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SMIC AEG AUTAI

VORR E D E.

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Nicht ohne Bedenklichkeit, ich gestehe es, übergebe ich gegenwärtige Übersetzung des Lukrez dem Publicum.

Fürs erste sind nur wenige, die den ächten Geist dieses philosophischen Gedichtes beurtheilen könnten; und dann sind selbst Meinungen und Grundsätze darin, die nicht jedem zulässig, ja manche, die sogar ungereimt scheinen dürften.

Was noch hinzukommt, selbst der Geist dieser hohen Poesie, ist beinahe unter uns verschwunden. Die lehrende Muse zeigt sich höchstens noch im Trauerspiel; das übrige ist auf leichtes Spiel der Phantasie und Unterhaltung berechnet.

So war es nicht immer. Die Denkmale, die uns Griechen und Römer in ihren Gedichten hinterlassen haben, deuten grösstentheils auf eine tiefere Grundlage, die auch selbst in ihren Scherzen und Spielen hervorblickt. Schönheit galt ihnen vor allem; aber leere Phantasie war ihnen keine Poesie. Diese musste einen innern Gehalt haben, der auf Sittlichkeit und Natur gegründet war.

Unter den Römern hat Lukrez durch sein Gedicht von der Natur der Dinge einen hohen Rang erhalten; ja sich einen unsterblichen Namen gemacht.

Der feurige Geist des edlen Jünglings strebte nach Wahrheit, und sah sie unter allem Reitze der Poesie. Was er selbst nicht erforschen konnte, das schöpfte er aus den reichen Quellen des Gargettischen Weisen, und trank daraus im Überfluss.

Enthusiastisch eingenommen von den Lehren der Epikurischen Philosophie, die damals und zu seiner Zeit wohl auch noch die konsequenteste seyn mochte, da sie sich an die blofsen Naturerscheinungen hinhielt, glaubte er sich im Besitz der vollkommenen Wahrheit; und in dieser Überzeugung forderte er alle Schätze seiner reichen poetischen Kunst und Einbildungskraft auf, um auch seinen Freund Memmius von der erkannten Wahrheit zu überzeugen.

Edle Seelen vergessen nie der Wohlthaten, die sie empfangen haben, auch der längst Verstorbenen gedenken sie noch mit dankbarem Gemüthe; so war auch er nicht undankbar gegen die Verdienste seines grofsen Meisters, und suchte ihn sogar bis zum Himmel zu erheben,

Obgleich nun die Grundsätze und Lehren desselben nicht immer auf sichern Grundfesten ruhen, ja zu unsern neuern, Erfahrungen und Kenntnissen nur wenig passen, so muss man doch den Geist derselben ehren, und den. Dichter bewundern, der sie so aufzufassen, und in solcher anscheinlichen Klarheit hinzustellen wusste.

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Unter dieser Ansicht wird man nicht nur den Inhalt des Lukrezischen Gedichtes zum Theil entschuldigen, sondern man wird auch dem Werke selbst das gebührende Lob nicht versagen können.

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Von der Vortrefflichkeit des Gedichtes, blofs als Gedicht betrachtet, will ich weiter keine Rede führen. Sie ist allgemein anerkannt, und obgleich falscher Eifer solche zu verkleinern und herunter zu setzen suchte, so bleibt ihm unter allen Lehrgedichten, die wir kennen, noch immer der glänzendste Vorzug. Diesen gestanden ihm auch die alten Heroën der Dichtkunst zu, und Virgil selbst beweifst durch die häufige Nachbildung seiner Ausdrücke und Verse, wie hoch er den Dichter geschätzt.

Indessen hat unter allen Dichtern des Alterthums vielleicht keiner so wenig Sorgfalt und so viel Nachtheil, durch Unkunde oder Verkehrtheit der Herausgeber, erfahren müssen, als eben unser Lukrez.

Ein Mann, von verwandtem Geiste mit dem Dichter, und von trefflicher Gelehrtheit, Gilbert Wakefield, erkannte dieses, und unternahm es den Text von den unsaubern Lesarten zu reinigen, und in seinem alterthümlichen Glanze wieder herzustellen.

Ob ich gleich nicht immer seinen Meinungen beistimmen konnte, so habe ich doch das Original von ihm der Übersetzung beifügen lassen, zu mehrerem Verständnifs der Sache, und weil solches in Deutschland noch selten ist.

Aus Mangel eines Freundes, der mich, besonders in philo

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