Billeder på siden
PDF
[ocr errors]

Expedition (Friedrichs-Straße
Nr. 72); in der Provinz so
wie im Auslande bei den
Wohllöbl. Post-Aemtern.

der Preußischen Monarchie. fü r die -----------

- -------

Literatur des Auslandes.

Berlin, Freitag den 11. Januar

1839.

flasche mit zwei oder drei Gläsern. Auf dem großen Tische liegen neben einem Dutzend Tinte und Sandfäffer, welche letztere indes nicht mit Gold- oder Silbersand, sondern mit gewöhnlichem Streusand gefüllt sind, alle neue Blätter friedlich neben einander.

Es jetzt vier Uhr. In dem Redactions Zimmer, denn dieses haben wir eben beschrieben, filzen vier oder fünf fleißige Arbeiter neben einander und fangen an, die morgende Nummer zu machen. Derjenige, welcher sich von Zeit zu #" zu den Landcharten wendet uud die geschriebenen oder lithographirten Korrespondenzen vor fich ausbreitet, ist der Redacteur der aus wärtigen Nachrichten. Jetzt folgt er den Bewegungen Cabrera's und Espartero's. Er ist, obgleich in Paris ansässig, genöthigt, die Hälfte des Tages auf der Halbinsel zu leben, zu lagern und zuweilen auf dem Schlachtfelde zu übernachten. Er hätte wohl schon ein militairisches Ehrenzeichen verdient. Es versteht sich wohl, obgleich wir es nicht ausdrücklich angemerkt haben, daß wir nur von einer Zeitung sprechen, welche noch etwas auf die Wahrheit giebt und einige Achtung vor dem Publikum bewahrt. Wenn also der Redacteur der auswärtigen Nachrichten nicht leicht finnig alle phantastische und lügenhafte Berichte, welche manche Zeitungen nicht verschmähen, aufnimmt, so ist es keinesweges eine leichte Aufgabe, unter so vielen unsicheren und sich wider, sprechenden Dokumenten die Wahrheit herauszufinden. Der Zeit tungsschreiber irrt in einem Labyrinthe umher, in welchem es nicht immer so leicht ist, den leitenden Faden aufzufinden, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden und sich jede Beschämung zu ersparen. Einem anderen Redacteur fällt die innere Politik zu. Ihm gehören die Gemeinde Angelegenheiten, die Erneuerungen und Veränderungen des Ministeriums, der Gang der Kammer-Sitzungen. Sein Kollege, der es mit den auswärtigen Nachrichten zu thun hat, weilt bei Maroto oder Narvaez, während er seinerseits fich in seinen Gedanken mit Molé, Th: ers, Dupin oder Guizot identifizieren muß. Seine Sache ist es, die Männer des Tages und ihre Armseligkeiten zu verfolgen. Die constitutionnelle und repräsentative Atmosphäre ist das Element, in welchem er athmet, und dazu gehört wenigstens eine gute Lunge.

Unter den Gegenständen, welche einen Raum auf dem grün nen Tische einnehmen, darf eine große Scheere nicht vergessen werden. Sie ist der Herrscherstab des Redacteurs der Pariser Ereigniffe, der mit derselben aus den Zeitungen der Hauptstadt und der Provinz die Mordanfälle, Diebstähle, Unglücksfälle und alle andere derartigen Vorgänge ausschneidet. " Dieses Amt könnte beim ersten Anblick sehr leicht erscheinen, aber das ist es durchaus nicht. Es erfordert im Gegentheil viel Takt und Einficht, und besonders ist es hier sehr schwer, die empfehlenden Anzeigen, welche sich unter tausend Gestalten einschleichen, ab zuhalten. Man kann sich kaum vorstellen, unter wie viel verschiedenen Masken sich diese einzuschleichen versuchen und ohne Infertionsgebühren und unter dem Schein eines Faktums von all gemeinem Intereffe ein Zutrauen zu erwerben, welches man schwerlich einer offen auftretenden und unverhüllten Annonce schenken würde. Bald ist es ein Maurer, der von einem Gerüst herabstürzte und sein Leben nur der Geschicklichkeit des bei rühmten Doktors so und so, der sich zufällig an Ort und Stelle befand, verdankte. Dies ist nichts als eine Selbstempfehlung des Doktors. Dann ist es die romantische Geschichte eines Wahn finnigen aus Liebe, der in den Feldern umherstreifte und von mit '' Bauern aufgegriffen und in die Heilanstalt des berühmt ten Doktors Hans oder Kunz gebracht wurde, wo er durch dessen ausgezeichnete und vielfach anerkannte Heilmethode unfehlbar wie Tempel, von dem die Orakel-Aussprüche nach allen vier Welt, der den Gebrauch seiner Vernunft erlangen wird. Vor einiger gegenden ausgehen. Zuvor müffen wir bemerken, daß die F" eröffnete ein Modewaaren. Händler eine Subscription für die periodische Presse, ungeachtet ihres hohen Ranges und ihrer des erwundeten der Afrikanischen Armee; er wollte bloß Käufer potischen Gewalt, weder Schildwachen, noch betreßte Thürsteher anlocken und seine Waaren unentgeltlich bekannt machen. Im hat. . Ein oder zwei Laufburschen stehen in einem Vorzimmer letzten Winter war die Seine in ihrer ganzen Breite bei Bercy von sehr bescheidenem Aussehen, denn gerade die angesehensten - zugefroren, und viele Leute gingen auf der Eisdecke neben der Zeitungen verschmähen den äußeren Glanz. Wir treten jetzt in Brücke über den Fluß. Da erscheint plötzlich in den Zeitungen

[ocr errors]

Das Innere eines Pariser Zeitungs-Büreau's.

Theurer Leser, den wir hochachten und verehren, Du bei schützender Gott der Zeitung, vorzüglich wenn Du keine unber kannte Gottheit bist, wir sehen Dich an einem kalten und düsteren Novembertage, wo ein weicher Lehnstuhl neben einem warmen Of. So behagliche Empfindungen erweckt, in einem solchen Lehnstuhle nachlässig hingestreckt; Du reißest eben den Umschlag von dem Blatte ab, das man Dir gebracht hat, Du entfaltet das Blatt, welches Dir jeden Morgen berichtet, was in allen fünf Welttheilen. Neues vorgegangen, Du siehst Dich nach den Kriegsund Friedens, Nachrichten um, nach belletristischen, literarischen, wissenschaftlichen und Kunst-Nachrichten, nach Börsen- und TheaterNeuigkeiten, nach Feuersbrünsten und Diebstählen, nach Todt schlägen und Unglücksfällen, und die Zeitung, welche auf Deinen Befehl über alle diese Dinge Nachrichten eingezogen hat, bleibt Dir auf keine Deiner vielen Fragen die Antwort schuldig. So bist Du also plötzlich, Dank der Zeitung, vom Stande der Poli tik, der Literatur, der Industrie unterrichtet und kannst die Frage: „Was giebt es Neues?“ beantworten. Jetzt hast Du Gesprächsstoff auf den ganzen Tag, wenigstens für die Menschen, mit denen man sich am liebsten nur über Gegenstände von allgemein nem Intereffe bespricht. ber, vielgeliebter Leser, wenn Du die Zeitung in aller Ruhe und Behaglichkeit, im Schlafrock und in Pantoffeln liefert, möchtest Du dann nicht zuweilen gern wissen, wie eine aus so verschiedenen Elementen bestehende und sich täglich erneuernde Erscheinung zu Stande kömmt und dreihundertundsechzig Mal im Jahre zu #" gelangen kann? Möchtest Du nicht gern wissen, wie die periodische Presse, welche eine Macht unserer Zeit geworden, täglich ihre tausend Arme ausstreckt? Kannst Du Dir wohl eine Vorstellung von dem Zeitungs-Büreau machen, von der Werkstatt, in welcher diese Macht, die von den anderen Mächten gefürchtet, beneidet, angegriffen wird und um deren Gunst sie alle buhlen, ihren Sitz aufgeschlagen hat? Die Zeitung ist die Verkünderin der Wahrheit oder eine Lügen, Trompete, ein Werk, zeug des Guten wie des Bösen, je nachdem sie geleitet wird; die Zeitung hat manches Bestehende in Trümmer #", aber vielleicht ist sie auch allein im Stande, aus dem Schutte wieder ein neues Gebäude aufzuführen. Die Zeitungen sind, wie so manches Andere, nicht gleich das gewesen, was sie jetzt find, und ihr Anfang war sehr bescheiden. Wie bescheiden traten die Zeitungen in der Revolutions-Zeit und auch noch später auf! Die politischen Blätter aus der Zeit des Kaiserthums und selbst im Anfange der Restaurations-Epoche er - reichten nicht einmal die Größe der jetzigen sogenannten kleinen Blätter. Die Aufgabe unserer Vorgänger war ungleich leichter als die unsrige. Wir würden nicht die Hälfte, nicht das Drittheil unserer Spalten mit dem Stoffe füllen, mit dem sie ausreichten. Wer wollte nicht über den Aufwand von Kraft und Talent er staunen, der jetzt in den nicht unterzeichneten Artikeln einer Num mer, die nicht einmal durch einen berühmten Namen vor der Vergeffenheit bewahrt werden, verschwendet wird! Wie viel Meisterwerke des Stils, der Beredsamkeit würde man finden, wenn man die alten Jahrgänge der Zeitungen durchstöbern wollte, an denen Chateaubriand, Bonald, Michaud und so viele andere berühmte Schriftsteller gearbeitet haben. - Treten wir jetzt in das Heiligthum der Zeitung, in den

[graphic]
[graphic]

ein Zimmer, dessen Hauptzierde ein langer Tisch ist, der mit die rührende Geschichte von fünf Unglücklichen, welche neben der rünem Tuche überzogen und mehr oder weniger mit Tinte bei Brücke von Bercy eingebrochen und jämmerlich ertrunken waren. prist ist. An den Wänden hängen einige Ländcharten. Auf Schade, daß an dieser Geschichte kein wahres Wort war, und daß dem Büchergestell steht eine Reihe dicker Bände, welche sich bald die Actionaire der Brücke, welche die Verminderung des Brücken

als Wörterbücher, Zeitungs-Sammlungen oder andere Werke

eldes schmerzlich empfanden, dieses Mährchen rein erfunden zum Nachschlagen ausweisen. Auf dem Kamin steht eine Waffer

atten, um dem Publikum einen Schreck einzujagen.

Jetzt erscheint noch ein Redacteur; er kömmt gerades. Wer ges vom Gerichtshof, wo ein interessanter Rechtsfall verhandelt worden ist, und er bringt drei Spalten gerichtliche Chronik mit. Ein anderer könnt aus der Deputierten Kammer und entfaltet auf dem Tische eine Menge Blätter, welche mit stenographischem Gekritzel bedeckt sind. Dem Unglücklichen ist auf der Tribune der Zeitungsschreiber fast die Luft ausgegangen; vier bis fünf Stun den war er genöthigt, zu schreiben, zu sehen, zu hören und alle Ausrufungen, welche in den Tumult einer stürmischen Verhand lung hingeschleudert wurden, aufzugreifen. Dabei muß er jeden der Unterbrechenden erkennen und darf Niemand um ein Bravo oder ein Zeichen des Beifalls verkürzen. In dem Kopfe des Stenographen durchkreuzen sich die Gesetzesvorschläge und Entwürfe und umkreisen ihn in gespenstischem Tanze. Er muß die tenographische Schrift sodann in gewöhnliche Schrift umsetzen und den Setzern, welche schon auf ihre Beute lauern, vier oder fünf Spalten liefern. Bei den meisten Zeitungen ist die Drucker rei in demselben Hause, wo das Büreau sich befindet, so daß die Artikel den Druckern noch naß übergeben werden können. Der Stenograph, dieser Märtyrer der Volks-Repräsentation, muß sich darein ergeben, erst dann zu Mittag zu speisen, wenn es dem Himmel und den Herren Deputierten beliebt. Die anderen Reiz dacteure erwartet in der Feierstunde noch etwas Anderes; um diese # strömen die Besucher und die Bittsteller in das Zeit tungs-Büreau. Da sieht man Buchhändler und Schriftsteller mit ihren neuesten Erzeugniffen, die, ohne weiter zu fragen, ob das Buch fich auch zu einem Berichte in der Zeitung eignet, dringend eine empfehlende Anzeige nachsuchen. Hier muß der Redacteur fich mit aller ihm zu Gebote stehenden Freimüthigkeit und Unparteilich keit waffnen und stets seiner Verpflichtungen gegen den Leser ein gedenk seyn, um solchen Anforderungen auszuweichen. Und den noch ist es kaum möglich, sich nicht zuweilen durch besondere Rücksichten, unablässige Bestürmungen und Uebereinstimmung der politischen Ansichten zu gewissen Gefälligkeiten verleiten zu laffen. Dann kommen auch noch die Leute, welche unter dem Vorwande einer dringenden Angelegenheit den ersten Redacteur zu sprechen wünschen und gar in das Allerheiligste, in sein Zimmer, hinein stürmen. Diese dringende Angelegenheit ist dann gewöhnlich eine lange Geschichte, welche Niemand interessiert und die der Redact teur zu seiner unaussprechlichen Qual mit anhören muß; und doch ist es schon spät und noch Manches zu thun übrig. Zum Ersatz für diese lästigen Besuche empfangen die Zeitungs-Redacteure freilich auch zuweilen werthvolle Mittheilungen von ihren politischen Freunden oder von hochstehenden Männern. Diese Besuche werden sehr gern gesehen.

Wer ist aber der Mann, der jetzt mit zwei oder drei Begleitern von ziemlich zweideutigem Ansehen eintritt? Wir sind in dem Büreau einer Zeitung, die sich nicht zum Lobredner der gegenwärtigen Ordnung der Dinge aufgeworfen hat, und dürfen deshalb auch nicht staunen. Dieser Mann ist der Polizei - Kom/ miffarius, welcher die Zeitung mit Beschlag belegt. Nachdem er seine Vollmacht vorgezeigt, läßt er sich die Nummer über weisen, auf welche der ministerielle Bannstrahl gefallen ist; er jetzt fich; man beeilt sich, ihm ein Schreibzeug anzubieten, damit er sein Protokoll aufnehmen könne. Hierauf entfernt er sich wie der, ohne daß dieser Zwischenfall einen besonderen Eindruck gemacht hätte, denn seit acht Jahren ist die Presse schon an diese

Annehmlichkeiten gewöhnt. Vorher ist der Kommissarius schon

auf die Post gegangen, um alle für die Provinz bestimmten Exemplare mit Beschlag zu belegen. Entscheiden die Geschwor nen, zu Gunsten der Zeitung, so werden die Exemplare freilich zurückgegeben, aber dann find sie schon zwei oder drei Monate alt. Um fechs Uhr wird das Büreau allmälig leerer, weil die Redacteure dann zum Mittagseffen gehen, und es tritt eine Pause bis um neun Uhr Abends ein. Dann beginnt eine andere Arbeit; es kommen nun die Nachrichten, welche die Abendblätter gebracht haben, und die Neuigkeiten des Nachmittags an die '' und es wird die Ordnung der Zeitung gemacht. Derjenige, welcher die Ordnung macht, erklärt, daß er schon zu viel politische Ereig niffe, Feuilleton, Pariser Begebenheiten, Annoncen u. f. w. hat, oder daß ihm noch funfzig, hundert, zweihundert Zeilen fehlen. Hiernach muß man sich richten. Gegen Mitternacht sind alle fertig mit Ausnahme des Faktors, welcher mit der Feder in der Hand über die Korrekturbogen hingestreckt sitzt und Jagd auf die Druckfehler, diese Zeitungshydra, macht. Zu vertilgen find die selben nicht. Während der Nacht arbeiten die Preifen, und am Morgen erscheinen die Falzerinnen, welche jede Nummer mit einem Umschlage versehen, so daß sie von den Boten ausgetragen werden kann. In einem Zeitungs-Büreau giebt es für jede Stunde des Tages und der Nacht etwas zu thun. Sodann wird dem Königlichen ' ein vom verantwortlichen Redacteur uns terzeichnetes Exemplar zugeschickt, damit die Gedanken Inquisitoren ihre Prüfung '' und jede übelklingende Stelle mit rother Tinte anstreichen können. Wenn die Mor '' im Bür reau ankommen, so geht es an die Ausgabe für die Provinzen. Ein eigener Redacteur streicht aus dem für die Hauptstadt bei stimmten Exemplare die Theater Anzeigen und Alles, was sonst nur für die Hauptstadt von Interesse ist, und zieht dafür aus den Morgenblättern einige interessante Fakta aus. Hierauf kömmt die Ausgabe für die Provinz unter die Presse und wird der Post übergeben, wenn anders keine Hindernisse eintreten. So gelang en, die Zeitungen endlich an ihren Befin z", wenn die "ä" Es ' ä i er Fall ist, sich keine - UIDEN 0 unachtsamkeit zu So

[ocr errors]

Auf diese Weise kommen die Zeitungen zu Stande, so geht es das ganze Jahr hindurch, mit Ausnahme der großen #" tage, in den Büreaus zu. Bringt man nun noch außerdem zahl, reichen Generalstabe von Redacteuren, Beamten u. f. w. die uns geheuren Stempelgebühren in Anschlag, so muß man gestehen, daß eine Zeitung ein großartiges Unternehmen ist. Die unab hängigen Blätter haben dabei noch unaufhörliche Schikane, Beschlagnahme, Prozeffe, Geldstrafen und Gefängniß zu fürchten. Es ist nicht zu leugnen, wer sich unter der ' der Charte, die eine Wahrheit ist, einer so schwierigen Aufgabe unterzieht, der muß viel Muth haben und seiner politischen Ansicht in hohem Grade ergeben seyn. h. Muret.

Murat's Landung und Ende. Vom Marschall Marmont. *)

In der Nacht des 28. Septembers 1815 ging die kleine Exper dition von Ajaccio ab. Der Himmel war heiter, das Meer ruhig, das Gefolge des Königs kühn und muthig, der König selbst glücklich und hoffnungsvoll. i Vorspiegelungen des Glückes! – Der Neapolitanische Hof war von allen #" wegungen Murat's unterrichtet, denn sobald er ihn in Korsika wußte, sah er sich nach Jemand um, der Joachim's Schritte ausspionierte; ein gewisser Carabelli, ein geborener Korse, der ehemals unter "ä" e von diesem gebraucht wurde, ein geschickter und listiger, zu Allem fähiger Mensch, dem jede Dankbarkeit fremd war, meldete sich zu dieser unwürdigen Sen dung bei den Behörden, oder wurde denselben durch seinen Ruf in dieser Hinsicht empfohlen. Dieser Elende langte in Korsika an und wußte sich leicht bei Murat einzuführen, der nicht das geringste Mißtrauen gegen ihn hegte. Obgleich ein Feind und von Feinden abgesandt, waren doch die Rathschläge ganz gut, die er dem Könige erheilte. Unter dem Anschein einer großen Ergebenheit für feine Sache, bemühte er sich, denselben von seinem Vorhaben abzubringen, und befolgte darin getreulich die Instructionen der Regierung beider Sicilien, die sich über die Gefahren nicht täuschte, die eine Landung Murat's für sie her beiführen könne. Carabelli unterrichtete den Neapolitanischen Hof von allen Plänen, Hoffnungen, Vorbereitungen und Schritten Murat's; doch traf der Hof keine Vertheidigungs-Maßregeln, weil er nicht wußte, wo der Ex-König landen würde, und weil er befürchtete, durch solche Bestätigung seiner Besorgniffe die Absichten Murat's im Königreiche zu verrathen, wo seine Anhänger zahlreich und thatenlustig, die der Bourbonen hingegen schüchtern und gering waren. ", Sechs Tage segelte die kleine Flotte Murat's glücklich vor wärts, dann wurde sie durch einen drei anhaltenden Sturm zerstreut. Zwei Schiffe, deren eines den Ex-König trug, irrten aufs Gerathewohl im Meerbusen von St. Eufemia umher, zwei andere im Angesicht von Policastro, ein fünftes an den Küsten von Sicilien, und das sechste, ganz dem Zufall preisgegeben, war weit von den- übrigen verschlagen. Die Vorsehung verhin derte so die bei Salerno beabsichtigte Ausschiffung, und das war ewiß eine große Wohlthat des Himmels, denn die auf diesem unkt zusammengezogenen Truppen, auf deren Anhänglichkeit oachim gerechnet hatte, waren viel zu unbedeutend, um einen entschiedenen Erfolg, zu fichern, und dennoch zu stark, um auf den ersten Schlag überwältigt zu werden; so würde also das Königreich der ganzen Wuch der Zwietracht und des Bürgerkrieges anheimgefallen feyn, die blutigsten Auftritte wären dar aus entstanden und unendliche Thränen gefloffen. Eine Zeit lang war Joachim unentschieden; dann, von der Verzweiflung angespornt, faßte er den kühnen Entschluß, bei Pizzo ' landen und mit achthundert Soldaten die Eroberung des Königreiches zu unternehmen. Am 8. Oktober, einem Festtage, als gerade die Stadt Milizen dieses Platzes zu Kriegs - Uebungen vereinigt waren, langten Murat und sein Heer mit fliegenden Fahnen an; sobald fie der Einwohner ansichtig wurden, riefen sie: „Es lebe Köni Murat!“ Die Bevölkerung blieb jedoch bei diesem Ausrufe ganz stumm, weil fiel das unglückselige Ende der tollkühnen Ünternehmung schon vorausfah. Die Kälte dieses Empfanges bestimmte Mürat, einen Marsch nach Montelone, der Hauptstadt der Provinz, zu beschleunigen, die er sich befreundet zu finden offte, weil er sie nicht undankbar glaubte. - In Pizzo aber hielt # ein Hauptmann Trentacapilli und ein Agent des Herzogs von Infantado auf, die Beide dem Hause Bourbon sehr ergeben waren, der Eine aus Gesinnung, der Andere durch lange Dienste; schnell sammelten sie ihre Anhänger, verfolgten Joachim, er reichten ihn und schossen auf ' und sein kleines Heer. Murat hielt an, und statt ihnen auf eben solche Weise zu antworten, bei grüßte er fie, um sie für sich zu gewinnen. Doch diese große nüchige Duldung flößt selbst den Feigsten Muth ein; eine neue Ladung tödtet den Hauptmann Motedo und verwundet den Lieutenant Pernice, die Anderen rüsten sich zum Kampf, aber ihr König verbietet es und wendet mit eigener Hand ihre auf den Feind gerichteten Waffen ab. Die Menge nahm immer mehr zu, Bewaffnete bedeckt ten die Ebene und versperrten den Weg. Nur nach dem Meere *) Aus dem so eben bei Ladvocat in Paris erschienenen fünften Bande der Reifen des Herzogs von Ragusa.

[graphic]
[graphic]
[graphic]
[graphic]
[graphic]

zu war ein Rückzug möglich, und um dahin zu gelangen, mußten noch Bergrücken überstiegen werden. Murat wirft sich jedoch auf diese Seite und erreicht das Ufer; da fleht er das Fahrzeug, das ihn getragen, in See stechen. Aus allen Kräften ruft er den Namen des Capitains: „Barbara! Barbara!“ Dieser hört es sehr wohl, entfernt sich aber um so schneller, um im Besitz der beträchtlichen Summen Geldes und der anderen Reichthümer zu bleiben, die das Schiff enthielt, und beging so zu gleicher Zeit einen Diebstahl und eine Undankbarkeit; denn als Joachim noch in Neapel herrschte, hatte er diesen Elenden aus seinem schmach vollen Seeräuber-Handwerk herausgeriffen, ihn, obgleich er ein Malteser war, in seine Marine aufgenommen, in kurzer Zeit zum Range eines Fregatten-Capitains erhoben, und ihm nach und nach die Titel eines Ritters und Barons verliehen. Dieses Ret tungsmittels beraubt und von Barbaras im Stich gelaffen, versucht er es, in einer kleinen am Ufer vergessenen Barke ins Meer zu stoßen, aber die Kräfte versagen ihm und seinen Gefährten, und während sie sich in vergeblichen Anstrengungen er schöpfen, langt Trentacapilli mit seinen Bewaffneten an; Murat wird umringt und gefangen genommen, man entreißt ihm die Kleinodien, die er am Hut und auf der Brust trägt, verwundet ihn im Gesicht und überhäuft ihn mit '' und unwürs '' Thätlichkeiten. Das war der schrecklichste Augenblick seines Lebens und der härteste Schicksalsschlag; denn die Beschimpfun gen eines niedrigen Pöbels find schlimmer als der Tod. In diesem Zustande führten sie ihn ab und sperrten ihn in das kleine Schloß von Pizzo ein, mit seinen auf dieselbe Weise gefangenen und mißhandelten Gefährten. Die Behörden der Provinz wurden erst durch das Gerücht, dann durch Briefe aus Pizzo von diesem Ereigniß in Kenntniß esetzt. Der Kommandant von Calabrien, der General Nunziante, ' sogleich den Hauptmann Stratti nebst einigen Soldaten nach Pizzo; Stratti begab sich augenblicklich auf das Schloß, um eine Liste der Gefangenen aufzunehmen, weil er noch nicht glaubte, daß Joachim sich wirklich dabei befinde. Nachdem er zwei Namen aufgezeichnet, wendete er sich zum dritten Gefan genen und fragte nach dem feinigen. „Joachim Murat, König von Neapel“, antwortete dieser. Erstaunen und Ehrfurcht bei mächtigten sich bei diesen Worten des Hauptmanns Stratti; er senkte die Augen, ersuchte Murat, ihm in ein angemesseneres Gemach zu folgen, bezeigte ihm viel wohlwollende #" keit und nannte ihn Majestät: letzte Gunst oder vielmehr letzte F" des Schicksals. Nunziante, der dem Capitain sogleich ge: olgt war, langte inzwischen an, grüßte Joachim ehrfurchtsvoll und sorgte für alle seine Bedürfniffe. Der General verstand die chwere Kunst, während der kurzen Gefangenschaft Joachim's die flichten der Treue gegen den Bourbonischen Herrscher mit der ' zu verbinden, welche dem Unglück des Königs Murat gebührte. Der Regierung wurden die Nachrichten aus- Pizzo durch den Telegraphen und durch einen Courier" gemeldet. "Der Kö nig und die Minister erbebten bei dem Gedanken an die Gefahr ren, welche sie bedroht hatten, und waren froh, denselben ent angen zu seyn, doch blieb ihnen noch immer hinreichender rund zu Verdacht und Besorgniß. Truppen-Abtheilungen muß, ten nach den Provinzen aufbrechen, der Prinz von Canosa ging mit unbeschränkter Vollmacht nach Calabrien ab, die Wachen des Palastes wurden verdoppelt und alle mögliche Vorsichtsmaß reqeln ' Man wußte sehr wohl, daß Murats Tod allen diesen Besorgniffen ein Ende machen würde, und faßte das her den Entschluß, ihn zu verurtheilen. Der Befehl dazu wurde auf telegraphischem Wege und durch einen Courier nach Pizzo #" ein Kriegsgericht sollte ihn als einen Feind der öffent: ichen Ruhe zum Tode verdammen. Während die Befehle mit Blitzesschnelle von einem Orte zum anderen flogen, erfreute sich Murat im Schloffe zu Pizzo einer vollkommenen Heiterkeit; er lebte so zufrieden und schlief so ruhig wie die Glücklichen der Erde, verwendete, wie gewöhnlich, große Sorgfalt auf seine Person, unterhielt sich mit Nunziante wie ein König mit einem fremden General und sagte noch am Tage vor seinem Tode, daß eine Ausgleichung zwischen ihm und Ferdinand durchaus keine Schwieri keiten habe; Ferdinand brauche ihm nur das Königreich Neapel zu überlaffen, und er wolle ihm dagegen seine Rechte auf Sicilien abtreten. Die Denkweise und der Charakter Murat’s zeigten sich klar in diesen eben so verwegenen als uns zeitigen Worten. Der Todesbefehl kam an; in der Nacht des 12. Oktobers war der Entschluß dazu gefaßt worden. Man ernannte sieben Richter; drei derselben, so wie den Königlichen Prokurator, hatte urat während feiner Regierung aus dem Staube hervorgezo F" und mit Gnaden und Ehrenbezeugungen überhäuft. ies ericht hielt seine Sitzung in einem Saale des Schloffes, währ r Joachim in einem anderen den letzten Schlaf seines Lebens war fchon heller Tag, als Nunziante zu ihm ein tleid wollte er ihn nicht aufwecken und wartete an Endlich schlug Murat die Augen auf, und der General kündigte ihm mit betrübter Miene an, daß die Regie rung den Befehl erlassen habe, ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen. ,,So bin i verloren“, entgegnete Murat; „dieser Befehl, mich zu rid ein Todesurtheil.“ Eine Thräne schwamm in feinen Augen, doch sich feiner Schwachheit schät mend, unterdrückte er sie und fragte, ob man ihm erlaube, an seine Frau zu schreiben. Nunziante, der zu bewegt und keines Wortes mächtig war, antwortete nur durch ein bejahendes Zeichen.

Murat schrieb darauf mit fester Hand folgenden Brief in Fran: zösischer Sprache: „Meine theure Karoline, meine letzte Stunde hat geschla gen. In wenig Augenblicken werde ich aufgehört haben, zu leben; in wenig Augenblicken wirst Du Deines Gatten beraubt seyn. Vergiß mich niemals. Ich sterbe unschuldig; mein Leben wurde von keiner Ungerechtigkeit befleckt. Lebe wohl, mein Achilles; lebe wohl, meine Lätitia; lebe wohl, mein Lucian; lebe wohl, meine Louise; zeiget Euch immer der Welt als meiner würdig. Ich laffe Euch ohne Königreich, ohne Güter, mitten unter zahlreichen Feinden . . . . Seyd immer einig unter einander; zei et Euch erhaben über jedes Mißgeschick; denket stets daran, was # feyd, was Ihr waren, und Gott wird Euch segnen. Fluchet nicht meinem Andenken. Mein größter Schmerz in den letzten Augenblicken meines Lebens ist der, fern von meinen Kindern zu sterben. Empfanget den väterlichen Segen; empfanget meine Umarmungen, meine Thränen. Behaltet Euren unglücklichen Vater immer im Gedächtniß. – Pizzo, den 13. Oktober 1815“ – Nachdem der König diesen Brief beendet hatte, schnitt er einige Locken von seinem Haupte, legte sie in das Papier und über gab und empfahl es dem General Nunziante. Dem unglücklichen Gefangenen stellte sich nun der zu sei nem Defensor ernannte Hauptmann Starace vor, um ihn mit der schmerzlichen Pflicht bekannt zu machen, die er den Richtern desselben gegenüber auszuüben habe. „Meine Richter!“ rief Murat aus, ,,sie sind nicht meine Richter, sie find meine Unz terthanen. Könige können '' von bloßen Privatleuten gericht tet werden. Die anderen Könige haben eben so wenig das Recht, sie zu richten, denn alle Könige stehen einander gleich. Die Könige haben keine andere Richter, als die Völker und Gott. Will man mich wie einen Französischen Marschall bei trachten, so muß ein Gericht von Marschällen über mich Recht sprechen; als General, eine Versammlung von Generalen. Ehe ich mich so erniedrigen könnte, diejenigen für meine Richter an zuerkennen, die man dazu erwählt hat, müßte erst manches Blatt aus der Geschichte Europa’s geriffen werden. Das Gericht ist inkompetent, ich schäme mich feiner.“ Als Starace auf seiner Vertheidigung bestand, erwiederte Joachim mit ganz bestimmtem Tone: „Sie können mein Leben nicht '' so tra gen Sie wenigstens das Ihrige dazu bei, meine Königsehre zu retten. Es handelt sich hier nicht darum, über mich Recht zu sprechen, sondern mich zu verurtheilen. Diejenigen, welche man meine Richter nennt, sind nichts als meine Henker. Sie werden nicht zu meiner Vertheidigung auftreten, ich will es nicht.“ Der Vertheidiger entfernte sich traurig und ließ den mit der Instruction des Prozesses beauftragten #" eintreten. Dieser fragte, wie es Gebrauch ist, nach dem Namen des Gefangenen und wollte noch etwas hinzufügen, als ihm Joachim ungestüm ins Wort fiel und ausrief: „Ich bin Joachim Murat, König bei der Sicilien und der Eurige. Gehet, befreiet mich von Eurer Gegenwart.“ Als er wieder allein war, saß er lange mit gesenkt tem Haupte und verschlungenen Armen und betrachtete unverwandt die Portraits seiner Familie, von denen er seine Augen nicht abzuwenden vermochte; an seinen schweren Seufzern und seiner tiefen Traurigkeit erkannte man, daß ein schrecklicher Gedanke auf seinem Herzen laste. Sein wohlwollender Hüter, der Hauptmann Stratti, fand ihn in dieser Stellung und wagte nicht, ihn anzureden; da sprach Murat zu ihm: ,,In Pizzo freut man sich über mein Unglück; was habe ich denn den Neapolitanern ' daß sie meine Feinde geworden find? Ihrem Intereffe habe ich alle Früchte meiner Arbeiten und meines langen Kriegslebens geopfert, ich lasse meine Familie arm zurück. Alles Freifinnige in ihren Gesetzen stammt von mir her. Wenn es eine von der Welt gekannte Neapolitanische Armee giebt, wenn die Nation einen Rang unter den mächtigsten Völkern Europa"s ein nimmt, so ist das mein Werk. Für die Neapolitaner habe ich jeder anderen Neigung entsagt, bin ich undankbar gegen Frankreich gewesen, das mich auf den Thron erhoben, von dem ich heute ohne Furcht und ohne Gewissensbisse herabsteige. Ich habe keinen Theil an der Enghien'schen Tragödie genommen, die der König Ferdinand heute durch eine andere rächt; ich habe keinen Theil daran, ich schwöre es bei Gott, vor den ich bald treten werde.“ Auf diese Worte folgte ein minutenlanges Stillschweiz gen. ,,Hauptmann Stratti“, hub er dann von neuem an, „es ist mir Bedürfniß, allein zu jeyn. Ich danke Ihnen für die Theilnahme, welche Sie mir in meinem Unglück bewiesen haben; ich bin nicht im Stande, Ihnen meine Dankbarkeit dafür auf andere Art zu beweisen. Seyen Sie glücklich.“ Joachim schwieg, und der Hauptmann Stratti entfernte sich mit thränenfeuchten Augen, um ihn allein zu laffen. Murat kannte sein Urtheil noch nicht, als kurz darauf der Priester Masdea in sein Zimmer trat. „Sire“, redete ihn dieser Geistliche an, „ich spreche zum zweiten Male mit Ew. Majestät Als Sie zuerst vor fünf Jahren nach Pizzo kamen, bat ich, um Ihren Beistand zur Vollendung unserer Kirche, und Ew. Majestät ab mehr als ich zu hoffen wagte. Meine Worte find also bei # nicht ohne Erfolg, und ich habe die feste Zuversicht daß ie heute auf meine Gebete achten werden, deren einziger Zweck die ewige Ruhe Ihrer Seele ist.“ Joachim erfüllte mit philo sophischer Ergebung alle Pflichten eines sterbenden Christen, und "das Beringende Madea schrieb er in Französischer Sprache nieder: „Ich #" als guter Christ. – J.-M.“ Während diese rührenden Auftritte in einem Gemach, der Schlosses vor sich gingen, erfüllte das Kriegsgericht in einem anderen Saale seinen schrecklichen Auftrag, indem es erklärte: „daß Joachim Murat, der durch das Loos der Waffen wieder in den Stand eines einfachen Privatmannes, aus dem er hervorge gangen, zurückversetzt worden, dennoch mit 28 Mitschuldigen ein tollkühnes Unternehmen gewagt habe, welches mehr einen Aufstand als einen Krieg zum Zweck gehabt; daß er das Volk zur Empörung aufgereizt, den rechtmäßigen Herrscher angegriffen und danach getrachtet, das Königreich und Italien umzustürzen; dieser Ursachen wegen, und als öffentlicher Feind, werde er zum Tode verurtheilt, laut eines während der zehnjährigen Occupation gegebenen und bis jetzt in Kraft erhaltenen Gesetzes.“ Es schien, als wollte das Schicksal dadurch seine blutige Ironie krönen; denn Murat selbst hatte vor sieben Jahren dieses gegen ihn an gewendete und als Werkzeug eines Todes benutzte Gesetz ge

[graphic]
[graphic]
[graphic]
[graphic]

geben, seine Anwendung aber in mehreren Fällen aus Gnade

Brust den Kugeln dar und sagte zu den Soldaten:

aufgehoben.

Kalt und verächtlich hörte der Gefangene die Vorlesung sei, nes Todesurtheils mit an. Sogleich wurde er in den kleinen Hof des Schloffes geführt, wo man eine Compagnie Soldaten in doppelter Linie aufgestellt hatte. Man wollte ihm die Augen verbinden; er lehnte es ab, betrachtete heiteren Blickes alle Todeszurüstungen, nahm die erforderliche Stellung an, bot seine „Verschonet das Gesicht, zielet auf das Herz.“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so ertönten Schüsse, und todt sank " nie der, der einst König bei der Sicilien war, fest in seinen Händen die Portraits seiner Familie haltend; man beerdigte sie mit ihm, ohne sie dem Tempel zu entreißen, den seine Liebe ihnen erricht tet hatte. Diejenigen, welche an Joachim Murat's Tod glaubt ten, beweinten ihn mit bitteren Thränen; aber die Mehrzahl der Neapolitaner suchten ihren Schmerz durch eitle Vorspiegelungen zu betäuben und wollten sich überreden, die Vorfälle in Pizzo seyen nur eine Erfindung des Hofes.

So endete Joachim Murat, im 48sten Jahre seines Alters und im 7ten seiner Regierung.

E. n g l a n d. Gesellschaftliche Grundlagen des Britischen Staats.

(Nach dem Atlas.)

Nichts erfüllt den Fremden, der den Englischen Angelegen heiten seine Aufmerksamkeit widmet, mit solchem Erstaunen, wie die Unversehrtheit, in welcher die Britische Verfassung aus so vielen Krisen glücklich entkömmt, und das wunderbare Gleichgewicht der Intereffen, durch welches die politische Maschine in ihren Fugen erhalten wird, wenn sie auch z" Stößen ausgesetzt ist, die ihrem Triebwerk mit gänzlicher Zertrümmerung zu drohen scheinen. Ihm kömmt es vor, als müßte Großbritanien unfehlbar zu einer Revolution hingedrängt werden durch das Elend der Armen, welches eine so große Last örtlicher Auft lagen nöthig macht, durch die Wirkung der Korngesetze, durch die Theuerung in allen Dingen, an der die Einfuhrzölle schuld sind, und durch den mißlichen Zustand der fabrizierenden Klaffen, deren Läden fich bei den mindesten äußeren Unruhen schließen, und deren

Unterhaltsmittel durch die Verbesserungen im Maschinenwesen

und durch die angestrengte Konkurrenz der Arbeiter des Auslandes täglich bedroht werden. Er begreife nicht, wie der Verband der drei Königreiche die in Irland systematisch fortdauernde Aufregung überleben kann, da in diesem Lande die wilde Gewalt eine völlige Disziplin begründet hat, die geachteter ist als das Gesetz, und da dort die Noth in fast jeglicher Gestalt den Menschen zum Aeußersten zu zwingen scheint. Die feste Gliederung des gesellschaftlichen Systems und die gegenseitige Abhängigkeit seiner verschiedenen Theile von einan der, dies ist der Grund, warum England frei bleibt von den Erschütterungen, welche denjenigen, die sich nur an die Außenseite der Dinge halten, unvermeidlich scheinen müffen. Die Britische Aristokratie hat eine einsaugende Kraft in fich, die Alles, was auf der Oberfläche der Gesellschaft zum Vor schein kömmt, an sich zieht; sie öffnet ihre Reihen einem Jeden, der zu Reichthum gelangt, und sie verleiht ihm den Glanz, den die öffentliche Meinung den Wohlhabenden einräumt. So verhindert fiel ihn, indem sie ihn in ihre Zahl aufnimmt, sich eine von ihrem Einfluß unabhängige und ihr feindliche Partei zu bil den. In der ersten Generation ragen die homines novi gewöhnt lich durch Auszeichnung im Handel oder im Gewerbfleiß hervor; in der nächsten werden sie Parlamentsmitglieder oder Beamte an den Gerichtshöfen, und am Schluß einer ehrenvollen Laufbahn harrt ihrer die Pairswürde. Man braucht nur einen flüchtigen Blick auf die Pairie ' werfen, um sich zu überzeugen, daß dieser durch feinen, esprit du corps so mächtige Stand sich auf diese Weise rekrutiert. Die Beispiele der Lords Brougham, Lyndhurst, Cottenham und Langdale, um nur bei den Rechtsgelehrten der drei letzten Ministerien stehen zu bleiben, zeigen hinlänglich, wie die Intereffen der alten Familien, die den Wirkungen der Zeit und der Revolutionen '' find, durch die Hinzugestellung von Individuen, welche Tag für Tag darin Aufnahme finden, neu gekräftigt werden. In anderen Ländern sind die Advokatur und der Handel im Besitz des Bürgerstandes und gelten für ein Gegengewicht gegen den Einfluß der Aristokratie; in England

liefern sie vielmehr Theilnehmer an den Privilegien des erblichen Ranges und des großen Reichthums, statt eine Opposition dage

gen zu bilden. Der Advokat von Westminster-Hall, der Schiff,

bauer von Liverpool und der Fabrikant von Sheffield und Manchester haben sich kaum ein Vermögen erworben, so nehmen ihre Gedanken auch schon das Gepräge jener aristokratischen Form an, die dem Geist der Britischen Sitten einen unverwüstlichen Stempel aufgedrückt zu haben scheint. Ob Einer in politischer Hinsicht ein Reformer oder in religiöser ein Diffenter ist, das thut nichts zur Sache; der Eine kauft ein mit Kirchen, Patronat verbundenes Gut, um es auf seinen ältesten Sohn zu vererben; der Andere macht seinen Einfluß bei den Grafschaftswahlen gel, tend und erwirbt sich dadurch einen Anspruch auf die Baronetswürde; und Beide, obgleich noch im ersten Aufblühen ihres von gestern herstammenden Reichthums, eilen ohne Zögern in ein Wappenamt, um sich ein Schild für ihre Familie geben zu laffen, – eine der natürlichsten und unverbesserlichsten Eitelkeiten. Das Familienwesen, wenn man so sagen darf, ist in England die Stütze des Staatswesens, und die Institutionen des Landes entspringen aus seinen Sitten. Das tiefste Elend, welches dicht neben dem Glanz des Reichthums in grellem Kontrast das steht, ist kein Hinderniß für das Gemeinwohl, obgleich im eigenen Schoße dieser künstlichen Gesellschaft der älteste Sohn mit einem Einkommen von Tausenden auf Kosten des gezwungenen Cölibats seiner Schwestern und der abhängigen Arbeitsamkeit seiner jüneren Brüder lebt. Um den Naturtrieb zu hemmen, der einem olchen System gefährlich werden könnte, und um die Folgen von so viel einzelner Noth zu mildern, hat man Armen, Gesetze eingeführt und ist dadurch den Bedürfnissen der Armuth entgeengekommen; aber die ungeheure Menge der Verbrechen würde toff genug liefern, um einen ganzen neuen Kontinent zu bevölkern. Für die jüngeren Zweige reicher Familien wird in den Kolonieen gesorgt, oder in Indien, oder vermittelt der Pfründen einer Kirche, welche reicher ist, als der vereinigte Klerus der ganzen übrigen Christenheit, oder durch die verschiedenen Grade einer Marine, die an Umfang alle Marinen Europa's übertrifft. Diese kolossalen Reichthümer sind für die Englische Aristokratie das, was die Eroberung für die Römischen Patrizier war, das nothwendige Ergebniß ihrer Stellung, die unumgängt liche Bedingung ihres Bestehens.

[ocr errors]

– Janin in Deutschland. Seine Rückreise von Mai land durch die Rheingegenden über Holland nach Paris hat Jules Janin in einem Artikel beschrieben, der jetzt, als verspäteter Nachzügler zu den früher von uns erwähnten Berichten über seine Italiänische Reise, in der Revue du XIXe siècle abgedruckt ist. Das Journal des Débats, das die früheren Artikel gebracht, scheint Anstand genommen zu haben, auch den letzten aufzunehmen, und mit Recht; denn etwas Flacheres und Absprechenderes läßt fich wohl kaum über drei Völker zugleich sagen, als hier Herr Janin auf wenigen gedruckten Seiten über Italiäner, Deutsche und Holländer zusammengeschrieben hat. m Rhein findet er auf jedem Schritte nichts als – Frankreich; „und warum ist hier nicht Frankreich?“ fügt er in elegischer Stimmung hinzu. Gleichwohl sagt er in demselben Athemzuge von den Menschen, die dieses Frankreich bewohnen: ,,Niemals habe ich phlegmatischere Leute gesehen; sie find glücklich, ohne sich Unruhe wegen des gestrigen oder Sorgen wegen des morgenden Tages zu machen; sie überlaffen sich der Woge, von der sie eben geschaukelt werden. Sie effen und trinken den ganzen Tag, und wenn sie weder effen noch trinken, so rauchen die Taback und werfen dabei einen wehmüthigen Blick auf die schöne herrliche Landschaft, zu der sie selbst die Staffage bilden. Welcher Unterschied zwischen diesen Menschen und jenen Italiänischen Vulkanen, die über weniger als Nichts in Feuer und Flamme gerathen, und jenen anderen Vulkanen, den Franzosen, die selbst auf dem Dampfboote von Paris nach St. Cloud Gelegenheit finden, mit ihren Frauen zu zanken, ihre Kinder auszuschelten und über ihre Geschäfte zu disputieren!“ – In Mainz angekommen, fällt ihm natürlich zuerst die Statue Guttenberg's, des Erfinders der Buchdruckerkunst, in die Augen. Aber, was glaubt man wohl, sagt Janin von diesem Werke des unsterblichen Thorwaldsen,

- von dem Abbilde des Mannes, der hier mit der ersten gedruckten

Bibel, die er an das Herz drückt, in der einen Hand, und mit den eben erfundenen Typen in der anderen, voll Majestät und Würde im alten Deutschen Gewande steht? „Die Wahrheit zu sagen“, sagt der wahrheitliebende Janin, „ist diese Statue Guttenberg's ganz miserabel. Es ist z, einen Mann von solchem Genie weniger zu begreifen und in einer groteskeren Weise darzustellen. Man hat aus Guttenberg eine Art von uns

z" Deutschen gemacht, der so aussieht, als wollte er

ch von den vorübergehenden Studenten eine Pfeife Taback aus bitten. Gleichwohl ist dies ein Werk jenes berühmten Thorwaldsen, bei dessen Durchreise ganze Städte in Bewegung kommen, eines Mannes, der eine Art von übertriebenem und emphatischem Canova ist und der für uns einige ganz abscheuliche Schüler gebildet hat.“ – Welcher Künstler in der Welt kann sich wohl fortan noch von dem Lobe ä nachdem er solchen Tadel über Thorwaldsen ausgesprochen, geehrt fühlen?

Herausgegeben von der Redaktion der Allg. Preuß. Staats-Zeitung.

Redigiert von J. Lehmann. Gedruckt bei A. W. Hayn.

[ocr errors]

für die

Expedition (Friedrichs-Straße Nr. 72); in der Provinz fo wie im Auslande bei den

[ocr errors]

Literatur des Auslandes.

Berlin, Montag den 14. Januar

1839.

[ocr errors][merged small]

Wir entlehnen Lord Mahon's Geschichte Englands vom Utrechter bis zum Aachener Frieden, die eben mit dem dritten Bande vollendet erschienen ist, einige Auszüge, die sich auf den Kampf von 1745 beziehen und auf die Personen, die in demselben eine Hauptrolle spielten; man wird dieselben mit, um so größerem Interesse lesen, als der Verfasser für diesen Theil seiner Geschichte aus der Sammlung von Dokumenten, die unter dem Namen der Stuart-Papiere erwähnt werden, ganz neue Auft klärungen geschöpft hat. Wir beginnen mit einer Skizze des Prinzen Karl Eduard, der, damals vierundzwanzig Jahr alt, von der Natur mit vielen und von der Phantasie seiner Anhän ger mit allen großen Eigenschaften ausgestattet war. „Karl Eduard Stuart ist ein Charakter, der nicht nach einer einzigen Auffassung darzustellen ist, sondern sich so sehr verändert hat, daß er für verschiedene Perioden aufs neue geschildert werden muß. In seinen späteren Jahren hat die Unmäßigkeit Spuren an ihm zurückgelaffen, die eben so tief, aber nicht so ehrwürdig wie die der Zeit find; wir sehen in seinem vorgerückten Alter nur den sinnlosen Trunkenbold, den grämlichen Gatten, den tyrannischen Herrn, mit geschwächtem Verstand und launischen Temperament. So war aber der Karl Stuart von 175 nicht. So war nicht der ritterliche Prinz voll Jugend, Hoffnung und Muth, der, in den Wildniffen von Moidart mit sieben Mann landend, ein König reich um seine Fahne sammeln und seine Feinde bei Preston und Falkirk vor sich her treiben konnte. So war der heitere und artige Gast von Holyrood nicht! So war der nicht, dessen Kampfgier und Ausdauer in Strapazen selbst von Hochländischen Häuptlingen bewundert wurden, während noch günstigere Bes urtheiler die höchste Liebenswürdigkeit im Gespräch, die höchste Anmuth im Tanz an ihn rühmten. Daher hat er sich auch in so wenigen Monaten bei einer so hochherzigen Nation, wie die Schotten, eine so große Popularität erworben und mit seiner Erscheinung einen so tiefen Eindruck bei ihnen zurückgelassen, daß noch dreißig oder vierzig Jahre, nachdem er sie verlaffen, ein Name von Allen, die ihn gekannt hatten, mit den feurigsten obsprüchen genannt wurde, d man bei der Erinnerung an ihn die rauhesten Herzen gerührt und die gefurchten Wangen der Veteranen von Thränen benetzt sah. Ohne also die Fehler seines Charakters zu leugnen oder die Erniedrigung seines Alters bei chönigen zu wollen, müssen wir dem Glanz einer Mannesjahre Gerechtigkeit widerfahren laffen. Kar's äußere Gestalt (um der weiblichen Leser willen beginnen wir mit dieser) war schlank und wohlgebildet, seine Glieder kräftig und unverdroffen. Er zeichnete sich aus in allen männlichen Uebungen und war gewöhnt an jede Art Strapaze, besonders lange Fußreisen. Sein Gesicht war bei sonders schön und von vollkommen ovaler Form, seine Augen hellblau, seine Züge stolz und edel. Der Sitte der Zeit zuwider, welche den Gebrauch von Perräcken vorschrieb, ließ er gewöhn, lich sein eigenes schönes Haar in langen Locken herabwallen. Mit dieser einnehmenden Gestalt verband er noch ein feines Bes nehmen, und indem er sich häufig bis zur vertraulichsten Leut seligkeit herabließ, die aber immer von einer gewissen König lichen Würde geschützt war, hatte er eine besondere Gabe, zu gefallen und zu überreden, und verstand es, jedesmal eine Unt terhaltung nach dem Geschmack und Stand der Personen, die er anredete, einzurichten. Doch er verdankte nichts seiner Erzier hung: diese war dem Sir Thomas Sheridan, einem Irischen Katholiken, anvertraut worden, welcher nicht den Verdacht ent ' ist, daß er in Solde der Britischen Regierung stehe und eine Pflicht als Lehrer verrathe. ' nuß sagen, daß ich keinen Beweisgrund für diese gehässige Anklage gefunden. Ich glaube, Sheridan ist als ehrlicher Mann gestorben; aber die Geschichte kann ihn nur von gemeiner Schurkerei freisprechen, indem sie ihm grobe Vernachlässigung Schuld giebt. Er hat seinen Zögling in den allergewöhnlichsten Elementen des Wissens ununter richtet gelassen. Die Handschrift in den Briefen Karies, die ich unter den Stuart-Papieren gesehen, ist groß, unbeholfen und fcbulknabenmäßig. In der Orthographie ind sie noch mangels hafter. Das Wort humour z. B. wird bei ihm uner, und selbst

seines eigenen Vaters Name, James, erscheint unter der Gestalt Gems. Diese Fehler beschränken sich nicht auf. Eine Sprache: wer, um eine Probe von einem Französischen zu geben, würde in dem Worte coote de chas (coüteau de chasse) ein Jagdmesser erkennen? Ich glaube es daher gern, wenn Dr. King uns versichert, er habe nur wenig von der Geschichte oder Verfassung Englands gewußt. Wenn aber die Briefe Karl's seinen Mangel an Erziehung darthun, so find sie auch nicht weniger klare Zeugniffe von seinen natürlichen Fähigkeiten, der Energie eines Charakters und der Wärme seines Herzens. In einem vertraut lichen Schreiben kurz vor seiner Fahrt nach Schottland sagt er: „Als ich am Pfingstfest meine Andacht verrichtete, ' ich mich ganz besonders dem Schutz und der Leitung des Allmäch tigen und flehte, daß er mir immer die Gesinnung erhalten möchte, lieber etwas zu leiden, als irgend eine meiner Pflichten zu verletzen.“ Er gedenkt seines jüngeren Bruders, Heinrich's von York, mit der größten Zärtlichkeit, und obwohl er bei der Rückkehr von Schottland merkte, daß er Ursache habe, sich über Hennrich's Kälte und Zurückhaltung zu beklagen, so wird dieser Fehler nur obenhin berührt, und Karl bemerkt, so groß auch seines Bruders Mangel an Liebe fey, dies werde seine eigene nie vermindern. Der Ton, in welchem er zu seinem Vater spricht, ist höchst zärtlich und ehrerbietig, und als er, fich zu seiner großen Unternehmung im Jahre 1745 anschickend, den ' um seinen Segen bittet, so kann es ihm gewiß der rengste Katholik nicht übel nehmen, wenn er hinzufügt, er würde einen Segen von seinem Vater für viel kostbarer und heiliger halten. Was seine Freunde und Anhänger betrifft, so hat man Karl den Vorwurf gemacht, daß er nicht genug von ihren Leiden gerührt oder für ihre Dienste dankbar sey. "Auf erzogen unter Mönchen und Frömmlern, die weniger zu fürchten schienen, daß er nicht zur Regierung komme, als daß er ' wenn er in ihrem Befiz fey, auf eine liberale Weise führen möchte, hatte er von Jugend auf die übertriebensten Vorstellung gen von Prärogative und Erbrecht eingesogen. Daher mochte er glauben, daß die, welche in Schottland für ihn kämpften, nicht mehr hätten als ihre Pflicht und daher auf keine besondere Art von Lob oder Bewunderung Anspruch hätten. Andererseits müssen wir bedenken, wie geneigt alle Verbannten find, ihr eigenes Verdienst zu übertreiben und sich über Vernachlässigung zu beklagen, felbst da, wo keine vorhanden ist; und doch ' man aus Karl's vertrautester Korrespondenz eine Menge Stellen anführen, um zu zeigen, wie liebreich und besorgt er für seine Anhänger war. Noch sehr jung, war er entschloffen, lieber per fönliche Entbehrung zu ertragen, als seine Freunde durch Schuldenmachen in Verlegenheit zu setzen. Als er von Schottland zurückkehrte, sagte er dem Französischen Minister d'Argenson, für sich verlange er nichts; er fey aber bereit, einen Fußfall zu thun, um für seine Mitverbannten etwas zu erlangen. Einmal, als er einige Fehler und Spaltungen unter feinen Dienern bei klagt, erklärt er, ein ehrlicher Mann sei nichtsdestoweniger so viel werth, daß „wenn Ew. Majestät es nicht befiehlt, ich mich von ihnen mit trübem Herzen trennen würde.“ Ja ich glaube, diese Wärme Karl's für feine unglücklichen Freunde blieb fast allein übrig, als in seinen späteren Jahren jede andere edle Eigenschaft seines Herzens verwischt und untergegangen war. Er hatte einige Erfahrung im Krieg, da er in seiner Jugend in der Spanischen Armee bei der Belagerung von Gaeta gedient und fich ausgezeichnet, und er liebte den Krieg als das Geburtsrecht der Sobieski's, wie der Stuart's. Unverwerfliche Zeugnisse rühmen seinen lebhaften Verstand, seine Schnelligkeit im Ents schließen und seine Verachtung der Gefahr. Sein Anführer Talent ist wahrscheinlich nie über das Gewöhnliche hinausgegangen, doch sieht man bei einigen Fällen in Schottland, wo er und seine geübteren, erfahreneren Offiziere verschiedener Meinung waren, daß sie Unrecht und er Recht' ein Ritter der alten Zeit hatte gewiß einen erhabeneren Begriff von Ehre; ja er trieb denselben zu solchen Extremen, daß er dadurch oft in Irrthum und Unglück gerieth. So verlor er die Schlacht von Culloden besonders darum, weil er es verschmähte, von dem Boden. Vor theil zu ziehen, und es für ritterlicher hielt, dem Feinde unter leichen Verhältnissen zu begegnen. So war auch der Grund eines eigensinnigen, wunderlichen Benehmens beim Aachener Frieden ein falsches pont d'nonneur, das er darin zu erkennen

« ForrigeFortsæt »