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oder für Sitteratur. -34 1832 begründet Ferausgegeben von Otto Neumann - Hofer.

Unfort

Deutsche Derlags-Gesellschaft Redaktion: Berlin: Charlottenburg II, Garmerstraße 10.

Berlin u. Stuttgart. Joseph Lebmann.

Expedition: Berlin SW., Sriedrichstraße 207. Erscheint įeden Sonnabend. – Preis 4 Mart vierteljährlid. Beftellungen werden von jeder Buchhandlung, jedem Postamt (Ir. 3589 der Postzeitungsliste), sowie vom Verlage des „Magazin“ entgegengenommen. Anzeigen 40 pig. die dreigespaltene Petitzeile.

- Preis der Einzelnummer: 40 Plg. so

63. Jahrgang.

Berlin, den 9. Juni 1894.

Mr. 23.

Auszugsweiser Nachdruck sämtlicher Artikel, außer den novellistischen und dramatischen, unter genauer Quellenangabe gestattet.

Unbefugter Maclbruck wird auf Grund der Gesetze und Verträge verfolgt.

will: das Wollen genügt. Was dann da zu lesen sein Inhalt:

wird, ist ja so fabelhaft gleichgiltig! Frech muß man

sein; solange man inverständlich ist, kann man für genial Litteratur, Biffenschaft und öffentliches Leben.

gelten. Ein vollkommner Widerspruch 2c.“ Die Sèlique

pardon, das hab ich vergessen: zu allererst sorgt man Otto Ernst: Richtungs- und Mliquendichtung. Sp. 705.

dafür, daß man in eine Klique aufgenommen wird; mit I. J. David: Wiener Stunst. V. Sp. 713.

ein paar unverschäinten Lobhudelungsschreiben an die Richard M. Mener: Metaphysische und empirische Litteraturbes verehrlichen Mitglieder ist das leicht gemacht also: trachtung. Sp. 717.

die Klique versteht es auch nicht; sie entzüđt sich im stillen August Strindberg: Bessimistische Betrachtungen über die moderne auch nicht über den neuen Gedichtembryo; aber sie verGartenkunft. Sp. 719.

kündet am nächsten Tage urbi et orbi: „Es ist ein Ernst Heilborn: Ein Charakteristiker. Sp. 725.

Byron unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volf As ugo Gerlach: In legter Stunde. Sp. 726.

in diesem Monat bereits zum 47. Malé mit einem Litterarische Chronit. Sp. 731.

Stolossalgenie heimgesucht".
Bildende Kunst.

Ganz außerordentlich schwer ist aber im Gegensatz

dazu das Rezensiren geworden. Vor diesen in geschlossener Sriedrich Suchs: Der Wettbewerb um den stettiner Monumen- Marschkolonne heranrückenden Genie-Armeekorps, vor einem talbrunnen. Sp. 733.

solchen Riesenfarrée von Weltdichtern verliert man natürlich M. 5.: Chronik der bildenden Stünste. Sp. 734.

alle Sicherheit des Urteils, alles Vertrauen auf seinen ifreie Litterarische Gesellschaft. Sp. 734.

Verstand, sein Gefühl und seine Sinne - Sott, man wird so bescheiden; man liest einen haarsträubenden Blödsinn sechsmal, zwölfmal; man wirft ihn einen Tag und eine Nacht lang im Kopf herum; man ruft ein paar

„moderne“ Freunde herbei und fleht sie an mit gerungenen Richtungs- und Kliquendichtung.

Händen: Bitte, bitte, sagt mir, in welcher Hinsicht das

ein Gedicht ist – sie zucken die Achseln und hüllen sich Von

in grausames Schweigen, und schließlich läuft man natürlich Otto Ernst.

doch noch Gefahr, sich unsterblich z11 blamiren und statt

47 Genies nr 46 zu entdecken. Selbstverständlich rächt (Ein Nachwort zu der liebersicht ,,Verse 1893".)

sich das verkannte siebenundvierzigste durch einen furchtbaren Eine der leichtesten und angenehmsten Beschäftigungen Fluch auf die schulmeisternde Kritik, die natürlich im ist jeßt das Dichten. Es bietet für die langen Winter- durchbohrenden Gefühl ihrer Impotenz eine satanische, abende den besten Zeitvertreib und ist umso mehr 311 i neidgiftige Freude daran findet, gerade an den kostbarsten enpfehlen, als és zu diesem Solovergnügen absolut feiner | Blüten im Garten der Kunst herumzunörgeln. Mit den Vorbereitungen und keiner Uebung bedarf. Die Technik verständlichsten Grobheiten gibt der Gefränkte, der die des Dilettantismus ist so grenzenlos einfach und erfreut Kunst gern 311 einer Monarchie von seinen jeweiligen sich bereits jeßt einer so ausgebreiteten Beliebtheit, daß Gnaden machen möchte, dem Nörgler den Rat, doch gedie der Kunst demnächst wol ganz verschwinden wird. fälligst den Staub der Kritik von seinen Pantoffelit zu Der gewöhnlichste Handfertigkeitsunterricht im Schreiben schütteln; aber – wie das denn so zu gehen pflegt - er gibt eine genügende Grundlage für die fruchtbarste dichterische schüttelt nicht. Er sagt: wie einer das Recht zu produzirent Tätigkeit her. Die Frage des Stoffes ist natürlich völlig hat, so hat er auch das Recht zit fritisiren. Der ganze belanglos. Man ist jetzt ganz formalästhetisch. Ist gar- iInterschied zwischen euch und mir ist der, daß ihr ohne kein Štoff da -- umso besser; dann macht man Mufit Kritiť prodiiziren zu können glaubt, ich aber solches nicht und fantafirt auf dem Nervenklavier. Die Form ist nun aber glaube. Wenn ihr den unwiderstehlichen Zwang in euch eigentlich noch mehr Nebensache als der Stoff. Haupt- fühlt, den Verstand zu verlieren, so empfinde ich den unfache ist, daß inan etwas ganz unerhört Gewaltiges Teisten | bezwinglichen Orang ihn festzuhalten. Iind rezensirt und

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ästhetifirt ihr denn nicht selbst? Die „Alten" jdmäht daß man von dem Ringen etwas merkt. Trotz des durchund verunglimpft ihr mit der denkbar bornirtesten Pedanterie aus mystischen Charakters, den dieses Gedicht trägt, und Arroganz – ach), sie brauchen garnicht einnal alt zu es handelt sich nicht etwa um eine versländig-verständliche jein, sie brauchen wir einen Erfolg gehabt zu haben. Seichtigkeit ist hier die Idee durch die Form so völlig Und lobt ihr nicht so ziemlich alles, was mit Bewustsein aufgesogen, daß man bis zum tiefsten Grunde der Seele oder aus Blödsinn in eurem Fahrwasser schwimmt, wenn mit Anschauung und Stimmung erfüllt wird. So total eres nur neben allen möglichen anderen Flaggen einen griff diese herrlich klare und herrlich schöne Dichtung „modernen“ Felzen gehißt hat? Wo gelobt werden darf, wenigstens von mir Besik, jo rein iud mächtig lebte ihre muß doch wol auch getadelt werden dürfen. Wahrlich ihr Stimmung in mir, daß ich, als die Fiedel des Todes erseid schlimmer denn die ruhmredigsten Hennen, die doch tönen soll, innehalten und erst die Musif des Todes hören, nur über selbstgelegte Eiergafeln; wenn aber ein modernes“ 311 Ende hören mußte. llnd ich hörte sie deutlich, sehr Huhn irgend etwas gelegt hat, so schreit und gackert der deutiich, diese leise, sehnsüchtig anschwellende Musif. ganze Hühnerstall, daß es nicht zit ertragen ist.

Von bereits anerkannten Poeten sind Liliencron, Nachdem man ein solches Beschrei hat über sich er Schlaf, Heinrich Hart, Falfe und Bierbaum init wertvollen, geren lassen, tritt man natürlich mit den gröften Er bedeutenden Leistungen vertreten, der leßtgenannte mit wartungen an die angepriesenen Herrlichkeiten heran, und einer außerordentlich schönen Sommerglücksmusik“, die fast regelmäßig ist eben fonatürlich eine arge Enttäuschung er, wie mir scheint, mit programmatischer Absicht an das die Folge. Die Schreier wissen garnicht, wie sehr fie den Ende des Bandes gesetzt hat. Ja, wenn die jüngstdeutsche gefrönten und gesalbten Dukendtalenten, wie sehr sie auch dem Ernte einen jo reichen Ertrag und ein jo großes, schönes, ftarfen und eigenartigen Talent, wie sie überhaupt der hoffnungsvolles Bild böte, wie es in der Fantasie des ganzen jungen und jugendlichen Dichter-Generation schaden. Lyrikers Bierbaum lebt, dann fönnten wir uns freueri. Man hat sich zwar nachgerade gewöhnt, von jenen Aber sein Mujenalmanach übertönt mit seinem hohlen, Ruhmesvoranschlägen von vornherein energisch zu sub blechernen Gerassel die feine Zufunfts-Farbenmusif seines trahiren, und meistens bleiben dann auch die herabge Schlußwortes. Die übrigen von den Genannten sind in stimmtesten Erwartungen noch inbefriedigt.

der Mehrzahl ihrer Leistungen auf der bisher behaupteten Musterhaftes in der Nichtbefriedigung berechtigter Höhe, gehen aber nicht darüber hinaus. Wenn demnach Forderungen leistet der diesjährige „Moderne Musen auch hier von einem Aufstieg nicht geredet werden kann, Almanach auf das Jahr 1894". Herausgegeben von so ist doch das Gegebene durchgehends jo vortrefflich, daß Otto Julius Bierbaum. Ein Jahrbuch deutscher Unzufriedenheit eine arge Verjündigung wäre. Hier und Kunst. (München, Verlag von Dr. E. Albert & Co.) Dieses da findet sich auch sonst wol noch in dem Buche ein echter furchtbare Volumen, das nach den Worten des Heraus Gefühlston, wie bei Cajar Flaidhlen (,, Die Bucht der gebers „eine palaestra musarum der aufsteigenden Abgeschiedenen"), Maria Janitschef, Bruno Wille, Ludwig künstlerischen Generation in Deutschland“ fein will

, hat Scharf, oder ein Stücchen guter Beobachtung wie bei leider verteufelt wenig „Aufsteigendes“, macht vielmehr 31 Hermann Vahr und Heinz Tovote; aber die echten Töne fünf und neunzig Hundertteilen einen recht ärmlichen, arm treten so dünn-sporadisch auf. daß es ein Jammer ist, seligen Eindruck. Einen schönen hellen Siern habe ich darin und die ganzen Schöpfungen sind ganz felten Mit aufsteigen schen: „Loris“ nennt sich dieser Stern, und in solcher Gesamileistung hat man wahrhaftig keinen Grund, Wien oder über Wien hat er seinen Standort. Dieser unduldjam imd prahlerisch aufzutreten; vielmehr dürfte Dichter scheint noch keiner Klique verfallen zu sein oder man sich nach diesem Jahrgang des Musenalmanachs am Kliquenruhm feinen (Geschmack zu finden; ich habe jagen: Wenn das die Leistungen der Jungen sind, - dann über seine Leistung „Der Tor und der Tod“ noch gar allen Respekt vor den Alten! Freilich war der erste Jahrnichts gafeln hören, trotzdem sie die bei weitem hervor gang besser, aber nicht viel. Fast durchgehends vermißte ragendste im ganzen „Allianad)“ ist. Hier ist (Größe, man den großen Zug; es ist überall soviel kleinliches Behagen Eigenart, silarheit und Schönheit in zdce und Ausführung, am Kleinlichen, an Šubtilitäten; wenn einer für eine neute hier ist das Sc mollte einmal wirklich mit redlichem, Nervosität eine choquirende Bezeichnung gefunden hat, streng fünstlerischen Ernst geleistet worden. Es ist glaubt er wunder was ausgerichtet zu haben. Wie gesagt: sonst Sitte bei neun imd neunzig Prozent unserer Jüngsten, és fehlt nicht an oft genug gewaltsan herbeigezerrten sich auf einem Dutzend großer Probleme mit luzindenhaft „großen (Gegenständen der Menschheit"; vielmehr haben romantischer Faulheit herunzuflegeln und darauf bedacht 311 diese Boeten wie die Pseudogelehrten und Pseudophilosein, daß fichauf dieser Folic das famose „Individuum" jo jophen immer nach drei Worten die höchsten Fragen beim imposant wie möglich ausnehme. Es ist keine Stunst, Wickel; aber sie behandeln sie mit kleinlichen Mitteln.

und darum fönnens aud) mit einem Male so viele lleberall werden nach einem mit Applomb ausgeführten einen Haufen großer Probleme mit angeblich feinen Vasen Stopfsprung ins Blante fosmische Schwimmversuche angezit_umwittern, mit angeblich zarten Nervenenden zu bestellt; aber schon nach wenigen Sefunden ist der Kopf vertasten, ihn im übrigen aber höchst respektvoll liegen zu schwunden und man sieht nur noch strampelnde Beine. laffen und fünstlerisches lluvermögeni, lliklarheit im Faul Es ist so schrecklich viel Großsprecherei und so viel Geheit als „dunkle Tiefe“ z11 proklamiren. Besonders beliebt machtes dabei, so viel Richtungsdichterei und krampfhafte sind zu diesem Zwecke die Punkte und Gedankenstriche, „Originalität“. Das Schlimmste in der folle und muß. die man am Ende von drei Vierteln aller modernen Ge modernen Kunstmacherei leistet bekanntlich Dauthendey. dichte und Novellen findet, und die in den meisten Fällen Ich glaube aber, der Mann hat seine Herausgeber, Ver. den Anschein erwecken sollen als habe der nichtsgejagt leger und Bewunderer zum besten, und sie merken es nicht; habende Poet doch noch etwas zu sagen, was er mr aus ich würde mich wenigstens nichi wundern, wenn er sich künstlerischer Dezenz und Diskretion inausgesprochen lasse. eines Tages als loser Schalt entpuppte, der als ErcentricDas ähnelt dann oft in überwältigend komischer Weije Clown auf dem überspannten Nervenseil die impotenten dem ängstlichen Bemühen eines Alchtzehnjährigen, der sich Empfindungsferen geniasführt hat. Wie mag er wol im mit Gewalt einen Schnurrbart aus der zartbeflaumten stillen lachen, wenn er sieht, daß diese Leute eine verOberlippe ziehen will. Dieser Loris hat seine Aufgabe tenfelt alte und bekannte Sache für „modern“ nehinen, wirklich einmal mit beiden Fäusten angepackt, hat mit ihr daß sie gereimte „Fälle“ von vifariirenden Sinnesem: gerungen und sie bewältigt, womit ich nicht sagen wiú, i pfindingen oder besser: von vifariirenden Bezeichnungen

als „Gedichte hinnehmen! Das erste Gedicht aus dem schießt und erplodirt. Aber der Versichernde muß mir Zyklus „Gefänge der Düfte“, denke ich, fann vhne Schaden in die Augen sehen, sonst behalte ich meinen Schlips und für unser zerebrales Wolbefinden hier stehen:

meine Meinung „linter schwarzen röchelnden Algen,

Gewiß verdient das Publikum, und vor allem das Scharfen Harzen, roten Blättern

deutsche, daß man sich über seine Stumpfheit erbost; aber Stumm eine qualmiende Cuelle.

wegen solcher Litteratur schimpfe ich nicht mit. Die

Delirien eines geschlechtlichen Erzedenten sind mir dazu In lallender Welle sengender Wein.

nicht genial“, nicht neut, nicht wichtig genug. Wenn Nelfen, entzündet, scharlachwild, Müdes Glimmen (djwüler Amethysten.

solche Schilderungen von höchstens episodischem Werte als Stühler Narzissen weiße Stiminen

,,Kunstwerfe" auftreten, dann bitte ich auf ineine Bes Singen und lachen im Welfen.

geisterung zu verzichten. Ich verlange noch immer vom Nächte fliehen auf eisigen Schwingen.

Kunstwerk, daß es groß, reich und in fich abgeschlossen veit schleichen der Wein und die Welten.“

sei und daß es mich fördere, nicht mein Wissen, nicht Diese Dauthendenschen Erperimente, diese Monstra meine Moral, aber mich. Es joll meine produktive an kunstfeindlicher, barbarischer Absichtlichkeit und die Straft entbindent - das ist eben der einzige Kunstgenuß Aufnahme, die sie gefunden, sind von symptomatischer Be und so soll eigentlich in jedem Kunstwerk gedeckt imd deutung. Der Modernitätsraptus ist nämlich wirklich so heimlich das ,,Lied der Straft“ erklingen. Aber aus der weit fortgeschritten und hat auch die respektabelsten Gehirnie linendlichen Weltmelodie drei Töne gesungen zu hören so verwirrt, daß man diese Stoppeleien ernst nehmen oder genialt zu sehen, vielleicht gar nur eine vereinzelte fonnte! Man fonnte fie ernst nehmen ohne das tiefste Dissonanz: das kann meine Kraft nicht reizen. Bedauerit für den Verfasser! lind auf die leise Vermutung Pitch Johannes Schlafs Frühling“, dem von Strankheit fiel man einem mit der geisivollen Frage Richard Dehmel eine so verhängnisvolle Vorrede geschrieben auf den Sals: „Was nennen sie krankhaft?" Wenn hat, bringt es z11 feinem eigentlichen starfen, deutlich wir nun aber frant sein wollen?", rufen Sie. Wie find herausgearbeiteten Accent; die Sache wirkt als Ganzes lich! Als ob ihr zu dem Riesenarsenal der Krankheit durchaus nicht, und die vielen schönen Einzelheiten, auch mit euren paar forcirten, garnicht einmal echten, zum das ganze wirklich ausgezeichnete erste Driitel der Arbeit Teil immer simulirten Krankheitchen noch etwas interessantes gehen verloren in dieser zerfließenden, nebelhaften Form hinzutun fönntet! Ihr zerbrecht mit großen Geberden mit ihren ermüdenden, quälenden Wiederholungen und das Spielzeug ,Leben" und fönnt doch an hunderttausend breit-deskriptiven Ilmanschaulichkeiten. Das ist auch jo eine zerfallenden Leben sehen und wißt es überhaupt schon unglüdselige Neigung vieler Moderner, dem Leser soviel lange, daß der Tod darin fiki. Wollt ihr denn diesen beschreibendes Detail, namentlich wahrhaft endlose FarbenDrang, der das Kind treibt, sein Spielzeug zu zerstören, aufzählungen zit appliziren, daß die Konzentration der troßdem es weiß, was dahinter steckt – wollt ihr diesen Aufmerksamkeit zur umfassenden Anschauung, ganz lillDrang darstellen nun gut, darin steckt wenigstens so möglich und außerdem das musikalische Element der etwas wie Trieb- und Willensleben; aber verschont ins Sprache darüber ganz vergessen wird. Und doch dürfte mit diesen langweiligen, endlosen, anspruchsvollen Registern die Sprache der Musik wesentlich näher stehen als der von psychologischen Symptomen, von bedeutungslojen umd Malerei und Plajtit; vor allem die Lyrik fann ohne die imwichtigen Finessen. Mit dieser ödesten von allen öden weitestgehende Ausnutung jenes musikalischen Elements Litteratenlitteraturen will man der Sčunst ein Publikum nicht besteh.it gewinnen: man schimpft und flucht auf die Leute, die das Die Gedankendichtung im „Almanach" anlangend, nicht goutiren und nicht faufen wollen, die da lachen, will ich mich schonender fürze befleißigen. Was sich wenn einer mit ernstem Gesicht vorliest, was uns da einige Herren an Dekadence-Philojophie in Gedichten, Stanislaw Przybyszewski auf S. 310 des „Alma Epigrammen und Aphorismen abringen, überbietet das nachs“ zimutei, nämlid):

Schlimmste, was man in Dilettantenblättchen von schönen Alle seine Gedanken kamen in ein wirres Streifen. Sonntagsnachmittagsseelen aufgezeichnet findet

. Auch BierSie beschrieben weite elliptische Linien. Sie dehnten sich baums „lleberschriftreime" reihen sich ebenbürtig dem beaus. Sie schwirrten und glühten und schoffen herum. scheidensten an, was je auf diesem Gebiete geleistet Manche erplodirten und sprangen heraus und warfen sich worden ist. in parabolischen Kurven empor, eine sprühende Ruten

„Lait uns nur ins Blaue ídyweifen; schwingung, die die Luft zerriß und irgendwo am Boden

Scheltet nur, wie weit wvirs treiben. erstarb; und in der Mitte tanzten zwei neugeborne, il

Aber ein Band sollte bleiben: gestalte Ausgeburten seiner Seele, leise fichernd, wirr um

jeden, wie er strebt, begreifen,“ sich herum, wie zwei Kinder in den franz der schwingenden sagt Richard Dehmel in seinem Buche „ Aber die Paare auf dem Tanzparkett“.

Liebe. Ein Ehemanns- und Menschenbuch". (München Ich muß bekennen, daß mir mit der Niatur des Dr. E. Albert & Co.) Sehr wol: das ist eine Auffassung Gedanfens solche bemerkenswerten pyrotechnischen Talente von Produktion und Stritif, mit der sich auskommen läßt. leider durchaus unvereinbar erscheinen. Dem Blut und Abei wie, wenn der Dichter einfach nicht zu begreifen ist? den sensoriellen Nerven trau ich solche Feuerwerke schon Ich habe nie ein jo abstruses Buch gelesen wie dieses. 311, zumal es sich hier um einen Menschen handelt, der Dehmel ist Gedankendichter im verwegensten Sime des zwar nicht verrückt ist, aber „wunderbar schön rast“. Wortes; er ist dabei ganz durchtränft von ciner schweren, Aber das wäre ja durchaus nichts Eigenartiges, nichts dumpfen, mystischen Stimmung, die in fast allen Gedichten llngewöhnliches. Also sagen wir mal: Seine e den llntergrund bildet; aber er hat feine Anschauung, feine danken —". Es lebe der Leichtsinn, dieser „künstlerische“ Plastif, keine Komposition. Auch ergehört zu den Wollenden, Leichtsinn. Ich für mein armes Teil will demjenigen aber nicht zu denen, die ein großes Wollen affeltiren; es eine von meinen abgelegten Kravatten speiden, der mir ist ihm Ernst, grimmiger, wütender Ernst um die Rätselaus ehrlichem Herzen und aus klarem Kopfe heraus ver fragen des Lebens. Sein Zyklus „Die Verwandlungen sichert – er braucht es mir nur zu versichern - daß er der Venus“, soviel berechtigtes Kopfschütteln und Lächeln sich vorstellen fann, wie in stopfe eines „Rasenden" ein er hervorgerufen hat, - man soll doch nicht übersehen, daß Gedanke die Segelschnitte praftisch durchmacht, herum ein großer, leidenschaftlicher Vorjaß dahintersteckt:

„In allen Tiefen Mußt du dich prüfen, Zu deinen Zielen Dich klarzufühlen; Aber die Liebe Ist das Trübe.“

Traure nicht um den gebeugten
Vater, dem vor morgen graut;
Denn die Trübsal ist die Braut
Uler nicht vom Geist Gezeugten.
Jonathan, du sahst ihn sißen,
Den Berater deiner Reife,
Nackt und schamlos, und das steife
Haupt umstarrt von Lanzenspißen.

Und du sahst vor seinem Zelt
Sterben den Philisterfürsten:
Aber Leben braucht die Welt,
Laß uns nach dem Geiste dürsten!
Denn es weht von allen Hügeln
Immer neu sein ewiger Segen;
Lerne nur dein Herz beflügeln,
lind er wird auch dich bewegen!

Ich weiß nicht, ob Dehmel nun den Vorsaß gehabt hat, dies Trübe dennoch zu klären, oder ob er uns nur eine deutliche Empfindung von der philosophischen Widerharigkeit der Liebe hat beibringen wollen, von der vertracten weiblichen Natur dieses Gefühls, die jeglicher Analyse spottet. Für die erstere Absicht spricht die Ausführlichkeit und Umständlichkeit, mit der er sein Problem auseinanderlegt, für die leßztere Annahme spricht der Erfolg. Denn nach diesem Zyklus ist einen die Liebe allerdings trüber als je zuvor. Von einer künstlerischen Erzeugung dieses Eindrucks ist aber leider nicht die Rede, wie denn überhaupt das Ganze nicht die geringste Wirkung hinterläßt; der vorherrschende Eindruck ist eben der, daß man den Dichter beim besten Willen nicht versteht. Auf die Gefahr hin, mich vor dem ganzen jüngsten Deutschland zu blamiren, gesteh ich das. Die weniger ehrlichen Leute find vielleicht intelligenter als ich. Ich habe mich selbständig und nicht ohne Erfolg an tiefsinnigen Dingen verjucht; aber Richard Dehmel ist mir in mehr als der Hälfte seiner Dichtungen zu hoch - oder zu tief, wie man will. Vielleicht hat einer der Leser mehr Glück als ich:

Jonathan, zu jeder Frist
Sei nun meiner Liebe sicher;
Und jie ist viel sonderlicher
Als mir Frauenliebe ist.
Glutwind droht den jungen Saaten;
Nimm den Bogen in die Hände,
Daß dein Pfeil mir Warnung sende,
Sinnt der Vater Wahnsinnstaten.

Jonathan, wir sahn uns nact!
Du mein Bruder, Freund, Berater,
Ýilf mir, wenn die Glut mich padt:
Jonathan, ich war dein Vater !
Jona, Jona: unsere Scinder!

Mutter! weinen meine Saiten ...
David, komin! du lleberwinder
Unsrer Unwillkürlichkeiten ...

Venus Genetrix. Aller Wunder wundersamstes, Länger trugs die Seele nicht. Ihre großen Tränen strömten Úéber dein und mein Gesicht.

„Nur für dich l“ ein Flehn, ein Stammeln
Schluchzender Berfündigung;
Und mir keimte deine Lilje
Aus dem Schoß der Dämmerung.

Doch es wuchs, es hob die Blüte
Ihr befruchtetes Gesicht,
Bis wir ahnten und erkannten,
Daß die Lilie deine nicht.

Denn in meine Welt gehoben, Dir entwachsen ganz und gar, Lagen wir in ihrem Kelche, Mir du, dir du offenbar,

Tranken wir mit unserm Munde
Ihre große Trunfenheit,
Hat aus ihrem Seelengrunde
lins ein slummer Schwur geweiht.

Wer das versteht, der tut mir leid. Ich gebe zu: es ist überaus schwer, bei solchen Leistungen noch an ernsthafte Absichten zu glauben, und wenn jemand, deffen Blick zuerst auf solche Stüde fält - und das ist bei diesem Buche sehr leicht möglich dahinter großtuerische Faren oder Wahnsinn oder einen ungeheuren Ulf vermutet, so ist das mehr als begreiflich. Die Unehrlichkeit oder die föhlergläubige Verblendung unter den Jüngsten ist so groß, daß vielleicht schon mancher die „Verwandlungen“ recht tüchtig gelobt hat in dem Vertrauen, daß Dehinel schon wissen werde, was er gemeint habe. Dehmel hat in diesem Buche eine kleine Anzahl guter Gedichte geboten, er hat eine Reihe ganz brillanter Gedichte, die seinem Geschmack allergröste Ehre machen, vorzüglid) übersetzt und troß meiner oft recht explosiven Indignation über seine unausgetragenen SchwulstUngeheuer in mir die Ueberzeuguing befestigt, daß ihm kleinliche Tendenzen sehr fern liegen. Åber er gehört offenbar zu den ganz naiven Leuten, die da glauben, verständlich zu sein, wenn sie selbst wissen, was sie meinen. Daß die fünstlerische Idee frei und leicht aus dem Ges dicht hervorspringen muß, ohne daß der Dichter redselig und aufdringlich wird, ist eine Forderung, die Dehmel offenbar sehr geringschäßt. Zuweilen kommt man, bei nicht ganz so orphischen Gedichten wie den zitirten, ihm hinter die Absicht, wenn man eben so freundlich sein will

, sich allerlei Fernliegendes hinzuzudenken, und dann lohnt es oft nicht der Mühe. „Rauch ohne Feuer sprichst du“, kann man ihm daun mit Heinrich Hart zurufen. Die Venus Madonna z. B. hat einen durchaus nicht neuen und höchst einfachen Gedanken zum Gegenstand; aber auch er muß im Nebelgewande erscheinen; anders tuts der Dichter nicht. Dasselbe gilt von Venus Homo und einer ganzen Reihe anderer, nicht zum Venus-Zyklus gehörender Bedichte.

Im leßten Gedicht der Sammlung zeigt uns Dehnel auch, wie mir scheint, mit besonderer Bedeutung

Oder:

Venus Sapiens. Zwielicht... Sterbend hängt die schlafe Zunge aus dem Lästermaul. Sieh, nun weint dein König Saul, lind" dein David singt zur Barfe. Alle Kleider sind zerrissen, Die den alten König schmücten; Brütend hört er den Entzückten Nahen aus den Finsternissen.

Goliath tot! den Stönig schauert;
Seine Schwermut ahnt ihr Ende.
Und dein Sänger steht und trauert,
Blutig zuđen seine Hände.
Aber weiter muß erschreiten,
Seine Töne sind ein Bann,
Selig greift er in die Saiten:
Komm, o fomm, mein Jonathan!

sein.

einen Heiland, der sich für eine schmachtende Menge ver Schuß und freudiges Wachstum, wie jener Wagemut sich blutet.

entwickeln, ohne den ein gedeihliches Fortschreiten in den So konımt doch, trinkt! Für cuch verblut ich mich!

Künsten unmöglich ist? Doch jenes Mädchen sprach, indes cr hinlosch:

In den Theatern ist schon völlige Ruhe. Das ,,in Sie wollen Wasser ....

der Josefstadt“ ist völlig verkracht. Es war einmal ein Was mich anlangt, so will ich schon Blut, aber helles, ficheres Geschäft, das Faubourg-Theater von Wien, das rotes, flüssiges Blut, kein schwarzes und dickes, das unseres dié wolhabenden Bürger der Josefstadt, des Neubaus, Durftes höhnt, statt ihn zu löschen.

gern besuchten, in dem die harmlose Posse mit ihrem höheren Blödsinn gepflegt und gut dargestellt wurde. Ein Stück, das nicht hundertmal ging, tanigte nichts. Dann ward vor den Eingang zit jenen Bezirken das deutsche Volkstheater hin gebaut und die guten Zeiten der Josefstadt waren vorbei. Dem Karltheater gings eine Zeit gut durch das Auftauchen eines nelien Operetten-Sternes, wieder einer Ungarin wie die Palmay, nur hübscher und mit mehr Stimme, einer Frau Julie Kopaczi-Karczag.

Die Wieden rüstet zum 25-jährigen Schauspielerjubiläum Wiener kunst.

Girardis, der eine Stellung hat, wie sie wol ‘noch nie

ein fomiker gehabt, mit Bezügen — 100 Gulden für den Von

Abend – die vielleicht auch iinerhört sind. Direktor 1. 3. Pahid.

Jauner verläßt diese Bühne und geht nach Hamburg.

Wir werden dem Manne, an dessen Namen sich der V.

fünstlerische Niedergang des Karltheaters durch die Aus

stattungs-stomödie, der der Oper, in der unter seiner Leitung Die Saison geht ganz 311 ende. Pfingsten macht nicht mehr täglich gespielt werden konnte, und der Brand den Schlußpunkt dahinter. Der große Kehraus hat in des Ringtheaters knüpft, feine Träne nachweinen. Nur Wien begonnen. Man spricht nicht mehr vom Theater, in Wien" konnte dieser Mann immer noch publizistische nur noch vom Landaufenthalt. Die Glockenblumen Herolde finden; überall andermärts hätte man ihn fortwollen sich auftun; sie läuten jedes gesellschaftliche Leben geblasen aus der Deffentlichkeit, der er sich so zäh wie 311 Grabe. Man spielt wol" noch Stoniödie; aber sic schamlos immer wieder aufdrängte. Klassenrapporte sind trübselig und die Direktoren berechnen Auch Direktor Burchard föll zum Gehen gerüstet den Tag, an dem der Kassirer nicht mehr in der Kaffe Ich schriebe dem Mann ingern den Nachruf; wird schlafen müssen. Es war dies Jahr schon im April denn er hatte ohne allen Zweifel reiche Gaben und eine 11110 Mai Sommer.

furze Zeit lang, ehe die ewigen Angriffe ihn verärgerten, Am 3. Juni schließt die internationale Sunst-Aus auch ehrliches Wollen. Er hat Hauptmann gebracht, stellung. Im Künsilerhause sagen sie, es werde wol die jbjen gepflegt und Fulda, den willkommenen Gast, gern, leßte in ihrer Art gewejen sein. Es bleibt ein ansehn wenns irgend anging, gepflegt. Er gewann ins Mitterlicher Fehlbetrag – man spricht von 15—16000 Gulden – wurzer zurück; nur schädigte ein gewisser künstlerischer den die Genossenschaft aus ihren Mitteln 31 decken hat. Leichtsinn seine Leistungen und machte, daß man selbst Gut war nur der Verkauf von Bildern; der Besuch blieb die Reinheiten seiner Absichten bezweifelte. Ihm, der hinter jeder Erwartung zurück und das Benehmen der vom Amt in die Kunst fam, war die Kunst niemals offiziellen Kreise war gar nicht löblich. Der Hof, der ernst genug. llnd die letzte Saison war ganz sicherlich immer noch den Ton angibt auch bei solchen Veran trostlos. staltungen, war zurückhaltend, der Minister für Kultus Noch ganz zuleßt erlitt Herr Heinrich Lee einen und Unterricht, dem in Desterreich auch die Künste unter: ausgewachsenen Durchfall mit einem „Lustspiel“ in fünf gestellt sind, war mehr als zurückhaltend. Der Sektions: Aften: „das Eramen“, das in Brešlait sehr gefallen Chef hatte einen Trauerfall, und so vertrat ein sehr haben soll, hier aber, bei glänzender Darstellung junger, sehr liebenswürdiger, schr unterrichteter Ministerial Künstler wic Baumeister und Gåbillon hatten Rollen, Sekretär Desterreich den fremden Künstlern gegenüber, die nid)t viel mehr als Statisten-Rollen bedeuteten von denen doch manche, wie die Franzosen, ziemliches gründlich abgelehnt wurde. Den greisen Aant in der Rolle Entgegenkommen gewöhnt sind.

eines recht albernen Liebhabers 311 sehen, dies mag nicSo gabs denn Misklänge genug. Man begehrt die

Man begehrt die manden ergößen, der die Reinheit und Hoheit des Weisen Schaffung eines Ministeriums der schönen Künste nach von Königsberg einmal an sich empfand; Herr Lee tat dem Muister Frankreichs. lind eine große Gründung | danach, was junge Dichter niemals fin sollten: cr wird geplant, die, wenn sie gelänge, dauernden Wert | schrieb giftige Artikel gegen Wien, in denen er den und nachhaltige Bedeutung für das Kunstleben in Miserfolg seines Stückeš "überall suchte, nur nicht im Desterreich gewinnen fönnte. Man will eine Gesellschaft Stücke, in 'Intrigen, die dagegen gesponnen worden von Kunstfreunden stiften, deren Zweck die Errichtung wären, in – ich weiß nicht was allem. Dann bekamen ciner modernen Galerie wäre. Daran fehlt es ins; wir die überpfefferte, faule und durchaus unfittliche ,,Dora" wir haben nicht einen Ort, an dem man einen lleber Victorien Sardous, die vor vielen Jahren im Stadtblick über das Kunstschaffen der Gegenwart gewinnen theater einmal volle Häuser gemacht, die aber hier ziemrönnte. Die faiserliche Gallerie behandelt die Künstlerlich abfiel. Die letzte Novität, Emil Granichstädtens 111serer Tage stiefmütterlich. llnd so müssen wir zurück | „Linning und Minning" nach Reuter - blieb uns bleiben. Denn die Akademie wirkt noch mörderischer erspart. Der Grund davon siehe deutsches Volfsauf junge Talente, als man selbst von Afademien ge- , theater. wohnt ist; wer nicht nach München oder Paris kann, Denn diese Bühne ward sich mit eins ihres Berufes, ist nun, nach des großen Lehrers Leopold Müller Tode, die heimische Produktion zu fördern, bewust und es kam in Wien ein verlorener Mann. Zit jehen aber, was die Zeit der General-Versammlungs-Stücke. Das sind andere vermochten, ist faum Gelegenheit. Wie soll da jene Dramen, die weiter' keinen Zweck haben, als den

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