Billeder på siden
PDF
ePub

:

[ocr errors]

I

mögliche Maß von Glück und Gewinn hat. Ein jeder | sache, daß mit der jeßt angestrebten Ausnüßung des Ge. müsse fich selbst genau tariren können, er müsse wissen, lehrten im Dienste einer Wissenschaft die Bildung des wieviel er vom Leben zu fordern habe. Der Bund von Gelehrten immer zufälliger und unwahrscheinlicher werde. Intelligenz und Befiß, den man nach diesen Anschauungen Denn so in die Breite ausgedehnt ist jeßt das Studium behauptet, gilt geradezu als eine sittliche Anforderung der Wissenschaften, daß, wer bei guten, wenngleich nicht

. Jede Bildung ist hier verhaßt, die einsam macht, die extremen Anlagen, noch in ihnen etwas leisten wiú, ein über Geld und Erwerb hinaus Ziele stedt, die viel Zeit ganz spezielles Fach betreiben wird, um alle übrigen dann

, verbraucht! .

Man pflegt wol Yolche andere Bildungs- aber unbekümmert bleibt. Wird er nun schon in seinem tendenzen als „höheren Egoismus“, als „unsittlichen Fach über dem Vulgus stehen, in allem übrigen gehört

, Bildungsepikureismus“ abzutun. Nach der hier geltenden er doch zu ihm d. h. in allen Hauptsachen. So ein er. Sittlichkeit wird freilich etwas Umgefehries verlangt

, flusiver Çochgelehrter ist dann dem Fabritarbeiter ähnlich, nämlich eine rasche Bildung, um schnell ein geldver- der sein Lebelang nichts anderes macht als eine bestimmte dienendes Wesen werden zu können, und doch "eine jo Schraube oder Handhabe, zu einem bestimmten Werkzeug gründliche Bildung, um ein sehr viel Geld verdie- oder zu einer Maschine, worin er dann freilich eine un. iicndes Wesen werden zu können.' Dem Menschen wird glaubliche Virtuosität erlangt. In Deutschland, wo man nur so viel Kultur gestattet, als im Intereffe des Er versteht, auch solchen schmerzlichen Tatsachen einen glor. werbs ist, aber so viel wird auch von ihm gefordert. reichen Mantel des Gedankens überzuhängen, bewundert Kurz: die Menschheit hat einen notwendigen Anspruch man wol gar diese enge Fachmäßigkeit unserer Gelehrten auf Erdenglück – darum ist die Bildung notwendig (

und ihre immer weitere Åbirrung von der rechten Bildung aber auch nur darum!

als ein fittliches Phänomen: Die Treue im Kleinen", „Hier will ich etwas einschalten“, sagte der Philosoph die „Kärrnertreue“ wird zum Pruntthema, die Unbildung „Bei dieser nicht uindeutlich charakterisirten Anschauung jenseits des Faches wird als Zeichen edler Genügsamkeit entsteht die große, ja ungeheure Gefahr, daß die große zur Schau getragen. Masse irgendwann einmal die Mittelstufe überspringt und Es find Jahrhunderte vergangen, in denen es fich direkt auf dieses Erdenglück losgeht. Das nennt man von selbst verstand, daß man unter einem Gebildeten den jeßt die „soziale Frage". Es möchte nämlich dieser Gelehrten und nur den Gelehrten begriff; von den Er. Mafie so scheinen, daß deninach die Bildung für den fahrungen unserer Zeit aus würde man sich schwerlich zu gröften Teil der Menschen nur ein Mittet für das einer so naiven Gleichstellung veranlaßt fühlen. Denn Erdenglück der Wenigsten sei: die möglichst allgemeine icßt ist die Ausbeutung eines Menschen zu Gunsten der Bildung schwächt die Bildung so, daß fie gar keine Privi- Wissenschaften, die ohne Anstand überall angenommene legien und gar keinen Respekt mehr verleihen kann. Die Vorausseßung: wer fragt sich noch, was eine Wissenschaft alerallgemeinste Bildung ist eben die Barbarei. Doch wert jein mag, die jo vampyrartig ihre Geschöpfe verich will deine Erörterung nicht unterbrechen.“

braucht. Die Arbeitsteilung in der Wissenschaft strebt Der Begleiter fuhr fort: „Es giebt noch andere praktisch nach dem gleichen Ziele, nach dem hier und da Motive für die überall so tapfer angestrebte Erweiterung die Religionen mit Beivustsein streben: nach einer Verund Verbreitung der Bildung, außer jenem so beliebten ringerung der Bildung, ja nach einer Vernichtung der. nationalökonomischen Dogma. In einigen Ländern ist selben. Was aber für einige Religionen, gemäß ihrer

. die Angst vor einer religiösen Unterdrückung so allgemein Entstehung und Geschichte, ein durchaus berechtigtes Ver- . und die Furcht vor den Folgen dieser Unterdrückung so langen ist, dürfie für die Wissenschaft irgendwann einmal ausgeprägt, daß man in allen Gesellschaftsflaffender eine Selbstverbrennung herbeiführen. Jeßt sind wir bereits Bildung mit rechzender Begierde entgegenfommt und auf dem Punkte, daß in allen allgemeinen Fragen ernst. gerade die Elemente derselben einschlürft

, welche die hafter Natur, vor allem in den höchsten philosophischen religiösen Instinkte aufzulösen pflegen. Anderwärts hin- Problemen der wissenschaftliche Mensch als solcher garnicht wiederum strebt ein Staat hier und da im seiner eigenen nehr zu Wort kommt: wohingegen jene flebige verbinExistenz willen nach einer möglichsten Ausdehnung der dende Schicht, die sich jeßt zwischen die Wissenschaften Bildung, weil er sich immer noch stark genug weiß, auch gelegt hat, die Journalistit, hier ihre Aufgabe zu erfüllen die stärkste Entfeffelung der Bildung noch unter sein Joch glaubt und sie nun ihrem Wesen gemäß ausführt, d. h. spannen zu fönnen, und es bewährt gefunden hat, wenn wie der Name sagt, als eine Tagelöhnerei. die ausgedehnteste Bildung seiner Beamten oder seiner In der Journalistik nämlich fließen die beiden Rich. Heere zuleßt immer nur ihm selbst dem Staate tungen zusammen: Erweiterung und Verminderung der im Wetteifer mit anderen Staaten zu Gute fommt. In Bildung reichen fich hier die Hand; das Journal tritt diesem Falle muß das Fundament eines Staates ebenso geradezu an die Stelle der Bildung, und wer, auch als breit und fest sein, um das fomplizirte Bildungsgewölbe Gelehrter, jeßt noch Bildungsansprüche macht, pflegt sich noch balanziren zu können, wie im ersten Fall die an jene klebrige Vermittlungsschicht anzulehnen, die zwischen Spuren einer früheren religiösen Unterdrückung noch Lebensformen, allen Ständen, allen Künsten, allen fühlbar genug sein müssen, um zu einem so verzweifelten

miss ouichaften die Fugen verfittet, und die so fest und Gegenmittel zu drängen.

zuverlässig ist, wie eben Journalpapier zu sein pflegt

. Wo also nur das Feldgeschrei der Maffe nach weitester Im Journal fulminirt die eigentümliche Bildungsabsicht Volfsbildung verlangt, da pflege ich wol zu unterscheiden, der Gegenwart: wie ebenso der Journalist, der Diener ob eine üppige Tendenz nach Erwerb und Besiß, ob die des Augenblicks, an die Stelle des großen Genius, des Brandmale einer früheren religiöjen Unterdrückung, ob Führers für alle Zeiten, des Erlöfers vom Augenblid, das fluge Selbstgefühl eines Staates zu diesem Felds getreten ist. Nun sagen Sie mir selbst

, mein ausgezeich. geschrei stimulirt hat.

nieter Meister, was ich mir für Hoffnungen machen sollte, Dagegen woûte es mir erscheinen, als ob zwar nicht im Kampfe gegen eine überall erreichte Verkehrung aller so laut, aber mindeftens so nachdrüdlich von verschiedenen eigentlichen Bildungsbestrebungen, mit welchem Mute ich, Seiten aus eine andere Weise angestimmt würde, die als einzelner Lehrer, auftreten dürfte, wenn ich doch weiß, - Weise von der Verminderung der Bildung.

wie über jede eben gestreute Saat wahrer Bildung sofort Man pflegt fich etwas von dieser Weise in allen ge schonungslos die zermalmende Walze dieser Pseudo. lehrten Streisen ins Ohr zu flüstern: die allgemeine Tats | Bildung hinweggehen würde. Denken Sie sich, wie nußlos

[ocr errors]
[ocr errors]

jeßt die angestrengteste Arbeit des Lehrers sein muß, der fehlt gerade hier an wirklich erfinderischen Begabungen, etwa einen Schüler in die unendlich ferne iind schwer zu es fehlen hier die wahrhaft praktischen Menschen, das ergreifende Welt des Hellenischen, als in die eigentliche heißt diejenigen, welche gute und neue Einfälle haben und Bildungsheimat zurückführen möchte: wenn doch derselbe welche wissen, daß die rechte Genialität und Sie rechte Schüler in der nächsten Stunde nach einer Zeitung oder Praxis fich notwendig im gleichen Individuum begegnen nach einem Zeitroman oder nach einem jener gebildeten müssen: während den nüchternen Praktifern es gerade an Bücher greifen wird, deren Stilistit schon das efelhafte Einfällen und deshalb wieder an der rechten Praxis fehlt. Wappen der jeßigen Bildungsbarbarei an fich trägt." - Man mache sich nur einmal mit der pädagogischen

Nun halt einmal stia!“ rief hier der Philosoph Litteratur dieser Gegenwart vertraut; an dem ist nichts mit starker und mitleidiger Stimme dazwischen, „ich be- mehr zu verderben, oder bei diesem Studium nicht über greife dich jeßt besser und hätte dir vorher fein so böses die alerhöchste Geistesarmut und über einen wahrhaft

' Wort sagen tollen. Du hast in allem Recht, nur nicht täppischen Zirkeltanz erschrict. Fier muß unsere Philoin deiner Muilosigkeit. Ich will dir jeßt etwas zu deinem sophie nicht mit dem Erstaunen, sondern mit dem ErTroste sagen."

schređen beginnen: wer es zu ihm nicht zu bringen ver

mag, ist gebelen, von den pädagogischen Dingen seine 3 weiter Vortrag.

Hände zu lassen. Das Umgefehrte war freilich bisher die

Regel; diejenigen, welche erschraken, liefen wie du, mein Gehalten am 6. Februar 1872.

armer Freund, scheu davon, und die Nüchternen UrMeine verehrten Zuhörer! Diejenigen unter Ihnen, erschrockenen legten ihre breiten Hände recht breit auf die welche ich erst von diesem Augenblicke an als meine 311- alerzarteste Technik, die es in einer Kunft geben kann, hörer begrüßen darf und die von meinem vor drei Wochen auf die Technik der Bildung. Das wird aber nicht lange gehaltenen Vortrage vielleicht nur gerüchtweise vernommen mehr möglich sein; es mag nur einmal der ehrliche haben, müssen es sich jeßt gefallen lassen, ohne weitere Mann kommen, der jene guten und neuen Einfälle hat Vorbereitungen mitten in ein ernstes Zwiegespräch einge- und zu deren Verwirflichung mit allem Vorhandenen zu führt zu werden, das ich damals zu erzählen angefangen brechen wagt, er mag nur einmal an einem großartigen habe und an dessen leßte Wendungen ich heute erst erinnern Beispiel es vormachen, was jene bisher allein tätigen werde. Der jüngere Begleiter des Philosophen hatte fo- breiten Hände nicht nachzumachen vermögen dann wird eben in ehrlich vertraulicher Weise sich vor seinem be- man wenigstens überall anfangen zu unterscheiden, dann deutenden Lehrmeister entschuldigen müssen, weshalb er. wird man wenigstens Gegensaß spüren und über die Urunmutig aus seiner bisherigen Lehrerstelluug ausgeschieden sachen dieses Gegensaßes nachdenken fönnen, während jeßt sei und in einer selbstgewählten Einsamkeit ungetröstet noch so viele in aller Gutmütigkeit glauben, daß die seine Tage verbringe. Åm wenigsten sei ein hochmütiger breiten Hände zum pädagogischen Handwerk gehören.“ Dünfel die Ursache eines solchen Entschlusses gewesen.

„Ich möchte, mein geehrter Lehrer," sagte hier der Be. „Zuviel,“ sagte der rechtschaffene Jünger, „habe ich von gleiter, daß Sie mir an einem einzelnen Beispiel selbst zu Ihnen, mein Lehrer, gehört, zu lange bin ich in Ihrer jener Şoffnung verhülfen, die aus Ihnen so mutig zu Nähe gewesen, um mich an imser bisheriges Bildungs- mir redet. Wir kennen beide das Gymnasium; glauben und Erziehungswesen gläubig hingeben zu können. Ich Sie 3. B. auch in Hinsicht auf dieses Institut, daß hier empfinde zu deutlich jene heillosen Irrtümer und Mis. mit Ehrlichkeit und guten, nieuen Einfällen die alten stände, auf die Sie mit dem Finger zu zeigen pflegten: zähen Gewohnheiten aufgelöst werden könnten? Hier schüßt und doch merke ich wenig von der Araft in mir, mit der nämlich, scheint eś mir, nicht eine harte Mauer gegen die ich, bei tapferem Kampf, Erfolge haben würde, mit der Sturmböcfe eines Angriffs, wol aber die fatalste Zähigich die Bollwerke dieser angeblichen Bildung zertrümmern keit und Schlüpfrigkeit aller Prinzipien. Der Angreifende fönnte. Eine allgemeine Mutlosigkeit überkam mich; die hat nicht einen sichtbaren und festen Gegner zu zermalmen; Flucht in die Einsamkeit war nicht Hochmut, nicht Ueber dieser Gegner ist vielmehr maskirt, verinag sich in hundert hebung.“ Darauf hatte er, zu seiner Entschuldigung, die Gestalten zu verwandeln und in einer derselben dem allgemeine Signatur dieses Bildungswesens so beschrieben, padenden Griffe zu entgleiten, um immer von neuem daß der Philosoph nicht umhin konnte, mit mitleidiger wieder durch feiges Nachgeben und zähes Zurücprallen Stimme ihm ins Wort zu fallen und ihn so zu be- den Angreifenden zu verwirren. Gerade das Gymnasium ruhigen.

hat mich zu einer mutlosen Flucht in die Einsamkeit ge. Nun, halt einmal still, mein armer Freund," sagte drängt, gerade weil ich fühle, daß, wenn hier der Kampf er, ,,ich begreife dich jeßt besser und hätte dir vorhin sein zum Siege führt, alle anderen Fustitutionen der Bildung so hartes Wort sagen sollen. Du hast in allem Recht, nachgeben müffeii

, und daß, wer hier verzagen muß, über, nur nicht in deiner Muitlosigkeit. Ich will dir jeßt etwas haupt in den ernstesten pädagogischen Dingen verzagen zu deinem Troste fagen. Wie lange glaubst du wol, daß muß. Also, mein Meister, belehren Sie mich über das das auf dir so schwer lastende Bildungsgebahren in der Gymnasium: was dürfen wir für eine Vernichtung des Schule unserer Gegenwart noch dauern werde? Ich will Gymnasiums, was für eine Neugeburt desselben hoffen?" dir' meinen Glauben darüber nicht vorenthalten: seine Zeit „Auch ich," sagte der Philosoph, denke von der Bes ist vorüber, seine Tage sind gezählt. Der erste, der es deutung des Gymnasiums so groß als du: an dem Bil. wagen wird, auf diesem Gebiete ganz ehrlich zu sein, wird dungsziele, das durch das Gymnasium erstrebt wird, den Widerhal seiner Ehrlichkeit aus tausend mutigen müssen sich alle anderen Institute messen, an den VerSeelen zu hören bekommen. Denn im Grunde ist unter irrungen seiner Tendenz leiden sie mit, durch die Reiniden edler begabten und wärmer fühlenden Menschen dieser gung und Erneuerung desselben werden sie sich gleichfalls Gegenwart ein stillschweigendes Einverständnis; jeder von reinigen und erneuern. Eine solche Bedeutung als be. ihnen weiß, was er von den Bildungszuständen der wegender Mittelpunkt fann jeßt selbst die Universität nicht Schule zu leiden hatte, jeder möchte seine Nachkommen mehr für sich in Anspruch nehmen, die, bei ihrer jeßigen mindestens von dem gleichen Druck erlösen, wenn er sich Formation, wenigstens nach einer wichtigen Seite hin auch selbst preisgeben müßte. Daß aber troßdem eś nur als Ausbau der Gymnasialtendenz gelten darf; wie ich nirgends zur vollen Ehrlichkeit fommt, hat seine traurige dir dies später deutlich machen will

. Für jeßt betrachten Ursache in der pädagogischen Geistesarmut unserer Zeit, es wir das mit einander, was in mir den hoffnungsvollen

[ocr errors]

Gegensaß erzeugt, daß entweder der bisher gepflegte, so 1 Unterricht erteilt wird, wie an einem recht zuverlässigen buntgefärbte und schwer zu erhaschende Geist des Gym- Beispiele zu zeigen. nasiums völlig in der Luft zerstieben wird oder daß er An Stelle jener rein praktischen Instruktion, durch von Grund aus gereinigt und erneuert werden muß: und die der Lehrer seine Schüler an eine strenge sprachliche damit ich dich nicht mit allgemeinen Säßen erschrecke, Selbsterziehung gewöhnen sollte, finden wir überall die denken wir zuerst an eine jener Gymnasialerfahrungen, Anfäße zu einer gelehrthistorischen Behandlung der Mutterdie wir alle gemacht haben und an denen wir allé leiden. sprache: d. h. man verfährt mit ihr als ob sie eine tote

{ Was ist jeßt, mit strengem Auge betrachtet, der deutsche Sprache sei und als ob es für die Gegenwart und ZitUnterricht auf dem Gymnasium?

funft dieser Sprache feine Verpflichtungen gäbe. Die Ich will dir zuerst sagen, was er sein sollte. Von historische Manier ist unserer Zeit bis zit dem Grade ges Natur spricht und schreibt jeßt jeder Mensch so schlecht läufig geworden, daß auch der lebendige Leib der Sprache und gemein feine deutsche Sprache, als es eben in einem ihren anatomischen Studien preisgegeben wird: hier aber Zeitalter des Zeitungsdeutsches möglich ist: deshalb müßte beginnt gerade die Bildung, daß man versteht, das der heranwachsende edler begabte Jüngling mit Gewalt Lebendige als lebendig zu behandeln, hier beginnt gerade unter die Glasglocke des guten Geschmads und der strengen die Aufgabe des Bildungslehrers, das überall her sich sprachlichen Zucht geseßt werden: ist dies nicht möglich, aufdrängende historische Interesse“ dort zu unterdrücken,

.

„ nun so ziehe ich nächstens wieder vor, Lateinisch zu sprechen, wo vor allen Dingen richtig gehandelt, nicht erkannt weil ich mich einer so verhunzten und geschändeten Sprache werden muß. Unsere Muttersprache aber ist ein Gebiet, schäme.

auf dem der Schüler richtig handeln lerneil muß: und Was für eine Aufgabe hätte eine höhere Bildungs- ganz allein nach dieser“ praktischen Seite hin ist der anstalt in diesem Punkte, wenn nicht gerade die, autori. Deutsche Interricht auf unseren Bildungsanstalten nottativ und mit würdiger Strenge die sprachlich verwilderten wendig. Freilich scheint die historische Panier für den Jünglinge zurecht zu leiten und ihnen zuzurufen: „Nehmt Lehrer bedeutend leichter und bequemer zu sein, ebenfalls eure Sprache ernst!“ Wer es hier nicht zu dem" Gefühl scheint sie einer weit geringeren Anlage, überhaupt einem einer heiligen Pflicht bringt, in dem ist auch nicht einmal niedrigen Fluge seines gesamten Wollens und Strebens der Reim für eine höhere Bildung vorhanden. Hier kann zu entsprechen. Aber diese felbe Wahrnehmung werden sich zeigen, wie hoch oder wie gering ihr die Kunst schäßt wir auf allen Feldern der pädagogischen Wirklichkeit zu und wie weit ihr verwandt mit der Aunft seid, hier in machen haben: das Reichtere und Bequemere hüllt sich in der Behandlung eurer Muttersprache. Erlangt ihr nicht den Mantel prinkhafter Ansprüche und stolzer' Titel: das so viel von euch, vor gewissen Worten und Wendungen eigentlich Praktische, das zur Bildung gehörige Handeln, unserer journalistischen Gewöhnung einen physischen Efel als das im Grunde Schwerere erntet die Blicke der Mis. zu empfinden, fo gebt es nur auf, nach Bildung, 311 gust und Geringschäßung: weshalb der ehrliche Mensch ftreben: denn hier, in der allernächsten Nähe, in jedem auf dieses Quidproquo fich und anderen zur Klarheit Augenblicke eitres Sprechens und Schreibens habt ihr bringen muß. einen Prüfstein, wie schwer, wie ungeheuer jeßt die Aufs Was pflegt nun der deutsche Lehrer, außer diesen gabe des Gebildeten ist und wie undahrscheinlich es fein gelehrtenhaften Anregungen zu einem Studium der muß, daß viele von euch zur rechten Bildung kommen. Sprache, sonst noch zu geben? Wie verbindet er den

Im Sinne einer solchen Anrede hätte" der deutsche Geist seiner Bildungs-Anstalt mit dem Geist der Lehrer am Gymnasium die Verpflichtung, auf tausende wenigen wahrhaft Gebildeten, die das deutsche Volf von Einzelheiten seine Schüler aufmerkjam zu machen und hat, mit dem Geiste seiner klassischen Dichter und Rünstler? ihnen mit der ganzen Sicherheit eines guten Geschmacks Dies ist ein dunkles und bedenkliches Bereich, in das den Gebrauch von solchen Worten geradezu zu verbieten man nicht ohne Schrecken hineinleuchten kann: aber auch wie 3. B. von „beanspruchen“, „vereinnahmen“, „einer

„vereinnahmen", „einer hier wollen wir uns nichts verhehlen, weil irgendwann Sache Rechnung tragen", „die Initiative ergreifen“, „jelbst einmal hier alles neu werden muß. In dem Gymnasium verständlich" und so weiter cum taedio in infinitum. wird die widerwärtige Signatur unserer ästhetischen Derselbe Lehrer würde ferner an unseren klaffischen Journalistik auf die noch ungeformten Geister der JüngAutoren von Zeile zit Zeile zeigen müssen, wie forgsam linge geprägt: hier werden von dem Lehrer selbst die

zu und streng jede Wendung zu nehmen ist, wenn man das Reime zu dem rohen Misverstehenwollen unserer rechte Kunstgefühl im Herzen und die volle Verständlich Klassiker ausgefäet, das sich nachher' als ästhetische Kritik feit alles deffen, was man schreibt, vor Augen hat. Er geberdet und nichts als vorlaute Barbarei ist. wird immer und immer wieder seine Schüler nötigen, Das leßte Bereich, auf dem der deutsche Lehrer denselben Gedanken noch einmal und noch besfer aus: am Gymnafium tätig zu sein pflegt und das zudrüden und wird feine Grenze seiner Tätigkeit finden, nicht félten als die Spiße seiner Tätigkeit, hier bevor nicht die geringer Begabten in einen heiligen Schreck und da sogar

da sogar als die Spike der Gymnasialvor der Sprache, die Begabteren in eine edle Begeisterung bildung betrachtet wird, ist die sogen. deutsche Arbeit. für dieselbe geraten sind.

Daran, daß auf diesem Bereiche fich fast immer die beNun, hier ist eine Aufgabe für die sogenannte gabtesten Schüler mit besonderer Duft tummeln, sollte ,

Lust formelle Bildung und eine der allerwertvollsten; und was man erkennen, wie gefährlich-anreizend gerade die hier finden wir nun am Gymnasium, an der Stätte der fo- gestellte Aufgabe sein mag.

{

. Die deutsche Arbeit ist ein genannten formellen Bildung? Wer das, was er hier Uppell an das Individuiim; und je stärker bereits fich gefunden hat, unter die richtigen Rubriken zu bringen ver. ein Schüler seiner unterscheidenden Eigenschaften bewußt steht, wird wissen, was er von dem jeßigen Gymnasium ist, um jo persönlicher wird er seine deutsche Arbeit geals einer angeblichen Bildungsanstalt zu halten hat: er stalten. Dieses „persönliche Gestalten“ wird noch dazu wird nämlich finden, daß das Gymnasium nach seiner in den meisten Gymnasien schon durch die Wahl der ursprünglichen Formation nicht für die Bildung, sondern Themata gefordert: 'wofür mir immer der stärkste Beweis nur für die Gelehrsamkeit erzieht, und ferner, daß es ist, daß man schon in den niedrigeren Klassen das an neuerdings die Wenduing nimmt, als ob es nicht einmal und für sich unpädagogische Thema stellt, durch welches mehr für die Gelehrsamkeit , sondern für die Journalistik der Schüler zu einer

Beschreibung seines eigenen Lebens, erziehen wolle. Dies ist an der Art, wie der deutsche seiner eigenen Entwidlung veranlaßt wird.

[ocr errors]
[ocr errors]

Nun mag

man nur einmal die Verzeichnisse solcher Themata an | Hilfe eines berliner Satirenhändlers den deutschen Reictseiner größeren Anzahl von Gymnasien durchlesen, um fanzler barsch auffordert, genial zu sein und vom (flavischen zu der Ueberzeugung zu kommen, daß wahrscheinlich die „Nadavergehorsam“ unverzüglich abzulassen. allermeisten Schüler für ihr Leben an dieser zu früh Was die Herren eigentlich unter Genialität verstehen, geforderten Persönlichkeitsarbeit, an dieser unreifen Ges ist nicht ohne weiteres klar. Sie lieben nicht abstrakte dankenerzeugung ohne ihr Verschulden zu leiden haben: Spitfindigkeiten, und halten sich lieber an die dralle Anund wie oft erscheint das ganze spätere litterarische schaulichkeit des fonfreten. Senial ist Bismard. Wirken eines Menschen wie die traurige Folge jener Diese Definition ist erschöpfend, und der Kampf gegen pädagogischen Ursünde wider den Geist!

allerlei politische Unannehmlichkeiten erhielt eine fröhliche (Fortseßung folgt.)

Erleichterung und eine fiegende Kraft, indem man immer wieder dem Grafen Caprivi zu Gemüte führt, daß er nicht — Bismard sei. Es gehört vielleicht zu den grösten Glűđszufällen, die dem Schmied der deutschen Einheit beschieden gewesen, daß er der erste Reichskanzler war. So konnte man ihn nicht mit einem Vorgänger vergleichen. Politische Astrologen knüpfen ja noch immer Die Geschide der Menschen an die gerade fichtbaren Stern

bilder und bürden ihnen die Schuld auf an den fleinen Der Zweite.*)

Verdauungsbeschwerden der politischen Säugetiere.

Graf Caprivi hat das Unglück, der zweite Stanzler zit Und da ich aufbli&te,

fein; seine ewige Schuld bleibt, daß er nicht der erste Sah ich auf der Straße vor mir Dampfwandeln ein Wagenungetüm.

war, der unvergleichliche, unvergleichbare. So hat man Sausend schwirrte droben das Schwungrad, die gute alte Zeit in der Kanzlerschaft und kann sie geAber die großen Näder drunten

mächlich mit der neuen schlimmen fonfrontiren, wenigstens Wälzen fich langsam,

so lange eine milde Staatsanwaltschaft dem schöpferischen Langsam vorwärts unter Lechzen und

Stöhnen

Genius der Entrüsteten, ihren grellen Worten und ihren Und zermalmten auf der Straße den Kies

chäumenden Tiraden freieres Ausleben gestattet. Die

und die Steine Unehrlichen, die sich für getäuschte Hoffnungen zu rächen Anirschend.

begehrten, erfanden die Lehre von dem alleinunseligUnd hinter sich her an Ketten schleppte machenden Grafen Caprivi, und die ehrlich Bedrücten

der Wagen Eine riesige Schiffsdampfmaschine.

befehrten sich schnell zu dem neuen Kultus der PersönlichUnd ich trat heran;

feit, eineni Rultus im Hasse.
Doch wie ich in die Häder starrte,

In jedem politischen Persönlichkeitsfultus, mag man
Da durchzuát es mich seltsamlich,
Daß die Speichen beim Radumlauf

haffen oder vergöttern, stedt rücständiger AnthropoNach unten scheinbar rüdwärts gingen,

morphismus. Die Unfähigkeit, abstrakt zu denfen, beImmer rüdwärts nach unten nieder, darf förperlicher Zusammenfassungen, konkreter RepräsenUnd doch stampfte der Wagen vorwärts tanten der Zustände. Jden kann man nicht streichelit

, ünd rollten die Räder vorwärts unauf- Prinzipien nicht töten, Gefühle nicht stürzen, mit diesen

haltsam. Da ward ich getröstet wunderbar,

blaffen Geistern kann man nicht sinnlich verkehren; so Wie der Roloß an mir vorbeizog. bilden wir uns Menschen als greifbare Träger des UnEin Bild der Zeit:

greifbaren, und an seinen Emanationen befriedigen wir Der Wagen der Zeit rollt vorwärts uns

aufhaltsam

unser Kausalitätsbedürfnis, an sie hängen wir unsern Haß Unter Aechgen und Stöhnen,

und unsere Liebe, unsere Sehnsucht und unsern Abscheu.
Und ein Niedergang in Radumlauf. Wächst die verantwortliche Persönlichkeit und erstarft sie
Solch ein Moment ist die Gegenwart. in unserem Glauben, so werden ihre Impressionen zu
Wie wenn Fliegen auf den Speichen fißend göttlichen Taten weiser Berechnung und genialen Tief:
Sich freuen, daß sie rüdwärts niedergehen,
So ist der Spott der Gegner heute.

blics, und jeder Erfolg ist ihr Werf; mindert sich unser

Leopold Facoby Vertrauen, so wird sie zur Quelle allen Misgeschics. Man ist heute anspruchsvoll in der Politif geworden.

Das Schlimme ist, daß diese Naivetät inreifer Gehirne Insonderheit die Junkerschaft ist zu einer geistigen Bei ausgebeutet wird von listigen Intriganten und brutalen gehrlichkeit herangereift, die ich bewundern und beloben

Beutemachern. Antikaprivismus und Antisemitismus würde, wenn sie Selbstansprüche darstellte. So aber ge:

sind, wenn ich eine frühere Aeußerung wiederholen darf, rinnt die ganze Begehrlichkeit in der absoluten Forderung,

verwante Erscheinungsformen einer unentwidelten, am daß der Reichskanzler notwendigerweise ein genialer Mami Dinglichen klebenden Intelligenz, deren schwankende sein müsse, auf daß ihre Seelen etwas hätten, an das fic Hilflosigkeit von schlauen Egoisten als gefällige und sich klammerten in dieser Zeit des nivellirenden Maffell wirksame Arbeitskraft gedungen wird. tums, des demofratischen Herdentriebs. Wo nämlich der

Die Sehnsucht unserer sonst nicht so unpraktisch Litterarhistorifer schwärmend von volkstümlicher Kraft gesinnten Junker nach einem genialen Staatsmann ist spricht, da redet der agrarische Verzweiflungskämpfer von

im wesentlichen durch eine Zodherabfeßung von einer gemeinen Instinkten einer rohen, unselbständigen und ge

Mart und fünfzig Pfennigen erregt und gestärft

. Ein dankenlosen Menge, sofern ihm nicht ein gewanter Feuiủer genialer, weitblidender Staatsmann ist der, welcher zum tonist eine Auswahl neuterer Farbenmuster auf dem Gemindesten einen Fünf-Marf-Zoll bestehen läßt, ein Heros biet der Feroenindustrie zur Verfügung stellt. Es ist in

würde acht Marf, ein Halbgott zehn Mart, ein Gott der Tat ergößlich zu schauen, wie z. B. ein bairischer funfzehn Mark für ausreichend zum Schuße der LandFreiherr, der durch Äushang an der Pforte seines Schloße wirtschaft erflären. Man sieht, nirgendwo kann man so parts „Žunden und Zuben" den Eintritt untersagt, mit billig ein Genie werden, wie als Reichskanzler, nirgends

aber auch so leicht ein Dummfopf, ein Unfähiger, ein *) Die Heden des Grafen von Caprivi, 1883–1893. Heraus

Verleumder, ein Schädling. Das kommt ganz auf den gegeben von Rudolf Arndt Berlin, Ernst Hofmann u. 6. 1894. 1 3oUlsaß an, für den man sich entscheidet.

'

[ocr errors]

In der Tat unterscheidet sich die Politif Ende der in den konservativen Menschen die Erhaltung der ver. Achtziger von der, die Anfang der Neunziger getrieben schiedenen Erwerbszweige einen großen Plaß einnehmen wird, wesentlich nur iim eine Mark und fünfzig muß. Aber mir scheint, dieser Platz darf nicht so groß Pfennig.

werden, daß eben das auf das Dajèin des Staates geIm übrigen verharrt der derzeitige Geschäftsträger richtete Element im Konservativismus dadurch untergeht. des deutschen Reiches in den Traditionen seines Vor- Der Herr Abgeordnete von Kardorff hat früher einmal gängers.

die Äeußerung getan: es wäre gut, wenn es dahin Die Militärfrage steht nach wie vor im Vorder- | fäme, daß alle Minister angesessene Landwirte wären ... grund, und die chronische Heeresvermehrung wäre ich muß aber meinen, daß es wünschenswert ist, wenn zweifellos auch dann gekommen, wenn kein Kanzler- der Reichskanzler nicht Agrarier ist; denn je mehr unser wechsel eingetreten wäre. Die Kolonialpolitik, jenes Parteileben von wirtschaftlichen Interessen obedingt wird, leßte Mittel Bismarcks, mit dem er das „Empfinden umsomehr muß die Regierung fich einen freien Blick der Nation" gewaltig aufrührte. schleppt fich fort in über weite Verhältnisse, über den Staat und das Reich einem kostipieligen Siechtum, das schon vor 1890 die zu erhalten suchen, um diesen zu ihrem Rechte zu verBegeisterung abgefühlt hatte. Wir bezahlen seufzend helfen. Wenn wir den Staat agrarisch regieren wollten, die Rechnungen für Arzt und Apotheker und wehren dann würde das eine Weile ganz gut gehen, wir würden uns stolz gegen die Acquisition eines gediegenen Toten- aber in absehbarer Zeit am Ende sein, vielleicht vor sehr gräbers. Die Sozialpolitik, die zuerst flügelweit sich schweren Katastrophen stehen. Wirtschaftliche Interessen .emporschwang, versinkt in schlammigem Rinnjal, eine basiren inmer mehr oder weniger auf Egoismus, man Mäßigung, die mit den Anschauungen des Fürsten pflegt zu sagen: gesundem &goismus, während der Bismarck sicherlich zusammentrifft

. Die äußere Politik Staat Unforderungen an die Opferfähigkeit und den liegt noch immer in jenen Traumzustand einer ewigen Idealismus seiner Bürger stellt. Je weiter die ParSturzangst gebannt.

teien in das Wirtschaftsleben und dessen Interessen verDie Politik ist jeßt wie zuvor konservativ-impressio- flochten werden, umsomehr inuß es Pflicht der Staatsnistisch. Nur haben Kanzler und Monarch ihre Rollen regierung sein, die mehr idealen Interessen zu vertreten.“ getauscht. Das Impressionistische überwiegt ießt jen= Ganz ähnlich haben sich die Freisinnigen getröstet, als seits der Verantwortlichkeit. Die Tendenz ist nach wie

Die Tendenz ist nach wie sie ihre Wahlniederlage beschauten: Wir sind die Vervor auf die Erhaltung der bestehenden Ordnung ge- ireter der idealen Gesamtinteressen, im Volke grassirt richtet, die Mittel werden den wechselnden Eingebungen der wirtschaftliche Egoismus, darum sind wir besiegt und Anregungen entlehnt: eine Politik von Fall zu worden. Fall

, oder auch eine Narrousselpolitik. Und innerhalb ,,Ich befiße fein Ar und feinen Strohhalm", dieses dieser Bannmeile der landesüblichen Staatsmannskunst stolze Befenntnis ward der spöttische Refrain ater ist das Lob des Biographen nicht imberechtigt: „Graf agrarischen Schlachtgesänge: Der Besiklose ist unfähig von Caprivi hat während der kurzen und doch so er- zu erkennen! Als ob nicht die Fragen der Handelseignisreichen Zeit seiner Wirksamkeit als Reichskanzler politik nur durch theoretische Untersuchungen entschieden den deutlichen Beweis geliefert

, daß er die Persönlichkeit werden könnten!' Áls ob nicht Fürst Bismarck seine war, welche die Kraft besaß, in einer überaus schwierigen späte Bekehrung zum Schußzou damit begründete, daß Uebergangszeit, wie solche der Rücktritt Bismarcks für er damals erst angefangen hätte, die Problemie zu alle Verhältnisse naturnotwenig schaffen mußte, die Ge- | studieren; und er war doch zuvor schon Eigentümer ichide unserer inneren und äußeren Politif erfreulichen von vielen Aren und vielen Strohhalmen! Diese armAbschnitten und Wendepunkten entgegenzuführen, iind selige Argumentation aber, dieser traurige Erzeß einer daß er auch ferner der Mann sein wird, zit welchem die selbstsüchtigen Demoralisation bildet die Hauptwaffe des deutsche Nation mit Gefühlen des Stolzes und Ver- Antikaprivismus! trauens aufsieht."

Liberalisirend und ideologisch ist auch Caprivis Aber er ist nicht genial, deklamiren die „praktischen Stellung zum Sozialismus. Der Kanzler ist Todfeind Landwirte". Gewiß, und der Mangel an Genialität der Sozialdemokratie aus dreifacher Tradition: 'Als wird einmal sein historisches Verdienst sein. Er ist mehr Junker, als Militär und als Sprößling einer mit der Verwalter als Schöpfer, mehr Beamter als Künstler, Romantik eng liirten Familie; Caprivi°stammt mütter. er ist bar der pikanten Abenteuerlichkeit der Genies, die licherseits aus dem bürgerlich-romantischen Geschlecht der freigebig sind mit den Spenden ihrer Kraft, um fchließ- Röpfe. Der Junker haßt die Zerstörer des Eigentums, lich unter Hinterlassung von Schulden den genarrten der General den Internationalismus und AntimilitarisGläubigern aus dem Gesichtskreis zu entschwinden. Aber mus, der Romantifer das Plebejertum. In die Liefen

, er ist klug und besonnen, ein glänzender Debatter, ein der sozialistischen Strömung einzutauchen, wird wol fein Redner von fesselnder Urbanität und eindrucksvoller Staatsniann alter Tradition vermögen. So muß man Gewantheit mit einem starken Talent für epische An- es anerkennen, wenn der Kampf in der humanen Form schaulichkeit, er ist ein ehrlicher, offener Charakter mit des ideologischen Liberalismus geführt wird. Caprivi cinem Anflug von ideologischem liberalismus. Und hat von

von dem grösten Miserfolg 'der Bismarcfchen gerade dieses ideologische Element ist es, das den Mann Staatskunst gelernt. Er hat nicht mehr die Neigung, der Junkerschaft verdächtig und verhaßt macht. Einem den Feind in das Stahlbad eines Ausnahmegeseķes zu Ideologen ist alles zuzutrauen, selbst Humanitätsduselei

, schicken, so sehr auch allerlei scherzhafte und ernste darum schilt man seine Vornehmheit Mittelmäßigkeit, Attentate 'verlockend winken. seine Rücksicht auf Gesamtinteressen Unfähigkeit

.

Es ist ein eigenes Geschick Bismards gewesen, daß Es ist bezeichnend, daß keine Rede Caprivis mehr er seine Gegner wider willen konservirte. Die Sekte verhöhnt wurde, als jene vom 17. Februar 1893, in der der Manchestermänner hätte sich nie' als mächtige Partei er sich gegen die Intereffenpolitik wandte: „Ich muß erhalten, wenn Bismarcks Haß sie nicht gekräftigt hätte. gestehen, daß ich kein Agrarier bin; ich besiße kein Ar Auch das ist ein historisches Verdienst Caprivis, daß und feinen Strohhalm und weiß auch sonst nicht, durch das Schwanken des neuen Kurses mit den anderen wie ich dazu kommen sollte, Agrarier zu werden. Ich alten Parteien auch das Manchestertum zerrüffet wurde. weiß sehr wol, daß in der konservativen Richtung und Die Lehre von der Wunderkraft der absoluten Freiheit

« ForrigeFortsæt »