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ab. Er war ein glücklicher Mensch ; gewinnend, liebensa im Monolog, stecken bleiben. Alle Figuren, die neben würdig, gewant und im Besiße aller Eigenschaften, dem schematischen Enchio auftreten, sind nämlich notwelche die Gunst des Hofes und der großen Welt sichern. wendig nur Verförperungen der Dinge, darnach, er Diese wurde ihm denn auch im reichsten Maße zu Teil begehren könnte. ,,Der Wunsch“ hatte einen hübschen und, so viel Angriffe sein Wirfen und zumal sein Burg Erfolg; was bei der Harmlosigkeit des Stoffes inimertheaterbau auch faud, fie blieb ihm inimer erhalten. hin bemerkenswert ist. Erst am Faschingsmontag fielen Ihm waren Áufträge vergönnt, wie sie seit Jahr- gleich zwei Stücke durch: Alexander Bissons „Eber“, hunderten noch niemandem gestellt waren: die Prunt- Berlangweilte, und die nach dem Englischen zweier bauten der Hoftheater gehen unter seinem Namen und Paulton" von Blumenthal bearbeitete „Niobe". Man das Riesenwerk der neuen Burg war ihm anvertraut. empfand den Schwant, der einen gutlaunigen Einfall unAber ein reiner Erfolg war ihm niemals vergönnt: der gebührlich) breit iritt, an dieser Stelle ungehörig selbst 311 Namen Gottfried Sempers verfolgte ihn und klang un- Fastnacht; was Blumenthal dazit getan: daß er die Vorablässig in den festlichen Lärm, der in Wien die Voll. gänge in ein Traumigesicht wandelt, das beseitigt viel von endung jeder großen Baulichkeit zu feiern pflegt. Noch der "Tollheit

, nicht von der Unwahrscheinlichkeit der Beist das Verhältnis beider Männer ungeklärt; es heißt gebnisse. Man wurde ärgerlich, man zischte, man applauwol jeßt in Wien, eine Schrift von Albert Jlg folle Sirte ironisch und dies froß einer im Grunde trefflichen demnacht der Deffentlichkeit Aufschluß darüber bringen. Darstellung, trozdem Frau Schratt die Niobe mit aller Wird sie auch die Tatsache zu erklären vermögen, daß Anmut und nicht ohne spitze parodistische Töne gab. Es unmittelbar nach Erïffnung des Burgtheaters niemand scheint, wir stehen wieder vor einem recht unfruchtbaren des Namens Meister Gottfrieds gedenken durfte, so groß Jahr. Der „Goethe-Cyklus“, der uns mit aller jener die Aehnlichkeit zwischen diesem Hause und dem Plane ilnvollständigkeit

, an die wir gewöhnt sind, vorgeführt für ein münchener Schauspielhaus immer war? Daß ward, verpuffte gang, Man machte nicht einmal den erst nachdem sich die unverbesserlichen und heillosen Versuch, etwas von den Goetheschen Stücken der Bühne Mängel des Gebäudes herausgestellt, wieder der große zu gewinnen, die nicht schon längst darauf heimisch sind. Künstler genannt werden durfte! Gewiß Hasenauers Allerdings ward eben jeßt eine fostbare sie soll Fantasie war weit mehr dekorativ, als architektonisch, 18 000 fl. jährlich kosten schauspielerische Erwerbung durch Maße und Verhältnisse zu wirfen wußte er nicht gemacht: Friedrich Mitterwurzer tritt in den Verband Und weil ihm das gröfte Geheimnis einer Kunst sich der Burg. Wenn sich der unstäte und unbändige Geselle nicht erschlossen hatte, bedurfte er aller Künste, um zu nur darin behaupten möchte! Wir fönnten den echt wirken. So haben denn alle seine Bauten etwas Un modernen, den geistig überlegenen Künstler so gut brauchen! ruhiges und bei folossalischen Dimensionen selbst etwas Aber, mir wilis scheinen, er sei das Wandern und das Kleinliches. Aber, er war ein Kunstmensch, und so wuste Herrschen schon zu lange gewöhnt, als daß er sich noch er denn den Künstlern, die feine Helfer waren, immer einer Disziplin fügen könnte . . lohnende Aufgaben zu stellen. Vielleicht das Beste, was Jm Volfstheater gehts, wie all die Jahre her. Vieldie neuere wiener Plastik geschaffen, findet sich in den leicht steht die Klasse der Unternehmer sich diesmal etwas Bauten vereinigt, die unter seiner Leitung entstanden. minder gut, als soust. Schlecht gehts daruin noch lange Sie hatten gerne mit ihm zu tun und sie werden in nicht. Irgend eine Posse, wie „Madame Saus Gêne“ macht absehbarer Zeit den Tod des billigen und ihnen wohl- durch trefflides Spiel und prunkvolle Ausstattung immer gesinnten Mannes beklagen; wir tätens aufrichtiger, wieder volle Häuser, oder ein Schwank tut seine Schuldighätten wir nicht unter dem monumentalen Unglück, das keit, wie „der Herr Senator“. Das Haus steht unter neues Vurgtheater heißt, zu leiden und merkten wir nicht einem Glücsstern, und nicht einmal ständige Differenzen von Tag zu Tag mehr, wie zerstörend diese unruhige unter den Darstellern oder, wie diesen Winter," frantPracht auf die schauspielerischen Leistungen wirkt. heiten unter den Schauspielern können es ernstlich schädigen.

Und so wären wir denn glücklich wieder beim Theater. Der Tod der armen Leopoldine Berg war immerhin ein Nun laben aber Berichte über schauspielerische Leistungen Verlust. Sie war eine höchst brave und verläßliche ins Nachbarland wenig Wert. llnd so sei denn von der stünstlerin; eine komische Alte mit wirklich wirksamer ,,Burg“ nur gemeldet, daß sich „Hannele" durch prächtige Komik und nicht ohne Gemütstöne, so als Großuiutter Ausstattung und durch die meisterliche Darstellung immer im ,,Vierten (Sebot“. Sie wird im Volfsstück nicht leicht noch behauptet als der einzige Erfolg der Burg in dieser 311 ersežen sein. Von wichtigeren Primièren, deren Stücke Saison. Wir haben die Burgschauspieler noch nicht bald jo Thnen noch unbekannt sind iind wohl auch bleiben werden, ganz bei der Sache gesehen wie diesmal. Von heinischen ist zweimal zu berichten. Das eine Mal erlitt Arthur Autoren fam nur Rudolf Lothar mit seinem einaftigen Schnißler, der Sohn eines einst viel genannten und Märchenspiel: „Der Wunsch“ zu Worte. Es spielt" in beliebten Wiener Arztes eine Schlappe mit seinem Venedig zu irgend einer Zeit; ein junger Poet hat mit den Märchen". Das Stück behandelt das Thema vom ge. Schwierigkeiten aller jungen Boeten zu kämpfen: ihn be- fallenen Mädchen. Eine junge Schauspielerin von großer drängen Schulden; sein Stück wid der Director nicht spielen; Begabung ist schon durch Zweier Hände gegangen, ehe das Mädchen, das er liebt, denkt seiner nur mit ges fie im Dritten den Richtigen zu finden meint.” Dieser schwisterlicher Neigung und hat sein Herz einen Soldaten fann aber über ihre Vergangenheit nicht hinaus, fann zu eigen gegeben. Ein Magier schenkt dem jungen es um so minder, mit je größerem Erfolge sie eben auf der Dichter einen Wunderstein, der innerhalb einer gewissen Bühne eine Verlorene darstellt. Der Erfolg der Künstlerin Zeit einen Wunsch erfüllt. Nun drängen sich die Wünsche; wird also dem Weibe zum Verhängnis. Die sehr dünne das Entscheidende aber, das doch wolden Inbegriff Fabel ermüdet; manche Erscheinungen quälen und widern alles Begehrenswerten enthält, fällt Enchio fonderbarer an. Aber es liegt wiener Luft über allem und Schuißler Weise nicht ein. So kommt er zu feinem Entschlusse: weiß zu beobachten und Stimmung zu erregen. Er hat die Zeit der Wirksamkeit des Kleinods ist um und er wirft wirkliche Lustspielbegabung. So hatten denn zwei Afte es von sich in der Erkenntnis, daß doch nur das Wert nur Erfolg, bis das Publikum die Variationen über das habe, was man sich selbst, der natürlichen Magie in sich Hebbelsche: ,,Darüber kommt kein Mann hinaus" satt be: verdanke. Das Stückchen ist nach Sprache und Ge fam. Eine völlige Niederlage erlitt an derselben Bühne sinnung sehr gebildet, muß aber seiner ganzen Pulage nach ! Ada Christen mit ihrem Volksstücke in sieben Vorgängen:

Wiener Leut“: Die Christen ist ein Lyriker von mäd). | Zuständigkeit zu erweisen. provinzmäßig gespielt ward, tiger Persönlichkeit. Sie hat mit einer von ihr unerhörten,

Der ledige Hof“, eines der schwächsten Stücke von Anzei!Offenheit in die Seele eines von taujend Leidenichaften, gruber, „Jägerblut“ von Sonrad Dreher, einem ganz vorvon unsäglidien Schmerzen heimgesuchten, Weibes, ins trefflichen Komifer. Jaffès „Bild des Signorelli" Ihnen Herz einer Verlorenen blicken lassen. Aber sie hat keine längst bekannt ist, und noch

und noch endlich Sudermanus Spur von Bühnenfenntnis. Em junger Mensch hat in „Heimat“. lleber den großen Erfolg dieses Werkes Bosnien den Arm verloren. Heimgekehit, heiratet er ein haben Sie schon in voriger Nummer" einen Bericht gejunges, schönes, herzloses Geschöpf, denn der Gatte nach bracht.

bracht. Während der Besuch des Raimund-Theaters von zweijähriger Ehe durch sein Gebrechen widerwärtig wird. Aubeginn an so schlecht war, daß schon unheilvolle GeEine Sehnsucht nach Glanz und Liirus verzehrt Leni; sie rüchte” laut wurden, hats jeßt wieder ausverkaufte geht ihrem Manne durch — iind madit Carrière, il Häuser. befümmert um sein und ihres Kindes Ergehen. En anderes

Im llebriger wird wiederum von der Gründung Mädchen nimmt sich des Verlassenen an, opfert den eigenen eines neuen Theaters gesprochen. Es soll diesmals im Ruf dafür, giebt sich alle Mühe, da der Held sich in einer Beamten Viertel, auf der Landstraße erbaut werden und Leidenschaft verzehrt, eine Aussöhnung zwischen ihn mid drapirt sich diesmal mit gar keinem idealen Mäntelchen. der Treulofeu herbeizuführen. Endlich gelingt eine Art | Ilnd das ist gut so: denn eine Dirne mit allen GewohnAusgleich; Leniwili Batten und Kind in ihrem Hause, heiten ihres Schandgewerbes und mit süßen und aber ohne jede innere Gemeinschaft mit ihnen, duldeni. frömmelnden Redensarten im Munde wirft doch unDas genügt ihm nun nicht; fein Zorn flammt auf, erst erträglich auf die Dauer. will er fie" töten, dann aber kehrt sid) sein Haß gegen fid) felbst und er ersticht sich. Troß sehr braver Darstellung hab ich mir versparı: 'es ist das Gasilspiel Monnet-Sullys

Das gröste schauspielerische Ereignis der leßten Zeit war das Stück nach dem zweiten Bilde schon verloren. Die endlosen Erörterungen über ein physisches Defeft

gewesent

. den fehlenden Arm – erzeugten physischen Efel. Fortab Karavanserai Wiens, wo uns einmal die Duse zuerst ent

Er spielte im verlotterten Karl- Theater, dem großen begleitete das Gelächter des Publikums die tragischen Vora Karavanserai Wiens, wo uns einmal die Durse zuerst entgänge auf der Bühne. Die Christen mag fich trösten: ihre gegentrat, vor halbleeren Häusern. Aber seine Wirkung eigenste Bedeutung bleibt durch diesen Miserfolg iibe

war mächtig und zumal ein König Dedipus wird uns rührt, und der Roman ,,Jungfer-Mutter", alts dem sie in unvergeffen bleiben. Denn er begehrte Voraussegungen, übler Stunde und übel beraten dies Drama schälte, ents

das heißt: wir müssen uns an ihn und seine ganze Manier, hält inanche Feinheit und inaniches gut Gejehene und

an die kunstvoll stilisirten Bewegungen und Attitudeni, dauernd Wahre.

an die getragene, halb singende Sprechiveise erst gewöhnen. Das Raimund - Theater nun hat bislang in der

lind dennoch zwingt er in den entscheidenden Augenblicken, Deffentlichkeit vorwiegend durch zwei Ilmstände von sich regt auf und erschüttert. sprechen gemacht: durch ein beispiellos verunglücktes

Er beherrscht das Technische seiner Kunst, seine Sprache, „Raimund - Preis“. Man hat seine Bewegungen wie niemand. Sein Organ ist mächtig kaum je einen Zuschauerraum gesehen, der jo wenig be und hat im Affeft erschütternde Naturlaute. Sein Weinen haglich wirkt. Die Galerien hänger weit über ind, steckt an. Zwischen der strengen Schule, die er durchgeweil sie nach der Mauer 311 ausgeschweift sind, so e1

macht, die ihn bändigt, gegen die er anfämpft, und seinem scheinen sie freischwebend ein höchst ungemütlicher jähen ungezügelten Naturell ist ein ewiger Streit. So Eindruck. lleber die Enge der Sitze, die" ängstliche kommen dann elementare Wirkungen, wo sich ihrer nieSchmalheit der Zwischengänge, besteht schon eine ganze

mand versieht, bei denen die Zuschauer vergessen, daß eben Litteratur; dürftig ist die Äusstattung 0:s Gebäudes. Komödie gespielt wird und zusammenrüđeni, als schlügen Der Raimund-Preis aber wurde von der Direktion auto durch das Theaterfeuerwerf da oben wirkliche rote Flammen geregt und soll jedes zweite Jahr aus einer Stiftung auf. Er nimmt seine Rollen im ganzen und sieht jede der Gemeinde Wien dem hejten Volfsstück verliehen ihrer Situationen mit vollster Klarheit. Er malt Fresco, werden, das an dieser Bühne zur Aufführung kommt. Das

die Duse mit kleinen Zügen. Sie reißt mit – er fann gegen stellt sich um die gejamte Preffe iind zwar mit bezwingen, selbst in Hamlet, in der Szene mit der Mutter, Fig. Denn ein solcherart gebundener Preis wäre eine

die noch niemand jo furchtbar wahr gespielt hat, so daß höchst unglückliche Neuerung; er bedeiitete einen un ichs wool begriff, wenn mir nach Hamlet ein ehrsanier und billigen Zwang auf die Produktion zu Gunsten eines nicht unvernünftiger Philister mitteilte, Mounet - Sully. einzelnen, der nach seinen bisherigen Leistungen noch

der alles flilifirt, sei der erschrecklichste Realist. llud feinerlei Anrecht auf irgendeine Bevorzugung hat Bes höchster Realismus ists doch, wenn der geblendete Dedipus fonders in Wien, wo die Tradition des Volksstückes an

auf die Bühne tammelt: blutig die Augenhöhlen, blutig sämtliche Bühnen anknüpft, wäre das unerträglich. „An der Chiton, wenn er über sich greift und torfelt, wenn er der Wien“, seither allerdings reine D perettenbühne, war

sich mit tastenden Händen den leßten, feinsten Zug im die Geburtsstätte Anzengrubers als Dichter; die' Joseph. Angesichte der Kinder, ihm vielleicht in glücklicheren Tagen stadt sah zuerst „Das vierte Gebot“; am Karl-Theater entgangen, einzuprägen versucht. haften zit ewigem Glanze die Namen Raimunds umd Es ist etwas Nomödiantisches in der ganzen Manier Nestroys. Gespielt wird übrigens im neuen Theater nicht in ihm. Ein Schritt ins Freie und wir hätten recht brav: die Regie ist sogar vortrefflich. Von wirf- vielleicht einen der größten Menschendarsteller aller Zeiten lichen Neuheiten fan nur ein recht alberries Volfsstück vor uns. Er tut ihn nicht und so besigen wir an ihm von Anthony: „Die Arbeit hoch“. Sonst waren die nur den Gipfel einer fremidartigen Richtung, deren Einbisherigen Darbietungen: Raimunds „Gefesselte Fan- druck wir uns aber doch kaum zu entziehen vermögen. tasie“, eine Allegorie, die nirgends und niemandem Aber man hat an diesen fünf Abenden fie umfaßten: warm machen kann; Wilbrandts „Graf von Hammer: ,,König Dedipus“, „Ruy Blas“, „Hamlet“, „Hernani“, stein“, der einen recht hübschen Erfolg hatte; Rosens ,Cid" – viel gelernt und einen klareren Einblick in das Barfüßige Fräulein", ein heftiger und verdienter Wesen der französischen Tragödie gewonnen als aus allen Durchfall" eines Stüces, das in der Provinz Büchern. Sie ist erstarrt und verknöchert in ihrer ganzen einige Berechtigung haben mag und das, um seine

um seine | Art: aber sie bedeutet wieder ein System, das gewiffe

Vorteile nicht allein gehabt hat, sondern auch bewahrt. Bei | lide Neuformulirung der veränderten Produktionsveruns hat die glänzendste Zeichnung des Künstlers doch nur hältnisse, die Emanzipation des vierten Standes. den Wert eines Einfalls, an dem sich nur ergößen fam, Die Geschid)te hat sich allerdings so ziemlich die wer ihn miterlebt. Doch wird sie eingereiht, kodifizirt, Winke ihres Vertrauten zu nuße gemacht. Die deutsche auf ihr weitergebaut. Und jedes Ganze hat etwas Einheit ward zunächst geschaffen, aber nicht durch einen Zwingendes an sich: nur muß man freilich es zit be- Volfsaufstand, sondern durch einen Völkerfrieg. Die greifen suchen und ohne alle Voreingenommenheit sich einzige politische Aufgabe, die erfüllt werden mußte, war damit beschäftigen. Wir schulden Monnet-Siilliy Nikolais also getan. Judessen, der Weg, auf dem sie zustande Wort an Lessing: „Ein Honorarium für gütige Unter- fam wie ein Zufälliges, Nebensächliches, führte nicht zum weisung.“

Abschluß der politischen Mission und nicht zlır Alleinherrschaft sozialer Reformideen. Indem die große politische Aufgabe als Sekundärerscheinung eines Krieges

vollendet wurde, hinterließ sie ins zugleich eine böse I

Erbschaft politischer Wahngeburten, die ihr Recht forderni, obwol fie eigentlich nach den historischen Gelegen nicht existiren dürften. Alle diese tausend Fragen, Rudimente einer abgestorbenen Epoche, quälen uns nun seit beinahe

einem Vierteljahrhundert und hemmen uns, den wahren Rudime nte.

Willen unserer Zeit zu erfüllen; daß jener Seelendeuter

der Geschichte mit seinen Vorausbestimmungen recht hat, Die närrischste Utopie ist das Seiende.

das ahnen die Fortgeschrittenen unserer Tage und glauben Sprüche des Kaisers Tschef-Arr-He.

(s. Sie huldigen dem einen Wefensgedanken, deß Ver: Als die 4der Revolution gescheitert war, wollten die wirklichung uns obliegt, sie halten sich Hirn und Sjerz Geschichtsdenker wenigstens wissen, warum fie scheitern frei von allen hemmenden und verwirrenden Scheinaufmußte. In der Befriedigung des Kausalitätstriebs gaben, sie verspotten die geschäftige Rudimentalpolitik

, fanden sie ihren Trost, und, da man damals noch in die jeden Tag neues zu Stande bringt, was im besten dialektischer Zuversichtlichkeit „Gefeße" entdeckte und an- Falle ein nichts ist. Aber mit banger Sorge erkennen wandte, so korrigirte man mit erstaunlicher Einsicht die sie, daß die Regierenden heute weniger denn je wissen, Fehler der Vergangenheit, die nach diesem und jenem wohin die Zeit drängt, was sie will. Sie sehen nicht Gefeß dieses und jenes Schlimme verschulden mußten, oder sie mögen nicht sehen, wohin der Instinkt der Entund prophezeite dreist, wie sich die Dinge nun entwickeln wicklung uns drängt, und mit fünstlichen Mitteln suchen würden, nachdem die aus der Unkenntnis historischer | sie die reifende Frücht abzutreiben, und fein Strafgesek: Gefeßlichkeit fließenden Fehlerquellen verstopft wären buch brandmarkt und ahndet dieses Verbrechen. Die Es war die Zeit, wo man noch an die Vernunft glaubte Regierenden arbeiten, aber sie schaffen nicht; sie erledigen und Herr Miquel in kommunistischer Jugendeselei flüchtige Forderungen des Tages, aber es fehlt ihnen die schwelgte; als der Glaube bei diesem vorgeschrittenen Einsicht in den wahren und einzigen Beruf unserer Zeitgenossen aufhörte, verlegte er sich bekanntlich auf das Epoche: die Erfülung des sozialen Einheitstraumes. Studium" hunderter von nationalökonomischen Werken. So werden wir wiederum Duertreiber des Notwendigen

Die 48er Bewegung war, wie man jeizt gern verfein, und in fruchtlosen Anläufen und schmerzhaften llitgißt, durchaus nicht rein politischer Natur. Soziale Be- fällen werden wir unsere Aufgabe heßen, ohne sie zu strebungen liefen nebenher, und gerade diese Verquicung vollenden. Ilnd während wir mit sentimentaler Fürder deutschen Sache mit wirtschaftlichen Tendenzen sorge uns bemühen, die verfrüppelten Zehenreste des so meint ein dialektischer Geschichtspsycholog von Be (Sauls zu erhalten und womöglich zlı alter Pracht zurückdeutung im Jahre 1850 -- gerade diese Zweiheit der zuführen, vergessen wir, dem Huf das Eisen unterZiele lähmte die Kraft der Revolution, neutralisirte sie. zuschlagen. Die Geschichte kann immer nur eine Aufgabe erfüllen, Graf Caprivi, der Erbe und Verwalter des alten der motorische Nerv der Entwicklung reagirt nur auf Kurses, den man ohne zureichende Irjache seit vier einen Hauptreiz. Ein Gedanke nur darf im Bewustiein Jahren den neuen nennt, hat einmal ganz richtig das der Zeit herrschen, wenn Taten entstehen sollen. Zer- Fundamentale unserer Epoche erkannt, damals als er splitterung vernichtet die Kraft der Gesamtheit wie erklärte, daß er sich jedes Gesep darauf ansehen würde, des Einzelnen. Jede Regierung muß prüfen, welches wie es auf die Sozialdemokratie wirfe. Aber in der die Arbeit sei, die sie nach dem Geseß des historischen eigentümlichen Blindheit

, die ein gütiges Geschick von Werdens zu erfüllen habe; diese muß getan werden, jeher den Administratoren der Weltgeschichte verliehen alles andere, was bedeutsam und drängend scheint, ist hat, erkannte er nur die Wichtigkeit der Kardinalfrage, bei Seite zu räumen: falsche vorzeitige Verlockungen der um ihren Sinn miszuverstehen. Graf Caprivi hätte Zukunft sowol wie die Gespenster des Vergangenen. In meinen fönnen: ich sehe mir jedes Gesetz darauf an, ob revolutionären Zeiten werden jene, in reaktionären diese es die Erfüllung unserer sozialen Mission fördert; jo ochlokratisch herrschen, und diese Zeiten, in denen die aber wähnte er, „daß der Kampf gegen die SozialSouveränität des Leitgedankens vernichtet oder ge- demokratie die ernsteste Frage unserer Zeit ist, eine Frage, knechtet ist, werden verloren sein.

die jahrzehntelang die Welt beschäftigen fann und deren Das Jahr 1848 gehört zu den verlorenen Opfern Erledigung des Schweißes der Edlen wert ist.“ Gott allzureicher Zukunftsfülle; die politische Aufgabe war 311 blendet die, die er strafen will. Während sie sich gegen lösen, diese ausschließlich. Und deshalb jagte jener seinen göttlichen Willen auflehnen, glauben sie, ihm zit politische Zeichendeuter von 1850 voraus, daß die nächste dienen. revolutionäre Erhebung des durch die üblen Folgen Die eigentümliche Divergenz zwischen Staatswillen seiner historischen Gesetzesverlepung gewißigen deutschen und Gesellschaftswillen ist die Luelle aller Kämpfe und Volfe; rein politisch sein und die deutsche Einheit voll-Umwälzungen. Der Gesellschaftswillen, der die Notwendigziehen würde. Ebenso sicher aber würde die dann fol- keit von morgen durchzusekeni bemüht ist, prallt mit dem gende Aufgabe lediglich sozialer Art sein, die gesellschaft- | Staatswillen zusammeil

, der den tolon Aberglauben von

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gestern lebendig 311 erhalten firebt, der die überwundene Aus der Vogelschau solcher Zukunftsgedanken erNotwendigkeit, die getane Arbeit noch einmal zit repes scheinen die wirtschaftlichen Reformversutd;e der herrschentiren, beflissen ist. Im Gesellsdasiswillent pulst die Jugend, den Gewalten gar klein und flach. Man kann geringe das Aufblühende, Empordrängende; im Staatswillen Fortschritte oder Rücschritte feststellen, im ganzen aber zittert und zürnt das Greisenhafte, das nicht sterben vienen solche Versuche nur dazu, die heilloje Verivorrenmag, um seinen Befiß nicht zu verlieren. Begrifflich ist heit des ganzen Systems, die Unnatur dieser Prinzipien der Widerspruch zwischen Staat und Gesellschaft nicht ind Theorien besonders fraß zu empfinden. Wir leben verständlic); denn der Staat ist nur die rechtliche For: cigentlich in einer Welt des Ünmöglichen, und die grellen mulirung, das Organ der Gesellschaft. Aber historisch

) Widersprüche, die unsere Vernunft quälen, übertönen wir hatchen der Staat nie Rücsicht auf seine begrifflidie durch den tobenden Kleinkrieg enger Juteressen. Ich

Der Staat hat stets die Ten- fürchte, daß ein glüdlicheres Zeitalter, das das Gleichdeniz, sich als ein Selbständiger zu ijoliren; die Werf- gewicht zwischen Vernunft und Realität hergestellt hat, zeuge seiner Verwaltung werden Selbstzweck; der Staat init höhnenden Worten der beschränkten Barbaren geentartet zu einer von der Gesellschaft - der Zusammen- denken wird, die in dem Abschluß eines Handelsvertrages fassung der einzelnen – unabhängigen Beamtenpartei, die cin großes Werk gepriesen haberi, obwol doch schon das losgelöst von ihrem Staatsberuf Eigenziele verfolgt, welche mals Bismarck gesagt: „Der Weg der Handelsverträge gewöhnlich mit bestimmten Stasjenzielen zusammenfallen. ist ja unter Ilmständen ein sehr günstiger, es fragt sich Dicje Siegirung des Staats durch die Staatsorgane, nur bei jedem Vertrage: qui trompe-t-on ici? – wer diese Jujurrektion der Begriffsträger gegen den Begriff wird übervorteilt? Einer in der Regel, und man kommt dieser Webergang vom Panpolitisuus, von der Identität erst nach einer Anzahl von Jahren dahinter, wer es von Staat und Gesellschaft, zum Monopolitismus, zur eigentlich ist."

eigentlich ist.“ Der Völkerbetrug ein großes historisches Herrichaft des Staats über die Gesellschaft, wenigstens Work, der Schacher die treibende Idee einer aufgeregten über bestimmte Gesellschaftsklassen, von der Vertretung Bewegung 0, man war sehr barbarisch in jenem zur selbständigen Etablirung diese Organisation neben finsteren Zeitalter der Handelsverträge! der Gesellschaft erhält durch die Monarchie eine rechtfertigende Vernatürlichung. Die Vielheit und die In In der Tat hält es schwer, ernst zu bleiben, wenn persönlichkeit republikanischer Staatsorgane lassen nie das man sich vorstellt, wie das große Werk des russischen eigentlidie Wesen des Staates vergessen. "Durch die Handelsvertrages in monatelangem Stampf und Mühen Monarchie wird das Abstraktum hinfällig, der reine zustande gekommen ist. Man sielle sich vor, wie die Begriff wird durch eine ihm widersprechende konkrete Er: höchsten Vertreter zweier mächtigen Völker, mit allen scheinung getötet, und diese Emanzipation der Staats- Mittelu der lleberlistung Tag für Tag fich gegenseitig träger vom natürlichen Beruf des Staats glänzt in der günstige Chancen abzuringen beflissen sind, wie sie markLebensfülle des Konkreten, das berechtigt scheint, weil es ten und feilden, und wie jeder gierig ist, das patriotische ift. Statt den Gesellschaftswillen in ernster Arbeit zu Odium des Uebervorteilers auf sich 311 laden. Qui vollzichen, oder was dasselbe ist - den Sinn der trompe-t-on ici? Gehört wirklich dazu Genie, diplomatische Zeit zu erfüllen, feiert man Hoffeste, rein umd in Fernlicht? Ist die Intensität der geistigen Energie hier reint - menschlicher Art; die erstere Spezies nennt man größer, als die, jo von dem Kanzler Leist in Kamerun auch politisch, sie spreizt sich in den gefälschten Büchern aufgewandt wird, wenn er vor dem Dilemma steht, ob der Geschichte, während die unrein menschliden Hoffeste der Marimal- oder Minimaltarif des Prügelzolis ai. in der weit wahrhaftigeren Chronik des Ilnerlaubten, zuwenden sei, mit dem die schwarzen Weiber gegen aber Angenehmen lieblich 311 lesen sind. Freilich ist ihre Faulheit gnädig geschützt werden? andererseits in der Monarchie am ehesten vielleicht der Glücksziifall möglich, daß in ihr ein Scher und Voll Das wirkliche Problem, die Organisation und die führer der Zeit ersteht.

gerechte Verteilung des Güteraustausches, wird durch Die S'onzentration auf das Wesenhafte unserer Zeit, Gandelsverträge, wie den deutsch-russischen, gar nicht ist soweit die Staatsgewalt und die ihr verbündeten gestreift. der Wert beruht darauf, daß etliche Industrielle Gesellschaftsklassen in betracht kommen, äußerst gering. vermehrte Exportgelegenheit erhalten, und die erheblichen Die Rudimentalpolitik ist geschäftiger denn je. Fruchi- Vorteile einzelner mögen ja immerhin einiges beitragen bares, Ncues, Zeitgemäßes, wenn man dem verblaßten zur Hebung des Masjenniveaus, namentlich zur Linderung Wort seine angeborene Straft wiedergiebt, ist nicht zu der Ürbeitslosigkeit." Im Ganzen haben Schußzölle crbliceit. Steuer- und

und Militärfragen überwuchern und alle Handelsverträge find ja jchutzzöllnerisch – die und ersticken die echten Stulturtendenzen. Armes, Tendenz, die wenigen zu begünstigen, die viel haben, frankes Haus, in dem die „Nahrungssorgen" alles Edlere, und die vielen zu benachteiligeit, die wenig haben. Mit Größere, Glücklichere zerstören! In unserem Weltleben dieser Antithese hat man in Amerika eben die Mc. ist es nicht anders, anch auf ihm lastet der Fluch des Kinley-Bill gestürmt. Rechnet man noch den für die Geniedrigen Erwerbs, des elenden Schachers. Los vom staltung Europas nicht unwichtigen Vorteil hinzu, daß Gelde das ist die gewaltige Sehnsucht, welche die Rußland durch den Handelsvertrag enger in die europäische Regierenden und ihre Gefolgschaft nicht verstehen. Bes Intressen - Gemeinschaft verwoben wird, so hat man freiung der Arbeit von Kapital das ist die Begierde, alles Gute von dem „Großen Wert“ gesagt, was man welche die Zukunftsmänner erfüllt. Freie Arbeit aller ersinnen kann. für alle, Erschließung der unermeßlich reichen Welt für die Gesamtheit, das ist die erhabene Möglichkeit, von Diese handelspolitische Aktion erhält dadurch eine der wir träumen. Die Bändigung des Problems der erhöhte Bedeutung, daß sie eingreift in den ExistenzUeberproduktion, dieser unheimlichen Sinnlosigkeit, das kampf jener feudalen Spätlinge, die sich nicht ergeben ist die dringende Forderung, der wir uns nicht mehr ent- wollen, obwol ihr Urteil längst gesprochen ist. Wie der zichen dürfen. Wie wir diese Zentralfrage lösen können, französische Adel 'vor der Revolution nur durch Privilegien das mag Sadhe des Zweifels sein, an Einem aber dürfen in fingirter Macht aufrecht erhalten wurde, und wie die wir nicht zweifeln, daß wir sie zit lösen haben, diese vor Feudalen sich danials hartnäckig weigerten auch nur einen allem, jo oder fo!

Dent dieser Privilegien zu opfern, weil sie fühlten, daß

mit den Vorrechten auch die Fiktion der Macht beseitigt | Desgleichen glaubt nieinand mehr, daß die Agrarier würde, so klammern sich auch unsere feudalen Epigonen um dessentwiủlen den höchsten Zodschuß verlangen, weil zäh an die gewährten Privilegien. Obwol nach den fie die Sehnsucht treibt, daß Deutschland sich von Erfahrungen, die wir bisher mit Differentialzöllen gemacht eigenem Getreide nähre. Seitdem sie im Osten die haben, die Wahrscheinlichkeit nicht groß ist, daß die Aufhebung des Idenditätsnachweises, d. h. ExportHerabseßung des russischen Getreidézoïs auf das Niveau prämien für deutsches Getreide verlangt haben, ist es des den anderen Ländern gewährten Saßes preisdrückend einigermaßen schwierig, diese Fiftion aufrecht zu erwirfen wird, so kämpfen sie gegen die Erniedrigung des halten. Zolls auf 3 Mk. 50 mit einer Hartnäckigkeit, die selbst an Ich will nid)t weiter auf die Materie eingehen. ihrem Royalismus feine Schranke zit finden scheint, Die Argumente für und wider stehen ja alle seit gewenn auch allerdings die Unterwerfung unter die regis raumer Zeit fest. Nur eine kleine Anregung möchte ich voluutas, d. h. unter die heute – im Gegensaß zur geben. 31 den Lieblingsfäßen, mit denen die Agrarier französischen Revolutionszeit - stärkere Macht nicht ihr Zollprivilegium rechtfertigen, gehört der Hinweis, daß ausgeschlossen ist. Aber die Leidenschaft, mit der fie hohe Getreidepreise auch höhere Löhne zur Folge haben, am Ganzen festhalten, erinnert doch an die Notabeln der Zoll aljo mithin für die Maffen von Vorteil ist. Ich von 1787, die sich der Vermehrung der Stimmen halte es für geraten, wenn man dieses etwas unzuvers des Tiers-Etat widerseßten.

lässige Naturgesetz Lohnfragen sind zumeist MachtMan kann im Zweifel darüber sein, ob es für die Fragen! – dadurch zuverlässiger gestaltet, daß man einMachterhaltung der Feudalklasse förderlich war, daß man

fach die Löhne gejeßlich an die Zölle bindet. Wenn z. B. ihnen gerade ein so grelles Privilegium gewährte, wie

der agrarische Landarbeiter einen Minimallohn erhalten den hohen Getreidezou, der nun einmal, wie jedermannuß. welcher der Höhe des Getreidezols entspricht

, berechnen fann, nur 15000 Leuten genüßt hat, auf Kosten

so werden die Junfer offenbar feine Gelegenheit mehr der anderen. Vielleicht hätte man lieber die Ver

haben, sich über die Feindseligkeit ihrer Gegner zu bes schuldungsfrage zu ihren Gunsten aufgreifen sollen; hier

klagen. Man soll die Naturgeseße nicht nur als wäre das Minderheitsprivilegium nicht so deutlich hervor: Argument verwerten, sondern auch ihnen Geltung zu getreten. Mau hätte hier wirklich die Interesien der verschaffen suchen. In diesem Falle ist es besonders Bauern vorschieben können, was bei den Zöllen immer leicht, die theoretische Behauptung zur praftischen Tat einige Schwierigkeiten macht. Von den 5 276 344 land

werden zu lassen

Handelsverträge, Freihandel, wirtschaftlichen Betrieben find 2 323 316 unter 1 Hektar.)

Schuszoł – auch das sind rudimentare Dinge, in denen In Deutschland ist etwa ein Drittel der agrarischen Anbau- keine Zukunft keimt. Wir müssen aus diesem Vannkreis Fläche mit Brotfrucht (Weizen, Roggen 2c.) bedeckt. Der

herauskommen und neue fruchtbare Prinzipien suchen. Besißer von einem Hektar verfügt demnach durchschnittlich

)

Ueberlassen wir jene Rudimente zur Pflege den Utopusten über 1. Hektar Broifrüchte. Im Durchschnitt der Jahre

des perpetuum immobile. 1880–89 betrug der Ernteertrag auf 1 Hektar Weizen 1,31

Sperans. Tonnen, Roggen 0,97 Tonnen. Rechnen wir — hoch! daß der glückliche Inhaber von 1 Hektar Brotfruchtacker 500 Algr. Weizen und Roggen erntet. Der Verbrauch der Bevölkerung an Getreide beträgt pro Kopf 180 Klgr. Nimmt man an, daß eine Bauernfamilie im Durchschnitt 5 Köpfe zählt (eine sehr niedrige Annahme), so ergiebt fich, ungerechnet die Aussaat, ein Jahresverbrauch an Brot von mindestens 900 Algr. Der bäuerliche Besiker von 1 Hektar muß demnach noch 400 Klgr. Brot in Gestalt von Getreide, Mehl oder Brod zukaufen.

Anthropologische Rundschau. Diese Kategorie von Bauern muß mithin noch den Zoll

Von
mitbezahlen. Der Zoll nüßt ihnen nicht nur nichts, er
ist sogar direkt mitschuldig an dem Niedergang des

Ciomag Adjelig.
Bauernstandes. Die Kleinbauern verkaufen allerdings
Getreide, aber nur um es zodbelastet als Brot vom

1. Bäcker wiederzuverkaufen.

(Schluß.) Diese Erkenntnis, daß ihnen die Zölle nichts nüßen, beginnt auch bereits bei den aufgeklärten Bauern zu dämmern. Wird diese Erkenntnis allgemein, zerreißt die Gebiete der Völkerkunde' der leßten Zeit überragt bei

Die großen epochemachenden Arbeiten**), auf dem fingirte Interessengemeinschaft der ländlichen Bevölkerung, weitern das Riesemwerf B astians über Vorderindien: fo ist jenem Zoll privilegium die leßte Stunde nahe. Man Ideale Welten nach uranographischen Provinzen. hat diése gefährlichste Form des Privilegs gewählt, weil Ethnologische Zeit- und Streiifragen nach Gesichtssie die bequemste ist; die für die Agrarier nüßlichste ist punkten oder indischen Völkerkunde. (Drei Bände sie nicht.

mit 22 Tafeln, Berlin, E. Felber 1892).

1892). Es ist Die Identifizirung von Agrariern mit Landwirtschaft wiederum eine Leistung so ganz und gar der Persönlichist einer der hübschen Einfälle, mit der die sehr entbehr keit des unermüdlichen Altmeisters der modernen Ethnolichen Herren die Notwendigkeit ihres Daseins zu_be- logie entsprechend, nur noch folossaler und gigantischer, als weijen lieben. Daß ein Großgrundbesißer an der Ron- die früheren. Ich kann es mir nicht versagen, einige junktur zu Grunde geht, ist kein wichtigeres Ereignis, als Worte aus der Beurteilung anzuführen, die ein berufener wenn ein Krämer banferoit, ein Arbeiter arbeitlos wird. Die Landwirtschaft wird erst dann ihren Zweck cr *) Des zehnten Stüdes der Jahresrevuen Schluß. füllen, wenn die Großgrundbesißer ausgestorben sind.

**j Von den in ihrer Art sehr wertvollen Veröffentlichungen des Museums für Völkerkunde glauben wir an dieser Stelle absehen zu

müssen, weil es sich dort mehr um ein spezielles ethnologisches Inter1) Statistik von 1882.

effe an prinzipielen Funden und Ausgrabungen handelt.

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