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Das dänische Litteraturjahr. *)

zit wollen. Björnfon ist der Mann mit dem starfen, alles

umspannenden Willen und der unermüdlichen Energie. Von

Er ist Dichter, Politiker, Pädagog, der Leiter seines Priftian Dalji (stopenhagen!

Volfes in allen geistigen Angelegenheiten; - Drachmann

ist nur Dichter, und zwar Lyrifer; auch seine Erzählungen Die Einte auf Dänemarks Litteraturfeld brachte wie seine dramatischen Arbeiten tragen lyrisches Gepräge. quantitativ und qualitativ nur Mittelgut während des Jedes Verhängnis des Volfes oder des Landes formt verflossenen Jahres.

sich unter seiner Feder zur Lyrif. Vielleicht eben dešVon Büchern, die litterarischen Wert haben, sind im halb ist er mehr als irgend ein anderer der Dichter seines leßten Jahre etwa zwanzig herausgekommen. Das scheint Volfes geworden – der lebende Puls des' weichen, nicht viel zu sein; und doch sind die Verleger nicht im ästhetisch veranlagten dänischen Volkes. Stande, den Verfassern dieser Bücher ein jo anständiges Holger Drachmann ist schon graut, aber immer noch Honorar zu zahlen, daß sie nur einigermaßen von ihrer ist er „der fahrende Bursche mit der Laute auf dem Feder leben können. Deshalb ist es recht und billig, Rüden“, der niemals bleibende Statt findet. Sein leßtes daß der Staat jährlich den Autoren des Landes etliche Buch sandte er uns aus Hamburg, wo er letzten Sommer tausend Kronen an linterstüßung giebt. Oder richtiger: gleid) einem zwanzigjährigen Jüngling, der Cholera es wäre richtig und gut, falls diese Tausende den wirf- froßend, feine frischen „linge Sange“

junge Lieder lichen Verfassern ausbezahlt würden, und nicht – zum als Medizin gegen dieselbe sang. großen Teil – einer Heerschar von — übrigens gewiß Dr. Sophus Schandorph hat, obgleich noch älter sehr bedürftigen Schriftstellern, die nie einen Bogen an Jahren als Drachmann, seinen frischen, muntern geschrieben haben der mehr als Makulaturwert hat, und | Blick für das Leben bewahrt, wie jener. Ein ausgederen einziges Verdienst es ist, daß sie blinde Anhänger zeichneter Wissenschaftler, der sein Wissen im Dienste der Regierung sind.

der Dichtkunst benut, iind daneben der vorzüglichste So ist das Verhältnis. Sieht man die Liste der Darsteller des dänischen Kleinstadts und Bauernlebens staatlich unterstüßten Verfasser durch, findet man Namen ist

, das er mit einer grotesken Laune schildert, die mit bei Namen, welche man früher faum gehört hat; die Vater Holbergs unsterblichen Humor jelbst verwant ist. ganze Reihe der jingen Verfasser dagegen, deren Streben i Schandorphs leptes Werf, das Schauspiel „Hjemkomst“ darauf abzielt, das fünstlerische Niveau zu heben, die

die Heimfehr besaß alle diese großen Vorzüge für die litteräre Bewegung in den großen Kulturländern seines Verfassers und errang dadurch Erfolg. Doch ein Dhr haben, ist ausgeschlossen.

war es loje im Bau und ohne starken dramatischen Hierdurch und durch Strasurteile für jedes fühne Effeft, eigentlich nur eine Reihe von Szenen, in denen Wort sucht eine reaktionäre Regierung diese Verfasser charakteristische und crgötzliche Figuren in mehr oder zum Schweigen zu bringen. So weit ist man gegangen, weniger heitern Situationen dargestellt wurden. Schandaß man þenrif Pontoppidani, einem der bedeutends dorphs Feld ist der Roman und die Novelle, nicht das sten Schriftsteller unseres Landes, jede Staatsunterstüßung Schauspiel

. entzogen hat, weil er in einigen Zeilen seinen Unglauben Ju der dänischen dramatischen Litteratur herrscht jeßt an die kirchlichen Dogmen aussprach, und weil er nichts Armut. Stein Wunder, denn die Bühie, die das natür: von dem was er geschrieben zurücknehmen wollte.

liche Heim für umjere dramatische Litteratur ist, das von Auf diese Weije hemmt man Jahr auf Jahr ein Staate unterstützte fönigliche Theater wurde unter der freies und schnelles Wachstum der dänischen Litteratur. Leitung der späteren Jahre zu einer verschlosse:ren Burg,

Das Los eines freisinnigen dänischen Verfassers an deren Tor die Schauspieldichter stehen und vergeblich ist also keineswegs beneidenswert. Von den Autoritäien, anklopfen. Es ist ein imbestrittenes faftum, daß bewelche ihn stüßen sollten, wird zu jeder Zeit vor dem

deutende Autoren in den letzten Jahren nur ganz alisVerfaffer, desjen geistiger Besichtstreiš sich etwas weiter, nahmšiveise ihre Arbeiten im Nationaltheater haben heraus. als der seiner Väter erstreckt, eine Mauer aufgebaut. bringen fönnen; statt dessen präsentirt der Chef des Theaters, Falls er nicht so glücklich ist

, Vermögen 311 befißen, Kammerherr Fallejeit, mit anscheinender Vorliebe die muß er, um das Leben zii erhalten, „Nebenverdienst“

Arbeiten einer Reihe von anonymen Verfassern, die in suchen. Die Journalistif verschlingt dann gewöhnlich der Regel jämmerlich durchfallen. Und Dant dem blinden sein Talent und seine Zeit.

Schuße, den die Regierung ihm zur Verfügung stellt, Ich habe es als notwendig erachtet, diese Bescheint er sogar von der Enthüllung, daß er ein überseptes merfungen über die äußeren Verhältniffe, unter welchen deutsches Schauspiel als eine originale dänische Arbeit hat dänische Verfasser arbeiten, vorauszuschicken, ehe ich daran | aufführen lassen, nicht arg betroffen zu sein. gehe, die Litteratur selbst, speziell in dem verstrichenen Zwar giebt es andere fopenhagener Theater, die mit Jahre, zu charakterisiren.

Freuden guite dänische Schauspiele "aufführen, aber teils Es mag gleich gesagt werden, daß, wenn man diese haben die privaten Theater nicht die Mittel zu einer beVerhältnisse berücksichtigt, die dänische Litteratur augen-friedigenden Darstellung, teils vermögen sie nicht ein jo blicklich frischer und lebenskräftiger ist, als man erwarten großes Honorar wie das fönigliche Theater zu zahlen fönnte.

die Folge davon ist, daß weniger Schauspiele geschrieben Wir haben eine Reihe von älteren und jüngeren werden. Verfasern, die auch dieses Jahr unsere Litteratur mit

Es ist

um ein eklatantes Beispiel z11 nennen Werfen von Bedeutung bereichert haben. Holger Drachs eine litterarische Taktlosigkeit, daß das Staatstheater mann steht noch imnier in den Bewustsein der großen Dr. Edvard Brandes Schauspiele nicht aufführt. Edvard Menge als der erste von ihnen da. Er ist in Dänemarf Brandes ist imbestritten bei uns der erste moderne drama: der große Dichter des Volfes, wie Björnfon es in Nor- tische Verfasser; er baut seine Tramen mit einer Henrik wegen ist. Ich sage dies, ohne übrigens diese zwei Ibsenschen Sicherheit in der Technik, sein Dialog ist klar Dichter, die in menschlichem wie in dichterischen Diesen und frapp in der Form und hat immer fünstlerischen so himmelweit verschieden sind, mit einander vergleichen Wert im Juhalt; in seiner scharfschautenden Nüchternheit

ist er der zuverlässigste Darsteller des modernen dänischen *) Ter jahresrevuen siebentes Stüď

Gesellschaftslebens.

Neben Edvard Brandes steht Gustav Esmann als reaktionären Regierung und vom Reichstag zu Teil ges Lustspieldichter par exellence. Sein Dialog ist gewant worden ist. und wird von einem eleganten Wiß getragen. Mit Hand Manche finden die Verhältnisse in der Heimat so lung nicht gar zu belastet, wird das Esmannsche Luft unerträglich, daß sie auswandern. So Hermant spiei immer eine leichte Kost sein, angenehm zu genießen Vang, der jeßt in Paris sitzt und neue Bücher schreibt, wie die geistreiche Unterhaltung eines liebenswürdigen ohne jemals so viel öffentliche Interstützung empfangen Weltmannes. Daß Esmann zuletzt diesen Winter

zi1 haben, als der Schullehrer, der seine Bauerngeschichten ein tendenziöses Volksschauspiel, „Magdalena“, als Ein von den Almanaffen zu einigen Bänden gesammelt hat. spruch gegen das inhumane Gesek über die Gefallenen Es giebt andere, wie der junge talenvolle Verfasser schrieb, ändert nicht seine Physionomie als Lustspieldichter. Karl Larsen, der, nachdem er ein paar Jahre im Aus

Frau Emma Gall, die in den letzten paar Jahren lande gewohnt und dort Anerkennung gewonnen hatte, einen bedeutenden Namen gewonnen hat, schreibt ihre

trotz allem nach der Heimat zurückkehrte; aber es munteren Lustspiele mit einer elivas breiteren Feder und gicbt nur Eine, welche, im Auslande gebürtig, festen einer etwas kräftigeren Satire als Gustav Esmann, Wohnsiß in Dänemark genommen hat: das ist Frau während Otto Benzo11, der vor einigen Jahren der Amalie Sfram. Sie, die beständige Auslegerin der Meister des Proverbs war und der später ein paar 11mbändigen Leidenschaften, steht mit ihrem harien norspielende wißige Lustípicle schrieb, jetzt der Ilnproduttivität wegischen Naturell auf ihren eigenen Füßen und fragt wegen fast vergessen ist.

wol nicht viel darnach, ob sie als Norwegerin oder Dänin Fern von diesen steht fearl Gjellerup.

Ein betrachtet wird; denn so gewiß sie gar zii offen die Wahrernster, moderner, freisinniger Geist, der im Schauspiel beit fagt, um in einem der skandinavischen Länder die grellsten Ereignisse des täglichen Lebens jdildern offiziellen Schuß 311 finden, ebenso gewiß ist sie eine fann, versucht er durch die Forin seine Gestalten in eine

Zierde für jede Litteratur. höhere Sphäre zu heben. So in Herman Vandel“, wo

Aber wir verlassen dieje Sammlung von von einem Versuch der Leibesfruchtabtreibung die Rede jüngeren Novellenverfafiern, um schließlich einen Blic ist, wo aber die Personen nichts destoweniger eine Spradie auf die jungste dänische Schriftstellergeneration zu werfen, reden, die Reminiszenzen deutscher Klassiker enthält. Auch

die, welche die Litteratur der Zufunft in ihrem Sdioße in seinem letzten Schauspiel vom vorigen Jahre „W1h

trägt. horn" befonimt die Sprache einfacher Menschen dann Es muß dann gleich

) gesagt werden, daß man unter und wann einen romantischen Schwung, der dänischen diesen jüngsten Verfassern keinen einzigen findet, welcher Dhren fremd klingt und auf des Verfajiers Ilebersiedels auch nur einen Versuch in dramatischer Ridhtung gemacht ung von Dänemark nach Deutschland beitet.

hat. Dics hängt mit dem völligen Mangel an Interesse Gleichwol – mit diesen Repräsentanten des Schau

für das Theater zusammen, das dem jungen Schriftsteller

geschlecht cigentümlich ist. spielswird Dänemark nicht ganz arm an moderner

Die vornehme Zurüdgezogenheit wurzelt in dem dramatischer Litteratur; und ändern sich die äußern Ver

innersten Wesen der jungen Verfasser, itd man findet sie hältniffe, unter denen die Verfasier wirkli, so wird sie kräftiger emporblühen.

wieder in ihren Büderii, nicht direkt ausgedrückt, aber

in den Stimmungen, die ihnen zu Grunde liegen. Desu Ueppiger wächst die Romanis und Novellenlitteratur

halb wählen sie die Form des Gedichtes, und selbst wo auf der dänischen Erde. Der glänzendste Vertreter dieser sie Proja anwenden, wird sie mehr Lyrik als ErLitteratur, 3. P. Jacobsen, hat schon längit seine Augen zählung. Diese Neuromantik ist aber meilenweit von der geschlossen, und nur drei, vier Werke schenkte er unš. Romantif entfernt, der unsere Väter huldigten; es ist eine Doch findet man wol faum einen modernen dänischen Romantif, in welcher der Durton der Lebensfreude nicht Novellisten, bei welchem man nicht Beeinflussung von dem der Grundafford ist, sondern wo in den Molltönen der gar zu früh entschlafenen Meister verspürte. 3. P. Ja- unbefriedigten Sehujicht und des schmerzerfüllten Vercobsen erneuerte iind verjüngte unsere Sprache, so daß missens gespielt wird. Dem lebensfroh ist das junge sie einen stärkeren und lieferen Belang gewann und den Dichtergeschlecht am wenigsten von allen; ihm mangelt, feinsten Rührungen des Seelenlebens klareren Ausdruck

so zu sagen, die Fähigkeit zu lachen; es weicht vor der gab. Er lehrte dänische Schriftsteller die Kunst des Stils,

Brutalität des täglichen Lebens scheu zurück und versenkt den viele nach ihm bis zu einem hohen Grad von Voll fich in Einjamkeit und Dunkel, wo es feine wehmuts kommenheit kultivirt haben.

vollen Gefänge fingt von Träumen, welche logen, von Inter den ersten muß, wenn von der soignirten Be Gelübden, welche gebrochen wurden, und von Ändenken handlung der Sprache die Rede ist, Peter Nansen gec welche nur Andenken blieben. Diese jungen Dichter nannt werden. Wenige vermögen es, wie er, ihren Ge behandeln die Sprache mit schonender, liebevollster Sorgdanken Form zu geben; da ist feine Sante noch llu falt. Jmmer und immer trifft man neue Wörter oder ebenheit auf der spiegelblankeit Fläche seines Stiles. neue Wortzusammenstellungen, die völliger und klarer als Nachdem er einige Jahre der Journalistit ausschließlich die bisher benußten die Stinimung ihres Verfassers ausseine Kräfte gewidmet hatte, gab er sich in den letzten drücken sollen. Jahren produktivem Schaffen hin und durch „Et Hjem" Man wird verstehen, daß diese Dichtung, welche von Ans und „Fra Rusaaret“, durch deren meisterhaft geformte fang bis zu Ende eine Stimmungsdichtung ist, die Poesie für Sprache eine jugendliche, überlegene Laune schimmert, das Volt nicht ist und es nie sein kann. Dazu ist sie ist er mit einen Schlage der moderne Novellist geworden. in ihrer Form zu vornehm und gesucht, zu überkultivirt

Henrik Pontoppidan wird – auch durch seine in ihrem Inhalt. Es ist aber eine Poesie, welche doch auf leßten Bücher – immer mehr der Dichter der breiten ihrer besten Erzeugnissen immer ihren Plaß in der Schichten. Als der ruhige solide Darsteller des dänischen Litteratur behaupten wird, weil sie in aú ihrer Schwärmerei Geisteslebens, namentlich auf dem Lande, wird er immer und Schwermut der oft genau treffende Ausdruck für das seinen Weg finden. Mit „Muld“ und „Det forjollede Traumleben junger Seelen ist. Land" steht er auf der Höhe, und diese feine leßten Werke Als den hervorragendsten unter diesen jungen Dichtern sind an sich der kräftige und berete Protest gegen die muß man Johannes Jörgensen niemien. Was hier Behandlung, welche ihm, wie schon erwähnt, von einer im allgemeinen von den jüngsten dänischen Dichtern ge.

jch trant sie nicht.
Achtlos ging id) allem vorüber,
Die Sinne stumpf,
; as Herz verhärtet.
Deiner Schönheit Sdauer trajen midi,
Ich bin erivacht:
Nun leb id Leid und Lust des Lebens
In deinen Dienst.

sagt ist, gilt im höchsten Grade von ihm. Noch faum 27 Jahre alt, bat er fünf Bücher herausgegeben, die auf jeder Seite mit dem feinsten fünstlerischen Sinn ausgearbeitet sind. Er ist von Swinburne beeinflußt und hat von allen dänischen Verfassern am meisten von I. P. Jacobsen gelernt. Er hämmert seine Proja 311 der gehaltvollsten Boesie aus, bildet sich dadurch eine Sprache, die vielleicht dan ind wann gar zu reich wird, so daß sie überladen scheint, der aber das persönliche Gepräge niemals fehlt. Senntnisreich und immer suchend, bleibt ihm nichts von dem Neuen, das in der Weltlitteratur emportaucht, fremd, und er besißt die fritische Befähigung des reifen Mannes, 311 wählen und 311 verwerfen. Ju jedem neuen Buche, welches Johannes Jörgensen aus: sendet, find sichere Fortschritte zu verspüren; er steht im Augenblick als der hoffungsvoúsie von allen da.

Ilm thu gruppiren sich Verfasjer, wie Helge Rode, der fein geformte und stiminungsreiche Gedichte geschrieben hat; Viggo

Viggo Studenberg, Niels Möller Mind Sophus Michaëlis, die als Novellisten und Lirifer die 9611fmerfiamfeit auf sich gelenft haben. Der einzige unter den Jungen, welcher ganz andere Wege geht, ist Gustav Wied. Sein Gedanke findet nicht den Weg 31 den zarten Kegungen des Seelenlebens und er fent feine Träume. Zwächst ein Schüler von Schandorph, geht er mit einer lliverfrorenheit, die mitter Brutalität werden famı, auf das tägliche Leben los, am liebsten in seinen gröbsten Formen.

Bon cincrcigentlichen Schule unter den jungen Did)tern fann man nicht redent, wenn auch eine gewisie Gleichartigkeit nachgewiesen werden kann. Auch ist unter ihnen fein einziger, der als Führer dasteht.

Einen Ratgeber cutbehren sie jedoch nidt. Dr. (Sjeorg Brandes ist trotz seiner fünfzig Jahre der beste Freund und sicherste Führer der jungen Dichter. Mit immer wachem Sinn für das Nene lind Leistungsfähige ist Gcorg Brandes jeßt wie vor zwanzig Jahren der leitende Beist in der dänisden Litteratur.

2. Mutter und sind. Ich fünd euch ein Geheimnis cus: das sind Sißt auf der eingejunkenen Mutter Sarg llnd schaut mit großen hellen Augen stil Verwundert in die Welt. lind unter ihm die eingeiallene Frau (Bab mit dem Leben all s ihm und starb. Gejchlojjenen Augs, mit jdmalem strengem Mund, Die Stirne still, die finger fromm gefaltet. Schläst sie im blumengeschmücten Sarggewölbe, lind steinerne Säulen halten stumme Wacht Das Leben aber, dis jie sterbend gab, Wird aus geheimnisvoller Wurzel wachsen, Wie draußen hehr des Hodiwald: Niejenitämme Nus schwarzen Erdreichs nächtlich treibenden Dunkel zum Wipfeldome aufgewadijen sind lind stille Cuellen werden drüber rieselni, llud Licht und Luft und alle heiligen Helfer, Sie werden treu das junge Reis umfluten lind seines Wachstums Heiligen Jahre hüten. Ter Mutter Grabgewölbe schliegt sich still, lind durch der Jugend rauschenden Zauberwald Sdiweift dann sein Blick, sein rüstiger Wanderius Binein ins Leben, übers Meer hinau:, Daš ewig wandernd jeine Wellen rollt

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3. Berjudung. Auf Wegesmitte müde steht der Held, im harten Fell, mit nadiem Haupt und Fuß. Nach weltentiegenen Ziel ein stiller Wandrer. Weit von der Menschen Mitte führts ihn fort Zu steilen wöhn; und Hunger, siampi und viot Geleiten ihn durch wudherndes Gestrümp. lind steiniges Geröl. Die Sonne sticht; Er jeufzt und seßt den Fuß zum Schrriten weiter Ta überholt ihn die Versucherin lind drängt sich schmeichelnd an sein nadtes Sinie. in Berlgedmeiden funkelnd, in Samt gchüllt, lind allen goldnen Glanz, den Reichtum giebt, Hält sic des Weltruhms gleißend feile Strone Mit listigen Worten lodend vor ihn hin: „Was gehst du einsam steile Wüstenwege, Du Tor, nach einem Ziel, das sic) nur äfft! Sichst dus denn wirklich? wär es nicht ein Trug. Der dir vor überwachtem Auge gaufelt? Du wirst es nie erreichen: in der Jrrnis Wird Sonne, Lual und Einsamkeit und Abgrund Tou stumm Verzweifelnden zu Brabe betten. Drum kehre flüglich um und folge mir! Dort unten dir zu Füßen winken Ehren Ilnd Nuhm und Reichtum, Lachen, Lieb und Lust Drum schließe deinen Frieden mit der Welt: Sie meints jo gut mit dir und will dich retten. Sie fordert nichts, was du' nicht geben kannst, Sie fordert nichts: Du sollst sich nicht verkaufen! Trou dir selbst

Schaff was du willst, leb wic du willst - allein Verídımäh aud) nidt did freundlich anzuschmiegen llud schmäh sie nicht, die dir jo liebreid ist, Ilnd laß dir ihren goldenen Lohn gejallen; Sich ihn nur an, wie blendend hell er glänzi! llud ihrer Stöderfrone schmale Streifen Il inzüngeln gleißend zitternde Zauberflammen. Er jieht sie nidit; sein Blick faßt fost die Ferne; Gclasjen schiebt er mit umgeknickter Hand Die lästig Erängende weg und schreitet still leber harte Halden seinem Ziele 30.

iind wic jic idmeidend ihm entgegentritt, Mit mildem Worte seiner Wildheit froßt llud bittend mahnt: „Leg deine Wassen ab!" Da reißt der Rohe sie rücksichtslos zur Erde, Zerknici die lichten Flügel, stemmt den Fuj; Der wehrlos Liegenden auf den zarten Leib lind schreitet unbewegt zu neuen Greuelii. -

Und dod) er fann die Zarte nie jertretini, Tenn cwiges Leben hat sie wic er jelbst; Sie hebt sich bald gehcilt auf neuen Flügeln llud immer wieder wird sie den Jammer lindern, Tor seinen Spuren folgt; und immer weiter Wädít ihres Himmels blühend Friedensreid); lind jeine Mauern werden Männer hüten, An deren Schild seines Hammers Wucht zerschelt.

4. Elend, Am Himmel jagen scheue wilde Hollen lind id)warze Schatteri lagern auf der Erde, Der Sturm pfeijt heulend durch den hohlen Raum; So voll von Grausen ist die graue Luft. lind über dic Erde schreitet ein nacter Mensch: Verziveifelnd hält er die Arme hod) erhoben, Die Züge sind verzerrt, die Augen starren, Sein Mund (direit seine Not laut in die y'utie. llud jeiner schwachen Stimme gellender Ton Edwillt mächtig an und übertönt den Stum: Vuj seine Flügel hebt der Sturm den Laut Verhundertjacht und trägt ihn heulend, Ten Wehe-Welt-Ruf über die Erde hin:

„Wehe, wehe, weh dir Erde,
„Cwigen Elends Wehemuster!
„ifühllos zeugit du deine Kinder,
„guliloš naďte Notgeburten.
„Auf die Gezeugten stürmit du cin
„Mit Eis und Flammen, Sturin und viot;
„Mit Hunger hebt dit sie aureinander,
„, Daß sie wic Wölfe jid) wild zerfleischen;
„lind was im Maijengemetzel vezichont bleibt,
„Das schlingit du jelber mit gierigem Sdilund
„Ihre fricrendo Blöße dedjt du nidt,
„Ihre jehrende Schnsucht illst du nid)t,
„hren heulenden sommer hörst du nicht!
„Wann endlich wird das Elend enden?
„Wann wirst du müde und mitleidpou?
„Doch ewige Nunc fennit du nidhi,
„llud ohne Ende in die Ewigfeiten
Wirst du wedjelnd gebären und wirgen.
„Wehe, wehe, wuch dir Erde,

„Ewigen Elends Wehemutter!"
Ilnd der Sturmwind trägt das Lied des Elends
lleber die Erde und die Dieere hin;
lind an den Felsenwänden stößt es sid),
lind von des Himmels chernem Bewölbe
Prallt es machilos ab und kehrt zurück
Ilnd hallt im Echo wieder, hundertjac),
Ilnd füllt die Welt mit peinigend gellem Edall.

6. Zeit und Ruhm Zeit jdwingt die Geigel über allem Volk, Tas sic) ruhmeshungrig an die Krippen drängt. Ein frodhiçer Alter steht er stäninig da

in breitem Stand, zieht an der neuen Geitzel Gefnoteten Riemen, ob sie geschmeidig jind. in engen Schranken drangvoll eingeflemmit

jm edhaiten cines halb vernitterton Zerstüdten alten Marmor-Monuments modt jumpi die derde und stöhnt im engen Vlod lind lauert lüstern auf das fette Mal, Das ihre hungernde Ecele jättigen joll To: Inochizen Alten fochende Tienerini, Nie breitgebaute, fette Suichen-Vettel, Teilt aus dem Stessel ihre Speisen au: lluid frazi den Neit zusammen und icyütt i inn Ten Heiichenden in die hingehaltene sand. Tuch unersättlich hungert ihre (Bier, Sie si trn brütend da und fordern mehr llind betteln treijchend in die dürren Kinderi, Die der Zeitungjudo emjig vom Kaume jchabt. Denn fliegt die Seitzel pieirend durd) die vuit llud treibt mit flatschenden Sdílägrı cine mar Von widerwilligen (Gästen von Pale weg: Denn jedem ist nur ein gemessen Teil bejtimit, llud immer neue Bettler heisdien Speise. Ta peitscht die Brißel denn die Lästigen, Tie ausgehungert schon als Schatten lungern, llid jagt jie barich ins Schattenreich hinab.

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Li - w a. Ein chinesisches Sittenbild aus der Zeit der Thang - Tynastie.

Von

Naish jing-Clien.
2015 dem Chinesischen übersept von Willy gah 11.?

5. Gewalt illnd doch!) llcbcrall auf Erden herrscht Bewalt; Ein erzumschientes, schlangenhaariges Sdeusal Yichts mit zerschmetterndem Hammer durch die Welt llud überwältigt, was sich entgegensteum.

Ein engelgleiches Wejen begegnet ihm, Mit weißem Flügel, lieblich süßem Blick, Das hilfreich milde durch die Fluren fliegt lind Schnierzen lindert, Wunden wieder heilt, Der Liebe Gaben allerorten austeilt, Mit lindein Troste müde Menschen labt lind Sterbende mit lebtem Lächein fost.

Durbemorfing: Die Thang-Tunastic regierte von 618-907 11. Chr. China imfaßte damals nur den mittleren Teil des heutigen Riesenreiches und zählte un

1) Mein Freund und Lehrer in Chinesischen, ider Leftor am Seminar für orientalische Sprachen, Herr Au-Feng-Chi, hat mich auf dieje fleine Novelle als eine der interessantesten der ganzen Sammlung „lung-wei-pi-jchu“ aufmerksam gemacht und mir auch bei der lieberjejung seine freundliche Hilfe zu teil werden lassen.

gefähr 50 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt war doch linterhalt für zwei Jahre bewilligt.“ Die Worte Tschangan in der heutigen Provinz Schensi. Die vor jeines Vaters hielt der Jüngling für ganz selbstverständliegende Geschichte spielt in der zweiten Hälfte der Regie- lich und sah schon in Geiste® seinen Namen als den ersten rung des Kaisers Jüan-tjung, in den Jahren 742–56. auf der Liste der Promovirten prangen. So fuhr er Unter ihm erfreute sich das Reich seit längerer Zeit eines von der Heimat fort. Nach einem Monat fam er nach dreißigjährigen Friedenis, su daß Verkehr und Handel in Tschangan, wo er in der Schapamtstraße sein Quartier hoher Blüte standen Der Kaiser selbst tat viel für die nahm. Wissenschaft. Er gründete in seinem Palaste die faisers Seine Spaziergänge führten ihn gewöhnlich nach den liche Afademie der Wissenschaften (Haulin-hüan), die aus Lsimarft. Als cr" aber einst von dem östlichen Tore vierzig Gelehrten zusammengeseßt wurde.

Þingfang in die Stadt ritt, um einen Freund auf dem Nachfolgende Novelle ist dem „Geheimbuche Lung- Besimaifte zu bejuchen, fam er in eine Gaffe Wuhofï. wei des Ma-chün-liang“ entnommen, einem belletristischen | Hier erblickte er ein Haus mit schmalem Tor und Hof, Sammelwerke in zehn Bänden. Lungwei war ein Greis, aber von vornehmen, ernsten Aussehen. Ein Türflügel der nach der Sage den Kaiser Jü (2205-2197 v. Chr.), war geöffnet. Da stand, an eine in Blau?) gekleidete dem Gründer der Hsia-Dyniastie, Bücher gestohlen hatte. Magd jich

) anlehnend, ein Mädchen, so reizend und liebDer Verfasser wendet diesen Titel für sein Wert an, weil lich, wie die früheren Geschlechter noch nicht gesehen. Auf es aus vielen Büchern ausgewählte, nicht von ihm selbst einmal fiel der Blick des Študenten auf sie.

Er wußte verfaßte, sondern gleichsam - etwas starf aufgetragen nicht, sollte er fein Roß anhalten, oder sollte er weiter gestohlene Geisteserzeugniffe enthält.

reiten. Er lenfte wieder zurück, aber er fonnte nicht vorDie vorliegende Erzählung ist verfaßt von dem bei. Da ließ er absichtlich seine Reitpeitsche zur Erde Zensor Pai-Hsing-Tjien, der unter Kaiser Te-tjung (von fallen und wartete, bis sein Reitfnecht sie wieder aufhob. 785—804). also nur furze Zeit später, als die Ereignisse Heiße Blicke sandte er zit dem Mädchen hinüber, auch fie spielien, lebte. Sie wirft in fullurhistorischer Beziehung sah ihm siarr in die Augen. Ihre Herzen entbrannten manche' interessanten Streiflichter auf das damalige soziale für einander, doch feiner wagte den andern anzureden. Leben. Man gewinnt nicht nur Einsicht in das gesell- So ritt er denn fort. schaftliche Treiben der höheren Kreise, sondern sieht auch. Von da an war es dein Studenten im Herzen so, wie einzelne Einrichtungen und Gebräuche sich in einer

als hätte er etwas verloren. Darum forschte er bei einem mehr als tausendjährigen Zeit nicht verändert haben. Freunde, der schon lange in Tschangan lebte, nach ihr. Der Das Beerdigungswesen, die Gebräuche bei der Hochzeit erwiderte: ,Das ist ja das Haus der Betäré Li.“ find heute noch dieselben wie damals. Auch die Auss

„Wäre es wol möglich, daß ich das Mädchen wiedersehen schmückung der vornehmen Gärten mit Frispartien erfreut

fönnte?“ fragte Tsching weiter. – „Die Li ist nicht aru,“ sich noch "jeßt großer Beliebtheit, und auch noch heut antwortete' sein Freund. „Früher verfehrten Verwante zutage werden Mädchen von alten Weibern gefauft

, auf des Kaisers und hochadelige Herren sehr viel bei ihr. Sie erzogen und in allen interessanten Künsten unterrichtet, hat sich ein hübsches Vermögen erworben. Wenn du nicht um einem nicht gerade sauberen Gewerbe zu dienen. Die Hunderttausende hast

, fannst du ihren Sinn nid)t bewegen.“ Pfandhäuser spielen noch dieselbe Rolle wie damals.

Der Student antwortete darauf: „llnd wenn ich auch da.

durch in Not und Trübsal fomument sollte, ich lasje nicht Liwa, der später vom Staiser der Ehrentitel: Fujen midi leið?“

von ihr; wenn ich Hunderttausende hätte, jo täte es mir vom Lande Tsien verlichen wurde, war eine Heläre in Tichangan. Sie zeichnete sich durch einen so trefflichen

Am folgenden Tage zog er seine besten Stleider an Charafter aus, daß man nicht Rühmens genug von ihr und ritt mit reichem (Gefolge nach dem Hanje

. Auf sein machen kann. Deshalb habe idy, der Zensor Pai-Hsing: Klopfen öffiiete die Magd. „Wessen Haus ist dies?" Tsien, ihren Lebenslauf der Nachwelt überliefert.

fragte er. Die Magd aber antwortete ihm nicht, sondern lief eilenden Fußes mit lautem Gejdrei zu ihrer jungen

Herrin. „Der Herr, der neulich seine Peitsche Fallen ließ, Der Gouverneur von Tschangtschani war im Jahre 742

ist da!" ein Herr aus Zugyang, defien Familien- und Rufnamen Das Fränlein freute sich sehr und sagte: „Laß ihn ich absichtlich verschweige. Es war ein reicher Mann von nicht fortgehen! Ich will mich erst schmücken und puteri tadellosem Charakter. An Alter zählte er funfzig Jahre. und dann herausfommen!“ Tsching, der dies hörte, wurde Er hatte einen Sohn') von zwanzig Jahren, der war

frohen Sinnes. Die Magd führte ihn in ein Vorzimmer flug ind gescheit, in litterarischen Arbeiten gewant, bei Hier kam ihm eine alte Dame mit weißem Haar, die weitem den Durchschnitt überragend und von allen jeinen Muttert) des Fräuleins, entgegen. Er ließ sich auf ein Altersgenossen hochgeehrt. Er war der Stolz seines Senie nieder, begrüßte sie und sprach: „Ich hörte, Sie Vaters, der ihm mit großer Liebe zugetan war und von hätten hier ein leeres Zimmer. Ich möchte es mieten." ihm in einer Freude zu sagen pflegte: „Das ist mein „Ich fürchte nur,“ erwiderte die alte Dame, „es ist Ihnen Taujend-Meilen-Renner!"

zu gering und schlecht und steht Ihnen nicht an. Wie Als er sich nach der Hauptstadt des Landes begeben jollte ich da einen Preis bestimmen?" — Bei diesen Worten wollte, um sich den litterarischen Prüfungen z11 iinter- führte sie den Studenten in den äußerst elegant eingeziehen, und Abschied von der Heimat nahi, stattete ihn richteten Salon. Hier ließ sie sich an seiner Seite nieder sein Vater reichlich mit fostbaren Nileiderii und Schmuck- und sagte:

und jagte: „Ich habe eine Tochter. Sie ist zart und jachen, mit herrlichen Pferden und Wagen aus. Bei der flein. Ju Handarbeiten ist sie noch sehr unerfahren, aber Berechnung der Kosten für den Aufenthalt in der Haupt- sie ist sehr gern in Gesellschaft. Ich will sie herbeirufen stadt erinahnte er ihn und sagte: „Id weiß zwar, daß lassen.“ – Da gebot jie ihr aus ihrem Geniache heraus. du bei deinem Talente aus den Prüfungen hervorgehen zukommen. Hell erglänzten Liwas Augen; weiß und zart wirst, wie ein Sieger aus der Schlacht, aber ich habe dir

**) Blau ijt zur Zeit der Thang-Dynastie die Farbe der Mleider 2) Wie aus einem anderen Vuche hervorgeht, hieß er Tsching von Dienstboten, Sllaven u. I w. Jüan-Ho. Im folgenden ist sein Name des besseren Verständnisses 1) Die Alte ist nicht die leibliche Mutter der Liwa, sondern hat wegen öfters angewandt worden.

fie als kleines sind gekauft und bei sich aufgezogen.

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