ihn Heloise bereits aufnichts zu verabsäumen. Gehörte sie schon ihrem Aeußern merisam gemacht hatte. nach nicht zu den leßten, so war sie durch den Reichtum Alle diese Nachteile stellen sich nichts desloweniger ihres Wissens weit aus die erste." Sie lernt er kennen, eini, namentlich da Fulbert und seine Angehörigen, die „und jie, die ich niit allem geschmückt sah, was Liebe zu Abälard den ihrer Familie angetanenen Schimpf nicht wecken pflegt, gedachte ich nun durch die Bande der Liebe verzeihen können, das Geheimnis der Ehe veröffentlichen. an mich zu fesseln“ ... „Von glühender Liebe zu diesem Heloise lügt zwar zu seinem Vorteil. Aber das reßt sie Mädchen erfüllt, frichte ich nach einer Gelegenheit, um sie lediglich den Mishandlungen ihrer Verwanten aus, und durch täglichen Verfehr in ihrem Hause näher kennen zu Abälard ist genötigt, fie in dem Nonnenkloster von lernen und sie meinen Wünschen gefügig zu machen." Argenteuil bei Paris in Sicherheit zn bringen. Hierüber Mit ihrem Dheim, der ihn seiner Gelehrsamkeit aufs höchste erbittert, vereinigen sich Fulbert und seine wegen hochschäft und ihm in jeder Beziehung Verwanten zu seinem Verderben. Nachdem sie seinen blindes Vertrauen schenft, kommt er überein, daß er Diener bestochen, dringen fie nächtlicherweile in fein gegen eine Entschädigung in seinem Haus aufgenommen Schlafgemach und machen ihn zum Nastraten ... Abälard werde. Fulbert, ein wenig Geizhals, lockt der Mietzins zu Liebe nun nimmt Heloise, dem Willen ihrer Verund Abälards Bereitwilligfeit, Heloise des weiteren wissen wanten entgegen, den Schleier. Abälard selbst geht für schaftlich 311 fördern, und so wird Abälard sein und einige Zeit in ein Kloster, um dann in einein jahrelangen Heloisens Hausgenosse. Fulbert überläßt ihm Heloise Umherirren unter sieter Leibes- und Lebensgefahr seine ganz und gar zur Erziehung und „bittet ihn obendrein Lehrtätigkeit wieder auszuüben. dringend, alle freie Zeit, seis Tag oder Nacht, auf ihren In diesen späteren Zeitraum, lange nach der tragischen llnterricht zu verwenden,“ ja, er überträgt ihm das Trennung der Gatten, fält nun sein Briefwechsel mit Recht der Züchtigung, so daß es dem jungen Helvije, der er inzwischen eine Zufluchtsstätte in dem Lehrer sogar möglich ist, mit Drohn und später von Innozenz II. bestätigten Kloster zum „ParaSchlagen 2011 Ziele 311 gelangen, wenn die fleten“ gegründet hat, in dem sie als Nebtisin mit einer Worte der Verführung nichts 11 ten“ :: „Was | Anzahl Nonnen lebt. soll ich weiter viel sagen? Zuerst ein Haus, dann ein Herz und eine Seele. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft geben wir uns ganz der Liebe hin und unsre Des Das sind in furzem die Ereignisse, die dem Briefschäftigung bot uns von selbst Gelegenheit des Alleinseins, wechsel vorausgehen und deren Kenntnis unerläßlich ist, wie eš Liebende wünschen.“ Alle Stufen der Liebe und wenn wir diesen richtig beurteilen und namentlich Ābälard, Leidenschaft machen sie nun durch und statt wissenschaft- wofür auf den ersten oberflächlichen Blick ja wol Anlaß licher Traktate verfaßt der junge Profeffor, der in seiner vorläge, nicht allzu sehr verurteilen wollen. Lehrtätigkeit immer lässiger" wird, Lieder zum Lobe der In den „Parakleten“ also berichtet Abälard Heloise Minne.

in einer Reihe von meist außerordentlich ausführlichen Aber troßz aller Sorglosigkeit und blinden Vertrauens Briefen von seinen ferneren Schicksalen, disputirt mit ihr seitens des Dheims Ranonifus, bleibt die Art ihres Um über die heiligen Schriften, die Kirchenväter, schickt ihr gauges dieseni auf die Dauer doch nicht verborgen. Nach und ihren Nonnen Ordensregelii, Predigten, Gebete und einigen Monaten sind die jungen Liebesleute genötigt, geistliche Hymnen. sich zu trennen. Aber nur im so fester gründet diese Kennzeichnend für diesen Briefivechsel nun und für förperliche Trennung ihre Neigung. Bald darauf fühlt den Seelenzustand seiner beiden Verfasser sind bereits sich Heloise Mutter. Ábälard, von ihr benachrichtigt

, jeine Ueberschriften. 'Heloise „Ihren Herrn, ja vielmehr entführt sie heimlich ihrem Dheim und bringt sie in seine Vater ihren Gatten, vielmehr Bruder – seine Magd, Heimat

, wo sie von einem Knäblein entbunden wird. ein, seine Tochter; feine Gattin, nein, seine Schwester; Fulbert gebärdet sich bei Abälards Rückfehr wie ein ihrem Abälard – Heloise.

Heloije.“ Oder: „Ihrem Ein und Rajender. Schließlich erbietet sich dieser, in ihn zu be Alles nach Christus die Seinige ganz in Christo.“ Sie fänftigen, ungeachtet ihm dies bei jeiner Lebensstellung nennt ihii, namentlich in den ersten Briefen, „ihren innigvon großem Nachteil ist, das verführte Mädchen 311 ehe- geliebten Mann“, ihren „Einzigen“, „Geliebten“ u. ß. f. lichen. Fulbert ist einverstanden und albälard reist in Deingegenüber Åbälard: „9111 Hiloise, seine geliebte feine Heimat zurück, um Heloise 311 feiner Gemalin zu Schwester in Christo

Schwester in Christo — Abälard, ihr Bruder im Herru“ machen. Aber diese ist nicht einverjianden. ,,Wie fönnte an die Braut Christi - der Knecht Christi“ u. f. f. fie es vor der Welt verantworten, wenn sie ihr eine An einer Stelle schreibt sie, die fromme Aebtissin:

*

,,Denn nidits haten wir jo wenig in der Gewalt ais wie das Weib, das einen tiefen und intimen Einblick in unser Herz, und statt ihm gebieten zu können, müssen wir das Wesen beider Geschlechter und in ihre Gegensäßlichihm folgen.“ Den rührenden, tiefergreifenden Beleg für teit gewährt. Denn das alles durchbricht mit lebendigent, diesen Äusspruch bieten ihre Briefe. Noch ganz fühlt sie an das Herz greifenden Worten all den theologischen und rich ihm gegenüber als Gattin und Geliebte viel mehr, philesophischen, dialektischen und scholastischen Nebenfram, denn als Vrant Christi. Mit der herzinnigsten Anteil Cor diesem Lebensbilde seine Patina" verleiht. nahme verfolgt sie seine Leiden und Triumphe und ringt mit ihrer sehnsüchtigen Liebe zu dem fernen Gatten, mit dem ihr ein eheliches Zusammenleben für immer versagt

Y ist. Blutwarm und leidenschaftlich bewegt und durchaus „weltlich“ ist der Grundton ihrer Briefe." Säße, wie die Aus der Mappe eines lachenden Philosophen. folgenden, mögen ihn illustriren: „Ich aber habe“ – schreibt fie – Gott weiß es, jederzeit mich mehr davor gescheut, dich zu beleidigen, als Gott. Dui bist es, dem

4. Die Sprache. *) ich gefallen will, nicht Gout." Dder: „Allein, laß mich die ganze Schwachheit meines geängstigten Herzens be

I.

borror kennen: ich finde in mir nicht die Kraft einer wahren Aller Anfang ist schwer. Er wird nioch schwerer und Reue, mit der ich Gott verföhnen könnte; ja ich muß ihn unmöglich, wenn man etwas verfehrt anfängt. Verkehrt vielmehrob jener ungerechten Heimsuchung der höchsten fann der Anfang sein, auch wenn er gelehrt ist. Sant Graujamfeit zeihen“ u. s. w. Ja, wenns fein Frevel begann seine Philosophie mit der Kritik der reinen wäre – wollte ich hinausrufen in alle Welt: . du Vernunft. Schopenhauer knüpfte seine Philosophie an grausamer Gott, granjam in allen Stücken! unbarm

Rant an. herzige Barmherzigkeit! Dunseliges Geschick!"

Richtiger wäre es gewesen, anzufangen mit der Kritik ich Elendste der Elenden! Ich aller Unglücklichen Un der Sprache. Denn die Vernunft ist zwar die Grundlage glücklichste! Stand ich nicht höher als alle Franien der der Sprache, die Sprache ist undenkbar ohne Vernunft, Welt, da du mich über alle stelltest?llm so tiefer und die Vernunft andrerseits ist ganz unabhängig vom Dasein schwerer war der Fall, den ich an dir zugleich und mir einer Sprache. Solange also einer für sich ganz allein erleben mußte!"

denft, nicht an andre Denker sich anschließt und auch nicht Ueberall die lluruhe des unglücklich liebenden Weibes. für andre denft, denen er seine Gedanken mitteilen wil, alde Theologie und Gelehrsamkeit

, namentlich ihrer ersten folarige kann ihm die Sprache ganz gleichgiltig seint Briefe, durchbricht machtvoll die innige Glut und Leiden aber min jeder Philosoph nur ein Glied in der Rette idhajlichkeit ihrer innig starfen, unversieglichen Liebe. aller andern ist, und die Vermittlung nur durch die Sprache Demgegenüber nun der unahbare

, unerschütterliche geschieht, so ist hier tatsächlich eine genaue, gründliche Gottesfriede in den Briefen Abälards, ihres Bruders Interiichung der Sprache mindestens ebenso wichtig als m Christo“, der meint, Gott preisen zu müssen für das die der Vernunft. Ein Astronom 3. B., der sich durch Geschick, das er über sie verhängt, und das sie nun nötigt, sein Fernrohr mit dem Himmel in Verbindung reizt, muß ganz und einzig ihr Heil und ihren Frieden in Gott und vor allen Dingen dieses Fernrohr genau fennen lernen Christo_zu finden. Seine Briefe firoşeni poni weitipuriger mit allen Fehlerii und Schwächen. Die Geschichte ist ja theologischer Gelehrsamkeit und es befremdet die Ruhe und nicht so einfach, daß der Mond in herion durch das Kälte," mit der er Heloise ermahnt, ihr Herz und ihre Fernrohr hindurchspazirt, foniern Aberration, atmoNeigung zur Ruhe zi! bringen, sich ganz Gott und Christo iphärische Brechung, chromatische Dispersion ul. I. . hinzugeben und ihm in einem höheren Sinne als Schwester spielen eine große Rolle. So teilen sich auch die Gein Chrisio verbunden zu sein. Nichts, was eine innigere danken des einen nicht unmittelbar den andern mit, Sympathie, ein Verständnis für Heloisens Seelen- und sondern jeder Gedanke muß mit hindurch durch etwas Herzensnot und eine warme Anteilnahme an ihr fund völlig fremdartiges, und es ist daher sehr fraglid), låte. Selten eine Stelle, die mit einer wärmeren Nüance ob er zuießt wieder das wird, was er zuerst war. Er etwas von den Kämpfen verrät, die ihn ihre graujame fann ja unterwegs Arm und Bein und das Genic geTrennung verursacht hat und über die er nun längst brochen haben. hinaus ist. Immer fälter und erkältender, immer umfang Das Wesen und der Zweck der Sprache besteht in reic:er an theologischer (Gelehrsamkeit, immer didgespickter der Mitteilung. Darum muß sie flar, furz, einfach, vor mit gelehrteii

, trođenen Zitaten, werden seine Briefe frömmier allen Dingen umzweideutig sein. Am deutlichsten tritt immer imd gottjeliger. Ganz geht er in seiner Lehrtätig das hervor in Geschäftsbriefen und im Telegrammstil. feit und seinen theologischen Stämpfen auf, die ja in ihrer, Ju jeiner Art ist auch der Telegrammstil schön, so schön man möchte jagen, vorreformatorischen Tendenz sehr wert: wie ein Gerüst, welches dem Häuserbau dienen soll. Das voll und von hohem Jnteresie sind, hier aber ridit abs Telegramm ist nid)t Selbstzweck, es ist ein Sklave des stoßend und befremdend wirfen Aber so sehr auch alle Gedankens. ufre Sympathien bei Heloise sein mögen, die sie uns Um hier vor Begriffsverwirrungen sicher z11 sein, mit der lletrerzahl ihrer Veiden und inneren Unruhen muß man wiffen, daß die Sprache nicht immer ihre ur gegenüber dem Frieden und der Leiderhabenheit Abälards ! iprüngliche, i jenende Stellung innehält, sondern zur Verrin, abnötigt, so dürfen wir dvd) angesidis seines Schicksals zum Selbstzweck wird. So behandelt die Redefunst zum feinen" allzu harien und sentimentalen Maßstab an seine großen Teil die Sprache als solche, das Gerüst wird mit Briefe anlegen, vielmehr seine Sälte zum guten Teil auf Fahnen und bunten Vändern geichmüct Die Sprache physiologische llisachen zurückführen.

vähit sich hier der Musik, die in der Oper alle Sinne gefangen nehmen soll. Wenn schöne Lippen uns in einem

Plauderstündchen beglücken, so wissen wir schwerlich nachler, So viel möge an dieser Stelle genü:jell, um für die was der holde Mund uns denn erzählt hat. Wir haben Lektüre eines Buches Juteresse zu wecken, das ein hoch- eben nur einer reizenden Musik gelauicht, das Sprechen wertiger Beitrag zur Psychologie der Liebe ist, ein blutwarmes Zeugnis und Beispiel, wie der Mann liebt und *) fiche Nr. 14, 36, 37, 52 des Magazina, 62 Jahrgang.

war fein lautes Denfen, sondern es waren Töne einer

Dieser Unterschied zwischen Verben und Adjektiven Nachtigall

ist aber kein so großer, daß er es rechtfertigen könnte, beWürdevoll wandert der Herameter seine lange Straße, fondere Wortarten dafür zu beanspruchen. Daher wird durch wolgeformte, schönabgerundete Perioden besticht auch in der Grammatik selbst der Unterschied völlig veruns der Schönredner ut. i. w.

nachlässigt, und beide Wortarten werden durcheinanderIn obigem liegt das musikalische und das architek- gemengt. So find die Wörter stehen, pfeifen, stralen, stingen tonische Element der Sprache. Die Architektur behandelt der Form nach Zeitwörter, der Bedeutung nach aber Eigendie Saß- und die Formenlehre der Grammatik, für den Schaftswörter.

schaftswörter. Ümgekehrt sind langsam, melodisch, häufig Wollaut sorgt die Lautlehre.

Eigenschaftswörter, während sie die Bedeutung von ZeitAuch das schl chteste Fernrohr ist beffer als gar keins. ivörtern besißen. Grün=grünen, frank = franken, hören = So ist auch die Sprache dadurch wertvoll, weil sie hörbar, fürchten = fürchterlich, hell = leuchten u. f. m. Man wenigstens eine Möglichkeit bietet, das menschliche Denken wird vielleicht über diese „unlogischen“ Gleichungen entsekt teilweise aus seiner Vereinzelung und Zersplitterung zu sein und nicht vermuten, daß sich der Verfasser viel mit erlösen. Wir sind der Sprache großen Dank schuldig. Integralrechnung, elliptischen Funftionen u. f. w. beschäftigt Es könnte beinahe als schwarzer Undank erscheinen, habe. Grün ist ja nicht grünen, sondern grünend, das einen so gewaltigen Woltäter überhaupt kritisiren zu Grünende; und grünen ist ja nicht grün, sondern grün wollen.

jein. So? Wer sagt denn das? Die logif jagts! Gut! An einem Fernrohr können außen allerlei schöne ist denn Logik Denklehre oder Sprachlehre? Wer sagt Verzierungen angebracht sein, die unschädlich sind, aber „grün grünen“, der begeht einen Widerspruch, aber die Beobachtung der Sternenwelt sicher auch nicht er feinen Widersinn. Sagen wir „grün, nicht=grünen“, so leichtern. So muß man sich einmal gehörig klarmachen, haben wir feinen Widerspruch, aber einen Widersinn. Denn daß die Grammatik nur auf das Ohr berechnet und wir können uns bei „grün“ nichts anderes denken als bei für die Mitteilung von Gedanken sehr nebensächlich ist

. „grünen“.

„grünen". Es sind nur grammatische Fehler, wenn man Viele Vorurteile stehen dem entgegen. Darum ist es jagt „der Baum ist grünen“, oder der Baum grün in leider unerläßlich, uns kurz an die trockne Arbeit zu der warmen Jahreszeit“. macher, die Gleichgiltigkeit der Grammatik für die Ge Das Zeitwort sein" ist ein Wort ohne Sinn, also danfen im einzelnen nachzuweisen.

Unsinn. Und welchen wahnwißigen Unfug haben selbst Die ehrwürdigen Urahnen aller unsrer Wörter sind die grösten Philosophen mit diesem Wörtchen getrieben. die Interjeftionen au, ei u. s. w. Sie sind der ur Das ,,Sein" war die Achillesferje der Philosophie. Man sprünglichfte, unmittelbarste, allgemeinverständlichste, una juchte durchaus etwas dahinter, wie ein kleines Rind den ziveideutigste Ausdruck einer Mitteilung. Sie sind Wort Spiegel zerbricht, um sein Bild dahinter zu erhaschen. und Saß zugleich. Reine Künstelei und Zersplitterung Man framte in einer Schachtel, die doch bis zum Rand in Subjekt, Prädikat 1. f. w. 'findet dabei statt

. Sie leer war. Kartesius beweist, daß er „ist“, also etwas tut sind so natürlich wie der Schlag der Nachtigallen. Da oder hat, was gar nichts ist. Sein und Nichtsein ist gegen der deutsche Aufiaß“ entspricht einer kunstvollen wahrhaftig ganz dasselbe. Sein“ ist ein Bindemort Symphonie.

zwischen Subjekt und Prädifat, das ebensogut fehlen faun. Nun liegt es auf der Hand, daß ein Nachtigallen- Wozu also viel Lärm um nichts? Die großen Philoschlag, unzweideutiger ist als eine Syniphonie. Die jophen hätten die Kinderstube fleißiger besuchen sollen und Nachtigall sagt: „freut euch des Lebens“ – selbstredend von den einjährigen Kleinen etwas Weisheit lernen. Was sagt aber die Symphonie? Man könnte lange „Frißchen hungrig“ heißt es da, nicht „Frißchen ist grübelit

, wollte man die vom Komponisten beliebte Ueber- hungrig“. Das Kind ist noch sinnig, ist noch nicht durch chrift erraten.

die vielen Worte unsinnig gemacht. „Das Seiende“. „das Wenn einer „au“ schreit, so weiß ich sofort ganz genau, reine Sein" sind für den gesunden Menschenverstand wahre woran ich bin. Wenn ich aber Kants Kritik der reinen Brechmittel. Vernunft gelesen habe, fo frage ich mich tausendmal: „was Nun zum Substantivum. Man unterscheidet da will er min eigentlich?“, „was soll das alles heißen und Abstrakta" 3. B. Süßigkeit, Härte 11. s. w., und „Konbedeuten?" Endlich gelange ich soweit zu sagen: „vielleicht kreta“, 3. B. Tisch, Stuhl, Haus u. . 'n). Die Süßig. hat ers so oder so gemeint?" Wenn ich ferner Hegel oder keit, so lehrt man die arnien kleinen Schulkinder," ift Fichte zu lesen versuche, so ist mirs, als hörte ich drei etwas, das es an sich gar nicht giebt. Man nimmt die Leierfasten und zwei Klaviere durcheinander spielen, und Süßigkeit nur ab von andern Dingen, z. B. vom Zucker. ich rufe aus: „Entweder bin ich verrückt oder die da.“ Aber Zucker, den giebts, feht ihr, hier, dieses Stüd, das

Die wichtigsten Wortarten sind Substantivum, Ad- | ist Zucker. jeftivum, Verbum. Die Adjektiva sollen eine sogenannte Das ist die umgefehrte Welt. Denn die Süßigkeit Eigenschaft ausdrücken, z. B. rot, sauer, dumpf

. heiß. fennt jeder aus Erfahrung, als eigenstes, unmittelbarstes lang u. 1. w. Daher stehen sie den Interjektionen am lebnis. Wenn die Süßigkeit nicht wirklich etwas ift, nächsten und drücken noch am sichersten ein Erlebnis aus.fo

fo - bin ich übergeschnappt. Aber Zucker ist eine sehr Weiin einer 3. B. ausruft , heiß“ oder „versalzen“, indem schwierige Abstraktion, eine Begriffsdurchdringung von er einen Löffel Suppe zim Munde führt, so riffen wir Süßigkeit, Weiße, Geruchlosigkeit, Bärte u. 1. m. Man ganz genau, wie wir ihn verstehen sollen. Es ist Pedan: versuche doch. sich Zucker zu denken, man denft weiße terie und langweilig, wenn man erst uinständlich sagt: Farbe, süßen Geschmack, vielleicht eine vieredige Form „heiß ist dieser Löffel Slippe, den ich hier in meiner u. f. w. Weiter aber kann man sich gar nichts denken. rechten Hand halte.“ „Heig“ ist der Ausdruck für etwas Oder ein bischen „Zucker an fich" gefällig? „Reines Wirkliches, Tatjächliches, Erlebtes, ,,Konkretes".

Zuckersein“ gefällig? Die Verben oder Zeitwörter sollen eine Eigenschaft, Das Wort ,,Stuhl" ist ebenfalls nach der Grammatik die sich mit der Zeit ändert, bezeichnien. Fallen, ver ein Konkretum, 'in Wahrheit aber eine Abstraktion. Die welken, schlagen, bohren sind jolche Wörter. Hier bemerft Grenzen des Stuhlbegriffes find sehr unbestimmt. Wir man deutlich, wie man vom Konfreten schon übergeht zum wollen hier gar nicht an den „Heiligen Stuhl“, an den Abstrakten. "Das Verwelfen, das Bohren begreift eine „Stuhlgang", an Sprithwörter wie einem den Stuhl ganze Aufeinanderfolge von Erscheinungen.

vor die Tür seßen“, „sich zwischen zwei Stühle feßen"

u. 1. w. denken. Nehmen wir nur din „eigentlichen“ | Wilfür statt an Ordnung, und an Gedankenlosigkeit, statt Stuhl. Was noch ein Stuhl ist und was nicht, dürfte an regelrechtes Nachdenken. manchmal schwer zu entscheiden und jedenfalls sehr strittig Die Fürwörter, er, sie, es, sind sehr praktische Absein. Auf der einen Seite grenzt der Stuhl an den kürzungsmittel. Sie ersparen ermüdende Wiederholungen Tischbegriff, auf einer andern an den der Leiter u. s. w. desselben Wortes. Noch kräftiger wirken die ZahlAber nehmen wir einmal einen rechtmittelmäßigen :vörter. Man würde verzweifeln, wenn man statt Stuhl, einen ganz gewöhnlichen vierbeinigen hölzernen „365 Tage“ sagen müßte: „ein Tag und noch ein Tag Stuhl. Da ist auch wieder der Stuhlbegriff in zweierlei iind noch ein Tag u. s. w. u. f. w.“ Sinn zu verstehen, die nach sehr verschiedenen Richtungen Die' Adverbien, Präpositionen und Konjunkhin liegen. Der eine wird den Stuhl als eine Durch- tionen bieten nichts neues. Es sind nur der Form nach dringung der Vierbeinigkeit mit der Hölzernheit auffassen. Wortarten, ohne daß ihnen ein anderer Sinn entspräche Er wird also den Stuhl auch dann noch Stuhl nennen, als anderen Wortarten. Jeßt = in der Zeit, in der wir wenn man ihn in die Faust nimmt und einen Nagel da leben, oder =-- am heutigen Tage. Für = Vorteil bringend. mit fesiklopft

, ihn also als Hammer gebraucht. Ein Aber was nicht zu erwarten war u. f. w. andrer aber kann erklären, der Stuhl sei nur zum Siken Auch die Flexion ist etwas für den Sinn ganz Gleichda und habe mit Holz und vier Beinen nichts zu schaffen, viltiges. Bei der Konjunktion gibt es ein Passivum. Stuhl = Siß. Dann heißt „ich sie auf einem Stühl“ Dies ist so überflüssig wie möglich, da man jeden Passiv

„ ich fiße auf einem Siß" - ,,ich fiße“! „Frißchen iaß in einen aktiven umwandeln kann, Ferner gibt es Stuhl" = Frißchen fißt“!

Indikativ ind Konjunktiv, ich bin und ich sei. Man hat Man wird bei einer Vergleichung ,,Stuhl --- Siz“ die sich auch schöne pedantische Regeln zurechtgemacht, wann andere Definition wahrscheinlich vorziehen. Aber wenn man die eine und wann die andere Form stehen muß. Aber fich einen Stuhl denkt als „Konkretum“, so denkt man Verstand steckt nicht dahinter. Dann gibt es im Deutschen wahrscheinlich Stuhl = Hölzernheit + Vierbeinigkeit“,

Hölzernheit + Vierbeinigkeit“, 6 Zeiten, darunter 3 Vergangenheiten. Warum nicht 99? d. h., jo fieht man in Gedanken das Ding vor fich Wenn schon, denn schon. Der Lateiner sagte noch: Wie stehen. Man denkt sich nicht einen Menschen im Sißen, die Aussaat geniacht worden sein wird, so wird die Ernte also nicht „Stuhl - Siß“.

jein.“ Wir find allmählich schlauer geworden und sagen: Wie plump und barbarisch ist also die materialistische Wie die Saat gemacht ist, so ist die Ernte“, oder: „Wie Lehre, daß die Stühle und Kartoffeln u. s. w. das wahre die Saat ist, so die Ernte“, oder: „wie du jäst, so erntest „Dasein“ hätten!

du“, oder: ,Saat wie Ernte!" Leicht entbehrlich sind die Die Grammatik nimmt es selbst garnicht ernst mit Zeitformen "allesamt. Im Notfall genügt ein Zusaß, den Substantiven, denn sie dermischt dieselben mit Ad ,, heute" oder damals". Die Formen für die drei Perjektiven und Verben zu einem Geniengsel

. Licht == hell - jonen sind auch nichts wert, ,,ich fomm, du komm, er îeuchten, Fal --- fallen, Süßigkeit == süß. Frost - -- frostig, fomm“ ist ebenso klar wie ich komme, du kommst, er Bliß = blißen u. 1. w. Die Substantive mit großem fommt“. Und ob die st und t gerade besonders schön Anfangsbuchstaben zu schreiben ist der Gipfel der Pedanterie. flingen, ist auch mehr als fraglich. Dagegen sind die

Auch die Eigennamen find Abstraktionen. 3. B. der Wörter wir ich und andere, ihr du und andere, Rhein von heute war vorgestern Main und Mosel und ie mehrere oder einige andere praktische Abkürzungen. wird übermorgen Nordsee sein. Also ist der Rhein ein Die Deklination ist auch keinen Schuß Pulver wert. Zustand des Wassers. Jedes Wasser fann Rhein werden Wir haben 4 Kasus oder Fälle, andere Sprachen haben und ist, wenn wir an den großen Kreislauf aŰer irdischen 5, 6 und noch niehr Fälle. Nußen hat dies nicht, aber Gewässer denken, sicher auch schon Rhein gewesen. Co Schaden. Denn es erschwert die Erlernung der Sprache. wird der eine sagen, indem er sich denkt: ohne Wasser Wie vornehm lächelt der „Gebildete", wenn er vom „Ungebe es doch feinen Rhein. Ein andrer wird dagegen gebildeten" hört: ,,ich schenfe dich das Buch“. Warum meinen, auch wenn das Rheinwasser austrockne, so bleibe denn aber? Der Gebildete hat sich eine Art Geheimsprache doch der Rhein selbst, d. i. das Rheinbett, an dem der gemacht, und tritt mun gegen die Uneingeweihten mit schöne Wein wachse.

Anmaßung und Dünkel auf. Wers nun einmal glücklich Auch Fritz ist eine Abstraktion. Morgen wird Friß gelernt hat, der hat ja leicht reden. Aber man lerne begraben. Die Würmer fressen Frit, und er macht sich inmal in einer fremden Sprache diese ganz verzwickten nichts daraus. Ist denn das noch Friß? Frißzfann Konstruktionen, so wird man sie - bald wieder vergessen ich nur begreifen als ein Du, aber jenseits des Horizontes haben. Manche sind so albern zu sagen: man frägt: „wem nieiner Wissenschaft, vermöge meines Glaubens. Dieses

Dieses ichenfe ich das Buch?“, also heißt es: „dir schenke ich das Du läßt sich aber nicht begraben, sondern nur eine Fleisch- Buch". Reizend! Der Ungebildete frägt aber wen masse, durch deren Verlegung Friß, als er noch lebte“, ichenfe ich das Buch?“, also: ,,dich schenke ich das Buch.“ Schmerzen erlitt .

Wir hal-en Singular ind Plural. Andre Sprachen Der Artikel ist ein unschönes und dazu sinnloses haben auch eine Zweizahl

. Warum nicht noch Dreizahl, Wort. Wir sagen z. B. der Kalt, die Kreide, das Eisen. Vierzahl, Fünfzahl? Der Plural ist überflüssig, besonWenn vian darüber nachdenkt, fönnte man verrückt werden. ders weil wir die Zahlwörter haben, die wir im Notfal Es ist traurig, und wir müssen mit Beschämung einge- hinzufügen können. Der Plural ist so überflüssig, daß stehen, daß unsere deutsche Sprache hier den schärfsten er schon die Schwindsucht hat. Denn auf den ReichsTadel verdient und den Spoit des Auslandes verschuldet. nickeln steht zu lesen ,,10 Pfennig“, nicht ,10 Pfennige“. Wenn ich Ausländer wäre, ich würde mit Entrüstung die Nun macht nur Höllenspektakel, ihr Pedanten. Eine Erlernung, so blödsinniger Quälereien zurückweisen. Die Armee von 20,000 Männern ist schon gradezu falsch, es Unfitte, die Geschlechter durch abweichende granımatische heißt: von 20,000 Mann, also ohne Plural und ohne Formen zu bezeichnen, ist überhaupt ein gewaltiges À 6- Dativform! schredungsmittel vor der Beschäftigung mit den Sprachen. Man unterscheidet Behauptungssätze, Befehlsfäße, Und so wertvoll sonst der Sprachunterricht für die Schule Fragefäße, Wunschfäße, Ausrufefäße. In Wahrheit sind ist, so muß man vor dem Lateinischen in Seyta geradezu alle Säße Behauptungsfäße, oder, was dasselbe 'ist, warnen, weil es ein Verdummungsmittel ist mit seinen Mitteilungsfäße. Befehissäße und Fragefäße können widersinnigen Genusregeln. Es gewöhnt die Schüler an | höchstens, weil sie so häufig vorkommen, als praktische

Abfürzungen gelten. Siden Sap fann man einleiten: diente, um seine Gedanken zu verbergen, so würde doch Ich teile dir mit

, daß. 3. B. Geh sofort hinaus (Be- sie Sprache einen Schleier bilden, der niemals ganz gefehl) -- ich teile dir mit, daß es mein Wille ist, daß lüftet werden kann. Das einzige Mittel, den Schleier dui sofort gehst. Willst du Wein trinken (Frage) zu durchschauen, ist das Vertrauen. Wer von Natur ich teile dir mit, daß id) wissen möchte, ob du Wein mistrauisch ist, den können feine Beweisgründe beruhigen, willst. llebrigens find auch alle Fragen als Befehle dar er quält sich selbst so lange, bis er seinen leßten Seufzer siell bar, z. B. willst du Wein? jage mir, ob du Wein

sage mir, ob dit Wein aushaucht. Daher ist es auch in der Praxis ganz verwillst. Åber die Befehle sind nicht als Fragen ausdrück-fehlt, einen Mistrauischen heilen 311 wollen durch Offenbar. Eine Frage ist der Befehl, zi1 antworten.

heit. Man härte ihn im Gegenteil ab durch ZweideutigAlle diese Ilntersuchungen waren unvermeidlich. reit, wenn das nichts hilft, ist alles vergeblich. Man wenn wir uns gründlich davon überzeugen wollten, wie verachte dann den Mistrauischen und lasse ihn sein Miss nichtig die ganze Grainmatik ist für das Wesen der trauen für sich behalten. Sprache, d. i. für die Mitteilung. Die Philosophie

(Ein Schlußartitel folgt.) kann nicht immer im Angenehmen, im leichtsegelnden Gedankenfluge schwelgen, sie muß sich stellenweise auch mit Kleinigkeiten plagen, um Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Der stolze Bau der Grammatik liegt nun gewiffermaßen als ein Trümmerfeld hinter uns. Aber das ist gut, denn es war ein Luftichluß voller Truggebilde, ein Sumpf voller Jrrlichter. Die Irrlichter sind weg. geblasen, nun kann die Sonne ihr Frührot senden.

Die wallonische Litteratur. Aber die Sache ist uns viel zu wichtig. Daher

Von wollen wir das, was wir nun im Kleinen im Einzelnen

so. Com (Antwerpen). erkannt haben, auch durch das Große, Ganze bestätigen. Die Sprache ist wichtig, so wichtig und unentbehrlich wie die rücke für einen Rahmen, nicht mehr und nicht

I. weniger. Es wäre schlimm, wenn der Lahme feine

Die Wallonen sind der romanische Teil der Bevölferung Brücke hätte, es wäre schlimm, wenn der Mensch keine Sprache hätte. Es wäre aber sehr schön, wenn der Lahme reichis fißen Wallonen; desgleichen in ein paar Gemeinden

Belgiens. Auch in den nördlichen Departements Frantfeine Perücke brauchte, und es wäre sehr schön, wenn der

um Malmédy in der preußischen Rheinprovinz. Im Jahre Mensch keine Sprache brauchte, sondern Gedankenlejer

1890 fand in Belgien eine Volkszählung statt

, die eine Gesamtwäre.

bevölkerung von 6 069 321 Seelen ergab, darunter waren Zwei Menschen find lange Jahre Freunde gewesen, 171 438 Ausländer. Die übrigen verteilten sich folgenderweil sie in allen ihren Lebensanschauungen vollständig maßen: 2744 293 Einwohner sprachen nur flamisch, 2485072 übereinstimmten. Steine Meinungsverschiedenheit haben

mur wallonisch, 117956 mur deutsch, ferner 700019 flamisch fie in allen Gesprächen entdeckt. Da tritt eines schönen und wallonisch, 16509 flamisch und deutsch oder wallonisch Tages das Leben selbst an sie heran, statt der Worte

und deittich. gilt es Taten. Da erkennen die alten Freunde, daß eine

Die zweisprachigen Belgier betrugen also 1890: Kluft zwischen ihnen ist und schon immer war. Sie haben eben, während sie ganz dasselbe sagten, Verschiedenes | unverhältnismäßige Vermehrung? Daher, daß die Flamen,

716 528 Menscheni, 1880 mur 423 753. Woher diese ganz gemeint. Umgekehrt reichen fich manchmal erbitterte

als echte Deutiche nach alter deutscher Sitte, ihre deutsche Gegner die Hände, wenn das Leben sie belehrt, daß fie Muttersprache mit einer fremden zu vertauschen nicht auf: ganz dasselbe gemeint haben, während sie entgegengejeßte hören. Der Zuwachs der zweisprachigen Belgier besteht Standpunkte mit Worten vertraten.

aus Flamen; der Wallone lernt nicht niederländisch. Von Die praktische Nußanwendung liegt zu nahe, als daß den 216 528' Zweisprachigen, die es im Jahre 1890 in ich fie umgehent fönnte. Man" fümmere sid, garnicht Belgien gab, "find rund 700 000 der Abstammung nach darum, ob die Ansichten der Leute, mit denen wir verfehren, den unserigen zuwiderlaufen. Es würde beffer weil französisch, trop der geseßlichen Gleichberechtigung der

Flamen. Der Flame wird gezwungen, französisch zu lernen, stehen in unser Vaterland, wenn – jeder Skatflub aus einem Konservativen, einem Liberalen und einem Sozial-sprache ist. Sie ist auch in ganz Belgien die gewöhnliche

niederländischen Sprache, noch heut die eigentliche Amts. demokraten sich zusammenseßte. Statt dessen pflegt man ängstlich sich zu meiden und das Tischtuch zwijchen sich Flamen die ziffernmäßige Grundlage für ihre Forderungen,

Ilmgangs- und Geschäftssprache. In dem Bestreben, den entzweizuschneiden.

ihre Sprache als gleichberechtigt anerkannt zil sehen, zu Der Leser auch des besten Buches muß verstehen, entziehen, hat man bei der leßten Volfszählung alle zwischen den Zeilen zu lesen. Dem das Beste läßt sich Flamen, die oni und non zu unterscheiden wußten, flugs überhaupt mit den dürren Worten nicht ausdrücken, und jeder muß es sich selbst sagen, wenn er es wissen will.

als zweisprachig aufgeführt. Dieser Aunstgriff ist um fo

leichter auszuführen, als noch immer ganze 38 Prozent Gewisse, aber viele Romanschriftsteller tun es nicht unter einer Seite , wenn sie an dem Anfang des Früh- find. Brüssel hält man für eine französische Stadt, obwol es

der Bevölferung des Lesens und Schreibens unfundig lings vorbeikommen. Die „smaragdgrünen“ Wiefen müssen

1890 360 000 Einwohner deutscher, 110 000 Einwohner herhalten, Nanien von Vögeln und Blumen rücken an, die von 100 Lesern 99 garnicht kennen, aiıdı wenn sie lonen in Brüssel find rühriger, intelligenter, gebildeter,

wallonischer Abstammung gab; aber die hunderttausend Wal. dieselben schon taujendmal gelesen haben. Troß aller anmaßender als die viertehalbhunderttausend Flamen, woKraftanstrengungen werden solche Stellen vom Lejer her es kommt, daß sie den Ton angeben, ihre Sprache zur meistens übersprungen, denn sie sind langweilig, und man beginnt da weiterzulesen, wo auf die Worte wieder

herrschenden gemacht und sie einer viertel Million Flamen Taten folgen. Trefflich dagegen macht es Homer. Ein

aufgezwungen haben: die offizielle Statistik verzeichnet für

1890 in Brüffel: 118 000 einsprachige Flamen, 250 000 „charakteristisches“ Beiwort, und damit genug.

Auch wenn sich niemand der Wirie absichtlich be *) Der Neüen sieben undzwanzigstes Stüd, erfter Teil.

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