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legentlich, eine solche statt, so bleibt das halbe Haus leer. ein jedes von ihnen flehend 311 sagen: „llm Gott, Herr Ilnd dann wieder die Prüderie unseres Publikums! Vater, zürnt mir nicht, daß ich erichlug den groben Wicht, „311 Süddeutschland, ah, da ist das ganz anders!" sagt dermeil Ihr eben schliefet!" ... Frankfurt blickt mit nicht in Halbes „Jugend“ der Student Hans Hartwig, der geringem Stolz auf den neuen „berühmten Mitbürger“. fich aus der Enge der kleinen Verhältniffe feiner Heimat Am Ende der Saison ist es wol geziemend, auch heraussehnt. Nün, er sollte nur einmal nach Frankfurt des besten zu gedenken, das sie gebracht hat: der Konzerte; kommen und einer Aufführung des Dramas beiwohnen, wenn es gleich nicht möglich ist, in einem kurzen Bericht deffen Held er ist. Ju Frankfurt jedenfalls ,, ist das ganz all dem hier gebotenen überreichlichen Guten gerecht zit anders", als Herr Hans Hartwig es fich denkt. Solche werden. lInsere pernabonnementskonzerte unter Leitung Stücke, die „so schrecklich frei“ sind, die mag man hier von Dr. Rottenberg, der sich als eine vortreffliche nun einmal absolut nicht. Wie im Salon von Frau Acquisition erwiesen hat, die Museumskonzerte unter Adah in „Sodoms Ende" findet man bei uns das Na- | Leitung des nicht weniger trefflichen Rogel, die Rammertürliche sehr unnatürlich, und wenn es gar feck auf die nusikabende, die Vofalquartette, die Oratorienabende des Bühne springt und sich da mächtig aufrichtet, ,,da trippelt Cäcilien- und Rühlichen Vereins, die Lehrerverein chöre – man vorüber und schartert, wenn es rauscht".

fie alle überboten einander in der Fülle ihrer Saben; die Eine andere Probe haben wir beffer bestanden. Zahl der fahrenden Virtuosen und Virtuosinnen, die den Der Misanthrop", in Ludwig Fuldas Uebertragung hat, Bejang ihrer Sopran- und Tenorstimmen, ihrer Geigen wunderschön dargestellt, ingeteilten Beifall gefunden. und Celli diciem Riefenorchester cinfügten, ist Legion. Etwas spät ist auch dieses Werf zit ins gekommen. Ob man aber geneigt sein möchte, diese Legion zurückDie frankfurter hätte von den Bühnen Deutschlands gerade 311wünichen? ich glaube nicht. Auch der besten Musif als die erste die glänzenden Molière -Ileberseßungen gegenüber gibt es einen Sättigungspunkt des AufnahmeFuldas alle bringen sollen, in denen wahrhaft Edel- vermögens. Aenßere Symptome davon sind bei unserem metall für Edelmetall gegeben ist. Frankfurt verdient Publikum freilich wenia 311 bemerken. Jedes Konzert ist eine gute Note für seine warme Haltung bei dieser ver überfüllt. Bei den Museitmsabenden haben hunderte das späteten Première.

Nachsehen, und ein Entrepreneur, der er versuchte, RonZwei neue Schauspiele haben wir in den leßten zerte für „Zurückgewiesene" zu veranstalten, würde glänzend Tagen hier gesehen: „Die neue Durchlaucht“, von auf seine Kosten kommen. Ewald Böcker (einem „Hiesigen“) und Vergangenheit", von Frau Karoline Brachvogel, München. Acht Bilder von Hans Thoma haben sich uns, Ewald Böcker hat in seinem fünfaktigen Stücke das nicht vor ihrer Abreise zur Ausstellung der münchener Sezession, neue Thema vom liberalen jungen Fürsten und seinem in Schneiders Aunstsalon präsentirt. Frankfurt hat sich vielverleundeten, zilin Schlusse aber mit einer tadellosen seit einiger Zeit entschlossen, auf seinen Thoma, der doch „weißen Weste“ dastehenden jungen Leibarzt nicht ohne so gar nichts Frankfurterisches hat, sehr stolz 311 fein, was Geschick und Bühnenfinn variirt und lebhaften Applaus natürlich nicht ausschließt, daß die freie Liebe dieser tiefen eingeheimst, der ihm überall ficher sein wird, wo ein „ge fünftlernatur zu etwas starfen, manchmal brüsken Farben mütliches“ Publikum nicht durch fraftvolle Behandlung nach wie vor das Entsetzen vieler gutgesinnter Bürger eines großen Problems aufgeschreckt sein mag. „Ver- | ist. Aus der Reihe der Werke, die der Meister diego gangenheit“ von Frau Brachvogel wurde nur achtungs- mal zeigt, ragt, für meine Empfinding, weit hervor ein voll aufgenommen. Es greift seinen Stoff tiefer. Die Selbstporträt (aus dem Jahre 80.) von einer so unges Heldin dieses Stückes, eine tugendhaft und ehrbar – ge wöhnlichen Plastif, ciner so naiven Kraft und bezwingenden wordene Frau, tötet sich, weil ihre schlimme „Vergangen- Wärme des Tones, daß man wieder und wieder stammend heit", die plöblid) auflebt, das Glück ihrer Ehe zit stören fich ihm zuwendet, wenn man Nebenanhängendes gedroht, weil die einmal Gefallene nach den „ethischen" Ge mustert hat. Ein Sämann" ist da auch, der über einen setzen der Gesellschaft sich nicht mehr erheben darf. Auch Acker schreitet. Milde Abendstimmung ... leise Lenz. dieses Thema ist ja nicht neit, aber die Verfasserin hat ahnung in einer weichen, stillen Luft. Wenn Hans ihm mancherlei abgewonnen und sich mit ihrer Erstlings- Thoma feine große, hefruchtende fumst hätte symboliarbeit, die begreiflicherweise technisch höchst imvollkommen Firen wollen, er hätte es schöner nicht tun fönnen. . ist, unbedingt als eine energische und begabte Spezialistin Nach den prachtvollen, hier bereits gewürdigten Porfür Frauenleiden eingeführt.

trätbüsten von 9. Sand und denen von Josef Rowarzil, die, von frischester und modernster Auffaffima, fich neben

den besten sehen lasien fönnen, find bei Schneider ArEinen großen Erfolg hat in unserer Oper ein beiten eines umierer jüngiten Plastifer, Hans Baums Frankfurter errungen: Engelbert Humperdinck, der gärtner, zur Ausstellung gelangt imd haben sich mit bisher in „weiteren Streisen" nur als Musifreferent der Ehren 311 behaupten vermocht. Es wird überhaupt jezt Frankfurter Zeitung“ bekannt gewesen. Die Première bei uns erstaunlich gut modellirt, in auffallendem Gegenvon „Hänsel und Gretel“ gestaltete sich zu einem Triumph lat z11 noch nicht sehr lang vergangenen Tagen, wie ein für den glücklichen Komponisten. Was man etwa an be flüchtiger Blick auf die Schierholz-Gesamtausstellung im scheidenen Ausstellungen gegen einzelne Teile des Werkes, Rumstgewerbeverein schon sehrt. Wenn das so weiter geht, vor allem auch gegen die übergroße Kindlichkeit des Textes werden die braven Frankfurter, die eben unter dem Joch vorbringen könnte, vergißt man gern in seiner Freude der neuen Börsensteiter aufs iiene schwer seufzen, eines über den neuerbrachten Beweis, daß es doch noch Deutsche morgens, erwachend, mit Schrecken bemerken, daß fic gibt, die gute Musik zu schaffen verstehen. ... Auf den neben ihrer „Maler-Akademie“ auch eine große BildnerRicsen Wagner war im musikdraniatischen Reich ein anderer Schule besiben.

Schule besitzen. Die Arbeiten von Baumgärtner in Riese gefolgt: der Miswadiš. Viele tapfere stämpen ihrem fraftvollen Realismus erwecken jedenfalls wieder zogen aus, ihn zu fällen, aber all ihr teils minniges Mühen, die reichsten Hoffnungen auf die Zukunftsentwicklung der teils freisliches Streiten blieb vergebens. findesunschuld frankfurter Plastif, die verstärkt werden, wenn man die hat wieder einmal den Riejen bezwungen. Wie Roland schönen Gruppen betrachtet, die Profeffor Hausmann für Schildträger steht Hänsel nun und Gretel da, und zum den Giebel der neiten Post geschaffen und die unter Geiste der neudeutschen Musif, dem edlen Erzeuger, scheint | mehreren Konkurrenzarbeiten bedeutsam hervorragen.

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Von neuen Bildern seien zum Schluß dieser Umschau

Das englische Theaterjahr.*) ein Selbstporträt der rüstig aufstrebenden Agnes Meyerhof, ein Wert von äußerst tüchtiger Auffassung und Durcharbeitung, sowie reizvolle Landschaften des sehr Vor etwa drei Jahren hat der Litterarhistorifer begabten jungen auch hiesigen 6. von Hoven besonders Edmond Gosse bei Heinemann ein Buch erscheinen lassen, namhaft gemacht; wonach noch zu erwähnen bleibt, daß das er „Questions at issue“ betitelte. Er erzählt darin, die franffurter Runst den Tod zweier Repräsentanten be daß ihm ein Unbekannter die Frage vorgelegt habe: klagt, des schon genannten Bildhauers Schierholz, der Wie macht man fich einen Namen als Autor?" Und ganz auf dem Boden der älteren Kunstübung stand, und Edmund Goffe antwortet mit spöttischer Bescheidenheit: des Architekten Professor Sommer, welch letzterer eine ge Wenn ichs" wüßte, würde ich es Ihnen nicht sagen, schäßte Lehrkraft der Städelschen Schule war.

sondern mein Geheimnis für mich behalten zum eigenen Das Städelsche Institut hat fürzlich seine Schüler- | Gebrauch“. arbeiten dem Publikum gezeigt und dabei, und zwar in Gleichwol beschäftigt er sich in dem Buche mit der Frage angenehmer Weise, daran erinnert, daß wir hier den und gibt zwar keine direkte Lösung, aber er versucht es Jüngern des heiligen Lukas eine ,,Schule“ offen halten. zu erklären, wieso gewisse Bücher eine ungeheure VerDas kann freilich wenig nüßen, solange man sich nicht breitung und ihre Verfasjer somit eine laute Tagesentschließt, einmal mit Äufgebot aller "Energie für die berühmtheit erlangen. Solche Bücher, jagt er, werden Hebung dieser Schule zu wirken, die so wunderbar still in dreihunderttausend Eremplaren verkauft, oft ohne daß und veilchenhaft bescheiden im verborgenen blüht.

die Kritik von ihrer Eristenz erfahren hat, während

der Verleger von Herbert Spencer oder Robert Browning Das Leben in Frankfurt wird jeßt immer geistiger

oder Matthew Arnold nicht auf seine Kosten fommt. Die hiesige, zirka 90 Mitglieder zählende Abteilung oft garnicht einmal Notiz von ihnen. Und dann richtet

Also nicht die Journale lanciren fie, denn die nehmen der „Gesellschaft für ethische Kultur“ hat den Plan gefaßt, auch der beste Artikel von der Welt nicht so viel aus, eine" öffentliche Lesehale zu begründen. Die Benußung daß jeinetwegen zweihundert Eremplare mehr von einem soll vollkommen unentgeltlich sein, und man hofft, alle Schichten der Bevölkerung dafür 211 interessiren. Die

Bich gekauft werden. Wenn es sich um Neulinge handelt, jährlichen Stosten für die Unterhaltung des Instituts

so glaubt das Publikum allenfalls noch an einige Aufwerden auf 4000 Mark veranschlagt, und etwa 3010 Mart richtigkeit des Aritikers; bei Litteraten, die schon aus dem find, dank der

Dunkel der Inbefanntheit heraus find, schreibt es alles unermüdlichen Tätigkeit besonders des Dr. Arthur Pfingst, der die Seele des neuen Unter

Lob und allen Tadel des Ariiifers der Kameradschaftlichkeit

oder dem Neide zu. Also ist das Publifum garnicht nehmens ist, von Mitgliedern der „Gesellschaft f. eth. St.", sowie von Freunden derartiger ethischer Bestrebungen be

einmal kritiflos dumm. Woher nun die Berühmtheit? reits fest gezeichnet. Die Lesehalle wird die hervorragendsten

Beim Diner, im Rauchsalon im Klub wird sie geprägt, Zeitungen umd Zeitschriften aller Richtungen enthalten, nach dem Muster der folgenden kleinen Szene: und es besteht die Absicht, auch alle wichtigeren Broschüren

„Haben Sie das Buch gelesen? It is not half bad."

,,Von wem ifts?" aufzıilegen. Je nach der finanziellen linterstüßung, die das Internehmen weiterhin findet, sol ihm eine mehr

Warten Sie mal . . es ist ein gewiffer Binks . .

oder Biinfs". oder weniger umfangreiche Volksbibliothek im besten Sinne angeschlossen werden. Zur Begründung der Lesehalle

Aber das Palladium' schrieb, daß es absurd wäre!"

,,Lesen Sies. It is not half bad." hofft man schon im nächsten Winter schreiten zu können. Gedar:fen und Absicht sind die löblichsten. Man

Hätte man gesagt, es sei ein sehr gutes Buch, so will vor allen Dingen den „unteren Zehntausend“ statt worden sein. Aber it is not half bad

würde es gewiß von vornherein für miserabel gehalten des Apfelweins, des Bieres, "des Schnapses Zeitungen, worden sein. Áber ,it is not half bad! – es geht an Broschüren und Bücher, d. h. statt der geistigen Getränfe

das erweckt die Neugier und läßt den Geist des geistige Nahrung für die Abend-Freistunden geben

Widerspruchs nicht schlafen, der ja bei leberfranken Leuten Daß die Refehalle Zuspruch finden wird, daran ist wol

bis zum Geist der Empörung ausartet. So, mit dieser

kleinen Phrase, die wie durch Zufall von Leuten, die kaum zu zweifeln. Die große Frage ist nur: werden gerade die „Streise“ für das lluternehmen zi1 interessiien

dabei noch euren Namen verhunzen, in die Unterhaltung sein, an die es sich vornehmlich wendet, wir das Volt" geworfen wird, beginnt euer Ruhm. kommen? ,,Das Volf“, joweit es nicht von sozialdemo

Das Publikum aber, das sich nun auf das Buch kratischen Vereinen den propagandistischen Lesestoff erhält | stürzt, aus welcher Art von Leuten besteht es? Man und sein Bildungsbedürfnis daraus — mit größerer oder

mit größerer oder behauptet, daß bei uns in England die Romane vor geringerer Leidenschaft - befriedigt, das Volf hat eine tief

allem von den jungen Mädchen zwischen sechszehn und eingewurzelte Vorliebe für die guten alten Hintertreppens zwanzig Jahren gelesen werden.

zwanzig Jahren gelesen werden. Das stimmt nicht ganz.

Vielmehr - jo behauptet Sofie romane, die einzigen, die ihm erlauben, in Gedanifer

ist das bei weitem wenigstens, einmal über die Vordertreppe zi! gehen. Aber

gröste Lejepublifum für Romane unter den jungen Frauen gewiß werden sich nach und nach gute Resultate erzielen zu suchen, die in der Zeit von ihrer Verheiratung an l'asjen Und sicherlich wird allerjeits die Absicht, der

bis zur Geburt ihres ersten Kindes eine unglaubliche „Gesellschaft für ethische Kultur“ mit Freuden begrüßt nichts mehr

, oder wenigstens erst dann wieder, wenn sie

Menge von Romanen verschlingen. Späterlesen sie werden selbst von schlimmen Zweiflernaturen, die in

alt werden. jeder „ethischen“ Bemühung nur einen Tropfen auf einen

Es gibt alte Damen, die ebenfalls 111heißen, glühend heißen Stein sehen: auch die Wogen glaublich viel lesen und deren Urteil sogar zuweilen nicht der Zeit" seßen sich schließlic) mur aus Tropfen 311

zu verachten ist. Zum Trost für unsere Autoren konstatirt sammen

Edmond Sofje, daß es allerdings auch einige Männer, ernsthafte Männer, gibt, die Bücher lesen. Gladstone soll sich durch gewissenhafte Lektüre der wichtigsten litterarischen Neuheiten ständig auf dem laufenden halten.

*) Der Nevuen achtzehntes Stüc.

Ueber das Publikum, das unsere Theater füllt, die ging. Es war Meilhac-Halévys „Frou-Frout“ und zwei Dußend Theater, die London mit dramatischer Kost ging als das einzige , adaptirte“' fremdländische Stück versehen, hat Edmond Goffe keine Studien gemacht. dieser Saison unter Driginalflagge in Szene. Das Wer dieses Publikum ist, hat uns aber erst kürzlich ein Saisonstück aber war ein Vierakter von Robert Buchanan Mann gesagt, der auf den Namen Clement Scott hört und hieß „Dick Sheridan“. Im übrigen nannte es sein und vielgewaltiger Theaterkritiker des „Daily Telegraph" Verfasser eine „Romödie“. Es war aber eine traurige ist. Seine Freunde nennen den Mann deit englischen Komödie, ein Melodram ohne eine Spur von Humor, Francisque Sarcey), wenn sie ihm Herrn Scott, obgleich doch ein Teil der Figuren Sheridans Werken nicht Herrn Sarcey) schmeichelin wollen.

selbst entlehnt war; nur aus diesen direkten Entlehnungen Mr. Scott nämlich hat sich über den Ibsenfultus, mieifte man überhaupt, daß es sich in dieser „Romödie“ der im vorigen Jahre tatsächlich zu einiger Höhe stieg, um die Sitgend des Dichters der Lästerschule" und im derart puritanisch entrüstet, daß er ausdrücklich dabei das achtzehnte Jahrhundert handelte. Herr Buchanan erklären zu müssen glaubte, er sei kein Puritaner. Er bemerkt stolz: „Die Tatsache, daß Sheridan einen irischen warf der rasch wachsenden Ibsengemeinde Londons, den Hofmeister in Life and Letters erwähnt, ist meine „Ibsenites“, den Fehdehandschuh mit den ewig denk einzige Vollmacht für die Schöpfung des Charakters des würdigen Worten hin: „Ich will, daß ich mit meiner O'Leary gewesen". Als ob diesc Drahtpuppe eine Frau und meinen Töchtern ins Theater gehen kann, Charakterschöpfung wäre! ohne daß deren fittliche Reinheit Schaden erleide“.

Die jüngste londoner Bühne, das vor kaum mehr Ilnd nun wiffen wir auch, wer die zwei Dußend als Jahresfrist eröffnete Dal1)- Theater hat sich die ganze londoner Theater bevölkert. Es sind die Clement Scotts

Saison hindurch von „adaptations“ genährt, und zwar mit ihren verehrlichen Frauen und Töchtern, für deren

legte Mr. Augustin Daly mit Vorliebe deutsche Originale Reinlichkeitsbedürfsnis unsere Theater vor allem dadurch

seinen dramatischen Bemühungen zugrunde. Eine Spur sorgen, daß sie französische Schwänke zur Aufführung von fünstlerischen Wert haben sie nicht, ob das Ding bringen, selbstverständlich in einer Verarbeitung, wie sie Dollars and Sense“ fich betitelt, womit die amerikanische fich für Herrn Clement Scotts Frau und Töchter schickt, Gesellschaft ihre Saijon eröffnete, oder „The Last Word“, chemisch gereinigt von dem Geist und den Pifanterien oder „The Country Girl", " womit sie die ganze zweite des französischen Driginals.

Hälfte der Saison füllte und auch schloß. Wolgemerkt, Eine solche Waschanstalt für die unsauberen parijer was dieses letztere betrifft, so ist von dem alten feinen Bühnenmanuskripte ist die von Fred Horner. Ihm Charakterspiel des William Wycherley, der „The verdankt das Court-Theater den lustigen „Champignol Country Wife“ 1675 geschrieben hat, kaum noch etwas malgré lui“, der dort aber „The Old Fellow“ heißt anderes als die Namen der auftretenden Personen ge. und garnicht lustig ist; ihm das Trafalgar-Theater blieben, nachdem Congreve und Garric und noch ein Valabrègues (und Ordonneaus) „Durand et Durand“, Dußend andere und

und schließlich Augustin Daly ihre hier aber ,,The Two Johnnies" betitelt ind jo lofalisirt, Adaptationstalente an ihm geübt. Das Daly-Theater will daß das Publikum es für ein schlechtes englisches Stück ja auch nicht Stücke, sondern Schauspieler zeigen; und hielt und sich maßlos langweilte. Das Trafalgar- Theater Wifi Ada Kehan gelang es sogar etwas von dem Geiste wurde schließlich durch die hübschen Beine der Miß Litty der alten englischen Komödie in ihre Rolle der Rosalinde Lind gerettet, die eine Musikburleske der Herren Adrian zurückzuburen. Die mälige Entwicklung von der Roß und Osmond Carr tanzte, und, soweit man bei wildent, scheuen Landhummel zum reifen Weibe war eine ihrem gänzlichen Mangel an Stimme os so niennen psydiologische Meisterleistung ihrer Spielkunst. fann, sang. Die Hauptsache an diesem Opus fein Vorgänger „Morocco Bound“, der die zwischenzeit bis

Es gab eigentlich nur zwei Bühnen in London,

die Stücke" zur Aufführung brachten, welche den Charakter zur Einstudirung des „Go Bang“ ausfüllte, von denselben Autoren, war der höhere Tingeltangel; dieses ist nur noch

von „Premièren" niach kontinentalen Begriffen haben.

Das sind Haymarket und „Old“ Druri) Lane.
Tingeltangel war das Travestiren der bekanntesten
Musik - Hall - Tänzerinnen, wie der Miß Cissie Loftus.

Direktor Beerbohm Tree vom Haymarket-Theater Ein französisches Stück war ferner das des Strand

gab sich zunächst eine Reihe von Wochen mit dem leibTheaters, nämlich Alerandre Bisions ,,115 Rue Pigalle“,

haftigen Teufel ab, den ihm Henry Arthur Jones aus dem sein englischer Bearbeiter, der Leiter des

unter dem Titel „The Tempter“ auf den Hals geschickt „Punch", Mr. F. °C. Burnand, „The Lady Killer"

hatte. Die Verse, in denen der Teufel redete, waren gemacht hatte.

grausam, aljo echt teuflisch. Zuweilen waren sie aber Von demselben Autor gab das Criterion-Theater auch ganz menschlich), nämlich von Shakespeare und Pope bine originale dreiaktige Posse: „The Headless Mau“,

unfrei enilehnt. Dabei sollte jedoch die Teufelsgeschichte die einen zerstreuten Büreaucher einer Solicitor-(Advokaten-)

onno 1.10.33 spielen. Satani, du profetisches Gemüte! Firma schildert, dessen unglaubliche Kopflosigkeit die Dann kam eine ganz harmlose Sache an die Reihe: heillosesten Wirrnisse anrichtet, bis der Bürcanvorsteher „Six Persons“, von Zangwill. Zwei junge Leute verseinem konfusen Prinzipal zuhilfe kommt und alles wieder Coben fid) abends. Am andern Morgen bereuen sie ihre einrenkt

. Als die Zugkraft dieser hand- und Fußlosen Ge Voreiligkeit und suchen einander dahin zu bringen, das schichte vom kopflosen Manne erlahmte, griff das Criterion, Verlöbnis wieder aufzuheben, um endlich zu dem Schluß nachdem es für die Uebergangswoche Gilberts „Dan'l 311 kommen, es sei das schlimmste doch noch nicht. Druce wieder aufgenommen hatte, gleichfalls zii einer Das Ereignis des Haymarket war erst Robert llebersetzung aus dem Französischen, nämlich

) zu Augiers Buchanans Schauspiel , Der Charlatan“. Im zweiten „Le Gendre de M. Poirier“. Auf dem Zettel aber stand: Aft erscheint ein Scist, sonst ist feiner in dem Stüc. ,,An Aristocratic Alliance“ von Lady Violet Greville. Das erregte beifällige Sensation. Gleichwol hielt es Wahrscheinlich genirte sich die Dame einzugestehn, daß Direktor Beerbohm Zree für geraten, noch am selben ihrer miserabeln , Adaptation-" Mache ein Meisterstück Abend seinem Publikum zu verfünden, daß er bereits an seiner Art zu Grunde lag.

eine neute sensationelle Première denfe, das werde nämlich Ebenso griff das Comedy)-Theater zu einem fran- eines deutschen Poeten Werf, der letzte große berliner zösischen Stück, als es mit setnem Saisonfiück nicht mehr | Erfolg sein: Ludwig Fuldas „Tališmai“.

„Utopia

Unter dem Titel „Once Upon a Time“ – Es war dreiaktige von Arthur Law, betitelt „The New Boy einmal ging er in Herbert Beerbohm Trees und in Terrys Theater. Ihr liegt Austers fantastische L. N. Parkers Bearbeitung am 1. April in Szene. Novelle „Vice Versa“ zugrunde. Das Ding macht vielleicht Der Erfolg war ein großer. Tree spielte selbst den einmal seinen Weg wie Brandon Thomas „Charleys König, seine Frau die Rita.

Tante“. . Es steht mit ihm auf einer Stufe. *) Drury Lane hat nur eine einzige Blüte in der Von Ralph Lumley), der vor Jahr und Tag eine verfloffenen Saison gezeitigt, sieht man von seiner Weih- recht geschickte Farce „Uncle Jack“ auf die Bühne gebracht nachtspantomime ab, in der Harry Nicholls und Sir

hatte, führte Tooles Theater vine neue Arbeit „The Augustus Harris den Robinion Crusoe vorführten. Best Man“ auf. Diese Geschichte von der heiratslustigen Diese eine Blüte war das fünfaktige Melodram , A Life Witwe Montaubin, die nach dem besten „Mann“ angelt, of Pleasure“, von Henry Pertiit und Sir Augustus war ingeschickt, weil unwahrscheinlich. Harris. So groß war der Erfolg, daß er die Bühne von Old Drury für die ganze Saison festlegte. Ob zum Arthur Sullivans neue fömische Oper

Auf musikalischem Gebiet gabs nur ein Ereignis: Schaden der englischen Bühnenlitteratur, wage ich nicht (Limited)", deren Libretto wieder von Gilbert herrührt

. mehr zu behaupten. Denn an Stücken dieser Art gewinnt Sede Nummer war ein Erfolg im Savoy-Theatre. und verliert die dramatische stunst nichis. llnd etwas anderes als wieder eine Ausstattung von Sir Augustus britische Einrichtungen. Nach einigen unglüdlichen

l'topia (Limited)" ist eine chneidende Satire auf hätte das „Lustige Leben“ nicht abgelöst; man sah es ja an dem Weihnachtsintermez30 Robinson Crusoe. Şi Erperimenten in der Leitung einer idealen Republik Ausstattung und Inszenirung hat freilich Sir Harris findet man, daß ein „durch Dijuamit temperirter Despotis

mus" die beste Herrschernorm sei und ändert nach dieser mit „Life of Pleasure“ außerordentliches geleistet. Daß eine gewisse anschauliche Realität in den Figuren dieses Leider weist der Dialog Gilberts wieder einmal einige

Erfenntnis in höchster Eile die Verfassung von Utopia. Melodrams steckt, ist eine angenehme Zugabe. Der Inhalt? inerträgliche Längen auf. Erwähnt mag noch fein eine Ohne jedes Kombinationsialent aus dem Personenzettel fomische Oper von Stuart Robertson und Howard zu ersehen. Lord Avondale, der mit der reichen Erbin

Talbot ebenfalls im Savoy - Theatre: Dadi) Mary Clifford verlobt ist, ist Coldat und muß sich

„Vapping nach Birma einschiffen. Er läßt seinen Vetter Chandos

Old Stairs“ enthält hübsche breite Melodien. als Verwalter seiner großen Güter in Irland zurück.

3st das – alles in allem – eine reiche Saisoit, Der ist ein wüster Genußmensch, der Avondales Jugend- die hoffen läßt? Ein französischer Kritiker hat unlängst freundin, die irische Schmiedstochter Norah Hanlon ver

geäußert, England wäre das Land des Dptimismus. führt hat, und nun hast du nicht gesehn? – fich auch Vezieht sich der Optimismus meiner Landsleute auch nach an des Vetters reiche Braut macht. Üeberhaupt ist dieser dieser traurigen Theatersaison noch auf die Zukunft Freund eines „life of pleasures alles, was man will : unjerer Schaubühne, dann möchte ich mir bis auf weiteres Verführer, Wechselfälscher, Mörder, Bedrüder der Armen, doch gestatten, jene alusnahme zu sein, die die Regel Betrüger seines Woltäters, Glücksjäger, turz: Schurke. bestätigt. Hauptsache war zweierlei in dem Stück: Der zweite Akt mit dem Leben auf der Themie und auf Lord vondales Eben, da ich) längst diese traurige Saison hinter mir Bot, bei Mondschein und Musik; und der vierte, der 311 haben glaubte, fällt noch ein heiteres Ereignis vor. das Lagerleben und schließlich eine regelrechte Schlacht Herr Robert Buchanan, der durchgefallene Autor des der birmanischen Truppen vorführt, mit einer Wahrheits Dick Sheridan“ und des ,Charlatans“, ging unter die freue, die allerdings crsiaunlich ist, mit gesattelten Pferden, Theaterdirektoren. Er mietete die „péra Comique“, einer wirklichen Marimkanone iind ciner Brücke, die von eine kleine Bude, trotz des stolzen Titels – und führte den Genietruppen in wenigen Minuten geschlagen wird. jein neues Mahwert „ Society Butterfly“ darin auf, Das alles erregte natürlich höchsten Jubel. Sir Harris mit Mrs. Langtin als „Star“. Aber die einst so vielkennt ja fein Parterre und noch besser seine Gallerie. genannte „Lilie von Jersey)“ ist alt geworden, und trop Wie die Gallerien Beifall pfiffen und tosten! Der Spek ihrer Brillanten und ihrer brillanten Toilette fiel das takel vor und hinter den Vorhang war vollkommen. Stück durd) Tarvb höchste Entrüstung des in seiner

Natürlich beeilten sich andere Bühnen nach Maßgabe Eitelkeit tiefgefränkten Dichters und als nach der ihrer geringeren technischen Mittel Melodramen mit aus zweiten Aufführung der Vorhang niederging, trat Herr stattung zu geben. Diric-Theater erkor fid) den „Little Buchanan vor die Rampe ind redete. Redete, daß die Christopher Columbus“. Das war harmlos.

Das

Kritit sich gegen ihn verschworen hätte, daß der RädelsAdelphi-Theater machte sich an ein dramatisches Erst-führer dieser Verschwörung der Kritifer des Daill) Telelingswert von Sutton Lane, betitelt „The Cotton King graph" wäre: – Clement Scott! Es könnte auch den Titel führen: Fälschlich angeflagt. Dichter und Kritiker waren diesmal einander würdig. Dieser Titel trifft überhaupt' den Inhalt ziemlich aller Melodrams. Es war harmlos und harmvoll zugleich, all dieweil es Tränen der Rührung 311 vergießen gab.

Court: Theater führte ein Rührstück The Transgressor“ von Gattie auf. Das war einfach jämmerlich. ilud dabei hatte diese Bühne ein hübsches Stückchen auf dem Repertoir, anspruchslos und nieti: Fashionable Intelligence" von Percy Fondall. Ein schüchterner Freier sucht durch eine Annonce in der , Morning Post" bei dem Gegenstand seiner Neigung der Glauben 311 erwecken, er sei anderweitig engagirt. Das Mädchen erkennt die List und läßt ihn in erst recht zappeln.

*) Eben hat Direktor Adolf Ernst, der den Ruhm von „Charlens Wie sie ihn bis zur endlichen Vereinigung quält, das

Tante“ auf dem Siontinent begründet, diesc Farce sowie die noch vom

vorigen Jahr herrührende Musikposse des Prince of Wales Theaters, ist ganz lustig gemacht.

A Gaity girl“ erworben. Die beiden werden also tatsächlich in Derlei harmlose' Farcen gabs noch ein paar. Fine Berlin die Nachfolger von „Charleys Tante“ sein. D. R.

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Da sprach des Königs Gattin,
Die Königin brav und gut:
„Längst alle die klugen Weiber
Zu Rat und Hilf ich lud.

Sie legten Karten, gossen Wachs,
Zuletzt verjagte ich sie stracks;
Vergebens war mein Sinnen
Die rechte zu gewinnen.“

lind sieh, herein zur Siammer
Die Abendsonne lacht;
Da öffnete, wie im Traume
Die Tür sich stil und facht.

Da stand ein Weib, bleich und ergraut,
Des Königs mattes Auge idaut
Das Mütterlein so lange,
So forschend an und bange.

Endlich war die alte 3 chait tot.

Es hatte lange genug gedauert, so daß die Nachbarn sich um die Sterbende gar nicht mehr recht gekümmert hatten.

Swird ja eegal nischt!" hatten die Leute im Dorf gemeint. llud der alle Goliche, der einmal vor neun Jahren mit der alten Zichaitz einen Prozeß gehabt, bei dem sie wegen Beleidigung beide angeklagt gemacht, den er aber dod) gewoner, hatte gejagt:

Das sein die Seelen von die tausend leite, die je beschuppst hat in ihrem Leben, das olte Das !"

Nun lag fic in ihrem Bett, gelb, runzlich, mit eingefallenem Munde und konnte keinen mehr betrügen, konnte den Bauern fein Geld mehr borgen und fonnte sie auch nicht mehr von Haus und Hof vertreiben lasscii, wenn sie nicht zahlten.

Auf diese Weise war sie 311 Qermögen gekommen, so daß sie nun in Liebenwalde das gröfte, schönste Haus besaß. Es war zweistöckig wie eine Stadtvilla. Im Erdgeschoß hatte die alte Zjchaitz gewohnt, den ersten Stock pflegte sie zu vermieten. Als Mieter nahm sie immer Leute, die bei ihr tief in der Freide saßen und die sie im Verdadit hatte, daß sie ihr durchbrennen möchten. Waren sie einmal mit Kind und Regel in Haus, so gab os auch für sie keine Rettung mehr: bei nächster Gelegenheit wurden sie gepfändet. Und daß sie nicht nächtlicherweise „rückten“, dafür sorgte der leise Schlaf der alten 3 chait.

Da hob der franke König
Empor die Hände weiß,
lind von der zitternden Wange
Glitt eine Träne heiß.

Er seufzte tief, ergriff mit Gast
Und drüdte sanft und hielt gefast
Die Sand, die leis ihn drückte,
Da rief der Sochbeglüdte:

*) Vom Dichter selbst überscßt.

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