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Goethes Werke.

Dreiunddreißigster Band.

Stuttgart.

Verlag der f. G. Cotta'schen Buchhandlung.

1868.

258.614-B
FID.
23

Buchdruderet der J. G. Cotta'schen Buchhandlung in Stuttgart.

Bur farbenlehre.

Wenige Forscher mögen fich so anhaltend mit einem Capitel der Naturwissenschaften beschäftigt haben, wie Goethe mit seinen Untersuchungen zur Farbenlehre, und wenige Bücher haben bei einer solchen Vers breitung, wie die Goethesche Arbeit durch die Aufnahme in seine Werke sie gefunden hat, auf dem Gebiete, für welches sie geschrieben wurden, so wenig Theilnahme erweckt und so geringe Wirkung hervorgebracht, wie die Goethesche Chromatit. Der Gegenstand begann ihn in Italien zu interessieren, als er das malerische Colorit studierte. Die Empirie der Künstler, die sich von ihrem Verfahren keine deutliche Rechenschaft zu geben vermochten, genügte ihm nicht und bot den Anlaß, über kitinstTerische Farbengebung und Farbenzusammenstellung nachzudenken. Der Punkt, von dem er ausgieng, war ein technisch-ästhetischer. Die dadurch bedingte Richtung seines Nachdenkens mußte, wie er leicht erkannte, haltlos und ohne Erfolg bleiben, wenn er die Beschaffenheit der Farben und ihr Verhältniß zum lichte nicht ergründete. Er sah sich auf die Phyfit, die über beides Aufschluß geben mußte, auf die Physiologie, die ihm das Verhältniß des Lichtes und der Farben zum Organe des Sehens, dem Auge, aufschloß, selbst auf die Chemie verwiesen, die ihn über die Eigenschaften der farbigen Körper belehren konnte. Die Lehre. von den Farben beruhte in allen physikalischen Handbüchern auf der Theorie Newtons und wurde darin mit derselben Gleichmäßigkeit wiederholt, wie in den Lehrbüchern der Geometrie der pythagoräische Lehrsatz. An dem Einen schien so wenig zu ändern als an dem Andern. Ohne Zweifel hatte Goethe die Newtonische Theorie, über die weiter unten Auskunft gegeben werden soll, sehr richtig verstanden und mußte wissen, daß eine weiße durch das Brisma gesebene Fläche nach jener Theorie nicht anders erscheinen konnte, als eine weiße Fläche, nur an den Rändern farbig. Als er aber, wie er erzählt, durch zufällige Umstände veranlaßt, seit seinen Kinderjahren zum erstenmal wieder ein Prisma zur Hand nahm, um eine weiße Wand dadurch zu betrachten, und nun

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