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chreibma.

Gomorrha's Ende.

ROMANWELT

von.

Im:Verlage von 3. A. Stargardt.: in Berlin ist soeben erschienen:

schine. Das, none 1893 er Typenschiffohen-Modell der

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Die Romanwelt" kann in zwei Ausgaben bezogen werden:
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Canto Verantw. Otto Neumann.hofer, Berlin Charlottenburg. Sür den Inseratenteil verantwo. Ch. Liffner, Charlottenburg, Verlag der Union Deutine. Derlagsgesellschaft, Berlin und Stuttgart. Gedruckt von Rosenbaum & Sart, Berlin IV., Wilhelmstraße 47, Uufgang 4. Ejpedition: Seledrichstr. 207. Berlin' siv

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und Lesezirkeln

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1832 begründet
herausgegeben von Otto Neumann - Hoofer.

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Deutsche Derlags-Gesellschaft Redaktion: Berlin. Gharlottenburg II, Garmerstraße 10. Joseph Lepmann.

Berlin u. Stuttgart. Eppedition: Berlin 8W., Sriedrichstraße 207. Erfdeint įeden Sonnabend. - Preis 4 Mart vierteljährlid. Beftellungen werden von jeder Buchhandlung, jedem Postamt (Nr. 3589 der Postzeitungsliste), sowie vom Verlage des „Magazin" entgegengenommen. Anzeigen 40 pfg. die viergespaltene Nonpareillezeile.

0 Preis der Einzelnummer: 40 Prg. So

63. Jahrgang.

Berlin, den 17. November 1894.

Nr. 46.

Auszugsweiser Nachdruck sämtlicher Artikel, außer den novellistischen und dramatischen, unter genauer Quellenangabe gestattet.

Unbefugter Dadjbruckt wird auf Grund der Gesetze und Verträge verfolgt.

Inhalt:

dem Alkoholisten u. s. w. Aber von diesen BewegungsSitteratur, ifjenføaft und öffentliches Leben.

arten entziehen sich einige der Beobachtung, andere geben

von dem Seelenzustande einen nur annähernden Begriff, Cesare Lombroso: Die Psychologie der Schrift. Sp. 1441.

und man muß fie daher mit Zuhilfenahme äußerst feiner Alfred Kerr: Antoines Theater. Sp. 1445.

Instrumente, deren sich die physikalischen Laboratorien und Julius Petri: Frauenlitteratur. II. Sp. 1449.

die Kliniken bedienen, feststellen. mar Brodski: Liebe. Sp. 1453.

Es ist natürlich, daß die Wirkung einer zum großen foachinoki, ein japanisches Drama. Sp. 1456. litterarische Chronit. Sp. 1462.

Teile bewusten und freiwilligen Bewegung, die in jo

direkter Beziehung zur Vernunft steht wie das Schreiben, Suak.

nicht nur noch weit mehr mit dem Gemütszustande in Alerander Moszkowski: Musikalische Chronit. (Jabuka - das

Uebereinstimmung stehen muß, sondern auch mit den verböhmische Streichquartett - das Richard Wagner-Werk.) Sp. 1466.

schiedenen Formen des Erkenntnisvermögens, wobei über

dies der große Vorteil in betracht fommt, daß, während Bildende Kunt.

die andern Bewegungen, kaum ausgeführt, sich verlieren Sriedrich Suchs: Dora Hiß und Henny Geiger. Sp. 1468. oder nur durch sehr feine Instrumente festgehalten werden mar 6 ohmid: Chronit der bildenden Künste. Sp. 1468. können, die Bewegungen der schreibenden Hand von ihrem

Litterarische Gesellschaft zu Bamburg. Sp. 1470. ersten Zuge an auf dem Papiere für immer fixirt bleiben. Freie litterarische Vereinigung zu Elberfeld-Barmen. Der Mensch lebt, während er schreibt, sagt Parinard, Sp. 1470.

ganz in seiner Feder und folglich in der Hand, die das Bitterarische Anzeigen. Sp. 1471.

bermittelnde Werkzeug ist, und' so wie das Wort die momentane Offenbarung des Gedankens ist, ebenso ist die

Schrift dessen ebenso unmittelbare, wenn nicht noch raschere Die Psychologie der Shrift.

Kundgebung. In der Sand des Schreibenden entstehen Won

unbewuste Bewegungen, die, obwol sie sehr gering und Ceface Lombroso.

faum wahrnehmbar find, dem Beobachter doch genügende Autorisirte Uebersegung von Otto Eijenschit.

Anhaltspunkte geben.

Alle Gefühle, alle Empfindungen, alle Gedanken Es ist bekannt, daß viele unbewuste Bewegungen entfließen dem Gehirn und werden, ohne daß wir uns unserer Muskeln und unserer Eingeweide, die mit den darüber Rechenschaft geben, auf die Muskeln durch die Instrumenten von Mojio und Marey gemessen und motorischen Nerven übertragen. Und so wie die Sprache Festgestellt wurden, uns einen deutlichen Begriff von den

die psychischen Eindrücke in einer bestimmten Form überverschiedenen Stadien der Gemütsbewegungen und sogar trägt, ebenso geschieht dies durch die Schrift, die ein

Die von der geistigen Beschaffenheit der betreffenden Individuen anderer Uebertragungsprozeß des Gedanfens ist. geben konnten. Und ebenso können manche unserer neu. Oszillationen der Hand des Schreibers sind fortdauernde ropathischen Zustände durch genaue graphische Bee und ändern 'fich je nach der Art der Schrift. Diese obachtung des Ganges, der Stimme, der Aussprache chwingenden Bewegungen, die bald biegende, baid streceri.

, ftudirt werden. Jedermann weiß, daß das langsame de, bald verbindende find, tragen durch ihre Gejamtschwere Einherschreiten eine Besonderheit des Aretins, tätigkeit zu den Bewegungen der Feder bei, jede einzelne das Gehen auf den Fersen eine Eigentümlichkeit des derselben versieht aber dabei ihre besondere Aufgabe. Ataftifers*) ist, der hüpfende Gang dem Idioten angehört; Die zum Schreiben notwendige Musfel-Tätigkeit ist daß dem Utaftifer eine gewisse langgedehnte Aussprache von Burchardt, der fie myographisch untersucht hat, eigentümlich ist, ebenso wie die übersprudelnde Aussprache flar dargelegt worden. Er hat gefunden, daß die

Kurve des Myographen mäßig ansteigt, wenn die be*) eines Rüdenmartskranken besonderer Art.

treffende Perjón schreibbereit" ist, was darauf hinto selbstver:

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weist, daß der Aft des Federhaltens eine tonische Tätig- Die Annahme Erlenmeyers und Vogts scheint mir feit von seiten der drei Muskelgruppen erfordert. Schreibt jedoch die richtigere zu sein. Deren Hypothese ist näm. die Person nicht, so nimmt die aufsteigende Tendenz ab lich durch die Úntersuchungen Chare'o ts und seiner Schule und verliert sich endlich gänzlich; schreibt sie hingegen über die Agraphie' bestätigt worden. Nach Erner sofort, so dauert die Aufsteigung fort und es bildet sich wird die Agraphie - die Ünfähigkeit zu schreiben ein sekundāres Niveau da, wo die für die Bildung der hervorgebracht durch Erkrankung oder Verleßung der Schriftzüge nötigen Bewegungen sich übereinanderlegen, zweiten linken Stirnwindung? wie die Kurven des Pulses während der Ausatmung. Damit die Schrift deutlich geführt sei, bedarf es also

Wir erklären uns auf diese Weise sehr gut das einer guten Uebertragung der psychischen Eindrücke. Diese mechanische Entstehen der Schrift auf dem Wege der Eindrücke müssen nicht nur regelrecht wiedergegeben werden, muskularen Tätigkeit unter dem Antrieb des Gehirns. sondern die Nerven-Erregung muß sich in die verschiedenen Das Gehirn selbst ruft diese Tätigkeit hervor und die Muskelgruppen verteilen, die ihrerseits sowol dazu geErregung der Gehirnnerven wird durch das Rücenmart eignet sein müssen, den physiologischen Gefeßen zu geauf den Körper übertragen.

horchen, welche die muskulare Zusammenziehung regeln,

als auch Es giebt Tatsachen, die uns zu der Annahme zwingen,

mit einer

infolge der großen Uebung das es ein besonderes zerebrales Zentrum für die Schrift ebenso großen Regelmäßigkeit und Genänigkeit reagiren giebt. Alle zivilifirten Völker schreiben mit der rechten

müssen. Hand; es ist also die linke gerebrale Hemisphäre, die

Ein dergestalt komplizirier Apparat befiehlt, und demnach steht die Schrift in engster 'Der: ständlich zahlreiche mehr oder weniger bedeutende Unvoll bindung mit der Sprache

. Bei den primitiven Völkern | fommenheiten zeigen müssen, von welchen jede einzelne hingegen, wo die Sprache in jener Hemisphäre weniger die Schrift in irgend einer Weise beeinfluffen wird; und vorherrschte, schrieb man mit der linken Hand. Doktor solchermaßen werden die mannigfaltigsten Schriften ent. Holder zitivt den Fall eines Kranken, der infolge eines stehen. Fenachdem diese Unvollkommenheiten mehr oder zerebralen Schlaganfalles, während dessen er die Sprache ininder bedeutend sind, werden sie der Schrift ein mehr verloren hatte, diese nach und nach wiedererlangte, aus

oder weniger charakteristisches Ge räge geben. genommen die Buchstaben f. r und 1, und der auch nicht stande. Die Erregbarkeit wird je nach den verschiedenen

Auch das Gehirn ist nicht immer in normalem Zus imstande war, diese Buchstaben zu schreiben. Beim Sprechen ließ er fie aus, beim Schreiben erfekte er fie durch ein Temperamenten eine verschiedene sein. Das Gehirn des Häfchen. Derartige Resultate erzielt man übrigens auch Künstlers wird in anderem Maße erregt jein wie in vorübergehender Weise durch hypnotische Suggestion,

das des Mathematikers, und dasjenige des einfachen

, ohne eine dauernde Beschädigung des Gehirns befürchten Schreibers wird sich gemiß in keinem beirächtlichen Grade zu müssen.

der Erregung befinden u. s. w, und diese Nervenreize Abgesehen von dem unbewusten Eindruck des Gehörse mäßig verteilt werden.

fönnen überdies durch das Rückenmark sehr ungleichdurch welchen die Schrift mit der Sprache verknüpft ist, entspringen die Eindrücke der im Raum beschriebenen und

Es wirken mithin auf den Medjanismus der Schrift in unserem Gehirn aufbewahrten Figuren aus zwei ver

zahlreiche Faktoren ein, die ihre große Mannigfaltigkeit schiedenen Quellen: aus dem binokularen, durch die Augen lich ein und derselbe Gemütszustand und ein und die:

hervorbringen. Andererseits aber werden selbstverständübertragenen Eindruck und aus dem unbewusten Eindruck der durch die rechten Gliedmaßen ausgeführten Bewegungen. die Schrift ausüben müssen, und die so entstandene

selbe muskulare Tätigkeit eine gleichmäßige Wirkung auf Die Bilder entstehen also (nach Erlenmeyer und Vogt) in den beiden Hemisphären durch die Koordination der gleichmäßige Form der Shriftzüge wird also ein Bild Worte und der Linien und vorzugsweise in der linken jener intellektuellen Kräfte geben, mit welchen die Schrift Hemisphäre durch die Koordination der Form der Buch- Eindruck ist also derart charakteristisch, konstant und prä

in so engem Zusammenhang steht Der jo sich ergebende staben. Wenn dieses Zentrum zerstört oder erloschen ist, so leicht beurteilen fönnen wie nach ihrer Physiognomie

.

zise, daß wir die Personen nach ihrer Schrift ebenso wird es durch ein analoges, in der rechten Hemisphäre Ja, aus einer gewissen Eurhythmie der Bewegungen gelegenes Zentrum erseßt, welches auf der linken Seite eine der ersten symmetrische Schrift hervorbringen wird, heit bes Schreibenden Schlüsse ziehen können, welche

wird man sogar in bezug auf die physische Beschaffendas heißt eine der ersten entgegengeseßte Links Schrift oder allerdings keine so große Sicherheit bieten als jene, welche

die sogenannte „Spiegelschrift“ der Lithographen. Andere wir zur Beurteilung der moralischen Eigenschaften des Forscher verlegen dieses Koordinations-Zentrum in das Schreibers ziehen können. Rückenmart auf der Höhe der Lenden-Ausbreitung, indem sie

Man braucht gerade fein Grapholrge zu sein, um sich auf die Experimente Woroschilows stüßen, welchem es, herauszufindent, daß eine flare, deutliche Schrift mit da er beim Hunde die miteinander vereinigten Bewegungen ordnungsmäßiger Interpunktion auf einen ordnungs: der vorderen und rückwärtsigen Extremitäten studirte, liebenden Menschen schließen läßt, daß die Schrift mit

. gelang, dieses ftoordinationszentrum in das Marf, in

vielen Punkten und mit dicken und breiten Strichen den einen Punkt der Nadenregion, zu verlegen.

heftigen Leuten eigen ist, daß die zitternden, unsicheren Erb dagegen bestreitet dieses Koordinationszentrum Schriftzüge alten Lenten und die unsicheren, großen, der Schrift. Šeiner Ansicht nach steht jeder Schriftzug langgezogenen Schriftzüge Kindern angehören u. 1. w. in unmittelbarem Zusammenhang mit einer Serie ganz Aus dem Gesagten kann man also ersehen, auf besonderer Willensäußerungen; und zur Erklärung der welcher breiten wissenschaftlichen Grundlage die Graphoverschiedenen unbewusten Bewegungen beim Schreiben logie aufgebaut ist. nimmt er an, daß die wiltürlichen Impulse, welche vom Gehirn zur Peripherie gehen, gewiffe Punkte der grauen Sehirnsubstanz durchschreiten, die ihrer Uebertragung einen geringeren Widerstand entgegenseßen und zwar infolge der langen Gewohnheit und der häufigen Wiederholing der gleichen Tätigkeit.

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Antoines Theater.

besonderen Aft jene Brautwerbung! Er weiß keine andere Ein Nachruf von

Art, die Vorgeschichte mitzuteilen, als daß er fie dramaXifred Herr.

tisirt und breitschlägt. Mit der neuen Kunst berührt er sich darin, daß er feine Schönfärbereien bietet, sondern

Wirklichkeitsbilder. Hie und da gelingt ihm eine erstaunDas Théâtre Libre hat in Berlin nicht alles gespielt, liche genrehafte Szene. was es spielen fann. Die Gäste empfahlen sich vor der Áus verwanten stofflichen Rüdsichten gehört noch Zeit. Sie mußten das, weil immer nur eine sogenannte anderes dem Théâtre Libre an: natürlich die „Dupec Gemeinde fich einfinden wollte: die misera, aber nicht von Ancer, welche anstößig ist, weil das Verhältnis contribuens plebs aller Premièren. Tröstlich ist, daß der zwischen der ewig liebenden Frau und dem brutalen und presario getroffen hat. Uns geht bei diesen einen ym. ehrlosen Mann unbeirrt bis ins äußerste dem Lehen feiten das eine an: daß bei der beschränkten Auswahl des neben der Rücksichtslosigkeit gegen Schwachnervige, wurde Gebotenen doch ein Grundfaß geherrscht hat. Wo ein Mann dieses Stück und zugleich die meisten übrigen einer Ausvom Schlage Antoines waltet, ist anzunehmen, daß diese nahmebühne zugewiesen: durch die Einfachheit, die gegen unvollständige Zahl der aufgeführten Stüce immerhin das frühere Drama etwas Ungewöhnliches ist. Sie zeigt den Kern der französischen Freien Bühne zur Án- rich in den Stücken des Théâtre Libre überall. Eine schauung gebracht hat.

fimple Handlung wird überall simpel durchgeführt. Es Und da wir diese Freie Bühne nun in der Nähe gibt keinen Episodenreichtum, es gibt keine verschlungenen sehen, senken sich die Nebel, die sie nicht nur verdeđend, Beziehungen, es gibt feine Feuilletons und keine Åphosondern auch leuchtend für den entfernten deutschen Blick rismen, es gibt keine Spannungen, es gibt oft nicht ein. umschwebten. Wir erkennen bei ader Achtung und sogar mal eine Verknüpfung und Lösung; es werden Tatsachen bei aller Dankbarkeit: um wie viel mehr sie doch impulsiv nebeneinandergereiht. Die meisten dieser Stücke nehmen als produktiv gewesen ist. Wir schulden ihr vielleicht sich aus wie die Dramatisirung einer Romanhandlung das beste, was wir jeßt besißen. Aber nicht daß es besteht, oder einer Anekdote. Ancen ist im Anfang gern etwas ist ihr zu danken; blos, daß es ans Licht dringen konnte. episodisch, aber soust geht auch er schlicht und bequem auf Sie war eine ganz mittelbare Anregerin: sie bewirkte ein einheitliches Ziel los. die deutsche Freie Bühne, durch welche der Aufschwung Soziale Anstößigkeit brachte – neben allen fünstunsres Dramas zeitlich und ursächlich zu bestimmen ist

. lerischen Gründen – die ,,Weber“ auf Antoines Theater. So hat sie unseren Boden glattmachen helfen: aber die Eine gewisse soziale Anstößigkeit scheint bei der , Tante Blumen, die auf dieser Erde wuchsen, hat diese Erde selbst Léontine“ mitgewirkt zu haben. Wie in Geldsachen gezeugt.

nicht nur die Gemütlichkeit, sondern auch die bürgerlichste Die Blumen drüben scheinen matt und etwas friep- Moral aufhört, zeigt diese ergößliche Komödie. Und licht dagegen. Sie lafsen sich in Klassen scheiden. nur wenn man fie als antibourgeoise Satire faßt, ist

Einen Teil seiner Stücke hat das Théâtre Libre über ihre Zugehörigkeit zum Théâtre Libre erklärlich. Sonst nommen, weil sie zu unfranzösisch waren, um von anderen hat sie nichts Ungewöhnliches; sie hätte von vornherein Bühnen gespielt zu werden. Diese Gattung läßt uns auf jeder beliebigen Bühne gespielt werden können. am gleichgiltigsten. Die Dramen, die ihr angehören, Technisch ist sie in Einzelheiten so lässig gearbeitet wie weden an sich starken Anteil; aber grade innerhalb des die sämtlichen französischen Stücke des Théâtre Libre. Théâtre Libre kommen sie zuleßt in Betracht

. Wir selbst Es wird mit Monolog und Beiseite zwangslos hantirt, fennen sie, und wir haben ihre Bedeutung schon früher und sogar der epigrammatisch zugespişte Dionolog angeerfaßt als das Théâtre Libre. Die Norweger und die sichts des fallenden Vorhangs fehlt nicht. Aber eine neue deutsche Dichtung gehören hierhin. Es mag vergrößere Straffheit besteht im Bau des Ganzen. Das ist dienstlich sein, durch ihre Vorführung den allgemeinen kein dramatisirter Roman: das ist als Drama gedacht. litterarischen Horizont in Franfreich zu erweitern, aber Hier ist zeitliche Einheit streng gewahrt, hier ist engere eine Initiativtat ist es nicht.

Verknüpfung. Eine wichtige Wendung wird durch das Anderes ist allein aus stofflichen Gründen über: Schwazen eines Dienstmädchens herbeigeführt, und an nommen worden. Hier steht Uncens École des Veufs diesem Zug, den das Stüď mit einem anderen Drama obenan; fünf Akte, in denen ein Vater und ein Sohn des Théâtre Libre, den „Fossiles“ von Curel, gemein einig werden, die unplatonischen Freundlichkeiten eines hat, läßt sich der Unterschied in der Technik ermessen. Frauenzimmers christlich zu teilen. Diese Kollegialität Bei Curel, der ein lose gearbeitetes echtes Théâtre-Libre. ist ein starkes Stück; das Ganze aber ist ein schwaches Stück gibt, schwaßt einfach plößlich eine Kammerfrau Stück. Ancey, der in ,,la Dupe immerhin feinere bei ihrer Entlassung, und die Wendung tritt ein. In Einzelzüge aufweist

, geht hier knüppelderb allein auf den Tante Leontine schwaßt das Dienstmädchen auch, aber der Stoff loš. Er führt den verliebten und betrogenen Greis Grund wird klar in einer Szene, welche zugleich ein intevor, aber er verzichtet darauf, die Gefühle des verliebten grirendes Moment für die Charakteristik einer Hauptund betrogenen Greises in Abschattungen oder Halbtönent person bildet: es gehört zur Kennzeichnung der egoistischen näher zu zeigen. Er verzichtet überhaupt darauf, das Bourgeoise, daß sie ihre Dienstboten schlecht behandelt; als Wesentliche zu zeigen. Es kommt ihm auf einen Inhalt jie das getan hat, tritt jene Wendung ein. Viellei:ht an, auf einen Inhalt, der den sichren Bürger schrecket. Im war die straffere Technik mit ein Grund für die starke übrigen gehört er zur urältesten Schule. Er arbeitet Wirkung dieses Stücs auf die Hörer, die von der herrmit außergewöhnlich ungeschidten Mitteln. Wahrschein- schenden Schlendriantechnik des Théâtre Libre

genug lich ist er der liederlich-bequemste Dramatiker der Gegen- hatten. Sie freuten sich, nicht mehrere ,,Bilder" hintereinwart. Wenn er sagen will, daß ein Kaufmann Witwer ander zu sehen, in denen dieselben Personen vorfämen, ist, macht er einen Art, in welchem die Frau begraben sondern ein Drama in Aften. wird! Es kommen darin zwar ein paar Rondolations- Die Soeur Philomène habe ich nicht gesehn. Es scherze vor, aber sonst nichts, und das Ganze ist über- war das einzige Mal, daß ich fehlte. Uebereinstimmend flüssig. Wenn er sagen will, daß eine Frau ihren Gatten wurde mir nachher gesagt, es sei der langweiligste aller einst gegen ihren Willen geheiratet hat, zeigt er in einem | Abende gewesen, und ich hätte nichts versäumt. Auch

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die gedruckten Kritiken flagten über die Debe dieser drama- starfen Aussichten hat, läßt hier ahnen, eine wie große tifirien Romanpartie. Und nun leje ich doch im Tage Zukunft ihm als ingrediens ficher ist. Das Publikum buch der Goncourts,*) daß die erste Aufführung der Soeur aber wird sich an den Genuß solcher Aunstwerfe und an Philomène im Théâtre Libre ein „Bombenerfolg" war, ein anständiges Verhalten bei ihrer Vorführung geja: ein succès à tout casser! Der glückliche Tagebuch- wöhnen müssen. schreiber fragt sich nach den Ursachen und findet sie im Ein drittes Werf, das ausgedehnteste und bedeuZusammenwirfen der Gefühlszartheit, des Stils und tendste, das in diese Sphäre schlägt, find die „Fossiles" der theaterrealistischen Handlung. Das war – wann? des François de Curel. Tiefer Stimmungszauber Im Jahre 1887. Jeßt find also sieben Jahre verflossen, schwebt über dem Ganzen. Die Stimmung ist das und die Auffassung hat sich vollständig geändert Die A und O. Ein Statafalf, brennende Sichter, fallende Entwidlungsgeschwindigkeit der realistischen Bewegung Blätter, erlöschende Geschlechter; eine schwermütige, ist daran zu ermessen oder es war damals nur ein tränenlose Welt, trođne Blumen auf schwarzem Tuch demonstrativer, ein theoretifirender Beifall, den man der verstreut, eine leßte Sehnsucht im legten dämmerigen Bearbeitung eines Naturalistenromans spenden wollte. Licht, stummes Sterben und Verschollenheit. Leider ist Jedenfalls wird die Zugehörigkeit zu einem Werk des die Sprache voll von Lyrif, Pathos und Antithesen; epischen Naturalismus die Einverleibung dieses es wird nur Gedructes gesprochen. Leider ist der namen. Dramas in das Théâtre Libre bewirkt haben. und das- loje Stolz diejer Herzöge melodramatisch geraten. Leider selbe scheint bei Henniques Jacques Damour der Fall zu sind auch Ohnetsche Elemente drin, und ein edles Mädchen sein, in welchem eine Zolasche Arbeit einaklig drama- chwört an einem Sarge, sich nie zu verehelichen. Leider tifirt wird.

spielen die rois en exil von Daudet und die rois von Hier aber wirkt noch ein anderes Moment mit, Lemaître eine Incognitorolle; es ist nur alles aufs Herzogdurch welches wieder eine ganze Gattung der Dramen liche übertragen. Leider lieben auch hier Vater und Sohn des Théâtre Libre gekennzeichnet wird. Es handelt fich dasselbe Fräulein. Leider wird eine banale Tendenz ein

. um das Stimmungsdrama. Jacques Damour ist als geflochten, des Inhaltš, daß Menschentum wichtiger ist Ganzes ziemlich gering, anzuschlagen. Das Stückchen

als Geburtsadel. Leider. Aber die Stimmung, die über frankt auch an jener schlimmen Art der Erposition, deren diese inelancholischen vier Akte ausgegoffen ist, macht sie klaffisch schlimmes Beispiel Ibsens Stüßen der Gesell dennoch zu einem nicht gemeinen Kunstwert. Es läßt schaft im ersten Akt sind. Ein Totgeglaubter kehrt hier seltsam tiefe Spuren in der Erinnerung zurück. Viel

. zurüd und findet die Frau vermält. Grade vor dem leicht ist von allen Dramengattungen des Théâtre Libre Eintreffen des Verschollenen werden die einschlägigen die Gattung des Stimmungsdramas die wichtigste für Verhältnisse ohne zivingenden Grund ausführlich be- uns; wir haben sie am wenigsten gepflegt. sprochen. Worauf es vor allem in diesem Einakter Jedenfalls ist sie wichtiger als die leßte Klasse, die ankommt, ist der Uusdruck einer Stimmung. Ueber das Antoines Bühne enthält: neuere Versdramen, die irgend nette, reinliche Eheglück eines Schlächterpaars huscht der eine verwegene Spielerei der inneren Form bieten, Schatten eines Strolches. Der ferl felbft taucht dann, romantischer Jronie

' innig verwant, und an die sich nor. in tieffter Seele elend, in Nacht und Nebel und Ver- male Theater deshalb im Anfang nicht herantrauten. zweiflung unter. Grade am Schluß wird es deutlich, Banvilles „Baiser“ und die „Nuit Bergamasque“ von .

, daß der Ausdruck der Stimmung die Hauptsache war.

Bergerat (die ich nicht spielen sah). gehören hierher. Es gibt ein lebendes Bild: die Personen stehen, die

So wären wir am Ende. Gläser an den Mund geseßt, am Tische; fie haben legtes Der französischen Dramatik, wie sie alles in allem Lebewol getrunken und der Ueberflüssige verläßt das im Bestand des Théâtre Libre zur Erscheinung kommt, Haus. Nicht darauf kommt es an, oỐ er überhaupt ist gegen die frühere Bühnenkunst eine stärkere Innerlichgehn wird oder nicht; das ist vorher entschieden. Sondern feit eigen. Das Streben ist redlicher, die Mäßchen fallen darauf, daß die Berrissenheitsstimmung beim Gehn ge- unter den Tisch, ein Zug nach Sachlichkeit wird fühlbar, fühlt wird. Ein unglüdlicher verschwindet - wohin? das Schlichte kommt zu Ehren. Die unteren Boltsschichten "

,, | wen fümmerts? man weiß es nicht!“ Und weil folche erfahren stärkere Berücfichtigung, an die Stelle der scherzStüde, die mehr ausklingen als enden, in Frankreich vor haften Behandlung des Schlüpfrigen tritt ernsteres Bekurzem nod) selten und neu waren, scheint Jacques trachten der dunklen Seiten des Lebens, das brutal Dra. Damour auf das Théâtre Libre gelangt zu sein. Uus matische, das brutal Technische tritt zurüc, und kontemdem ganzen Verfahren spricht der tiefe Ekel

, der allmählich plative und sensitive Elemente gewinnen an Boden. vor Schlagern und Aftschlüssen über die Dramatit ges Uber kein einziges Kunstwerk noch ist dort erstanden, kommen ist. Die neuere Dichtung zeigt mehrfach ana- das eine hinreißende Wirkung üben könnte. Es bleibt loge ausklingende Akte. In Deutschland find fie bei Ger- | dabei: die neue Bühnenkunst in Frankreich ist größer in hart Hauptmann am häufigsten. Bei den Franzosen der Vermeidung von Fehlern als durch den Besig von endete auch Blanchette nur mit einem Seufzer des Bes Vorzügen; sie ist mehr korrekt als liebenswürdig; fie dauerns. Vollends ganz Stimmung und ganz schlußlos sorgt mehr für das Notwendige, als für das Ueberschüssigist die symbolistische winzige Trilogie „es Fenêtres. Angenehme; sie ist mehr ein Polizist als ein fröhlicher Das Wesentliche ist hier die Erfenntnis einer jungen Mensch; sie ist mehr eine besorgte Wirtschafterin als Frau, daß ihr freigesprochener Mann ein Mörder ist. eine schöne Wirtin.

eine schöne Wirtin. "Kurzum: sie ist mittelmäßig. Doch diese Erkenntnis bildet wieder nicht die Schluß

Wann endlich wird es uns zu vollem Bewujtsein pointe: der ießte Teil des Stüds besteht in einer Pers kommen und wie oft werde ich es wiederholen dürfen: spektive auf die Art des fünftigen Zusammenlebens. daß wir Deutschen die vordersten Europäer sind auf dem Sie wird sich an solche Erinnerungen gewöhnen müssen“ | Gebiete des neuen Dramas? Wir leben litterarisch wahrmurmelt der Mann – der Vorhang fällt. Ein Nacht- haftig nicht im Lande Schlauraffia. Aber fein andres stück ist das Ganze, das die beklommene Stimmung in

Land darf sich so tiefer und schlichter Innigkeit im neuen dem Grauensmilieu eines Mörders malt, mit dunklen Drama rühmen wie Deutschlaud. Nicht „Fragen:" Ge Bügen. Der Symbolismus, der für fich allein feine fühle

, die ein ganzes Zeitalter bewegen, haben in unserem

neuen Drama den klassischen Ausdrud gefunden; den *) Tome septième. Baris 1894. 6. 218.

klaffischen Ausdrud für die kultivirten Weltteile. Ini

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