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den Waffer fällt. Dieses Wasser wird vermittelt eines Kanals durch das Thal nach der Stadt geleitet und fließt mitten durch die große Straße dem Meere zu. Die Anhöhen zu beiden Seis ten des Thales sind hoch, kahl und so abschüssig, daß man fie nur mit Lebensgefahr ersteigen könnte. Auf der westlichen An höhe, dem sogenannten „Leiter Berge“, steht eine die Stadt beherrschende Batterie mit Kasernen für zwei Compagnieen von der Linie; die Besatzung wird alle sechs Monate abgelöst, binnen welcher Zeit sie gute Erfahrung im Bergdienste machen muß, da sämmtliche militairische Uebungen unten im Thale vor sich gehen. Die Batterie kann von zwei Seiten erstiegen werden, ein in die Quere laufender Weg, der ungefähr eine Englische Meile lang ist, und eine senkrechte Stufenleiter führen beide hin an. Reisende, die von Indien heimkehren und in St. Helena Station machen, versuchen gewöhnlich die Ersteigung der Stut fenleiter, um Jedermann zu beweisen, daß die weichliche Existenz im Orient ihre Nerven noch nicht geschwächt hat. Dieses Expe riment ist für ungeübte Personen wirklich sehr mühsehlig; denn die Höhe kann nicht unter 1200 Fuß betragen, und an einigen Stellen ist der Felsen so mauerteil, daß man den Schwindel noch mehr als die Anstrengung zu befürchten hat. Die Einwoh ner der Insel, sowohl Kinder als Erwachsene, klimmen diesen halsbrechenden Pfad mit anscheinend großer Behaglichkeit hin an und herab; doch haben schon mehrere Individuen das Wagestück theuer bezahlen müssen. Zwei Soldaten vom 9lsten Regiment, die etwas benebelt waren, versuchten einmal bei einbrechender Nacht, auf der Stufenleiter nach ihrer Kaserne zurückzukehren; allein sie verloren den Schwerpunkt, taumelten ins Thal hinab und wurden zerschmettert weggetragen; ein Dritter kam mit einigen zerbrochenen Gliedmaßen davon. Der Leiter Berg endet nach dem Innern zu in einem Pik, der die Batterie noch um ein Bes deutendes überragt und auf dessen Gipfel eine schon längst uns benutzte Sternwarte angebracht ist. Ist man zum Seethore hinein gekommen, so hat man gleich die ganze Stadt vor sich liegen. Das zierliche Englische Ansehen ' muß Jeden, dessen Erwartungen die unfreundliche Küste getäuscht hat, recht angenehm überraschen. Die von dem Seethore gerade aus laufende Hauptstraße ist ungefähr 20 Ellen breit, von welcher Breite 12 Ellen auf den nacadanisierten Fahrweg kommen. Zu beiden Seiten ziehen sich gepflasterte und mit Randstei nen eingefaßte Trottoir's. Die Häuser, zumeist einstöckig, sind in demselben Style erbaut, wie in den kleinen Städten Englands. Die Fronte hat einen Ueberwurf von weißem Stuck, der ihnen ein häbsches und freundliches Ansehen giebt. Das schönste Gebäude, welches zweistöckig, an jeder Etage mit einem Balkon und an der Fronte mit einer hölzernen Veranda versehen ist, hat man den Offizieren der Garnison eingeräumt;, es enthält außer dem ge: meinschaftlichen Speise, Saal vortreffliche Wohnungen für zwei oder drei Offiziere. Diesem Gebäude gegenüber liegt der einzige empfehlenswerthe Gasthof der Insel, in welchem die Fremden fast jeden Comfort des Lebens finden. Die Zeche sammt Logis ist auf zwei Pfund Sterling den Tag angesetzt; da man aber für dieses Fixum Alles haben kann, was der Gasthof zu beschaffen im Stande

ist, namentlich auch Wein von allen Sorten und in ungemeffener,

Quantität, so erscheint mir die Summe in '' mit den Rechnungen vieler heimischen Gasthöfe, nicht übertrie en groß. Auch darf man auf einer so außer dem Wege liegenden Insel billiger Weise keine so wohlfeile Bewirthung (wenn sie vorzüglich jeyn soll) erwarten, wie in einer großen Stadt, wo der viel bedeuten, dere Verkehr und Umsatz des Geldes bei geringerem Preise mit gleichem Gewinn verbunden ist. Der Eigenthümer des Gasthofs, ein Jude, Namens Salomons, der schon lange auf der Insel sich niedergelaffen und jetzt die Würde eines Sheriff's von St. Helena bekleidet, treibt auch einen einträglichen Handel mit allen erdenklichen Waaren, von Chinesischen Spielwerk bis zu SchiffsVorrckthen jeder Art. In der Hauptstraße bemerkt man verschiedene Waaren Lager, die Europäern oder Leuten von Europäischer Abkunft angehören. Die Waaren sollen sämmtlich sehr heuer seyn. Etwa 300 Schritte von dem Seethore entfernt, theilt sich die Hauptstraße in zwei schmalere und weniger zierlich aussehende Straßen: die eine zieht sich eine kurze Strecke weit auf dem Wege, der am Abhang des östlichen Berges nach dem Innern führt; die andere geht das Thal hinan und dicht am Hospitale des Regiments vorbei. In der letzteren ist ein Basar, auf welchem man wohlfeile Artikel jeder Art zum Verkaufe ausbietet. Unter den Läden der Kleinhändler dieses Basars bemerkte ich auch viele Branntwein»Schen: ken, die fast nur durch das Militair flott erhalten werden. Die Kasernen stehen auf einer künstlichen Terraffe, welche den klei nen in dieser Gegend von einer Schleuse kontrollierten Strom überschaut. Sie hat beinahe die Form eines länglichen Vierecks und wird durch eine Reihe quer laufender zweistöckiger Gebäude, in denen die Offiziere wohnen, in zwei so ziemlich gleiche Theile eheilt. Das der Stadt zunächst liegende Stück dient als Paradelatz; obschon ganz flach, scheint es doch für ein Manöver von sechs Compagnieen kaum breit genug. Auf dem anderen Theil der Terraffe erheben sich die Kasernen der Soldaten, die, mit Einschluß der Offizier Wohnungen, drei Seiten des Terrains ein nehmen; sie sind aus Steinen erbaut und haben nur ein Erdges fchoß, erscheinen aber nichtsdestoweniger bequem und komfortabel. Die ganze Garnison besteht aus sechs Compagnieen Infan, terie (jetzt das 91ste Regiment) und hundert Mann Artillerie. Ein so kleines Corps ist ohne Zweifel ausreichend, um in Friedenkzeiten die Ordnung zu erhalten, aber ganz unfähig, einen

feindlichen Angriff abzuwehren. Da nun der Besitz St. Helenas für uns Engländer so lange wichtig seyn muß, als wir unsere Kolonieen im Osten behalten, so wird im Fall einer Kollision mit anderen Seemächten eine stärkere Besatzung nothwendig seyn, widrigenfalls man uns diese Insel nehmen wird, um uns die Schifffahrt nach Indien abzuschneiden. Der Soldat erhält zwei Tage der Woche frisches und die fünf übrigen Tage gesalzenes Fleisch; da er übrigens Vegetabilien aller #" in Ueberfluß genießen kann, so hat man noch keine schlimme Wirkungen dieser Menge gesalzenen Fleisches in Erfahrung gebracht. Sehr zu träglich ist es auch für die Gesundheit des F", daß er fast alle Tage des Jahres Bewegung im Freien haben kann. Dicht an die Kasernen stößt ein Spielplatz, wo die Leute ihre mäßige Zeit mit Ballschlagen, Kegelschieben u. . w. recht angenehm vertreiben. Die Offiziere sind, weil sie andere Neigungen und Gewohnt heiten haben, der Langenweile viel mehr ausgesetzt, als die Gemeinen. Die Freuden der Geselligkeit unterbrechen die Monoto, nie des Lebens auf Sankt Helena nur selten, und die wilde Er, habenheit einer Landschaft verliert, wenn man sie täglich sehen kann, bald ihren Reiz. Glücklich also der, welcher in den eige nen Geiste eine Fundgrube immer neuen Genuffes besitzt und nicht auf Zeitvertreibe geräth, die eher eine gefährliche Aufregung als eine wohlthätige Anregung sind. ' Monaten Februar, März und April kann man Rebhühner schießen, aber '' dung seines Lebens und seiner gesunden Glieder. Da dieses Ge, flügel nur an den Abhängen der Berge zu finden ist, so sind wer nigstens zwei Jäger erforderlich, von denen der Eine oben, der Andere unten klopft, damit die Rebhühner allmälig nach der Mitte getrieben werden und endlich zum Auffluge fich bequemen. Dieser Entschluß wird ihnen "F" schwer, da sie instinkt mäßig zu wissen scheinen, welche Sicherheit das rauhe und ab, schüssige Terrain ihnen gewährt. Eine andere Belustigung ger, währen die Hahnenkämpfe, die hier um so pikanter sind, als St. Helena einer besonders schönen, offenbar mit Malaiischem Blute versetzten Klaffe von Hähnen sich rühmen kann. Die eigentliche Jagd muß man sich in St. Helena versagen, da es ganz an Wild fehlt, auch die Insel zu gebirgig ist; dagegen werden Pferde-Rennen mit ziemlichem Erfolge angestellt. # nordwestlichen Theile der Insel, unweit Plantation Houfe, befin, det sich eine sehr gute Rennbahn, und die Pferde, obwohl nicht von reinstem Geblüte, sind starke, ausdauernde Thiere, gewöhnt lich 14 bis 15 Hände hoch. Die meisten werden vom Kap hier, her transportiert; aber die auf der Insel geworfenen Pferde schätzt man am höchsten. Ein guter Renner kostet 25 bis 50 Pfund. Treffliche Weideplätze kann man immer zu einem monatlichen" Preise von sieben Shilling für jedes Pferd miethen, und dabei hat der Eigenthümer die Freiheit, nomadisch mit der Weide zu weg“, Insel ist im Ganzen folgenäsigt, da ie Temperatur der Insel ist im Ganzen "fo gemäßigt, daß die Schildwachen selbst gegen Ende Oktobers, welche Zeit die Sonne am Mittage beinahe scheitelrecht steht, nach SonnenUntergang Tuch-Beinkleider und Ueberröcke tragen müffen. Die Hitze erreicht in diesen Breiten zwar nicht eher den höchsten Grad, bis die Sonne den Wendekreis beinahe erreicht hat, indem als dann erst der beständig aus Süd, Ost wehende Passatwind stark erwärmt wird und also die Guth, der Sonne viel weniger mit dern kann. Aber selbst in dieser Periode zeigt das Thermometer durchschnittlich nur 80 Fahrenheit im Schatten; man" braucht keine Sonnenstiche zu fürchten, und alle Kühlungs-Mittel der In dier find hier unbekannt. Selbst die anwesenden Europäer bei dienen sich nur eines Sonnenschirms, wenn ihre Geschäfte fie nach Außen rufen. Der Winter ist so gelinde, daß das Thermo, meter selten unter 549 fällt. Trotz dieser Vortheile des Klima"s und Bodens, sind die Eingebornen der Insel ein physisch ausgearteter Menschenschlag, der zwar alle Farben Schattierungen, vom Europäischen Weiß bis zum Schwarzbraun des Indiers, aber keinen einzigen physiogno mischen Zug aufweisen kann, aus dem feine ' sich enträtheln ließe. Von der muskelstarken Afrikanischen "Race konnte ich kein Exemplar entdecken; en sah’ ich mehrere Chinesen und Ostindier, von denen die "n ihrem NationalKostüme getreu bleiben. Alle übrige Bewohner kleiden sich Europäisch; die niederen Stände, obwohl ärmlich gekleidet, hatten viel auf Reinlichkeit. Ich staunte nicht wenig, Viele der farbigen jungen Mädchen, die ihr Haar mit großer Sorgfalt geschmückt hatten, baarfuß gehen zu sehen; Einige unter ihnen waren mit schreckbar langen Füßen gesegnet. Die Reize der hiesigen Damen find überhaupt sehr untergeordneter Art; ich fand die meisten derselben skelettartig mager, ohne Haltung und ohne Grazie in

ihren Bewegungen. Dennoch muß ein Engländer, der aus Indien kommt, viele ihrer Gebrechen vergessen, wenn er hört, wie rein Betrachte

und korrekt sie seine Muttersprache reden. diese zeichnet sich St. Helena vor allen übrigen Kolonien Englands vortheilhaft aus. Die Spärlichkeit der Lebensmittel muß eine der vornehmsten Ursachen gewesen seyn, die zur physischen Degradation der Eingebornen beigetragen haben; denn die Hüffsquellen der Insel sind für ihre Bevölkerung nicht zureichend, und was von Außen eingeführt wird, ist so heuer, daß der Arne darauf verzichten muß. Schafe, Hornvieh und wohlfeile Weine werden monatlich in kleinen Schiffen, welche die Regierung ausschließlich ' diesem Handel bestimmt, vom Kap her nach St. Helena ge: wacht; feines Mehl und Zwieback kommen aus England und

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A f i e n. Die orientalischen Angelegenheiten.

Für Leser, welche mit Geschmack für auswärtige Geschichte einen erklecklichen Sinn für den Reiz politischer Neuheit verbin den, wird obige Ueberschrift verführerisch genug seyn, fich da durch auf Befriedigung irgend einer Seite ihrer Wißbegierde gefaßt zu machen. #" glaubt Mancher, ist hier in Erfahrung zu bringen, wann und zu welcher Stunde man den Hafen von Alexandrien verbrennen wird; vielleicht steht hier deutlich geschrieben, glaubt ein Anderer, daß bei den Zwangs-Maßregeln, wie bei vielen anderen Regeln, starke Ausnahmen stattfinden; ein Dritter wird Aufschluß vermuthen über den Inhalt der Konfer renzen, die Chosrew Pascha mit den Europäischen Gesandten hat, und ein Vierter endlich möchte gern wissen, ob die Erschöpfung der Aegyptischen Staats Kaffe, von der die Korrespondenten der Allgemeinen Zeitung schon so lange sprechen, noch nicht erschöpft ist. Doch wir bedauern, den Erwartungen dieser Leser nicht ent, sprechen zu können. Die allwissenden Zeitungsschreiber mögen errathen, was die Großmächte zur Lösung des Räthels mit der Aegyptischen Sphinx thun werden; die allweifen mögen rathen, was diese Mächte thun sollen; wir mischen uns nicht in diese orientalischen Angelegenheiten, wir heilen hier weder dem Pyramiden-Pascha Kronen, noch dem Türkischen Reiche eine längst verlorenen Provinzen zu. Dennoch wird man sehen, daß obige Ueberschrift dem Inhalte des folgenden Aufsatzes vollkommen entspricht. Ganz uns blutige, ganz von der Diplomatie fernliegende orientalische Anz“ meinen wir nämlich, und zwar die Studien über prachen, Geschichte und Sitten des Morgenlandes, die im Schoße oder durch die thätige Aufmunterung eines edlen Vereins weltberühmter Männer ' und befördert werden. Im Jahre 1822 bildete sich zu Paris eine Gesellschaft von Gelehrten, wobei Namen wie Silvestre de Sacy und Abel Re: mulat glänzten, zur Beförderung aller Kenntniffe, die entweder im Orient ihre Heimath haben oder sich darauf beziehen. Ihr erster Zweck war, die Sprachenkunde, sowohl des alten wie des neuen Morgenlandes, durch alle mögliche Hülfsmittel allgemeiner zu machen. Zu diesem Ende setzte sie sich in Verbindung mit gelehrten Gesellschaften in Asien selbst, ernannte korrespondierende Mitglieder in Europa und suchte sich Manuskripte aller Art zu verschaffen, um sie auf dem Wege des Druckes vollständig, oder in Auszügen, oder in Uebersetzungen zu verbreiten. Wenn der Name Gelehrten Republik irgend auf die Verfaffung und Gebräuche von Pflegern der Wissenschaft anwendbar ist, so verdient ihn gewiß die Asiatische Gesellschaft zu #" Ihre Einrichtungen waren und sind ganz republikanisch, Kaiser und Könige aber verschmähten es nicht (sich selber dadurch verherrlichend), fie mit Beifall und Gunst zu krönen.“) Ihr erster Ehrenpräsident war ein Fürst, der früher selbst als Privatgelehrt ter im Auslande wirkte. Er hat den Sitzungen der Gesellschaft persönlich präsidirt und seine äe als Mitglied fürstlich ge: leistet. Gehäufter Geschäfte halber - er ist nämlich jetzt König der Franzosen – mußte er die Präsidentenstelle niederlegen, aber er ist unter dem Namen „Protecteur“ Mitglied geblieben. Ein von der Gesellschaft durch Stimmenmehrheit gewähltes Conseit mit einem Präsidenten an der Spitze (jetzt Améd. Jaubert) ist beauftragt, die literarischen Arbeiten, die in den Plan der Gesellschaft aufgenommen find, zu leiten, die Fonds zu verwalten, die von ihm nützlich erachteten Schriften drucken, ausziehen, oder überließen zu laffen: es erheilt Aufmunterungen; es ernennt die korrespondierenden Mitglieder c. Es hält monatlich wenigstens eine Sitzung, bei der jedes Mitglied der Gesellschaft Zutritt hat, und giebt in einer Sitzung jedes Jahr Rechenschaft von seiner Verwaltung. Seit 1833 giebt die Regierung aus den Fonds des öffentlichen Unterrichts Zuschüsse, weiche aber dieses Jahr aus Mangel an Mitteln bei diesem Ministerium ausbleiben mußten. ie Gesellschaft hat zwei Klassen von auswärtigen Mitglied dern. Mitglieder der ersten Klaffe, membres associés trangers,

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oder niembres honoraires sind diesen Augenblick 52. Die Bedingungen der Aufnahme find – wohlerworbener Ruhm im Fache der orientalischen Literatur. Durch die Statistik der Mitglieder dieser Klasse kann man sich einen Begriff von der Verbreitung der orientalischen Studien in den verschiedenen Ländern bilden. Wenn man die Verhältnisse genau würdigt, so muß man deu günstigsten Schluß für Preußen ziehen. Es hat neun Associés dabei: in Berlin drei (Bopp, Ideler, Wilken), in Bonn drei (Freytag, Laffen, Schlegel), in Breslau einen (Habicht), in Greifswald einen (Kosegarten) und in Halle einen (Gesenius). England hat zwar 15 und Rußland nur eines weniger, aber die Beziehungen dieser Länder zu Aflen, in welchem der größte Theil ihrer Unterthanen leben, laffen vielmehr eine Verwunderung zu über die '' sehr geringe Zahl von Mitgliedern. Oesterreich zählt zwei '' (Joseph v. Hammer-Purgstall und Graf Castiglioni) und Bayern ein Mitglied (Othmar Frank).

Die zweite Klaffe besteht aus Mitgliedern, die schon weniger Schwierigkeiten bei ihrem Eintritt finden. Sie brauchen nur von zwei Mitgliedern zur Aufnahme vorgeschlagen und dann durch Stimmen-Mehrheit angenommen zu werden. Man heißt dann membre souscripteur, zahlt 30 Franken jährlichen Beitrag, wofür man das Journal Asiatique gratis und alle auf Kosten der Societät herausgegebene Werke zu billigeren Preisen erhält.

Wir wollen jetzt von diesem #" und von den durch die Gesellschaft publizierten Werken näher sprechen.

Gleich bei ihrer Gründung beschloß die Asiatische Gesellschaft, sich in einer periodischen Schrift unter dem Namen Journal Asiatique ein Organ zu geben. Von 1822 an erschien monatlich ein Heft von 4 Bogen und mehr, und 12 Hefte bildeten 2 Bäude. Mit dem Jahre 1828 begann eine seconde série und mit 1836 eine troisième série, aber alle drei Serien find unter dem Einfluffe einer gleich wissenschaftlichen Richtung redigiert. Mit ihm kann kein Journal früherer Zeit, kein gleichzeitiges eine Vert

gleichung bestehen. Die meisten Zeitschriften dieser Art (wie z. B.

in Deutschland das treffliche Repertorium der morgen iándischen Literatur von Eichhorn, oder die Orientalische Bibliothek des in späteren Jahren so spitzfindigen und aus Eigennutz geschwätzigen J. D. Michaelis) sind der biblischen Sprachkunde ausschließlich oder überwiegend zugethan. Die von Jof. v. Hammer herausgegebenen Fundgruben des Orients hatten einen zu beschränkten Kreis von Kräften und Bestrebung gen. *) Das Asiatic Journal der Engländer ist eigentlich mehr Ein Journal der Ostindischen Compagnie zu nennen, als ein Jour nal für die Erkenntniß des Geistes, wie er sich im Oriente durch Sprache, Sitten und Geschichte ausdrückt. Die Idee der mer

kantilen Zwecke spielt eine größere Rolle darin, als die Entwicke

lung dessen, was dem Gedanken, dem Geschmacke und der Verangenheit des Orients angehört.*) Als die Gründer des Journal Asiatique sich mit dem ersten Hefte an’s Publikum wandten, konnten sie nur die Englische Zeitschrift als etwas der ihrigen dem Namen nach Aehnliches anführen (die Fundgruben waren schon wieder verschüttet) und mit vollem Rechte behaupten, daß sie einem gefühlten Bedürfniß abhelfen. Daß aber neben diesem Journal kein anderes auftrat, wodurch es paralysiert worden wäre, ist schon ein Beweis seiner Vortrefflichkeit. So sehr auch seit 1822 der Aufschwung der Wissenschaft, besonders in Deutschland, sich diesem Zweige der Literatur mitgeheilt hat und ein größeres Publikum sich dafür interessierte, fo wagte doch der Unternehmungsgeist nicht, mit dem Pariser Institut rivalisieren zu wollen. F" die Sprache, in der es erscheint, hat ihren eigenthümlichen Reiz für die Mitarbeiter und Leser dieses Journals. Der Gelehrte, hat er auch nicht genug Eitelkeit, gern seinen Namen in der ganzen civilisierten Welt gelesen zu sehen, so hat er doch Vorliebe für seine Leistung genug, diese überall gebilligt oder wenigstens geprüft zu sehen. Französisch, aber versteht jetzt jeder Orientalist; viele Deutsche schreiben darin, sogar mit Eleganz, wie dieses von den Mitgliedern '' Munk u. A. bekannt ist. Wie Ludwig XIV. die Höfe und Diplomaten zur Kenntniß

-) Sie erschienen zu Wien 1810–13 und lieferten vieles Schöne von der Hand ihres Herausgebers. -) ' ' entstandene Journal: Kunde des Morgenlandes, bei defen Redaktion "Evald und Rödiger wirken, übertrifft alle vorhergeangene Zeitschriften dieser Art in Deutschland. Ob es aber so alt wie das z" Asiatue werden wird, ist leider sehr zu bezweifeln.

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Meeresspiegel liegt Longwood House, der letzte Aufenthalt jenes Mannes, dessen Königliche Paläste einst fast eben so zahlreich waren, wie die Hauptstädte Europens. Da ich nirgends eine genaue Beschreibung dieses Gebäudes gefunden habe, so will ich hier mittheilen, was ich selbst an Ort und Stelle beobachtet. Es liegt von Osten nach Westen, hat ungefähr 70 Fuß Länge bei 20 Fuß Tiefe und bestand ursprünglich nur aus einem Erd eschoß und Dachboden. Als man das Haus zum einstweiligen Aufenthalte Napoleon's einrichtete, erhielt es an der Mitte der nörd, lichen Fronte einen Vorbau, der als Billard Zimmer diente. Die der Vorbau steht auf einer drei Fuß hohen Terrasse und ist von

einer leichten hölzernen Veranda umgeben, deren Pfeiler die

welcher unter der Traufe hinzieht und hin und wieder bis zum Boden hinab sich erstreckt, beweist, daß der Regen auch durch das Dach seinen Weg findet und die Traufe überflüssig macht. Longwood House war augenscheinlich immer ein schlechtes Gebäude und wird bald ganz in Trümmern liegen, Hinter dem Hause, und mit demselben parallel laufend, ist ein ' hölzerner Schuppen für Kühe und Kälber erbaut. Der Raum zwischen beiden ist eingefriedigt und beherbergt eine Menge Geflügel von jeder Sorte. Etwa 60 Ellen von Longwood entfernt, erhebt sich das neue Wohngebäude, welches man für Bonaparte errichtet hatte. Dieser Aft Britischer Großmuth kam, wie viele andere seinesgleichen, zu spät; denn als der Bau fertig war, hatte Napoleon's körperlicher Zustand schon in solchen Grade sich verschlimmert, daß er die Strapazen einer WohnungsVeränderung nicht mehr aushalten konnte. Ein Capitain ' Diensten und ein Schuhmacher aus James Town haben das Haus jammt dazu gehörigen Grundstück von der Regierung gepachtet, und Jeder, der es von Innen betrachten will, ' zwei bis drei Shilling erlegen. Die Gegend um Longwood gehört zu den ebensten Theilen der Insel und ist gut angebaut. Von dem Hause ab läuft ein Thal in nordwestlicher Richtung dem Meere zu. Bonaparte soll eines Tages in Verkleidung durch dieses Thal zu entkommen versucht haben: er war schon bei mehreren Schildwachen glücklich vorüber, als endlich ein wachhabender Unteroffizier ihn erkannte und ihm sogleich, von zweien Soldaten begleitet, in kurzer Entfernung nachfolgte. Sobald Bonaparte sich entdeckt sah, wendete er um und schlenderte langsam wieder zurück. Diesen Vorfall erzählte mir ein Invalide vom 6östen Regimente, der gegenwärt tig einen bei Longwood errichteten Leuchtthurm für Kaufleute dirigiert und damals dicht bei dem Hause auf Wache stand, Die gerade Entfernung Longwood's von James Town bei trägt nur 14 Miles; aber ein wildes, fast gar nicht zu passirendes Thal, das gegen die See hin sich öffnet und an der anderen Seite wohl zwei Miles weit ins Innere sich erstreckt, liegt zwischen Seiden. Die Seiten, Wände dieses Thales bestehen aus einer rauen und porösen Steinart, die ohne Zweifel - vulkanischer atur ist. Gegen das Land Ende des Thales hin werden diese Abhänge weniger chron, und die ganze Landschaft gewinnt ein freundlihes Ansehen.“ Das Auge:ht mit Wohlgefallen auf annuhigen Gärten "eingehegten Fluren und gesenden Viehherden will kürlich bleibt man stehen und beschaut in die fille friedliche,

dem Getümmel der Welt so weit entrückte Scene, doch kann

der Geist bei den arkadischen Gedanken, die sie wecken sollte,

nicht lange verweilen: er wird fortgeriffen zu Betrachtungen ganz anderer Natur; denn am äußersten Ende des Thales, beschirmt von Anhöhen, die amphitheatralisch emporsteigen, befindet sich das enge Bette, in dem Napoleon von feinen welterschütternden Thaten ausruht. Keine kolossale Büste, keine Pyramide bezeich net den Ort; und so ist es auch am besten. Die Einkünfte eines ganzen Reiches würden ja nicht zureichen, ein Monument zu errichten, das Napoleon's Größe angemessen wäre; und man zollt seinem Andenken einen würdigeren Tribut, wenn man dem Boden, der die Asche des Gewaltigen deckt, nur durch diese Asche, seine Weihe giebt! Das Grab liegt beinahe west-östlich und wird durch drei neben einander stehende Flaggen aus grobem Stoffe bezeichnet. Diese Flaggen und den 14 Fuß breiten Rasen zu ihrer Seite umzieht ein einfaches, etwa 4 Fuß hohes eisernes Gitter, in dessen südwestlichem Winkel, 4 bis 5 Fuß von dem Rat

den abstehend, eine Trauerweide wächst. Die Weide hat viel ge- ,

litten und kann nicht eben das schönste Exemplar ihrer Gattung gewesen seyn; aber ihre Stellung und ihr eigenthümliches Aus ehen geben der düster-romantischen Scene noch mehr Relief, denn der sehr geneigte Stamm scheint auf dem Gitter zu ruhen, währ rend die melancholisch überhangenden Zweige ihren Schatten anf das Grab werfen und mit den fröhlichen bunten Blumen, die Napoleon's Hülle zu entwachsen scheinen, ergreifend kontrastieren Der Rasen soll – o Eitelkeit alles Irdischen! – von dem Küchenäur der neuen, für den großen Gefangenen bestimmt gewesenen Wohnung genommen lehn.

''." Raum um die Grabstätte, dessen größter Durchmesser etwa 35 Fuß beträgt, ist mit hölzernen Palisaden eingefriedigt. Das Gras innerhalb dieses Raumes wird bestän dig“ grän erhalten, und Niemand darf ihn ohne besondere Er laubniß des Gouverneurs betreten, feitdem viele Besucher aus

einer Art von Fanatismus manchen Frevel an der Trauerweide

begangen haben. Wer jetzt noch etwas von dem Baume mit nehmen will, dem steht eine Auswahl junger Schößlinge, die ein pfiffiger Bursche in Töpfen unterhält, um geringen Preis zu Diensten. Zwar ist keines dieser Reiser ein echter Nachkomme der klassischen Weide; aber eine starke Einbildungskraft wird die Bastarde nicht minder willkommen heißen, als die rechtmäßigen Descendenten. Westlich von der Palisade und dicht daneben sprudelt der kleine Born, dessen herrliches Waffer Napoleon dazu bestimmte, während der Sommer Monate hier ein LieblingsPlätzchen zu wählen. Man erwartet von jedem Besucher, fey er nun durstig oder nicht, daß er von diesem Waffer trinke, und zu diesem Ende stehen immer einige Humpen an der Quelle in Bereitschaft. Etwas nördlich und dicht bei dem Pfahlwerke steht ein höl zerner Schuppen von der Größe und Gestalt eines Schilderhauses, in welchen man die Verhaltungs-, Regeln für Besucher und zu gleich ein Buch findet, worein sie ihre Namen und was ihnen sonst noch beliebt, einschreiben können. Wer Geduld genug bei sitzt, manche schwer lesbare Hand zu entziffern, der wird mit vielen Genuffe in diesem Buche blättern, wo die Originalität, die Bizarrerie, die Selbstgefälligkeit oder Albernheit der Pilger in verschiedenen Sprachen und in einer Unzahl guter oder schlechter Verse sich offenbart haben und noch offenbaren. Da Alles, was Napoleon betrifft, dem Publikum stets willkommen und interessant jeyn wird, so darf ich wohl den Wunsch aussprechen, daß irgend eine dem Unternehmen gewachsene Person diesen Wust von Einfällen und Ergüssen fichtete und zum Drucke arrangierte. Da das erwähnte Buch jedes Jahr einen neuen Zuwachs an Bemerkung gen in Reimen und Prosa erhält, so würde auf diesem Wege ein periodischer Literatur, Artikel, ein Napoleon's Album ins Leben treten. Das Grab und der dazu gehörige Grund stehen unter der Obhut eines ausgedienten Unteroffiziers, der jedem Ankommenden, mit Aussicht auf ein kleines Trinkgeld, viele ganz erstaunliche, obschon fast jedem Menschen bekannte und geläufige Dinge her, erzählt und seine stillen Betrachtungen auf '' Weise stört; denn wer vertiefte sich nicht gern an einem so hehren Orte in Gedanken an den Eroberer, dessen Laufbahn der eines Kometen glich! Gewiß war es eine große, dem Genius dieses Titanen der neuesten Zeit bewiesene Huldigung, daß man, selbst als er schon niedergeworfen, von Siegern umringt und von seinen Freunden verlassen war, die Ruhe Europa's nicht eher gesichert glaubte, bis man ihn an einen Felsen im fernen Ozean geschnie det wußte! Aber ein Insel Kerker hätte seinem Andenken ge heiligt werden sollen. Warum hat man nicht St. Helena nach dem Tode des Titanen verödet, die Zugänge zerstört, Alles Lebende entfernt und die ganze fürchterliche, unwirthbare Felsen maffe für ewige Zeiten , Napoleon's Grab“ genannt - (Robert Stuart im U. S. J.)

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Die Beamten in #" find den Schmetterlingen zu vergleichen, deren die Naturforscher so viele Arten zählen. H giebt unzählige Abstufungen in der Beamtenwelt, aber dem auf merksamen Beobachter werden die vielfachen Aehnlichkeiten, die erstaunlichen Analogieen nicht entgehen. Welcher Abheilung der weitverbreiteten Hierarchie auch der Französische Beamte ange hören mag, so wird es doch nie schwer halten, die Einwirkung des Prinzips, unter dem sie alle stehen, das Gemeinschaftliche in ihren Neigungen und in ihrem Geschicke herauszufinden. Ihr gemeinsames Schicksal läßt sich kurz auf folgende Weise bestimmen. Im dreißigsten Jahr heirathet der Beamte, welcher ein Gehalt von 1800 Franken bezieht, eine Erbin, welche ihm 6–800 Fr. Zinsen zubringt. Er miethet im Marais oder im Weichbilde von Paris eine Wohnung, deren Miethszins jedoch nicht 400 Fr. übersteigen darf. Von hier aus macht er nun täg lich einen ' von zwei Stunden, um einzuregistrieren, Briefe zu kopiren, Akten zu ordnen, Erlaubnisscheine zum Waffentragen, Päffe, Recepiffe's auszustellen, um ferner diejenigen, welche *) Nach den in fortlaufenden Lieferungen auch jetzt noch erscheinenden,

bereits früher erwähnten Französischen Sitten - Darstellungen: Les Français, Moeurs contemporains.

kommen und abgehen, oder die, welche von der ConscriptionsSteuer bedroht sind, einzutragen, und um Berichte zu machen, wenn diese oder jene Gemeinde eine Brücke, eine Primärschule, eine Kavallerie Garnison erhalten soll. Oder er muß auch wohl von seinen ledernen Polsterstuhle aus einen Spieler, einen Sträf, ling, eine Verschwörung oder Gott weiß was überwachen. Bei ständig nuß er die 38000 Gemeinden Frankreichs, ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse, ihre Gesinnungen im Auge behalten und auf Alles, was einen Bezug zum Handel, zur Politik, zum öffent: lichen Wohlstande, zur Religion, zur Moral, zur Gesundheitspflege hat, mit einem Worte auf. Alles aufmerksam seyn. Dies sind die Verpflichtungen des Beamten während sechs Stunden des Tages und sechs Tagen in der Woche. Dann kommt der Sonntag. An diesem Tage überläßt er sich der Süßigkeit des Schlafes bis um 10 Uhr und raffirt fich weit später als gewöhnt lich. Um 3 Uhr entflieht er der Abgelegenheit des Marais oder den Anhöhen von Belleville, wandert mit seiner Frau nach Paris und nachdem er noch zwei Stunden auf und ab spaziert, um ich Appetit zu machen, nimmt er bei Richefeu ein schwelgerisches Mahl für 40 Sous ein. Nach dem Essen geht's in die Elyckischen Felder, wenn es Sommer, in das Konzert von Mufard, wenn es Winter ist. Um 10 Uhr Abends wird der Rückweg zu Fuße angetreten, und man kömmt nicht lange vor Mitternacht zu '' an, denn die Frau ist todmüde. Damit ist der Tag bei chlohen. - Mit der Zeit finden sich auch Kinder ein, mindestens zwei, zuweilen auch drei. Der Beamte verwünscht, verflucht sein ganzes Leben lang den Stand, den ihn sein Vater hat ergreifen lassen; mehr als tausendmal ruft er mit jener Person aus den „Fourberies de Scapin" aus: „Was sollte ich auf dieser Galeere machen?“ und dennoch ist er überglücklich, wenn er am Ende seinen Sohn in dieselbe hineinspannen kann. Dieses ist bis zu der Pensioni rung, von der am Schluffe die Rede feyn soll, der regelrechte Lebenslauf eines verheiratheten Beamten. Es giebt auch unverheirathete Beamte, und sie bilden sogar die Mehrzahl. „Wozu soll ich heirathen“ sagt der Junggeselle. „Wenn ich eine Ehe aus Neigung schließe, wie empfindlich muß es dann für mich seyn, meiner Frau nicht alle Zerstreuungen, nicht den allerliebsten Tand, Blumen und Bänder, Perlen und was sonst zum Glücke der Frauen in Paris so unumgänglich nothwendig ist, bieten zu können? Soll dagegen mein Haus stand wie alle andere feyn, wozu wollte ich mich dann fröhlichen Herzens und ohne eine Entschädigung in das Wespennest der fälligen Wechsel, der Modekünstlerinnen, der Ammen und Aerzte stürzen? Sollte man nicht auch anders leben können? Es kömmt auf einen Versuch an.“ Beweggründe dieser Art, pecuniaires Unvermögen, find es, welche die meisten Beamten zum Junggesellenstande verdammen. Ihr Loos ist indeß vielleicht noch trauriger als das ihrer Kollegen, welche sich in das Joch der Ehe geschmiegt haben. Der unverheirathete Beamte ist aller, dings glücklich, frei und stolz auf seine Freiheit bis zum Alter von vierzig Jahren. Er speist an der Table d'hôte für 32 Sous, er besucht Konzerte, Schauspiele, ländliche und andere Bälle und erwärmt sich zum weiten am Strohfeuer eines abenteuerlichen Lebens. Aber allmälig wechselt die Scene: der Beamte ist alt geworden, fünfundvierzig Jahre alt, und die Zeit der Täuschungen ist uns wiederbringlich vorüber. Er findet weder an Promenaden, noch Qll Konzerten, weder am Theater, noch an allen möglichen Bällen Vergnügen. Was bleibt ihm jetzt? Welcher unschädlichen Leiden, schaft soll er sich in die Arme werfen? Wie die langen Sommer, Morgen und die endlosen Winter Abende ausfallen." Er fühlt sich

jetzt so einsam! Das Wirthshausleben ist so abgeschmackt und

fade! Ist es nicht unerträglich, alle Tage neue Gesichter zu sehen? Wie langweilig! Und welcher Unterschied erst zwischen den saft- und kraftlosen Suppen und den mageren Saucen der Wirthshaustafel und der nahrhaften Kost eines Familientisches Solche Vergleiche bringen eine mächtige Revolution in Leben des ehelofen Beamten hervor. Er entsagt der Welt und ihren Freuden, um ein gutes und angenehmes Studium zu ergreifen, um sich einer umfchädlichen Grille hinzugeben. Er wird Ornithologe oder Numismatiker, er sammelt Mineralien, Schmetterlinge oder Muscheln; er stopft die Kanarienvögel feiner Nachbarn aus und abonniert auf fünf oder sechs illustrirte Ausgaben. "End lich nimmt er eine Haushälterin, speist zu Haufe und ordnet sein Leben, so gut es geht.

Merkwürdige F" Der Staat sollte doch wohl vor allen Dingen die Entwickelung des Familienlebens begünstigen, das eben so sehr eine Bürgschaft des Glücks der Einzelnen wie der Stätigkeit der Gesellschaft ist, und dennoch sind die meisten Beamten in Frankreich gezwungen, ehelos zu bleiben. Man hat berechnet, daß die mittlere Summe des Gehalts der Beamten in Frankreich nicht mehr als 1500 Fr. beträgt. Und dennoch welches Drängen zum Beamtenstande! Welches Menschengewimmel in den Vorzimmern der Aemterverheiler! Intriguen, Kabalen, Verleumdungen, alle Hebel werden in Bewegung gesetzt, um in die Reihe der Glücklichen einzutreten. Da sind die Deputierten, jämmt liche Deputierten eines der bedeutendsten Departements des Reichs; fie soliziniren beim Minister des Innern oder der Finanzen die Stelle eines #“ oder Commis mit 1000 Fr. Gehalt. Vielleicht gelingt es ihnen. - - -

Es ' ' der Mühe werth, hierauf näher einzugehen. Früher waren die Stellungen einiger Beamten wohl geeignet, den Ehrgeiz derjenigen Proletarier zu erregen, welche ihre Ert ziehung in den gelehrten Anstalten beendet hatten. Junge Beamte

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