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ausgezahlt würden. Auch follten Beach & Comp. alle Roften der bem Souqua“ direkt nach China Tegelten und die Uebrigen, die von Reise sowohl, als des Aufenthaltes der Gesellschaft in New-York tragen. dem Missionär Herrn E. W. Syle chriftlichen Religions - Unterricht

,,Bald nach Abschluß dieses Vertrages fand jedod Beads fchon, erhielten, in New-York unter freundlicher Début zurückblieben. daß es ihm unmöglich sei, die zugesagten 12,000 Dollars fämmtlich ,,Dies ift die kurze Geschichte einer Reihefolge von Schurfereien, aufzubringen; er bat demnach den Direktor Li-kun, einstweilen mit die in Amerika an einer Gesellshaft von Ausländern durch Männer 10,000 Dollars fich zu begnügen, mit dem Versprechen, den Rest von ausgeübt wurde, denen jede Art von Ehrgefühl abging. Die Beo 2,000 Dollars beim Sölufse des erften Theater. Monats in New York bandlung, welche die Chinesen von G. W. Bead & Comp., William zu zahlen. kifun ging darauf ein, und als Sicherheit für die gezahlten Luboch und G. G. Dennis erfahren hatten, konnte ihnen feinen hohen 10,000 Dollars übergab er dem Beach vertragsmäßig seine gesammte Begriff von den im Auslande so sehr gerühmten Institutionen und Garderobe, die auch als Gewähr dafür dienen sollte, daß die Gesell. Sitten Nord-Amerika’s beibringen. Einer der Chinesen, Leong Agew, shaft ihre Berpflichtungen in New York pünktlich erfüllen werde. Leß. drüdte sich in seiner Naivetät folgendermaßen aus: ,,Obwohl die tere schiffte sich mit Beads & Comp. ein und langte am 27. April 1853 Vereinigten Staaten ein großes Land find, sind sie doch der Mensch. an ihrem Bestimmungsort an. Nach ihrer Ankunft daselbft erfuhren beit ganz unnüß, denn die Regierung scheint sich nicht im Geringften die Chinesen zu ihrem Erftaunen, daß ihre Garderobe ohne ihr Wissen um die Angehörigen eines anderen Landes zu fümmern, die von den und ihre Zuftimmung von Beach & Comp. an die Dampfschiff-Unter- einheimischen Bürgern beschwindelt und mißhandelt werden." nehmer Davis & Brooks verpfändet worden sei. Wahrscheinlich waren Erftere außer Stande gewesen, die Roften ihrer eigenen Ueberfahrt,

Mannigfaltiges. wie die der Theater-Gesellschaft, im Betrage von 6,000 Dollars an die Unternehmer zu berichtigen. Um nun der Gesellschaft den Gebrauch Ein neuer Roman von Mre. Trollope. Die unermüds ibrer Garderobe, ohne welche sie ništ auftreten konnte, zu verschaffen, liche Mrs. Trollope ist schon wieder mit einem neuen Roman hervorbewogen fte den Eigenthümer von „Niblo's Garten" (einer Art von getreten, der wohl das halbe Hundert ihrer literarisden Sprößlinge Krousdem Etablissement), den Herren Davis & Brooks ihre Forderung zu voll machen dürfte. Unter dem Titel „Gertrude, or Family Pride” garantiren, wobei Li-kun und seine Gesellschaft gutmüthig genug waren, erzählt fie die Schidsale eines schönen deutschen Fräuleins, deffen ihre Mit-Unterschrift zu ertheilen, deren Bedeutung fie freilich damals Bater, der Baron von Shwanberg, in seinem Charakter eine nicht zu nigt fannten und die ihnen erst später von einem Advokaten erklärt wurde. verkennende Aehnlichkeit mit dem berühmten Baron von Thonderten

,,Nasdem fie ihre Garderobe zurüdbekommen hatten, begannen trond in Voltaire's „Candide” darbietet, der überhaupt ben auslänenblid ihre Vorstellungen in Niblo's Garten- Theater. Leiber sagten disden Romanschreibern seitdem als der Typus deutscher ,,Pères diefe dem Geschmade des Publikums von New-York nicht sehr zu. nobles" gedient zu haben scheint. Der Baron ist ein glühender VerShon in der zweiten Woche blieben die Zusdauer aus und erwies ebrer des Almanac de Gotha und hat geschworen, seine Tochter an fio das Unternehmen als ein völlig verfehltes. Am 26. Mai 1853 Reinen zu verheiraten, der nicht einen Plaß in diesem geheiligten traten fie zum legten Male auf, und zwar sollte es, wie es auf dem Buche einnimmt. Natürlich macht die Liebe dem Almanac de Gotha Zettel hieß, eine Benefiz-Vorstellung für den Direktor Li-kun sein. erfolgreiche Dpposition, indem sie das hochadelige Fräulein mit einem Beach steckte die Einnahme, die diesmal nicht unbedeutend war, in die jungen Paftorssohn zusammenführt, der das Herz der schönen und Tasce, machte sich damit aus dem Staube und ließ die Chinesen im liebenswürdigen Erbin erobert und nach glüdlicher Befiegung der Shakespeare-Hotel, wo er fie einlogirt hatte, in der größten Hülf. Hindernisse, die fich ihm drei Bände hindurch entgegenthürmen, auch losigkeit zurüc.

ihre Hand erhält. Wie man sieht, ist das „Alles schon dagewesen"; ,,In dieser Noth fand sich ein Mann, Namens Bapley, der fich indessen weiß die gewandte Feber Mrs. Trollope's auch dem Alten erbot, die Chinesen nach Cuba hinüberzuführen, wo sie in seiner Plan- und längst Bekannten einige neue Seiten abzugewinuen und sie zu tage für einen Lohn von vier Dollars monatlich, acht Monate lang einem unterhaltenden Ganzen zu verschmelzen. arbeiten sollten. Niemand von ihnen mochte sich jedoch zu dieser heraba würdigenden Sklaven-Arbeit entschließen. Welde edle Mensden

Weizen-Aerndte in Amerika. Die diesjährige Beizenfreundlichkeit lag doch barin – die Noth, Unwiffenheit und Ber. Aeindte in den Vereinigten Staaten soll, wie eine woblbegründete zweiflung armer Rünftler benußen zu wollen, um fie, die eben von Abschäßung ergiebt, geliefert haben:

135,000,000 Bufbel") amerikanischen Shurken betrogen worden waren, zu amerikanischen Hiervon geht ab die neue Aussaat

13,500,000 Sklaven zu machen!

Berbleiben ... 121,500,000 Busbel. Raum hatte dieser Bapley fie verlassen, als von Anderen ein Die Consumtion in den Bereinigten Staaten allem Anscheine nad wohlgemeinterer Plan entworfen wurde, ibre bedarf...

94,670,355 Wirthshaus-Rechnung im Shakespeare-Hotel zu bezahlen und sie nach Zur Ausfuhr sind demnach verfügbar. 26,829,645 Busbel. China zurüdzuspebiren. Es waren dies jedoch abermals Sowindler Ein großer Theil dieses Uebersduffes wird nach England und ander und Surfen, welche sich der Chinesen bebienten, um die Wohlthätigo ren europäischen Ländern gehen, von wo bereits im September sehr keit zu ihrem eigenen Besten auszubeuten und den Ertrag in die bedeutende Aufträge zum Ankauf in New - York eingegangen waren. Tasche zu fteden. Es wurden in der That von dem Buchhalter des Audi Ranada, das seinen vorjährigen Aerndte-Ueberfluß nach den VerShakespeare-Hotel, William Luboch, mehrere Lausend Dollars durch einigten Staaten, wo damals eine mangelhafte Aerndte war, gefandt Unterschriften eingesammelt, worauf den armen Chinesen versichert hatte, wird diesmal sein verfügbares Getraide nach England senden. wurde, daß ein dem Herrn G. G. Dennis in Boston gehöriges Schiff Doch auch Australien bedarf in diesem Jahre der Zufuhren aus Ames fie am 27. Oktober abholen würde, um sie gratis nach China zu bringen, rifa. In Sydney ist der Preis des Weizens erster Qualität auf vorausgeseßt, daß der Emigrations-Kommiffarius (Commissioner of

200 Shit. pro Quarter gestiegen. England hat sich durch Aufhebung Foreign Emigration) sie mit Mundvorräthen für die Ueberfahrt ver.

des Getraidezolles zum Stapelplaße des Getraidebandels der ganzen feben würde.

Welt gemacht. Um amerikanischen Weizen, Mais, oder amerikanisches „Der bezeichnete Tag kam heran, doch weber das Schiff, noch Mehl einzukaufen, brauchen die europäischen Nationen, deren Perndten Herr G. G. Dennis ließ fich feben oder bören, und fo hatte auch mangelhaft waren, nicht bis nach New-York zu geben; sie können sich der Emigrations - Rommiffarius keine Veranlassung, Mundvorräthe zu auch in Mark-lane, dem großen Kornmarkte von London, damit versehen. liefern. Die Chinesen wurden jeßt aus dem Wirthshause hinausgeworfen, ohne daß fie von bem für sie gesammelten Gelbe einen

Neues Eisenbahn-Bauwerk in England. In Wales, Pfennig zu sehen bekamen. Von dem Emigrations- Rommiffarius wo im Norden bereits die berühmte Röhrenbrücke (Britannia-Bridge) wurden fie nad Borde. Jsland gefandt, um dort den Winter zuzu bei Bangor und Carnarvon eriftirt, ift fürzlich auch im Süden ein bringen, wo sie auf öffentliche Koften erhalten wurden. Als jedoch Eisenbahn-Wunderbau hergestellt worden. Auf der Verlängerungsdas Frühjahr fam, wurden fie auch von hier fortgewiesen. Heimat- linie der Newport -Abergavenny- und Hereford - Bahn nach dem Taff10$, mittellos und freundlos, trieben sie sich einige Monate in den Vale überspannt jeßt nämlich ein ungeheuerer Viadukt von Eisen bas Straßen New-Yorks umber, wo fie dem Hohne und der Verspottung Crumlin-Thal. Dieses Bauwerk liegt 200 Fuß hoch und wird durch der Ungebildeten ausgeseßt waren und nur hin und wieder auf ein Pfeiler, in Zwischenräumen von 200 Fuß, in etuer Länge vor mitleidiges Herz trafen. Eine mensdenfreundliche Dame nahm sich 1515 Fuß, getragen. Herr T. W. Kennard in London hat dieses endlich ihrer an, indem fie ein Unterftüßungs-Comité ins Leben rief, Bauwerk ausgeführt, burch welches die Mineral-Diftrifte von Süda beffen Sammlung zum Besten der Chinesen die Summe von funf. Wales mit den Fabrik-Diftriften Englands in unmittelbare Verbina zebnhundert Dollars ertrug.

dung gebracht werden. „Von diesem Comité wurden zwanzig Mitglieder der Gesellschaft auf ihren Wunsch nach Kalifornien zurüdgefandt, während vier mit *) 8 Bushel = 1 Quarter = 5,291 þreuß. Scheffel.

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gar nicht ganz ichwarzen Frad nicht einmal mit dem Billet in die GaEngland.

lerie der großen Oper in Coventgarden zugelassen wird, man müßte sich

denn, wie ich neulich, als fühner Sohn der Wildniß und als domini. Literatur: Briefe aus England.

rend-afliirter Franzose gebahren. Reich umwallt von den fetten FitFormalismus und Conventionalismus in Leben und Literatur. ,,Der voll tigen eines im Uebrigen längit ausgestorbenen vorsündfluthlichen Phankommene Gentleman". Bresche, geschossen durch dieses , allgemeine Landrecht" tasie-Frađó nahte ich mich den verschiedenen Censoren und Controleurs des guten Tons. „Der vollfominene Gentleman" und dessen Interschied von der großen königlichen Oper. ,,French cut, Sir! No admittance, Sir!" Alberti und Knigge. – Die privilegirten Schriftsteller, von weldien die Verleger, Französischer Schnitt! Nicht zuläffig, Sir!" „Wie", rief ich, franund die nichtprivilegirten, die von den Verlegern beherrscht werden. Bulwer

zösischer Schnitt nicht zulässig? Wie heißen Sie? Ihr Name fout morLytton's Korrefturen. Noch einen Blick auf Thaderay's „Newcomes" und Ten

gen in der Times am Pranger stehen, der Sie wagen, die französische nyson's „Maud". Die deutschen Freiheitsfriege und deren iebiges Zerrbild

Alliance auf diese Weise lächerlich zu machen! Was wäret 3hr ohne auf der Krim und in der „westlichen Civilisation“. fin literarisches Programm für die neue Season. Literatur über die Kolonieen. w. Howitt's Wert Franzosen in der Krim? Ihr Mangel an Patriotismut, 3hr fdeuß. über Australien, besonders Victoria. – W. Rowitt und der germanische Ein

liches ,mismanagement" hier hinter den Thüren, wie vorigen Winter fluß in England. Sir George Grey's polynesische Mythologie. – Die Sagen im Krim-lager, ist nicht länger zu dulden. Ich gebe ein Beispiel und Gefänge der Maoris auf Neu-Seeland. Schilderungen des Privat- und und gehe mit meinem Billet urb meinem französischen Sdnitt als als Harem-Lebens in der Türkei. Das Wesen der türkischen Kultur in den „vier liirter Franzose hinein und werde selbst der Gewalt nicht weiden, um Wänden“, besonders der maurischen. Die Alhambra im Krystall - Palast. diesen barbarijden, Frankreich lästernden Unsinn hier vor das öffentDie noch unaussprechliche Thatsache und der Charafter dieser englischen und

liche Gericht und in die Zeitungen und so vor das Gericht der öffentgrößten Sdhöpfung aller Zeiten.

lichen Meinung zu bringen." — So machte ich gegen alle Paragraphen Londoit, Anfangs Oftober.

des perfect Gentleman als Pfeudo-Franzose (ieder nicht englifo aus. Je länger id mid mit der englischen Literatur beschäftige, desto sebende Menso gilt immer noch zunächst so lange als Franzose, bis fremder scheint sie mir zu werden. 30 febe feine Richtungen, feine er das Gegentheil bewiesen) meiner patriotisden Entrüftung fo viel lebendig ausschlagenden und fidh ftredenden Aeste und Zweige, die be Luft und Raum, daß ich bequem burde die erstaunten und verbußten ftimmte Phafen der Gegenwart zur Anschauung bringen möchten, fein Hüter der Respeftabilität hindurch auf einem Praße in der Galerie individuelles Pathos, fein Genie, feine Selbständigkeit

. Alles fügt anfam, ohne nachher im Geringsten infommodirt zu werden. Merksich einer conventionellen, hergebrachten Form., liebe und Haß, Ehre, würdig, aber ohne Ausnahme sich bestätigend, ift es, daß neben dem steifErfolg, Tugend und Heroismus, Lafter und Bösewichter in Erzählun- ften, allerengsten, refervirtesten Benehmen auch die Entschiedenheit, gen, Shauspielen und Romanen – Alles scheint über einen unsicht besser die Grobheit, als Zeichen des vollkommenen Gentlemans gilt, baren Leisten gearbeitet, der bor jedem anständigen" Engländer in sobald man diese Grobbeit gegen Untergeordnete richtet oder sich über. der Luft hängt, um all sein Thun und Denken, seine Tract und sein haupt so gerirt, daß Andere sich gegen uns untergeordnet fühlen. Erft Betragen darüber zu schlagen. Und wenn der Leisten denn nur wirfe gestern magte ich eine ähnliche Erfahrung auf der mißverwaltungslich danach wäre, ein Muster, ein ideal der Menshlichkeit, der Civis berüchtigten Krystau-Palaft-Eisenbahn. Die Shaaren ,,dritter Klaffe" lisation! Aber häßlider verunstalten die anständigen" Chinesinnen wurden wie Shafe an den vollen Waggons hin- und hergetrieben. ihre Füße nicht, als dieser Leisten den ganzen Engländer. Mit wahr An dem einen Ende sagten die Beamten, am anderen Ende ift Plaß haftem Entseßen habe ich in dem ,,vollfommenen Gentleman", „The genug, vom anderen wurden sie aus demselben Grunde wieder ans Perfect Gentleman”, dem englisden Alberti und Knigge, gelesen, wie entgegengesegte geldidt, obgleich jeded Räumchen vom Anfang bis zu anständige Personen beiderlei Geschlechts jedes Glied verunstalten; Ende bereits überladen war. Da ergrimmte ich im Geifte und ftel in jede Regung des Herzens, jeden guten Gedanken und Entscluß unter. souverainster Entrüstung einen Inspektor an: „Shame! Disgrace! Misbrüden oder in bestimmte Formen pressen müssen, um mit heiler Haut management!" u.f.w. Der Mann machte ein endlos langes Gesicht, nur von einem Hause in das andere kommen zu können. Wo gehft sperrte Maul und Nase auf, war eine Zeitlang ganz weg und ftedte uns, Du hin? Zu welchem Zwed? Wann? Wer bist Du? Wer, dem mich und zwei Damen, mit unseren Billets britter Klasse, zur Strafe itt Du Deine Aufwartung machen wilft? – Das sind bei dem einfach, ein leeres, weid gepolstertes, seidenes Coupee erster Klasse, sobald er ften Besude perwidelte, brennende, lebensgefährliche Fragen. Wo wieder zu sich gefommen war. Wer so grob ift, mochte er denken, muß ein gehst Du hin? Darauf scheint die Antwort leidt, aber nicht in Eng- Gentleman höchsten Ranges sein, der natürlich erste Klasse fahren muß. land. Zu einem Lord! Zu einem bloßen Esquire? Wie ftehst Du Die engste, komplizirtefte Gebundenheit der guten Gesellschaft zu ihm: Wer bist Du? Welche ,,Referenzen hast Du? 3st der unter sich und nach oben hinauf, die ungenirtefte Freiheit und VerMann sicher", 8. 5. in seinem Vermögen, feiner politischen, feiner achtung nach unten ist die Lösung des scheinbaren Widersprudys im sozialen Stellung unangezweifelt? Um welche Zeit gehst Du? Sind Gentleman, seiner ängfilichen Höslig feit und seiner Grobheit. 30 Töchter im Hause? Bist Du lebig, verlobt oder verheiratet? Lauter wil weiter nicht vom ,,vollkommenen Gentleman' sprechen, obgleich Fuchseisen, in welchen dem Uneingeweihten Hals und Beine zerídlagen ich eine Anthologie der unglaublicsten Gefeße und Regeln daraus werden, ehe er bis zur Thür fömmt. Und dabei sind noch hungert ertrahiren könnte, wie er niemals in der Hypotenuse über eine Straße andere Scyllen und Charybden zu vermeiden. Dein Halstuchizipfel, gehen darf, sondern rechtwinkelig über die beiden Katheten, wie er nie die Farbe Deiner Handíbuhe, die Falte in einem ,,Vatermörber", beo etwas in der Hand oder gar unter dem Arme tragen, keine Dame fonder$ Dein Rodzipfel fönnen Dich noch total ruiniren. Wer Abends grüßen, feine Zettel von den zubringlichen Anzeige - Vertheilern anmit einem Rodzipfel, Vormittags im Leibrod erschiene, der wäre in nehmen, fich nicht umsehen, nicht laut sprechen oder gar laut lachen seinem ganzen Kreise auf Lebenszeit verloren, geächtet, gebrandmarkt, darf auf der Straße, viel weniger in Gesellschaft, wie ihm Alles, Alles unmöglich geworden. Indessen sind solche grobe Unglüdsfälle kaum verboten ist, was männlid frei, von innen heraus warm und ehrlid, nod möglich. Es wird Jedem zur anderen Natur, zu einem Vor was schön und intereffant sein könnte, 'wie ihm Ades, alles aus dem mittagsbesuche einen Rod mit vollftändigen, zur Abend-Partie das Un- Herzen, aus dem Kopfe und das ganze ,,Gemüth" herausgeschnitten gethüm mit frech abgeschnittenen Zipfeln anzuziehen. Hier ist also wird, bis nur noch die steife, falte, nichtssagende, wachsfigurenkabineta keine Gefahr, böchstens nur für den, der entweder bloß einen Dber- oder Haarschneide-salon-schaufensterartige boble Form und Figur von oder blos einen Leibrock hat. Ersteren kann man sich nicht etwa, wie Pappe, mit Wachs überklebt, übrig bleibt, wie aber ist das nicht der Dnfel aus Pojemudel zu einem Baule bei Kroll, mit Stecknadeln Uebertreibung? Freilich klingt es auf dem Kontinente gewiß so, und zu einer momentanen Klinfe" zurücfteden lassen, denn für allen ana ich bin um so schlimmer daran, als ich das Unglaubliche nicht anders ständigen Abendverkehr ist der englische Leibrod in seinen Gränzánit- beweisen kann, als durch unglaubliche Beweise. 3 berufe mich desten so genau bestimmt, daß man mit einem freier begränzten oder wohl balb blos auf das dice Gefeßbuch für den perfekten Gentleman'

und erwähne nur noch, daß es nicht wie in Deutschland allenfalls auch eine armenisa - gregorianische und eine Fleine römisch-katholische. Ju ohne dasselbe ginge. Mit etwas Geschmad und Bildung ift sich bei Folge seiner stattlichen Gebäude und breiten Straßen gewährt es den uns der gute Mensch in seinem dunklen Drange des rechten Weges Anblid einer schönen und, der gerftreuten Vorstädte wegen, auch benwohl bewußt und kömmt in der Regel ohne Alberti und Knigge viel jenigen einer großen Stadt. Von den leßteren liegen außer der Ro. beffer fort. Er kann sogar nad dem Goethesdhen Rezept den Frauen faten-Station, welche fich an den unteren Stadttheil anschließt, die zart entgegenkommen oder, um viel beffer fortzukommen, fed und ver. Vorstadt Worobjemka in den Einbiegungen nad Westen zu, gen wegen sein. Das geht nun in England ein. für allemal gar nicht. Süben die Soldaten - Slobodfa und in der Richtung nad Norben, Der perfekte Gentleman muß überall genau dieselben Regeln beobe zwischen Gärten und Hainen von Maulbeerbäumen, linden und Ataachten, nirgends ist ihm für die Freiheit eine Gaffe gelaffen, so daß zien, Podgórnaja. Hinter den Vorstädten erblickt man die durd er, endlich einmal wüthend geworden, das ganze Gesekbud umftoßen, daß mannigfaltige Grün durch dimmernden Meiereien (chutory) und feine Geliebte entführen, fic feierlich trauen und die ganze gute Ges Landhäuschen. fellschaft herausfordern muß. Sid tleine Freiheiten zu nehmen, ift Gleich nach unserer Ankunft in der anscheinend ganz fauganz unmöglich. Alberti und Knigge find in Deutsøland Efelsbrüden tafischen, dennoch aber vollkommen europäisches Gepräge tragenden für Esel und andere langobrige Maß Stolpriand; ,, der perfekte Gentle Stadt mußten wir uns bei den vorgeseßten Behörden melden und wur. man" in England ist eine Sammlung ftrenggültiger, unumstößlicher den darauf nach der Worobjewfa geführt, wo wir acht Tage lang im Gefeße der Gesellschaft, die ohne dieselben nicht glaubt bestehen zu Quartier bleiben sollten. Nabe beim Eintritt in die Vorstadt erregte können. Niemand weiß, wer diese Gefeße gegeben, Niemand kann ein nettes Häuschen mit bellen Fenstern unsere besondere Aufmerteinen Sinn darin finden; aber sie sind eben da, Jeder läßt sich von famfeit, denn es war von einem niedlichen Blumengärtchen umgeben ihnen beherrschen, und wie man unter Wölfen mitheulen muß, bält es und zeichnete fich auch sonst vor den anderen vortheilhaft aus. Wir nach diesem allgemeinen Landrechte des guten Tons auch Zeber für beschloffen sofort, uns daselbst auf unsere Kosten einzumiethen, das feine höchfte Pflicht, dem Wachsfopfe am Friseur.Schaufenfter so ähn uns bestimmte freie Quartier dagegen fahren zu lassen, und hatten lid als möglich zu werden.

mit diesem Borsaße diesmal wirklich einen Glüdsgriff gethan, denn 3 begann mit dem Geständniß, daß mir durch näheres Studium beim Eintreten schon erblidten wir über der Thür das uns wohldie englische Literatur, die laufende, erscheinende, immer fremder werde, bekannte Bild der heiligen Jungfrau zu Czenftochau und hörten auch und ging zu einer Stizzirung des englischen Formalismus und Con bald darauf aus dem Munbe des uns Entgegenkommenden das heimisde: ventionalismus des Lebens über, um zu sagen, daß es dieser boble, „Gelobt sei Jesus Christus." Wir befanden uns unter Landsleuten komplizirte Formalitmus in der Literatur ift, der und dieselbe entfrem. und danften eben so überrasót wie bocherfreut mit dem üblichen: „Von bet, fern rüdt, verleidet. Dies geht auch ganz natürlich zu. Jede Ewigkeit zu Ewigkeit." Lektüre ist eine Art Metempsychosis, durch welche der Geist des Dich. „Wenn Eud meine enge Hütte und die einfache Soldatenfoft ters, des Autors in unsere Seele einwandert und sie beherrscht, für anfteht" – redete uns der Hauswirth an - ,, so bleibt in Gottes Na. fich einnimmt, gewinnt, wenn wir eben wirklich lesen, d. 5. die gei- men bei mir; ich und die Meinigen finden schon Plaß im Alfoven oder ftige Arbeit einer Leftüre verrichten. Fehlt nun dieser Geift, kann er auf dem Hausflur. Die Herren kommen wohl von sehr weit her" aud nicht einwandern. Lesen wir angekleidete Puppen von Holz und fügte er nach einer farzen Pause hinzu und schloß feine Einladung Pappe, so bleiben sie nicht nur außer uns, sondern laffen auch eine mit der Frage: Wo haben Sie denn Ihr Gepäc? Ich werde es weitere Kluft zwischen der Literatur und unserem Gemüth zurüc. So felbft herbeischaffen, Sie dagegen können fich einftweilen ein wenig wirfen die jeßigen englischen Bücher im Allgemeinen; die wenigen, welche ausruhen und an dem stärfen, was wir zu bieten vermögen." wirklich von Geistern empfunden, erlebt und geschrieben wurden, werden Wir drüdten der Reihe nach den ro unverhofft aufgefundenen entweber nicht gebrudt oder vor dem Drude noch durch Conventions. Landsmann an unsere Brust. Er war gemeiner Soldat im ersten maschinen der Verleger zerfønitten, so daß die Genialitäten und Kraft. Stawropoler Linien-Regiment, befand fich schon seit funfzehn Jahren stellen, die selbständigen Wendungen und Anschauungen herausgeschüt am Drte und batte fi bas nette, kleine Säuschen gekauft, in dem telt abfallen. Nur sehr wenige Autoren und Dichter haben es zu er wohnte und das er mit dem Wenigen, was er in freien Stunden dem Privilegium, zu der Macht gebracht, den Verlegern Vorschriften verdienen konnte, in immer bequemeren und hübsderen Stand zu feßen maden zu können. Wer sind diese? Bulwer Lytton, Charles Didens, fuchte. Während er fid um unsere Effekten fümmerte, forgte deffen Thaderay, Tennyson, Macaulay und vielleicht noch drei, vier andere. Frau für unsere in der That sehr leeren Magen und that dies in Ersterer madt in Politit und schreibt nichts Geldeidtes mehr. Was Betreff der Wahl der Speisen mit so viel Umsicht und Geschmad, er aber füreibt, läßt er wie lauter gediegenes Gold behandeln. Bei baß wir ihr ein challendes Vivat brachten. läufig gesagt, wird fein Bogen eher zum wirflichen Druck der Auf Dem Befehl zufolge, hatte sich in Stawropol unser Häuflein zu lage zugelassen, bis nach acht bis zehn Korrekturen fein geschworener trennen; wir benußten deshalb die wenigen Tage, in denen es uns Revifor und er felbft fein Pünftohen, kein Romma mehr falsch oder noch vergönnt war, beisammen zu bleiben, um unsere gemeinschaftlichen fehlerhaft finden, eine Affurateffe, von der man in Deutsbland sehr Ausgaben zu ordnen. Dazu bedurfte es nicht viel Zeit, denn was viel brauchen könnte, wo die besten Werke, die dritten und vierten Auf- wir vor einem halben Jahre beim Ausmarsche von theuren Personen lagen noch mit ihrem typographischen Sündenregister erscheinen, das Jeder erhalten hatten, war nicht für Einen, sondern für Ade. Auch von noch bei einiger Aufmerksamkeit vermehren und verbessern kann. In Pferd und Wagen sollten wir scheiden und es für die Zukunft weniger England geben Autoren und Verleger oft Hunderte von Pfunden leicht haben, unser Reisegepäck, das in etwas Wäsche, einem Paar blos für Korrekturen aus, und gute Korrektoren der Bentley's und Long- Stiefel, dem Soldatenmantel, Büchern und Zeichen der Erinnerung man's bringen es manches Jahr so weit, wie der glänzendfte Autor bestand, fortzuschaffen. Mit dem Pferde, das ehedem einem russischen im Honorar. Um einen speziellen Fall anzuführen, bekam hier ein Deut- Fuhrmann gehörte, hatten mich meine sorgsamen Verwandten noch vor der, der berühmt ist wegen seines klassischen Englisch, für die Ror. der gezwungenen Reise versehen; je länger wir das gute, treue Thier rektur eines einbändigen naturwissenschaftlichen Werks gerade so viel benußten, desto mehr schien es uns, als ob es fich dankbar beweisen Pfund Sterling, als Drudbogen, freilich mit der Bedingung, daß ihm wolle für die Gunft, daß wir es seiner Heimat wieder zuführten. Es für jeden übersebenen Drudfehler ein Pfund abgezogen werden würde. ertrug unverdroffen die lange Reise, nahm gern mit dem mageren Da er aber seine Sache verstand und außerdem die Subtractions. Futter vorlieb, das wir ihm zu bieten vermochten, und überließ fich Klausel im Kontrakte nicht liebte, erhielt er wirklich so viel Pfunde, willig der Leitung desjenigen, der auf dem Wagen bei den Sachen als er Bogen forrigirt hatte. Noch beiläufiger gesagt, erhielt der Res Plaß nahm, obgleich et den Weg meift beffer wußte, als der Fuhrvisions-Argus des Verlegers, der nachsehen und garantiren mußte, daß mann. Von dem eben Gesagten konnten wir uns auf unserer Reise wirtlich fein Druckfehler stehen geblieben sei, noch expreß zehn Pfund durch Klein-Rußland redt eindringlich überzeugen. Bogen wir bei Sterling. Da man mit dem Papiere, welches jährlich in England bedrudt beftigem Gestöber gegen den Wind, so trieb uns dieser den eifigent wird, die Erde um den Aequator berum sechsfac einwideln könnte, läßt Schnee in die Augen und verhinderte dadurch jeden flaren Blid: die fide ahnen, wie viel geschrieben und wie meister- und massenhaft korrigirt Erbe war mit einer digten, weißen Dede überzogen und darauf auch wird, da selbft Tagesblätter und Literatur ,,for the million" fast ohne nicht die leisefte Spur zu erfennen, die Sonne von didem, grauen Ausnahme drudfehlerfrei publizirt werden. (Fortfeßung folgt.) Gewölf verbedt; wie leidt fonnte man da vom rechten Wege ab

kommen und sich in der endlosen Steppe verirren. Zwar ftehen bei

den Dörfern und Wirthshäusern hobe Stangen, an welchen eine Glode Nupland.

angebracht ist, die durch kleine Windmühlenflügel in Bewegung geAus dem Tagebuche eines Verbannten im Kaukasus.

feßt wird und wodurch der Reifenbe auf den rechten Weg aufmerksam 1. Vom Don nad Stawropol.

gemacht werden foul; dod wie unzureichend sind dergleichen Mert

zeichen, wie fowach das dünne Stimmchen der Glode gegen das (Schluß.)

Pfeifen und Heulen des Windes! In solchen Fällen hilft nur noch Im Jahre 1850 hatte Stawropol 12,000 Einwohner, darunter der Instinkt, und den besaß unser Pferd in erstaunenswürdigem Grade,

Auf unserer Reise wurde uns einmal ein altes, hölzernes Gebäude und einer Frau in mittleren Jahren, welche fich in Begleitung ihrer ale Herberge angewiesen und als Sclafftätte eine Stube zur Verfü- Thon fast erwachsenen Tochter zu ihrem Manne begeben wollte, der gung gestellt, die bereits vollfommenen asiatischen Charakter trug, d. h. gemeiner Soldat an der kaukasischen Linie war. Ein mit zwei Dosen and nicht die geringste Spur irgend welcher Sorge für Bequemlich bespannter Wagen barg unsere Habseligkeiten und diente den beiden keit aufzuweisen hatte. Wir richteten uns ein, so gut es eben möglich Damen der Gesellschaft, welchen man gern den Vorzug zu fahren einwar, nahmen auf orientalische Weise auf dem þolprigen Boden Plaß geräumt hatte, zum Siß. und derzehrten, was wir an Lebensmitteln auf dem Wagen mit uns führten. Unser Pferd brachten wir in einer Räumlichkeit unter, die

Frankreich. ehebem bem volhynischen Adel als Gesellschaftssaal gedient haben mußte, wenigstens ließen die Spuren von Laubgewinden und pausbadigen

Französische Memoiren-Literatur. Amoretten, die hier und da an den Wänden flebten, die nod theil. Der eigenthümlichste Zweig der französisben Literatur war von weise vorhandene Galerie und dergleichen darauf schließen. Das gute je ber der Reichthum von Denkwürdigkeiten, der die Geschichte geThier schien ordentlich stolz darauf zu fein, feine müden Glieder an wiffermaßen in kleine gangbare Münze ausprägte und in das große einem Orte ausftreden zu follen, der ehedem den glänzenden Kreis Publikum brachte. Die Schilderung eines Zeitabschnittes, von ver. der Landes-Uristokratie in fich aufgenommen hatte; doc faum war schiedenen Personen entworfen, bewirkt eine vielseitige Beleuchtung es an einen Pfeiler gebunden und ihm sein Futter vorgeschüttet, als es, und Deutlichkeit des Gegenstandes. Die Franzosen find deshalb auch ganz gegen feine sonstige Gewohnheit, anfing, fich sehr ungebärdig zu so sehr vertraut mit allen Glanzpunkten ihrer Geschichte und lieben benehmen, die Nüftern weit aufriß, nach hinten und vorn ausschlug, daß es, fie fich immer wieder von neuem zur Ansdauung bringen zu Gebiß zerriß und endlich wie toll hinausrannte. Wir hatten alle laffen. Raum ist die ältere Memoiren-Literatur aus dem großen Ber. Mühe, es wieder einzufangen und an seinen ersten Plaß zurützubrine kehr verschwunden, so beeifert man sich auch schon, fie durch neue Abgen, doch kaum war es festgebunden, so ging der alte Tanz von neuem brüde wieder auf den Büchermarkt zu bringen. Das neueste Beispiel an, und wir mußten dem Thiere endlich den Willen lassen, in Wind davon find die Memoiren der Frau von Motteville, der belannten und Wetter die Nacht im Freien zuzubringen. Früh ließ sich das Pferd føriftftellernden Rammerfrau Anna's von Defterreich, welche dem Hofohne den geringsten Widerstand anspannen und brachte und bald nach leben des Riebzehnten Jahrhunderts jeden Charakterzug, so zu sagen, der nahegelegenen Station Ostrog, wo wir zufällig erfuhren, das ganze aus dem Toilettenspiegel abgelauscht hat. Gebäude, in welchem wir übernachtet hatten, sei furz nach unserer Ab. Das fiebzehnte Jahrhundert ist besonders reich an historischem reise zusammengeftürzt. Wir blidten erstaunt einander an und waren Klatsch und Skandal. Frau von Motteville ist unter den Memoireneben fo froh, mit heiler Haut davongekommen zu sein, wie wir uns schreibern jener Zeit als eine Ausnahme zu bezeichnen, fie ist nicht über das Vorgefühl des Thieres wunderten, dessen Aufführung am fo unwahr unb boshaft, als die meisten ihrer Fachgenossen männlichen Tage vorber uns nun auf einmal flar wurde.

Geschlechts fich bewiesen haben. Es ist daber dankenswerth, daß ihre Der Aufenthalt bei unserem Landsmann war nach einer so lan. Plaudereien dem großen Publikum wieder zugänglich gemacht worden gen, beschwerlichen Reise inmitten des unwirthlichen Steppenlandes find. Die älteren Ausgaben ftanden in den Sälen gelehrter Bücherdas, was für den Pilger in der Wüfte die Dase ift, ein Ort behag. fammlungen nur den Geschichtsfordern zu Gebote, und die Romanlicher Ruhe und Erholung, die wir denn auch in vollen Zügen genos. freiber, welche die Motteville als ergiebige Quelle benußt haben, fen. Die fremde Stadt fing gleichfalls an, uns Interesse einzuflößen, forgten dafür, daß ihre treuherzigen und aufrichtigen Berichte verund um fie näher kennen zu lernen, nahmen wir uns vor, einige Befälscht und verdreht ins Publikum famen. Es ift unglaublich, wie fuche zu machen. Den ersten ftatteten wir dem fatholischen Geistlichen viele Romane aus den einfachen, unbefangenen Worten dieser Frau ab und erfüllten damit eine Pflicht der Pietāt.

zusammengeschrieben find! Sie hat sicherlid nicht geahnt, als sie zu Je mehr wir uns in der Stadt umfaben, desto mehr befreunde schreiben begann, ,, um ihre Tage nüßlider hinzubringen, als andere ten wir uns mit deren geistigem Leben, desto mehr erfuhren wir auc, vornehme Damen", daß fie dem bösen Leumund daburo in die Hände was im Augenblide draußen in der Welt die Gemüther porzugsweise arbeiten würde, daß fie ihre geliebte Königin, deren Tugend sie so beschäftige. Stawropol ist den Welt-Ereignissen weder fremd, noch warm vertheidigt, durch ihre Schilderungen zu einer Lieblingsfigur gleichgültig gegen dieselben, und was im fernen Weften vorgeht, fine für den historischen Roman gemacht. Es ist nun einmal leider Ge. det daselbst die lebhaftefte Theilnahme, die fich freilich nur mit Vor- brauch, diesen nicht ohne eine Beimischung von anftößigen Liebes-Versicht und Zurüchaltung ausspricht.

hältnissen herzustellen. Die gutmüthige, maßvolle Motteville hat das Die Stadt befißt ein nicht eben dlechtes Theater, auf welchem Unglüd gehabt, daß gerade ibre wohlmeinendften Berichte als Grundfleine Stüde in kleinrusfischer Sprache aufgeführt werden, und außer. lage dazu benußt oder vielmehr mißbraucht worden sind. Freilid läßt dem noch einen Klub oder Redoutensaal, in welchem die crême der fich nicht leugnen, daß die Geschichte des damaligen Soflebens in Einwohnerschaft, Militairpersonen und höhere Beamten, während des Frankreich fic faft wie ein buntes Fastnachtsspiel, wie ein lebendiger Karnevals zusammenfommen. Die übrige Zeit des Jahres verwandelt Roman in den Memoiren jener Zeit ausnimmt und man es den fich der Ort der Freude und des Glanzes in eine Reftauration, wo Schriftstellern faum verdenfen fann, daß fie die fertigen Bilder zuman zu jeder Tageszeit für schweres Geld räucherige und tüchtig ges sammenreihtev, um Bücher daraus zu machen. Der Neiz der Wahrheit pfefferte Cotelettes und Beeffteafs bekommen kann.

ist jedoch ungleich ftärfer, als er in mittelmäßiger Dichtung sein kann. Da Stawropol an der Straße liegt, welche nach Grufien und dem Die Erzählungen der Motteville find fesselnder, als die meisten RoRaufasus führt, fo muß fie natürlich jeder Reisende berühren und mit mane, die daraus entnommen wurden. Die ganze bunte Welt des dessen Einwohnern irgendwie bekannt werden. Wir waren wohl die fiebzehnten Jahrhunderts, die schönen, klugen Frauen, deren Zahl zu Ersten, welche auf der Reise nach dem Hochgebirge etwas tiefer in das groß ist, um sie auch nur theilweise hier zu nennen, die ritterlichen innere Leben der Stadt hineinschauten und unseren zahlreichen Nache Männer aus der Kriegsschule des jugendlichen Feldherrn, Herzogs von folgern, die bald kürzere, bald längere Zeit daselbst verweilten, ges Enghien (der große Condé), die Dichter, Philosophen und Priester, wiffermaßen den Weg zeigten. Die Mehrzahl derselben machte bei nur Corneille, Descartes und Fénélon brauchen als Beispiele ihrer unserem Landsmann Quartier, der dadurch zu einer gewiffen Wohl- Größen hier genannt zu werden, – alle find fie mit charakteristisden habenbeit gelangte, und sprach auch bei dem würdigen Geiftligen vor. Worten und Zügen von der fleißigen Motteville ausführlich geschildert.

Laut Befehl hatte fich für die weitere Reise unsere Gesellschaft Die bescheidene Frau hat sicherlich auch nicht geahnt, daß ihre Mita von Stawropol an zu trennen. Zwei von uns wurden jenfeite des theilungen noch nach Jahrhunderten von ftrengen Geschichtsforschern, Raukasus geschidt, einer nach einer Festung am Kuban, und ich mit wie Rante, Cousin, Sainte-Beuve u. f. w., als die glaubhaftesten und noch zweien nach dem öftlich gelegenen Grosnaja. Gleich einem alten, ergiebigften Quellen für die Geschichte des fiebzehnten Jahrhunderts treuen Freunde, gab uns unser Birth einige Werft weit das Geleit anerkannt und benußt werden würden. Es liegt darin eine Genugund died endlich mit einem innigen: ,,Gott gebe Eud Glüd!" thuung für den Mißbrauch der romantischen Schriftfteller, den die

Mit meinem Austritt aus der Stadt eröffnete fich vor mir ein Motteville fo vielfach erbuldet hat. don beutlich den Charakter des Gebirgs tragendes, im üppigften Grün Die uns vorliegende Ausgabe ihrer Memoiren ift in vier um. prangendes Steppenland, an deffen fernem Horizonte fide der zweige fangreichen Bänden bei Charpentier in Paris ersdienen; sie hat den hörnte foneeige Elborus erhob. Die Sonne ftand mit wahrhaft orien. Vorzug vor älteren Ausgaben, daß über die merkwürdigsten Thatsachen talischer Pracht am weiten Himmeldgewölbe und sendete ihre Strah, auf gleißlautende Aussagen anderer Zeitgenossen hingedeutet ist. Das len auf die versdiedenfarbigen Dächer des mehr und mehr ídwinden. Duellen-Studium wird hierburd sehr erleichtert; es scheint der Plan den Stawropol, aus deffen von fünf Ruppeln gefrönter Metropole gleich der Verlagshandlung zu sein, später noch mehrere der wichtigsten Mewie zum Abschiede ein harmonisches Geläute zu uns herübertönte. moiren jener Zeit neu im Drud erscheinen zu lassen. Eine besonders

Die Gegend, welche wir jegt durchwanderten, bot nichts eigentlich dankenswerthe Zugabe des ersten Bandes der Mottevillesden AufzeichNeues, desto mehr aber unsere Reisegesellschaft. Sie bestand aus einis nungen ist eine biographische Stizze über die Verfasserin, von Saintegen vom Urlaub zurüdlehrenden Soldaten, drei oder vier sehr muth- Beuve. Sie ftammte aus einer gelehrten und frommen Familie und willige , kaukasischer Radetten - bei den Ruffen /Junfer". genannt wurde 1621 geboren. 3hr Dheim war Bischof und Dichter, er galt

für zu weise und zu zurüdhaltend, Eigenschaften, die erblid in der Fa- quc ftand ihr die tiefe Trauerkleidung sehr gut. Sie trug Ohrgebänge milie zu sein scheinen. Eine jüngere Schwester der Motteville wurde von Diamanten, von echten Perlen in Birnenform umgeben; auf der Sofratine genannt, wegen ihres ernften und gedantenvollen Wefens; Bruft glänzte ein großes Kreuz, in derselben Weise gefaßt, ein langer augenscheinlich befaß aus die Mottevide diese Eigenschaften, aber schwarzer Sóleier bob die Würde dieses Súmudes und verlieb ihrer fie waren bei ihr so gemäßigt, daß man sie nur vorherrschend ver- Schönheit einen sanften Ernst, der die ganze Versammlung entzüdte nünftig und sanft nennen konnte. Ihre Mutter ftammte aus einem Alle Anwesenden versicherten einstimmig, daß man an iyren flaren adeligen þause in Spanien und wurde deswegen von der Königin Augen und ihren edlen Mienen ibre hobe Abkunft und die Reinheit Anna begünstigt, deren Briefwechsel fie in spanischer Sprache führte ihrer Sitten bätte lesen fönnen. Sie führte den kleinen König, ihren und ihre vertraute Freundin wurde. Aber Richelieu war stets arg. Sohn, mit sich, der im findlichsten Kostüm erschien und noch das som wöhniso gegen die Umgebung der Königin und hielt es für noth- genannte Geiferläppchen (la bavette) trug. In ihrer Würde als wendig, ihre Verbindungen mit Spanien abzuschneiden. Er entfernte Herrsberin und Mutter wußte die Königin ihre Shönheit fo hervore diese Freundin, deren kleine Tochter, Françoise Bertaut, fdon das zuheben, daß fie die allgemeine Bewundernng erregte, obwohl sie das lebhaftefte 3nteresse der Königin erwedt batte; fie gab derselben eine schredlichste Frauenalter vierzig Jahre - idon erreicht hatte." Pension und hoffte dereinst in ihr einen Ersaß für die Mutter zu Wer erfennt in dieser Shilderung nicht, daß Frau von Motteville finden, worin fie fich denn auc nicht geirrt hat. Françoise Bertaut eigentlich Talent für den Roman besaß: wahrscheinlich hat sie nur ihr lebte bis zu ihrem sechzehnten Jahre in der Normandie und beiratete mäßiger und rüdsichtsvoller Sinn davon abgehalten. 3hr Drang zum bei dieser Jugend den achtzigjährigen Präsidenten von Motteville, Søreiben war so groß, daß fie fich täglich einige Stunden einsblok, der sie jedoch bald zur Witwe machte; die Regelmäßigkeit und ernfte um ihn zu befriedigen, eine Zeitanwendung, die sie vor sich selbst das Richtung ihres Lebens erlitt durch diese frühe Selbständigkeit feine mit entschuldigt, daß fie immer noch besser sei, als die Promenaden und Veränderung; ihre leidenschaftlose, ruhige Gemüthsart, ihre Vorliebe Spielfreuden anderer Damen. für literarische Beschäftigungen, so wie eine feste religiöse Bildung, Je ernster übrigens die Ereignisse, desto trefflider sind die Schila waren fichere Scußmittel gegen die Versuðungen, die sonst das Leben derungen und Reflexionen der Memoiren; sie enthalten Bemerkungen junger, schöner Witwen beunruhigen können.

über die Fronde, die eines Historifers würdig sind, z. B. „Wenn die Nach dem Tode Richelieu's wurde Frau von Motteville von der Unterthanen fido empören, werden sie durch Ursachen vorwärtsgetrieben, Königin an den Hof zurüdgerufen; sie erhielt den Titel einer könige die fie selbst nicht kennen, und das, was sie verlangen, ist nicht dazu lichen Kammerfrau, war aber die vertraute und bevorzugte Freundin geeignet, sie zu beruhigen.“ „Paris, die große Stadt, ist der unverder Königin. Sie eignete sich vorzüglich zu dieser schweren Stellung, hältnismäßig dice Kopf des Königreiðs; ein tüchtiger Aderlaß wäre weil sie flug, fanft, berschwiegen und beiter war. Sie befas eine von Zeit zu Zeit nothwendig, um die böfen Launen abzuleiten, die lebhafte Bißbegierde für ernfte Gegenftände und eine liebenswürdige das unruhige Blut zu Kopfe treibt." Neugier für fomische Dinge, woduro fie ihre Gebieterin angenehm Also don damals war Paris zu groß! In den Kämpfen der unterhielt. Die Gabe der Beobachtung schrieb fie fich selbst zu, machte Fronde wurde ihm bald nach jenem Ausspruc gehörig zur Ader geaber keinen Anspruch auf Tiefe und männlichen Scarffinn; sie be- lassen, und Ludwig XIV. feßte seinen festen Fuß auf den unruhigen sdränkte sich darauf, nach Frauenart nur Dinge zu erzählen, die fie Kopf, der bis zur Neuzeit nur durch den Despotismus zur Vernunft felbft mit erlebte, und da fie im Rabinet der Königin von Franfreich gebradt werden konnte. ihre Tage zubrachte, so fand sie stets hinreichenden Stoff. Sie vers lebte zweiundzwanzig Jahre in dieser Stellung, von denen einige fo

Mannigfaltiges. ftürmiso und ersøütternd waren, wie kaum eine andere Epoche der französischen Geschichte fie barbietet. Frau bon Motteville war ihrer

Kalifornifo- ruffice Kriegsbülletins. Die Fabri. Königin aufopfernd treu und ergeben, aber sie macht es nirgends gelocation von authentisden Nachrichten vom Kriegsschauplaße, in welcher tend und ist weit entfernt, fich den Charakter einer Heldin beizulegen. die Wiener Zeitungsschreiber fo Anerkennenswerthes leisten, wird, wie Eben so ehrenwerth hat sie den graden Weg nie verlaffen, troß aller es scheint, aut in San Francisco mit gutem Erfolge betrieben. Intriguen und Verwirrungen, in welche das Hofleben sie führte. Sie lesen wir in der uns neulid zugegangenen Weekly California Chronicle hat sich überall als reblich und vernünftig bewiesen, alle Welt schenkte vom 5. September ein angebliches Screiben aus Sebastopol vom ihr deshalb Achtung und Vertrauen. Sie hatte wenig Feinde und 20. Juni, in welchem ein ruffisder Offizier, der den ominösen Namen feyr viel Freunde; die Unerschrodenheit, womit sie diese vertheidigte, Groboff führt, den mißlungenen Sturm der Aliirten auf den Matröstete und unterstüßte, wenn das Unglüc über sie hereinbrad, war lados und Reban am 18ten desselben Monats mit lebhaften Farben das schönste Zeugniß für ihr warmes Herz und ihre ftarfe Seele. dildert. Unter anderem erfahren wir daraus, daß die Niederlage der Während der wechselvollen Kämpfe der Fronde hatte sie besonders oft Verbündeten durch den Angriff zweier russischen Dragoner-Regimenter Gelegenheit, ihre Freunde, die durch eigene oder fremde Intriguen dom Don“ vervollständigt wurde, die aus der Feftung heraussprengten stürzten, bei der Königin zu vertreten; fie fiel darüber selbst einige und die Stürmenden in die Flucht jagten – ein Umstand, den nicht Mal in Ungnade, aber Anna von Defterreich war großherzig genug, nür die französischen und englischen, sondern auch die ruffischen Be. den Muth der Freundsdaft ihr immer wieder zu vergeben und ihr richte bisher unverantwortlicherweise verschwiegen hatten. Feruer geht ihre Zuneigung nie ganz zu entziehen. Die Dankbarkeit und Hin. aus dieser wahrbeitsgetreuen Erzählung bervor, daß der ganze russische gebung gegen die königliche Gebieterin war baher aud ein Haupt- Berlust bei der gedachten Affaire nicht mehr als dreißig Mann an Charakterzug der Motteville; sie zeichnete immer wieder das Bildniß Tobten und Berwundeten betrug, wodurch die böswilligen Uebertreis derfelben; in allen Lagen des Lebens erschien fie ihr so interessant, um bungen des Fürsten Gortidatov, der die Verluste seiner Armee auf darüber zu berichten. Sogar die Kleinigkeiten des Toilettenzimmers, 5500 Mann beranidlagte, in das gebührende licht gestellt werden. der Mittags- und Abendmahlzeiten erfährt man aufs genauefte aus Es wurde von den französisden Ultras gesagt, daß sie noch royalistisder ben Erinnerungen der föniglichen Rammerfrau, die in der That diesem wären, als der König; offenbar sind die falifornischen Bületin-Fabris Titel zuweilen entspricht, wenn sie erzählt, welche Gewänder ihre Ge fanten nog mostowitischer als die Russen. bieterin bei allen Gelegenheiten getragen hat. Als die Memoiren der Motteville zuerft im Drud erschienen (1723), wurde diese Aus

Amerikanische Journalistik. Die Stadt New York, mit führlichkeit in unwichtigen Dingen als langweilig und überflüssig bes einer Bevölkerung von 850,000 Seelen, hat jeßt über 120 Zeitungen, zeichnet, jegt liegt gerade darin ein Hauptreiz für den Leser, weil es deren jährlicher Absas fich zusammen auf 80,000,000 Eremplare beein Beitrag zur Geschichte der Sitten und Moden einer Zeit ift, die läuft, während in London nur vierundnennzig Zeitungen erscheinen, so verschieden von der unsrigen ist, wie das achtzehnte Jahrhundert, welche jährlich 53,000,000 Eremplare drucken. Nach dem Cenfus von Dieses bietet eine ungestörte Fortsegung der Gebräuce des fiebzehaten, 1850 gab es in den Vereinigten Staaten überhaupt 2526 Zeitungen aber wir sind durch die Kluft der revolutionairen Zerstörung und Ver mit einer Circulation von 526,409,978 Eremplaren, in dem Vereinigwandlung davon getrennt. Jebe Einzelheit, welche in den Erinnerungen ten Königreiche (Großbritannien und 3rland) dagegen nur 516, die dieser scarfblidenden Frau dargestellt ist, giebt ein hübsches Charakter in 90,000,000 Eremplaren verbreitet waren. Die Stadt Cincinnati, bild ihrer Zeit ab, und wäre es auch nur ein Abriß des Kostümes welche noch nicht Einen Bewohner hatte, als die Times ins Leben derselben, den ihre geschidte Hand liefert, sie weiß immer Farbe und trat, besitzt jest sechzehn tägliche Zeitungen, und die jährliche Ausgabe Leben hineinzulegen. So schildert sie einmal Anna von Desterreich ihrer breißig Blätter beläuft sich auf 9,000,000 Abdrücke. Es ist bier in dem Augenblice, wo sie sich in feierlichem Aufzuge in die Par- natürlich nur von den politischen Blättern, mit Ausschluß der literaJaments-Sigung begiebt, um zur Regentin erklärt zu werden, folgender. rischen und wiffenschaftlichen, die Rede, und geht daraus bervor, daß maßen: „Die Königin hatte nach dem Tode ihres Gemahls nie wieder die amerikanische Presse quantitativ hoch über der englisden steht. Roth aufgelegt, wodurch die Feinbeit ihrer Haut mehr ins Auge fiel, Wie es fid; damit qualitativ verhält, ist eine andere Frage.

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