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nur noch mit Draht fümmerlich zusammengehalten ist, und die halb der Leichenbestattung fich so lange habe erhalten können, und er gelangt zabnlosen Kinnbaden ftreden sich wie fnirsốend unter den aufgefola- zu dem Resultat, daß das Zusammenwirken zweier dem Charakter des genen Visiren vor; weiterhin brüften fich wieder Gestalten in Perüden Sicilianers tief eingeprägten Eigenthümlichkeiten den jedes gesunde und allem nur erdenkbaren lächerlichen und bizarren Kopfschmuc; der Gefühl verleßenden Brauch wohl erklären könne, - das Zusammen. fbeint zu lachen, jener zu frieren, dieser wieder mit weit vorgerecter wirken der Bigotterie, ,,der zufolge der irdische Körper gegenüber der idwarzer Zunge in gräßlichem Somerze aufzustöhnen – überall die unsterblichen Seele ein reines Nichts, ein dem Zufall preisgegebenes furchtbar fich gleichende Physiognomie des Todtseins in tausendfach Spielwerk darstellt“, und der Neigung zum Burlesten, die fich gerade wedselnder Gestaltung. Dann wieder die der näheren und näoften auf religiösem Gebiet am allerfedften zu geberden pflege. Aber es Zeit angehörenden Todten, die, noch nicht zur Mumie geworden, in springt in die Augen, daß jedwede Art der Leichenbestattung, welcher ihren entstellten Zügen nur eine um so grauenvollere Verwandtschaft wie die palermitanische, die Leiber der Verstorbenen durch irgend welche mit dem Leben zeigen: bier langgeftredte Krieger in prächtigen Galla. fünftliche Manipulation zu konserviren und dem Anblid der AngehöriUniformen, wie man sie draußen noch zu Hunderten umbergeben sieht, gen zu erhalten sucht, nicht auf eine von der Bigotterie eingegebene dort Herren in schwarzen Frads mit auf der Brust gekreuzten gelben Verachtung der irdischen Erfbeinung, sondern eher auf die gerade entHänden, die gerade in diesem fuffisanten Salonsdmud den allersdeuße gegengeseßte Empfindung hindeutet, und was die Freude am Burlesken lichften Anblid gewähren. Und zuleßt gar die Frauen! reich geschmüdt, betrifft, so glauben wir, daß fie eben fo wenig zur Erklärung jener wie zum glänzendften Hoffefte, liegen fie in ihren schmalen farbigen anstößigen Sitte beiträgt. Der Verfasser seint uns zu irren, wenn Truhen mit lächerlich gräßlicher Prätenfion; Fraßengesichter, die alle er annimmt, daß in einem ,,rein mensólid gestimmten Gemüthe bas Häßlichkeiten des verzerrendften Todestampfes an fio tragen, lugen ursprüngliche Entseßen, das den Fremden bei dem ersten Anblid einer aus Spißen und Seide und reichem Blumenschmuc hervor, Sammet so schauerlichen Todtenversammlung ergreift, später einer humoristischund Goldftoff bausot um eingefunkene, edige Glieder, und den zier. ironisben Betrachtung über die Hinfälligkeit des Irbischen, über die lich filbergeftidten, weißen Atlassdub füllt nur zum dritten Theil ein mit dem bunteften Flitterkram elend bededte Verwesung Plaß made. brauner Knochenfuß. Hier und da hängen auch frische Blumen in Das ursprüngliche Entfeßen ist als eine gewaltige, plößlich hereinSträußen und Gewinden um die modernden Refte, und der Zettel, brechende Empfindung allerdings nicht bleibend; aber sie weight, wie den jede Leiche zwischen den Fingern hält, worauf Name, Geburts uns scheint, nur dem Gefühl des Absdeus, das fich in einem , rein und Sterbetag angegeben, belehrt uns, daß hier ein Mädden, erst mensdlich gestimmten Gemütbe behaupten dürfte. Nur in den seltevor wenigen Monaten in der Blüthe des Lebens verschieden, späte nen Fällen, wo ein Individuum, wie der Pater Guardian, durch die Liebesgabe von treuen Hinterlassenen empfing - aber die Blumen Rothwendigkeit zum täglich wiederholten Anblid eines so widerwärtigen find welt und fahl, dem Haus des Todes, der da webt, kann nichts, Schauspiele gezwungen wird, scheint es uns begreiflich, daß die innere was blühen und duften soll, widerstehen. Denn es ist eine fürchter. Natur, in gesunder Reaction gegen eine andauernd peinigende Empfinliche Atmosphäre, die in diesen Grüften brütet, und man glaubt den dung begriffen, das Gefühl des Abscheus durch eine Idee zu überwinModerduft zu schauen, wie er sich als graulicher Staub um alle diese den sucht, in welcher der Mensch fich befriedigter fühlt, und daß er verkommenen, wurmstichigen Erscheinungen webt. Oft ist es auc, als endlich allerdings babin gelangt, mit einem gewissen Todtengräberregte fiche hier und da in einem dunklen Winkel, als nähme eine oder Humor philosophirend und ironifirend durch das gräßlice Todtenreich die andere dieser flapperdürren Puppen etwa eine bequemere Stellung zu wandern. Allen anderen Personen aber, die sich jährlich vielleicht an, aber es war doch nur der Luftftrid, der im Vorbeigeben die Klei. nur einigemal, an Feste und Gedenktagen, die büfteren Pforten öffnen derfeßen oder eine zerraufte Haarlođe bewegte, oder eine geheimniß. laffen, um, von wehmüthigen Erinnerungen umschwebt, die modernden vol lauernde Raße war zwischen einem der Popanze weggebuscht, daß Ueberrefte theurer Verwandten aufzusuchen, liegt die Freude am Ba. es flapperte und bröhnte.

roden und Burlesfen sicherlid viel zu fern, als daß fie ihnen den trau,,Nadbem mid der Pater Guardian eine Zeitlang schweigend durch rigen Weg erträglich machen könnte. Sie widerstreitet zu sehr der die Gänge geführt und mit triumphirenden Bliden mich gleiðsam im Stimmung, welche die Hinterbliebenen hierher führt, um eine leßte Stillen den Total-Effekt dieses über allen Wort-Ausdruc entfeßlichen Liebespflicht zu erfüllen; wer selbst durch einen noch nicht vergessenen Schauspiels genießen lassen, machte er dienftbefliffen nod auf einige Der Verlust die Macht des Todes erfahren hat, ist nicht geeignet, die grellen tails und besonders hervorstehende Individualitäten der Todten-Affem- und läderlichen Rontrafte, welche dieselbe Macht in diesen unheimlichen blee aufmertsam. ... Gern hätte ich durd ihn einige nähere Erläute. Räumen neben einander gestellt hat, mit behaglicher Jronie zu betrachten. rungen über diese Palermo, wie mir scheint, ganz eigenthümliche Art der Wie im vorliegenden Falle, deinen uns auch an anderen Orten Todtenbestattung und die dabei übliche Manipulation eingezogen, aber die Erklärungsversuche des Herrn Verfaffers manchen Einwendungen ba io Mund und Nase, um die verpeftete luft wenigstens nur filtritt zu unterliegen; aber ungeachtet dieser schwächeren Partieen bleibt das zu genießen, auf& engste blokirt halten mußte und übrigens des guten Bud eine der ansprechendften Erscheinungen auf dem Gebiete der Mönchs sicilianischer Dialekt an fio con sehr schwer verftändlich war, Reise-Literatur. Denn sie werden weit überwogen burd die Anidaus so gab es nur eine gebrochene, vielen Mißverftändnissen unterworfene lichkeit, Frifde, Anmuth und den Glanz der Darstellung, durch welde Conversation. So viel glaube ich entnommen zu haben, daß diese Ra Dr. Goldhann so zu fesseln weiß, daß fein gebildeter Leser die ,,Wantakomben der vorzügliofte, wenn nicht der einzige Begräbnißplaß der derungen in Sicilien" ohne hohen Genuß aus der Hand legen wirb. Hauptstadt find, und daß der Regel nadatle Verstorbene auf folde Weise beftattet werbent; nur gewisse hochadelige Familien maden in. sofern eine Ausnahme, daß ihre Leiden in hölzernen, oben gewölbten

Ungarn.
Kiften, die man denn, bunt bemalt und mit Wappen geziert, in großer
Anzahl zu Füßen der anderen Todten umberstehen sieht, verschlossen

Philologische Zeitschrift in magyarischer Sprache. und von den Angehörigen, welche die Schlüssel führen, beobyutet blei. Von dem „Magyar Nyelvészet", dessen Programm wir vor eini. ben. Nach der gewöhnlichen Uebung werden die neu ankommenden gen Monaten auszugsweise mitgetheilt, ist das erste Heft (in drei BoLeichen entfleidet, in ein dunkles Gewölbe gebracht und dort, mit ein- gen) erschienen. Der Inhalt desselben beweist unwidersprechlich, daß gefónürten Oliedern auf einem eisernen Roft ausgespannt, durch sechs Herausgeber und Mitarbeiter mit den Errungenschaften sowohl, Monate einem raschen, aber natürlich unvollkommenen Verwesungepro. als den Bedürfnissen unserer Zeit, so weit fie das gewählte wiszeß ausgeseßt, der durch ein unter dem Rofte wegrieselndes Waffer fensdaftliche Gebiet berühren, in ihrem ganzen Umfange vertraut fiab. nod beschleunigt werden soll. In dem dadurch erzeugten, halb mu Der erste Artifel ,,Was bezwedt die (Zeitschrift), Magyarifche Sprachmienbaften Zustande wird der Körper wieder abgenommen, angekleidet, wiffenschaft"P" („Mit akar a' „Magyar Nyelvészet” "') ift von dem Here und zwar in den meisten Fällen nur in eine søledte Rapuzinerkutte, ausgeber (Herrn Hunfalvy) felbft. Wir fassen hier seinen Inhalt und den Tausenden seiner Vorgänger angereibt, wo er stehen und bar. kurz zusammen. Schon die inneren Beziehungen Ungarns erbeisben, ren foul bis an das Ende der Dinge, und wo nur die feierligen Be- baß Sprach- und Geschichtsforschung nicht bloß die Gegenwart, son. fuoße seiner Angehörigen, die an großen Fefttagen ihn mit neuen Kleidern aud die Vergangenheit dieses Landes möglicht vollftändig umbern und Blumen herauspußen, feine ewige Nube stören. ... Wie fassen. Noch viel dringender wird aber diese Mahnung, wenn wir auf lachte mid der blaue Himmel an, als ich aus dieser entfeßlichen Nacht die äußeren Beziehungen Ungarns hinbliden. Die Magyaren To des Staubes wieder ins Freie trat, wie Tog is die Luft in vollen Zü. sagt man – sollen ein europäisches Volt werden; allein über die gen, wie schwelgte mein Auge in der weiten duftigen Landschaft!" .. Bedeutung von ,, europäisd" scheint man nicht im Klaren zu sein; Und nun folgt eine gluthvolle Schilderung der entzüdenden Aussicht, denn bei Beurtheilung der Eigenthümliøkeit des Voltes und seiner die sich von den Zinnen der Zisa über das zauberische Thal, die Stadt Sprache főmmt fast alles auf Rechnung des Asiatenthums, wobei Palermo und das azurblaue Meer dem vom Olanze der Herrlichkeit arge Widersprüde unvermeidlich sind. Der wahre Europäismus be. geblendeten Blide erschließt.

fteht aus zwei Elementen: das eine bildet der (freilid ebenfalls aus 3n dem Kommentar, den der Verfasser dieser lebendigen Dar. Afien ftammende) dristliche Glaube im Verein mit der griedilo - rös ftellung anzubeften für nöthig erachtet, fuật er die allerdings Jedem mischen Verlassen daft; das andere ein eigenthümlicher Geift rafilofer, fich aufdrängende Frage zu beantworten, wie eine so abscheuliche Art freier Forschung und Entwidelung, welcher bis jeßt nicht untergegangen

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über die Kriterien verschiedene Bedeutung und der Beziehung, und

ift und gleiðsam die Fortsegung des griedisden Geiftes heißen kann. Magyarifóe Wissensdaft sollte die Pforte sein, durd welche die ForDie europäische Bildung nimmt die Schöpfungen aller Jahrhunderte, ¡dungen des europäischen Geiftes nad Mittel-Asien geführt werden; atler Nationen in fid auf, aber nicht als tobten Sdas, den man ser. bies ift aber nur dann möglich, wenn die Pforte durch den wiffengräbt, sondern als Samenförner, die fie fruchtbringend zu machen weiß. (daftlichen Geist Europa's zu einer sicheren wird, und diesen erwirbt Wahrhafter Europäer wirb also der Magyar, wenn er an diesen groß. man fic vor allem durch echte klasside Bildung, die aud in anderen artigen Beftrebungen räftig Cheil nimmt, um geistig eben so reid und Ländern den verborbenen Geschmad verbessert und von falsden Ricfhöpferis“ zu werden, wie andere Völter. Die vorliegende Zeitschrifttungen zurüdgelenkt hat. Der fo viele Geifter fortreißende grobe, die will auf den besonderen Gebieten, denen fie fic widmet, folche Thã. Menschheit entwürdigende Materialismus, die blafirte Romantit und tigkeit ermuntern und wo möglich leiten. Sie beschränkt fic vorerft andere psodische Krankheiten, in deren Hintergrunde das verjüngungsauf die griechisch - römische und die vaterländische Spradwissenschaft, fräftige Element des klassischen Alterthums ein fümmerliches Dasein weil hier vor allem Ermunterung und Anleitung Noth thun.

friftet, müfsen bekämpft werden; daß aber dieses Flaffische Element die Das Studium der Griechischen ist in den gelehrten Schulen ersehnte Wiederbelebung der Literatur und Wissenschaft bewirte, ift Ungarns erft ießt eingeführt und einer der vornehmsten Lehrgegen- zum großen Theil Aufgabe der Gymnasien. Auf diesen muß die ftände geworden. Es ist aber noch erforderlich, daß man die Leute von Muttersprache, als einzig sichere Grundlage zu allen, der erfte Gegenseiner Rothwendigkeit überzeuge. Die bisher gewöhnlichen Einwände ftand der Unterweisung fein; nad ihr das Lateinisce, das Deutsche, gegen dieses Studium, die Herr Hunfalvy mit gewichtigen Gründen das Griechische. Der Hauptzwed des Erlernens der sogenannten todo beseitigt, ftärken fid ießt mit neuen. Das Naturwissen thut heu ten oder gelehrten Sprachen ift Einführung in die Scaffammer der tigentages in allen seinen Zweigen Riesenføritte und führt zu so groß- Literaturen des Alterthums, harmonische Entwidelung der Seelenträfte, artigen Entdeckungen, daß der ftaunende Betrachter leicht auf diefe Heranbildung des Menschen zu wahrer Humanität. Ein verständiger Urtheile tömmt. Wider denjenigen Zweig des intellektuellen Wiffeng, Lehrer wird den nothwendigen Unterschied der Lehrmethode, wenn es den wir flaffisse Gelehrsamkeit zu nennen pflegen, erhebt fick ben auf Grieciso oder Latein, und wenn es auf lebende Sprachen ansonders berjenige Zweig der Naturwissenschaften, den man, weil er kömmt, leicht einsehen. Wo ben etwanigen Mängeln des Unterrichts bas ftoffliche Wohlleben unmittelbar fördert, industrielles Wissen durch Uebung im Leben abgeholfen werden kann, da ist ein spie. nennen kann. Allein jede Gesellschaft befteht nothwendig aus einem Tender Unterricht (nach Jacotot, Hamilton, Robertson) weniger nach. lernenden (geiftig thätigen) und einem arbeitenden (stofflic tháo theilig, als wo jenes nicht angeht. Der praktische oder Conversationstigen) Theile: bem einen ift das sogenannte klassische, dem ande Gebrauch gelehrter Sprachen ist in Ungarn sehr selten“) – berühmte ren das industrielle Wiffen vorzugsweise nothwendig, und so bleibt Gelehrte behaupten sogar, daß er die Klaffizität benachtheilige — es tein Anlaß zum Streite über den Vorzug eines von beiden.

müssen also auf der Scule von vorn herein die fyftematischen GrundEinen sehr großen Raum in den heutigen Studien nimmt die lagen dieser Sprachen, wenigstens in Hauptzügen, aber bestimmt, Sprachwissenschaft ein. Die Sprachen find Produkte, in welchen deutlich und klar, gegeben werden; fonft treibt man die Jugend gleich die eigentlichste Natur des Menschen fich kundgiebt; daher ist ihr Stu- fam über eine Eselsbrüde zu einem Ziele, bas Shüler und Lehrer dium schon an und für fich, als ein anthropologisches, von höchftem nicht zu würdigen wiffen. – Die in Ungarn vorhandenen griechischen Wertbe. Allein es kommen noch andere wichtige Interessen hinzu. und lateinischen Elementar-Bücher werden gemustert; wir erfahren bei Die erst in unserem Jahrhundert entstandene wissenschaftliche dieser Gelegenheit, daß ein magpariso- griechisches und griechisch-maSpracvergleidung lehrt uns in den Einzelsprachen Glieder von gyarifdes Wörterbuc nod gar nicht vorhanden ift. Spradfamilien und größeren Sprachgeschlechtern erkennen, die ein In einem kürzeren Shluß- Artifel giebt Herr þunfalvy, von ander gegenseitig beleuchten, und ohne sorgsame Analyse der Mutter- der Bedeutung des Wortes Uigur (nach Abulgasi) und verwandter {pradhe im Vereine mit den fern von aller Parteilichkeit und auf türkischer Wurzeln ausgehend, eine neue und sehr gefällige Erklärung ftreng wissenschaftlichem Wege als ihre Verwandten erkannteti biomen des Wortes Magyar (ehemalo Moger), wonas es ein allgemeiner, ift feine fichere und gesunde Sprachforschung möglich. Einseitigkeit, kein Eigenname war und Verbündete (Hetu Moger, die sieben bie oft sogar mit unklaren Begriffen vom Sprachbau überhaupt ver Verbündeten) bedeutete. Daran knüpfen sich noch andere scharfsins bunden ist und welcher, wie namentlich öfter in Ungarn der Fall war, nige Vermuthungen; wem es aber um die hiftorische und philologische ein sehr übel verstandener Nationalftolz zum Grunde liegen kann, Motivirung vor allem zu thun ift, ben müssen wir, falls er Magyas führt im besten Falle zu unsicheren Ergebnissen, gewöhnlich zu unheil. rifo versteht, auf den Artifel felbft verweisen.

S d... baren Berirrungen. de Der Verfaffer belehrt nun feine Lefer über Spradiftoff und Sprachform, über Ausdruck der

Frankreich.
Sprachftämme. Die Sprache der

L. A. Martin's
Magyaren gehört zu dem altaischen oder finnisch-tatarischen
Stamm; ihre etymologisden Rätsel (und solche bietet jede Sprache

„Moralischer Geift des neunzehnten Iahrhunderts“ **) der Welt) fönnen daber nur mit Hülfe der übrigen altaischen Spra 3m 3ahre 1844 ließ Herr .. A. Martin in Paris unter obigem den gelöft werden, wie das Magyarifde umgekehrt aus seinen Schwes Citel ein Buch erscheinen, das, im Wesentlichen eine Zusammenftelftern und Basen aushelfen muß.

lung von Marimen und Aussprüchen aus bekannten Schriftftellern unDer zweite, von Herrn Szende Riedl gelieferte Artikel ift feres Jahrhunderts, zugleich eine recht finnreiche Encyklopädie aller überschrieben: „Bon Sprachwissenschaft überhaupt“ („a' nyelvészetről fittlichen Eigensdaften des Menschen, so wie aller höheren Abftractio. általában"). Der Verfasser weift zuerft darauf hin, wie diese Wife nen des Lebens, ift. Es werden darin unter anderem die Begriffe: senschaft in den drei vergangenen Jahrzehnten zu einer Stufe empor. Seele, Freundschaft, Liebe, Gewissen, Religion, Wahrheit, Gerechtig. gestiegen sei, die ihr im Rathe ihrer älteren Blutøverwandten Siß feit, Tugend, Freiheit, Vaterland, Ruhm, Sdönheit, Glüd, Unglüd, and Botum fidere, wie sie fähig geworden, das der Deut. und Sees Egoismus, Leidenschaft, Zorn, Zweifel, Schmerz, Hoffnung u. 1. w. lenlehre, Menschen- und Pölterfunde, Mythologie und Gedichte ent psychologisch und philosophisch durch die an paffender Stelle eingefügliebene Kapital mit idweren Zinsen zurückzuerftatten. Dann bezeich ten zahlreichen Citate in erschöpfender Weise erläutert. Das Buch net er die vornehmsten Epoden dieser Wiffenschaft, von den überall erwarb fid in Frantreid vielen Beifall, wie aus den Anerkennungen fshöpferisd wirkenden Griechen an bis zu ihrer heutigen Umgestaltung zeitgenöffisder berühmter Søriftfteller hervorgeht, die dem Verfasser burd Belanutíchaft mit dem Sanskrit. Die gewaltigen Bewegun. zu Theil geworden und die er der fürzlich in Brüffel erschienenen

gen, welche dieses Studium veranlaßte, blieben auch in Ungarn nicht zweiten Auflage als empfehlende Einleitung hat vorbruden laffen. ohne Anklang; aber zahllos waren die Hinderniffe, welche dort sich In der That verdient das Buch aber auc, und zwar nicht blos

dawider ftemmten, zahllos die zu entwurzelnden Vorurtheile. Ver. von ben Sdriftstellern, die der Verfaffer benußt hat, fonbern auch wandtschaft zwischen dem Magyarischen, Finnischen und Lappischen vom Publikum mit Beifall aufgenommen zu werden. Freunde einer hatte man icon seit dem fiebzehnten Jahrhundert bemerkt; allein ernften Lettüre finden darin Nahrung zugleich für das Herz und für maßloser Nationalftolz, der hierdurch die Abstammung des Magyaren- den Geift. poltes von Attila, der ,,Geißel Gottes", gefährdet glaubte, wendete Der Verfasser hat ungefähr hundertfunfzig franzöfische und frembe fick mit Entrüftung von Beftrebungen ab, die längst auf den richtigen Søriftsteller für seine Arbeit benußt; von deutschen nur zwei — Goethe Weg geleitet hätten. Derjenige Mann, welcher der magyarisden und Ancilon – was sehr zu bedauern ist, da gerade die deutsche LiPhilologie nicht bloß eine neue Richtung anwies, sondern sie zuerst teratur Herrn Martin die ergiebigfte Ausbeute hätte liefern können; ersduf, war Répai; nach ihm hat besonders die Afademie zu Pefth etwas zahlreicher ist die englisde vertreten; dagegen fehlt von den in den leßten Dezennien fid große Verdienfte erworben; um aber auf diesem Gebiete mit den gebildeten Nationen des Auslandes wetteifern

*) In unserem Deutschland glauben Viele das gerade Gegentheil; ja, fie

nehmen an, selbst dem gemeinen Ungarn sei das Lateinische (wenn auch eine zu fönnen, muß noch viel, sehr viel geldeben.

Art Küchenlatein) oft so geläufig wie feine Muttersprache!
Ein britter Artifel: „Unsere Gymnafien und der neue Lehrplan"

**) Esprit moral du dix-neuvième siècle. Par Louis Auguste Martin. (,,Gymnasiumaink 's az új tanterv ") ift mit 6. 8. 9. unterschrieben. Nouvelle Edition. Bruxelles, Ch. Muquardt, 1855.

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französischen Söhriftftellern des neunzehnten Jahrhunderts kaum irgend denjenigen, die sich auf diesem wody so wenig bekannten Gebiete der ein Name vou Bedeutung, selbft nicht der Napoleon's III. und Ludwig geographischen Wissenschaft näher orientiren wollen, als ein sehr Hando Philipp's. Der regierende Kaiser hat einen Beitrag zur Erläuterung liches und zugleich möglicht vollständiges Blatt empfohlen werden. des Begriffes , Wahrheit“ geliefert. Man wird eine Idee von der Umfassender, als Petermann's fauber gezeionete Karte der Parry, Darstellungsweise des Herrn Martin bekommen, wenn wir hier die Inseln, reicht fie pom fünfundsechzigften bis zum achtzigften Grabe Stelle wiedergeben, in welder er die Worte Napoleon's III. zur Ber- nördl. Br. und vom fünfundsechzigften bis zum hundertdreißigften Grade herrlichung der Wahrheit anbringt:

öftl. L. von Paris. Die von der britischen Admiralität herausgegebene ,,In den hohen Regionen der Gewalt“, sagt Herr Martin, wift Karte ist dabei zum Grunde gelegt, wobei nur zu bedauern, daß bei die Wahrheit besonders schlecht angeschrieben, weil sie dabard, daß fie der Uebertragung nicht auch die englisden Appellativa durch deutsde den Augen der Menge die Verirrungen und Vergeben derjenigen wiedergegeben worden. Şinfidtlich der Eigennamen, die den zahlreichen zeigt, von denen fle geleitet wird, diese der Verachtung und der vers Insel-Ländern, Halbinseln, Eilanden, Bergen, Seen, Meerbusen, Buch. dienten Strafe überliefert.

ten 26. dieser arktis en neuen Welt beigelegt worden, bemerkt Herr „Quiconque fait un pacte avec la vérité

Kiepert in den seiner Karte beigegebenen Erläuterungen, daß mit den Du haut de la faveur tombe précipité.

oft an zehn und mehr Stellen immer wiederkehrenden Namen fönig

Barthélémy." licher, pringlider und hocharistokratischer Personen eine überloyale Vere „Man waffnet sich gegen sie, wie man sich gegen einen der furcht idwendung getrieben worden; ja, mange dabei mit unterlaufende barften Feinde befestigt, man ftellt alddann ein ganzes Arsenal von Re. Geldmadlosigkeit geht geradezu ins Komisde, . B. die Benennung preffiogefeßen her, eine veratorische Polizei und eine schitanöse Zenfur. einer Gruppe von Fels-Eilanden im Boothia-Golf als „Sons of the „Des baillons à la main, un Argus effronté

Clergy of Scotland" (,,Söhne der scottischen Geistlichkeit"). Der Au sortir de la presse attend la vérité.

Name 3enny Lind ift ebenfalls durch eine Zusel zwischen King-Wil

Barthélémy et Méry." liam- und Victoria-Land verewigt, und wer es noch nicht weiß, der „Und hinter diesem Wal von arbitrairen Maßregeln verftedt fich erfahre jeßt, daß die arktische Jenny Lind in 69 Grad nördl. Br. und der Despotismus wie ein Dieb, der ertappt zu werden fürchtet; dort fann 105 Grad öftl. l. (von Paris) gelegen ift. Fremdes Verdienst um er ungestraft jede Art von Unthat vouführen, den Staatsschaß verdwen- bie geographische Wifsenschaft ift bei dieser Namengebung ganz unbeben, fonfisziren, prosfribiren, ein luftiges Leben führen und für alles rüdfichtigt geblieben, und man sucht neben einem Barry, Rob, Frant. dies noch Stillfdweigen oder Lobederhebungen verlangen. Aber die un lin, Rennel, Davy, Airp ic. vergebens den Namen eines Humboldt aufhörlide Arbeit der Wahrheit unterminirt biese starken Mauern und ober Ritter. Dagegen ift Mentíditov burd eine Bucht am Boothia. (prengt fie früher oder später, besser noch als Pulver, in die Luft. Golf und der russische Admiral Arusenstern durch einen See in der Der Fortsdritt der Ideen ift langsam, aber sicher und unausbleiblich. Nähe des Astronomical Society - Island verewigt. Wahrscheinlich zur Ludwig Napoleon sagt: ,,Das gemeinsame Søidfal jeder neu zum Paralysirung dieses Russenthums hat man vor kurzem mehreren BergVorschein kommenden Wahrheit ift: zu ersdreden, anstatt hinzureißen, spißen auf Melville-Eiland die Namen Raglan, St. Arnaud und zu verlegen, anstatt zu überzeugen; dies fömmt daher, daß fie mit um Canrobert gegeben. fo größerer Gewalt uns überkömmt, je länger sie unterdrüdt worden. Weil sie Hindernisse zu besiegen hat, muß sie fämpfen und umwälzen, - Der historische Atlas der Soweiz, welchen vor kurzem bis fie, von der großen Mehrheit begriffen und adoptirt, die Grunds Herr d. de Mandrot, Hauptmann im eidgenöffischen Generalftabe, lage einer neuen gesellschaftlichen Ordnung wird.

herausgegeben hat) umfaßt sieben folorirte Karten, jede von einem ,,Die Verfolgungen, die Pladereien, denen die Wahrheit ausge. breiten Nande eingefaßt, mit einem das Verftändniß der Karten förə segt ist, lassen die Größe ihrer Erfolge und das Verdienst ihrer dernden ftatistischen und historisden Kommentar als Tert. Jede Karte Verkünder um so stärker berportreten. Se dwieriger der Weg, je frowthis litife Eintheilung der Sáweiz in einem besonders wich. bestrittener das Terrain, je bedrohlicher der Kampf ist, um so ruhms tigen Zeitraum ihrer Geschichte bar. Darauf finden sid zugleich, eben. würdiger wird aus der Triumph sein.“

falls durch Farben unter dieden und verfinnlicht, die zahlreichen, durch Vom Könige Ludwig Philipp führt der Verfaffer die nachfol- das Schweizer-Land zerftreuten, weltlichen und geistlichen Herrengenden Worte an:

gebiete, von Zeitraum zu Zeitraum verfallend oder verschwindend, in ,,Die Freiheit besteht lediglich in der Herrschaft der Gefeße. Daß dem Maße, als die Eidgenossenschaft an Areal anwächft. So zeigt die Niemand gehalten sein kann, etwas anderes zu thun, als das, was erste Karte Helvetien im Jahre 1300, zur Zeit, wo das Haus Habs. das Gefeß von ihm erheisöt, und daß er dagegen alles das thun burg auf dem Höhepunkte seiner Macht im Lande ftand. Die zweite kann, was das Gefeß nicht untersagt, barin besteht die Freiheit.“ im Jahre 1387 nach der Sempacher Schlacht, als bereits Zürich, Bern,

,,Das befte Mittel, eine Nation der Freiheit wärdig zu machen, Luzern, Glarus und Zug fich den drei Urfantonen angeschlossen hatten. ift, fie aufzuklären und den Unterricht unter allen Klassen der Gefelle Die dritte im Jahre 1415, wo die über den Erzherzog Friedrich vere schaft zu verbreiten. (Der Verfaffer fügt bier hinzu: Wenn der hängte Reichsacht den Schweizern den Vorwand zu Eroberung des König wirklich so gehandelt hätte, so würde er nicht im Eril, sondern Aargaus und der Freiämter lieb. Die vierte im Jahre 1460 oder der auf dem Throne gestorben sein.)

Zeit, wo Defterreich den Thurgau und Friburg an die Schweizer derWas mich betrifft“, sagte der König einmal bei einer der großen liert, Kyburg verkauft und das Haus der Grafen von Toggenburg ere Gratulationecouren am Neujahrstage, ,, so kenne ich nur Ein Mittel, lischt. Die fünfte im Jahre 1501 nach den Kriegen mit Burgund und eine Regierung zu befestigen, und dieses besteht darin, die öffentlichen dem Schwäbischen Bund, als nun auch Friburg und Solothurn (1481), Freiheiten zu achten. Die Regierung bestrebe fich unaufhörlich, diese Bündten (1497), Basel und Schaffhausen (1501) dem Bunde beitreten Freiheiten zu schüßen und aufrecht zu erhalten; sie sei offen, ehrlich und der Verfall des Hauses Savopen in der Sdweiz beginnt. Die und loyal; fie sei gerecht gegen Jedermann, mit Einem Worte, fie fechfte im Jahre 1536, wo Appenzell bereits (f. 1513) aufgenommen ist, lafie fich stets durch die Gesinnung leiten, die durch das sóöne deutsche Bern, Friburg und Wallis fich durch Eroberung des Waadtlandes, des Wort Uufrid tigkeit so trefflich bezeichnet wird." (Auch hierzu Chablais u.s.w. ansehnlich vergrößern und die Reformation die Mehrzahl macht der Verfasser eine ähnliche Anmerkung, wie die obige.)

der geistlichen Stifter säkularifirt hat. Die Fiebente im Jahre 1650 nach Vom Kaiser Napoleon I. bringt der Verfasser über ein Dußend dem westfälisden Frieden, welcher der Schweiz völlige Unabhängigkeit Citate, doc zeugen fie fast sämmtlich von der Elastizität der Moral vom deutschen Reichsverband garantirte, bis zum Jahre 1798. Dieses dieses Herrsers. Auch Talleprand führt er nur an, um vor dessen der überfichtliche Inhalt eines febr verdienfilichen und fchön ausge. macchiavelliftischer Politik zu warnen. Inzwischen bilden die Schrift ftatteten Kartenwerks.

ftatteten Kartenwerks. Herr von Mandrot hat bei Ausarbeitung des fteler, die er ironischerweise citirt, nur die Ausnahme. Der Geist der selben die Geographie der schweizerischen Eidgenossenschaft von Făsi und meiften Autoren, die er in seine Darstellung verwebt, ist in der That das historisch-ftatiftifche Wörterbuch von Leu zu Grunde gelegt, außers geeignet, den ,, esprit moral” des neunzehnten Jahrhunderts zu per- dem das ergiebige Material, das ihm die königlichen Bibliotheken zu soniftziren.

Berlin und Dresden über die ältere Geschichte und Geographie der
Schweiz darboten, zu Ratbe gezogen.

E. K-r.
Mannigfaltiges.

*) Atlas historique de la Suisse, de l'an 1300 jusqu'en 1798. Par

A. de Mandrot. Genere, Kessmann, 1855. Fol. Auch deutsch, Uufl. 2, Riepert's Karte Der Nordpolar-Entdedungen. Die

Die in demselben Verlage. bem fünften Bande der Berliner Zeitsdrift für allgemeine Erbfunde" beigegebene Karte der Entdedungen im Nordpolarmeere bis Neue Bestellungen

auf das vierte Quartal dieser Zeitschrift 1854, gezeichnet von Heinric Riepert, ift von der Verlagshande wolle man baldigst bei Postämtern oder Buchhandlungen machen.

:

25 Sgr. lung (Diedrich Reimer) aud besonders ausgegeben worden und fann

im deutsch-österreichischen Postverein 274/25

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funfzig Pfund gefangen worden sein, den man, nad einer Insdrift auf Frankreich.

bem Ringe an dem einen Riemen zweihunbertsiebenundsechzig Jahre

früher auf Befehl des Raisers Friedrich II. eingelassen hatte. Forfter Die menschliche Lebensdauer. *)

spricht von Schildkröten, die länger als ein Jahrhundert, nachdem fie Nichts in der beseelten Welt ist dem Zufall überlaffen. Jede Ber- eingefangen worden, gelebt hätten. Zu den sehr lange lebenden Thierichtung, jede Entwidelung, jebe Erscheinung folgt vorher bestimmten ren zählt man die Krokodile. Einige Vögel, wie der Adler, der Schwan, Gefeßen. Jedes Wesen hat seinen abgeftedten Kreis der Thätigkeit, der Rabe, der Papagei, follen es, nad gewöhnlicher Annahme, zu einem feine vorgeschriebene Rolle, seine angewiesene Bestimmung; so wie jede hundertjährigen Alter bringen. Hufeland erwähnt in seiner MakroThatsache ihren Grad, ihren Gegenstand, ihre Richtung, ihre Dauer biotit einen Falken, der vom Kap nach London geschidt worden und bat. Das Ziel jeglichen Dinges ist zum Voraus entschieden: ,,Bis der auf einem goldenen Halsband die eingegrabenen Worte trug: „An hierher und nicht weiter!" hat Gott nicht zu den Wogen allein, hat er Se. Majeftat Jakob, König von England, 1610." Er wurde 1792 zu Atlem, was fühlt, glaubt, lebt, gesprochen. Für jegliche Gattung eingefangen, war also mindestens hundertzweiundachtzig Jahr alt. mit ihren eigenthümligen Kräften und besonderen Bedürfniffen finden Aden diesen Thatfadyen, fehlt jedoch das Gepräge genügender Zuwir regelmäßig abgemarkte Zeiträume zur Entwickelung des Reims, verläffigkeit. Eine etwas sicherere Erfahrung haben wir über die Lebenszum Wachsthum, zum Leben selbst. Der Verlauf des Lebens und der dauer der Säugethiere, besonders der zahmen. Wir wissen, daß das Epochen, aus denen es befteht, ist bei dem unvollkommensten, wie bei Pferd fünfundzwanzig, das Kameel vierzig, der Hirsd fünfunddreißig bem bollkommenften Thiere, dem Menschen, auf gleiche Weise geregelt. bis vierzig, ber Ochfe funfzehn bis zwanzig, der Hand zehn bis zwölf, Nur die Gränzen, innerhalb deren das Ziel abgeftedt ift (die freilich die Raße neun bis zehn Jahre lebt. Der Löwe bringt es etwa auf niemals eine strenge Genauigkeit beobachten), wechseln nach den Gats zwanzig, der Hase und das Kaninchen auf fieben bis acht, das Meertungen. Von vorn herein hat man zu gewärtigen, fie beim Menschen- schweinchen auf fechs bis sieben Jahre. Die Riesenthiere: der Ele. geschlecht ziemlich ausgedehnt zu finden, je nach der Verschiedenheit der phant, das Nilroß, das Rhinoceros, der Walfiso, leben wahrscheinlich Raçen und Klimate, so wie nach den ungleiden Bedingungen und weit länger. Indeß ist aus diesen Beispielen ersichtlich, daß die meis mannigfaltigen Einflüffen, denen es ausgefeßt ift. Die zerfförenden ften Geschöpfe, die fich uns in ihrer Organisation nähern, der Lebensa Zufäde, die uns unaufhörlich bedrohen, sind unberechenbar. Der Mensch dauer nach weit hinter uns zurückbleiben; „was, wie Haller sagt, „ud. allein zählt mehr Krankheiten, als alle Wesen der Shöpfung zusam- fere fortwährenden Klagen über die Kürze des Lebens als ungerecht mengenommen. Zu den Tausenden von physischen Ursachen, die dabin verurtheilt." wirfen, seine Tage zu verkürzen, fommen die moralisden: feine Leis Da wir uns hier nur mit dem Menschen beschäftigen, so möchten benschaften, seine Lafter, feine Leiden, seine Arbeiten. So giebt es wir zuvörderft der Untersuğung einen Stein des Anstoßes und des für ihn eine Mannigfaltigkeit schädlicher Elemente, eine Menge ftören- Errthums aus dem Wege räumen: Die Phyfiologen haben die Lebensder Prinzipien, eine ununterbrochene Folge von Zufällen, die er mit dauer verschiebentlich beftimmt; einige gaben ihr fiebzig, andere achtzig anderen Wesen theilt oder die feiner Natur eignen und die die Feft. bis neunzig, noch andere gar hundert Jahre. Diese Abweidungen schei. ftellung der normalen Lebensdauer zu einem böchst verwidelten Problem nen und aus dem Fehler hervorgegangen, daß fie faft immer das geo machen. Zum Glüd fömmt uns das licht, diese Frage aufzuhellen, wöhnliche Leben mit dem natürlichen und normalen verwechselt von drei Seiten zugleich: die Physiologie, die Geschichte und die Sta- haben. Um sich eine richtige und vollftändige Vorftellung von der tiftif können ihre Angaben gegenseitig kontroliren. Das Studium der Dauer des Lebens zu bilden, muß man dieses durchaus unter verschieGränzen des menschlichen Lebens hat seit dem Anfang dieses Jahrhun- denen Gesichtspunkten betrachten und unterscheiden: die bardonittderts merkliche Fortschritte gemacht und weist noch jeßt wichtige Arbeis lide, die gemeine, die natürliche, die abnormale Dauer. ten auf. Es steht demnach zu hoffen, daß wahrhaft wissenschaftliche Das durchidhnittliche Leben gewinnt man, wenn man die Summe Ergebnisse die lo verschiedene Richtungen verfolgenden Untersuchungen der Jahre einer großen Menge verstorbener Individuen jeglichen Alfrönen werden. Der Schluß, den wir daraus zu ziehen suchen, wird ters durch die Zahl dieser Individuen dividirt. In diesem Duroshnitt beweisen, daß hier, wie bei vielen anderen Forschungen, es weniger sind demnach al die lebengefährdenden Zufälle und Krankheiten zudarauf anfömmt, neue Entdedungen zu machen, als shon erlangte Bes sammengefaßt, und der Quotient drüđt die Zahl der Jahre aus, die griffe zu klassifiziren und zusammenzufassen.

dem Neugeborenen vermuthungsweise beschieden sind. Unsere Renntniß in Bezug auf die Lebensdauer der versdiedenen Unter der gewöhnlichen Lebensdauer verstehen wir den Zeit Thiere ist noch sehr mangelhaft. Das Alter eines Baumes") läßt raum, den die Individuen, die den Gefahren der Jugend und des fidh nach den sogenannten Jahrringen an dem Stamm mit Sicherheit Mannesalter entgangen find, zurüdgelegt haben. Er schließt mit dem berechnen; für das Alter der Thiere fehlt es uns an ähnlichen Mert- Alter, zu welchem gemeiniglich Adle gelangen, die nicht schon vor dem malen. Das Wenige, was wir über ihre Lebensdauer wiffen, müßte Anfang des Greisenthums gestorben sind. Es ift gewissermaßen das aus unmittelbaren Beobachtungen geschöpft werden. Langsam und durchschnittliche Leben der Greise. dwierig, wie diese find, müffen fie nothwendig vervielfältigt werden, Die natürlice oder normale Lebensdauer ift die von Gott um zuverlässige Ergebniffe zu erzielen.

der Gattung beschiedene. Sie wird nur durch die Wirkung des GreiDie Gattungen auf der niedrigften Stufe des Thierreichs deinen senthums unterbrochen, und die Gränzen, in die sie eingeschloffen ift, überhaupt eine kurze Lebensdauer zu haben; die meisten leben höchftens find ihr Gesek. Allein

Allein da nur diejenigen diese Gränzen erreichen, einige Jahre. Unter den Fischen indeß giebt es Arten, die sehr klein die so glüdlich sind, sich dem fortgeseßten Einfluß der ftörenden Ur. zur Welt fommen, langsam wachsen und eine bedeutende Größe er- sachen zu entziehen: so wird das Gefeß nur unvollkommen zur Geltung reichen. In den Fildbehältern der Cäfaren wurden Muränen bis zu gelangen. Es kann sogar dahin kommen, daß, was gewiß von Natur einem Alter von sechzig Jahren gefüttert. Rechnet man nach dem Ge die Regel ist, nur als Ausnahme erscheint. wichte, das ein Karpfen in zehn Jahren erreicht, so müssen einige, die Die außerordentlide ober abnormale Lebensdauer ift eine man gefangen hat, über hundert Jahr alt gewesen sein. Im Jahre 1497 Abweichung vom Geseße; diese bildet den Gegensaß zu der durch früh. foll in den Teichen des Schlosses Lauteren ein Hecht von dreihundert zeitigen Tod bewirkten Abweichung, ohne diese mertlich aufzuwiegen.

Es bezeichnet die äußerste und ausnehmliche Schranke, über die hinaus *) Nad der Revue des deux Mondes.

nur das Unmögliche liegt. **) Michel Avanson hat bekanntlich danach festgestellt, daß es unter den Unter diesen vier Gesichtspunkten müßte die Dauer jedes lebenAffenbrodbäumen (Baobab, Adansonia digitata) Eren plare giebt, deren Anfang mit dem Anfang der geschichtlichen Zeit zusammenfällt, die also ein Alter digen Wefens untersucht werden, und doch hat sich diese Untersucung von fünf- bis sechstausend Jahren haben.

bis jeßt nur auf den Menschen und sogar nur auf den Europäer be

schränkt. Nur burd die Statistik gelangen wir zur Erfenntniß der ben, welche sie nicht übersteigen kann. Es wäre aber fühn, biefe durd schnittlichen Dauer des menschlichen Lebens. Die numerischen Höhe für die Zukunft ießt bestimmen zu wollen. Ergebnisse geben uns die gemeine und die Historischen Thatsachen die Daß dieser Fortschritt der Lebenedauer, wie er sich seit fünf oder abnormale Dauer. Mit Hülfe der Statistik und der Geschichte wird fechs Jahrhunderten herausstellt, auch in fernfter Vorzeit ftattgefunden uns die Physiologie die Aufgabe löfen, die wir uns hier gestellt haben: habe, dafür haben wir durchaus feinen Beweis. Es ist im Gegentheil die normale, natürliche Lebensdauer zu bestimmen.

wahrscheinlich, daß fie zahlreichen Schwankungen unterlegen sei, und Seben wir zuvörderst, was uns die Kenntniß der Zahlen in Be- daß sie zu gewissen Perioden sich in absteigenden Verhältnissen bewegt treff der durchschnittlichen, wie der gemeinen Lebensdauer lehrt. Die habe. Leider fehlt es und an Thatsachen, die dieser bloßen Hypothese numerischen Ergebnisse haben das glüdliche Vorrecht, auf den Verstand Gewicht geben könnten, da das Alterthum uns darüber die nöthigen zu wirken und ibm Ueberzeugung zu geben. Der falagendfte Beweis Nachweisungen versagt. Wir wissen nur so viel, daß gegen Anfang ist die Ziffer, fagt man, und es ist wahr, vorausgeseßt, daß diese Zif- deď dritten Jahrhunderts, unter Alerander Severus, ulpian nach den fer der genaue Ausdruck der Thatsachen ist, die sie zusammenfaßt. Ift von Servius Tullius bis Juftinian, also während eines Zeitraums fie das aber in Bezug auf die statistischen Arbeiten? Man möchte es, von tausend Jahren, vorgenommenen Zählungen die durchschnittliche mit Recht bezweifeln. Die Gleichgültigkeit der Regierungen, das Um Lebensdauer der Römer auf dreißig Jahre berechnet hat. Hat es fassende der Aufgabe und die Fahrlässigkeit der damit Betrauten, die damit, wie mit den Anschlägen Villermé's, seine Richtigkeit, so kömmt Unzulänglichkeit der Dokumente, der fortwährende Zu- und Abfluß in man zu dem Schlusse, daß die römische Periode in Bezug auf Sterb. ben großen Städten – sie bilden zusammen einen Kompler von Um- lichkeit bei weitem weniger verschieden von der gegenwärtigen war, als ftänden, die wohl geeignet sind, die allgemeinen Ergebnisse zu verfäl. diese vom vierzehnten Jahrhundert, und daß das leben während des iden. An diese aus verschiedenen Ursachen hervorgebenden Ungenauig. Mittelalters in fteter Abnahme war. Feiten reiben fic noch absichtliche Irrthümer, die von politisden und lo Die Hoffnung auf das Wachsthum der Lebensdauer in der 3u. falen Intereffen diftirt werden. Die unter folchen Bedingungen anges funft gründet sich hauptsächlich auf die Fortschritte aller Art, die sich stellten Berechnungen dürften daher schwerlich auf mathematische Strenge, mit jedem Tage vervielfältigen und ihren günstigen Einfluß auf Ade in dem gewöhnlichen Sinne dieses Wortes, Anspruch maden. Indeß fön. erftreden. Denn wer bürgte uns fonft dafür, daß die gegenwärtige nen wir auf Grund der schon angefertigten Sterblichkeitsliften Schlüsse Bewegung, die ihren Ausgangspunkt vor dem Abidluß des Mittelmachen, die sich nicht gar zu weit von der Wahrheit entfernen dürften. alters genommen, nicht umschlägt und die durchschnittliche Lebensdauer Weldes find nun die Gefeße der Sterblichkeit, unter dem nume.

wieder auf 30, 25, ja, auf 17 zurückführt? Aus der Vergangenheit rischen Gesichtspunft betraditet?

kann hier nicht auf die Zukunft geschlossen werden, wenn die Ursachen Das Leben ist beständig in Gefahr, deren Grad nad den ver der wachsenden Richtung nicht dieselben bleiben. shiedenen Epochen der Lebensdauer wechselt. In den ersten Alters Das durdfchnittliche Leben im gewöhnlichen Sinne drückt die Zahl ftufen ist die Sterblichkeit sehr beträchtlich. In Frankreich stirbt ein der Jahre aus, die ein Neugeborener zu leben die wahrscheinliche Sedstel der Kinder im ersten, ein Fünftel im zweiten, ein Viertel vor Aussicht hat. Allein diese Chance gilt ja nicht für den Neugeborenen dem vierten Jahre, ein Drittel ist schon im vierzehnten unterlegen; im allein; man hat vielmehr den Durchschnitt für jedes Alter berechnet, zweiundvierzigsten Jahre bleibt noch die Hälfte, im neunundsechzigsten und es ergeben sich natürlich bedeutende Unterschiede, nach Maßgabe ein Viertel, im zweiundsiebzigsten ein Fünftel, im fünfundsiebzigften der ungleichen Gefahren, denen unser Dasein in den versdiedenen ein Seciftel. Von hundert Geburten bleiben nach zwei Jahren nur Lebensepochen bloßgestellt ist, und nach der Zahl der bereits verflosse. noch achtzig und nach vierzehn achtundsechzig am Leben. Vor der Res' nen Jahre. In Frankreich beträgt der Durchschnitt

, wie wir oben bevolution berechnete Duvillard die Zahl der jungen Leute, die ihr zwan- merkt, mit dem Eintritt ins Leben 39: Jabre; allein er nimmt raso zigstes Jahr erlebten, nur auf 50 Prozent. Allein Bienayme, der die zu bis ins vierte Jahr, wo er seinen Hochpunkt, 491, erreicht; von da von 1823 bis 1831 durch ganz Frankreich aufgenommenen Refruti ab ift er in beftändiger Abnahme. Nad Deparcieur ftellt fich folrungslisten einer strengen Prüfung unterwarf, bat erwiesen, daß die gendes Schema heraus: Zahl der Konsfribirten zu den Geburten sich mindestens wie 60 : 100 3m Alter von 20 Jahren ist die Durchschnittsdauer 40 Jahre 3 Mon. perhielt. Dieses Ergebniß ftimmt vollkommen mit dem von 3. Milne

30

34 für die Stadt Carlisle gewonnenen überein. Dasselbe Verhältniß bat

40

27 fich in der Folge auch in Paris herausgestellt. Nac Demonferrand

50

20 5 erreichen unter 100 Geburten sieben das achtzigfte, zwei das fünfund

60

14 3 adytzigfte und eine das neunundachtzigste Jahr. Statt der 640 Reun

70

8 8 zigjährigen unter einer Million Geburten, die dieser Schriftfteller

80

4 8 zählt, nimmt Mathieu nur 491 an, unter welchen nur neun zu einem

90

1 9 Alter von 97 und vier zu dem von 99 Jahren gelangt wären. Hun.

(Fortseßung folgt.) dertjährige sind unter 10,000 Einwohnern nach Duvillard zwei, nach Demonferrand einer; Milne zählt in Carlisle neun. In den neueren Tabellen ließ man diese Altersstufe ganz unberü&fidhtigt. Kaum daß

Palästina. fte Einer jährlich in Paris erreicht.

Ein Besuch in der Moschee Omar's. *) Benoiston de Chateauneuf hat den Lebensverlauf für einen Zeitraum von vierzehn Jahren auf funfzehn Millionen Verstorbener jedes (Schreiber einer engl. Touristin aus Jerusalem vom 26. Juli b. 3.) Alters in dem Theile des europäischen Feftlandes berechnet, der fich Geftern Abend ritt ich mit meinem Bruder nach dem Lagerplaße vom Mittelmeere bis zum Eismeere erftredt. Der Kalkül ergab: von Sir Moses Montefiore’s. Es war ein herrlicher Ritt, an den grünen 100 erreichen 44 das Alter von 30 Jahren; in der Zwischenzeit von und weißen Zelten der Soldaten vorbei, den Berg hinauf in der Richa 30 bis 60 ftarb davon etwas weniger als die Hälfte, im 70ften Jahre tung nach der Stadt, bis wir die anmuthige Zeltengruppe erreichten, waren die Ueberlebenden von 30 Jahren auf ein Drittel, im 80 ften die von Sir Moses und Lady Montefiore und ihrer Gesellschaft beauf ein Zehntel und im 90ften auf ein Dreiundsechzigftel reduzirt. wohnt wird. Wir ftiegen unter einem Terebintenbaume ab, der sich

Das Wenige beweift idon, wie groß der Zahl-Untershied zwis wie eine Aefdhe ausbreitet und wo wir Sir Moses und seine Gattin fben den Geburten und den Neunzig., Atzig- und Siebzigjährigen trafen, die uns auf bequemen Lehnstühlen vor den Zelten Plaß nehmen ift

. Diese Ungleichheit wird noch auffallender durch die Ziffer felbft, hießen. Während mein Bruder eine ernfte Unterhaltung mit Sir Mowelche die durcjonittliche Lebensdauer ausdrüdt. Verfährt man näm- fes über seine philanthropischen Pläne anknüpfte, wurde ich der Mrs. G., lid in der oben angedeuteten Weise, indem man die Summe der Jahre Feiner Nichte, vorgestellt, die sich zum ersten Mal in Palästina befand. aller Verstorbenen, von dem Neugeborenen, der nur einen Tag geath. Sie war über Konftantinopel hierher gekommen, unb wir tauschten unmet bat, bis zu dem Greis, der der Alterosówäche erlegen ist, durch sere Reiseberichte aus. Der Mond ging practvoll auf; bei seinem die Zahl der Individuen theilt, so bekömmt man für die Bevölkerung Licht tranfen wir in der freien Luft Thee. Ein kleines Corps arabiin Frankreid die annähernde durchschnittliche Lebensdauer von 393 Jah. der Musikanten breitete einen Teppich auf die Erde aus, feßte sich ren. So kurz diese erscheint, ift sie dennoch wirklich höher, als alle darauf, spielte uns auf einem großen, feltsam geformten Saiten-Inin früheren Zeiten. Nach den Untersuchungen Villermés war in Pa- ftrument, von furiofen kleinen Trommeln begleitet, vor und fang ein ris die Durchschnittsziffer im 18ten Jahrhundert 32, im 17 ten 26, neues türkisches National - Lieb. Laby Montefiore sagte, daß dieses im 14ten gar nur 17.

Konzert mir zu Ehren gegeben werde, indem es das erste Ständchen Aus diesen Schäßungen, wenn fie richtig find, ergiebt fich offen sei, das seit ihrer Ankunft ftattgefunden habe. Sie forderte mich auf, bar, daß die Sterblichkeit mit den Jahrhunderten abgenommen hat, fie am folgenden Tage nach der Moschee Omar's zu begleiten. Meiwas einerseits der Poden-Impfung, andererseits bem verbesserten Zuftande der ärmeren Klassen zuzuschreiben ift. Wenn die Lebensdauer *) Diese in Jerusalem auf dem Berge Morijah, an der Stelle des Salo: nach ähnlichem Verhältniffe mit der Zeit zunimmt, dann muß fie wies

monischen Lempels erbaute Moschee gilt den Muhammebanern, nächft Meffa

und Medina, für die Heiligste Stätte, die früher von feinem Nichtmuhammedauer

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