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Tage voller Witzeleien am Abend zum Kontrast einige Thränen der Rührung vergießen, der New-Yorker verlacht dagegen lieber den Inhalt feiner Thränendrüse nach einem Tage voll faurer Gesichter. Zudem spricht Rachel in einer fremden Sprache, und wenn auch der New-York Herald auf einmal herausgefunden, daß New-York in der französischen Sprache zuhause ist, während doch erwiesen, daß wohl nirgends so wenig Sinn und Studium zur Erlernung fremder Sprachen, wie bei Bruder Jonathan, fo möchte trotzdem die Dulness der einheitlichen klassischen Stücke für den bunte Couliffen und Couliffenreißerei liebenden Amerikaner durch die gallische ihm mehr als spanisch vorkommende Sprache nur noch duller werden. Aber gesehen muß die Rachel werden, da hilft kein Retten; weiß der Yankee, wie sie aussieht, so wird er sich wieder zu feinem Komiker wenden, der ihn bei der Verdauung fo brav unterstützt. Wie aber wird das Urtheil der Amerikaner über die Rachel wohl ausfallen? Europa hat ja Rachel groß, einzig gefunden; da wird doch auch wohl Amerika mit verschlafenen Augen dem Nichtverfandenen und nur Halbbegriffenen lauten Beifall zuklatschen.

Frankreich.

Zur Geschichte der Spiegel-Fabrication.*)

Die Vollkommenheit der französischen Spiegel ist allgemein bekannt. Bei der Londoner Universal-Ausstellung im Jahre 1851 gab es wenige Gegenstände, welche in der internationalen Jury eine so lebhafte Debatte hervorriefen, wie die Spiegel. Haben diese leidenfchaftlichen Debatten auch nicht vollständig gerechte Entscheidungen herbeigeführt, so haben sie doch wenigstens dazu gedient, die Superiorität der französischen Erzeugniffe in Bezug auf die Ausführung außer Zweifel zu stellen. Diese in der Arbeit des französischen Berichterstatters (des Herrn Péligot) klar bewiesene Superiorität ist von dem englischen Berichterstatter (Lord De Mauley) aufs entschiedenste anerkannt worden.

In allen seit 1806 veranstalteten National-Ausstellungen ist den französischen Spiegeln nicht blos das Lob der Jury, sondern auch die gerechte Bewunderung des Publikums zu Theil geworden. Auf den drei ersten großen Ausstellungen in den Jahren 1798, 1801 und 1802 fehlten die Spiegel. Die Spiegel-Fabrication, die sich, wie so viele andere Zweige der Industrie, der Protection Colbert's zu erfreuen hatte, war von Venedig in Frankreich eingeführt worden; aber sie war hier bald von Abraham Thenart dadurch vervollkommnet worden, daß derselbe die Erfindung machte, die Glasmaffe zu gießen, statt zu blafen. Während die gegoffenen Spiegel in ungeheurer Größe verfertigt werden können, durften die geblasenen die Größe von 1 Mêtre 25 Centimètres kaum überschreiten. Die letzteren sind nämlich in ihrer Größe beschränkt durch die Kraft des Menschen, der die Maffe zu heben und zu blasen hat. Die Methode des Gießens liefert außerdem viel vollkommenere Spiegel. Nachdem die Spiegel-Fabrication feit dem fiebzehnten Jahrhundert, wenigstens zu Zeiten, recht blühend gewesen war, gerieth sie in der Revolutionszeit in gänzlichen Verfall. Unter dem Kaiserthum schien sie einen neuen Aufschwung zu nehmen; die auf der Esplanade des Invalides behufs der Ausstellung im Jahre 1808 errichteten Pavillons enthielten einen Spiegel aus einer im Faubourg Saint-Antoine gelegenen Manufaktur, der große Bewunderung erregte. Diese Manufaktur war nur eine Kommandite derjenigen von Saint-Gobain in der Picardie, wo die Spiegelgießerei feit mehr als hundert Jahren ihren Hauptsitz hatte – in der ehemaligen Behausung des kriegerischen und ritterlichen Dichters Raoul de Coucy. Die Pariser Kommandite wurde später wieder mit der Hauptfabrik vereinigt. Der im Jahre 1806 ausgestellte Spiegel war drei Mètres acht Centimètres lang und ein Métre und zweiundsechzig Centimètres breit. Um diese Zeit begann die Glashütte von Saint-Quirin mit der Gesellfchaft von Saint-Gobain in Konkurrenz zu treten; sie gründete eine Werkstätte für Spiegelgießerei in Cirey. Diese Konkurrenz, die gegen fünfundzwanzig Jahre gedauert, hat großen Einfluß auf die Vervollkommnung der Spiegel-Fabrication ausgeübt. Sie ist im Jahre 1830 durch ein Uebereinkommen der beiden Gesellschaften beendigt worden, in Folge defen beide denselben Tarif und nur Eine Niederlage in Paris hatten.

Die Fabrication von gegoffenen Spiegeln ist, auch seitdem fie aufgehört hat, ein Gegenstand besonderer Privilegien zu fein (was bis 1789 der Fall war), immer nur von sehr wenigen Unternehmern betrieben worden. Sie erfordert sehr große Kapitalien und bringt außerdem in der ersten Zeit nur wenig Gewinn, da es nicht möglich ist, in einer neu eingerichteten Spiegel-Fabrik fofort ganz befriedigende Erzeugniffe zu gewinnen. Die neuen Schmelztiegel und Oefen werden erst gut, wenn sie längere Zeit gebraucht sind. Nur zwei neue Fabriken waren angelegt worden; sie konnten sich aber nicht halten; sie wur

*) Aus einem auf die Ausstellung in Paris sich beziehenden Artikel des Moniteur.

den von den beiden Etabliffements von Saint-Gobain und Cirey angekauft und unterdrückt. Doch finden wir in der Pariser Ausstellung die Erzeugniffe einer feit einigen Jahren in Montluçon existierenden Werkstätte, die auch fchon 1851 in London vertreten war. Ihre Kapitalien sind ziemlich bedeutend, und die Konkurrenz, welche fiel den beiden Haupt-Fabriken macht, hat auf die Preise fchon mehr Einfluß geübt, als etwas früher eine andere außerhalb Frankreichs angelegte Spiegel-Fabrik. Kann die Fabrik Montluçon auch nicht so große und fo vollkommene Spiegel anfertigen, wie die beiden alten SpiegelManufakturen, so liefert sie doch Waaren, die im Handelsverkehre fehr geschätzt find. - Der von Saint-Gobain für die gegenwärtige Ausstellung gelieferte Spiegel ist größer, als alle bisher dagewesenen; er übertrifft um achtundsiebzig Centimètres denjenigen, welchen die Themse-Compagnie im Hyde-Park hatte, und welchen die Aufschrift als „den größten Spiegel der Welt“ bezeichnete. Dieser Spiegel hatte, nach dem Bericht der französischen Jury, fiebzehn Mètres fechsundzwanzig Centimètres Fläche. Der Spiegel von Saint-Gobain hat achtzehn Metres vier Centimètres Fläche; daß er den englischen aber auch an Güte übertrifft, wird man gewahr, ohne ein erfahrener Sachkenner zu sein. Der belgische Spiegel aus der Werkstätte von Floreffe bei Namur, der sich in der Ausstellung befindet, foll funfzehn Mètres fechs Centimètres Quadratfläche haben. Spiegel von solcher Größe find ein Beweis, daß man wirkliche Schwierigkeiten zu überwinden verstanden hat; aber eine große Kunst ist es heutzutage nicht mehr, folche Spiegel zu Stande zu bringen, wenn man nur viel Geld darauf verwenden kann. Hat man die nöthigen Kapitalien, um ungeheure Schmelzöfen, große Tiegel und große Formen, welche letztere fehr theuer sind, da sie aus farker Bronze gegoffen sein müffen, anschaffen und um viele mißglückende Versuche aushalten zu können, so gelangt man sicher dahin, solche riefige Spiegel zu Stande zu bringen. Der Spiegel der Themse-Compagnie war zwanzig Male mißrathen; das dadurch verursachte Plus der Unkosten betrug funfzigtausend Francs. Der erwähnte belgische Spiegel ist, abgesehen von der Größe, noch von sehr mangelhafter Beschaffenheit, die Fabrik von Floreffe ist noch zu neu, als daß sie schon befriedigende Erzeugniffe liefern könnte. Der von ihr gelieferte große Spiegel hat noch viele unreine Stellen. Ein Spiegel, den die Aachener Fabrik, die erst feit dem 1. November 1853 besteht, geliefert hat, verdient, was Güte und Schönheit betrifft, vor dem belgischen den Vorzug; er zeigt keinen wesentlichen Fehler. Seine bläuliche Färbung ist ein Uebelstand, der feinen Grund nicht in der Fabrication, sondern in der Compofition der Maffe hat. In dem großen Spiegel von Saint-Gobain ist die Composition eben so vollkommen wie die Fabrication. Es ist das Auge eines Sachkenners nöthig, auf demselben zwei oder drei unbedeutende Flecken zu entdecken. Da man so großen Spiegeln eine bedeutende Dicke geben muß, damit sie nicht von der eigenen Schwere zerbrochen werden, ist es schwer, zu vermeiden, daß nicht hier und da ein Bläschen in dem Glase vorkömmt. Solcher Bläschen, die übrigens die richtige Spiegelung im Ganzen gar nicht beeinträchtigen, findet man in dem Spiegel von Saint-Gobain nur fehr wenige. Von Strichen, welche eine divergente Strahlenbrechung verursachen, ist er vollkommen frei Die Operationen des Spiegel-Fabrikanten find sehr einfach und leicht zu begreifen: er hat die Glasmaffe in Fluß zu bringen, die flüffige Lava auf den metallenen Gußplatten auszubreiten; die Glasplatten in den Ofen zu bringen und fie dann vollkommen eben und glatt zu machen. Dazu kömmt dann noch die Belegung des Glases mit dem Metall, wodurch das Glas erst zum Spiegel wird. Die Politur, welche verschiedene Arbeiten erfordert, wird heutzutage durch Maschinen zu Stande gebracht. Obwohl in allen Spiegel-Fabriken dieselben Regeln beobachtet werden, so find doch gewife Manieren, durch welche die Anwendung der Regeln erleichtert wird, das ausschließliche Eigenthum und Geheimniß der Musterfabriken. Einer der Hauptvorzüge eines guten Spiegels ist der, daß er keine Farbe hat und darum den Bildern der Gegenstände, die er fpiegelt, keine bestimmte Färbung giebt. Die berühmten Spiegel Venedigs hatten diese Eigenschaft nicht. Sie waren von einer leichten ins Rosa gehenden Färbung; sie ließen den Teint daher in einer verschönenden Färbung erscheinen. Um dieser Eigenschaft willen waren sie sehr beliebt. Daß diese Eigenschaft aber trotzdem ein Mangel war, ist nicht zu leugnen. Die Spiegel gaben ein in Bezug auf die Farbe nicht ganz treues Bild des Gegenstandes. Die gewöhnlichen Spiegel, die aus deutschen Fabriken kommen, haben eine grünliche Färbung, die das Spiegelbild des Gesichts fehr unvortheilhaft erscheinen läßt. Um die Wirkung zu vermindern, bemüht man sich, sehr dünne Gläser zu Stande zu bringen. Frankreich bezieht eine große Menge folcher Spiegel aus Deutschland. Die französischen Fabriken liefern Spiegel von solcher geringen Dicke nicht,

weil die Glasmaffe, welche sie bereiten, die grünliche Färbung nicht hat.

Ein anderer Fehler der meisten Spiegel besteht darin, daß fie, weil ihre Oberfläche nicht vollkommen eben ist, die Gegenstände mehr oder weniger verzerrt erscheinen laffen. Gerade Linien erscheinen gebogen oder wie gebrochen, senkrechte oder wagerechte mehr oder weniger schräg. Stellt man zwei Spiegel, welche diesen Fehler haben, einander gegenüber, so wird man gewahr werden, wie die Spiegelbilder, z. B. von geraden Linien, um so mehr entstellt und verzerrt find, durch je öftere Wiederholung der Spiegelung fiel entstanden find. Die zur Schleifung und zur Glättung angewandten mechanischen Vorrichtungen haben in Bezug auf den hier erwähnten Mangel viel zur Vervollkommnung der Spiegel-Fabrication beigetragen. Die Maschine des Herrn Carillon, die in der Ausstellung zu finden ist, steht in ausgezeichnetem Rufe. Mit Hülfe solcher Maschinen erhält man bei den Spiegeln eine gleichmäßigere Dicke, eine genauere Ebene und damit eine richtigere Abspiegelung der Gegenstände. Es versteht sich von felbst, daß dies zu erreichen in dem Maße schwieriger ist, als die Spiegelflächen größer find. Ueber gewife große Flächen hinaus muß man es für unerreichbar halten, Spiegel von vollkommener Ebenheit zu Stande zu bringen.

Die Methode Thenart's, die Spiegel zu gießen, hat die Methode, fie, wie andere Gegenstände von Glas, besonders Gefäße, zu blasen, nicht verdrängt. Nicht blos in Deutschland und in anderen Ländern außer Frankreich wird diese Methode noch immer neben jener angewendet; fondern auch in Frankreich hat man mehrere Fabriken, wo man die Glasmaffe noch bläst. Die kleinen Spiegel find gewöhnlich von geblasenem Glas, jedoch nicht immer; denn wenn beim Gießen eine große Glasplatte mißräth, kann man sie in brauchbare kleinere Stücke vertheilen.

In der Anstellung sehen wir auch Spiegel, die geblafen find. Ein französischer Fabrikant, welcher der Glas-Industrie große Dienste geleistet und Fenstergläser liefert, welche durch ihre Unveränderlichkeit einen ungemeinen Ruf erlangt haben, Herr Patoniz, hat mehrere Spiegel, die nach der alten Methode gemacht find, zur Ausstellung gegeben. Sein Etabliffement, in Aniche (Nord) gelegen, verdient eine besondere Erwähnung, fowohl in Bezug auf die Menge der Fabrikate, die es liefert, als auch in Bezug auf feine Einrichtung, die als Muster dienen kann. Die Jury von 1849 hat diesen um die Industrie hochverdienten Manne die ihm gebührende Anerkennung in den schmeichelhaftesten Ausdrücken ausgesprochen. Die auf der Ausstellung befindlichen Spiegel von geblasenem Glas, welche er geliefert, find so schön, daß man sie von den gegoffenen nicht zu unterscheiden vermag, wenn man nicht ein Mann vom Fach ist.

Ein Wort noch über die Menge von Spiegeln aller Art, die in den französischen Fabriken angefertigt werden. Genaue Nachforschungen berechtigen uns, anzunehmen, daß die Spiegel-Fabrication Frankreichs jährlich 140.000 bis 160.000 Quadratmètres Spiegel produziert. Das Hauptschiff des Industrie-Palastes in Paris hat eine Fläche von 9216 Quadratmètres. Mit den in den Fabriken Frankreichs jährlich produzierten Spiegeln würde man diesen ungeheuren Saal funfzehnbis fechzehnmal bedecken können. Auf die Spiegel von geblasenem Glas kommen nur 20.000 Quadratmètres. Sie werden noch immer fabriziert, weil sie um 20 bis 25 Prozent wohlfeiler zu stehen kommen, als die gegoffenen.

Mannigfaltiges.

– Die Reife der Brüder Schlagintweit. Das vierte Heft von Band V. der „Zeitschrift für allgemeine Erdkunde“ bringt eine Fortsetzung der Nachrichten über die wissenschaftliche Reife der Brüder Schlagintweit in Indien, und zwar in einem Bericht an den hohen, wissenschaftlichen Beschützer dieser Expedition, Se. Majestät den König Friedrich Wilhelm IV. Der Bericht ist aus Milum vom 28. Juni 1855 datiert und von Robert und Adolph Schlagintweit unterzeichnet. Er umfaßt die interessante Reise von Naini-Tal nach Milum, welche die beiden genannten Brüder auf verschiedenen Wegen, um zahlreichere Beobachtungen zu machen, zurückgelegt. Besonders anziehend ist, was Adolph Schlagintweit von seiner Wanderung über die Gletscher berichtet, die aus dem Pindur-Thale in das Gori-Thal führen, wo er den Zorn der von den Eingeborenen gefürchteten Göttin Nanda-Devi fehr klug zu beschwichtigen wußte. Selbst als drei feiner Begleiter fich in den Schnee niederwarfen, wo fie, wie von Sinnen, mit Händen und Füßen um fich schlugen, fo daß die Uebrigen voll Schrecken riefen: „Die Nanda-Devi ist in fie gefahren!“ war es Schlagintweit, auf dessen Geheiß die drei Bhutias von den Brahminen exorzisiert wurden. Auf der Höhe, die den Namen der Göttin trägt, wurden von den Brahminen vier Ziegen geopfert, doch mußte sich Schlagintweit während dieser Ceremonie, die er nicht mit ansehen durfte, hinter einen Felsen stellen. Während Jene opferten, veranstaltete der deutsche Reifende Winkelmeffungen und andere Beob

achtungen, die für die Orographie und Geologie dieses Theiles des Himalaya von entschiedenem Nutzen sein werden. Nach einer vorläufigen Berechnung soll die Höhe des Nanda-Devi-Paffes 17950 engl. Fuß betragen. Eine Wanderung durch die Firn- und Eismaffen des Milum-Gletschers, welche Robert und Adolph zusammen unternahmen, war nicht ohne Gefahren; felbst die zwölf einheimischen Begleiter der Reisenden folgten ihnen nur mit Zagen und ließen fich, wie die beiden Brüder, durch Seile mit einander verbinden, um den Vorangehenden, falls er in eine der mit Schnee bedeckten Firnfpalten fürzte, herauszuziehen. Ihren Bericht haben die Brüder mit den photographischen Abbildungen beider Bhutias begleitet, deren Raçe die Mitte hält zwischen den Bewohnern Hindostans und denen Tibets.

– Arbeiter in Brasilien. Aus einer uns vorliegenden brafilianischen Zeitung ersehen wir, daß der Reichs-Minister in einer Sitzung der Deputierten-Kammer von Rio-Janeiro, im Juni d. J., geäußert, er habe nach London Ordre gegeben, vermittelt eines chinefischen Handlungshauses fechstausend Arbeiter aus China nach Brafilien spedieren zu laffen. Aus Europa Arbeiter zu beziehen, sei mit großen Schwierigkeiten verbunden und habe sich erfahrungsgemäß als unpraktisch erwiesen (europäische und namentlich deutsche Einwanderer haben sich nämlich geweigert, sich von den großen brasilianischen Grundbefitzern wie Sklaven behandeln zu laffen); die Chinesen dagegen feien zu Arbeiten in heißen Klimaten vollkommen geeignet; auch feien fie anstelliger und geduldiger, als Europäer. Der Minister behauptete, daß jetzt bereits an 800.000 Chinesen in englischen und holländischen Kolonieen fich befänden, wo fiel die früheren Arbeiten der Negersklaven verrichteten. – Wir ersehen aus diesem Geständniffe, wozu man eigentlich die deutschen Einwanderer in Brasilien da, wo sie nicht eigene Kolonieen bilden, hat verwenden wollen. Wenn diese jetzt, feit den Verfolgungen der Deutschen in der Union, Anstand nehmen, nach den Vereinigten Staaten auszuwandern, fofollten fiel doch unter keinen Umständen darum nach Brasilien gehen. Weit eher würde ihnen zu rathen fein, einen der fich neu regenerierenden Staaten am Rio de la Plata aufzusuchen, die fich mehr noch, als die füdlichen Provinzen von Brafilien, durch ihr gemäßigtes Klima zu einer deutschen Colonisation eignen.

– Holzkohle als Luftreiniger. In einer der letzten Nummern des Journals der Londoner Society of Arts befindet sich eine Abhandlung von Dr. Forbes Watson über die Anwendung der Holzkohle zur Luftreinigung. Als Flüssigkeits-Reiniger ist die Holzkohle allgemein bekannt und angewandt. Neuere Experimente haben jedoch ergeben, daß sie auch Eigenschaften besitzt, vermöge deren fie in fanitätischer Hinsicht einer der besten Luftreiniger ist. Holzkohle beschleunigt die chemische Auflösung und absorbiert zugleich die tödtlichen Gase, die der Fäulniß entströmen, indem sie dieselben geruchlos und beziehungsweise unschädlich macht. Es geschieht dies auf folgende Weise: Holzkohle ist sehr porös und exponiert demnach der atmosphärischen Einwirkung eine größere Oberfläche, als andere, minder poröse Körper; faulige Gase absorbiert sie mit Begierde. In ihren Poren enthält die Holzkohle Sauerstoff in umfänglicherer Maffe, als sie felbst. Sauerstoff aber ist der „große Lebensspender“ der Natur. Faulende Gegenstände befinden sich in einem „niedrigen Oxydations-Zustande“; bringt man nun die durch Fäulniß erzeugten nachtheiligen Gase in innige Verbindung mit dem kondensierten Sauerstoff der Holzkohle, so tritt deren fanitätische Wirksamkeit sofort ein; denn fie absorbiert nicht allein jene Gase, sondern sie zerstört sie auch. Holzkohle reinigt fich selbst, indem man sie der Einwirkung entweder der Sonnenstrahlen oder des Feuers aussetzt, doch geht diese Reinigung viel langsamer von Statten, als jene Auffaugung. Ventilation besteht, wie Dr. Watson sagt, wefentlich darin, eine Verdünnung der unrein gewordenen Atmosphäre herbeizuführen; es sei daher durchaus ungenügend, etwa durch Vorrichtungen nach oben die unreinen Elemente der Luft aufsteigen zu laffen und nicht vielmehr eine freie Circulation oder eine andere Reinigung derselben herbeizuführen. „Holzkohle“, fügt er hinzu, „mag ein Desinfectionsmittel im wahren Sinne des Wortes fein, oder nicht; das wiffen wir jedoch gewiß, daß sie in wunderbarem Maße die Eigenschaft hat, diejenigen tödtlichen und fauligen Gase zu zerstören, welche nur zu oft unsere Atmosphäre schwängern und in der That, weil sie in versteckterer Weise wirken, tödtlicher find, als manche befürchtete Geißel, namentlich die Cholera.“ Durch Holzkohle gereinigte Luft kann in Gebäude vermittelt einer Röhre oder eines „Luftverbreiters“ (air diffuser) geleitet werden. Kränkliche Personen können sich auch, wenn sie in der Herbstnebel-Atmosphäre Londons sich bewegen, solche mehr Sauerstoff enthaltende Luft vermittelt eines „Respirators“ zuführen laffen.

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Italien.

Literatur-Berichte aus Italien.*)

Profeffor Amar's und Fürst Butera's fizilianische Geschichtswerke. – Die Ermordung des Grafen Rofi. – Physiologische Beobachtungen in Bezug auf die Hinrichtung. – Topographisches Lerikon von Sardinien. – Farina über die Klöster in Sardinien. – Ricotti's Vorlesungen über die Geschichte Europas. – Taffo's Briefe. – Ein Lehrgedicht über Opernterte. – Graf Cesare Saluzzo. – Der Improvisator Rigaldi.

Einer der aus Sicilien in Folge der Revolution von 1848 ausgewanderten Gelehrten Palermos, der ehemalige Profeffor Amari, hat wieder einen schätzbaren Beitrag zur Geschichte feiner Infel geliefert, indem er die Herrschaft der Muselmänner in Sicilien bearbeitet, wovon im vorigen Jahre der erste Band erschienen ist.“) Dieser Band enthält den Untergang der byzantinischen Herrschaft in Sicilien und die Eroberung der Insel durch die Muselmänner bis zum Jahre 900. Der Verfaffer hat die Quellen seines Vaterlandes schon früher treulich benutzt und giebt ein lebendiges Bild des arabischen Volkes, welches damals im Besitz der Wiffenschaft war. Friedrich II. von Hohenstaufen verstand es, die dort noch vorgefundenen Reste arabischer Bildung zu würdigen, was ihm von dem Papste zum Vorwurf gemacht wurde. Ein anderer gelehrter Sicilianer, der Fürst Trebia-ButeraScordia, hat die Herrschaft des schwäbischen Hauses in Sicilien beschrieben. Auch er lebt als Ausgewanderter in Genua, wie Amari und Ondes Reggio, welcher sich durch philosophische Arbeiten in der von dem ehemaligen päpstlichen Minister, Grafen Mamiani della Rovere, zu Genua gestifteten Akademie der italiänischen Philosophie auszeichnet. Vor kurzem ist endlich eine aktenmäßige Darstellung des Mordes des päpstlichen Ministers Roffi“) erschienen. Allein wenn man auch hiernach glauben sollte, daß dieser politische Mord durch die damalige republikanische Partei veranlaßt worden, fo behauptet man doch in Italien allgemein, daß die der Hefe des Volkes angehörigen Mörder anderweit inspiriert gewesen und die Quelle in ganz anderen Regionen zu suchen sei. Man behauptet, Rofi fei wahrhaft constitutionell gewesen und habe das Vertrauen des Volks befeffen, wobei er dem Papste treu ergeben war und zugleich die Constitution befestigt und aufrecht erhalten hätte. Die fogenannten „Schwarzen“ hätten aber nichts mehr gefürchtet, als eine friedliche Reform, welche zu konsolidiren Rofi ganz der Mann war. Er mußte daher fallen, ehe er dieselbe konsolidieren konnte. So war es eine diplomatische Nothwendigkeit, ein Staatsstreich, wie der Dolch, der Sarpi traf Ein wissenschaftlicher Arzt zu Turin, Borelli, hat zu Turin mit einem Kollegen Zambianchi physiologische Forschungen über die Vollstreckung der Todesstrafe f) herausgegeben, indem von ihm ermittelt worden ist, daß die in dem Königreiche Sardinien gewöhnliche Todesstrafe des Hängens, obwohl sie auch in England die gewöhnliche, eine viel qualvollere Todesart, als das Köpfen ist, da fich durch Erfahrung herausgestellt, daß der Tod des Gehängten nicht stets unmittelbar erfolgt. Borelli ist Herausgeber der in Turin gedruckten medizinischen Zeitung, welche für die beste Italiens gehalten wird. Auch hat ihn die Kaiserlich Leopoldinich-Karolinische Akademie der Naturforscher zu Breslau vor kurzem zu ihrem Mitgliede ernannt. Ein topographisches Wörterbuch des Königreichs Sardinien, +) welches so eben in Turin erschienen ist, erfreut fich ungetheilten Beifalls wegen feiner Vollständigkeit, obwohl es fehr hat zusammengedrängt werden müffen, da es auf 1367 Oktavseiten 22.000 Artikel enthält.

*) Berichtigung. In dem italiänischen Literatur-Bericht Nr. 111 des „Magazin“ ist durch einen Korrekturfehler der Name Madiai mehrere Mal unrichtig wiedergegeben worden. *) Storia dei Musulmanni di Sicilia, di Michele Amari. Firenze, 1854. *) Storia del Assassinio di Pellegrino Rossi, trattadaiprozessi. Torino. †) Della pena di morte nelle sue relazioni colla fisiologia ed il diritto, di G. Borelli ed A. Zambianchi. Torino.

++) Dizionario geografico statistico degli Stati Sardi, per cura di Guglielmo Stefani. Torino, 1855 , P.

Der von dem Ministerium des Königreichs Sardinien den Kammern vorgelegte Gesetzesvorschlag über die Aufhebung einiger Klöster hat mehrere Schriften hervorgerufen, von denen die des Profeffors Farina besondere Aufmerksamkeit verdient. Schon der Titel feines Buches fagt, daß die Nation der einzige und wahre Eigenthümer der geistlichen Güter fei.“) Der Verfaffer war früher Herausgeber einer fehr geachteten statistischen Zeitschrift und einer der Haupt-Mitarbeiter an der Statistik von Sicilien. Er war Mitglied des neapolitanischen Parlaments von 1848, daher er, aus feinem Vaterlande vertrieben, jetzt in Turin als Profeffor der Staatswirthschaft lebt. Der Profeffor der neueren Geschichte an der Universität zu Turin, Ritter Ricotti, hat eine neue Ausgabe eines fehr beliebten Handbuches der Geschichte Europas und vorzüglich Italiens in drei Bänden veranstaltet,“) nachdem die ersten beiden Ausgaben schnell vergriffen waren. Der erste Band enthält das Mittelalter, von dem Untergange des römischen Reiches (denn vorher gab es eigentlich noch keine Geschichte von Europa) bis 1492, wo Amerika entdeckt wurde und die Wiederherstellung der Wiffenschaften und Künste nach dem Falle des Lehnwesens erfolgt war. Hier ist besonders von dem Verfaffer auf die Geschichte der Verfaffung und Verwaltung Rücksicht genommen worden, fo daß er zugleich eine fehr übersichtliche Kulturgeschichte liefert. Er weist nach, daß die Städte in Italien unter der Weltherrschaft Roms stets der Selbstverwaltung genoffen, und wenn auch nach und nach das demokratische Element den Optimaten in der Curia weichen mußte, so war es doch immer dieser Theil der Bürgerschaft mehr oder weniger, welcher die städtischen Beamten wählte und beaufsichtigte. Nach und nach waren die Zünfte und anderen Corporationen entstanden, welche ein Gegengewicht gegen die Optimaten bildeten und die, obgleich anfangs verboten, doch schon im fünften Jahrhundert ihre eigene Verfaffung, Statuten und eigenthümliches Vermögen hatten, wofür ihnen mitunter besondere Verpflichtungen auferlegt waren; fo hatte z. B. die eine Zunft der Gerber in Rom die Verpflichtung, die Feuerlösch-Anstalten zu besorgen. Der Verfaffer theilt das Mittelalter ein in den Zeitraum von dem Einfalle der Barbaren, 476, bis zur Errichtung des longobardischen Reiches, 568, dann bis zur Errichtung der fränkischen Monarchie, 773; nach deren Verfall, 888, fing das Feudalwesen an, welches bis 1152 dauerte, wo die Städte Italiens das Uebergewicht erhielten, die aber durch die Umtriebe der kirchlichen Gewalt feit 1309 in verschiedenen Herrschaften und Fürstenthümern untergingen, durch welche in Folge des Lehnwesens die kaiserliche Macht vernichtet worden war. Der zweite Band enthält die Geschichte Europas bis zur französischen Revolution; der Verfaffer theilt diesen Zeitraum in drei Theile: erst hielten Spanien und Frankreich fich das Gleichgewicht bis 1559, bis zum Frieden von Chateau Cambrefis, dann erhielt Spanien das Uebergewicht wenigstens in Italien und zuletzt Oesterreich. Bei dem Vortrage der Reformationsgeschichte zeigt fich der Verfaffer fehr unparteiisch und tolerant und verschweigt nicht die Mißbräuche des Papstthums. Der dritte Theil beschäftigt sich mit der neueren Geschichte seit der französischen Revolution bis zum Jahre 1815, mithin mit dem Zeitraum, welchen Manche aus den Büchern der Geschichte auslöschen möchten. In Italien, wo die erste Gesellschaft zugleich die gebildetste ist, besonders in Piemont, hat der Verfaffer bei dem Vortrage dieser Thatsachen keinen Anfand erfahren. Den Verehrern Taffo's wird es fehr angenehm fein, zu erfahren, daß die Herausgabe feiner Briefe, nach der Zeitfolge geordnet, jetzt beendet ist, wodurch sich Cesare Guafi ein großes Verdienst erworben hat.“) Es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß im Königreich Neapel die abstrakten philosophischen Studien mehr als in allen anderen ita

*) La nazione de la unica e vera proprietaria de' boni ecclesiastici, di Giuseppe La Farina. Torino, 1854 *) Breve storia d'Europa e specialmente d’Italia di E. Ricotti, professore di storia moderna. 3 Vol. Torino, 1854. *) Le lettere di Torquato Tasso, disposte per ordine di tempo ed illustrate di Cesare Guasti. Firenze, 1852–54. IV. Vol.

liänischen Staaten betrieben werden; vielleicht aber weil dort Staat und Kirche am wenigsten erlauben, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen. Ein junger Neapolitaner hat so eben in Turin eine Ueberfetzung des Aristoteles“) herausgegeben. Er lebt ganz für diese Studien und ist überhaupt wieder eines der Beispiele, wie reiche Leute in Italien aus Liebe zur Wiffenschaft für dieselbe leben, ohne durch fie leben zu wollen, wie da, wo die Wiffenschaft blos als Milchkuh behandelt wird. Bekanntlich find die Operntexte gewöhnlich nicht von bedeutendem Werth; ein Dichter, Caccialupi, will versuchen, diesem Uebelfande abzuhelfen und diesen Zweig der Dichtkunft zu heben. Es hat dieser ein didaktisches Gedicht über das Melodrama des neunzehnten Jahrhunderts herausgegeben, in welchem er die Ursachen feines Verfalls darstellt und nach mehr Klassizität hinarbeitet.“) Eine Biographie des Grafen Cesare Saluzzo, von Cabetti,“) ist sehr gut aufgenommen worden, da sie einen Mann betrifft, der ein fehr rühmliches Andenken hinterlaffen hat. Von den Fürsten von Saluzzo herstammend, welche einst, wie die anderen kaiserlichen Beamten, in der Zeit des Lehnwesens fich zu Monarchen ihres Verwaltungsbezirks gemacht hatten, gehörte er der ersten Familie des Königreichs Sardinien an. Seine Erziehung fiel in die Zeit kurz vor der französischen Revolution, wo die vornehmsten jungen Leute in Piemont zugleich strebten, die gelehrtesten zu sein. Auch unfer Saluzzo widmete sich ganz den Wiffenschaften, wurde bald thätiges Mitglied der Akademie der Wiisenschaften zu Turin und zeichnete sich durch mehrere geschichtliche und kartographische Arbeiten aus. Nach der Wiederherstellung des Königreichs trat er in Militairdienste, wurde bald Direktor der MilitairErziehungs-Anstalten und starb als Feldzeugmeister der Artillerie und Präsident der Akademie der Wiffenschaften; feine gelehrten Werke find hinreichend bekannt. Einer der bedeutendsten jetzt lebenden italiänischen Improvisatoren ist G. Rigaldi, aus Varallo bei Novara, welcher ein zu poetisches Gemüth auf die Universität zu Turin mitbrachte, um Gefallen an dem trockenen Studium des Rechts zu finden. Bei ihm wurde. Alles Poesie, wie bei Ovid, quidquid tentabat dicere versus erat. In den Lehrstunden schrieb er fein Gedicht über den Krieg; das durfte nicht gestattet werden, er mußte die juridische Laufbahn aufgeben. Nun warf er sich erst recht der Dichtkunst in die Arme, facit indignatio versus. Bald entwickelte sich ein entschiedenes Talent zum Improvisieren, womit er die Gesellschaft in Rom, Florenz und Neapel, fo wie in den meisten Städten Italiens, entzückte. In Paris feierte er feinen größten Triumph. Lamartine und Victor Hugo verbreiteten feinen Ruf, so wie Delphine Gay und George Sand, besonders als die Letztere ihm als Gegenstand der Dichtung den Tabacksrauch aufgegeben hatte, eine Aufgabe, deren er sich mit aller Gewandtheit entledigte. Er machte hierauf wissenschaftliche Reisen nach dem Orient bis nach Nubien und lebt jetzt in Turin, wo er eine Sammlung trefflicher Gedichte herausgiebt, deren erste Lieferung vorliegt. f) Besonders gefällt eine Hymne auf Gott, welche er auf dem Aetna bei dem Ausbruche deffelben im Dezember 1842 dichtete. Einem so wifenschaftlich gebildeten Manne geben feine Reifen den besten Stoff zu feinen Gedichten, z. B. auf „Theben“ in Aegypten; fehr lieblich ist feine „Nacht auf dem Adriatischen Meere“. In Scilli in Calabrien wohnte er einem dort jährlich am 1. April gefeierten Kirchenfeste bei, das zum Andenken eines Sieges über die Sarazenen im Jahre 1093 gefeiert wird, wobei die Maria felbst vom Himmel gekommen und gegen die Ungläubigen gekämpft hat. In feierlicher Prozession wird ein hölzermes Mutter-Gottes-Bild zu Pferde mit Lanze und Küraß ausgerüstet und mit Sporen an den Stiefeln von der Geistlichkeit vor die Stadt getragen. Dort theilt sich die junge Welt in zwei Heerhaufen; die bewaffnete Jungfrau entscheidet den Kampf, indem sie sich an die Spitze der Gläubigen fetzt. J. F. Neigebaur,

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schön und, wie es schien, auch fruchtbar, allein nicht mit dem lieblichen Grün der jungen Saat, fondern mit der Geißel dieses gesegneten Landstriches, der Heuschrecke, überzogen. Die abscheulichen Infekten hatten noch nicht die nöthige Größe erreicht, um fich von der Erde zu erheben; fiel krochen oder sprangen über einander weg, und der Boden fähien wie mit einer dunkelgelben Lehmschicht bedeckt, welche fortwährend in zitternder Bewegung war. Noch einige Tage, und das häßliche Gewürm fliegt auf, und Tod und Vernichtung bezeichnen die Stellen, welche es auf feiner Wanderung berühren wird. Im weiteren Verlauf unserer Reise begegneten wir einem Schwarm Heuschrecken, durch welchen wir uns einige Stunden lang im wahren Sinne des Worts hindurcharbeiten mußten. Er verfinsterte förmlich die Sonne, ließ ein eigenthümliches unangenehmes Gefchwirre hören, und erfüllte die Luft mit einem fehr fatalen Geruch. Wo die Thiere auf die Erde gefallen waren, lagen sie wohl eine viertel Elle hoch; aber auch die Heuschober, ja, felbst die Strohdächer waren dick mit ihnen überzogen. Einen eigenthümlichen Anblick gewährt es, wenn der Schwarm im Anzuge begriffen ist, er erscheint dann als ein dichter Nebel von graugelber Farbe, der fich bald erhebt, bald zur Erde fenkt. In den Festungen am Kaukasus, fo wie in den Kosaken-Stationen (Stanizy), wird, fobald fich diese Landplage fehen läßt, Lärm geschlagen, gleich als ob der Feind im Anzuge wäre. Die Artillerie löst die Geschütze, und auch die Infanterie giebt Feuer, macht mit Trommeln und Hurrahrufen einen wahrhaft höllischen Lärm. Der erschreckte Schwarm fliegt auf und weiter, die Soldaten hinter ihm her und laffen von der Verfolgung nicht eher ab, bis sie die kleinen aber unersättlichen Freffer in die Wälder und Berge oder in irgend eine Schlucht, die natürliche Veste der Bergbewohner, gejagt haben. Einst zog ein solcher Schwarm über zwei Stunden um die Wosdwijensker Festung herum; man feuerte wie in der heißesten Schlacht und machte dabei einen gräßlichen Spektakel, bis es endlich gelang, den Feind in die eben folgeheimnißvolle wie schauerliche Argumer Schlucht zu treiben. Wo solche nachdrückliche Mittel nicht zu Gebote stehen, wie z. B. in den Dörfern die feits des Kaukasus, da sieht es freilich schlimm aus, wenn die Heuschrecke angezogen kömmt; da steht der Landmann mit verschränkten Armen und fieht zu, wie die Frucht feiner mühevollen Arbeit unter den Freßwerkzeugen der kleinen Ungeheuer verschwindet, wo Nichts zurückbleibt, als der kahle Boden und ein widerwärtiger Geruch. Trotzdem steht der Schaden, welchen die Heuschrecke anrichtet, in keinem Vergleich zu dem Vortheil, welcher hier aus dem Boden zu ziehen ist. Wer nur Luft hat und rührig ist, kann fo viel Land benutzen, wie er will, denn von Abgränzungen weiß man nichts, Peregradnaja, das Dorf, in welchem wir nach fast tagelangem Marsche endlich Halt machten, zieht fich theils in der Ebene, theils an einem Bache hin und hat wohl eine Meile Länge. Die reinlichen netten Bauernhäuser defelben find meist aus Sandstein aufgeführt, der daselbst sehr reichlich vorkömmt, und gleich wie in der Ukraine mit Gärtchen umgeben, was immer auf gute Wirthschaft und eine gewiffe Wohlhabenheit schließen läßt. Wir waren schnell untergebracht und fanden eben so freundliche Aufnahme wie in dem letzten Dorfe. Die Leute hier, größtentheils Anfiedler aus dem Innern Rußlands, die uns recht gute Wirthe zu fein schienen, beschäftigen fich neben der Bodenkultur viel mit Leinwandweberei. Ueberallfahen wir die langen, weißen Streifen über den grünen Rasen ausgespannt und den bleichenden Strahlen der Sonne ausgesetzt, junge flinke Mädchen besorgten abwechselnd das Geschäft des Begießens, und am Abend kamen die Burschen herzu, um unter fröhlichen Liedern mit den fchmucken Dirnen zu schäkern und herumzuspringen. Mich zog es in den muntern Kreis doch wie früher, so war auch hier der Soldatenrock das Hinderniß der Annäherung; man ging mir aus dem Wege oder floh mich geradezu, Der folgende Tag war Rasttag, und wir benutzten den herrlichen Morgen, indem wir uns unter dem Schatten eines Kirschbaumes lagerten und Jeder Bücher, Album, Bleistift, Farben oder fonft dasjenige aus feinem Tornister herausnahm, womit er die Stunden zu kürzen gedachte. Lange jedoch hielten wir es im Freien nicht aus, denn die Hitze wurde bald unerträglich, und erhob fich ja ein Wind, fo war er wie der Hauch aus einem glühenden Ofen. Wir verkrochen uns, wie und wo wir konnten, waren am Abend aber auch förmlich erschöpft. Auf der Reise, besonders hier zu Lande, ist nichts fo färkend wie Thee. Wir hatten dazu alle Ingredienzien bei uns, allein ein nothwendiges Requisit fehlte, nämlich die Maschine, der Samowar. Wir verlangten eine folche von meinen Wirthsleuten, doch diese hatten keine im Vermögen und meinten, höchstens würden wir, was wir fuchten, bei der Witwe des Popen finden. Wir begaben uns fofort in das Haus der geistlichen Frau und fanden dies zwar offen, zu unserem Erstaunen jedoch menschenleer. Wir klopften überall an, allein ohne Antwort zu erhalten, bis sich endlich in einem Loche unter der Erde eine Stimme vernehmen ließ, und aus demselben ein allerliebster Kinderkopf herausschaute. Auf die Frage nach der Hausfrau wurde uns die Antwort, sie werde gleich erscheinen, und wirklich entstieg auch bald darauf der Tiefe – die, wie wir erfuhren, ein Keller war – eine fchon bejahrte Frau mit mehreren Kindern verschiedener Größe, die nach unserem Begehr fragte und uns dabei ins Haus bat, welches fie, wie sie bemerkte, der großen Hitze wegen mit dem unterirdischen Raume vertauscht hatte. Was wir fuchten, war wirklich vorhanden, wenn auch längst fchon nicht mehr gebraucht und daher mit einer dichten Schicht Staub bedeckt; die gute Frau unterzog sich gern der Bereitung des labenden Getränks, und nicht lange, so broddelte es in der Maschine, klapperten in den Gläsern die Löffel, deren wir glücklicherweise zwei, wenn auch in etwas defektem Zustande, vorfanden. Wir rückten die Bänke heran, fetzten uns mit unserer neuen Wirthin und deren Sprößlingen um den Tisch und ließen uns den Tschai (Thee) gut schmecken. An der Wand über dem Bettel hing eine mit nur wenigen Saiten bezogene Guitarre, und dies verursachte mir einen wahren Schreck; denn einer unserer Kameraden lebte der fatalen Ueberzeugung, ein hinreißender Sänger zu sein, und versäumte keine Gelegenheit, wo er Proben feines Talentes ablegen konnte; erblickte er erst das Infrument, dann ging es ohne Singen nicht ab. Was ich gefürchtet, traf ein; kaum hatte er fein Glas geleert und fich in der Stube umgesehen, als er die Guitarre gewahr wurde, mit einem freudigen „Ah“ auf fie zufprang und fiel vom Nagel herunternahm. Man kann sich denken, wie schrecklich fiel verstimmt war; das hinderte jedoch den kühnen Sänger nicht; er intonierte fein gewohntes: Nah der Stadt auf grünem Rasen Mäht der Schnitter muntere Schaar, ' wurde, wenigstens von der jungen Welt, mit reichem Beifall beOhnt. Bis hierher war uns auf unserem Wege eigentlich noch Nichts aufgestoßen, was uns hätte daran erinnern können, daß wir uns in einem anderen Welttheil und nahe dem Kaukasus befanden; doch gleich hinter Peregradnaja nahm die Landschaft einen ganz anderen, neuen Charakter an. Weitläufige Ebenen wechselten mit malerischen Hügelreihen, dunkle Haine wechselten mit munter plätschernden Bächen, und auf dem Wege zeigte sich auf feiner Arba, einem Wagen mit hohen Rädern, der Gebirgsbewohner von jenseits des Kuban in feiner fchwarzen Burka (Rock) und zottigen Popacha (Mütze) und regierte mit starker Hand fein Ochsengespann. Er bringt aus Eichen oder Buchen verfertigte hölzerne Geräthschaften, als: Schaufeln, Mulden u. f. w.. und tauscht dafür ein Mäßchen Hirse oder Weizen ein. Endlich steigt auch am fernen Horizont der weiße doppelte Gipfel des Elborus empor, der den über ihm schwebenden Wolken gewissermaßen zur Stütze dient, und wir fanden am Eingange desjenigen Landes, in welchem wir für lange Zeit unseren Wohnsitz aufschlagen sollten. Wir hatten bereits das Dorf Moskowska hinter uns und näherten uns mit starken Schritten Stawropol, entfernten uns aber auch mehr und mehr aus der fo echt ländlichen Gegend, hinter welcher fich die mächtige Bergkette erhebt, die feit fo vielen Jahren fchon Zeugin der heftigsten, blutigsten Kämpfe ist und auch jetzt noch von Waffengeklirr und Kanonendonner wiederhallt. Wahrlich, wem es um einen abgefchiedenen Wohnort zu thun ist, der muß hier unter Maulbeeren und Akazien feine Hütte bauen. Er lebt dann bei geringen Bedürfniffen von dem, was die Natur in Fülle spendet, und hat weiter keine Mühe, als feinen Ueberfluß nach der nächsten Stadt zu bringen, um für die wenigen Kopeken, welche er einnimmt, die einzige von ihm geforderte Abgabe, eine kaum nennenswerthe Kopfsteuer, zu bezahlen. Stawropol, zwischen den Flüffen Tfchla und Mutjanka, hat eine fchöne, hohe Lage. Die verschiedenfarbigen Dächer der Häuser und Kirchen inmitten des Grüns der Bäume in den Gärten und auf den Boulevards machen auf den Fremden einen um fo angenehmeren Eindruck, als er ihn in dem abgelegenen Winkel der Erde nicht erwartet. Die Stadt liegt 179 Fuß über dem Meeresspiegel und hat deshalb eine etwas kühlere Temperatur als der Strich Landes, durch welchen wir bisher gewandert waren. Der Boden erhebt sich allmählich gegen den an 30 Wert entfernten Kuban und bildet eine ausgedehnte Hochebene, von wo aus fich eine starke, doch nicht ungesunde Luftströmung über die Stadt ergießt. Ungeachtet der hohen Lage giebt es in der Nähe der Stadt keine Quellen, und das bittere Brunnenwaffer ist vollkommen ungenießbar. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat man von dem Karabia, der Quelle der Mutjanka, Röhren nach der Stadt geführt, deren Waffer sich in zwei fehr zweckmäßig angelegte Behälter ergießt. Der eine, mit einem Springbrunnen, befindet sich in der Mitte der Stadt und wurde von dem Kaufmann Tamamschev erbaut, der andere, auf dem fogenannten Jahrmarktsplatz belegene, 1850 auf Kosten des Kaufmanns Kuntschikov ausgeführt. Die Stadt felbst zerfällt in zwei Theile. In dem oberen erheben fich die fchönsten Gebäude derselben, als; die Regierung, das Thea

ter u. f. w., in der Hauptstraße des unteren dagegen konzentriert fich der Verkehr, denn hier stehen die Gewölbe der Kaufhalle (gostinoidwor), die Magazine, Gasthöfe, Konditoreien u. f.w, längs denen fich der mit Linden und Akazien eingefaßte, schöne, lange Boulevard hinzieht. Ueber der unteren Stadt thront auf einer Anhöhe die ringsum von einer feinernen Brustwehr eingefaßte, in herrliche Kuppeln auslaufende Domkirche und macht an dieser Stelle einen fehr großartigen Eindruck. Daß die Stadt, wenigstens in den Hauptstraßen, feinerne Trottoirs hat, ist eine große Annehmlichkeit; vor wenig Jahren mußte man noch, wie in allen Städten Süd-Rußlands, im Kothe fast verfinken. Zu Spaziergängen dient, außer dem fchon erwähnten Boulevard, noch der in der Mitte der Stadt gelegene und nach feinem früheren Befizer Bubinov benannte Hain, wo an Sonn- und Festtagen die Regiments-Musik spielt, und der Abends von vielen Lampen und Laternen erleuchtet ist, dann der unter dem Fürsten Woronzov angelegte Mustergarten, in welchem man die aus der Krim hierher verpflanzten herrlichsten Obstsorten findet und der für viele Meilen weit in der Umgegend die jungen Bäumchen und Pfropfreifer liefert. Da gerade von Anlagen die Rede ist, so fei hier auch die an der Tschla angelegte Maulbeerpflanzung, so wie die Schule, erwähnt, wo die Kinder aus den niederen Klaffen in der Zucht und Pflege der Seidenraupe. Unterweisung empfangen. Mangel an Communications-Mitteln, besonders an Wafferstraßen, haben Handel und Industrie bis jetzt in Stawropol noch nicht fehr aufkommen laffen. Die hiesigen Kaufleute beschränken fich darauf, die Städte und Festungen längs der kaukasischen Linie mit dem Nothwendigen zu versorgen, obgleich dafür Georgiewsk, als den Bergen näher gelegen, ein weit paffenderer Punkt wäre. Stawropol liegt weder in der Mitte des Guberniums, noch ist es der Ort, wo die verschiedenen Bergbewohner zusammenzukommen pflegen; er hat feine Bevorzugung einzig und allein dem gesunderen Klima zu danken. (Schluß folgt.)

Nord: Wlmerika.

Chinesische Schauspieler unter den Yankees

Klagen über das rohe, unwürdige Benehmen der Wankees gegen Fremde find jetzt an der Tages-Ordnung. Die Nichtswürdigkeiten der Rowdies von Louisville gegen Deutsche und Irländer haben das ganze civilisierte Europa aufgebracht. Wir wollen, als einen weiteren Charakterzug zu diesem Bilde der Yankees, ein auf der Erzählung einer bezeichnenden Thatsache bafirtes Urtheil eines Bewohners des „Reiches der Mitte“ unseren Lesern mittheilen. Wie arg muß es Bruder Jonathan treiben, wenn dasjenige Volk, das bisher als das ungastlichte, hochmüthigste und gewinnsüchtigte verschrieen war, jetzt in allen drei Beziehungen den Yankee als feinen Meister anerkennt! Wir haben bereits mehrfach der in San Francisco erscheinenden chinesischen Zeitung „Tung-Ngai-San-Luk” (englisch: The Oriental) gedacht. In Nr. 28 dieses Blattes erzählt nun ein junger Chinese, der fich auch in englischer Sprache vortrefflich auszudrücken weiß, welches Schicksal einige feiner Landsleute, chinesische Schauspieler, gehabt, die sich hatten bereden laffen, nach New-York zu reifen, um dort Vorstellungen zu geben. Dem amerikanischen Impresario, einem Schüler Barnum's, war die Speculation, die er auf die Schauluft feiner Landsleute gemacht, allerdings mißlungen; statt jedoch selbst den Schaden zu tragen, haben er und feine Helfershelfer die unerfahrenen, armen Chinesen auf das Gemeinste betrogen und mißhandelt, wobei, mit Ausnahme einiger wohlthätigen Frauen und Männer in New-York, die ihnen zuletzt geholfen, auch das Publikum auf das Inhumanste fich benommen hat. Die Erzählung und das darauf begründete Urtheil des jungen Chinesen lauten folgendermaßen: „Die Tung-fok-tong Schauspieler-Gesellschaft, aus mehr als 120 Personen bestehend, verließ Canton im Monat Juni 1852 und kam zu San Francisco im August deffelben Jahres an. Während der fünf oder fechs Monate, die fie hier verweilten, fanden ihre Vorstellungen bei den in San Francisco wohnenden Chinesen sehr vielen Beifall. Nun traf es sich, daß ein gewifer George W. Beach dem Direktor der Gesellschaft, Li-kum, den Vorschlag machte, nach New-York hinüber zu gehen und ein Theater nahe am Krystal-Palast zu errichten. Da ihnen die Idee gefiel und ihnen die schmeichelhafte Aussicht auf glänzende Erfolge eröffnet wurde, so nahmen Li-kun und ein Theil der Gesellschaft den Vorschlag von Beach & Comp. an. „Am 19. März 1853 schloß die Gesellschaft mit Beach einen Vertrag ab, durch welchen Erstere auf die Dauer von zehn Monaten engagiert wurde. Für die ersten fechs Monate sollten sie 36.000 Dollars in monatlichen Vorausbezahlungen von 6000 Dollars und für die übrigen vier Monate 28.000 Dollars, ebenfalls in monatlichen Vorausbezahlungen, erhalten. Außerdem war festgestellt, daß ihnen, bevor fie nach New-York abreifen, 12.000 Dollars, eine zweimonatliche Gage,

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