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schichte feines Zeitalters zu dienen, wie die ausführliche Lebensgeschichte Dieser flüchtige Ueberblick über ein fo merkwürdiges Mensdendieses Mannes. Ursprünglich einer der niedrigeren Klassen der bürs leben wird auch unsere Leser wohl geneigt machen, den Mann, dem gerlichen Gesellschaft angehörend, hat Beaumarchais im Verlaufe seines ein solches Leben zu Theil geworden, etwas genauer kennen zu lernen. Lebens gewiffermaßen alle Stellungen und Verhältnisse in der Gesell. Wir freuen uns, jeßt endlich eine die erste Biographie des fdaft durchgemacht. Die Staunen erregende Mannigfaltigkeit seiner berühmten Mannes, die als eine gelungené, als eine' eines folchen Fähigkeiten hat ihn in Beziehungen gebracht zu den verschiedensten Mannes werthe bezeichnet werden kann, unseren Lesern hier vorzufühPersönlichkeiten und Erfgniffen und ihn in den Stand gelede na per faller Auffübelibere

, was

in funfzig Jahren über Beaueinander und zum Theil aud zu derselben Zeit in seinem Leben die mardais geschrieben worden ist, ist der im Jahre 1800 erschienenen verschiedensten Rollen zu spielen. Uhrmacher, Musiker, Liederdichter, Abhandlung von La Harpe entnommen, welche einen Theil feines Dramaturg, Komödienschreiber, Verfasser von Dpernterten, ein Mann Cours de Littérature” ausmacht. 9) Diese Arbeit la Harpe's, des Vergnügens und des Hofes, Unternehmer kaufmännischet Spécor welde mit einer seltenen Gerechtigkeit die großen Eigenschaften Beaulationen, Financier, Fabritant, Herausgeber, Schiffbau- Unternehmer marcais! würdigt und zur Ehrenrettung des von so vielen Gegnern Lieferant, geheimer Agent, diplomatischer Unterhändler, gelegentlich auch und Feinden angegriffenen und verdächtigten großen Mannes To unVertreter der Rechte des Voltes, feiner Natur nach zum Frieden ges endlich viel beigetragen hat, ist in biographischer Beziehung doch nichts neigt und doch fortwährend in Streitigkeiten verwidelt, kurz: wie sein weiter als eine ganz oberflächliche und unvolftändige Skizze, welcher Figaro alle nur möglichen Notlen spielend - ift Beaumarchais faft an nur ganz allgemeine und unbestimmte Angaben der Witwe des Verallen großen oder kleinen Ereigniffent, welche der Nevolution doran- storbenen zu Grunde liegen. Ein schäßenswerther Shriftfteller, Gu. gegangen find, mehr oder weniger beteiligt.

din de la Brenellerie, .) der mehr als fünfundzwanzig Jahre Faft in derselben Zeit fteht man ihn, als einen durch das Minis einer der vertrauteften Freunde Beaumardjais' gewesen (von 1770 ab #erium Maupeou gum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte Ver- bis zum Tode Beaumarchais'), batte ein im Manuskript 419 Seiten urtheilten - den Sturz der Staatsbehörde bewirken, welche ihn ber- umfaffendes Wert ausgearbeitet, unter dem Titel: „Histoire de Pierre urtheilt hat, den ,,Barbier von Sevilla“ zur Aufführung bringen, von Augustin Caron de Beaumarchais, pour servir à l'histoire littéraire, London aus einen geteimen Verkeht mit Ludwig XVI. unterhalten commerciale et politique de son temps." Den Befürchtungen der und noch belaftet von dem richterlichen Urtbeil und alles Kredits frommen Witwe, daß das im Geiste der Philosophie Voltaire's geberaubt, da att fein Hab und Gut mit Beschlag belegt ist som schriebene Wert dem Rufe ihres verftorbenen Mannes und auch der Könige felbft eine Million erhalten, mit beren Hülfe er die Interven- Rube und Sicherheit ihrer Familie nachtheilig feyn würde, bradte tion Frankreichs einleitet in der zwischen den Vereinigten Staaten und der Verfasser, der bei ał" seiner philosophischen Ungläubigteit ein febr England stattfinbenben Streitigkeit. Etwas später betreibt Beaumar: guter liebevoller Mensch war, sein Wert, das Ergebniß langer fleifaichais, dabei immer noch Lieder, Ronödien, Dpern schreibend und im ger Arbeit, zum Dpfer; er begnügte sich damit, ein Kapitel aus demmer noch mindestens zwei oder brei Prozeffe führend, den Handel in selben, über die Dramen und die Komödien feines Freundes, zum allen Theilen der Welt: er hat vierzig eigene Schiffe auf den Meeren; Schluffe der von ihm-1809 Weranstalteten Ausgabe der Werte Beauer läßt ein ihm gehörendes Kriegsschiff von 52 Kanonen mit den Shif- marcha ib' in sieben Bänden zu veröffentlichen. ***). Das erwähnte fen des Staats mitkämpfen in ber Shladt von Granada, sorgt dafür, Manusfript Gudine, welches, wenn es auch im Beziehung auf das daß seine Offiziere mit Ordenszeichen dekorirt werden, berathet mit frühere Leben Beaumarchais' weniger vollständig und mitunter auch sehr dem Könige die Kosten des Krieges und macht mehr und mehr feinen ungenau éft, doch immer als eine sehr werthvolle Borarbeit für einen Einfluß geltend in der Unterhandlung mit dem Rongreß der Vereinig- Biographen Beaumarchais" bezeichnet werden muß, bat dem Berfaffer, ten Staaten.

... Beffen Arbeit uns vorliegt, zu Gebote geftanden. Demselben sind aber Mächtig genug zu alle Diefem, mächtig genug, auch wider den außerdema durch bie Herren Delarue, den Schwiegersohn und der Willen Ludwig's XVI. den „Figaro" aufführen und wider den Willen Enkel Beaumarchais!, sämmtliche von Beaumarchais hinterlassene der Geiftlichkeit und der Regierung die erfte Gesammtausgabe von Papiere zugänglich gewesen, die funfzig Jahre lang uybenust auf einer Boltaire's Werken erscheinen zu laffen, bat er doch nicht genug Bodenkammer gelegen hatten. 4) Macht, es zu verhindern, daß er an einem schönen Morgen ohne Urtel Den merktürbigen, genialen, noch wenig erkannten Mann burde und Spruch verhaftet und im Alter von 53 Jahren einige Tage lang, Mittheilungen aus einer Biographie, deren Berfaffer aus solchen Quel. wie ein junger Taugenichts, in einer Befferungs-Anftalt eingesperrt len hat Tchöpfen können , kennen zu lernen, wird dem Publitum ficher wird; - was ihn übrigens aber daran nicht hindert, als Beschüßer lich willkommen feyrt. der Literaten bei den Ministern Fürsprache zu thun, als Finanzmann und sogar in der Rolle eines Agenten und einflußreichen Rathgebert I. Beardtarchato' Herkunft.

I, Bearmatdais" erkunft. - Seine Familie. Das geistige den lebhaftesten Verkehr mit den Herren Sartines, Maurepas,

Leben einer Bürgerfamilie des a dy tz ehaten Sahrhunderts. Bergennes, Neder und Caronne zu unterhalten, Besuche von vielen Pierte Auguftin Caroni, der im Alter von 25 Jahren ben großen Herren zu empfangen, welche Geld von ihm leiben und oft bera Ramen Beaumarchais annahm, wurde den 24. Januar 1732 in geffen, es zurüdzugeben, ferbst für Fürften“ fich beim Erzbischof von einer auf der Straße St. Denis gelegenen Uhrmacher - Werfftatt geParis zu verwenden und -- mächtig, wenn auch ohne es zu wollen, wie boren. Seine Familie war eine fchlichte Bürgerfamilie. In derselben man feben wird, an der Zerstörung der Monarchie mitzuwirken. finden wir aber eine Bildung, die befremdend erscheint: In einem

Unter dem Königthum als Mann der Opposition eingesperrt, unter nicht veröffentlichten Briefe, den Beaumarchais 1765 an sfeinen Vater, der Republik als Aristokrat verfolgt, wird ber Eragent Cudwig's XVI. von Madrid aus, geschrieben, fagt er: Die Bürger find in Madrid dennoch wider feinen Willen der Agent und Lieferant bes Wohlfahrt noch erftaunlich dumm, ganz anders, wie bei uns, wo guter Ton und Ausschusses. Diese Stellung, die ihn hatte retten sollen, bringt fein Bildung in alle Stände eingedrungen sind." In Beaumarchais älter: Leben in Gefahr und beraubt ibn feines ganzen Vermögens. Arm ges lichen Haufe fcheint dieser gute Ton, diese Bildung in besonders boren, reich geworden und zwei- oder dreimal ruinirt und wieder reid bobem Maße beimifd gewesen zu seyn. Sein Vater, André Charles geworden, fiebt er nun all sein Hab und Gut der Plünderung preis Carott, war der Sohn eines armen Uhrmachers in bizy-sur-Durcar gegeben; und nachdem er 150,000 Francs jährlichen Einkommens gebabt, ift der alte Beaumardais, unter einem falschen Namen in *) Als eine Ausnahme rühmt Louis de Loménie einen Berfuch über Beaueinem Dachftübchen zu Hamburg wohnend, eine Zeit lang in solde mardrais, welcher vor kurzem Sainte-Beuve auf Grund einiger neuen De: Armuth verseßt, daß er, seiner eigenen Aussage zufolge, ein Schwefel- **) Geb. 1738, geft. 1812 ; von Boltaire vft recht sehr gerühmt, Perfasser hölzchen, das er schon gebraucht, verwahrt, um es noch ein zweites vieler Werfe in Profa und in Verfen. Eine Fragödie von ihm wurde 1768, Mal zu gebrauchen.

einem Urtheil der Inquisition zufolge, zu Rom verbrannt. Für eine sehr um

fangreidhje ,,Gesdichte Frankreiche", der er einen großen Theil feines Lebens ges Im Alter von fünfundsechzig Jahren in sein Vaterland zurüdges witmet und auf welche er in Beziehung auf seinen Ruhm große Hoffnungen gekehrt, trank, taub, aber immer unermüdlich, betheiligt fid Beau- fest, fand er feinen Berausgeber

***) In diefer Ausgabe fehlen noch recht viele interessante Schriften Beaus maršais auch jeßt noch mit einer jugendlichen Lebendigkeit an Allem, marchats"; von der großen Menge der Hinterlassenen Briefe find aut febr wes was in der Welt um ihn her vorgeht, besorgt die Aufführung feines nige und zum Theil fehr unwichtige abgedrudt. legten Dramas („die sduldbeladene Mutter'), rafft mit ungeschwäch

t) Die auf die zahllosen und verschiedenartigften Geschäfte Beaumarchais

sich beziehenden Papiere fand Herr de Loménie sorgfältig geordnet. Die übri: tem Muth die Trümmer seines Vermögens zusammen und fängt noch gen aber

, die ein biographisches, literarisches oder historisches Interesse darbieeinmal, mit einem Fuß schon im Grabe, die ganze Arbeit seines Lez

ten, lagen in der größten Unordnung durch einander. Die hier vorgefundenen bens von vorn an, wehrt sich gegen eine Unzahl von Gläubigern, ber

erften Entwürfe fast aller schriftstellerischen Werke Beaumarchais' von seiner

eigenen Hand widerlegen endlich auch vollende die bis in die jüngsten Beiten folgt eine Unzahl von Schuldnern und stirbt mitten in der Führung aufgeworfene rachetlide Frage, ob Beaumarchais wohl auch wirklich ber Bers eines Prozesses, den er zugleich gegen die französische Republik und

Faffer der unter seinem Namen gangbaren Werte sen. Die Manufsfripte ber

: von der gegen die Republit der Bereinigten Staaten erhoben.

,,Hochzeit bes Figaro" lagen mit einem fünftlichen, it Kupfer gearbeitetes Deco

wegung8 - Apparat einer uht, einer Meisterstüc des früheren uhrmachers *) Der sehr romantische Fürst von Nassar: Siegen suchte für seine Beaumarchais, zusammen in einem und demselben,

Apparate Verbindung mit einer geschiedenen Polin die fegitimation des Grzbischofs durch

nämlich waren die Worte gravirt: „Caron filius aetatis 22 tu pem

جنبش

regula

efnent treiner Dorfe bei Meaur, geboren 1698, und gehörte einer fenz zu bringen, die man denett, welche, wie ich, Ohnmachten ausgezablreichen calviniftifch-protestantischen Familie an. In einem Gesude feßt find, zu riechen giebt. Ach, mein liebes Rind, vielleicht werbe ich an den König bemerkt Beaumarchais einmal gelegentlich, daß er von es bei Deiner Rüdfehr nicht mehr brauchen. 3ch bitte alle Tage väterlicher Seite einen Oheim gehabt, der als Grenadier-Capitain mit meines Lebens den Herrn, Dich zu regnen, Dich zu belohnen, Dich zu Bent Cudwigs - Kreuz gestorben, einen Cousin, ber Direktor der In- bewahren vor jedem Unfall; das werden immer seyn die Gebete Deidifchen Gesellschaft, und einen Cousin, der Secretait des Königs ge nes guten Freundes und Dich innig liebenden Vaters Earon. wefen. Hiernach deint die väterliche Verwandtschaft in befferen Ber: „Wenn es möglich ist, laß Deine Adresse bei Miron,“) damit ich hältniffen gelebt zu haben, als der Vater felbft, der eben nichts weis Dir im Falle, daß es mit mir zu Ende geht, meinen leßten Segen ter war, als ein armer Uhrmacher. " André Charles Caron tatn, nach. fchiden kann." dem er kurze Zeit in einem Dragoner -Regimente gedient, 1721 nach Andere Briefe zeigen, daß Beaumarchais Vater Sinn für bie Paris, um die Uhrmachertunft zu lernen, und schwur hier, einen Mos literatur, für die Künfte, für das gesellige Leben gehabt, daß Wiß, nat nach seiner Antunft, den Calvinismus ab. Beaumarchais ift alfo Scherz und ein natürlicher guter Humor ihm eigen gewesen. Seinen der Sohn eines Vaters, der früher Proteftant gewesen. Diesem Um Briefen zufolge, ift er mit Allem, was eben in der Literatur erscheint, ftande ift vielleicht der Eifer zuzufdreibett, der er später immer für ganz vertraut; er felbft, fein Sohn, seine Töchter - alle machen Gebidte die Sache der Proteftanten an den Tag gelegt. Ein Jahr nach einem - gute oder schlechte; aud Mafit treiben fie atle; sein Sohn insbeUebertritt zur römisch = tatholischen Kirche richtete André Charles Cas fondere zeigt, bon frühefter Jugend an, Talent auf allen Instrumenten. tot ein Gesuch an den König, in welchem er um die Erlaubniß bat, Die Briefe Beaumarchais' an seinen Vater zeigen ein Gemisch von fide trobem, daß er die gefeßliche Lebrzeit bei einem Meifter nicht findlicher Zärtlichkeit und von tiefer Verehrung. Mitunter aber läßt durdgemacht hätte, als Uhrmachermeister etabliren zu dürfen. Aus der zulünftige Verfaffer der Hochzeit des Figaro" fich auch seinem dem Besuche geht hervor, daß damals auch für den Gewerbe-Betrieb Vater gegenüber etwas geben; und es ist erfreulich, zu sehen, wie gut eines Uhrmachers die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche ge der alte Uhrmacher auf die Scherze und Späße einzugeben versteht. fordert wurde. Seine vertraulichen Briefe aber beweisen, daß André Daß der alte Caron fich zum zweiten Male verheiratete, geldab Charles Caror wirtlio ein aufrichtiger Katholit war, also keinesweges auf Beaumarchais' Betrieb. 3o wundere mich gar nicht“, schreibt er blos in eigennüßiger weltlicher Absicht katholisch geworden war. In von Madrid an feinen Vater, wüber Ihre Neigung zur Frau Henry: bie Zunft der Uhrmacher aufgenommen, heiratete er 1722 die Tochterfte ist die Heiterkeit felbft und eines der besten berzest, die ich fenne. eines ,,Bürgers von Paris", die eine bergensgute, aber nicht besonders Ich würde mich freuen, wenn Sie so glücklich gewesen wären, ihr eine gebildete Person war. Er felbft aber zeigt in feiner Korrespondenz noch lebhaftere Gegenliebe einzuflößen. Es wäre wirklich ein Glüd eine für seinen Stand außerordentliche wiffenschaftliche Bildung. Trop für Sie; und sie würden sie gewiß dabin bringen können, eine Ber: dem aber gelang les ihm nicht, Vermögen zu erwerben; in seinen bindung, zu welcher eine 25 jährige Zärtliofeit und Achtung den Grund legten Lebensjahren mußte er sich von seinem Sobne unterhalten laffen. gelegt, auch jeßt noch einzugeben. Wäre ich an Ihrer Stelle, ich weiß, die Probe seiner Bildung mag der folgende Brief dienen, der auch, wie ich mich benehmen würde; and, wäre ich Frau Henry, ich weiß, it Beziehung auf die Beurtheilung, welde Beaumarchais darin sein wie ich antworten würde; aber ich bin weder an Ihrer Stelle, nocy tens seines Vaters erfährt, interessant ist.

bin ich Frau Henry, und es ist nicht meine Sache, diese Geschichte in Paris, den 18. Dezember 1764. 114 Ordnung zu bringen; ich habe genug mit den meinigen zu thun.“ „Du bitteft mid in Deiner Bescheidenheit, Dich ein wenig zu Auf diese Andeutung antwortet der Vater Caron (am 19. September lieben; das ist nicht möglich, mein lieber Freund! Ein Sohn, wie Du 1764): „Wir sind gestern zum Abendessen bei meiner guten und theubift, kft bazu nicht gemacht, nur ein wenig geliebt zu werden von ren Freundin gewesen; fie bat viel gelacht über die Stelle Deines einem Vater, der, wie ich, fühlt und denkt. Die Thränen zärtlider Briefes, in welcher Du andeuteft, wie Du Dich an meiner Stelle bes Liebe, welche aus meinen Augen auf das Papier fallen, geben ein nehmen würdeft; fie meinte, daß man Dir ein gehöriges Benehmen gutes Zeugniß dafür. Die Eigenschaften Deines portrefflichen Her: Thon zutrauen könnte, und daß fie Dich herzlich Füssen würde, wenn zene, die Stärke und die Größe Deines Geiftes erfüllen mich mit der Du nicht 300 Meilen weit entfernt wäreft." (Fortf. folgt.) zärtlichften Liebe für Dich. Mein Sohn, Du Stolz meines Alters, mein theurer Sohn! womit habe ich die Gnade verdient, mit der mein Gott mich gesegnet, indem er mir einen folchen Sohn gegeben?

England. Eine größere Gunft, glaube ich, fann er einem rechtschaffenen und ge

Englische Lebensbeschreibungen der Brüder Humboldt. fühlvollen Bater nicht begeigen, als die, daß er ihm einen solchen Sohn giebt. Meine großen Schmerzen, die ich geftern noch gehabt, Bei Ingram, Cooke & Comp. in London find türzlich, zu einemt find vorüber, da ich an Dich schreiben kann. Fünf Tage und vier Buche vereinigt, die beiden Lebensbeschreibungen von Wilhelm und Nächte habe ich zugebracht, ohne effen, ohne følafen, ohne mich des Alexander v. Humboldt, nach dem Deutschen bearbeitet von Juliette Schreiens terwehren zu können; in den Zwischenzeiten, wo ich weniger Bauer, erschienen.-) Es find dazu Guftav Sülefier's „Erinnerunlitt, las ich den Grandiffon.") - Yn wie vielen Dingen habe io gen an Wilhelm 6. Humboldt" und eine biographische Arbeit über meinen Sohn dem Granbiffon ähnlich gefunden! Water Deiner Schwes Aleranber 6. Humboldt, Klendte's „Memorial, benußt worden. ftern, Freund unb Wolthäter Deines Vaters! Wenn England, sagte Der Berichterftatter über das Buch im Pondoner Athenaeum beich mir, seinen Grandiffon hat, so hat Frankreich feinen Beanmarchais, tlagt zunäcft, daß jeßt so viele Unberufene, die vielleicht eben erst gemit dem Unterschiebe, daß der englide Grandiffon nur eine Einbil- lernt haben, eine frembe Sprache halb und halb verstehen, sich dadurch bung eines tiebenswürdigen Schriftftellers ift, der französische Beau- fcon für befähigt halten, ihre Uebersegungen aus einer Sprache in marchais aber wirklich eriftirt zum Trofte meiner Tage. Wenn es die andere dem literarischen Publitum anzubieten. Das ist ein Klageeinem Sohne Ehre macht, wenn er seinen Bater rühmt als einen gu- lied, in das aus der Herausgeber des Magazins oft Gelegenheit hat, ten Mann, warum sollte es mir nicht erlaubt feyn, mich meines Soh- einzuftimmen. Es ist gar nichts Seltenes, daß der Redaction zugea net zu rühmen, indem ich ihm Gerechtigkeit zu Theil werden laffet muthet wird, Schülerarbeiten zu torrigiren und dafür noch ein erkledJa, ich mache aus ihm meinen Ruhm, und ich werde nicht aufhören, riches Honorar zu bezahlen. Auch Frau oder Fräulein J. Bauer hat es es bei allen Gelegenheiten zu thun.

nod nicht bis zum Testimonium maturitatis in der englischen Sprache ,,Adieu, mein theurer Freund! 3ch verlege Deine Bescheiden- gebracht. Das Athenaeum befürchtet, daß, wenn das Unwesen folcher beit; um fo beffer! Du erscheinft dadurch nur um so liebenswürdiger Ueberseßungen noch weiter um fich greife, dadurch die Reinheit des den Augen und dem Herzen Deines guten Baters und Freundes englischen Styles leiden könne. ,,Bir find 8 (fährt der Reviewer

Caron." fort) den Literaturen beider Sprachen, der deutschen und noch mehr Det Teßte Brief, welchen der Uhrmacher Caron, im Alter von unserer eigenen, fchuldig, gegen einen Mißbrauc zu proteftiren, der fiebenundfiebzig Jahren, reinige Tage vor seinem Code, mit zitternder beiden gleich nachtheilig ift, und der gerade in diesem Augenblicke eine Hand an feinen Sohn geschrieben, lautet folgendermaßen:

leidige Aufmunterung in dem Verlangen nad woblfeilen neuen Büchern

25. August 1775. findet, auf welche, wenn auch nicht ausschließlich, doch hauptsächlich „Mein guter Freund, mein lieber Sohn! (wie wohlthuend ift folche Fabrik-Arbeit verwandt wird." dieser Name meinem Herzen!) ich benuße eine Pause meiner maß

Aber aller Blunders, Germanismen und Drudfehler ungeachtet, losen Somerzen oder vielmehr der Qualen, die mich in Ronvulsionen bezeichnet der Meviewer das neue Buch, eben seines Gegenstandes wepersepen, blos um Dir recht innig für das, was Du mir gestern gee gen, als eine für das englische Publikum sebr anziehende Erscheinung. fóidt hat, zu danten. Es ift mir jeßt durchaus nicht möglich, in Er ift mit der Humboldt-Literatur augenscheinlich vertrauter, als die das, was Du gern von mir vernehmen möchteft, einzugehen.... Wenn Ueberseberin selbft

, und macht es ihr mit Recht zum Vorwurf, daß fie Du von England zurüdkehrft, len so gut, mir ein Flacon mit der Ef

*) Meiron war einer der Schwäger Beaumarchais'. *) „The History of Sir Charles Grandisson.", der bekannte Roman **) Lives of the Brothers Humboldt, Alexander and William. Transa von Samuel Richardson.

lated and arranged by Juliette Bauer,

Elifa Mayer's Werk über Wilhelm v. Humboldt und dessen ,,Briefe bubr's Briefen aus Holland, in den Jahren 1808-9 an seinen Bas an eine Freundin“ nicht benußt und, wie es scheint, auch nicht ge- ter, an Dora Hensler und Andere gerichtet; 3) eine Sammlung polifannt habe.

tisder Fragmente, und 4) Auszüge vermischten, besonders historischen Von den beiden Lebensbeschreibungen fagt ihm gleichwohl die des und antiquarischen Inbalts aus Niebuhr's kleineren Schriften. Bunälteren Bruders am meisten zu, wie denn auch Gustav Sclefier, der fen's Aufsaß behandelt vornehmlicy zwei Gesichtspunkte: Niebuhr's ein vollendetes Leben dargeftellt hat, ein volftändigeres Material Ansichten über moderne conftitutionelle Regierung, in Bezug auf welche benußen durfte, als der Biograph des noch in gewohnter Wirksamkeit in England und in Deutsdland wesentlich verschiedene Ansichten herrund mit entschiedener Abwehr jeder momentanen, wie monumentalen schen", und seinen im Jahre 1810 erfolgten Austritt aus dem Amte, Huldigung unter uns weilenden Verfaffers des ,,Rosmos, nach beffen der in seinem Vaterlande zu einem Gegenstand ungerechtfertigter Anboffentlich noch recht lange fich verzögerndem Lebensende die Welt ein- griffe gegen ihn gemacht worden." mal einen um so reicheren Schaß von Denkwürdigkeiten über ihn zu Niebuhr, als Lehrer der alten und der neueren Geschichte, ift in erwarten hat, mit deren Sammlung, wie wir vernehmen, ein Gelehr- England eine so große Autorität, daß seine Werte in den Händen aller ter beschäftigt ift, der früher bereits in Verbindung mit einigen geopolitisd gebildeten Männer, wie aller Studirenden, fic befinden. graphischen Arbeiten Alerander v. Humboldt's genannt wurde. Seine „Römische Geschichte“ ist auf den Universitäten des Landes ein

Sehr schön und treffend sagt der Kritiker im Athenaeum über Lehrbuchy, deffen Renntniß bei jedem Lernenden vorausgefeßt wird. Wilhelm v. Humboldt: „In ihm waren ganz verschiedenartige Na- In Oxford und Cambridge sollen allein schon nahe an fünftausend turen auf merkwürdige Weise mit einander verbunden. Mit einem Eremplare dieser Geschichte verkauft worden seyn. Es läßt sich daber fdarfen und imponirenden praktischen Verftande, liebte er es doch, leicht denken, mit welcher Begierde jedes Buch aufgenommen wird, fich in die tiefsten Speculationen zu versenken. Seine Gefühlsweise, das über die historischen und politischen Ansichten des Geschichtschreimerkwürdig zusammengeseßt aus Zartheit und Strenge, entzückte einer bers, so wie über seine politische Lebensstellung, neuen Aufsoluß zu feits durch ihren anmuthigen Ausdruck und ihre edlen Impulse und geben verheißt. batte andererseits durch Troß und satirische Zurüdhaltung etwas Abftoßendes. Diese vielgeftaltige Natur, verbunden mit der mannig Englisde Minister und Minifterien. Der neue enge faltigften Bildung und einem fortwährenden Streben nach innererlische Premier, Lord Aberdeen, ist ein Mann von gediegener klaffischer Veredelung und geiftiger Entwidelung, trat um so markirter durch Bildung, der sich durch seine archäologisden Reifen in Griechenland, die Ereigniffe eines reichbewegten und in jeder Beziehung ausgezeich - so wie als Präsident der Society of Antiquaries und Mitglied oder neten Lebenslaufs hervor, der ihn mit den ersten Menschen seiner Zeit, Protettor mehrerer anderer gelehrten Vereine, nicht unbedeutende Verin der Wissenschaft, in der Philosophie, in der Literatur und in der. dienfte um die Wiffenschaft erworben hat. Wegen seiner Stiftung Politik, in Berührung brachte. Mit den größten Staatsmännern nahm der ;,athenienfischen Gesellschaft“, an der Niemand theilnehmen durfte, er Theil an den Verhandlungen über die Geschide Europa's in einer der nicht in Griechenland gewesen, erhielt er pon Byron den BeiPeriode, welche reicher, als irgend eine andere in der neueren Geschichte, namen „Athenian Aberdeen”, der in der Folge, als ihn die liberale an wechselvollen und bedeutenden Begebenheiten war. Daber glaubt Presse nicht mit Unrecht einer allzu großen Hinneigung zur Metterman denn auch in einem Ueberblide feines Lebens nicht Einen großen nichichen Politif beschuldigte, in „Austrian Aberdeen" umgeändert Mann, sondern mehrere zugleich vor fich zu haben. Der Humboldt wurde. Im Jahre 1784 geboren, folgte er seinem Vater schon 1801 des Briefwechsels mit Schiller, der Sonette, der Abhandlung über in der alten schottisden Grafenwürde seines Hauses, ward aber erst Hermann und Dorothea, der Ueberfeßer des Aesdylus und Pindar, 1814 in Anerkennung seiner glüdlichen Unterhandlungen in Wien, scheint einer anderen Welt anzugehören, als der Diplomat Humboldt, durch welche er Defterreich zum Anschluß an die toalifirten Mächte bewelcher den Pariser Friedensvertrag unterzeichnet und an dem Wiener wegen balf, unter dem Titel eines Viscount Gordon zur Pairie des Kongreffe tbeilnimmt. Eine andere Scene eröffnet sich bei dem ele Vereinigten Königreichs erhoben. Nächst dem ruffischen Kanzler Nerganten Mäcen in Rom und wieder eine andere bei dem Staatsmini- felrode ift er wohl der einzige der in jener Periode thätigen Diplos fter in Berlin, dessen Rechtschaffenheit und Weisheit in Preußen all- maten, der sich noch in Aktivität befindet. Er ist ferner seit Lord gemein anerkannt waren. Und abermals verändert sich die Scene: der Bute, dem berüchtigten Günstling Georg’s III. (1763), der erste Staatsmann, deffen Entlassung selbst ihm zu hoher Ehre gereichte, Shotte, der an der Spiße einer englischen Regierung gestanden. In wirft die Sorgen und Mühen der Geschäfte von fich, der Philosoph diesen neunzig Jahren haben vierundzwanzig Minister (First Lords febrt in sein Studirzimmer, als seine eigentliche Heimat, zurück, und of the Treasury) längere oder fürzere Zeit das Staatsruber gelenkt, den Denker, der die fühnften Flüge der Speculation wagt, den Philos nämlich: George Grenville, der Marquis von Rodingham, der Herlogen, welchem es eine bloße Erholung ist, die Geheimnisse der Sprache zog von Grafton, Lord North, der Marquis von Rodingham (zum zu erforsiden, ziert der Gelehrtenmantel, in den er fich jeßt einbüllt, so zweitenmal), Graf Shelburne (Vater des Marquis von Lansdowne ), außerordentlich, als ob er niemals ein anderes Kleid getragen hätte." der Herzog von Portland, William Pitt, Henry Addington, Bil

Alexander von Humboldt sagt von diesen leßten Studien seines liam Pitt (zum zweitenmal), Lord Grenville, Herzog von Portland Bruders, denen wir dessen großes, nachgelassenes Werk „über die (zum zweitenmal), Spencer Perceval, Graf Liverpool, George CanRawi-Sprache und über die Verschiedenheit des mensdlichen Sprach- ning, Discount Goberich (ießt Graf von Ripon), der Herzog von baues verdanken, in der Vorrede zu demselben eben so finnig als Wellington, Graf Grey, Discount Melbourne, Sir Robert Peel, bezeichnend: „Wenn nicht alle meine Hoffnungen mich täuschen, so Viscount Melbourne (zum zweitenmal), Sir Robert Peel (zum zweimuß das vorliegende Werk, indem es den Ideenkreis mächtig erwei-. tenmal), Lord John Nuffed und Graf Derby. Von diesen Ministetert und in dem Organismus der Sprache gleichsam das geistige rien batten das erste von Pitt (1783-1801 ) und das von lord Geschick der Völfer deuten lehrt, den Leser mit einem aufrichtenden, Liverpool (1812–1827) die längste Dauer; weniger als ein Jahr die Menschheit ehrenden Glauben durchdringen. Es muß die Ueber- bestanden die Ministerien Rodingham, Shelburne, das erste por zeugung barbieten, daß eine gewiffe Größe in der Behandlung eines Portland, Canning, Goderich, das erste von Melbourne, das erste von Gegenstandes nicht aus intellektuellen Anlagen allein, sondern vorzugs- Peel und das des Grafen Derby. Im Amte gestorben find lord weise aus der Größe des Charakters, aus einem freien, von der Ge Rodingham, Pitt, Portland, Perceval unb Canning. genwart nie besdräntten Sinne und den unergründeten Tiefen der Gefühle entspringt.“ Mannigfaltiges.

Literarischer Anzeiger. Barthold Niebuhr in England. In einem neulich er- Schachzeitung der Berliner Sehachsdienenen Supplement-Bande zu der englisden Ueberseßung von Nie

gesellschaft, herausgegeben von Andersson und bubr's Leben und Briefwechselo) theilt die Herausgeberin, Miß Su

E. Kossak, auf 1853. Achter Jahrgang. Preis fanna Winkworth, einige sehr interessante Nachträge in Bezug

des Jahrgangs Drei Thaler, des einzelnen Heftes auf das öffentliche Leben und den politischen Charakter des berühmten

! Thaler. Geschichtsdreibers mit. Es umfaffen diese Nachträge: 1) einen Auf

Das Januar - Heft der Schachzeitung 1853 wird enthalteo : Bledow fas aus Bunsen's Feder über die politischen Ansichten seines großen

unter den Schüleru, eine Humoreske von E. Kossaki Aufenthalt in Strö. Freundes und Lehrers; 2) eine Reibefolge von Auszügen aus Nie

beck nebst Schachreflexionen von M. Lange. Zur Theorie des Evans-Game

bit von Anderssea. Partieen zwischen Stanley und St. Amant, gespielt *) The Life and Letters of Barthold George Niebuhr, and Selec zu New-York. – Phreoologisches in Schach. Schach-Sonetteo-Cyclus. Probleme. tions from his Minor Writings. Edited and translated by Susanna Wink

Veit & Comp. worth. Vol. III. Supplementary. London, Chapman & Hall.

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Die Folge einer solchen Stimmung war, daß fie allen Mädten, Montenegro.

die mit der Pforte Krieg führten, ihre Dienfte anboten. Der Ruhm

Peter's des Großen erweckte in ihnen das Verlangen, fich dem glauGeschichtliches über die Montenegriner. **)

bensverwandten Rußland anzuschließen. Im Jahre 1712 fertigten fie Zu Anfang des 6sten Jahrhunderts erschien ein bisher unbe- zu diesem Zwede eine Deputation nach St. Petersburg ab, und Peter fanntes Volf, die Slawen, auf dem Schauplaß der Geschichte, bedrohte der Große versprach, sie unter seinen Schuß zu nehmen. Von nun das byzantinische Reich, vertrieb die Gothen und befeßte alles land an war Montenegro der Hort der von den Türken unterbrückten dyrists von der Oftsee bis zur Elbe, der Theiß und dem Sdwarzen Meere. lichen Einwohner der benachbarten Länder, welche in seinen Bergen 3m 7ten Jahrhundert schloffen die Slawen, nach Unterwerfung Pan- herzliche Gaftfreundschaft und einen ficheren Zufluchtsort fanden. Diese noniens, ein Bündniß mit dem Kaiser, drangen in Jayrien ein, be- sogenannten Uskoken oder Auswanderer wurden wie leibliche Brüder fiegten die Avaren und gründeten neue Provinzen unter dem Namen angesehen, erhielten das volle Bürgerrecht und zeichnen sich noch jeßt Kroatien, Slavonien, Serbien, Bosnien und Dalmatien. Alle diese durch Muth und Treue gegen ihr neues Vaterland aus. Als die Provinzen bildeten anfangs eiu einiges Königreich, das serbische; aber Venezianer 1718 der Türkei den Krieg erklärten, bewaffneten sich die durch innere Zerwürfnisse wurde dieses mächtige Reich in viele kleine Montenegriner zur Vertheidigung der Republit, zu deren Unterthanen Gebiete zersplittert. Die Plünderungszüge und blutigen Kämpfe der fie sich erklärten; mit dem Frieden hörte jedoch dieses Verhältniß auf, kleinen unabhängigen Fürsten entkräfteten das Volk. 3m 14 ten Jahr- und sie erkannten von neuem die Oberherrlichkeit Rußlands an, welbundert stellte Georg, nach Besiegung der anderen Stammhäupter, ches ihnen seinen Schuß angedeihen ließ, ohne das Opfer ihrer Selbdas serbische Reich wieder her, in welchem seine Nachkommen, aus ständigkeit zu fordern. Die Kaiserin Elisabeth schickte zur Zeit einer dem Hause Tschernowitsid, bis zum Jabre 1480 herrschten, nm welche Hungersnoth bedeutende Summen zum Unterhalt des Volks. RathaZeit die Slawen, durch Zwietracht geschwächt, fast überall ihre Selb- rina II. bezeugte ihnen zu wiederholten Malen ihre Dankbarkeit für ständigkeit verloren: die einen wurden von den Osmanen unterjocht, tapfere Mitwirkung in den Kriegen mit der Pforte. Kaiser Paul die anderen gebordsten der Reibe nach verschiedenen fremden Gebie- machte ihren Kirchen reiche Geschenke und errichtete unter ihnen einen tern, einige veränderten den Glauben und haben selbst ihre Mutter- obersten Gerichtshof, „Kulut“, der aus sechzig Aeltesten bestand, denen sprache vergessen.

er ein Gebalt von 2000 Dukaten ausseßte. Alerander legte Schulen Von dieser Epoche an ward Montenegro (Tídernogora, d. b. der an, deren Kosten von Rußland bestritten wurden. Das Volt ließ diese schwarze Berg) zum Sandsdal Skutari gerechnet; da aber die Türken Wohlthaten nicht unvergolten; in allen Feldzügen Rußlands gegen die wegen der öfteren Empörungen sich nie darin feftseßen konnten, To Türkei erschien es auf dem Kampfplaß und focht in den Schlachten zabiten die Montenegriner nach Umständen mitunter den Charadsch mit Helbenmuth und unwandelbarer Treue. Im Kriege von 1768 er(Tribut), mitunter verweigerten fie ihn aber ganz und betrachteten oberten die Montenegriner die Stadt Podgoriga und die Feftung fich stets als unabhängig. In den Jahren 1571 und 1657 bemäch- Zabljak, ') verwüsteten die Umgegend, fepten Bosnien und Albanien tigten sich die Türken auf ihren Feldzügen gegen Cattaro auch Mon- in Shrecken und hielten die zahlreichen Truppen des Paschas von tenegro's; nach zweijährigen Anstrengungen indessen eroberten sich die Skutari und anderer Befehlshaber an ihren Gränzen zurück, wodurch Einwohner ihre Freiheit zurüc. Seit dem Jahre 1658, wo der Wla- fie eine für Rußland nicht unwichtige Diversion machten. Sie naha dyka (Bischof) Danilo Petrowitsch") an der Spiße des Landes ftand, men, mit einem Worte, an allen Kriegen Katharina's II. mit den ift Montenegro ftets unabhängig von der Türkei geblieben.

Türken den tätigsten Antbeil. Im Laufe von zwei Jahrhunderten bat die Pforte alle Mittel Im Jahre 1785 versuchte Butschali-Mahmud, Pasda von Stuaufgeboten, diese Provinz zum Gehorsam zu bringen; allein selbst zu tari, diese Provinz endlich zu unterwerfen; er sammelte eine zahlreiche einer Zeit, wo ihre Waffen noch alle driftlichen Mächte mit Søreden Armee und drang bis in die Mitte des Landes vor. In den engen erfüllten, mußten die Türken sich von der Erfolglosigkeit ihrer Ver- Päffen bielten jedoch die Montenegriner Stand, und nachdem die Türsuce gegen Montenegro überzeugen. Nach dem Tode des berühmten

Nach dem Tode des berühmten ken die von ihnen beseßten Ortschaften eingeäfchert hatten, mußten Skanderbeg waren die tapferen Albaneser genöthigt worden, der Ueber- sie mit großem Verluste das Land räumen. Die Montenegriner sanmacht zu weichen, die Montenegriner aber blieben frei. Die Ruinen von nen auf Rache, wozu fich im Jahre 1789 eine Gelegenheit darbot. Kroja, der Hauptstadt Skanderbeg's, wo Sultan Murad mit 130,000 Dø- Mit einem öfterreichischen Detaschement unter dem Kommando dess manlis von einer Handvol Leute, unter denen sich auch Montenegriner Majors Bufafsowitsch vereinigt, schlugen sie den Pafcha, fielen in befanden, geschlagen wurde, find nodbeute unweit der Gränze jen- Albanien ein, verbrannten eine Menge türkischer Dörfer und kehrten seits des Flusses Drino zu erbliden. Im Jahre 1612 rüdte Mach mit Beute beladen nach Hause. Im Auftrage des Petersburger Hofes med Pascha mit einer Armee von 30,000 Mann in dieses land ein, warb der Oberftlieutenant Graf Iwelitsd in der Herzegowina und der erlitt jedoch von den Einwohnern eine Niederlage und mußte fich, nach Provinz Cattaro ein Corps von 5000 Freiwilligen an; der Metropolit von dem er ein einziges Dorf im Bezirke Bjelopawlitschi verbrannt, mit Tschernogora aber beunruhigte die benachbarten Paschas durch immergroßem Verlust zurückziehen. Im folgenden Jahre griff der Pafcha währende Einfälle und Scharmüßel und zog fie dadurch von der DoNuraslan, um das Mißgeschid seines Vorgängers wieder gutzumachen, nau ab, wo die Ruffen und Defterreicher mit den Türken fämpften. Montenegro mit 60,000 Mann an und dachte es zu unterwerfen. Die Unterbeffen wurde 1791 in Siftowo der Friede geschlossen, ohne Umstände waren ihm günstig. Das land war durch innere Febben daß die Unabhängigkeit der Montenegriner anerkannt ward. Der zerrüttet, und der Pascha drang ohne Widerstand bis Klementi und Sultan forberte von ihnen, als Zeichen der Unterthänigkeit, einen Bjelopawlitschi. Diese Gefahr stellte die Einigkeit unter den Monte- kleinen Tribut; allein die fühnen Bergbewohner wollten fich auch nicht negrinern wieder ber. Muthig traten sie dem Pascha entgegen und zum geringsten Schein der Dienstbarkeit verstehen. Die Pforte befdlugen ihn in der Nähe des Distrikts Ruffon-lug aufs Haupt. Der mühte fide, fie durch Unterhandlungen zu diesem Scritt zu bewegen," größte Theil des feindlichen Heeres blieb auf dem Plaße, eine reiche aber alles war vergebens, und die Türken mußten es von neuem mit Beute fiel den Siegern in die Hände, und der Pasca felbst ver- der Waffengewalt versuchen. mochte sich kaum mit einer Abtheilung Ravallerie zu retten. Die 3m Fabre 1796 erbielt der schon erwähnte Mahmud, Pascha Freibeit und Unabhängigkeit Montenegro's waren durch diesen ruhm- von Skutari, den Befehl, die Truppen aus allen benachbarten Paschavollen Sieg auf lange befestigt; der Krieg wurde jeßt die Lieblingss life an sich zu ziehen und um jeden Preis das widerspenstige Slaa beschäftigung der tapferen Bewohner, und ihre Feindschaft gegen die wenvolt zum Geborsam zu bringen oder auszurotten. Der Pada Türfen nahm den Charakter eines erblichen Hafies an.

überschritt die Gränze mit einer ftarten Heeresmacht, aus tapferen

*) Nach dem Russischen. **) Ahnherr des jesigen Fürften.

*) Dieselbe, deren sich die Montenegriner jest wieder bemächtigt haben

D. R. und in der fie von dem Pascha von Skutari belagert werden.

Albanesern und Janitsjaren bestehend. Der Metropolit Peter Pe- den Verftand und farb; die Witwe kehrte 1772 ohne Vermögen mit trowitsch erwartete an der Spiße feines kleinen Häufleins den Feind zwei Kindern nach Frankreich zurüd; Beaumarchais sorgte für ihren und beim Fleden Kruffe, unweit der Feftung Podgorißa an der Gränze der Kinder Unterhalt. Die zweite Schwester Beaumarchais", Marie des Landes, und erklärte, daß man bier siegen oder sterben müsse. Kuise, in den Familienbriefen Lisette genannt, ist die in dem TrauerEntfohloffen, den Krieg durd eine Sálacht zu enden, stellte er sich spiel von Goethe vorkommende Braut Clavigo's. Sie war, wie es im Angesicht der Feinde auf den Höhen auf, machte einen Schein- scheint, ein geistreiches und hübsches Mädchen. Sie ist unverheiratet angriff auf das türkische Lager und 30g fich dann zurüd, indem er geblieben und hat später in einem Kloster in der Picardie gelebt. Die fünftausend auserlesenen Kriegern die Vertheidigung der Engpässe dritte Sowester wurde 1756 an der berühmten Uhrmacher lepine anvertraute ließ auf die Gipfel der Felsen die rothen Kappen, die verheiratet. Die beiden jüngsten Schwestern verdienen, da Beaumarvon den Montenegrinern getragen werden, auffteden, machte mit fei- cais vorzugsweise nur mit ihnen in dauerndem innigem Verkehr genem Hauptcorps einen forcirten Radtmars, kam dem Feinde in den wesenunb geblieben, eine genauere Schilderung. Von allen feinen Rüden und schnitt ihm den Rüdzug ab. Die Türken, von den Wacht- Schwestern ist die vierte, Marie Julie, die ausgezeichnetste; sie ward feuern und den rothen Müßen getäuscht, näherten sich am Morgen vier Jahre später geboren, als Beaumarchais, und ist ein Jahr früher gedem Engpaß. Die fünftausend Montenegriner leifteten tapfere Ge- ftorben; sie ist nicht verheiratet gewesen und hat ihr ganzes Leben ihrem genwehr, wichen keinen Schritt und hielten während mehrerer Stunden Bruder geweiht, der sie auch aufs innigfte geliebt hat. Sie ift unter den Andrang des ganzen feindlichen Heeres aus. Um Mittag er. dem Namen Julie Beaumardais in der vornehmen Welt bekannt schienen die Schaaren des Metropoliten, welche unterbeffen die un- geworden als eine Dame von tiefer Geiftesbildung und von sehr liewegfamften Berge überftiegen hatten, im Rüden des türkisden Lagers, benswürbigem Charakter. Sie war feine regelmäßige Schönheit; über stürzten von den Anhöhen herab und fielen mit voller Kraft auf die ihre Nase, die ein wenig lang war, macht fie fich felbft luftig; aber erstaunten Osmanlis. Die Türken kämpften wie Verzweifelte; die fie fatte ein fehr gefälliges Benehmen, ein intereffantes Geficht und Montenegriner, für die Bertheidigung des Vaterlandes begeistert, Augen - fo bezaubernd fhön, daß mehrere unbekannte Dichter biebieben fich todesmuthig in die dichten Reiben der Gegner ein: die selben befungen haben. Ohne in dem Maße, wie ihre jüngste SchweSúlacht dauerte drei Tage. Von allen Seiten umringt, war es ster, musikalisch zu seyn, war sie doch eine tüchtige Harfenspielerin; dem Feinde unmöglich, fich durchzuschlagen: fie erlitten eine volla fie spielte auch das Bioloncell; sie sprach das Italiänische und das Spaftändige Niederlage Dreißigtausend blieben auf dem Plaße; ber nische; sie hat Verse und die Musik bazu aus dem Stegreife gemacht. Pascha felbft verlor das Leben; die Bagage und das reiche Lager Die Verse zeichnen fich mehr durch fröhliche Laune, als durch poefielen ben Siegern in die Hände. Das Haupt des Paschas, als die tischen Werth aus. Einige Dichtungen von ihr in ernstem Ton zeigen glänzendste Trophäe, ward nebst den Fahnen im Kloster Cetinje auf- von nicht unbedeutendem Talente. Am schönsten offenbart fich ihr geftellt. Dieser ruhmvolle Sieg verbreitete Sdreden unter den Tür- Geift mit all seiner Anmuth und lebendigkeit in ihren vertrauten Brieken, ficherte die Freiheit der Montenegriner und gesellte ihrer na- fen. Als ein noch sehr junges Mädchen schreibt sie einer Freundin: türlichen Tapferkeit die Idee der Unüberwindlichkeit bei. Die Folge ,,Du mußt wissen, auf welch' närrisdem Fuß ich mit Deinem Brus hiervon war, daß die Gränzdiftrifte Berba, Kutschi und Piperi fich der stehe. Die Art von Neigung, die er für mich hat, wie ich Dir mit Montenegro vereinigten.

vor einem Monate erzählt, ist immer stärker und immer schöner ge3m Jahre 1803 richtete Napoleon seine Blide auf Montenegro, worben, besonders feit der Abreise unserer Freundinnen. Er fam faft welches ihm einen wichtigen Anhaltspunkt in feinen Plänen auf das alle Abenbe zu uns, um nach dem Abendessen mit mir bis Mitternact türtische Reich darbot. Die Montenegriner, die ftets bereit sind, ihre oder gar bis Ein Uhr zu luftwandeln; da, mein liebes Lenchen, unterDienfte jeder Macht anzubieten, welche bei ihren Angriffen gegen die hielt er mich von seiner Neigung in einer wirklich recht altväterischen Türfen mitzuwirken verspricht, wären leicht für ein Bündniß mit Weise, die aber nicht wenig beluftigend war. Daß ich auf eben diesen Frankreich gewonnen worden; um sie davon abzuhalten, schidite Nuß- Ton einging mit meiner Dir bekannten närrisd-ernsten Manier, fannst land den ihnen schon bekannten Grafen Zwelitid, der jeßt den Rang Du Dir vorstellen; aber mitten in allem Scherz habe id mitunter eines Generallieutenants bekleidete, nad Montenegro, beffen Sen- ziemlich glüdliche Wendungen gefunden, um ihn im Ernft zu überdung den erwünschten Erfolg batte. In dem Kriege, der bald darauf zeugen, daß ich ihn nicht liebe; und ich glaube, er ist davon überzeugt, zwisden den Ruffen und Franzosen ausbrach, ftellte fich das tapfere obwohl ich ihm niemals so viel Angenehmes gesagt, wie ich jest thue, Bergvoll auf Seiten der Erfteren, half das von einem kleinen ruffie in Folge eines Uebereintommens, welches wir getroffen, uns zwei Tage den Corps befeßte Cattaro gegen die französische Armee vertheidigen in der Woche zu lieben; er hat den Montag und den Sonnabend geund entwiđelte bei jeder Gelegenheit den unersdrođenften Muth. wählt, ich den Dienftag und den Sonntag." Dieser Muth und das Vertrauen auf die eigenen Kräfte wurden noch In Bezug auf diesen selben Bruder Idreibt Julie ihrer Freundin mehr durch den Sieg bei Alt - Ragusa und durch die Vertreibung des ein andermal: „Mein lekter Brief bat Dir Deinen Bruder im beften Generald Lauriston aus seiner verschanzten Stellung auf dem Berge Zuftande wiedergegeben. Was soll ich Dir noch mehr geben? Kann Wargart erhöht, endlich aber durch die Niederlage des Ober-Gene ich Dir ein anständigeres Geschenk machen? Er befindet sich in einem rals Marmont selbst, der fich, troß seiner überlegenen Macht, in Zustande, der Dir Appetit machen könnte, ihn unzubereitet blos größter Eil von Castelnuovo zurüdziehen mußte und, die Eroberung mit etwas Salz, zu genießen, wenn Du nicht wüßteft, daß ein Advokat Montenegro's aufgebend, genöthigt wurde, an seine eigene Sicher- vielleicht von allen Gerichten bas ledernfte und unverdaulichste ift." beit zu denken.

Der muntere, nedische und originelle Geist, welchen im Keime schon diese Proben zeigen, erscheint in späteren Briefen immer mehr

ausgebildet. Und es fann nicht befremden, daß dieser Geist bei JuFrankreich.

lien eben so, wie bei ihrem Bruder, auch seine Schattenseite hat: es Beaumarchais.

ift ihm eine gewisse Affectation, eine mitunter zu sehr gesuchte Spiß

findigkeit, bisweilen eine etwas zu ungemäßigte Ausgelassenheit eigen. Sein Leben, seine Schriften und seine Zeit.

Um ihrer jüngeren Schwefter ihre Trägheit im Schreiben vorzuwerfen, (Fortfeßung.)

drückt Julie sich in folgender Art aus: ,,Wie schlecht lebe ich Dich Es gelang dem Vater Caron wirklich, mit Hülfe seines Sohnes, Deinen Reichthum anwenden! Mit so viel Geift, um zu geben, mit das Herz der Frau Henry, einer Raufmanns - Witwe von 60 Jahren einem so vortrefflichen Sinn für den Ausdruck, mit einer so reichen und und von einigem Vermögen, zu rühren; sie wurde feine zweite Frau. so ausgezeichneten Fülle inneren Lebens, läßt Du mich betteln, midy, am 15. Januar 1766; er war damals 68 Jahre alt. Nach zwei Jah- einen armen Lazarus! Ich muß anklopfen an die Thür Deines Herzens, ren verlor er fie durch den Cod; später ließ er fich noch zu einer drit- muß mir viel Mühe geben, Deinen Geift für mich zu gewinnen, muß ten Ehe verleiten: er heiratete am 18. April 1775, diesesmal wider den aufweden alle Deine Diener: die guten Vorsäße, muß bezahlen Deine Billen und sogar ohne Wiffen des Sohns, seine alte, verschmißte Haus- Kammerfrau: die Erinnerung, um auf die Beine zu bringen Deinen bälterin, welche nur in der Abfight, später von Beaumarchais etwas zu Pförtner: den guten Humor, und Deine süßen Leute: die guten Geexpressen, seine Frau wurde. Und wirklich sah sich Beaumarchais nach dem danken; geb, ich glaube: Du wirft verdammt werden, weil Du fo

Tode seines Vaters genöthigt, 6000 Francs zu opfern, um fich diese Per- viel Geist und so wenig Güte haft.“) Uebrigens aber schließt die son vom Halse zu schaffen. Die Störung, welche durch diese Frau in das humoristische Luftigkeit bei Zulien die Tiefe der Empfindung nicht aus. innige Verhältniß zwischen dem Vater und Sohn gebracht wurde, war Das beweift folgende einem Tagebude Julie's entnommene Stelle, bald wieder ausgeglichen.

die auch um der Beziehung willen, welche fie auf Beaumarchais hat, don Um die Schilderung der Familie Beaumarchais voulftändig zu Intereffe ift: machen, müffen wir auch die Schwestern Beaumarchais' dem Leser vora „Richardson, göttlicher Mann, wie lese ich Dich mit liebe! Meine führen. Es waren ibrer fünf; zwei von ihnen waren älter als Beaumarcais. Die älteste, mit einem Baumeister Guilbert verheiratet,

*) Gin andermal schreibt fie: „J'aime toujours ma Lenon par A, ging mit ihrem Manne und einer ihrer Schwestern nach Madrib. Sie parcequ'elle est affable ; je la désire par B, parcequ'elle est bonne; je

l'envoie promener par C, parcequ'elle est capricieuse; je la reprends etablirten hier eine Puß- und Mode - Handlung. Der Mann verlor. par D, parcequ'elle est douce; je la rends par E, parcequ'elle est folle.”

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