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Nicht body, die Naturkräfte find nur im gebundenen Zustande, und in

den Tiefen der Menschenseele wird ftil ein neuer Frühling vorbeFrankreich.

reitet. Muth also! Statt zu jammern und in ungebührlichen Klagen Industrie und Materialismus.

unsere Thatfraft aufzureiben, belfe Zeder durch Geistesbildung, durch

Wahrheitsliebe, durch seinen Willen, durch die Macht der Sympathie Ein Wort zur Zeit, bei Gelegenheit der Universal. zum Aufblühen dieses Lenzes! Alsdann, wenn wir an Geduld und Ausftellung.)

Arbeit gewöhnt sind; wenn wir Vertrauen in uns und in die göttliche Es giebt ein Buch, das ich allen jungen Köpfen der gegenwär- Seele haben, die das Universum belebt und erhält; wenn wir ganz tigen Zeit von Herzen empfehlen möchte: das ist Wilhelm Meister liebe und gute Wesen geworden: dann werden aud wir Wunder thun. von Goethe. Es enthält die rechte Dosis Abstraction, die das heiße Rosen werden in unseren Händen aufbrechen und Lilien unter unseren Blut der zwanziger Jahre verträgt; eine Altersepoche, in welcher die Tritten aufsproffen. noch ganz auf das Materielle gerichtete Seele gegen die moralische Das war die Ueberzeugung, zu welcher Goethe nach vielen Jahren

, Welt gleichgültig ist, und in welcher dem Geifte noch die gehörige Nachdenfens, Studiums und Beobachtens gelangt war. Troß dem Spannkraft fehlt. Der bittere Trank wird hier in glänzender Golde achtzehnten Jahrhundert, troß den um ihn angebäuften Trümmern, fdhale gereicht, nicht von ernften Denfern, oder strengen Gelehrten, hatte er's erreicht, nicht zu verzweifeln und dann den dürren Fluren sondern von den anmuthigsten und liebenswürdigsten Persönlichkeiten, der Gegenwart eine ergiebige Aerndte zu weiffagen. Indeß genügte von Kindern, jungen Frauen, weltmännischen Moralisten, Künftlern diese Ueberzeugung wohl seinem Gemüthe, seinem Geifte genügte fie und Schauspielern. Alle Genossen der Thorheit und Luft, die der nicht, und wißgierig forschte er nach der möglichen Form der fünftigen Jüngling im Leben sieht, alle wohlwollenden und gefälligen Mentoren, Gesellschaft. Und so hat er alle denkbaren Combinationen der Thatnach deren Rath er in den Tagen trüber Stimmung, in den Momenten sachen und Prinzipien erschöpft. Er schafft in seinem Wilhelm Meister, der Verlegenheit verlangt – fie bilden selbst die handelnden Personen durch eine finnreiche Ideenmisdung, künstliche Gesellschaften. Er bes im Buche, und von ihren lippen fließen zumal Vorschriften der Weiss handelt die Menschennatur und die Gesellschaft als Stoff und versucht heit und Verheißungen des Glüds. Hier wird von liebe und Kunst, soziale Zusammenseßungen, wie man chemische Compositionen verfertigt. von Religion und Schauspiel getost; auf jeder Seite schimmert, was Aber merkwürdig, alle diese Compositionen haben unveränderlich die. nur das Leben fdmüdt und verschönert; Nichts ift vergessen, was das selbe Grundlage: die industrie. In allen sozialen Träumen, in Leben adelt. Man geht hier auf einem Boden, ganz so feft, ganz so allen philosophischen Speculationen des großen Dichters nimmt die handgreiflich, wie der unter unseren Füßen; allein darüber leuchtet die Induftrie den ersten Rang ein; aus ihr werden in seinem Gedanken Sonne des Ideals, und eine ganz bunte und phantastische Welt webt die fünftigen Sitten geboren; fie giebt der neuen Gesellschaft die in ihren Strahlen. Dort in jenem Sdloffe wohnt ein poetischer Phi- Form. Mit unglaublicher Unftrengung arbeitet Goethe's Geift, an die losoph, der die 3deen des achtzehnten Jahrhunderts zu verkörpern sucht, Industrie alle Lebensmomente der Menschen von ehedem zu knüpfen: und unten auf dieser schönen Flur lacht und dwaßt die Welt des Heldenmuth, liebe, Kunst, Religion. Es gelingt ihm mit großer Decameron. Auf den Berggipfeln betrachten enthufiaftische Reisende Mühe, aber erst, wenn er die edlen Leußerungen der menídliden die majestätische Größe der Natur; während an den Halden eine Bande Natur zugeftußt hat, um sie dem Wuchs der Industrie anzupaffen. Das luftiger Schauspieler dahinzieht. Aus der Waldestiefe erschallt der ift die wirklich traurige Seite des Buches; bas Nübliche fteht als die ferne Gesang der Bacchanten, in der Ebene das lied hartschaffender, einzige Gottheit der Gegenwart ba, und das seltsame Wert charakterifirt schweißtriefender Schnitter; am Horizont hier steigen die Phantome fich als transcendentalen Benthamismus; nicht der Benthader Luft und Freude wie farbige Wolfen auf, und am azurnen Himmel mismus in seiner abftoßenden Nadtheit, sondern in prächtigen Gedort erwachen die keuschen Gestirne, um der Erde von den ewigen wändern, daß Scepter in der Hand, die Krone um Haupt, auf dem Wundern der Unendlichkeit zu erzählen.

Throne fißend, von glänzendem Hofftaat umgeben. An den Stufen Dieses wundervolle Budy, in welchem von einem Ende zum an- fteben, als apanagirte Prinzen, das Wahre und Gute, während das deren eine filtfame Mischung von Sinnlichkeit und Sittenstrenge fich Schöne wie ein Bettler an die Palaftpforte klopft und froh ist, in ankündet, ist gerade und eben dadurch ganz dazu gemacht, in jedem Vorzimmer und Küche seiner hochmüthigen Majeftat ein armseliges Jüngling, der zum Ernft berufen ist, das Bewußtsein zu weđen. Es Almosen zu empfangen. fann ihm ber erste Führer auf dem Lebenswege fein und ihm helfen, Das sind die Eindrüde, die ein wiederholtes Lefen dieses wundersich zu besinnen in der Welt, in die er hineingeworfen worden. Es baren Buches in uns zurüdgelaffen hat; es ift eine wahre Alabingkann ihm die Methoden des Denfend lehren, ihm die Werkzeuge zum lampe, bei der auch das schwächfte Auge mit einiger Aufmerksamkeit Analyfiren, den Kompaß zum Wegweiser verschaffen. Es kann ihn in die Nacht seines Jahrhunderts schauen mag. Wilhelm Meister giebt auch lehren, nicht an fich selber verzweifeln, es kann ihm Vertrauen zu gleicher Zeit einen aufmunternden, Hoffnungverheißenden Rath und in die Zukunft einflößen. Mit Einem Worte, es ist nichts, was in tonftatirt eine Thatfache. Der Rath befteht darin, nimmer den Muth unserem Jahrhundert bemerkenswerth ift, von Goethe vergessen: die zu verlieren und fröhlichen Herzens dahin zu ziehen, um das gelobte Bewegung der Wissenschaften, die tieffte Erklärung der Naturgeheim- Land zu erobern – die konstatirte Thatsache besteht darin, daß die nifle, das Verlangen nach einem neuen Ideal, die wachsende Macht Industrie zur Königin der Welt berufen ist. Die Herrschaft dieser der Industrie erscheinen ihm als die ersten Elemente eines neuen lebend, neuen Macht erforedt den Dichter nicht: er glaubt steif unb feft, daß als die erste Schicht, auf welche die Zeit und die menschlichen Leiden- die alten angebeteten Gottheiten an dieser Herrschaft theilnehmen werfhaften, die Gewalt der Dinge und die Willenskraft des Charakters, den. Allein, ihm unbewußt, finken diese alten Götter zu den Gottmit einander verbunden und amalgamirt, allmälig eine ganze andere, beiten zweiten Ranges berab, und der Zeus, der über den modernen in bisher unbekannten Farben shillernde Civilisation gründen müssen. Olympos waltet, ift – das Nüßliche. Wilhelm Mgifter ist der eigentliche Gegensaß von Werther. Hin Als Goethe eines Tages eine Baumwollenmanufaktur besuchte und weg mit den unnüßen Klagen, den unfruchtbaren Thränen, dem ohne dabei ausrief, er habe nie etwas so Poetisches gesehen: ba sprach er mächtigen Skeptizismus! Sage nicht: die Poesie ist todt, die Kunst ohne Zweifel mehr eine Hoffnung, als eine Ueberzeugung aus. zugrabegegangen, das Blut in unseren Adern erstarrt, das Leben in wollte augenscheinlich damit sagen, daß er in diesen Maschinen das unserem eifigen Universum erlosden, und die fühlen Strahlen einer Mittel sebe, eine neue Gesellsdaft zu schaffen und folglich neue Sitten untergehenden Sonne fönnen ihm faum ein dürftiges licht spenden! Hervorzurufen, die ihre Dichter verlangten. Diese Mardinen sollten,

wie er es in seinem Geifte faßte, die Ordnung und die Harmonie *) Nach Emil Montégut, in der Revue des deux Mondes. Deutsche Leser werden mit Vergnügen dieses an Goethe und seinen „Wilhelm Meiftet" unter den Menschen vermitteln, die der politische Glaube nicht hinanfuüpfende Urtheil lesen,

D. R. Tänglig, der religiöse gar nicht verbindet; fie sollten neue Beziehungen

unter ihnen gründen

- mit einem Worte, fie sollten zu einem erha- auf sie zu rechnen, daß fie bie Trümmer beilen könnte, und fuhren benen Ziele aller Verfaffungen und Religionen, aller Gefeße und der fort, zu suchen und zu schwärmen; allein die massive Menge, die sich Sprache felbft führen, zu dem Ziele: den Menfchen dem Men. mit Speculationen nicht abspeisen läßt, hat strads bemerkt, was Fle iden zu nähern. Dieses mechanische, seelenlose Werk erfdien ihm leisten könnte; sie überließ es den berathenden Versammlungen, die als ein neuer Drpheus, der die fünftigen Städte hervorzaubern, Ari. conftitutionellen Syllogismen zu erörtern, und fing an, Baumwolle zu ftotratieen gründen, Hierarcieen flufen, die Pflichten der Menschen spinnen, Eisenbahnen zu bauen, Hämmerwerke zu errichten, Steinkohlen unter fid regeln wird. Aud wir theilten lange die Ueberzeugung zu graben. Sie fand in der Industrie ein Ziel für ihre Thätigkeit, dieses großen Mannes; auch wir glaubten, die Industrie werbe den eine Quelle des Reidthums, und nahm sie mit Entzüden auf. Künften ein neues Leben einbauen, neue Beziehungen unter den

(Fortseßung folgt.) Menschen einführen, daß der Gehorsam und der Respekt, die Pflicht und die Tugend mit ihr bestehen, daß die Schönheit und die Poesie aus den Dampfmasdinen bervorgeben, daß Seldenmuth, Ritterlichkeit

Italien. und Religiösität fich mit ihr vertragen werden. 3eßt ist diese Zuvers ficht etwas schwächer geworden, und die industrielle Welt will und big.

Leibniz und Muratori. weilen wie ein Gerippe vorkommen, das sich niemals mit Fleisd beFleiben werde. Wir glauben nicht mehr so steif an die Poesie der Wir haben neulich (Nr. 82 des , Magazin") das barte Urtheil Eisenbahnen; die Webemaschinen haben für uns teinen anderen Zwed, erwähnt, welches der Engländer Brewster in seinem „leben Newton's als mehr oder weniger dauerhafte Zeuge zu produziren, und der elet- über Leibniz fällt. Die Kontroverse der beiden Gelehrten über die trisde Telegraph deint – der Krieg in der Krim hat es von seinem Priorität der Erfindung der Differential - Rechnung berührt auch Anfang an bewiesen – feine andere Bestimmung zu haben, als die . v. Reumont in dem neuerdings erschienenen dritten Bande der mensdliche Dummheit rasder zu verbreiten. Das Nüßliche wird das „Beiträge zur Italiänischen Geschichte", ') in welchem fic ein belehNüßliche bleiben; die von ihm erzeugte Welt ist nicht schön, und seinem render Aufsaß über die Beziehungen des berühmten deutschen Philosothörišten, unverscāmten Lurus ift es sdwerlid besdieden, das Shöne phen zu italiänischen Gelehrten befindet. Es ergiebt sich daraus, daß zu zeugen.

der Schatten, den die erwähnte Kontroverse auf Leibniz Charakter Das neunzehnte Jahrhundert ist der natürliche Erbe des achtzehn- warf, in den leßten Jahren auch sein Verhältniß zu Muratori trübte, ten; böber hinauf fleigt seine Tradition nicht. Die Zeit felbft hat dessen hervorragendfte Thätigkeit sich auf demselben Gebiete bewegte, ifren Adel verloren, ihre Ahnen wurzeln nicht, wie die der frühe- welches der große Deutsche entweder selbft bearbeitet hatte oder zu ren Zeit, in den Tiefen der Vergangenheit: das Jahrhundert ist ein bearbeiten entschlossen war. Leibniz fammelte die Scriptores rerum Emportömmling, wie wir Ade. Es eristirt von dem Gewesenen nur, Brunsvicensium und dachte daran, auch die Scriptores rerum Italicawas das achtzehnte Jahrhundert hat ftehen lassen, d. 5. sehr wenig, rum in einem großen Werke zu vereinigen: Muratori führte den lega und die zwei vorherrschenden Thatfachen, die das achtzehnte Jahrhun teren Plan in glänzender Weise aus. Beide Gelehrte hinterließen dert erzeugt hat, find: die Revolution und die Industrie. Die mo Annalen: die des Italiäners waren bis 1749 fortgeführt, die des Deutderne Gesellschaft maot den Anspruch, daß sie auf die Prinzipien der fohen nur bis zum Jahre 1004 gedieben. Beide beschäftigten fich mit Revolution gegründet sei, und dem Anscheine nach ist dieser Anspruch Forschungen über die Geschichte des Hauses Efte: dieses war das Feld, ein berechtigter; atlein, wer in ihr einige Zeit gelebt bat, bemerkt sehr auf dem sie sich freundschaftlich begegneten und auf dem der Argwohn, bald, daß sie in Wirklichkeit auf die Industrie gegründet ist. Und ift welcher durch Newton's Streit mit Leibniz gegen den legteren herseine Fassungskraft zu beschränkt, um das zu begreifen, so übernehmen es vorgerufen war, den Samen des Zerwürfnisses auszuftreuen sich bemühte. die Bedürfnisse und die Anforderungen des Lebens, ihm bald begreif Das Studium der Geschichte des Hauses Braunschweig batte lich zu machen, daß die Welt nichts als ein großes Bankhaus sei, worin Leibniz von der Stammverwandtschaft dieser Familie mit dem Hause das Gefes und die Propheten in dem roben Grundsag eines berühm von Ferrara - Modena überzeugt. Diese Verwandtschaft war zwar ten Sozialisten zusammengedrängt sind: Was bin ich Dir, was immer geglaubt, aber bisher nur durch leichtsinnig aufgestellte Geneabift Du mir schuldig? – Unsere Sitten, unsere Gewohnheiten, un- logieen in höchst unbefriedigender Weise gestüßt worden, und Leibniz sere Künfte, felbft unsere Revolutionen hängen mit der Industrie zu begte den lebhaften Wunsch, zur Förderung seiner hierauf bezüglichen fammen.

genealogischen Untersuchungen mit italiänischen Gelehrten in Verbins Die französische Revolution war eine negirende, wegräumende dung zu treten. Er wandte fich zu diesem Behufe an Antonio MagChatsache. Sie hatte einen doppelten Zwedt: das alte Regime stürzen liabechi in Florenz, einen Mann, der, obwohl nicht selbst Schriftsteller, und ein neues aufführen. Den erften hat sie erreicht; der zweite ist doch durch seine erstaunliche Bücherkenntniß, durch seine persönliche pod im Stande des Wünschens und Hoffens verblieben. Jeder fah Bekanntschaft und seinen ausgedehnten Briefwechsel mit den besten die Erfüllung in dem Syftem, das ihm eigen, oder in dem Prinzip, Köpfen und bedeutendsten Gelehrten Staliens, wie durch seine unerbas ihm werth war. Es würbe in der That fower zu sagen sein, müdliche Bereitwilligkeit, wissenschaftliche Forschungen nach Kräften welches das Ideal der französischen Revolution war. War es das zu fördern, mehr als jeder Andere in den Stand gefeßt war, den Ideal der Konftituante, des Ronvents? 3ft es die Republit der Gi. deutschen Gelehrten in praktischer Weise zu unterstüßen. Magliabechi. rondiften, das Utopien Robespierre's, der militairische Freistaat? Wer kam den Wünschen des Leßteren mit seinem gewöhnlichen Eifer ent= sagt es uns? Wenn aber auch die Revolution kein neues Regime gee gegen und blieb mit ihm seitdem in ununterbrochenem Briefwechsel. gründet, wenn diese wunderliche abftrafte Persönlichkeit fic auf Ber-Als Leibniz 1689 Italien besuchte, lernte er seinen gelehrten Freund suche und Experimente beschränkt hat: so viel ist gewiß, daß fie bas persönlich kennen; die Empfehlungsbriefe desselben verschafften ihm alte Regime gründlich gestürzt und — nach dem Ausdruđ eines Poli- in Modena, Bologna, Venedig die schmeichelhafteste Aufnahme und tifers, der mit seiner Epoche wohl befannt war – nigte als Indivi. trugen wesentlich zur Förderung seiner wiffenídaftlichen Forshungen duen bat fteben lassen.

bei. In neuester Zeit find zahlreiche Briefe solcher Gelehrten verDas vorausgefeßt, wie sollen nun diese getrennten, isolirten 3n- öffentlicht worden, die Magliabechi mit leibniz bekannt gemacht hatte, bividuen, von teinem hierarchischen Bande zusammengehalten, regiert und a. 5. Keumont theilt interessante Brudftücke daraus mit, welche werden? Bozu werden sie, bei diesen unaufhörlichen Umgestaltungen von dem tiefen Eindruck zeugen, den der gewaltige Geift, das umder politisøen Welt, ihre Zuflugt nehmen, worauf werden sie ibre faffende Wiffen und die ganze Persönlichkeit des deutschen Philosound der Shrigen Zukunft ftellen? Mit Einem Worte, wohin werben phen bei den Celebritäten Italiens hinterlassen hatte. Muratori war Fle fich retten, um nicht unter die Räder der ewig experimentirenden damals erft achtzehnjährig und studirte in Modena. Revolution zu gerathen? Zwei Heilmittel bieten fidy: eine Maßregel Als Rinaldo v. Efte fich im Jahre 1695 mit Charlotte Felicitas und eine Thatsache.

vermählte, der Tochter Johann Friedrich's von Braunschweig-Lüneburg, Die Maßregel ift die Staatsmacht mit all den furchtbaren Wert- ferieb Leibniz seine Lettre sur la connexion des maisons de Brunszeugen, die ihr zur Verfügung fteben: die centralisirte Verwaltung und vic et d'Este, - eine Vorarbeit zu dem umfassenderen Werte, in die bewaffnete Gewalt. Die Staatsmacht, die bei allen politischen welchem er die Genealogie und Geschichte beider Linien darzustellen Wellenbewegungen das Dauernde, Feftftebende ist, verrigtet ftets und gedachte. Bei dem Fortgange seiner Studien zeigte fich aber, daß genau dieselben mechanischen Functionen, ob unter der Hand eines con neue Nachforschungen in den italiänischen Archiven nothwendig wären; ftitutionellen oder militairischen Oberhaupts, unter einem Ropaliften und der Kurfürst von Hannover, der fidh lebhaft für die Vollendung der oder einem Republikaner. – Die Ebatfage ift die Induftrie. Eigente Arbeit interessirte, unterstüßte Leibniz gern dadurdy, daß er einen lich von der wiffenschaftlichen Chemie des achtzehnten Jahrhunderts ge anderen deutschen Gelehrten, Hagemann, mit dem Auftrage, Dokuzeugt, foeint die Industrie zu bestimmter Zeit in die Welt getreten mente für die Geschichte des Hauses Efte zu sammeln, und mit den zu sein, um den Gesellschaften eine Basis zu geben, die eben auf nöthigen Empfehlungen im Jahre 1699 nadi Italien fandte. Als bem Puntte ftanben, gar keine mehr zu haben. Schwärmer und Po. litifer, Dichter und Philofophen find an der Thatsache hart vorbeige Bände haben wir bereits früber in diefen Blättern gedacht. Wir werden anf

*) Berlin, Decker, 1855. Dritter und vierter Band. Der beiden ersten gangen, Gaben sie höchftens fonftatirt, ohne viel auf sie zu geben, ohne diefe Sammlung noch zurückzukommen Gelegenheit haben.

D. R.

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Hagemann in Modena eintraf, befand sich das Eftenfische Archiv in sein kann, muß von dem ausgegangen sein, der das: Søreiben abgefaßt Folge einer unordentlichen Translocation in vollständiger Verwirrung; hat und ihn fennt, nicht aber von mir, der ich im Gegentheil mich da nun Herzog Rinaldo wünschte, sich dem Kurfürften, mit dem er bemüht habe, ihm nichts Verleßendes zuzufügen. 39 fann also Ew. vor wenigen Jahren in erneute verwandtschaftliche Beziehung getreten Hoheit versichern, daß ich dem Leibniz an diesem Hofe nicht geschadet war, gefällig zu beweisen, warf er sein Auge auf den damals in Mai- babe, wie er fich einbildet, und daß ich folglich feinem Uebelstande land lebenden Muratori und bestimmte ihn, als Archivar in seine Dienfte oder Versehen abzuhelfen brauche, wozu ich ganz bereitwillig sein zu treten. So war es eine Folge der Studien des deutschen Philo- würde, um Ew. Hoheit verehrten Befehlen zu geborchen." sophen, daß Muratori's Thätigkeit auf dasselbe Feld, zu Untersuchungen Man sieht aus dieser Entsquldigung, daß Guicciardi wirklich im über die Geschichte des Hauses Efte, gelenkt wurde.

Sinne des schwärzesten Argwohns gegen Leibniz gewirkt und den engBei dieser Gelegenheit knüpfte Muratori einen Briefwechsel mit lifden Hof zu Soritter bestimmt hatte, burd welche der deutsche Phi. Leibniz an. ..3 bin entzückt", antwortete ihm der Leştere, über lofoph im leßten Jahre seines Lebens auf das bitterfte verlegt wurde. eine so nüßliche Bekanntschaft wie die Zhrige und melde Ihnen, daß Tief gekränkt, wollte Leibniz das Geschichtswert unbeendigt liegen id aus Anlaß eines Briefes des Herrn Grafen Giannini an die Ab- lassen, wenn man den Verleumbungen in England fein Ende made; fassung eines Werkchens gedacht habe, das den Titel Vindiciae Estenses aber König Georg forderte ihn auf, damit fortzufahren und fich um führen könnte und zu welchem ich bereits einen Entwurf gemacht. Anderes nicht zu kümmern. In der That spricht ein späterer Brief Der Verkehr beider Gelehrten war lebhaft und freundschaftlich: es des deutschen Gelehrten an Muratori vom 2. Juli 1716 wieder von handelte sich in den Briefen fast ausschließlich um die Genealogie des der Nothwendigkeit fernerer Nachforsdungen in einzelnen italiänischen Hauses Efte. Auch darüber, daß Muratori felbft von dem Herzog Archiven und gedenkt der in London angesponnenen Jatriguen mit Rinaldo mit genealogischen Forschungen beauftragt war, drüdt Leibniz teiner Sylbe. Am 14. November desselben Jahres starb leibniz. seine Freude aus.

Db Muratori felbft den Argwohn theilte, dessen gefliffentliche Inzwischen hatte Kurfürst Georg den englischen Königsthron be- Berbreitung die leßten Tage des großen Philosophen verbitterte, war stiegen und beschloß, feine neue Stellung zur nachdrüdlichen Förderung bisher unbefannt. Man hätte es verneinen mögen, wenn man die der von Leibniz begonnenen Arbeit zu benußen und abermals einen Achtung erwägt, mit welcher er in der Vorrede zu seinen Estensilden Gelehrten nach Italien zu senden. Als der modenesische Gesandte in Alterthümern von Leibniz' Arbeiten auf demselben Gebiete spricht, und London, Guicciardi, hiervon Kenntniß erhielt, bemerkte er, Muratori die Anerkennung, die er der Sørift des Deutschen vom Jahre 1695 sei bereits damit beschäftigt, ein sehr gründliches Werk über das Haus zout, in welcher bündiger als irgendwo der Zusammenhang der beiden Efte zu schreiben; ein Fremder würde unmöglich fo Vorzügliches leisten Häuser nachgewiesen sei. ,, Da durdschnitt“, so lauten Muratori's können, und es wäre deshalb das Paffendste, dem italiänischen Ges Schlußworte, „während ich mit dem Drud des gegenwärtigen Buches lehrten die Ausführung seines Unternehmens durch Empfehlungen nach beschäftigt war, der Tod zugleich mit seinem Lebensfaden den Faden Kräften zu erleichtern. Georg ging darauf ein; er ließ die britischeut seiner Studien und beraubte fo mit einem Sdlage Deutsøland eines Gesandten anweisen, Muratori förderlich zu sein, und schrieb eigen- großen Philosophen und Mathematifers, wie eines vortrefflichen bändig an den Großherzog von Toskana, den Dogen von Venedig, Geschichtsdreibers." an die Republik Lucca. Andererseits erklärte fich Herzog Rinaldo Aber in den Lettere inedite di L. A. Muratori scritte a Tosdamit einverstanden, daß, wie der Minister Bernstorff es gewünscht cani, die im vorigen Jahre zu Florenz veröffentlicht find, befindet sich batte, Muratori vor dem Druck feines Werkes das Manuskript an ein aus viel späterer Zeit herrührendes Schreiben Muratoris, aus Leibniz zur Einficht fenden und sich überhaupt hinsichtlich seiner auf welchem erhellt, daß aud in seiner Seele der Verdacht gegen Leibniz diesen Gegenstand bezüglichen Publicationen mit dem deutschen Gelebr: Wurzel geschlagen hatte. Er spricht hier von dem Marchese Maffei, ten in Einvernehmen seßen sollte.

der ,,fidh gern der Arbeiten und Entdedungen Anderer bedient, inMuratori schidite demgemäß die Handschrift des ersten Theils seiner dem er sich dieselben aneignet", und schließt mit den bemerkens Eftenfischen Alterthümer nad Hannover. Leibniz behielt fie auffallend werthen Worten: ,, Aud Leibniz war ein großer Mann: dennod machte lange zurück. Er schrieb Mitte November 1715, daß er sich an das er leicht fremdes Gut zu dem seinigen, wenn er fonnte."") Studium dieses Werkes machen werde, und am Anfang des folgenden Fahres, daß er damit beschäftigt sei, und daß auch Echard dasselbe ftudire, - der dem alternden und fränflichen Gelehrten zur Vollen

Rufland. bung der Scriptores rerum Brunsvicensium beigegeben war. Der frische Eindruck des Streits zwischen Newton und Leibniz

Die Weinkultur im füblichen Rußland. **) befruchtete indeffen den Argwohn des modenesischen Gesandten in London, und es wurde von England aus die gebäffige Infinuation ver. Daß in den älteften Zeiten schon der Wein den slavisden Völbreitet, Leibniz behalte die Handschrift nur deshalb so lange zurüd, fern bekannt gewesen sein muß, dafür sprechen, außer den Volksliedern um mit seiner Arbeit über denselben Gegenstand früher vor das Pue and manchen Ortsnamen, auch viele Schriften, in welchen seiner selbft blifum treten und die Forsóungen des italiänischen Gelehrten für and des Gebrauchs, welchen man von ihm machte, Erwähnung geschieht. feinen eigenen Ruhm gründlich ausbeuten zu fönnen. Guicciardi suchte Die Nagrichten über ihn reißen bis in die Zeiten Dleg 8 (906), wähdafür zu wirken, daß Leibniz von London aus zur Rüdgabe des Manu- rend er im nördlichen Rußland erft ums Jahr 1174, im Raufafus foe striptes aufgefordert würde; und das Leßtere scheint wirklic in ziemlich gar erst um 1395 auftritt. plumper Weise geschehen zu sein. Auch den Herzog Rinaldo bear Rußlands früherer Handel mit ausländischen Weinen wurde durc beitete er in diesem Sinne, 308 fich aber hier eine Zurechtweisung die Hansa vermittelt und hatte zum Hauptstapelplas Nowgorod und wegen feines ungerechtfertigteu Argwohns und feiner Unheil ftiftenden die Molojster Jahrmärkte. In der Mitte des fechzehnten JahrhunGeschäftigteit zu. Da Muratori“, bemerkt Guicciardi in einer zu berts benugter die Engländer die Wasserstraße der Dwina zur Einfuhr. seiner Rechtfertigung geschriebenen Depelde an den Herzog, vibm Rußland fannte zuerft nur die griechischen Weine; ibnen folgten (Leibniz) den Faden seiner genealogisden Geschichte anvertraut und die französischen und deutschen, und darauf die spanisden und ungaer fie lange Zeit in Händen behalten hat, solcher Art den Druc ber. rischen; den erst- und leftgenannten gab man jedoch, wohl ihres Feuers felben verzögernd, während er die Herausgabe seines eigenen wegen, immer gern den Vorzug. Die Zufuhr von portugiesischem Werkes befohleunigt, fo lag die begründete Besorgniß nabe, er moldauischen und walachisdem Gewächse begann erst in der ersten werde es mit Muratori eben so machen wie mit Newton und ihm Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, und die Weine der Krim waren einen Theil des Ruhmes entziehen, der einem so würdigen Gelehrten besonders zur Zeit von Münnich's Zug gegen die Türken also in Ew. Hoheit Dienste gebührt. Ich benachrichtigte deshalb Bernstorff, 1736 – Tehr begehrt. daß das Erscheinen des Muratorischen Werkes verzögert werde, weil Die Reben. Anpflanzungen im südlichen Rußland, an ben Ufern Leibniz es zu lange in feiner Hand behalte, und daß es nöthig sei, des Dniepr, Bug, Dniestr und der Donau, stammen der Wahrscheindaß Se. Majestät ihm in dieser Beziehung einen Wink geben lasse. ligkeit nach von den Griechen, diejenigen in der Krim von den Geo 3d erachtete diesen Schritt paffend, obgleich ich nicht weiß, ob er nuefern her. Aus den der rusfischen Geiftlidfeit im vierzehnten Jahre genügen wird, meinen Zweifel aufzuklären; und da ich ihn mit aller bundert von den Chanen ertheilten Diplomen (EpxbIKH) ersieht man Rüdfict that, um das gute Einvernehmen zwischen beiden Gelehrten sowohl ibre damals soon bedeutende Ausbehnung, wie aud einen geo nicht zu ftören, so kann ich nicht glauben, daß Leibniz Grund habe, wiffen Werth, welcher denselben zuerkannt wurde. sich über einen inbisfreten Antrag meinerseits zu beklagen, falls nicht Im rechzehnten Jahrhundert erft finden wir Spuren, daß die Re derjenige, welcher das Schreiben aufgefeßt, den Ausdruck verändert gierung bem Weinbau in Rußland Aufmerksamkeit denkte; ein um und mehr Anlaß zu Verdacht gehabt hat, als ich geäußert habe. Wenn das Jahr 1547 in Moskau lebender Sadise, Namens Solitt, erhielt ich gewissermaßen barüber geklagt habe, daß er Muratori's Handschrift so lange zurüchält, so entspricht dies dem Verlangen Sr. Majeftät, *) Bei allebem hat Leibniz, wie aftermafig nacijuweisen, weber in bent das Werk beendigt zu sehen, und es geschieht ihm daburd kein Uns englischen, noch in dem italiäniiden Falle fremdes Gut fich angeeignet. D. N. recht. Das Mißvergnügen, welches Leibniz aus der Sache erwachsen **) Nach I. J. Kraszewski'o „Wspomnienia".

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nämlich vom Zaren Iwan Wafftljewits ben Auftrag, mit den nöthigen Kenntnissen versehene tüdtige Leute herbeizuschaffen, welche die Reben.

Mannigfaltiges. kultur in Rußland einführen und pflegen sollten. Jnwieweit dieser Plan geglüđt ift, darüber fehlen die Nachrichten, doch ist es Thatfache, Der Pontifche Krieg im achtzehnten und neunzehn. daß man bereits im rechzehnten Jahrhundert in lievland und Polen, ten Jahrhundert. Unser Mitbürger, Herr Prof. Theodor Mundt im zwölften sogar in Preußen rheinische Reben hatte, welche vollkommen hat die Gelegenheit, die ihm als Bibliothekar geboten ist, nähere Eingut gediehen, ja, daß zur Zeit, als Wienrich Kniprode Hodmeifter ficht von archivalischen und handschriftlichen Schäßen zu nehmen, zur des Deutschen Ordens war, also im vierzehnten Jahrhundert, die An. Ausarbeitung eines trefflichen Werkes über die Geschichte des Kampfes pflanzungen bafelbft eines gewiffen Rufes genossen. Bei Pologt finden um die Beherrsdung des Schwarzen Meeres, vornehmlich unter der wir gleid fallo Weinbau, und in der Gegend von Wilna beschäftigten Raiserin Katharina II., benußt. ") Obwohl augenscheinlich Gelegenfich die russischen Mönche damit. Beljamin Rutsti, einer der Leßte heitsschrift, hat dieses Buch doch das Verdienst, nicht blos für das ren, holte aus der Ukraine zwei Wagen von junger Reben, um sie größere Publikum eine Erscheinung zur rechten Zeit zu sein, sondern auch an die Ufer der Wilia zu verpflanzen.

selbst dem mit der Geschichte vertrauteren Leser manchen neuen Aufschluß Die Weinberge um Aftrachan berum verdanken ihr Entstehen per über Ereignisse und Situationen zu gewähren, deren Nadwirkungen fischen Raufleuten, welche im siebzehnten Jahrhundert aus ihrer Hein nod bis auf den heutigen Tag wahrnehmbar find. Der französische mat Reben mitbrachten und sie den Mönchen (denften, die sich deren Moniteur bat vor kurzem burch Hinweisung auf eine diplomatische KorPflege und Vermehrung sehr angelegen sein ließen und in den Private respondenz aus den ersten achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Grundbesißern der Gegend bald eifrige Nachahmer fanden. Im Jahre etwas recht Pifantes mitzutheilen gemeint, indem er die Aehnlichkeit der 1669 wurden in der erwähnten Stadt für den 3aren bereits 200 Faß damaligen und der jeßigen Stellungen Frankreichs, Englands, DefterWein gefeltert und 50 Eimer Weingeist gebrannt. So wie Peter der reichs und Preußens, der Türkei und Rußland gegenüber, darzulegen Große für Alles ein Auge hatte, was die Hebung feines Landes be suchte. Wie dürftig erscheinen jedoch diese Enthüllungen aus den zweitraf, fo fenfte er auch der Ausbreitung der Weinkultur bedeutende Deutigen diplomatischen Berichten des befannten Unterhändlers und Mis Aufmerksamkeit.

nifters Ludwig'8 XV. und Ludwig's XVI., Grafen v. Vergennes, neben lorenz Müller und Olearius führen an, es habe schon 1635 in dem von Mundt aufgebedten ,,Einfluß Voltaire's auf das orientalische der Tatarei wildwachsenden Wein gegeben; mit Bestimmtheit weiß Weltprojekt Rußlands!" Der französische ,,Esprit" hat die Entfaltung man, daß in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts Tsdugu- des russischen Einflusses in den Angelegenheiten Europa's weit mehr ges jev, Perejaslav, lubny, Poltawa, Smjejev und Kiev Wein-Anpflan. fördert, als die französische Diplomatie jemals dagegen zu wirken verzungen hatten und diese fich an allen Drten um so fegengreicher ent mochte — wenn diese es überhaupt mit ihrer Gegenwirkung ehrlich ge falteten, je größere Sorgfalt auf sie verwendet wurde. Die ersten meint hat. Aus der Korrespondenz Voltaire'd mit Ratharina II. theilt Reben, und zwar Tofager, in der Krim pflanzte der berühmte Fürst Mundt über jene Einwirkungen die interessantesten Details mit. Nicht Potomiin, der dann später auch Aftrachan mit derselben Gattung ver minder anziehend find aber auch einige andere geschichtliche Situatioforgte. In der Moldawanfa, 'einer Vorstadt Odessa's, erhoben fich nen geschildert, die der Eroberung der Krim duro Rußland voranges die erften Rebenhügel um 1785 herum, und bald darauf schmückten gangen, namentlich der Friebe von Kainarbschi, die ersten Soritte zur fich auch mit ihnen die Ufer des Ingul, Ingulez und Dniepr. Im Eroberung der Krim, mit dem Einblick in die Zustände der dortigen Jahre 1804 ftiftete die Regierung in der Krim die erste Shule für Tataren-Wirthschaft, worüber wir auch Berichte aus der Feder eines Weinbau; eine zweite, bei welcher bereits der neue Pflug zur Behäu. Preußen erhalten; ferner die Schilderung der Besuche, welche Kaiser felung der Weinstöde in Anwendung fam, entstand 1829 in Odessa. Jofeph II. in St. Petersburg und der Prinz von Preußen (nachmals Vier Jahre früher ertheilte die Regierung dem beffarabischen Ober. Friedrich Wilhelm II.) am ruffisden Hofe abgestattet. Wir glauben, Forstmeister, Staatsrath Grafen Paravicini den Auftrag, auf faisers daß fich der Verfaffer durch dieses Buch ein großes Verdienft eben fo liche Kosten die fandigen Höhen um Afjerman herum, wo aus türtis um die Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts, wie um das Verständs shen Zeiten her noch ungefähr 50 Stöde übrig geblieben waren, mit niß des heutigen Pontischen Krieges, erworben hat. guten, frischen Reben zu bepflanzen. Der Ertrag an Eimern beläuft sich in der Krim auf 300,000, im

Barker'& Geschichte der Krim. Zeitungslesern zu empfehGubernium Cherson auf 55,000, in Bessarabien auf 50,000, in Po, len ist des bekannten englischen Drientaliften Barker, bistorische Ueberdolien (Dnieftergegend) auf 2,500, in ganz Rußland auf 4,097,500(?) fickt der Krim“,") die von den ältesten, halb mythologischen Zeiten jährlich.

bis zur ruffisden Occupation herabreicht und die wechselvollen Ges Die Gattungen, welche im füdlichen Rußland gezogen werden, schicke der Halbinsel, die seit Jahrtausenden zum Tummelplaß so verfind: bonischer, krimisder, Muskat, perfischer, Byzantinischer, zimlianer fchiedenartiger Nationalitäten dient, in recht anschaulicher Weise darWein, so wie der seit 1774 in der Otschafower Steppe und in Af- ftellt. Am ausführlichsten ist die Geschichte der Tataren-Chane beo jerman heimische ungarische.

handelt, welche ihre Herrschaft auf den Trümmern der genuesischen In einem so walbarmen Lande, wie Bessarabien und der Chersoner Kolonieen gründeten und, ehe sie den Waffen und den Künften RußDiftrift es sind, mußte die Noth um Gefäße, in welchen der Wein auf- lands erlagen, in ihren unaufhörlichen Kämpfen mit dem Zarenreiche bewahrt werden konnte, natürlich eine sehr große sein. Dies brachte mehr als einmal bis nach Moskau gelangten, die rusfische Hauptstadt einen gewiffen in Kausdhani unweit Bender wohnenden Dlofson auf verbrannten und die Einwohner niedermachten oder in die Sklaverei den Gedanken, vier- und fünfeckige Küpen aus Stein zu bauen. Der føleppten. Dagegen läßt die Beschreibung des beutigen Zustandes erfte Versuch wurde 1841 gemacht, fiel jedoch nachtheilig aus, weil es der Krim, die der historisden Darstellung folgt, Manches zu wünschen an einer Glafur fehlte, um die inneren Wände der Gefäße damit zu übrig, und es ist offenbar, daß bei diesem Abschnitte wenigstens der überziehen. Dem Uebel half jedoch der Petersburger Akademiker Höbel Kompilator nicht, wie er versichert, die besten Autoritäten“ zu Rathe ab; er wandte nach einander Pech und Wachs an und brachte endlich gezogen hat. So spricht er z. B. von Kertid als von einem elenden mit Hülfe von leßterem einen Ueberzug beraus, der dem Zweck volla ,aur von einigen Hundert griechischen Fildern" bewohnten Dorfe, woo kommen entsprach, da er die Poren der Gefäße verschloß, ohne auf mit er dieser jegt leider so schmählich verwüsteten Stadt großes Unrecht den Wein felbft nachtheilig einzuwirken.

thut. Auch müssen wir bie vielen bei den Namen vorkommenden Der Name: ,,Ruffischer Weindürfte, besonders wenn der Neben. Dru&febrer rügen – denn als solche können wir es nur betrachten, begriff der Güte und des Wohlgeschmacks damit verbunden werden wenn die Sueven sich in Schweden verwandeln, Kasimir von Polen sot, bei manchem Weft-Europäer ein mitleidsvolles Lächeln hervor- als „Kasimir, König von Podolien" figurirt und Karl Gustav mit rufen. Das verbient er jedoch nicht, und wenngleich man ihn noch seinem Enfel Karl XII. verwechselt wird. nicht so geschickt zu behandeln versteht, wie anderwärts, wenn er auch oft did und trübe ift, fo darf man ihn barum doch noch nicht verach *) Zur Gesdjichte des Kampfes um das Schwarze Meer. Historische Dars ten. Daß er, felbft in feiner heutigen noch unvollkommenen Beschaffen- jtellungen aus ber Geschichte Raflands. Von Theodor Mundt. Braunschweig, heit, ein nicht unbedeutender Handelsartikel fein muß, durch welchen

Westermann, 1855. der allgemeine Wohlftand mit erhöht wird, geht wohl aus dem Dben **) A Short Historical Account of the Crimea, from the Earliest Ages gesagten deutlich genug hervor. Findet er nur erst neben den noth

and during the Russian Occupation. Compiled from the best authori

ties by W. Burckhardt Barker. Hertford & London, 1855. Berlin, wendigen Kenntniffen rüstige, ausreichende Arbeitskräfte und bei dem A. Asher & Co. gehörigen Fleiße auch Ausdauer, fo fann er mit seinen weftlichen und füblichen Kollegen guten Muthes in die Schranken treten, ohne befürchten zu müssen, von ihnen zu sehr in Schatten gestellt zu werden.

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weit von der Wahrheit. Während der Hundstage ist die Hiße nicht China,

sehr groß, denn die Menschen find dann noch im Stande, mehrere

verschiedene Kleidungsstüde zu einer und derselben Zeit zu tragen. Das England, besungen von einem Chinesen.

für denkt aber auch Niemand in der größten Winterfälte an baum(Mit Anmerkungen von einem Deutschen in London.)

wollen wattirte Kleider, wie wir. Wu-tan-shin, ein vornehmer Chinese aus dem Innern des lan ,,In ihren Städten freuzen und wieder freuzen fich die Straßen, des, kam im Jahre 1842 zu den Engländern in linghai auf der Insel und darin hört man beständig das Rollen von Wagen und RossegeChusan, wo sie in dem herrlichen Hafen ihren Handel und Einfluß stampf. Zuweilen ist die Volksmenge fo dicht auf den Straßen, daß so weit ausgedehnt hatten, daß der Hof von Peking, mißtrauisch und Sdulter an Schulter fich berühren, aber die Riechwerfzeuge werden eifersüchtig geworden, bald darauf beschloß, den englischen Handel von nicht beleidigt durch unangenehme und ekelhafte Gerüche. “) In diesem dort auszuweisen und auf Canton und Shanghai zu beschränken. Wu- dichten Volksgetriebe magst Du den Policeman an seiner blauen Kleitan-fhin führte sich als ein Feind der herrschenden Tataren-Familien dung und dem ernften Blick erfennen, den Briefträger an seinem ein, als revolutionairer nationaler Chinese, und erbot sich, den Englän- rothen Kragen und dem Doppeljalage am Hausklopfer, wenn er die dern mit Rath und That beizustehen, falls sie die Güte haben woll- Briefe abliefert. Den Dragoner erkennst Du an dem rothen Seidenten, den Thron in Peking wieder für einen echten Chinesen zu räumen Ramme auf der Krone feines Helmes, dem Zeichen feiner großen und zu reinigen. John Bull fand in einem Rathe dieser Art kein gutes Tapferfeit. Militairische Offiziere magst Du zählen an dem zierenGeschäft und lehnte die Dienste des Chinesen ab, der aber doch als den Flecken von Goldzwirn auf ihren Schultern. Person aufgenommen ward. Er lebte namentlich lange in dem Hause „Die Seiten der Straßen entlang stehen Pfähle mit schönen eines englischen Lebrers des Chinesischen, der schon gut Chinesisch ver Laternen, welche, wenn des Nachts angezündet, die ganze Ausdehnung stand und es nun von seinem Gaste vollends erlernte. Im Jahre 1843 den Himmel erleuchten. Die Luft, welche in diesen Laternen brennt, reisten Beide von Ningpo durch das land bis zu dem 1300 (englische) wird aus Kohlen gewonnen, eine wundervolle Entdeckung, ohne Frage. Meilen entlegenen Canton, von da nad England, dann zurück nach Diese Luft strömt eine Flamme aus von hellerem Lichte, als die WachsShanghai und vollendeten hier die Uebersegung der Bibel ins Chi- Kerze oder die Dellampe geben kann. Durch sie erfreuen sich ganze nesische, womit die Engländer mehr erobern, als mit ihrem Kriegs- Familien des Lichts, und Tausende von Häusern werden gleichzeitig Miferium. Wu-tan-Thin ift ießt Secretair des englischen General- erleuchtet. Auf Marktpläßen und öffentlichen Hauptstraßen ist sie lo Ronsuls und Regierungs-Bevollmächtigten, Mr. Medhurst, in Hong- klar und heli um Mitternacht, als wenn Mittag wäre, und, wenn ich kong. Seine Erlebnisse und Eindrüde in der englischen Gesellschaft, nicht irre, eben so luftig, als unsere Laternenfeste

. Eine Stadt, so die er während seines Aufenthalts in London u. f. w. (1844– 45) erleuchtet, kann wohl eine Stadt ohne Nacht genannt werden, denn empfangen hatte, beschränken sich auf die höheren und höchsten Kreise, man kann die ganze Nacht bis zum Tage umbergehen, ohne eine las so daß er in der versifizirten Schilderung Englands Alles ,en beau” terne zu brauchen. Ueberall findest Du dasselbe Licht, Du magft gehen, malt, um so mehr, als er John Bul eigentlich nie in seiner Praris, wohin Du willst. fondern nur das höhere und höchste normannisce England, und dieses „Wagen mit Feuer, getrieben von Dampf, fliegen so nell, wie immer nur im Wichs“, in full dress, bei ,,Dinner- und Tea-Par- der Wind, und auf den Schienen ihrer Eisenbahnen haben fie eine tieg zu seben befam. Doch fab er meist richtig und klar und sfizzirt fehr geistreiche Art, ihre Lokomotiven umzudrehen. die Oberflächen der guten englischen Gesellschaft genauer, als mancher ,,Dampfböte, im Allgemeinen sehr reich geschmüdt, laufen mit voluminöseré Tourist vom Kontinente. Er giebt z. B. sogar die Klei- erstaunlicher Schnelligkeit durch das Wasser, vermittelst Schaufelräder. nigkeit des berühmten Doppelschlags des englischen Briefträgers rich. Auf Flüssen und in Buchten laufen schöne Dampffähren, welche das tig an, während ein bichterischer Berliner in seinem Sommer in Reisen sehr leicht und billig machen. Pondon" den Leuten versichert, der Mann klopfe drei mal. Niemale, „Ich habe auch einen Wagen gesehen, so gebaut, daß er blos von so lange in England Briefträger flopfen, hat sich einer dieses Ver der darin fahrenden Person getrieben ward, wie man ein Boot rudert. gehens schuldig gemacht. Der gelehrte, poetische Chinese drieb Er lief bewundernswürdig und fchien sehr pafsend zu sein für Reifen seine „Angliade“ zunächft nur für seine näheren Freunde in der Mas über das land. Die Maschinen, welche gebraucht werden, um ihre nier chinesischer Verskunst, worüber das ,,Magazin" früher das Nöthigfte Kanäle und Flüsse unten zu reinigen, müssen von ungeheurem Nußen mitgetheilt hat; doch fand sie ihren Weg bald in das große Publikum, sein für Schifffahrt durch das Land. erst im Original und dann prosaisch überseßt in dem zu Shanghai ,,Die Gräber des englischen Volks erheben sich nicht zu Höhen, erscheinenden North China Herald, und zwar von der Feder seines nodo find sie mit Bäumen bepflanzt, wie bei uns. Freundes und englischen Lebrers des Chinesischen. Wir geben hier ,,Die Häuser sind so dicht zusammen, wie die Schuppen auf dem eine möglichst wörtliche Uebersegung aus der chinesisch-englischen Zei- Rücken eines Fisches. tung, da fie an sich nicht uninteressant ist, wesentlich richtig schildert ,,Bor bieselben pflanzen fie Bäume oder haben Blumengärten. und eine Vorftellung von chinesischer Anschauungsweise für die ferne Civi Die Häuser erheben sich mehrere Etagen. Man lebt größtentheils in lisation des Weftens giebt. Die Chinesen haben durch diese Angliabe den oberen Etagen und macht beständigen Gebrauch von Treppen. bas erfte authentische Bild von einer Kultur bekommen, welche fo Häuser, aufschießend bis zu den Wolfen, mit weißen Mauern und Fenlange als bloße „rothborstige Barbarei“ verhöhnt, verachtet und ges ftern und Thüren von Glas, sehen wie Gebäude aus, mit koftbaren baßt ward.

Steinen beseßt. Ballustraden von Metall winden sich um Fenster und Das Gedicht oder bie Schilderung englischer Gesellschaft von Säulen. Wu-tan-fhin lautet:

,,Thüren und Fenster sind alle versehen mit Scheiben von Glas, ,,Ich ging unter Segel eines fremden Schiffes für den fernen Westen, und helles Licht wird von jedem Theile des Zimmers zurüdgeworfen, umherzustreifen in England. Im Ganzen war idziemlich drei Jahre 1o daß man barin figend fich für einen Besiger des Mondes halten abwesend von meinem Geburtslande.

kann. Die Schlafzimmer find so luftdicht, daß fein Staub hinein fann Wollte ich alles niederschreiben, was ich von den Sitten und und man den Wind blos an den Läden draußen blasen bört. Deshalb Gebräuchen des englischen Bolfes gesehen, oder die Produkte ibres fühlt man die falten Schauer des Herbstes faum. Außerdem werden Landes, würde ich kein Ende finden. Deshalb wähle ich blos, was die Feuer in ihren Ramingittern stets erhalten, so daß die Temperatur mir am meisten auffiel und die mächtigsten Eindrücke zurüdließ. „Von dunkelem und wolligem Wetter ift in Großbritannien durch

*) Er ist also nie in ben Quartieren londons gewesen, worin so viele Hels aus ein Ueberfluß und Regen in Fülle. In meinem Lande fagt ein

den von Dickens und der Kriminal: Polizei unter faulen Fischen und KnochenSprüchwort: 3m Weften sind die Himmel lect." Das ist nicht und lumpen-Lagerhäusern wohnen.

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