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es die Juden mit den Hochgeborenen aller Länder auf, wenn eine Literatur reich genannt wird, die wenige klaffische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die anderthalb Jahrtaufende währt, gedichtet und dargestellt von den Helden selber?“ So lange Druck und Ausschließung die Juden noch nicht zu Gegenständen der mit der Muttermilch eingesogenen Geringschätzung gemacht hatten, der Fanatismus noch nicht in die Maffen gedrungen war, lebten die Juden mit ihren Mitbürgern in Frieden. In Syrien wie Frankreich besuchten Christen die Synagogen, feierten sie die jüdischen Feste mit, zogen sie oft jüdische Richter und Prediger vor, speisten zusammen, verheirateten sich sogar unter einander. Kirchenväter, Edikte und Konzilien donnerten dagegen, die Geistlichkeit bot Alles auf, die Juden moralisch zu vernichten, ihnen jede Sympathie zu entziehen; jüdisch und teuflisch erklärten sie für gleich. Das steigende Ansehen des Mönchthums, die von Hildebrand errungene Priesterherrschaft in Europa drückten die Juden immer tiefer; die Hülflosen waren den Beschimpfungen und Verfolgungen des Pöbels bloßgestellt. Dabei waren besonders Angeber und Apostaten durch Wort und Schriftthätig. Getaufte Juden, von Rachsucht, Eigennutz oder Habgier gestachelt, brachten Unheil und Blut über ihre Brüder. S. 15–58 feines Buches entwirft der Verf. mit der ihm eigenen Meisterschaft des scharfausgeprägten und präzisen Ausdrucks, in raschen ergreifenden Zügen, eine Chronik der Leiden Israels in dem langen Zeitraume von Konstantin bis Karl V.; Feuer und Schwert, Verbannung und Verarmung riefen wider fie herauf Beschuldigungen und Anklagen, von fanatischem Pfaffenlug erfonnen, von Pöbeldummheit geglaubt und von Raubgier der Gewalthaber begünstigt und ausgebeutet, daß die Juden Christenkinder schlachten, Christenblut trinken, die Brunnen vergiften, Hofien kreuzigen, Feuersbrünfte, Dürre, Humgersnoth verursachen. Es ist eine entsetzliche, haarsträubende Lektüre und doch allen modernen, romantischen Mittelalterlingen, allen zur Umkehr Mahnenden, allen christliche Toleranz Predigenden als fehr heilsam zu empfehlen. Und wenn ihnen die Schilderung des Juden Zunz parteiisch und übertrieben, die Selicha-Urkunden verfälscht und verdächtig erscheinen: so mögen fiel zur Bestätigung die Erklärung Luthers in einer Schrift: „Daß Jesus Christus ein geborner Jude“, lesen: „Sophisten und Mönche, grobe Eselsköpfe, haben bisher so mit den Juden verfahren, daß ein guter Christ wohl hätte ein Jude werden mögen; wäre ich ein Jude gewesen und hätte solche Tölpel Chrifenthum regieren und lehren fehen, wäre ich eher eine Sau, als ein Chrift geworden.“ Das Kapitel schließt mit den Worten: „Hauptsächlich dient dieser geschichtliche Ueberblick zum Verständniß der synagogalen Gebete; er erklärt die Motive des Zorns und der Erbitterung, öffnet die Quellen der Thränen, zeigt uns die Schmerzen und Wunden ... Die harten Worte in diesen jüdischen Psalmen, die noch keinem Christen das Leben gekostet, während sie selber ein aus der Erde dringender Schrei des Blutes von Hunderttausenden find, konnten nur durch die Liebe, nie durch höhnende Verachtung, nur durch Gerechtigkeit, nie durch Bedrückungen in versöhnende umgewandelt werden.“ III. Piut, Selicha. Die allgemeine Benennung für Dichtung, Piut“) beschränkte sich allmälig auf synagogale Compositionen, die, in den ältesten Zeiten einfach, ohne Reim und Metrum, später künstlicher, inhaltreicher, in Ausdruck schwieriger, einer bestimmten Technik unterworfen wurden. Eigentliches Versmaß und strengen Strophenbau führ

ten erst die spanischen Dichter feit der Mitte des 10. Jahrh. ein. Ur-

sprünglich betete der Vorbeter (Chasan, Gemeindeabgeordneter) allein, und die Gemeinde lauschte in andächtiger Stille dem Vortrage eigener oder überkommener Dichtungen. Diese fehloffen sich den obenerwähnten drei Urbestandtheilen des Rituals: Schema, Tefilla, Keduscha, an. Nach gewifen, bezeichnenden Ausdrücken der prosaischen Benedictionen, die dem Schema vorangehen und nachfolgen, heißen die verschiedenen angereihten Piut-Stücke: Jozer, Meora, Ahaba, Sulat, Géula. Die in die drei ersten Abschnitte der Tefilla eingeschalteten Stücke haben den gemeinsamen Namen Keroba. Die Keduscha wird durch einen Siluk introduziert. Für das Laubhüttenfest, besonders für den siebenten, den fogenannten großen Hoschana-Tag, wurden zu den Umzügen in der Synagoge eigene Stücke: Hoschana's – nach dem oft wiederkehrenden Anruf: Hosha-na (Hofianna) Hilf doch! – gedichtet. Sie haben das Gebet um ein fruchtbares Jahr zum Hauptinhalt. Die Mussaf-Tefilla zum Schlußfeste und zum ersten Tage des Paffahfestes wurden mit eigenen Keroba, zu jenem mit dem Tefilat-Geschem (Gebet um Regen), zu diesem mit dem Tefilat-Tal (Gebet um Thau), ausgestattet. Am reichsten bedacht wurden aber die „ernsten Tage“, der Neujahrstag, der als Tag des göttlichen Gerichts galt, mit der vorbereitenden Woche; besonders der Versöhnungstag, den man ununterbrochen

in der Synagoge zubrachte; die fogenannten zehn – eigentlich fieben – Bußtage zwischen Neujahrs- und Versöhnungstag. Diese Dichtungen – die auch an den Fasttagen rezitiert werden – drehen fich um einen Angelpunkt: Vergebung (Selicha) der Sünden, die von der Gnade Gottes erfleht wird. Daher ihr Name. Das Grundthema, reich variiert, bildet die Berufung auf die dreizehn Eigenschaften Gottes (Middot), gleichsam dreizehn mannigfaltig gebrochene Strahlen des Urlichts, der göttlichen Liebe; denn nur in der Gnade, Barmherzigkeit, Langmuth u. f. w. findet der bußfertige Sünder Vergebung) Der Piut gehört dem öffentlichen Gottesdienste, dem Feste, die Selicha gilt der individuellen Andacht, der Buße und dem Fasten. Der Piut giebt Geschichte und Midrasch, die Selicha die Empfindung und die Gegenwart wieder: jener ist eine Metamorphose der Prophetie, diese eine Umgestaltung des Psalms. Daß die älteren Piut- und Selichadichter den Versbau nach syrifchen und griechischen Mustern eingerichtet, ist eben so wahrscheinlich, wie die späteren den Arabern und Provenzalen ihre Metrik gewiß entlehnt haben. Nach welchen Vorbildern die ersten Poitanim gearbeitet, ist eben so wenig, wie Zeit und Vaterland derselben, zu ermitteln. Am vollkommensten bildete sich diese Metrik, von Wiffenfchaft, Sprachkunde und poetischer Kraft getragen, in der jüdischspanischen Poesie aus . . . Der Verf. giebt eine lehrreiche Charakteristik der Piutim und Selichot, ihrer Dichtungsformen, des aus Michna, Talmud, Midrasch und Targum bereicherten Idiom's mit seinen etymologisch und grammatisch eigenthümlichen Wortbildungen, Wendungen und Redensarten, die in den Beilagen mit erschöpfender Vollständigkeit zufammengestellt und nach dem verschiedenen Inhalte gruppiert sind. Die Piut- und Selicha-Dichtungen wurden aber auch von dem Vorbeter bald allein, bald im Chor gesungen. Auf eine schöne, angemeffene, von wohlklingender, kräftiger Stimme vorgetragene Melodie legte man großes Gewicht. Bei vielen Stücken ist die Gesangsweise mit der Ueberschrift: Benigun, lechen, lenoam, vermerkt. . . . . Den vierten, umfangreichsten Abschnitt (152–334), Selicha-Dichter, führt der Verfaffer mit folgenden Worten ein: „Durch die Selichas zieht ein Grundton, der, gleich der Melodie des Satzes, unter wechfelnden Harmonieen das Ohr trifft, die Empfindung beschäftigt. In ihrer Gefammtheit bilden fiel eine aus verschiedenen und doch ähnlichen Ringen zusammengesetzte Kette; einzeln betrachtet werden die färksten Unterschiede, die reichste Mannigfaltigkeit fichtbar. Form und Inhalt, Einkleidung und Gedanken wechseln nach Ort und Zeit, nach Veranlaffung und Zweck, vornehmlich nach der Eigenthümlichkeit des Dichters.“ – Von 121 genannten und mehreren ungenannten Dichtern werden, in gelungenen, den originalen Metren fich anschließenden Nachbildungen, Proben beigebracht. Wie an dichterischem Genie, so überragen auch an Fruchtbarkeit die fpanischen Dichter die in allen übrigen Ländern. Die 1200 Selichas, die in Italien, Griechenland, Deutschland und Frankreich geschrieben worden, vertheilen sich unter 215 Autoren; die fünf Spanier: Gebirol, Giat, Moses ben Efra, Jehuda Halevi, Abraham, haben, außer zahlreichen weltlichen Dichtungen, an die tausend Selichas und Piutim verfaßt. V. Die zwei neueren Jahrhunderte, zwischen Luther und Leffing, find der blutrothe Schweif des blutigen, unheilschwangeren Kometen des Mittelalters. Und weffen hätten sich auch die gehetzten, verjagten, wehrlosen Juden in Zeiten versehen können, wo die spanische Inquisition (von 1481–1808) 343.000 Schlachtopfer ihren Doktrinen darbrachte? Aus dem Schicksal der Indianer in Peru und Mexiko, der Protestanten in Frankreich, den Niederlanden und Oesterreich – aus Heinrichs VIII. Religionsverbefferungen und Karl's IX. Bartholomäusnacht – aus der Gesinnung des römisch-strengen Philipp und des griechisch-rechtgläubigen Iwan – ja, aus dem reformatorischen Fanatismus eines Kalvin, dem Servet als Feuer-Opfer fiel, ließ fich den Unglücklichen keine günstige Prognose stellen. Wenn die Schlächtereien nicht so maffenhaft, wie in den vorigen Jahrhunderten, ausfielen, so ist das theils der geringeren Anzahl der Juden, theils dem Glaubenskampf der christlichen Konfessionen, keinem Kulturfortschritt auf die Rechnung zu setzen. Die Ausschließung nahm zu. Der Druck wurde wiffenschaftlich in ein System gebracht und zu einem paragraphenreichen Judenrecht vervollkommnet. In unzähligen Selichot, die bis in die Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts herabreichen,“) hallt ein taufendfältiges, klagendes Echo aus der zweihundertjährigen Nacht wieder. Der poetische Werth, besonders bei den späteren Selicha-Dichtern, ist nur ein sehr geringer. Die Kunst bestand bei vielen nur in der Schwerverständlichkeit. Wir müffen hier, weil die vorgezeichneten Gränzen eines Referats schon überschritten find, mit Bedauern abbrechen und von dem hochgeehrten Verfaffer mit dem, in dem Vorworte zu feinem fo reichen *) Eine eigene Selichaform mit Refrain heißt: Pismon, aus dua (mit Ausstoßung der Liquida) gebildet.

*) Aus nouyrjs bildeten sich die hebraifirten Formen: Paitan (Dichter), Piut (Dichtung), pajet (dichten). h fi F (Dichter)

**) Im Jahre 1741, während der Belagerung Glogan's, verfaßte noch Lemel. Zebi Levi ein Gebet in vierzeiligen Strophen.

Beitrag: „Zur Geschichte und Literatur“, von ihm ausgesprochenen Wunsche scheiden, daß dieses Buch „nicht blos nachschlagende, sondern lesende Lefer“ finde. Wie wir hören, weilt er gegenwärtig in Oxford, um in den hier aufgespeicherten Schätzen neues Material zu feinen weiteren Bauten zu sammeln. Und da glücklicherweise unter den Auspizien des wackeren, energisch thätigen Rabbiners, Dr. Philippson in Magdeburg, sich eben ein Verein zur Förderung der jüdischen Literatur gebildet hat, der bereits an die 1600 Mitglieder zählt und fortwährend im Wachsen begriffen ist: fo wird es dem trefflichen Baumeister wohl auch an der, durch äußere und doch fo nothwendigen Mittel, helfenden Hand nicht fehlen.

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Was den Ursprung und die Einführung des Apisdienstes betrifft, über welchen bisher eine große Anzahl von Vermuthungen aufgestellt worden sind, ohne daß man sie zur Gewißheit von Thatsachen erheben konnte, fo möge man dem Schreiber dieses, der fich eingänglich mit dem Gegenstande beschäftigt hat, erlauben, einige feiner Ergebnife hier vorzulegen. Sie find aus einer größeren, der Vollendung nahen Arbeit entlehnt, welche neben Untersuchungen über die Entstehung der meisten ägyptischen Kulte und ihren Inhalt, ein vollständiges chronologisches System aufstellen wird, von dem er hofft, daß es die höchst abweichenden und fich widersprechenden Angaben vollständig ausgleichen werde.

Die ägyptische Chronologie leidet an einem organischen Fehler, und dieser besteht in absichtlicher Entstellung, nicht an Einem Orte, fondern an mehreren, und Manetho ist, wenn er auch sonst ein treffliches, sich überall bewährendes Material gewährt, um kein Haar beffer, als andere orientalische Priester, die ihrem Volke ein fabelhaftes Alter zuschrieben. Das Gespenst, welches wie ein Alp auf dem richtigen Verständniß der ägyptischen Zeitrechnung ruht, ist die sogenannte Hyksoszeit, in welcher fremde Barbaren gegen oder über 500 Jahre über Aegypten geherrscht, die Tempel zerstört u. f. w. haben sollen. Längst drängte fich die Frage auf, ob nicht in dieser Zeit, aus der man nicht eine Spur von Denkmal nachweifen kann, die ägyptische Kultur hätte zugrundegehen müffen. Diese Zeit ist in diesem Sinne gar nicht dagewesen, oder, befer gesagt, wir haben die Könige, die darin regierten, vom ersten bis zum letzten, vollständig erhalten, indem jene

ersten phönizischen Eroberer fich nach längerer Zeit ägyptischer Kul

tur bequemten und rechtmäßige Pharaonen wurden. Um nun nicht einzugestehen, daß die glänzendsten Herrscher ihres Landes unreine Barbaren und Fremdlinge gewesen, haben die ägyptischen Priester bei dem Haffe, welcher etwa in der zwanzigsten Dynastie auf diese Zeiten zurückfiel, sich des Kunstgriffes bedient, den ganzen Zeitraum von dem Einfall bis auf Amoses (1667), bis auf die Dynastiezahlen leer zu machen und zu thun, als ob gar nichts Merkwürdiges darin vorgefallen wäre; die daraus genommenen Könige aber vor den Einfall zu setzen, fo zwar, daß die ersten hinter den Meneskönigen des alten Reiches stehen, aber mindestens ein Jahrtausend zu hoch hinaufgerückt sind, die letzten unmittelbar vor die Hirtenzeit treten. Eratosthenes" Königsliste, obgleich mehrfach mangelhaft, ist von diesem Fehler frei und giebt die Herrscher von Menes bis zu den Amenenche-Königen, welche mit den Amosen und Thutmofen gleichzeitig waren, in ununterbrochener, im Allgemeinen richtiger Folge. Die Tafeln von Karnak und Abydus enthalten daher lauter sogenannte Hyksos-Könige, als Ahnherren der Thutmofen und Ramfes. -Wie man aus Herodot mit voller Sicherheit schließen kann, find die Könige der Cheops- und Kephren-Dynastie, welche die Pyramiden bei Memphis bauten, die ersten Hyksos, fo daß also Manethos vierte Dynastie zur ersten Hyksos-Dynastie wird. Die barbarischen Namen, welche er als die der ersten Hirtenfürsten giebt, find die phönizischen derselben Könige und zwar der Cheops-Dynastie von 50 Jahren, da die bei den Hirten stehenden Zahlen, deren höchste 50 Jahr beträgt, nicht Regierungsjahre, sondern die Abstände von der Aera find. Danach laffen sich die ersteren finden, und die Uebereinstimmung mit den Königen der vierten Dynastie ergiebt fich von selbst. Darnach hat sich denn genau die Zeit bestimmen laffen, in welcher jener König Alfeth regierte, der den Apisdienst in Memphis einführte. Es erweist sich, daß er der erste Cheops oder Chufu (schon Dynastiename der den Hirten vorangehenden Könige) ist, und daß er von dieser Einführung auch den Namen Mei-habi (der den Apis liebende), d. i. der Mialis (plomaögog) bei Eratosthenes und Manetho führte. Denn Manetho bringt die ersten Hyksos-Könige bereits am Ende der ersten Dynastie in einer anderen Redaction, wie denn feine Dynastieen vor der achtzehnten das lüderlichste Machwerk find, das man fich denken kann. Diefe Hirten, welche den Stier verehrten, führten zu Memphis das Hundsternjahr ein, da in Ober-Afien der Aufgang des Sirius den

Anfang der periodischen Regenzeit ansagt, und zwar im zehnten Jahre des Cheops oder 2110, d.i.443 Jahre vor Amofes. So lange nämlich rechnete man bis dahin den xvvurög würog. Wie ich nachweisen werde, hatten die Aegypter vor jener Zeit ein Jahr mit zwei Jahreszeiten, die in den beiden Göttern Seb (Winter) und Nutpe (Sommer, Ueberschwemmung) dargestellt find; das Einschützen und Oeffnen der Schleufen scheint sie bestimmt zu haben. Wie ein Mythos klar besagt, waren damals Seb und Nutpe in einander gerathen, und um die freien Interpolationen, die bis dahin gebräuchlich waren, abzuschaffen, führte man das Jahr von 365 Tagen ein, von dem man damals glaubte, daß es genau berechnet fei. Denn die Könige mußten darauf schwören, nie Einschaltungen einzuführen. Um die an die Mondphasen geknüpften Naturfeste nach festen Daten bestimmen zu können, wurde ein Normaljahr nöthig, an das man sich halten konnte, und eine Ausgleichung der Mond- und Sonnenjahre. Da 13 Mondmonate = 364 Tage find, fo erschien z. B. das erste Viertel, welches das erste Jahr am Abende des Sirius-Aufganges eingetreten war, im zweiten Jahre einen Tag später, und in 28 Jahren, 28 Tage, so daß man dann, wie man glaubte, nur einen Mondmonat einzuschalten brauchte, um wieder in Richtigkeit zu fein. Diese achtundzwanzig Jahre find das achtundzwanzigjährige Leben des Ofiris und die älteste Apisperiode. Da indeß bereits nach fünfundzwanzig Jahren das Normaljahr eintritt und die Ausgleichung stattfindet, eine Erfahrung, die man zeitig machen mußte, fo war eine Reform nöthig, und diese ist gerade nach Verlauf von achtundzwanzig Perioden im Jahre 1326 eingeführt worden. J. v. Gumpachs Nachweis, daß die Apisperioden nicht 1322, sondern 1335 bereits angefangen haben müßten, bestätigt sich also von anderer Seite fehr annähernd. Schon Mariette war auf achtundzwanzigjährige Apisperioden gefallen, auch deutet die Geschichte von dem ägyptischen Joseph mit den fieben fetten und fieben mageren Jahren darauf hin; aber noch fehlten genauere Beweise. Diesen liefert mir eben ganz unerwartet Herrn Mariettes Aufatz, den wir oben besprochen. Brugch giebt in den Reiseberichten aus Aegypten eine Inschrift aus Silfilis, die fo lautet: „Im Jahre 30, es hat gefeiert die erste Panegyrie des Herrn beider Welten, Ramses II, im ganzen Lande der Königsohn und Sem (Oberpriester des Ptah) Schaemdjom.“ Da Ramses II. Nachfolger, Menephtha, 1322 mit dem Anfang der nach ihm benannten Aera zu regieren beginnt, Ramfes aber 61 Jahre lang herrschte, also 1383 zur Regierung gekommen fein muß, fo ist fein dreißigstes Jahr = 1354 v. Chr. Von 1354 aber bis 1326 find achtundzwanzig Jahre, woraus folgt, daß jene große Panegyrie, welche zugleich die neuen Apisgräber einweihte, die letzte achtundzwanzigjährige Apisperiode des alten Kalenders einleitete, während der neue verbefferte den vierjährigen Schalttag im Tempelgebrauche und die Ausgleichung des rückläufigen mit dem festen Sonnenjahre in 1460 J., ferner die herabgesetzte fünfundzwanzigjährige Apisperiode einführte. Danach ist es nicht fchwer, die Zahl der Apisleichen zu befimmen. Von 2110–1326 find ihrer 28 gewesen, von da bis zur Aufhebung unter Theodosius 68 (1700 J. durch 25 getheilt), als gerade der neunundsechzigste lebte. Wenn also alle ihre Zeit vollständig ausgelebt hätten und nicht einige neue eingeschoben wären, so müßten ihrer im Ganzen 97 gewesen sein. Da nun ihrer 64 nachweisbar find, fo besitzen wir etwa deren zwei Drittel. Der älteste Apis unter Amenophis muß der im Jahre 1522 gestorbene fein, der fast gleichzeitig mit dem Regierungs-Antritte des Königs erschienen und der einundzwanzigste in der Reihe war. Nach meiner Rechnung fallen die nächsten ApisAnfänge 1494 (gegen das Ende der Regierung des Horus), 1466 (Antritt des Cherres), 1438 (I. Jahr des Sethos; Jahr der Wiedergeburten?); 1410 (Sethos); 1382 (II. Jahr des Ramses II.); 1354 (30stes Jahr deffelben). Bei so bewandten Umständen find wir auf die weiteren Veröffentlichungen, die Herr Mariette verspricht, fehr gespannt und werden gewiß fpäter Gelegenheit nehmen, darüber Bericht zu erstatten. Uns möge man dagegen Verzeihung angedeihen laffen, wenn wir uns ein wenig über die einem Berichterstatter gezogenen Gränzen hinausgewagt haben. Knötel.

Dalmatien. Dalmatiens neueste Literatur.

So fehr man auch darauf gefaßt ist, in Dalmatien, diesem Lande der Gegensätze, auffallende Erscheinungen zu finden, so wird derjenige, welcher sich näher mit demselben beschäftigte, dennoch überrascht sein, eine so reiche Literatur und eine fo unverhältnißmäßig große Zahl bedeutender Männer anzutreffen. In Ragusa allein zählte bereits der Dominikaner P. Serafino Cerva, welcher 1759 starb, in feinen hinterlaffenen Biographieen berühmter Ragusaner nicht weniger als 437 Namen auf. Wie groß würde erst die Zahl sein, wenn man die Berühmtheiten der übrigen Städte Dalmatiens, wie Zara, Sebenico, Trau, Spalato, Liffa, Lefina, Curzola, Almiffa, Magarska und Cattaro, dazurechnen wollte, von denen nur die Cattarefen am Piaristen P. Appendini, dem Historiker Ragusa’s, die Trauriner an ihrem Chronisten Giov. Lucio, die Spalatriner am Dr. Andrea Ciccarelli und Dr. Francesco Carrara und die Zaratiner an Ferrari Cupilli biographische Sammler gefunden haben. Auch jetzt ist Dalmatien noch reich an Gelehrten, Dichtern und Schriftstellern, reicher vielleicht, als irgend eine andere Provinz von kaum 400.000 Einwohnern. Aber fofeltsam und originell Dalmatien ist, fo abgeschieden ist es auch von der übrigen Welt. Nur die wenigen Namen derer, welche Dalmatien verließen, um ein größeres Feld ihrer geistigen Thätigkeit aufzusuchen, wie Nicolo Tomaseo, Cav. Pier Alesfandro Paravia in Turin und Professor Roberto de Vifiani in Padua, find über die Gränzen ihres Vaterlandes gedrungen, alle übrigen wenig weiter als in ihrer Heimat bekannt. Wie sollten sie auch außerhalb Anerkennung erringen können? Der Buchhandel liegt, gleich dem italiänischen, arg danieder; selbst der Verkehr der Städte unter einander ist mit Schwierigkeiten verbunden, und die wenigen Reisenden, welche Dalmatien besuchen, d. h. mit dem Dampfschiff an der Küste hin und herfahren, haben, selbst wenn sie vom Wetter begünstigt find, kaum Zeit, einen Eindruck vom Landthor und den fünf Brunnen in Zara, vom Dom in Sebenico und dem Kerkafall bei Scardona, von den Alterthümern Spalato's und den Ruinen Salona's, von der Loggie und den Aloen in Lefina, von den Wäldern Curzola’s und der Tracht auf Sabionello, von der Schönheit der Lage Ragusa’s und dem Panorama des Kanals von Cattaro zu empfangen, geschweige denn fich mit der Literatur des Landes zu beschäftigen. Geheimrath Neigebaur, diese lebendige Verbindungskette zwischen Nord und Süd, hat daher zuerst das Verdienst gehabt, uns in feinen „Südflaven“ mit den Werken einiger der hervorragendsten jetzigen Schriftsteller Dalmatiens bekannt zu machen. Da aber auch er nicht lange genug in Dalmatien blieb, um die Literatur dieses Landes gründlicher kennen zu lernen, fo will ich feine Notizen mit einigen näheren Angaben vermehren und die Namen, welche er nicht nannte, hinzufügen. Unstreitig der bedeutendste Gelehrte Dalmatiens und der eifrigste Forscher der ältesten Geschichte feines Vaterlandes ist der allen Archäologen wohlbekannte Profeffor Pietro Niiteo in Cittavecchia auf der Infel Lefina, ein hochbejahrter Greis, welcher jetzt feine trefflichen „Memorie staccate sulla Dalmazia” ordnet, um sie drucken zu laffen. Mit Benutzung dieser „zerstreuten Memoiren“ hat der gelehrte Verfaffer der „Narenta” und der „Antiche lapide Salonitane”, Dr. Francesco Lanza, früher Direktor des Nationalmuseums in Zara, seit 1852 Profeffor am Gymnasium zu Spalato, welcher jetzt ein Werk über Diocletian's Palast drucken läßt, eine Geschichte der Liburner bearbeitet. Der Abbate und Profeffor Francesco Carrara, welcher sich als Archäolog durch feine „Scavi di Salona", deren neuestes Heft 1852 erfchien, als Historiker durch feine „Chiesa di Spalato” und „Archivio Capitolare di Spalato” und als Kenner feiner Heimat durch feine „Dalmazia descritta" einen wohlbegründeten Ruf erworben hat, ist leider zu früh für fein Vaterland und feine Freunde am 30. Januar 1854 in Venedig gestorben, wohin er als Professor der italiänischen Literatur berufen worden war. Sein letztes Werk, eine Anthologie der gejammten italiänischen Literatur für Gymnasien, welches er im Auftrage des K. K. Unterrichts-Ministeriums bearbeitet hatte, ist unvollendet geblieben. Dagegen hinterließ er ein historisches Werk über die Republik Paglizza und die Fortsetzung feiner Dalmazia descritta vollkommen druckbereit. Sein Freund, Dr. Antonio Bajamonte, aus Spalato, welchem Carrara einst seinen zierlichen Strauß illyrischer Volkslieder widmete, beschäftigt fich jetzt in Venedig mit der Biographie feines berühmten Landsmannes, nachdem er kaum der traurigen Pflicht Genüge gethan, die feines Erziehers, Giuseppe Ciobarnich, zu schreiben, welcher im November 1852 als Dekan der Kathedrale von Magarska starb und, außer vielen gelehrten lateinischen und italiänischen Abhandlungen und Verfen in griechischer, italiänischer und lateinischer Sprache, ein sehr gerühmtes größeres lateinisches Gedicht, „Divelea", hinterlaffen hat. Vincenzo Solitro, welcher jetzt in Fiume lebt, fährt fort, seine fchätzenswerthen „Documenti storiche sull' Istria e Dalmazia" herauszugeben; Ferrari Cupilli, feine Vaterstadt Zara durch einen gediegenen Kalender: „Il Rammentatore. Zaratino” historisch und biographisch zu verherrlichen. - Ob A. Fenze in Sebenico, der sich durch einige treffliche, historische Arbeiten in feinem Vaterlande bekannt gemacht hat, noch dem allgemeinen Wunsche genügen und eine vollständige Geschichte Dalmatiens herausgeben wird, ist bei einem vorgerückten Alter sehr zu bezweifeln,

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Die Numismatik des alten Dalmatiens hat der Abbate Simeone Ljubich, defen ich bei der illyrischen Literatur ausführlicher gedenken werde, behandelt, die hauptsächlichsten Klöster hat der Franziskanermönch P. Donato Fabianich in feinen „Memorie Storiche-Letterarie dialouni Convente della Dalmazia” topographisch, historisch und literarisch beschrieben. Eben derselbe schildert auch: „I Dipinti della città di Lesina", die Bilder in Lefina.

Einzelne Aufsätze über historische Gegenstände und heimatliche Sitten, über sogenannte „cose patrie", haben Conte Leonardo Dudan, der frühere Podestá von Spalato, welcher fich als trefflicher Stylift und gewandter Dichter auszeichnet, Girolamo Macchiedo, Secretair der Kommune von Lefina und eifriger Sammler alles defen, was auf feine Vaterstadt Bezug hat, Dr. Ostvich, ein leider zu früh verstorbener, talentvoller Arzt in Citavecchia, der ebenfalls früh verstorbene Advokat Urban Rafaele in Cattaro, Alfonso de' Frisiani, Profeffor Matteo Jocevich in Zara, Vincenzo Ballovich aus Perato, Pietro Franceschi aus Almiffa, welcher durch einen zu frühen Tod in Padua die mit Recht auf ihn gesetzten Hoffnungen täuschte, Matteo Capor aus Curzola und Andere geliefert. (Schluß folgt.)

Mannigfaltiges.

– Präfidenten und Maschinen bei der Universal-Ausstellung von Paris. Wir haben in diesen Blättern früher (Nr. 43) das Verzeichniß der verschiedenen Sectionen und Klaffen mitgetheilt, in welche die Pariser Universalausstellung und eben so auch das Geschworenengericht zerfällt, das die ausgestellten Gegenstände zu beurtheilen und die Ehrenpreise zu vertheilen hat. Für jede dieser Klaffen hat die französische Regierung einen Präsidenten ernannt, während die Geschworenen selbst fich ihre Vicepräsidenten erwählt haben. Es ergiebt sich nunmehr, daß unter den 27 Präsidenten vierzehn Franzofen, fieben Engländer, fünf Deutsche (und zwar zwei Oefterreicher, zwei Preußen, ein Württemberger) und ein Belgier fich befinden. Unter den 27 Vicepräsidenten zählt man funfzehn Franzofen, sieben Engländer, zwei Preußen und drei Belgier. Bei der Londoner Weltausstellung ist man in dieser Beziehung viel weniger aufmerksam gegen das Ausland gewesen. Eben so hat man auch in Paris weit weniger Parteilichkeit für die einheimischen Mafchinen gezeigt, als in England. In London waren es nämlich nur englische Maschinen, welche durch Dampfkraft in Bewegung gesetzt wurden und auf diese Weise ihre volle Thätigkeit zeigen konnten; in Paris dagegen hat man die an der Seine aufgestellte mechanische Kraft jeder Mafchine, gleichviel ob des In- oder des Auslandes, zu Theil werden laffen, die durch ihre neue oder besonders schöne Einrichtung auf eine solche Betheiligung Anspruch machen konnte.

– Ein Veteran der englischen Preffe. Der ehemalige Redacteur der Morning Chronicle, John Black, einer der ältesten und geachtetsten Vertreter der Londoner Zeitungspreffe, ist vor einigen Tagen gestorben. „Herr Black“, schreibt der Observer, „war im Jahre 1783 zu Douse in Schottland geboren. Er kam um das Jahr 1810 nach England, wo er von Perry, dem damaligen Eigenthümer der Morning Chronicle, als Parlaments-Reporter angestellt wurde. Einige Jahre vor dem Tode Perry's übernahm er die Redaction seiner Zeitung, die er unter manchen Wechselfällen mehr als ein Vierteljahrhundert hindurch, bis 1846–1847, fortführte. Nach dieser langen und ehrenvollen publizistischen Thätigkeit zog sich Black von der Preffe zurück, ohne jedoch aufzuhören, den wärmsten und lebhaftesten Antheil an allen politischen Fragen feiner Zeit zu nehmen. Er war ein Mann, der der britischen Prefe Ehre machte. Seine Rechtschaffenheit und muthige Befürwortung freisinniger Ideen zu einer Epoche, wo kaum zwei Londoner Zeitungen die Rechte des Volkes in Schutz zu nehmen wagten, sind über alles Lob erhaben. Unter seiner langjährigen Redaction hielten die Morning Chronicle und ihre wenigen Kollegen die Lampe der Freiheit trotz aller Hindernisse und Widerwärtigkeiten brennend; er bildete mit Barnes, Murray, James Mill, David Ricardo, Maclaren, den Hunts, Hazlitt, Charles Lamb, M'Culloch und Albany Fonblanque jene unerschrockene Phalanx, welche die Breschen der Corruption und des Fanatismus erstieg und fiel bis in ihre letzten Schlupfwinkel verfolgte.“ Unter der Leitung Black's war die Morning Chronicle, als das Hauptorgan der liberalen Whigs, eines der einflußreichsten Organe der englischen Presse und fank erst nach feinem Rücktritt, als sie in die Hände der Peeliten und Pufeyiten überging, zu ihrer jetzigen Bedeutungslosigkeit herab. Großes Aufsehen erregte zur Zeit ein Duell mit dem bekannten Parlamentsmitgliede Roebuck, der ihn in feinen „Pamphlets for the People” hart angegriffen hatte; aber da Beide mit der Feder beffer umzugehen wußten, als mit der Pistole, so lief der Streit glücklicherweise ohne Blutvergießen ab.

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England.

Literatur-Briefe aus England. 1855. Siebenter Monats-Bericht. Die neue, wohlfeile Tagespreffe in Folge des aufgehobenen Stempelzwanges. – Die Times und die anderen Zeitungen. – Geständniß eines ehemaligen Zeitungsschreibers über die Tagespreffe. – Tait's Magazine: „Wie verschafft man sich Offizierstellen?“ Wie sieht es unter den gemeinen Soldaten aus? – F. S. Buckingham's Selbstbiographie. – Die „neunschwänzige Katze“ in der Flotte. – Die Knutenstrafe, der Weg zur Barbarei. – Der Berliner Zeitungs-Salomo und England. – Der Parlamentarismus und die Sonntags-Bill Lord Grosvenor's. – Die Reform-Affociation, Layard und Dickens. – Das alte lustige Sachsenthum in der Literatur. – Ein Memoire über Sydney Smith von zwei Damen. – Damen-Romane. – Sydney Smithscher Humor. – Rawlinson in London. – Verjüngung der Linnean-Society. – Die Routine der alten Wiffenfchafts-Gesellschaften. – Charles Dickens und der „Royal Literary Fund”. London, Anfangs Juli. Mit dem ersten Juli hat der Zwangs-Poststempel für Zeitungen aufgehört und die Tagespreffe neue Flügel bekommen. Dieses literarische Ereigniß ist um so bedeutungsvoller, als die neubeschwingte Preffe in eine Zeit der Krifis hineinflattert, von der das Wohl und Wehe Englands in feiner politischen und fozialen Construction, in feinem Verhältniffe zum Auslande und zu den Kultur-Aufgaben des Jahrhunderts überhaupt wesentlich abhängen wird. Zwar ist diese Befreiung der Presse wesentlich aus Verachtung derselben im Parlamente hervorgegangen, aus Malice gegen die Times, welche nun zwar das ungestempelte Exemplar für London um einen Penny billiger, aber jedes mit der Post zu versendende um anderthalb Penny-Stempel, also um einen halben Penny theurer berechnet (fo daß sich deren Preis für Deutschland um mindestens vier Thaler jährlich erhöhen wird), aus der Diplomatie, welche dem Volke ein Spielwerk zu fchenken meint, damit es sich reelle Entbehrungen um so williger gefallen laffe; aber man kann sich dieses Geschenk, dieses Spielwerk einstweilen fchon gefallen lassen, weil nun wirklich eine freie Presse, ein unbesteuertes Brod der Kultur daraus hervorgehen kann. Man befreite die Preffe, um fie unschädlich zu machen, um ihr den Arm zu lähmen, der bisher allein traf und schlug, die Times. Die Times, fiel allein alle anderen Zeitungen um viel mehr als das Doppelte an Abonnenten übertreffend, wurde bisher allein gelesen und gefürchtet unter den Whigs und Tories, denen Großbritannien, mit allen feinen funfzig Kolonieen, mit Leib und Seele gehörte. Alle anderen Zeitungen und Jourmale konnten fagen, was sie wollten, Niemand von den Whigs und Tories las es, Niemand achtete darauf. Palmerston wurde in der Bier-Zeitung, dem Morning-Advertiser, Monate lang, zum Theil in aller Form Rechtens, des Hochverraths am Lande, am Throne angeklagt und die Anklage durch genau spezifizierte Thatsachen begründet. Er wurde Premier und entwickelte fein funfzig Jahre lang praktiziertes Talent, mit der Politik, mit der Ehre, mit dem Gelde, mit dem Leben der Unterthanen Humbug zu treiben, gerade auf dem Grabe von 20.000 Soldaten und der Ehre des Landes auf das unverschämteste. Wenn „das Haus“ über die 20.000 Soldaten, die der Miß-Verwaltung zum Opfer gefallen waren, klagte und Rechenschaft forderte, stand er auf, erregte ein allgemeines Gelächter und fetzte sich als erster Komiker nieder. Auch Layard wirft ihm diese schmachvolle Witzelei über jenen Maffengräbern vor; Palmerston springt auf und fagt und versichert es dem Layard ins Gesicht, daß er nie mit den Leiden des Volks gescherzt habe. Das Haus bricht in ungeheuren Beifall aus, und Layard, der eifrige, aber vereinsamte und fehr schwache Layard fitzt da, wie ein armer Sünder, läßt sich kleine Irrthümer in Angaben gegen Personen nachweisen, verhöhnen und mißhandeln, und wenn er wieder auftritt, entschuldigt er sich, versichert, daß er keinem Menschen wieder weh thun wolle, und redet nur als sehr bescheidenes Haupt der Administrativ-Reform-Bewegung. Beiläufig gesagt, ist Aussicht, daß ihn Charles Dickens, der auf politischem Gebiete noch ganz frische erste Held der Presse, der im letzten Reform-Meeting zum ersten Male als politischer Redner auftrat und den Helden für „komische Alte des Staats-Theaters, den Premier, bis ins Innerste traf, tüchtig unterstützen und übertreffen werde,

Die Whigs und Tories verachten die Literatur und die Preiffe, infofern fiel politischen Einfluß üben will, bis auf die Times; aus Haß und Malice gegen die letztere beschloß man eine Maßregel, welche deren Monopol brechen und eine durchaus einflußlofe, vielstimmige, zerstreute Preffe schaffen foll. Dies ist das reelle Motiv, fo unwahrfcheinlich es auch auf dem Kontinente erscheinen mag, wo man jede mißliebige Aeußerung der verstecktesten Art in dem unbedeutendsten Wochenblatte als ungeheuer gefährlich genau untersucht und einen Preßprozeß daraus macht, als wenn die versteckte Mißliebigkeit in dem Wochenblatte sonst zum Zunder für eine Bombe werden könnte, die das ganze Vaterland in die Luft sprengen und in den Wolken begraben könnte. So etwas kennt man hier nicht, begreift man gar nicht. Politische Preßprozeffe erscheinen hier wie Hexenprozeffe des finsteren Mittelalters. Laßt sie reden und schreiben, was sie wollen, fagen die Whigs und Tories, wir besteuern fie dafür, wie es kein Volk der Erde aushalten würde, und leben dafümit allen unseren zahlreichen Anhängern durch das Land und die funfr zig Kolonieen hindurch herrlich und in Freuden trotz dieser Steuern. Nur die Times ist uns gefährlich, brechen wir ihr also endlich das Genick. Wenn unzählige Zeitungen, spottwohlfeil und verbreitet durch das ganze Land, durch einander schreien, kann sie uns mit dem neuen Bleigewichte von 4 Penny täglich, mit ihrem hohen Preise gegen die wohlfeilen Kollegen, nichts mehr anhaben. So kalkulierte man, obgleich jedenfalls falsch, denn die Macht der Times wird dadurch nicht wesentlich gebrochen, da sie harte, alte Gewohnheit, unentbehrliche Nothwendigkeit für England geworden ist, und zwar weil sie alle Neuigkeiten der Welt am ersten, vollständigsten und geschicktesten bringt, in ihren Leitartikeln den Leuten stets nach dem Munde redet und in ihren Taufenden täglicher Anzeigen den vollständigsten Markt für alle möglichen Bedürfniffe des kompliziertesten, raffiniertesten Lebens der Civilisation jeden Morgen frisch aufbaut. So ist jetzt Aussicht auf eine freie, einflußreiche, durch Konkurrenz wirklich zum Soliden, zur Wahrheit, zur Kultur-Production genöthigten Preffe, ohne daß die Whigs und Tories das eine Organ, das sie fürchten, fallen fehen, wie durch denselben Prozeß wirkliche Aussicht auf eine folide Regeneration Englands gegeben wird, ohne daß es bis zu revolutionären Stürmen, zu Nächten des 4. August, zur Empörung gegen die Aristokratie, als folche, getrieben werden mag, ohne daß die Aristokratie im Leben und in der Politik die Stellung verliert, welche die Times auch nach dem 2. Juli in der Preffe einnehmen wird, ohne Monopol zu fein, wie bisher.

Kurz, es ist jetzt Aussicht auf eine Prefe, welche nicht mehr als Spielwerk der Parteien der Whigs und Tories, die gegen jede gründliche und durchgreifende Reform stets einig waren, in Phrafen fich verpufft, auf eine Presse des Volks, der gefunden Kultur-Intereffen der Zeit. Wenigstens darf man annehmen, daß aus der reichen, Blätter treibenden Kraft, die jetzt überall hervorbricht, auch gesunde Früchte gezeitigt werden, fo viele Blätter auch mitten in diesem Frühlinge abfallen und spurlos verschwinden mögen.") Um eine Vorstellung von dem Umfange dieser auferstandenen Kräft zu geben, stelle ich die neuesten Unternehmungen auf dem Gebiete der Tagespreffe zusammen. Die Penny-Wochenzeitungen in Times-Format, wie Bell's-News, PennyTimes u. f. w. kommen nicht besonders in Betracht, da Blätter, die blos Sonnabends erscheinen, nicht so leicht zu Mächten ersten Ranges werden können. Wichtiger sind die täglichen Zeitungen für zwei Pence, unter denen in London The Telegraph and Courier fich als besonders versprechend aufthut, und die Zwei-Pence-Tages-Zeitungen in den Provinzen, die bisher mit Ausnahme einiger großen Städte gar keine eigene Preffe hatten. Zeitungs-Eigenthümer in Manchester, Liverpool und Glasgow nahmen „den Ochsen sofort beim Horn“ und machten ihre Vorbereitungen ohne Verzug. Der Manchester Guardian, das einzige einigermaßen respektable Provinzial-Organ Englands, hat aufgehört, in feiner unbeholfenen Form wöchentlich zweimal à 4 D. zu erscheinen, und ist eine Zwei-Pence-Tageszeitung, im Umfang

*) Bei dem Anblicke der Verwilderung, den ein großer Theil der amerikanischen Zeitungspreffe darbietet, können wir uns auch in England von einer ueberfluthung des Zeitungswesens keinen großen Segen für die Kultur ver“ sprechen. D. R,

der Times, geworden. Der Manchester Examiner, bisher Wochenzeitung, erscheint als tägliche große Penny-Zeitung und zugleich Sonnabends als besonderes Resumé der ganzen Woche für 3 D. Birmingham hat eine Tageszeitung für 2 P. bekommen. Der Liverpooler Mercury erscheint, wie bisher, wöchentlich zweimal, aber für den halben Preis, 2, D, obgleich doppelt fo groß als die Times für 4 oder 54 D. mit Stempel. Das Liverpool Journal erscheint Sonnabends für 3 D. fo groß, daß man ein mäßiges Haus vollständig dahinter verstecken könnte und außerdem täglich als Penny-Zeitung von der Größe des Globe. Die Northern Daily Times (Liverpool) reduzierte ihren Preis von 3 auf 2 Pence. Die Glasgow-Zeitung, schon bisher täglich, gehört von nun an ebenfalls zu der „Zwei-Pence-Tages“ . preffer. In Edinburgh erscheinen vom 1. Juli an nicht weniger als vier Penny-Tageszeitungen. Der Scotsman verspricht jeden Morgen einen Bogen in Times-Größe für 1 Penny, außerdem erscheint er fort als Doppel-Wochenblatt, der Caledonian Mercury täglich für 1, D, der Courant eben fo, der Edinburgh Guardian als Daily Express für 1 D. In Glasgow kam zu der bereits existierenden Tageszeitung eine Daily News und ein Morning Bulletin für 1 D. Eine Glasgow Times ist auch im Werden. Von den Versuchen und neuen Unternehmungen in kleineren Städten will ich nicht reden, sie find noch unsicher und kaum dem Namen nach bekannt, eben so die Experimente in Irland, wo nur der zur Penny-Tageszeitung gewordene historische Freeman, die im Preise reduzierten Wochenzeitungen und die regenerierte Nation vorläufig erwähnenswerth erscheinen. Von den kreisenden und zum Theil schon niedergekommenen Bergen in London läßt fich nicht viel sagen, wenigstens nicht viel Gutes. Eigenthümer von Dampfpreffen und großen Druckereien, Papier-Fabrikanten, zurückgezogene reiche Thee- oder Kaffeehändler von höherer Bildung u.fw. traten einzeln und in Compagnie auf, um das neu eröffnete Feld industriell auszubeuten. Prinzipien, politische Richtungen, organisierte Ueberzeugungen scheinen bis jetzt nirgends so viel Pathos und Lebenskraft zu haben, die gegebene Freiheit zur würdigen und scharfen Vertretung in der Preffe zu benutzen. Die vielen neuen Folio-ZeitungsBogen enthalten so ziemlich immer daffelbe in derselben liberalen, wäfferig-verworrenen Phraseologie. Keine felbständige Ueberzeugung und keine fcharfe Logik, keine besondere Thatsachen – immer derselbe Kohl, in Form, Farbe, Lettern, Größe, Abtheilungen, Ueberschriften immer derselbe Kohl. Wenn die nun eintretende scharfe Konkurrenz und die administrative und Kriegs-Krifis nicht Entschiedenheit und Klarheit, Logik und Leben erzeugen, ist allerdings, nach den ersten Anfängen zu schließen, gerade von der neuen Londoner Tages-Preffe nicht viel zu erwarten. Freilich läßt sich hoffen, daß dieser Anfang, diese unbeholfenen Erstlingsversuche entweder bald zum Untergange oder zur Entwickelung von Leben und Kraft getrieben werden. Aus der tiefen und radikalen Krifis, in welcher England unwillkürlich immer weiter von Konsequenz zu Konsequenz fortschreitet, muß auch mit der Zeit eine Mauerung der alten Zeitungs-Phraseologie hervorgehen. Wohlfeiler, also dem Volke viel zugänglicher, find die Zeitungen ziemlich alle geworden, aber das ist an sich keine so große Wohlthat, als es fo oft gepriesen wird. Die Zeitungen leiden bis jetzt, mit und ohne Preßfreiheit, so ziemlich alle an dem Gebrechen, daß fie Detail an Detail, Neuigkeit an Neuigkeit, Klatsch an Klatsch reihen, dadurch den Sinn für gründliche Total-Auffaffung zersplittern und Wälder machen, vor denen man die Bäume nicht fehen kann. Daß aus dieser täglichen Anhäufung unbedeutender Neuigkeiten, mit etwas Leitartikel-Waffersuppe voran, keine wahrhafte Volksbildung hervorgehen kann, ist leicht zu begreifen, wenn man sich die Sache etwas genauer ansieht. Und das Streben nach Maffe und Größe, nach täglicher Füllung ungeheurer Bogen ist das Schlimmste dabei. Niemand liest dann eigentlich mehr, man überfliegt die Tausende und Hunderttausende von Lettern und muß von Glück sagen, wenn man so klug ist, wie zuvor. Wirkliche Bildung und Wiffenschaft, gründliches Urtheil und klare Ueberficht leiden gewiß fast immer darnuter. Wie die zu großen Schiffe Englands die Schwäche der Flotte geworden find, kann man auch von den furchtbaren Maffen von Buchstaben, die täglich für 1-4 Pence verkauft werden, sagen, daß sie den Geist tödten und Fähigkeit und Lust für gründliche Belehrung und klares Urtheil schwächen. Zu den nothwendigsten Reformen der Tagespreffe gehört, daß sie kleiner, klarer, historischer, dichter und schärfer werde, größer in Auffaffung, kleiner in Format und Letternzahl. (Fortsetzung folgt.)

Dalmatien. Dalmatiens neueste Literatur. (Schluß.)

Draghichievich (Niccolo), aus Zara, übersetzte viele französische Werke, der Abbate Paulovich-Lucich, Professor in Spalato, eine deutsche Schilderung der Morlachen, ins Italiänische.

Die Biographieen einzelner bedeutender Männer schrieben, außer den schon. Angeführten, Constantino Borich, Franziskaner in Zara, Girolamo Bernardi, Kanonikus in Spalato, Monsignore Antonio Baffich in Cattaro, welcher auch mehrere religiöse Werke verfaßte, Luigi Pavifich aus Makarska, Giovanni Cettinich, von dem Orden des S. Filippo Neri, Abbate Simeone Ljubich, welcher ein ganzes „Diri. NHT10 bibliografico-dalmato" schon druckbereit hat, und der schon genannte Franziskaner Fabianich, welcher „Cenni storici sulle seien, e lettere in Dalmazia” herausgab. Als Romanschriftsteller hat fich der jung verstorbene Marco de Cafotti, aus Trau, versucht, und feine Romane: „Milieno, e Dobrilla, ll Berretto rosso, ossia Scene della vita Morlacca“ und „Il Bano Horvath", haben in Dalmatien viele Verbreitung gefunden. Den Zuhalt derselben hat Ida v. Düringsfeld in ihren Reifefkizzen: „Aus Dalmatien“, im Auszug mitgetheilt. Ueber Staats- und Landes-Oekonomie findet man, theils in den Memoiren der verschiedenen agrarischen Akademieen, theils einzeln gedruckt, recht gehaltreiche Aufsätze von Francesco Conte Borelli, Befitzer der Feudalherrschaft Wrana, dem Conte Michieli-Vituri auf Castel Vitturi, dem Sohne des als staatswirthschaftlicher Schriftsteller berühmten Conte Rados Antonio Michieli-Vitturi, dem aus Zlarin gebürtigen Profeffor Girolamo Sutina in Zara und dem aus Verona gebürtigen Profeffor Pietro Bottura in Zara. Politische Schriftsteller giebt es nicht in Dalmatien. Medizinische Werke verfaffen der schon genannte Dr. Lanza, von dem wir auch viele treffliche naturwissenschaftliche Abhandlungen und Unterrichtsbücher besitzen, Dr. Niccolo de' Cattanj, jetzt Professor in Spalato, und die beiden Silbenzaner Dr. Angelo Frari und Vicenzo Giadrov. Religiöse und geistliche Bücher find zahlreich vorhanden und werden von Jahr zu Jahr zahlreicher. Unter den Dichtern ist als einer der reichbegabtesten und genialften der Abbate und Professor Giovanni Franceschi, aus Almiffa, früher Redacteur und Herausgeber einer sehr gediegenen Zeitschrift, La Dalmazia, und jetzt Direktor des Gymnasiums zu Spalato, zu nennen. Aber leider find feine zahlreichen und zerstreuten Gedichte noch ungefammelt, ein meisterhaftes Drama aus der vaterländischen Geschichte noch ungedruckt. Der Regierungsrath Nicolo Giaxich beschrieb die Umgegend von Sebenico und die Scoglien bei Zara metrisch in einem „Saggio d Memorie Dalmate". Ferdinando de' Pellegrini, aus Sebenico, jetzt in Rom, hat eine Sammlung Volkslieder mit großer Gewandtheit italiänisch nicht übersetzt, fondern in glänzenden Verfen umgedichtet. Auch Giacomo Chiudina, der Redacteur des Osservatore dalmato, in Zara, hat illyrische Volkslieder gesammelt und ins Italiänische übertragen, aber noch nicht herausgegeben. Dagegen ließ Marc Antonio Vidovich in Sebenico feine freien italiänischen Uebersetzungen der Osmanide, von Gondola, und der Liebesgedichte von Giorgi bereits erscheinen. Auch Leonardo Dudan ließ dann und wann eines feiner ausgezeichneten Gedichte, wie die „Hymne an die Jungfrau von Pojan“, die „Giostra von Sign“ u. a., drucken. Doch die meisten Gedichte der neuesten dalmatisch-italiänischen Dichter und Dichterinnen, wie Giacomo Chiudina, Giorgio Foscolo, Pietro Franceschi, F. D. Seismit, Carolina Degiovanni Luxardo, Cupilli-Ferrari u. A., find in den verfchiedenen Zeitschriften fo zerstreut, daß es schwer hält, fie zu Gesicht zu bekommen. Um wenigstens einige zu fammeln, unternahm Giovanni Franceschi die Herausgabe einer fehr glänzend ausgestatteten „Strenna dalmata”, aber der erste Jahrgang ist ohne Fortsetzung geblieben. Die illyrische Literatur hat in den letzten zehn Jahren in Dalmatien einen bedeutenden Aufschwung genommen. Die neue kroatische Orthographie fand in Zara großen Beifall, und man wandte sie sogleich an, um alte Klassiker, wie Kačić Sammlung der Volkslieder, Ektorevich Fischfang und Babić Kirchenlieder („Blüthe geistigen Duftes“), ueu aufzulegen, Schul- und Kirchenbücher damit zu drucken und Zeitschriften, wie Strenna illiria, Zora dalmatinska u. a., mit ihr herauszugeben. Nur die Griechen behielten ihr illyrisches Alphabet nach wie vor bei, und die Buchhandlung von Battara in Zara, welche zuerst die neue kroatische Orthographie beim Druck angenommen, ließ auch eben so bereitwillig Werke mit illyrischen Lettern erscheinen. Der bedeutendste Slavist in Dalmatien ist unbestritten der Rath Teodoro Petranovich, aus Sebenico, jetzt in Cattaro, welcher für feine illyrische Uebersetzung der österreichischen Gesetz sammlung die goldene Medaille für Civilverdienst erhielt, mehrere Jahre lang die für die Geschichte Dalmatiens und besonders der griechischen Kirche in Dalmatien äußerst wichtige Zeitschrift Srbsko-dalmatinski Magazin herausgab, noch jetzt eine juristische Zeitschrift, Pravdonosa, redigiert und eine flavische Literaturgeschichte geschrieben hat. Der fruchtbarste slavische, wenn nicht dalmatische Schriftsteller ist der talentvolle Abate Simeone Ljubich in Cittavecchia auf Lesina, wel

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