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Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig.

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Verlag von W. Spemann

in Berlin

Deutsche Mational - Litteratur

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*** hißoriso-kritische Ausgabe *

Unter Mitwirkung von
Dr. Arnold, Dr. G. Ballic, Prof. Dr. H. Bartsch, Prof. Dr. K. Bechstein,
Prof. Dr. O. Befaghel, Prof. Dr. Birlinger, Prof. Dr. H. Blümner, Dr.
F. Bobertag, Dr. K. Bosberger, Dr. w. Creizenac, Dr. Fol. Crüger,
Prof. Dr. H. Dintzer, Prof. Dr. 4. Frey, L. Fulda, Prof. Dr. L. Geiger,
Dr. K. Wamei, Dr. E. Henrici, Prof. Dr. ... kodj, Prof. Dr. H. Lambel, Dr.
K. Srhr. v. Lilicncron, Dr. G. Milchsaci, Prof. Dr. I. Dinor, Dr. 4.
Muncler, Dr. P. Merrlich, Dr. H. Oejierley, Prof. Dr. 1. Palm, Prof.
Dr. P. piper, Dr. H. Þröhle, Dr. Ydolf Kosenberg, Prof. Dr. 2. Sauer,
Prof. Dr. H. 1. Schröer, K. Steiner, Prof. Dr. x. Stern, Prof. Dr.
f. Petter, Dr. C. Wendeler, Dr. Ch. Zolling u. A.

herausgegeben von
Prof. Joseph Kürschner.
Alle 14 Tage erscheint 1 Band im Umfang von 20-- 36 Bogen 8".

Der Freis des Bandes ifl geh. M. 2.50 (FC. 1,50, Fr. 3,50), gebd. 2. 3,50. Das 1Verk befriedigt die strengsten wissenschaftlichen Ansprüche und ist in Sormat, Ausstattung und Preis die beste aller Klassikerausgaben.

Bis jetzt ersdienen 203 Bünde.

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halten wird.
zu bezieben durch die meisten Budhandlungen.

first von Bismardi

Verantw, Otto Neumann foofer

druderd im 2handlerhaus

1. vharlottenburg. Verlag der Union Deutsde Verlagsgesellschaft, Berlin und Stuttgart. Gedruckt von der Buch

virit, Berlin IV., Niauerstraße 50 u. Wilhelinstraße 17, dufgang C Os pedition: Sriedrichstr. 207. Berlin 6m.

et für Sitteratur. to

1832 begründet
Herausgegeben von Otto Neumann - Foofer.

Union von

Deutsche Derlags-Gesellschaft Joseph Lehmann. Redaktion: Berlin - Charlottenburg II, Garmerstraße 10.

Berlin u. Stuttgart. Expedition: Berlin SW., Sriedrichstraße 207. Brideint jeden Sonnabend. - Preis 4 Mart vierteljährlid. Bestellungen werden von jeder Buchhandlung, jedem Postamt (Ir. 3589 der Postzeitungsliste), sowie vom Verlage des „Magazin“ entgegengenommen. Anzeigen 40 prg. die dreigespaltene petitzeile.

a Preis der Einzelnummer: 40 Plg. Bo

Mr. 9.

63. Jahrgang.

Berlin, den 3. März 1894. Auszugsweiser Nachdruck sämtlicher Artikel, außer den novellistischen und dramatischen, unter genauer Quellenangabe gestattet.

Itnbefugter Machdruck wird auf Grund der Gesetze und Verträge verfolgt. Inhalt: Mori Goldschmidt: Geistiges Leben in Frankfurt a. M. Sp. 257. Litteratur, Wissenschaft und öffentliches Leben: Leo Tolstoi: Christi Lehre und die allgemeine Wehrpflicht. I. Sp. 262. Friedrich

Nießsche: Ueber die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Vierte Rede. (Schluß). Sp. 268. — Paul Clemen: Georg Brandes. (Schluß). Sp. 275. Alfred Herr: Der Maskenbal von Bisson und Carré im Residenztheater. Sp. 281. Neue Bühnen

erscheinungen. Sp. 282. Bildende Kunft: M. S. Chronik der bildenden Künste. Sp. 283. Must: A. R. : Musikalische Chronit. Sp. 284.

Litteratur-Tafel. Sp. 295. – Anzeigen. Sp. 287.

Geistiges Leben in Frankfurt a. M. Porträts sind Charaktere, von einem Charakter gemalt, Von

einem Wahrheitssucher und verfünder. Einer chönen .W oritz Goldschmidt.

Frau möchte dieser Charakter vielleicht zu feck die Wahrheit sagen, er würde zu wenig Rücksicht auf die Laune

der Schönen nehmen, die auf ihrem Bilde unbedingt so III.

auszusehen verlangt, wie sie - auszusehen glaubt; er Es ist im Laufe dieser Berichte schon einmal gesagt würde ihre Seele in das Bild malen, die sie selbst kaum worden, daß Frankfurt viel bildende Kunst besikt, aber fennt, aus ihren Augen würde manches vielleicht sprechen, fein Kunstleben hat und das fann wol nicht bestritten was sie nicht zu gestehen liebt Freilich, die Arbeit werden; wer hätte indessen ein Recht, z11 behaupten, daß merkt man zuweilen etwas mehr als unbedingt nötig ist das immer so bleiben müsse? – Gewiß, der Boden ist

Gewiß, der Boden ist in diesen Arbeiten Pidols, man sieht wie der kraftvolle hier zu teuer für den Künstler; die kommerziellen In- Künstler mit seinem Stoff gerungen hat. Seine Landtereffen der Stadt wiegen allzusehr vor – der Künstler

der Münstler- schaften aber vor allein zeigen, wie tief das Auge der stand als solcher vermag hier noch keine besondere Rolle neuten Kunst, das in so viele Schatten- und Nachtjeiten zu spielen, wenn es nicht eine rein dekorativ-gesellschaft des Lebens erkennend geblicft, auch in die Nachtseite der liche ist; unsere Kommune hat herzlich wenig ästhetische Natur eingedrungen ist – wie weit sich diese Kunst die Neigungen, die Städelsche Galerie wird nach wie vor als į Nacht als Objekt neuerobert hat. . . Den fecken Wurf, Stieffind behandelt aber fann die Stadt nicht in den man in manchem Werke Pidous dem tiefen Empfinnaher Zeit einmal einsehen lernen, daß es durchaus in dungsgehalt beigesellt wünschte, weisen in hohem Grade ihrem Interesse wäre, der Kunst und dem Künstlerberuf die Arbeiteu eines anderen frankfurter Künstlers auf, die etwas mehr Liebe entgegenzubringen, und vor allem in der von Ottilie W. Röderstein, die in einer SonderausStädelschen Schule einen Mittelpunkt zu schaffen, an den stellung gleichzeitig bei Schneider zu sehen waren, moderne fich die feinblißenden Kristalle einer reichen jungen Aunst Schöpfungen auch in besten Sinne und wieder von sehr anzuseßen vermöchten? - Schon heut ist Frankfurt die eigenartiger Prägung. In ihnen findet sich neben innerer Stadi in Deutschland, die im Verhältnis die meisten Wärme und reichem selischen Leben, einem deutsch-gemütBilder fauft; einen hübschen, fräftigen Stamm von emsig vollen Gehalt, die glänzende Technik der französischen schaffenden „Jungen" haben wir auch bereits – der Ge Porträtisten Ottilie Röderstein ist Schülerin von Ca. schmad, das Auge bilden fich, müssen sich bilden die rolus Duran -; auch sie giebt in ihren Porträts die Kunst, egoistisch wie alles Große, "nimmt, wo man ihr ganze Persönlichkeit, aber in wesentlich anderer Weise als einmal den Finger geboten, gern die ganze Hand Pidon: sie erzählt tausend Züge aus dem Leben des haben wir nicht Grund viel Gutes zu erhoffen?

Kopfes, den sie konterfeit, und mit seltener Genialität ES treibt und inospet ...

vereint sie alle diese kleinen Züge in einem großen Zug. Der Weihnachtsbildermarkt war außerordentlich reich Es lebt eine durchaus männliche Energie in dieser feinen beschickt, besonders von hier lebenden Künstlern:

Frauenhand, die sich eben mit kräftiger Schrift in das Von Karl von Pidoll waren - im Schneiderschen Buch der Rinstgeschichte einschreibt. Auch im Senre hat Salon Landschaften und Porträts zu sehen, die höchste sie wieder eine prächtige Leistung aufzuweisen, die zeigt, Beachtung verdienten. Dieser Maler, joviel Verwant. wie Ottilie Röderstein die große Seele im Kleinen zu er. schaft er auch mit Şans Thoma aufweist, ist eine durch- fassen weiß: „Das tägliche Brot“ - um einen Tisch vier aus selbständig schaffende Natur, eine Individualität, seine Kinder, effend; eine Frau, die ihnen Brot austeilt

, ; .

sonst nichts! – Ein Bild so still und schlicht: ganz eilt fann es jo nennen: schlimme Schicksal, daß seine Bilder faches trockenes Brot – und doch „tägliches Brot“ für meistens gleich hier um Spottpreise ihre Käufer fanden; Feinsdimecker. Eine Feinschmecker - Privaisamlung hat so ist sein Ruf über die Mauern unserer Stadt mur selten es denn auch bereits verschlungen.

und wenig, hinausgedrungen. Erst jeßt bereitet sich langNicht so leicht kann man, besonders wenn man nicht jam eine Wandlung vor, da er ein Siebziger ist. Burger Porträtmaler von Beruf, das Porträt eines anderen jungen ist weder Naturalist, noch Impressionist oder Pleinairist Künstlers zeichnen, der sich mit Recht immer wachsenden man fann seine fünstlerische Art nicht besser charafAnsehens erfreut: Rudolf Gudden hat schon mehrfach terisiren, als indem man sagt: er ist "Anton Burger. lleberraschungen bereitet, und wird dies auch wol noch Wenn Sie ein Bild von ihm oder auch mehrere zum fernerhin tun. Ungewöhnliches Können spricht aus vielen ersten Male sehen, entschlüpft Ihnen gewiß ein lauter seiner Arbeiten, wenn auch noch keine mit furzen Worten Ausruf der Enttäuschung: „Das ist alles? Sonst nichts?" zit kennzeichnende, fest ausgeprägte Eigenart. Juterieurs Ja, das ist Studienreise, zeigt er uns, und Landschaften. Mit großer Schneehülle; Bauern bei der Arbeit und beim fargen Liebe versenkt sich der Künstler in die Stimmungen des Mahi; Jäger in ihrem fröhlichen Tun; ein Stückchen des deutschen Waldes; Licht und Luft ist in seinen Bildern alten Frankfurt, alter Markt, Straßent, Gassen sonst und viel tapferes Ringen und Streben. Ilnd doppelt nichts. Aber braucht eine schöne Frau viel Toilette? interessant sind uns Guddens Schöpfungen, weil auch fie | Viraucht ein großer Künstler viel Stoffe? Da ist die wieder den Beweis erbringen, daß Frankfurt durchaus „Kirmes“, die Regelbahn“, der „Wirtsgarten in Aronnicht, wie mancher meint, das „Capua der Künstler“ ist, berg“. unein Gott, wie flingen diese Titel alle unmodern, die hier, auf dem alzufetten Nährboden der Millionen und doch, wieviel cchte Kunst leuchtet aus den Bildern stadt, in lleppigkeit verfallen, sich dem herrsdienden Geschmack und Bildchen. In seinen Genre-Stücken direkt an die der upper ten anbequemen, oder gar von dem Bourgeoisie- alten Holländer erinnernd, wenn auch oft wärmer als sie, Philisterium aufgesaugt werden müßten. Guddeit fam ist Burger ganz einzig in seiner Art, wo er Genre ind bluitjung nach Frankfurt, und heute sehen wir ihn auf | Landschaft verbindet. Keiner Richtung gehören diese Werke dem besten Wege zit hervorragender Münstlerschaft. an, die in ihrem Stofffreis der düsseldorfer Schule be

Von einer fertigen Persönlichkeit des Schaffenden denklich nahefommen, die aber durch die Genialität ihres und von leßter Reife zeigen die Werke eines frankfurter Schöpfers jedem Vergleich mit den Erzeugnissen einer Plastikers, die Werke Ludwig Sands, der seit einigen „gutbürgerlichen“ Kunstküche weit entrückt sind. Doch . Jahren als Lehrer der Holzschneideklasse an unserer vor worin besteht die Größe eines Künstlers, der eigentlich trefflichen Kunstgewerbeschule angestellt ist. Ludwig nur Kleines iind Kleinstes gemalı hat? Ich glaube darini, Cand ein Name, der noch nichts sagt, in Berlin gewiß daß er das Einfache einfadı, das Kleine mit cheinbar noch so gut wie unbekannt ist, höchstens in München fleinen Mitteln dargestellt hat, und daß alle seine deni Ohr des Stuckschen Kreises und wenigen Freunden Arbeiten aus einer großen Liebe hervorgegangen find, der lieb und bedeutend klingt! Einer jener Menschen, die tiefen Liebe, die ihn zeitlebens mit dem Milieu verbunden aus so reichen Quellen ihres Inneren schöpfen, daß die hat, das seine Bilder spiegeln ... So ist er zugleich ein leere, lärmende Welt ihnen wenig zu geben hat, eine wenig zum Kulturhistorifer dieses still en Weltwinfels gejener Naturen, die eine kleine Welt so in Taschen- worden, den er jo treit fonterfeit hat, und die Kunst Format in sich tragen, läßt Sand fich nur schwer gratulirt fiazu einem neuen coin du monde, vu à bewegen, mit seinen Leistungen auf den Markt zit treten, travers un temperament ... Die „neue Zeit“ fann nicht der geräuschvoll eine feingestimmte Seele leicht verleßt. | viel mehr für den bescheidenen Mann tun, als seinen Aber in seinem stillen Atelier kann man Arbeiten sehen, „Kronberger Adlerwirt“ aus den Jahre 69, in München die nach meiner Empfindung siegessicher mit dem Besten einst prämiirt -- noch einmal zu prämiiren. Heute nach wetteifern fönnen, das die plastische Kunst in den leßten 25 Jahren! Und der Künstler darf sich sagen, daß er in Jahren hervorgebracht hat. Einen so tiefen, leuchtenden diesem Fall ein Jubiläum feiert, wir es wenige seiner Blick aus steinernen Augen, wie ihn diese Porträtbüsten Kollegen zu begehen vormögen Viele sind, die das zeigen, habe ich noch selten gesehen, Nerven aus Thon Große gemütlich dargestellt haben, nur wenige von je und Marmor gebildet noch kaum wie hier bewundert

. verstanden es, das Gemütliche mit Größe zu schildern. Ja, Nerven sind in diesen Stein-Köpfen und - Leiberu - Auf diese inangelhafte Würdigung eines Künstlers, Nerven von Stahl in jenem robusten Männerkopf dort; der eine Ernie bedeutet, eine Silbe noch über eineri, der und feine, ewigzuckende Nerven, auf deren wunderzarten erst eine Hoffnung ist: von F. Boehle, einem Frankfurter, Saiten jeder Hall von Welt und Leben leise Melodien der sich in der guten Schule Hasselhorsts sein zeichnerijches (pielt, in diesem seltsam reizvollen Kopf einer jungen Können angeeignet und bei Diez in München weiterlernt, Künstlerin hier. Ein Todfeind aller Ronvention, gilt haben einige in diesen Tagen gleichfalls bei Schneider zur Sand die Lehre und Saßung von der rein schönen Ausstellung gelangte Radirungen, vor allem in den Kreisen Form nichts, ihm ist es um das Charakteristijche zu tun, der Kunstgenossen, ungewöhnliches und verdientes Aufsehen in dem er das höchste Schöne erblickt – und wahrlich, erregt. wenige Künstler vermögen so die ganze Seele ihres Es treibt und kuospet ... Modells, Natur nachschaffend, in ein stilles Auge zu zaubern und den vollen Schein warmen Lebens verklärend über vielleicht höchst unsdöne Züge zu gießen . Ein Soldat der Kunst, über den fein Capiia etwas vermag! Wir sind eben in der Hochsaison: Leben und Be

Auch Anton Burger, von dem zirfa 100 Arbeiten sich in wegung und Kunst überall! Wahre Tonsturmfluten wälzen einer Sonderausstellung des immer rührigen Schneider-Án- sich aus den Konzertsalen, und mehrere Theater haben in dreasschen Salons eben vereinigt finden, ist im Reich wol noch der leßten Zeit eine recht rege Tätigkeit entfaltet. Sie wenig bekannt. Mancher hat Chance und bringts in haben in ihrer Auslage viele neue Stoffe und Moden gee seiner Jugend schon zum Professor; ein anderer hat bracht, die sie für diesen Winter acceptirt zu sehen wünschten. weniger Glück oder fein Glück gehabt, und das gerade Freilich, die Herren Kunstschneider haben kaum Chance ist dann sein Glück geworden. Burger hatte das – man gehabt, und nur wenige ihrer vielangepriesenen neuert

eren

Façons und Muster hat Bublifus fich aufschwatzen lassen, leßte Winkelchen gefüllt. Auch der weniger funstsinnigenicht einmal alle geschmacklosen!

und verständige Teil unseres Publikums wurde durch die per und Schauspiel brachten natürlich) Premi- hohen Preise mit fortgeriffen. Alle Rollen waren vertauscht:

: „Brot und Preulicren!“ heißt ja nun einmal Theater spielte einzig unser Publikum, das in einem das Postulat der modernen Bourgeoisic! – Unsere In- Rausch und Taumel war; die Kritit spannte Frau Duse tendanz dachte wol, es wäre an der Zeit, einmal wieder die Pferde aus. Nun ist sie fort In unserm romantisch z11 fomuen, und sie ging hin und studirte die Schauspielhause wird wieder Tragödie und Komödie ge

Willis“ ein, Oper in 2 Aften von Puccini. Ein mimt, Ruhe fehrt in Frankfurts Seele zurück. Aber man interessantes llunternehmen! Die alte Romantik, die kommt sich vereinsamt, verlassen vor ... Ein scharfMarschnersche, ist tot: es lebe die Romantit! Seitdem züngiger Junggeselle, der sich nicht leicht begeistert, sagte Richard Wagner die „blaue Blume“ mit den Wurzeln | mir, er fühle sich verwitwet. ausgerissen und sich in seiner fühnen Art ins Knopfloch gesteckt hat, sind viele ausgegangen, sie zu suchen, aber, ach! fie fanden wol blaue Blümchen – die ,,blaue Blume Ich wil diesen Brief nicht schließen, ohne zwei nicht. Und Puccini? Auch er hat kein "Glück gehabt, Novellenbücher erwähnt zu haben, die von Franffurter und man muß das bedauern, denn di: Mujit, mit der Autoren jüngst veröffentlicht worden sind: ,,Abseits vom er die traurig-schaurige Schwarzwald-Geschichte umkleidet Wege“. von Leo "Hildeck und „Poveretto!" von hat, die Sage von der verlassenen und im Gram ge

Rudolf Preber. storbenen Braut, die, mitternächtiger Weile wiederkehrend,

Auch „abseits vom Wege“ führt heute schon eine den ungetrenien Bräutigam zum Tanze zwingt, bis er ent

breite Chaussee, so ein „allgemeiner Fahrweg der Geseelt aus ihren Armen sinkt, diese Dujit weist viele danfen“, durchs litterarische Land. Leo viided" (Fräulein pađende Momente auf und offenbart so viel fünstlerischeri Leonie Meyerhof) hat Geschmack und Talent genug, ihren Geschmack und dramatisches Können, daß man fast über eigenen Seitenweg zu gehen. Bedeutet ihr erster Novellensieht, wie spärlich die Mielodie fließt. Die Oper würde band, der goldene Käfig“, ein rüstiges Voranschreiten jid gewiß eine Weile gehalten haben, wäre ihr Libretto hochgestecktem Ziel entgegen, so sehen wir die ernft. ciri glücklicher gewähltes. So vermochte jelbst die Er- strebende Dichterin in ihrem zweiten Buche bereits auf fenntnis, die sie uns verschafte, daß es vor Mascagni einer gar respektablen Höhe angelangt. Leo Hilded liebt ịchon Mascagnisdhe Harmonicen und Modulationen gegeben es, in Wunden zu wählen hat (die Lper stammt aus dem Jahre 84 oder 85!) und Poetenhand berührt Rudolf Presber Wunden und Narben, daß der Komponist der „Cavalleria“ nicht fürderhin der wo er sie aufdeckt; ein mildlächelnder, junger Arzt, der Erfinder des Jiitermezzos genannt werden kann, die ,,Willis“

einem fiebernden Kranken beruhigend die Hand auf die nicht zi1 reiteit.

Stirn legt, während es wehmutsvoll in ihm flüstert: Im Schaujpiel hat man gar die dramatische Crinoline

overetto!", der aber über dem Anschauen des Lebenss wieder einführen wollen, in (Sestaltcines vieraktigen

eines vieraktigen leides das Lachen, ein wärmendes und erwärmendes Dramas Auf Triburg und Kodeck" von Klaus Lachen, noch nicht verlernt hat. Beider Novellenbände Arsen, wie sich der Verfasjer oder die Verfasserin pseu- des eingehenderen zu besprechen, versage ich mir. Sie doniu nannte. Da diese sehr moralische und sehr gut gehören nicht zu den Büchern, die verlieren, wenn man cndende“ Arbeit nicht die vielen vornehmen Züge des sie liest. Avis au lecteur Puccinijchen Werkes aufwies, brachte sie es zu fünf oder sechs Aufführungen, konnte eine Weile lang ,,Charleys Tante“ den Plaß im Repertoire streitig machen, und mit „Hannele“ rivalisiren das, ausgezeichnet dargestellt, auf einen Teil unseres Publikums einen tiefen Eindruck gemacht hat.

*

Verzeihen Sie mir, wen ich vom Theater und von

Christi Lehre und die allgemeine Wehrpflicht. allerlei Theaterdingen direft zur Duise übergehe ich weiß, es ist ein wenig geschmackvoller, vor allen Dingen

Von ein sehr gejuichter llebergang - ein Spring über eine

Leo Tolstoj.*) weite Séluft! Aber dieser Bericht soll nicht gar zu lang werden.

Am 9. September suchte ich mit der Eisenbahn einen Also die Duse war hier ... Ich kann nur sagen: Ort auf, wo im vorigen Jahre die Hungersnot geherrscht gesucht werden originelle Superlative, adjektive ganz hatte und in diesem Jahre die Bauern noch schlimmere nener Prägung ... Sie hat Frankfut im Sturm ge: Hungersnot litten, in den Gouvernements Tula und nommen. So vollkommen hat sich umjere gute Stadt feit Rjajan. Auf einer Station begegnete der Zug, mit dem dem Jahre 66 nicht mehr gefangen gegeben! Es war ich fuhr, einem Extrazug, der unter Führung des Stattein Mirafel. Id habe die Frankfurter in solcher Er: halters Soldaten mit Waffen, Ariegspatronen und Ruten regung lange, lange nicht gesehen. Das Vitalitätsgefühl zur Züchtigung und Tötung dieser hungernden Bauern des ganzen Stadt- und Landkreises war ein erhöhtes, und brachie. acht Tage lang gab es nur die eine soziale Frage noch): Der Grund, warum sie hinfuhren war folgender: „Haben Sie Plätzc ,zur Duise'?" Talma spielte in Erfurt Auf einem der Güter eines reichen Besitzers hatten vor cinem Parkett von Nõnigen sie hat hier vor die Bauern auf einem ihnen und dem Gutsherrn geeinen farkeit von Millionären gespielt. Für andere hörenden Weideland einen Wald, der im Wachsen war, Menschen waren nämlich höchstens die Galerie- und Stehpläße ersdiwinglich; aber an 'fünf Abenden – die unver *) Aus dem binnen kurzem in der deutschen Ueberseßung von gleichliche Frau trat auf als Cameliendame, Magda, Fe- j dheinenden neuen Buche Tolstojs „Christi Lehre und die augea

Nafací Löwenfeld bei der Deutschen Verlagsanstalt, Stuttgart, erCora, ,,Locandiera“ und Santuzza, sowie als Cyprienne, meine Wehrpflicht“ (das Reich Gottes in uns) sind wir in der Lage an fünf Abenden war unser Schauspielhaus bis auf das das XII. Kapitel unseren Lesern vorzulegen.

unter ihren Schuß genommen und sich stets seiner bes | Volt eine Rede, macht ihm Vorwürfe wegen seines Iln: dient, darum sahen sie diesen Wald als ihren an oder gehorsams und legt entweder die Soldaten in die Häuser wenigstens als gemeinsamen Besit; der Guts herr aber des Dorfes, wo die Soldaten manchmal im Laufe eines eignete sich den Wald an und begann ihn zu fällen. Monats durch ihre Einquartirung die Bauern herunterDie Bauern reichten eine Klage ein. Der Richter der bringen, oder er läßt es bei der Drohung bewenden, ersten Instanz entschied die Angelegenheit mit IInrecht verabschiedet gnädig das Volk und reitet davon, oder (ich sage mit iInrecht nach den Worten des Staatsani was am häufigsten vorkommt, er erklärt ihnen, daß die walts und des Gouverneurs, Leuten, die die Sache ver-Rädelsführer bestraft werden müssen, nimmt willkürlich stehen müssen), zu Gunsten des Besißers. Alle späteren ohne Gericht eine gewisse Zahl von Menschen mit, die Instanzen, auch der Senat, bestätigten den Beschluß, und er als die Rädelsführer bezeichnet, und vollzieht an ihnen der Wald wurde dem Gutsbesißer zugesprochen. Die sofort die Züchtigung, Vauern aber, die nicht glauben konnten, daß die höchsten Ilm eine Vorstellung davon zu geben, wie diese Behörden eine so augenscheinliche lingerechtigkeit gegen Dinge vor sich gehen, will ich einen Fall beschreibeni

, sie hätten verüben können, fügten sich der Entscheidung der in Orel stattgefunden, und der die Zustimmung der nicht

, verjagten die Arbeiter, die ausgeschickt waren, den höchsten Behörde gefunden hat. Wald zu fållen, und erklärten, der Wald gehöre ihnen, Folgendes ist in Drel geschehen: und sie würden bis zum Kaiser gehen und würden den Ganz wie hier, wollte auch im Gouvernement Tula Wald nicht fällen lassen.

ein Gutsbesitzer den Bauern ihr Eigentum nehmen, und Die Sache wurde nach Petersburg, gemeldet, und ganz ebenso widersekten sich auch hier die Bauern. Es von dort aus wurde dem Statthalter Befehl erteilt, den handelte sich darum: Der Besitzer wollte ohne ZustimGerichtsbeschluß zur Ausführungzu bringen. Der muung der Bauern in seiner Mühle das Wasjer auf einer Statthalter bat um Militär. llnd so kamen die Sol- | Höhe halten, bei der ihre Wiesen überschwemmt wurden. daten mit Gewehren, mit Bajonetten, mit Kriegspatronen Die Bauern widerseßten sich dem. Der Gutsbesißer ausgerüstet und überdies mit einem Vorrat an Ruten, klagte bei dem Landrat. Der Landrat entschied ungedie absichtlich zu diesem Zwede vorbereitet waren und seßlich (wie dies später auch vom Gericht anerkannt in einem der Waggons mitgeführt wurden, um den Be- wurde) zu Gunsten des Besitzers und gestattete ihnı, den schluß der höchsten Behörde zur Ausführung zu bringen. Wasserspiegel zu erhöhen. Der Besißer schickte Arbeiter

Die Ausführung des Beschlusses der höchsten Be an Dit und Stelle, in einen Kanal zu graben, der das hörde aber vođzieht sich durch Totschlag, durch Züchtigung Wasser herleiten sollte. Die Bauern waren über diese von Menschen oder durch die Androhung des einen oder ungerechte Entscheidung aufgebracht und schickten ihre des andern, je nachdem sie Widerstand leisten oder nicht. Frauen hin, damit sie die Arbeiter des Besißers in der

Im ersten Falle, wenn die Bauern Widerstand Herstellung des Grabens hinderten. Die Frauen gingen leisten, vollzieht sich in Rußland und dasselbe voll- hin, warfen die Karren um und jagten die Arbeiter fort. zieht sich überall

, wo nur eine staatliche Ordnung und Der Gutsbesitzer klagte gegen die Frauen wegen eigenein' Recht des Eigentums herrscht folgendes: Der mächtigen Vorgehens. Der Landrat erließ eine VerVorgesekte hält eine Rede und fordert Gehorsam. Die fügung, nach der im ganzen Dorfe von jedem Hausę je aufgeregte Menge, die meist betrogen ist von ihren Rädels- eine Frau in ein („kaltes“) Gefängnis gesteckt werden führern, versteht kein Wort von dem, was der Vertreter | sollte. Der Beschluß war nicht leicht auszuführen, da der Macht in seiner Kanzlei- und Büchersprache sagt, in jedem Hause mehrere Frauen waren und man nicht und fährt fort zu toben. Da verkündet der Vorsißende, wissen konnte

, welche der Bestrafung unterliege, und so wenn sie nicht fügsam sein würden und auseinander- brachte die Polizei den Beschluß nicht zur Ausführung. gehen, würde er genötigt sein, zu den Waffen zu greifen, Der Besitzer flagte bei dem Statthalter über die Lässigund wenn die Menge nun nicht gehorcht und nicht aus keit der Polizei. llnd der Statthalter gab, ohne die einandergeht, befiehlt der Vorgesepte, die Gewehre zu Sache näher zu prüfen, dem Rommissar gemessenen Beladen und über die Köpfe der Menge hinzuschießen. fehl, unverzüglich die Weisung des Landrais auszuführen. Wenn die Menge noch nicht auseinandergeht, befiehlt Der Kommissar gehorchte dem höheren Vorgeseßten, kam der Vorgesekte, miiten in die Menge hineinzuschießen ins Dorf und befahl mit der der russischen Behörde aufs geratewol, und die Soldaten schießen, die Straßen eigenen Nichtachtung von Menschen den Schußleuten, je bedecken sich mit Verivundeten und Toten. Dann rennt eine Frau aus je einem Hause aufs geratewol zu ers die Menge gewöhnlich auseinander, und die Soldaten greifen und ins Gefängnis zu bringen. Die Bauern nehmen auf Befehl der Vorgeseßten diejenigen gefangen, verteidigten ihre Frauen und Mütter, ließen sie nicht die ihnen als die Haupträdelsführer erscheinen und führen fortschleppen und Schlugen dabei die Schußleute und den sie unter Bewachung ab. Dann sammelt man die blutigen, Rommissar. Ein neues, entsezliches Verbrechen: Widersterbenden, verstümmelten, erschlagenen und verwundeten stand gegen die Behörde! Und dieses neue Verbrechen Männer, manchmal auch Weiber und Kinder, auf; die wurde in die Stadt gemeldet. Da kommt der StattToten begräbt man, die Verstümmelten schidt man in halter ganz so, wie hier der Statthalter von Tula ait. das Krankenhaus, die vermeintlichen Rädetsführer aber gereist kam, init einem Bataillon Soldaten, mit Waffen bringt man in die Stadt und stellt sie unter ein beson- und Ruten, mit Benüßung des Telegraphen, des Telederes Kriegsgericht. llnd wenn sie sich besonderer Ge- phons und der Eisenbahn in einem Ertrazuge mit einem walt schuldig gemacht haben, werden sie zum Tode durch sludirten Doktor, der auf die Hygiene bei dem Peitschen den Strang verurteilt. Man errichtet einen Galgen und achten sollte, ganz die Verkörperung des von Herzen erwürgt feierlich mit Stricken wehrlose Menschen, wie vorhergesagten Dshingis-Khan mit Telegraphen nach dem das jo oft in Rußland geschehen ist, wie es überall ge- Schauplaß der Handlung. schieht und geschehen muß, wo die gesellschaftliche Ordnung Vor dem Gemeindehaus stand das Heer, eine Abauf der Gewalt ruht.

teilung von Polizisten mit roten Schnüren, an denen die Im : andern Falle, in dem Falle, daß die Bauern Revolver hingen, die bäuerlichen Beamten aus dem fich fügen, geschieht etwas Besonderes, etwas speziell Dorfe und die Angeschuldigten. Rings umher stand eine Russisches. És geschieht folgendes: Der Statthalter, der Menge Volfs, tausend oder mehr Menschen. Der Stattan den Schauplaß der Handlung gefommen ist, hält dem | halter fuhr bei der Gemeindeverwaltung vor, stieg aus

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