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Erst in den lezten Jahren ist hierin eine erfreuliche neueren holländischen Romandichtung bezeichnet werden Wendung zum Besseren eingetreten und die holländische muß, {chweigt sich vollständig aus. Bedauerlich ist dieses Litteratur der jüngsten Zeit hat einen solch mächtigen Schweigen auch von einem andern der neueren SchriftAufschwung genonnen, daß das Interesse' vollständig steller, van Groeningen, der mit seinem Roman gerechtfertigt erscheint, welches man neuerdings bei uns „Martha de Bruin“ so große Hoffnungen erweckte. sowol als auch im Auslande den Schöpfungen des Martha de Bruin sollte den Anfang eines größeren jungen holländischen Schrifttums entgegenbringt. Es ist Romanzyklus bilden, aber mißliche äußere Ilinstände, an dieser Stelle bereits verschiedentlich auf die Umwälzung insbesondere die Verständnislosigkeit, mit der Presse und hingewiesen worden, welche in den leßten fünf bis acht Publikum in Holland sein Wert aufnahm, haben dem Jahren mit der holländischen Litteratur vor sich gegangen Autor die Fortsețzung verleidet. Martha de Bruin ist ist

, iind auch einige der Hauptvertreter des jungen Hollands ein Konfektionösen - Roman. Wir haben in der neueren sind den Lesern des Magazins nicht unbekannt. Ich Litteratur, besonders in der deutschen, ja durchaus feinen werde mich deshalb bei meiner Aufgabe, einen lleberblick Mangel an Romanen, in denen die' fonfeftionöje als über die wichtigsten Erscheinungen der holländischen Heldin figurirt. Aber welcher Unterschied zwischen diesen Litteratur während des leßten Jahres zu geben, möglichst Romanen und Martha de Bruin! auf den mir angewiesenen Zeitraum beschränken, ohne im Die deutschen Romane dieses Genres, meist mit nachInteresse der Vollständigkeit meiner llebersicht auf ein geahmter parisérischer Eleganz in der Form, entbehren gelegentliches Zurückgreifen auf frühere Jahre ganz zu felten einer gewissen Pikanterie bei aller Tragit der verzichten.

Handlung, es ist meist Nachtischware, die sich sehr bequem bei einer Tasse Staffe oder auch gelegenilich im Eisen

bahncoupee verdanen läßt. Der holländische Roman verDie auch bei andern Litteraturen zu machende Wahr- schmäht alles Leichtflüssige und Pikante. Markig und herb nehmung, daß die beim Auftreten der jungen Richtung in der Form, von denkbarster Einfachheit in der Handling, so reichlich wuchernde lyrische Produktion in der Folgezeit entrollt er ins mit einer rücksichtslojen Realistik, ingezu Gunsten des Romans und der Novelle zurücktritt, scheut vor Staatsanwalt und Polizei, das düstre Bild trifft bei dem holländischen Schrifttum ebenfalls zu. eines Menschenlebens, wie es typisch ist für unsere Auf dem Gebiet der Lyrik ist das leşte Jahr wenig moderne Zeit, tragisch und bedauernswert, ergreifend fruchtbar gewesen. Unter den neiten Erscheinungen auf und packend. Es ist keine Eisenbahn- und Damenlektüre, diesem Gebiete ist eigentlich nur eine zu nennen, die es ist keine Erholung für müßige Stunden, es ist ein allerdings im so vollwichtiger ist, der Gedichtband von modernes Litteraturdenkmal im besten Sinne des Wortes. Helene Swarih „Poezie". Helene Swarth ist ohne ilm jo bedauerlicher, daß der Autor jelber sein reiches, Zweifel das bedeutendste lyrische Talent, das Holland kräftiges Talent jo völlig brach liegen läßt. gegenwärtig aufzuweisen hat. Der vorliegende Bånd be Nur einer von den alten Jungen“ ist in diesem stätigt dies aufs neite.

Jahre mit einem neuen Wert vor die Deffentlichkeit geIhr Ideenkreis ist nicht groß, die Gedichte sind fast treten. Frans Netscher, der mit seinen beiden Noalle aus einer Stimmung herausgeschrieben, und doch vellcnsammlungen ,,Studien nach dem nackten Modell" wirft Helenc Swarth niemals ermüdend. Der zartfließende und Menscheit um uns“ im Anfang der realistischen Wollaut ihrer Verse schmeichelt sich angenehm in unser Bewegung in Holland großes Aufsehen erregt hat, obDhrein und die Innerlich feit und Wärme ihrer wol die Novellen bei weitem harmloser find, als der Empfindung verfehlt nie ihre nachhaltige Wirkung auf reklamesüchtige Titel der ersten Sammlung vermuten läßt. unser Gemüt. Ihre Poesie läßt sich nicht in den engen Die Novellen Netschers lesen sich wie Romanfragmente Rahmen einer Schule einzwängen, sie ist nichts weniger und auch sein neuer zweibändiger Roman „Egoisme“ als eine Revolutionärin auf dem Gebiete der Kunst, sie hat froß seines Ilmfanges etwas Fragmentarisches an sid). ist nid)t einmal modern in dem Sinne, den man dem Man kann die Leftüre nach dem ersten Teile oder an Worte für gewöhnlich beimißt. llnd doch ist ihre Lyrif irgend einer beliebigen Stelle des Romans beendigen, im Vergleich mit den früheren Schöpfungen der holländi- der Eindruđ wird derselbe sein. Man ist nicht auf den fchen Litteratur so durch und durch nen, daß man sich bei Schluß neugierig, aber wenn man am Schluß angelangt der Lektüre ihrer Gedichte in eine andere Welt versetzt ist, hat man unwillfürlich das Gefühl, als ob jeßt noch glaubt. Man hat in Holland selber den Versuch gemacht, ein dritter und vierter Teil folgen müßten. Netscher die Dichterin den Symbolisten 311zuzählen. Wie mir ist ein getrenter Schüler seines Meisters. Geht Zola scheint sehr mit Unrecht. Helene Swarth ist viel zu in seiner Vorliebe für Kleinmalerei oftmals schon bis natürlich und naiv, ihre Gefühls- und Ausdrucksweise ist an die äußerste Grenze, wo die Bejchreibung anfängt, vor allem viel 311 weiblich, um mit dem selbstgefälligen kleinlich und langweilig 311 worden, so überschreitet Empfindungskokettiren des Symbolismus in Verbindung Netscher diese Grenze noch um ein Beträchtliches. Man gebracht werden 311 fönnen. Die Dichterin würde sich muß bekennen, Netscher verfügt über eine ganz unge : auch sonst wol faum in ihrer Heimat einer solch inge wöhnliche Beobachtungsgabe und wenn man den Roman teiltent, von feiner Seite bestrittenen Anerkennung zu er nur auf seine Einzelheiten hin prüft, muß man ihn als freiten haben, wie es tatsächlich der Fall ist.

eine ganz respektable Leistung bezeichnen. Aber als Ganzes vermag der Roman nicht zu befriedigen, weil

er lein Ganzes ist. Jhin fehlt vor allem der große, Von den Dichtern, die zu Beginn der jungen Be einheitliche Zug, der das Einzelne verbindet und 311wegung in den Niederlanden in die Arena fraten und sanimenhält, die gemeinsame Idee, die bei Zola auch der bis dahin so arg vernachlässigten holländischen Lyrif das Nebensächlichste im Zusammenhang crscheinen läßt einen Ehrenplaß in der Weltlitteratur sicherten, ist leider mit der Entwicklung des Ganzen. nichts neues zii melden. Auch die alten Rämpen auf Die interessanteste und zukunftsreichste Did)terdem Gebiete der Proja find recht schweigsam geworden. persönlichkeit des jungen Hollands ist Douis Couperus. Insbesondere L. van Deyffel, dessen Roman „Liebe" Seinen beiden Romanen ,, Elne Vere“ und Noodlot“ froß aller Nachahmung und Abhängigkeit von gola cin (Schidsal) hat er im letzten Jahre einen dritten folgen grandioses Werk ist und als ein Markstein in der I lasien, ,,Efstase, ein Buch vorn (Blück“, sowie einen

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Novellenband Eene Illuzie“. Was zuerst den Roman , feudaler Selbstherrlichkeit an sich, er ist ein Träumer, anlangt, so dürfte er wol faum den gleich großen ein Schwärmer, den der Gedanke an seinen fünftigen Leserfreis finden, wie die beiden vorhergehenden Romane. Herrscherberuf tief unglücklich macht, da er sich außer Dazu ist er in Stoff und Ausführung, zi apart, zu Standé sieht,' feinem Volfe die große Liebe zu beweisen, sehr abweichend von den, was der großen Masse ge die er für dasselbe hegt, da er sich ferner voll fommener fällt, dazu schmeđt er zil sehr nach Schule

. "Auch Ohnmacht bewust ist all dem Leiden gegenüber, das sein Couperus hat dem Schicksal nicht entgehen können,

nicht entgehen können, Volt bedrückt, da er jo gern helfen, lindern möchte iind einer

ismus-Gruppe ziigerechniet zu werden. Man doch die linmöglichkeit fühlt, dieses Elend aus der Welt betrachtet ihn in Holland als das Haupt der Sen zu schaffen. Es ist hier nicht möglich, näher auf deit sitivisten. Der Sensitivismus, wie alle die neuen Formen Inhalt einzugehen. Viel, sehr viel ließe sich noch über aus den Naturalismus erwachsen, ist eine Weiterent- den Roman sagen. Ich muß mich damit begnügen, widlung des Impressionismus und im Grunde von dem hier auf das Werk aufmerksam zu machen, das in seiner Symbolismus der Jean Moréas, Maurice Barrès, eigenartigen Gestaltungskraft eine Wirkung auf den Stephane Mallarmé 2c

. nur durch den Namen ver- Leser ausübt, wie nur wenige Litteraturerzeugnisse. Was schieden. Der Entwicklungsgang, den Couperus von besonders angenehm an dem Roman berührt, ist

, dai seinem Erstlingsroman „Eline Vere“ an bis zu dem er in feiner Weise nach Schule schniecft, wie die beiden porliegenden „Eckstase“ durchgemacht hat, tritt am deut- vorhergehenden Arbeiten von Couperuš. Es ist das lichsten in dem erwähnten Novellenband hervor. Es Werk einer großen mächtigen Dichter individualität, die ist zwar nur ein Zeitraum von wenigen Jahren, aber über jeder engherzigen Einschachtelung steht. die Veränderung ist doch deutlich genug. Die Vorliebe Ein litterarisches Ereignis bedeutete für Holland des Dichters für das Geheimnisvolle, lingewöhnliche inn das Erscheinen von Frederik van Eedens , Johannes Seelenleben des Menschen, fein fein tastendes Nachspüren Viator", der lange und mit großer Spannung erabnormer psychischer Vorgänge, seine virtuose Kraft | warteten Fortsetzung von van Eedens symbolisch-realistiim Seziren der Gedanken und Empfindungen kommt der Märchendichtung „Der kleine Johannes“. Der immer mehr zum Ausdruck

. Das Sinenleben seiner kleine Johannes, dejjen deutsche liebersetzung (von Anna Personen geht ihm über alles; durch äußere Geschehnisse Fles, Hendels Bibl. ). Gesamtlitt.) leider bei uns Interesse zu erwecken, verjchmäht er vollständig. in gänzlich unbeachtet geblieben ist

, ist eine der liebens: seinem zweiten Roman „Schickjal“ verband sich noch würdigsten Gaben der neuen holländischen Litteratur, die Schilderung psychologischer Zustände in harmonischer und die Spannung, mit der man die Fortsetzung, die Weise mit der Handlung, in „Efstase“ tritt die leptere Geschichte des groß gewordenen Johannes erwartete, bereits ganz in den Hintergrund. „Efstase“ ist die

Efstase“ ist" die | läßt fich wol begreifen. Aber der „Johannes Viator“ Geschichte zweier Menschen, die ihr höchstes Glück in rief bei den Freunden des Dichters eine allgemeine Enteiner über alles Körperliche erhabenen Seelenharmonie täuschung hervor. Man liest und schüttelt den Kopf, finden, und die sich treicht, als das phyfiche Liebes man licit weiter und crneutes Stopfichüiteln. Mian element das cfjtati de Jueinandersdmiegen ihrer Seelen wird beim besten Willen nicht flug aus dem Buche. zu zerstören droht. Es ist ein ähnlicher Stoff, wie ihn Der Autor hat soviel in sein Werf hineingeheimnist, Julius Hart jüngst in seiner Novelle „Sehnsucht“ zum daß die Leftüre nichts weniger als ein Genuß ist, Vorwurf gewählt hat, nur daß ins Hart die natur bejonders auch, da die hocht abende Sprache, die muur notwendige Tragif des Ausgangs vor Augen führt, für außergewöhnliche Sterbliche berechnet zu sein scheint während Couperiis ein Wert vorher abbricht. Wir und bei der man vergeblich nach dem poetischen Reiz haben hier, ebenso wie in der Novelle „Eine Filusion“ der Form des „seleinen Johannes“ sucht, auf die nur noch Stimmungsmalerei und weiter nichts als dieje. Dauer ermüdet. Ich will das neue Werf van Godens Das beste ans dem Novellenbande ist jedenfalls die hier nicht näher zu analysiren versuchen, ich) besitze nicht Studie „Ein Seelchen", die Erzählung vou dein Sinaben den Ehrgeiz, den mystischen Schleier 311 durchdringen, vornehmer Leute, der sich in all dem Glanz und gesell- der sich vor ihin ausbreitet

. Vielleicht entschließt sich schaftlichen Treiben seines Elternhauses tief unglücklich der Autor zur Herausgabe eines Kommentars, falls nicht fühlt aus Mangel an Liebe und Anteilnahme, da sich ein Eingeweihter die Rölle eines Dünger übernehmen will. weðer die Mutter noch die erwachsenen Geschwister im ihn fümmern, der sein Leben still dahinlebt in der Einfamfeit der Kinderkammer und in dieser Verlassenheit Aud) auf dem Gebiete des Dramas vollzieht sich auf allerhand seltsame Gedanken kommt, die ihn schließlich itenerdings in Holland cin erfreulicher Ilmschwung. Daß zum Selbstmord führen. Couperus’ Vorliebe für das dieser Ilmschwung erst so verhältnismäßig spät eintritt, Åbnorme verleugnet sich auch hier nicht, aber die Dar- fann niemandent Wunder nehmen, der da weiß, wie stellungsweise ist einfach und natürlich, fie ergreift traurig es mit den Theaterzuständen in Holland bestellt deshalb, während die nieisten der anderen Vovellen ist. Das holländische Publikum ist kein Theaterpublikum, wegen ihrer Fremdartigkeit in Inhalt imd Ausführung wie das deutsche oder französische, der Holländer hat mehr interessiren und in Erstaunch verseßen als packeri

. eigentlich nie ein rechtes Verständnis für das Theater Eine höchst erfrculiche Erscheinung bildet Couperus gezeigt, wenigstens nicht für sein Theater. Wenn man neuester Roman , Majestät“, neben „Woodlot“ sicherlich schon einmal ins Theater ging, dann wars sicherlich das Bedeutendste" und auch nach außen hin Wirkungs: in die französische Oper. lInter der llnguist dieser vollste, was der Dichter bisher gejchrieben. Es ist fein Verhältnisse konnte von einer Entwicklung des holländiSensationsroman mit allerlei versteckten Auspielungen schen Theaters natürlich nicht die Rede sein und jo und pifanten Deutungert, wie mait vielleicht vermuten verkümmerte es mehr und mehr. Hauptschuld an fönnte, es ist eine Dichtung umpersönlichster árt, hoheits- der Theatermisere war das Fehlen eines nationalen voll, „majestätisch“ nicht nur in der Handlung, sondern Dramas. Eigene Lust- und Tranerspiele sind zwar auch vor allem auch in der äußeren Form, vornehm in jedem in Holland zu allen Zeiten geschrieben worden, besonders Kapitel, in jeder Zeile. Der Held des Romans ist das vaterländische Schauspiel wurde sehr gepflegt, aber Othomar, Kronprinz von Liparien, der Erbe eines von einer Bühnenwirksamkeit war bei keinem dieser mächtigen Reiches. Othomar hat so garnichts von Stücke die Rede. Sie waren selbst den Holländern zit

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langweilig und das will bekanntlich viel heißen. | Billet Gretas teilt ihm mit

, daß ihr Kind im Sterben Man hatte sich so allmälig an den Gedanken gewöhnt, liege. Diese Nachricht erschüttert ihn tief. Er eilt hinweg, daß ein holländischer Autor überhaupt nicht fähig sei, um seinen Liebling noch einmal zu sehen. Marié bleibt ein bühnengerechtes Stück zu schreiben. Wozu auch den zurück, das fonderbare Benehmen Hermanns sowie einige hölzernen eigenen Dramen Beachtung schenken, wenn unvorsichtige Aeußerungen von ihm haben ihren Verdacht man es so bequem mit dem Import" aus Paris und erweckt. Sie fängt an, den Zusammenhang zu ahnen. Berlin hatte. 'Und daran ließ man es nicht fehlen. Sie will Gewißheit haben und eilt Hermann nach. Deutsche und französische Stücke wurden in großer An Die Komposition dieses ersten Åktes ist meisterlich. zahl überseßt oder nach holländischem Geschmack zurecht- Am Schlusse stehen wir mitten in der Handlung, die geftußt, viel wurde auch aus London bezogen, wie denn unser Interesse auf das Lebhafteste erregt. Šie Holländer überhaupt für die englische Schauer Der zweite Akt führt uns in die Wohnung Gretas. und Gespensterdramatik eine besondere Porliebe an den Das Kind ist soeben gestorben, Hermann ist verzweifelt Tag legen.

in einen Stuhl gesunken. Da geht die Tür auf, Marie Då wurde vor zwei Jahren in Amsterdam ein erscheint auf der Schwelle. Von der anderen Seite tritt Stück zur Aufführung gebracht, das einen ganz be Greta in das Zimmer. Die nun folgende Szene, in deutenden Erfolg davontrug. Únd man war in Holland der sich die beiden Frauen Auge in Auge gegenübernicht wenig überrascht, als man vernahm, daß der Autor stehen, ist die effektvollste des ganzen Stückes. Greta, diesmal kein Deutscher sei, auch kein Franzose oder durch den Tod ihres Kindes jeder kühleren Ueberlegung Engländer, sondern ein bis dahin gänzlich unbekannter unfähig, macht endlich ihren Herzen, das vier Jahre holländischer Schriftsteller. „Ehrlos“ hieß das Stück lang schweigend den Haß und die Verachtung gegen und W. G. van Nouhuys" der Autor. Es ist ein Hermann still getragen hat, Luft, und entdeckt Maria ganz modernes Stück, obgleich der Ehrbegriff, der den alles: daß er sie nur geheiratet hätte, weil sie ein „Goldtragischen Ausgang des Stückes herbeiführt, nicht den Fischchen" wäre. modernen Anschauungen entspricht und etwas stark nach Der dritte Akt, der eine Ausjöhnung zwischen den Mittelalter schmeckt. Immerhin hatte man ießt etwas, beiden Ehegatten zustande 311 bringen sucht, fällt etwas das sich wie der Anfang eines nationalen Dranias aus ab. Hermann will seine finanziellen Schwierigkeiten nahm und man jah den weiteren Schöpfungen des mit Hilfe seiner Frau, deren Kapital unberührt geAutors mit großen Erwartungen entgegen. In diesen blieben ist, regeln. Marie aber, die ießt seinen wahren Erwartungen sollte man sich nicht getäuscht fühlen. Charakter erkannt hat, glaubt ihn nur retten zu können, Nach Jahresfrist wurde ein zweites modernes Schau- indem sie ihn den harten Kampf mit dem Leben wieder spiel desselben Autors aufgeführt, „Das Goldfischchen“ aufnehmen läßt. Er soll in ihren Augen die Achtung betitelt, dessen Erfolg den von Ehrlos“ bei weitem wiedergewinnen, die er verloren hat, dann wird sie ihn übertraf. Es ist eine Ehetragödie modernster Art. Der auch wieder lieben. Bankier Hermann Floorders ist eine entnervte Natur, Es ist nicht zu leugnen, daß der Schluß den beiden ein Mann von großer Charakterschwäche, die ihren ersten Akten gegenüber matt ist. Aber er ist echt Ausdruck in seinem Hang ziim Lurus findet. Ein reiches, holländisch. Der Autor will auf jeden Fall eine bejedes Bedürfnis befriedigendes Wolleben geht ihm über friedigende Lösung und verschmäht es, das Stück mit alles. In einer dürftigen Imgebung zu leben, dünkt einem Theatereffekt endigen zu lassen, der hier sehr ihm unmöglich, Entbehrung und Armut sind in seinen leicht herbeizuführen gewesen wäre und den ein deutscher Augen schlimmer als der Tod. Ilm einer geschäftlichen Autor sich auch sicherlich nicht hätte entgehen lassen. Verlegenheit zu entgehen, hat er vor nunmehr vier Noch ein anderes dramatisches Talent ist im lekten Jahren ein reiches Mädchen geheiratet. Es war eine Jahre in Holland aufgetaucht, das, speziell vom rein Vernunftheirat, bei der das Herz nicht im geringsten litterarischen Standpunkt aus, in vieler Hinsicht noch mitgesprochen hatte. Sein Herz gehörte einem andern größere Beachtung verdient, als van Nouhuys. Es ist Mädchen, Greta, das ihm alles geopfert hatte und das eine Frau, Mevrouw Snyder vant Wiffenkerke er vielleicht auch geheiratet haben würde, wenn er sich Junius, deren Schauspiel „Lotos“ eine hochinteressante, nicht vor dem Schređgespenst der Armut gefürchtet für die Zukunft viel versprechende Leistung ist." Der hätte. Seit dieser Zeit verachtet Greta Hermann und beschränkte Raum verbietet es mir, hier näher auf das ihre Verachtung geht in Haß über, als sie sieht, wie Stück einzugehen. Vielleicht finde ich später noch einfich Hermann im Laufe der Jahre immer mehr von ihr mal Gelegenheit, auf die Verfasserin, die auch in der Noabwendet und seine Frau lieben lernt. Nur die Sorge velle Vorzügliches leistet, ausführlicher zurüczukommen. um ihr Kind, zu dem Hermann eine innige Zuneigung zeigt, da seine Ehe selber kinderlos geblieben ist, tält sie davon ab, ihren wahren Gefühlen Hermann gegenüber Ausdruck zu geben. So liegen die Verhältnisse bei Beginn des Stückes.

Der erste Aft spielt in der Wohnung von Hermann. In einer Einleitungsszene mit seinem Bruder Franz

Friedrich bebbel und die Samilie Rousseau. und dann später in einer Szene mit seiner Frau Marie

(Ungedruďte Briefe.) wird die nervöse Natur Hermanns vortrefflich gezeichnet.

Herausgegeben von Fritz Lemmermayer. Er ist heute unruhiger als sonst. Sein auffallendes

(Schluß.) Benehmen erregt besonders bei 'Marie Befremden. Auf

XI. ihre Fragen giebt er ausweichende Antworten, die in

Verehrteste Freundin! ihr ein Mistrauen aufsteigen lassen, das in der Folge Ich erröthe, indem ich das Datum Ihres lieben Briefs betrachte immer mehr zunimmt. Der wahre Grund von Hermanns und mir dabei eingestehe, daß ich ihr. wirklich erst jeßt beantworten Erregtheit' ist der schlimme Ausgang von Börsen

Börsen- soll, daß ich ihn nicht längst beantwortet habe. Sie werden denken; spekulationen, in die er sich eingelassen hat. Ein Tele das ist ein Mensch, der aus dem Erröthen gar nicht heraus kommt! gramm aus London bestätigt seine Befürchtungen, er ist und dies ist leider wahr genug. Ich weiß nicht, woher es rührt, ruinirt. Dieser Hiobspost folgt sofort eine zweite. Ein aber die Kluft zwischen mir und einer Feder ist so groß, als sollte

ich sie jedes Mal, wo ich sie brauchen will, dem schnellsten Adler nicht auf die Bretter gebracht werden, es ist durch ein positives erst ausrupfen. Das ist schlimm bei einem Menschen, wie ich, denn Gefeß verboten. man denkt sich einen Schriftsteller noch leichter ohne Finger, als Ich erlaube mir, eine Lithografie von mir beizuschließen. Das ohne Feder, indem er die leßere ja zur Noth, wie schon Erempel ist kein Beweis von Eitelkeit, sondern des Mangels an Eitelkeit. vorkommen, mit den Füßen oder mit dem Munde führen könnte. Sie ist so plump gerathen, daß nur die Rücksicht auf den Künstler, Es ist nun aber einmal so. Niemand spricht mehr und schreibt der schon gegakelt hatte, ehe sein Ei noch gelegt war, mich bewegen weniger, wie ich. Dies Mal habe ich zur Entschuldigung meiner konnte, die Ausgabe zu gestatten. Es hat mich eine junge Dame in Bögerung freilich außer diesem allgemeinen noch sehr triftige be Del gemalt und das Bild ist ausgezeichnet gelungen. Vielleicht wird fondere Gründe vorzubringen. Ich habe mich am 26sten May mit es lithografirt, und für diesen Fall behalte ich mir mein Recht vor, meiner Braut verheiratet. Sie ist Protestantin, wie ich, aber deß ein Gremplar zu senden. Nach dem beifolgenden Bilde fönnen Sie ungeachtet hatten wir mit Herbeischaffung von Papieren so viel zu fich etwas deutlicher, wie bisher vorstellen, wie ich nicht aussehe. schaffen, daß wir kaum an etwas Anderes denken konnten. Sätte

ile. man bei mir nicht aus Nütsicht auf meinen Namen, der sich wenig- Nichts Angenehmeres könnte mir begegnen, und wie sollte sie sich stens so weit von den Namen der Herren Hinz und Kunz unter nicht realisiren laßen? Wien, wenn Sie noch nicht hier waren, scheidet, daß ich nicht füglich zwei Frauen nach einander nehmen würde Ihnen genug bieten, um eine Reise zu lohnen und man reis't könnte, ohne dafür öffentlich gezüchtigt zu werden, ein wenig durch jezt so leicht und schnell. Meine Frau, die sich Ihnen und Ihrer die Finger gesehen, so würde ich noch nicht am Ziel seyn. Wie verehrten Familie auf's Beste empfehlen läßt, wünscht es eben jo lernte ich die freien französischen Formen, die die menschlichen Ver sehnlich, wie ich selbst, Sie hier begrüßen zu können. Ihre Freundin, hältniße längst vom kirchlichen Firlefanz losgemacht haben, auf's Fräulein Lewald, werde ich, troß meiner Abneigung gegen DamenNeue schäßen! Dort geht man zum Maire, wenn man nicht zum Schriftstellerei, mit Vergnügen kennen lernen, wenn sich die GePfaffen will

, und mit einer einfachen Erklärung ist alles abgethan. legenheit bietet. Meine Arbeiten ruhen jetzt ganz; ich bin im Nun ist alles vorüber. Ich bin im Besiß des edelsten Herzens Sommer immer ein Brunen ohne Eimer, obgleich nicht ohne Waßer. von der Welt uud habe alles, was man auf Erden haben kann. Seyn Sie überzeugt, daß das auf so schmerzlich-heilige Weije Was dem Ruhm anlangt, von dem Sie glauben, daß er mir angeknüpfte stille Freundschafts-Verhältniß mit Jhnen mir ewig so auch zu Theil werden könnte, so gestehe ich Ihnen aufrichtig, daß er theuer bleiben wird, als es bisher war, und werden Sie nur nicht mir nicht bloß gleichgültig, sondern auch entschieden verächtlich ge müde, mir dann und wann zu schreiben. worden ist. Dem höheren Menschen wird ein großer Begriff von Mit den herzlichsten Grüßen der Menschheit angeboren, damit er alle seine Kräfte aufbiethe, etwas

Ihr wahrer Freund für sie zu thun. Ist es gethan, so ekelt ihn der Lohn, den sie reicht,

Friedrid) Sebbel. denn sie bezahlt das Höchste und das Niedrigste auf gleiche Weise (ud: die ehemalige von meiner Braut). und wer würde nicht schaudern vor einem Lorbeerkranz, wenn er

Wien, den 6. Junt) 1876. weiß, um welche Stirnen er sich schon herumgezogen hat. In unserer Zeit nun zumal wird der Ruhm nicht mehr durch gewaltige Geistesträfte, durch hervorragende Leistungen, sondern auf industriellem

XII. Wege erworben. Weldhe Subjecte find nicht berühmt! Glüdlicher

Wien, den 26. Novbr. 1849. weise belohnt sich im Aesthetischen, wie im Sittlichen, die That

Verehrte Freundin! unmittefbar durch sich selbst, durch Steigerung der inneren Potenz, Es hat mich aufrichtigst gefreut, ein Lebenszeichen von Ihnen durch schärferes Erkennen der ewigen Verhältnise. Wehe dem, dem zu erblicken. Zwar bin ich selbst Schuld daran, wenn es so lange dieß nicht genügt! Ich darf hoffentlich so sprechen, ohne mit dem ausblieb, denn ich hätte Ihnen längst schreiben sollen. Doch, was Fuchs, der die Trauben für sauer erklärte, Aehnlichkeit zu erhalten, gerieth im vorigen Jahr nicht in's Slocken! Und eigentlich hatten denn bei den Erfolgen, die ich bis jeßt fand, sind mir noch größere Sie doch zuerst die großen Pausen in uns're Corespondenz eingeführt, ziemlich gewiß, ich rede also nicht von Dingen, die mir unerreichbar

denn auch

Antwort auf meinen leßten Brief ließ sich ein volles find Neulich besuchte mich ein italiänischer Abbate, der Judith und Jahr lang erwarten. Maria Magdalena in's Italiänische überseßt hat; es machte mir Bu Threr Verheiratung wünsche ich Shnen von Herzen Glüd. Freude, meine deutschen Gedanken in dieser wohlklingenden Sprache Gewiß gibt es wenig Menschen, die von der Natur bestimmt sind zu vernehmen. Kennen Sie die Maria Magdalena ?

außer der Ehe zu leben und von diesen Wenigen dürfte Seiner zu Es wäre mir sehr interessant, Ihre Gedanken über diese beneiden seyn. Die Trennung von Ihrer Mutter hat Sie natürlich problematische Production, die nicht ohne moralische Folgen bleiben schmerzen müßen, aber diesem Schmerz kann eine Tochter nur selten wird, wenn ich nach dem Aufruhr, den sie gleich beim Erscheinen entgehen, wenn sie ihre Bestimmung erfüllen will. jhren Herrn erregte, schließen darf, zu hören. Neulich erschien bei Campe ein Gemahl kennen zu lernen, würde mir in jedem Fall sehr lieb serin; fleines Büchlein: „Ueber den Einfluß der Weltzustände auf die dann lernte ich dodh auch Sie endlich persönlich kennen. Ilnd wer Richtungen Ser Kunst und über die Werte Friedrich Hebbels, von weiß, ob ich Sie mit meiner Frau nicht einmal in Ihrer ländlichen Felix Bamberg,“ das manche richtige Ansicht neben mancher ver Einsamkeit überrasche! Nur müßten Sie mir zuvor etwas Näheres tehrten über mich und meine Ideen enthält. Vielleicht kommt es über Weg und Steg inittheilen, denn ich weiß in geographischer BeIhnen zu Gesicht.

ziehung auf der Erde nicht beßer Bescheid, wie Stiler auf dem Es würde ganz gewiß für mich ein großer Genuß seyn, wenn Grunde des Meeres. ich meine Frau in meinen Dramen sehen könnte. Aber daran ist in Was mich betrifft, so geht es mir in meinem Hause gut und Wien nicht zu denken, obglelch das Publicum es wünscht. Zwischen in der Welt nicht schlecht. Statt des Söhnchens, dessen Geburt ich dem Theater, wie es ist, und dem Dichter, der die Kunst zur Ihnen vor drei Jahren anzeigte, erfreut mich ein Töchterchen, das Trägerin reformatorischer Ideen macht, und nur der ist Dichter, feinen Geburtstag Weihnachten zum zweiten Mal feiert. Meine Frau der dieß thut, fließt ein Ocean; zwischen mir und dem Hofburg und ich selbst sind gesund, obgleich Erstere sich sehr anstrengen muß theater zu Wien fließt ein doppelter. Alle glauben, es ließen sich und die Schauspielfunst wahrlich, wenn sie nicht bloß der Gage Brüden hinüber schlagen, nur ich selbst nicht, wenigstens jeßt nicht. wegen betrieben wird, am Kern des Lebens zehrt. Es ist Schade, Auf einen der größten Genüße muß ich also Berzicht leisten. Sonst daß Sie sie nicht sehen können; ich spreche nicht als ihr Mann, sondern ist meine Frau für die Judith geboren, in ganz Deutschland findet als falter Kritiker, wenn ich sage, daß manche ihrer Leistungen eine sich für diesen Charakter keine zweite Darstellerin, wie sie. Das hat Reise von hundert Meilen verdient. In Deutschland existirt sie nur fie ja auch seit Eristenz des Stüds gefühlt und sich seit Jahren einmal, darin find fie alle einig, und in Frankreich wahrlich auch Mühe gegeben, eß mit Veränderungen, auf die Bühne zu bringen, nicht zwei Mal. Ihre Maria Stuart, ihre Judith, ihre Klara in aber umsonst. Bibel-Personen, Heilige und ähnliches Volf darf hier der Maria Magdalena 2c. wird man nicht wieder erbliden! Meine

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eigene Thätigfeit ist gleidfalls groß. Bei Gerold in Wien erscheint zu Neujahr von mir eine neue Tragödic Herodes und Marianne, die nach meinem eigenen Gefühl und dem Urtheil der zwei oder drei Kunstrichter, deren Deutschland sich rühmen kann, hodh über allen meinen bisherigen Sachen steht. Ich habe drei Jahre daran gearbeitet und die leßten Scenen geschrieben, während Wien bombardirt wurde. Sie wurde bereits im Frühling auf dem Burgtheater aufgeführt. Vor acht Tagen ging von mir ein Märchen-Lustspicl „Der Rubin“ in Scene, das im Sommer, wo ich

) in Schönbrun wohnte, entstand. Beide Werte brauchen Zeit, um bei der Maße durchzudringen, denn freilich ist mehr hineingelegt, all man im Schlaf wieder heraus nehmen kann. Herodes imponirte, aber er flößte feine Liebe ein. Der Rubin befremdete, doch bei jeder neuen Vorstellung wächset die Theilnahme. Judith und Maria Magdalena waren früher gedrudt, darum wurden sie schneller verstanden. Judith ist in dreiviertel Jahren 22 Mal wiederholt worden; Maria Magdalena 14 Mal und noch immer hält sich das Hans bis zum Brechen. Weber in Leipzig dru&t von mir einen komischen Roman - Schnock, den Ihr ”ruder sdon kannte. Mir eine sehr liebe Production, das Bild der Welt in einem Stednadelknopf. Ich mache sie aufmerksam darauf, er erscheint mit Holzschnitten.

Zu alledem habe ich vor vierzehn Tagen die Redaction des Feuilletons der Österreich'schen Reichszeitung übernommen. Es existirt nämlich in Wien nicht ein einziges kritisches Forum, das Achtung verdiente und ein solches will ich gründen. Freilich stört mich das im Hervorbringen und winn man, wie ich, noch Dußende von großen Dramen im Kopfe hat, sollte man die Zeit für den höchsten Schaß halten. Doch, dem Kritif - Inwesen muß ein Ende ges: macht werden und was man nicht selbst thut, das geschicht nicht. Darum ging ich endlich auf den schon oft an mich gerichteten Antrag ein. Daß es den hiesigen Sudlern nicht angenehm ist, können Sie denken. Sie suchen mir das Leben schwer zu machen, wie sie nur fönnen. Doch ohne Mückenstiche geht's in der Welt nicht ab.

Darf ich Sie bitten, mich Ihrem Herrn Gemahl bestens zu empfehlen und Ihre Familie freundlichst von mir zu grüßen? Auch meine Frau trägt mir einen herzlichen Gruß an Sie und die Ihrigen auf, und bin ich, wie immer

Ihr wahrhaft ergebener

Stiegen wir auf lichten Piaden,
Muntre Wanderkameraden,

In die Dämmerung der Schlucıt;
Blüte jahen wir und Frucht
In dem sprühuden Tau fich baden;
Wie zur ersten Frühlingsfeier
Wob der Felsen, dicht bele
Einen feuchten Funfelschleier
Um sein immergrünes Haupt.

Wo der Bergpfad, übersponnen
Von dem Flimmer fleiner Sonnent,
Steil sich nach der Tiefe bog,
Langjam aufwärtssteigend zog
Eine Schar von jungen Nonnen.
Ernst beschaulid) uns entgegen,
Paarweis schritten fie dahin,
Wolbehütet allerwegen
Von der würdgen berin.

Friedrich Hebbel.

N. S. Adreßiren Sie bloß: Dr. Hebbel in Wien, jo trifft mic) jeder Briej.

Plößlich flärte frohes Staunen
Ihre stillen, sonnenbraunent
Mienen wie mit Zauberzwang:
„Unsrer Muttersprache Klang;
Deutsche !" hörten wir sie raunen.
Ihre frommen Augen lohten
Wie von längst versagtem Glanz
Einen Gruß den flüchtgen Boten
Ihres fernen Vaterlands.

Damit ist die Correspondenz Hebbels mit der Familie Rousseau geschlossen. Diese Briefe, im Zusammenhange mit den im 2. Band des Hebbelschen Briefwechsels gedruckten, geben ein schönes Ganzes, das beiden Teilen zur Ehre gereicht. Die Freundschaft zwischen den beiden! jungen Männern war ein Verhältnis jeltenet Art. Sic hatten sich, wie Hebbel bekennt, nicht zu einem Spaziergang die Hand gegeben, sie waren init ihrem Herzblut an einander geleimt. Sie drückten nicht vor dem Ernst der Welt die Augen zu, um ungestört mit ihren Blumen zit tändeln; sie feierten ein Bacchanal der Schmerzen. Etwas davon klingt nach in diesen Blättern.

Faum gefunden, schon gemiedent,
llnd auf ihrem Weg zum Frieden
Nimmer hemmten sie den Lauf;
Wir hinab und sie hinauf,
Für die Ewigkeit geschieden.
Nieder flommen wir zitm Hrunde,
Wu des Stromes Riesenfraft
Aus dein dunklen Höllensdylunde
Wütend eine Bahn sid) schafft.

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Uebermächtig scholl das Toben;
Aber hoch am Felsen droben
Sahn wir schwarze Fraiten stehu,
Sahen weiße Tücher wehi,
Winkend in die Luft gehoben.
Bei dem Tempel, drin der Heiden
Göttin schläft in ewger Ruh,
Winkten ein vertraulich Scheiden
11ns die Gottesbräitte zit.

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